Bauer Willi
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Solidarische Landwirtschaft – von der Vision in die Realität

Ab und zu habe ich auch mal mit dem Gedanken gespielt, unseren Betrieb zu einer SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) zu machen. Ganz in der Nähe, in Krefeld, gibt es einen Hof, der das schon seit langem macht und über den die Rheinische Post hier berichtet:

https://rp-epaper.s4p-iapps.com/artikel/1091623/21451871

Einige Auszüge aus dem Artikel:

„Wir hatten relativ viele Kündigungen in diesem Jahr. Das hat mich zunächst schockiert.”

Für Motté ist es schade, dass die Solawi weithin als Vergnügen für Besserverdiener angesehen wird.

„Wir sind schon eine Blase. Das zeigt sich in mehreren Bereichen”

Der Betrieb hat Mühe, die Liste, die für einen rentablen Betrieb notwendig sind, in diesem Jahr 2022 voll zu bekommen.Lesen Sie mal, was die Gründe sind.

Es gibt in Deutschland derzeit 393 SoLaWis, in NRW gerade mal 38. https://www.solidarische-landwirtschaft.org/solawis-finden/auflistung/solawis

 

 

 

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12 Kommentare

  1. Smarti sagt

    Auf der HP des Vereins wird berichtet, dass die benötigten Finanzierunsgsumme seit Beginn dieser Solawi jeweils schon bei der ersten Bieterrunde erreicht wurde. Das ist Spitze, zeigt wie zufrieden diese Mitglieder mit den Höfen sind dass sie ihre Landwirte gerne unterstützen.
    Klar, gut 10 % der Mitglieder künden jedes Jahr, dafür kommen dann wieder Neue… es ist ja ein Ziel, den Leuten die Landwirtschaft wieder näher zu bringen und dafür braucht es ja auch etwas Wechsel, das ist ganz normal.
    Mit “arm” oder “reich” hat eine Solawi nichts zu tun. Wer nicht soviel bezahlen ( will ), hilft entweder mehr mit oder nimmt ein “halbes Abo” ( wo aber mehr als die Hälfte drin ist ).
    Bei unseren Mitgliedern hat es mich allerdings schon je länger je mehr geärgert, dass sie gegen “vergünstigte Abos für Härtefälle” ( Arbeitslosigkeit wegen Krankheit oder Scheidung..) waren. Allerding waren wir auch gut 3x so teuer, wegen viel Handarbeit.
    Wir haben nach vier Jahren wieder aufgehört, weil wir nicht in die Nähe eines fairen Stundenlohnes für die Angestellten und mich gekommen sind. Auch sind der Stress und die Verantwortung nicht zu unterschätzen.

  2. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Ich hatte hier zwei Betriebe,die neben der Landwirtschaft eine Art Solidarischer Gartenbau betrieben hatten und die waren VERBAL unendlich aktiv.
    Das Gemüse verschwand im “Beikraut” oder es wurden Helfer organisiert,die für 8DM die Stunde hackten.
    Ein Betrieb ist im wahrsten Sinne des Wortes “pleite gegangen”,der andere hatte die Reissleine gezogen,nachdem das Konto leer war.

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    • Smarti sagt

      In der Schweiz gibt es extra “Jätkolonnen” mit rumänischen Bürgern. Die fahren mit dem Bus vor und jäten 10 h durch. Wahnsinn, was die wegschaffen !
      Richtig “solidarisch” finde ich das aber nicht mehr, wenn Niedriglohner die Schwerarbeit machen müssen….
      Ich finde mulchen gegen die Beikräuter ganz gut, den Mäusen gefällt der Mulch leider auch.

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    • Smarti sagt

      Solawis suchen ja immer Gärtner… es gibt viel zu wenige. Es ist zum schreien, wie viele “verbal” bestens unterwegs sind, aber sonst….

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  3. Reinhard Seevers sagt

    In einer offenen Gesellschaft sollte jeder das tun dürfen, was er möchte. Wenn es ihm gefällt und nutzt, bitte schön. Es darf nur nicht als Dogma, Lösung oder moralische Höherstellung mit missionarischem Anspruch daherkommen und der Mehrheit Fehlverhalten vorhalten.
    Solawi ist eine Lebensweise, wie viele andere auch, ein Beitrag zur Vielfalt, nicht mehr und nicht weniger.

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  4. Arnold Krämer sagt

    Interessant, dass es kaum oder keine Solawis im PLZ- Gebiet 48… und 49… Über die Gründe kann man spekulieren. Das ist die Region, wo die “Massentierhaltung” zuhause ist und die Landwirte wenig Zeit haben, sich um “Nebenkriegsschauplätze” (aus einzelbetrieblicher Sicht) zu kümmern. Sie werden ohnehin durch zunehmende staatlich verordnete Bürokratie von produktiver Arbeit abgehalten. Und die zunehmende Zahl der Verpächter ist (meist, nicht immer ) froh über den neuen Status.

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  5. Marian E. Finger sagt

    Wenn man einen eigenen Garten hat, kann man anbauen, was einem schmeckt. Man hat ein Bild davon, was wann reif wird und kann entsprechend planen.

    Im Supermarkt kann man kaufen, was einem schmeckt, und kann entsprechend planen.

    Bei SoLaWi oder diesen Gemüsekisten muss man nehmen, was man bekommt. Das ist ein grundsätzlich anderes Prinzip als beim eigenen Garten oder Supermarkteinkauf. Es ist ja auch nicht damit getan, dass man das Gemüse bloß in die Pfanne schmeißt, sondern man braucht Gewürze, Kräuter, Sahne und andere Zutaten, um danach etwas halbwegws Schmackhaftes auf dem Teller zu haben.

    Oft hat man Zeug in der Gemüsekiste, das man normalerweise nie in den gelieferten Menge essen würde. Bei mir war die Schmerzgrenze erreicht, als einmal gut 2/3 des Inhalts der Gemüsekiste aus grünen Tomaten – nein, kein Witz! – bestand und ich auf meine Beschwerde die Antwort erhielt, ich soll halt Marmelade draus kochen.

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    • Smarti sagt

      Herr Finger, das ist dumm gelaufen mit den grünen Tomaten. Da wurde wohl im Herbst das Gewächshaus geräumt für Salate und Frühlingsgemüse. Wir haben jeweils die grünen Tomaten in Kisten gepackt zum nachreifen und erst die reifen Exemplare abgegeben.
      Wir konnten das, denn wir hatten nur eine sehr kleine Solawi, wir “wollten” einen gewissen Umsatz nicht überschreiten. Eine Solawi wird steuerlich als Hofladen bewertet, auch die Lebensmittelkontrollen ziehen an. Als wir dann die Ernten noch abwiegen sollten… haben wir gleich nochmal halbiert.
      Ich habe jeweils gefragt, warum die Leute kündigen und die Gründe waren:
      1. zuviel “falsches” Gemüse in der Kiste… haben wir geändert durch Selbstbedienung ( dann musste aber immer jemand “überwachen”, es gab zwei Kanditaten, die hätten den Kofferraum vollgepackt.
      2. zuviel Arbeit beim Kochen / haltbar machen oder zuviel Umtrieb beim Abholen..
      3. Kinder sind ausgezogen, Essen in der Kantine oder Umzug
      Wenn der eigene Garten eine gewisse Grösse hat und man den Anspruch hat, wirklich davon zu leben, dann bleiben “Schwemmen” auch nicht aus. Bei einer Solawi “glätten” sich diese etwas, denn es sind viele, die beim Verzehr helfen. Bei uns war auch verschenken erlaubt.

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  6. Picard sagt

    Schuster, bleib bei deinen Leisten. Für Solawi ist weder der Landwirt noch der Konsument recht ausgebildet.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Ich glaube nicht, dass es ein Problem der “Ausbildung” ist, jedenfalls nicht in der Richtung, die Sie meinen @Picard.
      Es ist eher ein Problem der Geldbörse. Die Ware muss qualitätsseitig mit Bio-Supermarktware mit halten. Ein bisschen mehr als im Bio-Supermarkt darf der Anteil verwertbarer Ware bei gleicher Qualität schon kosten. Die “Essensretter-Mentalität” der Betreiber lässt aber allzu oft verdorbene, minderwertige, verwelkte Ware in die (nicht billigen) Kisten wandern.
      Ich habe bei meiner SoLawi die Kisten über einen längeren Zeitraum bewertet und den verwertbaren Anteil an Ware mit Bio-Supermarktpreisen verglichen. Bezogen auf die tatsächlich verwertbare Ware liegt der “Preis” 30 % über Bio-Supermarktniveau. Zudem ist die Verarbeitung der schlecht geputzten oder nicht geputzten Ware auch noch zeitaufwändiger. Das macht im Endeffekt nur ideologisch vorgeframtes “Hardcore-Publikum” dauerhaft mit. Wie in der normalen klassischen Landwirtschaft und im Handel läuft letztlich Alles auf Preis – Leistung- Qualität hinaus. Wenn das nicht passt, springen die Leute wieder ab.
      Was übrig bleibt, wenn der Betrieb das Handwerk beherrscht, ist in der Regel ein Direktvermarkter mit etwas abweichender Absatzstruktur und guten Qualitäten.

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