Bauer Willi
Kommentare 65

SPD für höhere Lebensmittelpreise

Heute morgen habe ich mir verwundert die Augen gerieben. Ministerpräsident Weil aus Niedersachsen (SPD) „lobt den Kampf der Bauern für höhere Preise“ und schimpft auf die Discounter. Desweiteren wird er zitiert: „Auch für die Aktionen vor Supermärkten habe ich Verständnis. Ich bedauere sehr, dass das Management der großen Einzelhandelsketten vorher nicht genügend Einsicht gezeigt hat.“ 

Dieses Engagement von MP Weil wird wohl jeder Landwirt gut finden.  Bisher konnte man nicht erkennen, dass sich die SPD in besonderer Weise für die Landwirtschaft einsetzt. Aber warum macht er das jetzt? Cui bono? (= wem nützt es?) Und wie ernst ist es gemeint? Was will Niedersachsen jetzt konkret unternehmen? Oder bleibt es ein Appell?

https://www.n-tv.de/politik/Weil-lobt-Kampf-der-Bauern-fuer-hoehere-Preise-article22266929.html

https://www.leonberger-kreiszeitung.de/inhalt.chancen-fuer-eu-agrarreform-weil-lebensmittel-preisdumping-beenden.903af732-bccd-42eb-b05d-f9337b6a1b6a.html

https://www.az-online.de/niedersachsen/landwirte-bauern-aldi-lager-protest-streit-niedersachsen-90153124.html

Bereits im Februar 2020 hatte sich Weil in gleicher Weise geäußert. Geändert hat sich seitdem nichts

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/lebensmittelpreis-weil-101.html

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65 Kommentare

  1. Thomas Apfel sagt

    Hallo Herr Niemann,
    wenns für Störfeuer inhaltlicher Art nicht mehr reicht, kommt die Diffamierung. Herrn Dr. Kremer Schillings in die rechte Ecke stellen zu wollen ist allunterste Schublade!
    Aber damit reihen Sie sich als einer der Spalter in die Reihe der Medien ein, die , wenn ihnen die Argumente ausgehen, die Rechtextremistenkeule in irgendeiner Form rausholen.

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  2. Eckehard Niemann sagt

    Frage: Wie steht „Bauer Willi“ denn zu seiner früheren Einschätzung der Parteien – in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ (8.4.2016):

    „Willi: Ach, die Union steht heute – ebenso wie die SPD – auf dem Standpunkt: Laß das mal die Grünen machen. Die FDP ist immerhin für einen sinnvollen Einsatz grüner Gentechnik – das ist doch mal was anderes. Aber ansonsten, das muß ich Ihnen ehrlich sagen, sind wir Bauern von den etablierten Parteien alle mehr oder weniger enttäuscht….“

    Wikipedia: Die Junge Freiheit (JF) ist eine überregionale deutsche Wochenzeitung. Sie versteht sich als unabhängiges konservatives Medium. Politikwissenschaftler ordnen sie einem „Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus“ zu und bezeichnen sie als „Sprachrohr der Neuen Rechten“ (…)

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    • Schmeckt gut sagt

      Lieber Herr Niemann, ihre Kommentare sind nur noch peinlich. Abgesehen vom Inhalt ist das Interview 4,5 Jahre alt. Sind das in der Politik (sie haben es so eingeordnet 😉 ) nicht Welten?

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  3. Wilhelm Harms sagt

    Einfach mal in den Wahlkalender schauen !

    Die SPD will wieder Volkspartei werden . . . .

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    • Arnold Krämer sagt

      … die blicken einfach nicht mehr durch in einer Wirtschaftswelt, die sie selbst so herbei geführt/reguliert haben.

      Ein Stoßgebet wie „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, reicht aber nicht mehr aus. Ob das alle rechtzeitig begreifen?

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Da fällt mir wieder ein Zitat von Christian Bachler ein: „Viele meiner Kollegen haben quasi wirklich das Stockholm-Syndrom. Also, sie wissen, die Geiselnahme ist scheiße, aber sie sympathisieren im Zweifelsfall mit dem Geiselnehmer, nicht? Und bevor man jetzt einmal allein nur anders wählen würde, oder einmal aufstehen und sagen: Du, das ist blöd! haltet man lieber den Mund und sagt: Der hat gesagt, der Kaiser ist nackt.“

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  4. bauerhans sagt

    S.Schulze,SPD,hat sich auch gemeldet und will endlich die tierhaltung auf vordermann bringen,insbesondere an die fläche binden.

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    • Ferkelhebamme sagt

      … und blockiert und vernichtet sie mit der Verabschiedung der TA-Luft.
      Das Stoßgebet „Vergib Ihnen, denn Sie wissen nicht, was sie tun“ reicht da schon lange nicht mehr. Aber irgendwie begreift das scheinbar niemand

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Die Roten glauben an das Märchen von der guten Fee, bei der jeder drei Wünsche frei hat, zum Beispiel jene aus dem SPÖ – Parteiprogramm: „Die Landwirtschaft soll zu einem gesunden Leben beitragen, qualitätsvolle, möglichst regionale und leistbare Ernährung sicherstellen und besondere Rücksicht auf Tierrechte und Tierwohl nehmen. Biologische Produktion, traditionelle Anbauweisen und eine kleinstrukturierte Landwirtschaft leisten hierzu wichtige Beiträge.“ Also: je kleiner, traditioneller und ökologischer die Höfe sind, umso leistbarer werden die Lebensmittel.

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    • Paulus sagt

      Von dieser ehemaligen Asta-Vorsitzenden und ihren Genossen spricht nach der nächsten BT-Wahl niemand mehr. Bei der grünen Annalena Baerbock habe ich mittlerweile den Eindruck, dass sie in der CDU oder bei der FDP genau so gut aufgehoben wäre.
      Stellt euch mal vor – ein Karnevalspräside namens Laschet tritt gegen eine ernst zu nehmende Frau Baerbock an.

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      • Bauer Willi sagt

        Bei Annalena habe ich überhaupt keinen Eindruck. Das Mädchen kann ich nicht für voll nehmen. Ich habe von ihr bisher nichts von Belang gehört, was mir in Erinnerung geblieben wäre. Gut, das trifft für andere Politiker auch zu…

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  5. Friedrich sagt

    Ich kann nur an Willi danke sagen für seinen Einsatz mit den „Grünen Kreuzen“ , denn ohne hätten wir keine Demos in Deutschland und damit nicht die inzwischen ständige Aufmerksamkeit erreicht. Schlechte Bilder sind nicht gut für die Politiker und deshalb wagen sich immer mehr mit entsprechenden Aussagen an die Medien. In wie weit die Aussagen
    gehaltvoll sind , kann ich bis jetzt nicht erkennen. Sprüche eben , mehr nicht. Deshalb kann ich immer nur sagen, Schlepper tanken und im Bedarfsfalle losfahren und blockkieren, nur das hilft den Druck aufrecht zu erhalten. Worte sind genug gesprochen. Wir wollen Taten sehen , die bei uns auf dem Konto ankommen. Alles andere ist nur Heuchelei und Laberei. Habe heute einen Zug Schweine verladen , natürlich kräftig übergewichtig , weil zu spät abgeholt . Auf die Abrechnung bin ich mal wieder gespannt . Zum Weinen ! Wir können uns eben nur selbst helfen und das geht zur Zeit eben nur mit Demos. Der MP Weil kommt jetzt so langsam aus der Ecke , weil der öffentliche Druck aus Wirtschaft , Medien , Verbrauchern und Bauern eben immer größer wird. Trotzdem , bis nichts fest geschrieben ist , dürfen wir nicht warten . LEH und Politiker sitzen das aus , oder versuchen es erst einmal. Normalerweise müßten uns die NGOs , aber auch die Grünen beispringen , aber wenn man Schweigegeld kassiert hat , ist man natürlich auch in der Falle. Jetzt müßten auch unsere mitdemonstrierenden Biobauern merken , daß NGOs und Grüne sie nur für ihre Zwecke mißbrauchen.

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  6. Arnold Krämer sagt

    Herr Weil hat wohl in den letzten Tagen einen Anruf von Uwe Bartels, früherer nds. SPD- Landwirtschaftsminister, ehemaliger Bürgermeister in Vechta und jetziger Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums im Oldenburger Land bekommen. „Die Hütte brennt“
    In den Sonntagsreden wird immer wieder betont, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft in Nds der zweitgrößte Wirtschaftssektor nach der Automobilindustrie sei. Da diese jetzt vor die Wand gefahren wird und mit dem zweitgrößten dasselbe auch erkennbar passiert, machen sich die Sozialdemokraten in Niedersachsen (in einer großen Koalition mit dem Juniorpartner CDU) echte Sorgen (um die Wiederwahl 2022 im Land).
    Der Gestaltungsspielraum für Agrarpolitik auf Landesebene ist gering, das hat man jetzt wieder erkennen können bei der Verabschiedung der Gesetze und Verordnungen zum sogenannten Niedersächsischen Weg (Vertrag mit zwischen Landesregierung, Uweltorganisationen und Bauernverband).
    Die entscheidenden Weichenstellungen werden in Brüssel und in Berlin (hier vor allem durch das Betreiben der SPD-Umweltminister) vorgenommen.
    Die SPD ist im Land Niedersachsen auch in ländlichen Regionen wie Ostfriesland und Südniedersachsen relativ stark und betreibt in Niedersachsen eine relativ moderate Agrar- und Umweltpolitik. Viele Apparate sind aber auch mittlerweile „grün“ besetzt.

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    • Brötchen sagt

      Herr Krämer was mir aufgefallen ist, nun bricht ja auch noch der Ackerbau als „sichere“ Einkommensquelle weg.

      Es brennt an allen Ecken und Enden……normalerweise würde man erwarten, das z.B. die Co2 Steuer ausgesetzt werden würde, oder bestimmte Auflagen, aber nichts passiert!

      Haben Sie dazu ne Meinung ?
      Würde mich interessieren.

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      • Arnold Krämer sagt

        Die Apparate sind alle noch im Vor-Corona-Modus und die Politik arbeitet das ab, was in den Vorjahren „erarbeitet“ und abgesprochen wurde. Wenn das böse Erwachen kommt nach den Lockdowns und den wirtschaftlichen Verwerfungen, die man bis zur BT-Wahl m. E. nicht kaschieren kann, wird man umdenken MÜSSEN.
        Viel wird abhängen vom Ausgang der BT-Wahl. Für entsprechnede Prognosen ist hier der „Chef-Kommentator und -astrologe Friedrich“ der bessere Ansprechpartner.

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        • Brötchen sagt

          Arnold Krämerg laubst Du die Wahl kommt, ich vermute die wird ein Jahr verschoben, falls Corona nicht bis Ostern in den Griff bekommen wird.
          Danke für die Meinung!

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        • Paulus sagt

          @ Arnold Krämer, nichts gegen Friedrich, auch wenn seine Vorträge manchmal etwas herb sind. Ich schätze diese ebenso wie ihre überwiegend nüchternen Analysen.
          Dem Chef-Kommentator und Alleinunterhalter hier (nicht Friedrich) scheint es indes die Sprache verschlagen zu haben. Wenn da mal nicht der Blogbetreiber dahinter steckt. 😉
          Um auf diesen SPD-Genossen Weil zurück zu kommen, ich halte ihn für einen großen Quatschkopp. Das betrifft aber nicht nur die LW. Aus welchem Grund er z.B. krampfhaft versucht eine German Steel AG zu verhindern versteht in der Industrie kaum jemand. Wenn in Salzgitter die Öfen ausgehen hat die SPD nebst der Gewerkschaft mal wieder gewonnen.

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          • Brötchen sagt

            Graf Paulus !

            Happy New Year!

            glaube ich nicht Reinhard macht Päuschen….
            Einer muss ja wenigstens arbeite!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Denke mal, der Reinhard bereitet sich auf die massiven Stallumbauten und deren Genehmigungsanträge vor.

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          • Arnold Krämer sagt

            Mein Verweis auf Friedrich war auch nur anerkennend gemeint. Da ich selbst mit Klarname kommentiere, muss ich mehr Selbstkontrolle praktizieren als manch anderer Kommentator.
            Bezüglich R. S. wäre zu sagen, dass bei seinen Kommentaren manchmal auch ein wenig mehr Zurückhaltung (Selbstkontrolle) gut getan hätte. Fachlich waren sie allerdings auch oft eine Bereicherung.

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            • firedragon sagt

              Herr Seevers ist ein bisschen forsch, aber man kommt damit klar, wenn man will … und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legt.

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          • Arnold Krämer sagt

            …. dass man den Ast, auf dem man sitzt, nicht absägen darf. Die Strangulierung der Wirtschaft muss aufhören. Für den Agrarsektor brauchen wir so etwas wie einen „Neustart“. Das ist allerding ein vermutlich unerfüllbarer Wunsch, weil die Selbstbindung der Politik durch Brüsseler Vorgaben sehr weitgehend ist, diese augenblicklich als nicht revidierbar erscheinen (die Deutschen werden dem Vorbild der Briten nie folgen) und weil niemand in der großen Politik eine Vorstellung über die Wirkungszusammenhänge in einer Landwirtschaft hat, die hin und her geworfen wird zwischen marktliberalen Vorgaben (Freihandel etc.) und zunehmend planwirtschaftlichen Regelungen.

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            • Elisabeth Ertl sagt

              Ich frag mich, was passieren würde, wenn ein westeuropäisches Land plötzlich Zölle auf Lebensmittel einführen würde. Natürlich ein entrüsteter Aufschrei aus Brüssel genau wie bei den politischen Faux-pas der Osteuropäer. Aber ob das Beispiel nicht lange vor irgendeinem Ausschlussverfahren von den anderen Staaten imitiert würde? Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

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              • Lady sagt

                „Ich frag mich, was passieren würde, wenn ein westeuropäisches Land plötzlich Zölle auf Lebensmittel einführen würde. “

                Ich finde , dass die Liste der Zölle auf Import-Lebensmittel seitens der EU schon groß genug ist. Sie ist lang , verdammt lang.

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  7. werner locher sagt

    Die SPD ist im Zugzwang. Die Entwicklungen in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten hat sie stillschweigend akzeptiert: Effizientere Produktion, billigere Preise. Sie trägt ganz klar eine Mitverantwortung am jetzigen Desaster. Die AbL hat wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Politik zu Produktionsformen führt, welche von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Jetzt einfach über die Bauern schimpfen , wie es zur Zeit Mode ist, ist feige. Eigentlich erwarte ich von der Politik als erstes eine grosse Entschuldigung für das unfaire Bauernbasching der vergangenen Jahre.

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    • Brötchen sagt

      Ähm da sind doch die Rechten dran schuld, oder gibt es da Zweifel?!

      Trump und Johnson auch!

      SPD die stehen für Demokratie und Glühwein und Pfannkuchen für alle!
      Lockdown kann man doch noch 8 Wochen machen!

      Hurra!

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    • Stadtmensch sagt

      Meine Weltsicht geht anders: nach 1990 hat sich die Tierhaltung in bestimmten Teilen der „Alten Bundesländer“ konzentriert. Und somit auch die ganze Infrastruktur drum herum (Futter, Logistik, Maschinen, Verarbeitung, Wertschöpfung).
      Jetzt ist der Schlamassel da: Rote Gebiete, nur noch Tönnies, endlose LKW-Transporte durch die ganze Republik, Abwanderung und Niedergang in MP und BB. Dabei wäre gesamtwirtschaftlich eine bessere Verteilung der Nutztierhaltung sicher sinnvoll.
      Die Politiker möchte ich sehen, die hier rechtzeitig auf Probleme hingewiesen hätten. Die wären nie etwas geworden. Also tut man wie immer alles, um die Volksseele zu besänftigen und gleichzeitig noch für die Zeit nach der politischen Karriere vorzusorgen (Aufsichtsrats- und Beraterposten in der Wirtschaft) bekommt man nicht, wenn man für „Planwirtschaft“ eintritt. Deshalb weihen die Grünen in BaWü auch Porsche-Maufakturen ein und lassen in Hessen Wald für neue Autobahnen roden.
      Also leidet leise!

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      • Arnold Krämer sagt

        Die Konzentration gab es auch schon vor 1990, danach hat sich vieles nur noch verschärft. Goldgräberstimmung im Nordwesten.
        Es gab die Politiker, die vor den Fehlentwicklungen gewarnt haben, auch im Lande Niedersachsen. Ich nenne nur den Namen B. Ritz, Landwirtschaftsminister in Hannover von 1986 bis 1990. Nach der Wende sind aber alle entsprechenden Diskussionen zur Strukturentwicklung in der westdeutschen Landwirtschaft verstummt, weil ja etwas Großes und Neues im Osten zu managen war.

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      • firedragon sagt

        Stadtmensch,
        es spielen so viele Faktoren eine Rolle, dass es jetzt eine Zentrierung von Tierhaltung gibt und keine verteilte Tierhaltung im ganzen Bundesgebiet.
        Geld spielt dabei eine große Rolle, Auflagen der Politik ebenfalls und die Akzeptanz der Bevölkerung.
        Dazu ein Beispiel für Dich aus der Praxis.
        In der nächst größeren Stadt gab es einen städtischen Schlachthof, der lag mal am Stadtrand.
        Durch Wohnbebauung, lag der dann irgendwann nicht mehr am Rand.
        Geld für einen Neubau, wieder irgendwo an den Rand, war nie angedacht, Gesetzesauflagen, ebenfalls wegen Geldmangel ebensowenig umsetzbar. Dazu noch regelmäßige Beschwerde von Anwohnern, wegen Lärmbelästigung usw.
        Daraus folgte die Schließung…zeitgleich die Einstellung von Tierhaltung bei den Bauern…zeitgleich Schließung von Metzgereien.
        Stadtmensch es ist ja nicht so, als hätten wir nicht alles gehabt, was man sich jetzt wieder wünscht !
        Es fällt mir wirklich schwer, Forderungen von Politik nach Kleinteiligkeit und Dezentralisierung (da spielt für mich das Themenfeld schon gar keine Rolle mehr) ernst zu nehmen, da es in der Vergangenheit nicht „gut genug“ war und platt gemacht wurde.
        Genauso passiert es mit den kleineren landwirtschaftlichen Betrieben, Auflagen noch und nöcher … gerade neu: ZR Saatgut Auflagen, Du die sind so toll, da vergeht Dir der Spaß und wir haben eigentlich keine Lust, den Scheiß (nichts anderes ist es) mitzumachen.

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        • Stadtmensch sagt

          „Dazu noch regelmäßige Beschwerde von Anwohnern, wegen Lärmbelästigung usw.“

          Genau. Man kann nicht immer die Politik verantwortlich machen für sog. „Missstände“. Unser Wirtschaftssystem ist „Für die kleinen Leute“, wie es Werner Plumpe schon richtig rausgearbeitet hat. Jeder raffe was er kriegen kann und hinterher gehts weder vor noch zurück. Da muss es wieder ein Häuschen im Grünen sein inklusive weiter Anfahrtswege zum Arbeitsplätzchen und horrender Vollkosten für den Unterhalt der Automobile. Die Politik springt sofort und sorgt für Straßenbau und Ankurbelung der Automobilindustrie, damit das alles funktioniert.
          Dabei entsteht dann wieder massig Lärm, Müll und Dreck, was wiederrum die Flucht ins Grüne antreibt.

          Jetzt sind wieder alle unzufrieden und wollen die CO2 Steuer weghaben, Arbeitsplätze sichern durch Wachstum, Kaufanreize, „Erlebnisindustrie“, „Entfähigungsdienstleistungssektor“, Pöstchen in redundanten Verwaltungsinstitutionen (ZR Saatgut lässt grüßen).

          Das ist immer die Strategie, um Beschäftigung trotz Produktivitätsfortschritt zu sichern. Irgendwann sollte man sich was neues einfallen lassen.

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          • firedragon sagt

            Hm Stadtmensch,
            ich war heute zum ersten Mal dieses Jahr am Computer und habe da gleich mal die Stundenlohnerhöhung für SAK offeriert bekommen. 9,50€ halbes Jahr später 9,60€. Ließt sich auf den ersten Blick nicht viel, dazu CO2 Steuer und was noch alles unter der Hand teurer wird, weil andere Bereiche auch diese Abgabeerhöhungen trifft, werden die das auf Betriebsmittel, die wir zukaufen müssen, umlegen. Verständlich, nicht wahr ?
            Was weniger verständlich ist, wir werden für unsere landwirtschaftlichen Produkte nicht das benötigte Mehr an Geld erhalten, haben aber steigende Kosten.
            Und ja Stadtmensch, ich sehe da eigentlich die Politik schon in der Verantwortung, weil deren Gesetze und Auflagen alles verteuern. Irgendwann muss doch mal Schluss sein, die Kostenschraube kann doch nicht ewig in die Höhe geschraubt werden.
            (Aber das hab‘ ich auch schon mal so ähnlich geschrieben.)

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            • Arnold Krämer sagt

              Die Politik und die Verwaltungen sind in den letzten 10 Jahren ungeheuer kostentreibend unterwegs, was die Landwirtschaft durch Produktivitätsfortschritte in aller Regel nicht mehr auffangen kann. Das was Frau Ertl so wunderbar aus der Kreisky-Zeit von vor 40 Jahren zitiert, gilt heute eben nicht mehr.

              Das muss man den Verantwortlichen immer wieder deutlich vorhalten. Sie forcieren nämlich Strukturentwicklungen, die sie (angeblich) auch nicht haben wollen.

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              • firedragon sagt

                Ja Herr Krämer … diese Problematik sprechen wir, wenn uns Verantwortliche über den Weg laufen, an.
                Erklären dazu, bringen Beispiele, dass es eigentlich jeder verstehen müsste … …
                Betrifft ja nicht nur die LW, wenn man sich mit Selbstständigen aus anderen Berufsfeldern unterhält, ist’s da das Gleiche. Denk ich mir zum Trost dann immer nur – sind wir nicht die einzigen Deppen.

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                • Stadtmensch sagt

                  Vielleicht geht’s ja auch langsam zu Ende mit der „Unternehmerei“. Wo ist der Vorteil, wenn sich das Rückgrat der Wirtschaft (die kleinen und Mittelständischen Betriebe) gegenseitig das Wasser abgraben? Wenn alle Einzelkämpfer-Unternehmer angestellt wären im großen „Mischkonzern“, könnte man viel leichter quersubventionieren usw.
                  Oder etwas kleiner eben, LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). So eine größere Struktur hat dann auch weniger Mühe, die Ressourcen für den Verwaltungsaufwand in einer immer komplexer (und flexibler) werdenden Arbeitsorganisation freizuschaufeln.
                  Jetzt schwafle ich mich wieder um Kopf und Kragen…

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                • Arnold Krämer sagt

                  Stadtmensch, Sie schwafeln nicht! … aber flexibler wird das, was am Ende der Entwicklung steht, nicht. Gut, vielleicht bildet man sich ein, mittels der EDV die Dinge in ihrer Komplexität zu beherrschen, woran die Zentralverwaltungswirtschaften des Ostblocks zugrunde gegangen sind.
                  Die Hoffnungen sind allerdings trügerisch; einen „Vorgeschmack“ liefert die aktuelle Corona-Krise.

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                • Paulus sagt

                  @Stadtmensch „Wenn alle Einzelkämpfer-Unternehmer angestellt wären im großen „Mischkonzern“, könnte man viel leichter quersubventionieren usw.“
                  Nein, das ist ein sozialistischer Traum! Fast alle Mischkonzerne versuchen sich derzeit auf ihre Kerngeschäfte zu konzentrieren und die „quersubventionierten“ Teile möglichst gebündelt abzustoßen. Die Zeit der schwer führbaren Konglomerate mit x Sparten ist vorbei.
                  Vorreiter dieser Entwicklung war erstaunlicherweise die LW.

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                • Elisabeth Ertl sagt

                  @ Stadtmensch: Das Wasser graben sich nicht die kleinen und mittleren Unternehmen gegenseitig ab: Das Wasser graben ihnen die Konzerne ab, die keine Steuern zahlen.

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          • Lady sagt

            „Genau. Man kann nicht immer die Politik verantwortlich machen für sog. „Missstände“. Unser Wirtschaftssystem ist „Für die kleinen Leute“, wie es Werner Plumpe schon richtig rausgearbeitet hat. “
            Nö, hat Werner Plumpe nicht so gesagt. Du hast das falsch verstanden/falsch verstehen wollen. Eine halbe Mrd Chinesen aus der absoluten Armut zu befreien hat nicht Mao geschafft !!
            Ich finde schon, dass du hier gerne schwafelst.
            Und mitnichten machen wir LPG reloaded.
            Also ich mache nicht mit und die meisten anderen Landeigentümer vermutlich auch nicht. Solche tollen Ideen, die andere dann umsetzen sollen, haben herzlich wenig Charme. Es gibt genug Betriebe/Hektar im Angebot, nur zu, viel Erfolg!

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            • Stadtmensch sagt

              Ach @Lady… hat er wohl genau so gesagt und auch gemeint. Der Unternehmer kann nur verdienen, wenn er eine Nachfrage bedient. Zur Not schafft er sich die Nachfrage (den Druck) mit Marketing. Also wer ist hier die treibende Kraft? Eben, die Breite Masse, die sich auch mal ein Stückchen Zucker in den Tee tun will (wie die Reichen). Das war sein Beispiel.
              Und wenn du wissen willst was passiert, wenn Millionen überzählige Hungrige nicht einfach nach Amerika auswandern können, kannst du mal schauen was die Chinesen im 19. Jahrhundert für ökologische Katastrophen in ihrem Land fabriziert haben. Der lange Marsch war nur einer von vielen Kulminationspunkten von Hungeraufständen. Die haben quasi ihre ganzen Mittelgebirge entwaldet und bis auf auf die nackte Erde kahl gewirtschaftet. So dass aller Löß bis aufs Gestein abgespült wurde. Teilweise 100m tiefe Erosiongräben. Die großen Flüsse verliefen bis zu den letzten Eindeichungsbemühungen auf Flussbetten, die tw. 20m über Gelände lagen. Alles abgeschwemmter guter Boden. DAS passiert unter kapitalistischen Produktionsbedingungen in einem mehr oder weniger anarchischen Kontext. Also ohne so etwas wie die Ming oder wie Mao eben…

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              • Edakteur sagt

                @Stadtmensch, Ergänzung:
                ich war am Yanktsekiang von Chongqing bis zur Mündung unterwegs. Der Fluß heißt nicht ohne Grund auch der „braune Fluß“ in China! Das sind alles errodierte Lößlehmböden, die nicht zuletzt durch die Stauung der letzten 10 Jahre durch den 3-Schluchtendamm alle weggeschwemmt wurden…

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                • Thomas Apfel sagt

                  Das wäre jetzt für mich erklärungswürdig: Die Erosion der Böden wird durch Flussbezähmung und Hochwasserschutz (Stauseen) verstärkt??? Für mich wieder eine Bestätigung der Aussage: „Nicht alles was ich mit eigenen Augen gesehen habe, habe ich auch verstanden!“

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          • firedragon sagt

            Ich danke Dir Brötchen, für Köstlichkeiten jeglicher Art bin ich immer zu haben 😇

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          • Stadtmensch sagt

            Aus dem Text:

            „Finanzministerin Annalena „Die grüne Null“ Baerbock wird verkünden, dass diese Lasten in erster Linie von den „starken Schultern“ zu tragen seien, also von allen Schonlängerhierzahlenden, die mit ihren SUVs und Nackensteaks das ganze Elend zu verantworten haben.“

            Das Feindbild passt schon. Habe „zwischen den Jahren“ mal wieder im 15km Umkreis (mehr war nicht erlaubt) den Speckgürtel unseres Städtchens inspiziert. Schön zu sehen, wie sich die Siedler mit ihren hässlichen Billigbuden auf den Äckern breit machen. Kugelgrills, Trampoline, überdachte Pools, … alles da was das Herz begehrt.
            SUV ist schon gar kein Ausdruck mehr, was da so ca. ein Drittel des Grundstücks einnimmt: Ich muss die Karre mal googeln. Irgendwas von BWM ein Kühlergrill wie ein Scheunentor, Reifen wie für nen Traktor…

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Gerade eine Zusammenfassung der Agrarpolitik in Österreich gefunden aus der Ära Kreisky, als es rote Landwirtschaftsminister gab: https://www.agraroekonomik.at/index.php?id=apzusfass&SELECTPRO_PUBID=362&fbclid=IwAR2Q5KFw97WFl7K6SGjVcYC_IWan8u9ZbOvhqBS3gylIJ478GMlOkdOsJ5g
      Ein paar Highlights aus diesem Text:
      „Die Einkommenserwartung in der österreichischen Landwirtschaft war stets von Bescheidenheit gekennzeichnet … Während das Volkseinkommen pro Erwerbstätigem in der Land- und Forstwirtschaft nominell 1980 110.074 S betrug, erreichte ein Erwerbstätiger in der Nicht-Land- und Forstwirtschaft ein Volkseinkommen von 239.242 S. Durch außerlandwirtschaftliche Einkommen der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft wird dieser Unterschied in der Realität gemildert …
      Im Sektor Land- und Forstwirtschaft dürfte die bisher beobachtete Annahme und Integration technisch-wissenschaftlicher Verbesserungen anhalten. Die Flächenerträge und die Leistungen in der Tierzucht werden weiter steigen. Eine absolute Grenze der Leistungsfähigkeit zeichnet sich noch nirgends ab. Auch in der Landtechnik und in der Betriebsorganisation sind Verbesserungen möglich, die die Arbeitsproduktivität heben werden. Die Forderung, den technisch-wissenschaftlichen Fortschritt zu bremsen, dadurch die Agrarmärkte zu entlasten und die Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft zu sichern, ignoriert den Ideenreichtum und Leistungswillen der Landwirte, die gewohnt sind, nach wirtschaftlicheren Lösungen zu suchen, um damit ihre Lebenssituation zu verbessern. Ein Verzicht auf den Fortschritt würde einen Verzicht auf die Erreichung der eigenen Ziele bedeuten: Wenn alle mit allem zufrieden sind, gibt es keinen Fortschritt.“

      +1
      • Arnold Krämer sagt

        …..gut beobachtet und beschrieben, habe ich hier auch schon mehrmals geschrieben. Die Agrarpolitik der „Sozis war vor 40 Jahren radikal marktwirtschaftlich ausgerichtet zum Vorteil ihrer Wählerschaft. Heute rennen sie den Grünen hinterher und werden dafür von ihrer alten Stammwählerschaft radikal abgestraft.

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  8. bauerhans sagt

    Herr Weil regiert ein sehr grosses bundesland mit der grössten nutztierhaltung und verdelung in D.
    ich zähle ihn zu den gemäßigten politikern und deshalb dieser apell.

    +1
  9. Obstbäuerin sagt

    „Deshalb müssen wir der Landwirtschaft helfen, ansonsten überfordern wir sie.“ Wenn ich das lese, läuten bei mir die Alarmglocken. Auch die Grünen wollen den Landwirten nur helfen, eine „bessere“ Landwirtschaft zu betreiben. Und ich glaube, auch Svenja wird das voll mittragen, weil damit eigentlich etwas ganz anderes gemeint ist. Die SPD hat ihre Glaubwürdigkeit in meinen Augen verloren, seit sie versuchen, die besseren Grünen zu sein. Gefolgt von den Linken.

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    • Brötchen sagt

      Obstbäuerin, den Grünen kann man ja noch zu Gute halten, dass sie für ihr Klientel arbeiten und das ist so einigermaßen transparent.

      Bei der SPD weiß man das nicht so richtig, jedenfalls nicht in der Bundespolitik.

      Deshalb kann ich noch einigermaßen verstehen, warum die Leute grün wählen.

      SPD für Landwirte und Lebensmittelbranche unwählbar!
      Können Sie gleich Stricke austeilen.

      +5
  10. Inga sagt

    Es ist eben wieder Wahlkampf.

    Der Grünenchef fördert auch im Frühjahr 2020 was der GRÜNInnen Aufgabe ist.

    Also hat die Politik verstanden.

    Jetzt heißt es dabei zubleiben, um das Versprochene herauszufordern!

    0
  11. Brötchen sagt

    Zitat aus dem Link:

    „Sie sind Adressaten von immer größeren Forderungen – Tierschutz, Gewässerschutz, Umweltschutz, Verbraucherschutz, Artenschutz -, andererseits aber auch Teilnehmer an einem großen internationalen Markt. Dort ist der Preis das knallharte Kriterium. Deshalb müssen wir der Landwirtschaft helfen, ansonsten überfordern wir sie.“

    Das Schlimmste ist die Heuchelei der SPD.

    Sie treibt doch die Anforderungen hoch! ohne sich Gedanken zu machen, wo denn der Ausgleich herkommen soll.

    Der LEH betreibt doch nur sein „Geschäft“.

    Die SPD sorgt doch auch dafür, das teilweise höhere Standard in D. gelten, als in Polen z.B.

    Das alte Lied, Probleme beklagen, die selbst geschaffen wurden.

    Die nächsten Probleme rücken doch schon an, wie stabil steigende CO2 Steuer.

    Das es einen Ausgleich geben wird, daran glaubt doch keiner ernsthaft!

    Das Geld wird für die ganzen selbstverschuldeten Probleme verbraten, da bi ich mir sowas von sicher.

    Warum das jetzt Thema wird, vielleicht schnallt er so langsam, das ihm da Steuerzahler und Wähler in Größenordnungen wegbrechen. NS ist das Land was am meisten von Landwirtschaft, Veredlung, Stallbau und Stallbautechnik und Lebensmittelherstellung lebt.
    Automobilbau haben sie ja schon klein bekommen.

    Weiss jetzt nicht, wo denn die Leute alle arbeiten sollen und wo die Steuereinnahmen herkommen sollen.

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    • firedragon sagt

      Wo die Leute alle arbeiten sollen – gestern, ich habe aber leider nur mit halbem Ohr zugehört, kam eine Randbemerkung im Radio, man denkt an, die Schulpflicht bei Schülern ohne Abschluß auf zwei Jahre verlängert zu wollen- vielleicht kommt da noch was Konkreteres im Laufe des Jahres.
      Es muss keiner arbeiten, hat es den Anschein … von Schule dann gleich in Grundeinkommen oder so … keine Ahnung …

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  12. Ludger sagt

    Politik muss im Konsens mit Landwirtschaft und LEH die Rahmenbedingungen ua Kartellrecht Außenhandel lebensmitterecht Tierhaltungsverordnung Umweltschutz , auch die diffamierende düngeverordnung anpassen so das Landwirtschaft ökonomisch ihrer grundaufgabe der Grundversorgung mit nicht gefährlichen Lebensmitteln erfüllen kann und darf. Weiterhin sollte trennscharf unterschieden werden zwischen bewiesenen Tatsachen und herbeivermuteter Vorwürfe, was insbesondere auf die Umweltminister zutrifft aber auch die Landwirtschaftsminister sahen und sehen sich nicht im der Pflicht Diffamierungen zu entlarven ob der Tatsache das es offensichtlich ist. Es geht um Existenzen von ganzen Berufsgruppen , da sollte es klar sein das Eigenverantwortung im Raum steht also in gewisser art und weise sollten Politiker mit ihrer Existenz und ihrem hab und gut dafür geradestehen müssen wenn sie einen derartigen offensichtlichen bullshit von sich geben das es einem die schamesröte ins Gesicht treibt. Das Interview von Otte kinast ,Weil und Lies in dem sie unsere Vorwürfe der Politik gegenüber bestätigte und die alleinverantwortung der Politik äußerte wurde nicht von den Medien genutzt um die verantwortlichen zu benennen, nein sie folgten und verbreiteten unreflektiert der Argumentation der NGO getriebenen Politik

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