Bauer Willi
Kommentare 76

Rübe weg…?!

Ich habe mal mit einem Berufskollegen aus Niedersachsen die Erlöse und Kosten für Zuckerrüben aus dem Erntejahr 2017 verglichen. Hier das vollständige Datenblatt:

Die Ergebnisse sind recht ähnlich, Erlöse und Kosten unterscheiden sich kaum, somit auch der Deckungsbeitrag (= Erlös minus variable Kosten) Die Fixkosten habe ich rausgelassen, weil diese von Betrieb zu Betrieb recht unterschiedlich ausfallen.

Prognose 2019 (auf Basis Rheinland)

Die Rekordernte 2017 wird sich wohl kaum wiederholen und so habe ich einen  Ertrag von 800 dt/ha unterstellt, der auch mit den genannten Einschränkungen machbar sein sollte. Aufgrund des übervollen Marktes gehe ich von einem sinkenden Erlös aus (minus 0,30 €/dt) so dass sich ein um rund 600 €/ha niedrigerer Erlös ergibt. Da die Neonics verboten wurden, sollte der Saatgutpreis sinken. (hier minus 50 €/ha). Dünger, variable Maschinenkosten, Saisonarbeitskräfte und Hagelversicherung sollen gegenüber 2017 um einheitlich 3% teurer werden. Durch den Wegfall von Glyphosat und Neonics sollen in dieser Annahme die Kosten für Pflanzenschutz um 130 €/ha steigen (vor allem durch mehrfache und flächige Insektizid-Behandlungen, aber auch durch erhöhten Aufwand (Wegfall Glyphosat) bei der Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben). Der Deckungsbeitrag sinkt von 940 €/ha in 2017 auf 198 €/ha in 2019.

Prognose 2021 (auf Basis Rheinland)

Erträge und Erlöse habe ich gegenüber 2019 unverändert gelassen,  die Kosten für Saatgut, Dünger und Hagelversicherung sollen gegenüber 2017 um 9% steigen. Da ein Verbot eines wichtigen blattaktiven Herbizides im Zuckerrübenanbau im Gespräch ist, habe ich dies dadurch berücksichtigt, dass die Kosten für Pflanzenschutz sinken, die variablen Kosten für Maschinen und Saisonarbeitskräften (mehr Handarbeit) steigen. Obwohl diese Kostensteigerung meines Erachtens noch recht moderat ausfällt, wird der Deckungsbeitrag negativ.

Für Betriebe, die nur auf Pachtland wirtschaften bzw. als kalkulatorischer Ansatz für das eingesetzte Kapital Boden wurden bei der Prognose 2019 und 2021 jeweils 700 €/ha angesetzt. Auch das ist relativ moderat, denn noch werden sowohl im Rheinland als auch in Niedersachsen durchaus höhere Pachten bezahlt.

Vom Deckungsbeitrag sind noch die individuellen Fixkosten zu decken. Was danach übrig bleibt, ist dann Gewinn/Verlust, der noch zu versteuern ist. (nur bei Gewinn)

Fazit:

Sowohl das Rheinland als auch Niedersachsen gelten als besonders vorteilhafte Regionen für den Zuckerrübenanbau. Aber auch im Pariser Becken, Österreich,  Benelux oder Polen werden ähnliche Erträge und Erlöse erreicht.  Wenn also schon in den bevorzugten Regionen kein positiver Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden kann, wird zumindest beim Szenario 2021 der Zuckerrübenanbau und damit auch die heimische Zuckererzeugung aus Europa verschwinden.

Falls euch die Schlussfolgerungen plausibel erscheinen, dürft ihr diese gerne den politischen Entscheidungsträgern weiterleiten. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob diese vor ihren Entscheidungen eine Folgenabschätzung betreiben.

In Vorbereitung ist ein Artikel zu den Möglichkeiten und Grenzen des Bio-Zuckerrübenanbaues. Ich recherchiere derzeit, bin aber für weiteres Datenmaterial immer dankbar.

Euer Bauer Willi

 

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76 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    @Obstbäuerin. Mit der CDU haben wir den letzten Fürsprecher verloren. Die sind jetzt für einen Bauern auch nicht mehr zu wählen. Der Wegfall der Milch-und Rübenquote ist ein Anschlag auf die Landbevölkerung. Was sagte mit neulich ein zweiter Bauernsohn ,der im Landhandel als Einkäufer arbeitet : Die Landbevölkerung hat bei den letzten Wahlen völlig falsch gewählt, nämlich CDU oder FDP.. Man hätte den Protest wählen müßen. Die kleinen Leute auf dem Land machen die Arbeit vor Ort für diese Parteien und werden zum Dank dafür abgestraft. Merkel sei Dank! Es helfen nur Parteiaustritte und Druck auf die Parlamentarier aus unseren Reihen, aber die verdienen mit den Bundtags-
    und Landtagsmandaten mehr , als mit der Landwirtschaft. Also machen die eine Pseudovertretung nach dem Motto : Wasch mir den Hals , aber mach mich nicht nass. Genauso läuft das mit unseren Rübenanbauverbandsvertretern die im Aufsichtsrat der Nord-und Südzucker sitzen. Inzwischen verdienen die Bauern in Rumänien und Polen mehr , als wir hier in Deutschland. Da gibt es die ganzen Auflagen und Gesetze die hier seit 2000 uns aufgebürdet worden sind nicht. Die haben die gleichen Verkaufspreise wie wir hier ,aber die ganzen Kosten sind nicht da. Investitionen , Energie, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Reparaturen usw. sind dort bei gleichen Produkten erheblich billiger. Die Flächenprämien tragen dort zum Gewinn bei . Bei uns reicht die Summe nicht aus , um die ganzen Kosten für die Auflagen der letzten 18 Jahre abzudecken.

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    • Obstbäuerin sagt

      Friedrich. Wir haben die gleichen Probleme mit unserem Obst. In Polen sind noch sehr viele PSM erlaubt, die wir schon lange nicht mehr nehmen dürfen. Wie schon mal erwähnt, habe ich letzte Woche an einem polnischen Spargelstand gesehen: 2kg Spargel 5 €. Spargelanbau haben wir mit Eintritt Polens in die EU aufgeben müssen.

      4+
    • Stadtmensch sagt

      Sehe ich auch so: Nieder mit den Ökosystemen! Das leistungslose Einkommen der Verpächter ist wichtiger! …und die Profite der Geldverleiher. Denn wir glauben an die Grundfesten unseres Wirtschaftssystems: Eigentum statt Nutzungsrecht, Preis statt Wert, Freiheit zu etwas (Shoppen) statt Freiheit von etwas (Arbeitszwang in Zeiten der Verschwendung). Die Alternative kann also nur lauten: mehr Kapitalismus wagen. Mehr Krieg gegen Natur und Mitbewerber – das ist Naturrecht bzw. das Gegenteil von Zivilisation.
      Zivilisation (Absprachen, Verträge, Vertrauen) ist etwas Künstliches, dem das „Naturprodukt“ Mensch (das krumme Holz) nicht entspricht. Also lassen wir uns gehen und legen noch ne Kohle nach…

      6+
      • Andreas Müller sagt

        800 Euro Pacht pro Jahr/ha sind aber ein nettes Schmerzensgeld für den Pflanzenschutzeintrag – und leicht verdientes Geld…

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Stadtmensch,
        die Pachthöhe bestimmen immer noch zwei, der Verpächter und der Pächter.

        1+
  2. Friedrich sagt

    Bei diesen Deckungsbeiträgen wird es schwierig für Zuckerfabriken genügend Rüben zu bekommen. Jedenfalls wird es nachhaltig nicht für 120 Tage reichen. Unter diesen Rahmenbedingungen wird es Werksschließungen geben müßen. Bei den DB gibt es auch keine Risikoanteil für Rübenumbruch durch Unwetter usw. . Wer sich noch mehr informieren will , sollte auch mal beim einzigen unabhängigen und nur von Bauern finanzierten „Norddeutschen Zuckerrüben Aktionärsverein “ unter http://www.ndzrav.de nachschauen. Die deutschen Zuckerfabriken haben alle ein starkes Geldpolster. Bei Nordzucker sind es 530 Mill. Euro cash per 30.11.2017. Das Zuckerwirtschaftsjahr (1.10. – 30.9.) ist auch ein völlig falscher Zeitraum als Basis für die Rübenbezahlung. Richtiger wäre der Zeitraum 1.3. – 28.2. weil dann sehr zeitnah das letzte Rübengeld im März bezahlt würde. Nach der jetzigen Regelung kommt das letzte Geld erst im Oktober des Folgejahres. Der Rübenanbauer muß also ein Jahr auf das letzte Rübengeld warten . Ein Unding !! Da fragt man sich was unsere Vertreter der Rübenanbauerverbände da so verhandelt haben , oder sind die etwa abhängig durch Aufsichtsratsmandate in den Zuckerfabriken ?? Jetzt muß alles auf den Tisch : Rübenpreise , Saatgutkosten, Zahlungsziele aber auch die Politik hat sich nicht zu verstecken. Ich habe immer gesagt ,daß die Milch- und Rübenquote das wirtschaftliche Rückrat der Betriebe war. Das ist jetzt durch die Politik weg, also meine Politiker jetzt erwarte ich Lösungen !! Überall duckt ihr euch weg, ob Ferkelkastration, Milch- und Rübenquote, ständig sind die Schuldigen die Anderen. Diese Ausreden gelten nicht mehr. Ihr habt die Rahmenbedingungen verändert , dann müßt ihr auch jetzt Lösungen anbieten.

    11+
    • Obstbäuerin sagt

      Diese Forderung finde ich voll in Ordnung. Nur, wer soll sie einklagen oder durchsetzen?

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      • Bauer Willi sagt

        Na, wer schon? Wir!
        Fragt sich nur, wer von uns sich dafür zuständig erklärt? Ich wüsste ja, wer dafür Beiträge bekommt…

        Bauer Willi

        1+
        • Obstbäuerin sagt

          Ich habe diese Frage gestellt, weil ich am Horizont keinen Verband, keine Organisation oder Partei sehe, die unsere Interessen wirklich vertritt. Gäbe es sie, wäre das Verbot der Neonics nicht gekommen.

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  3. Altbauer Jochen sagt

    Über das Wirtschaftssystem in der DDR will und kann ich mich auch gar nicht Äußern.
    Mir geht bis jetzt aber nicht aus dem Sinn (und ich bin ziemlich alt !)
    das wir bei uns 1960 mit 30 Ltr. Milch eine Handwerkerstunde begleichen
    konnten, heute braucht man ca. 150 Ltr. !
    Die Relation zwischen Getreidepreis und Brotpreis
    zwischen damals und heute ist doch ganz ähnlich.
    Mag ne´ „Milchmädchenrechnung“ sein aber man denkt doch
    darüber nach.

    11+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Die Auszahlungspreise im Weinbau waren 1971 ca 25% höher als zu jetzigen Zeitpunkt, andere haben die selben Probleme.

      1+
  4. Martin Grube sagt

    Ja, ja. Folgenabschätzung und das Erklären von schwierigen Kompromissen gehört eigentlich zum Geschäft der Politik. Aber diese ist faul geworden. Lieber dem Mob der NGOs folgen anstatt dagegen zu argumentieren. Warum nicht die teuren und ineffizienten Politiker um 40% reduzieren. Wir könnten dann gleich die NGOs ranlassen.

    9+
    • Obstbäuerin sagt

      Im Moment ist mir nicht mehr klar, wer welche Interessen bedient oder wer wem folgt.

      3+
      • Inga sagt

        Vielleicht muß ein Politiker mehr dem Volk aufs Maul schauen!

        Das bringt ihm mehr ein
        als ehrlilche Lebensmittel und Bauern!

        Wieviel % der Wähler machendie wieder aus?

        1+
      • Inga sagt

        Ein verantwortungsbewusster PolitikerIn darf nicht nur den Wähler die Priorität geben, sondern auch der Ökologie und dem Sozialen.

        Und das können Mob und NGOs nicht leisten.
        Darum ist Politik, die sich bei Fachleuten informieren muß, dafür da?

        0
  5. Brötchen sagt

    @lieschen der Osten hatte zu der Zeit einen tierbestand der war doppelt bis dreifache so hoch wie heute. das war die lebende devisenreserve. eine Kuh hatte eine halb so hohe Milchleistung wie heute. die Getreideernte reichte oft nicht für den hohen Bestand. deshalb wurde für Devisen importiert und dann wurden wieder Tiere exportiert. für ein Schwein gab es etwa einen monatslohn, heute nicht mal 10 %. wirtschaftlich war das ein Desaster aber manchmal schön. ich habe lw. in l. studiert. beim Bier musste man die Flaschen umdrehen, um zu sehen, ob es nicht schon schlecht war. die wurst war schmierig, wenn man zu Hause an kam. man musste möglichst jeden Tag einkaufen gehen, es reichte aber ein Beutel.

    1+
    • Lieschen Müller sagt

      Bin auch Ossi, also jedenfalls Kindheit, Lehrjahre, erste Berufserfahrung.
      An schmierige Wurst kann ich mich nicht erinnern. Ja, Milch haben wir fast jeden Tag gekauft. Anderseits, Sonntag und montag früh gab es auch Milch, im Kühlschrank. Vom Freitag. War also ok. Bier weiß ich nicht, mochte damals noch kein Bier.

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      • Brötchen sagt

        ich will damit sagen, es ist auch viel vergammelt. im Westen war das auch noch nicht so wie heute. für ein Schwein hat man da glaube ich auch noch mehr Geld bekommen. das waren gehen heute noch ruhigere Zeiten. vieles vergisst man auch und erinnert sich nur noch an das schöne. die Milch schmeckte besser, war auch mehr Dreck drin.

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  6. Obstbäuerin sagt

    Bauer Willi, wie sollte jetzt, nach dem EU-Beschluss eine Änderung noch möglich sein? Kann man überhaupt noch etwas tun?

    1+
  7. Obstbäuerin sagt

    Eine ähnliche Rechnung können wir z.B. für Süßkirschen aufstellen. Sollten uns, wie gefordert, die verbleibenden Neoniccs demnächst nicht mehr erlaubt sein, kann die Kirschfruchtfliege nicht mehr bekämpft werden und der Totalausfall durch Maden ist in den Kirschen unabwendbar. Jetzt kommt sicher wieder einer, der sagt, Kirschen werden ja auch im Bio angebaut und das stimmt sogar für einen Prozentsatz unter 0,05 % aber diese Kirschbäume stehen quasi fast im Gewächshaus. Folienüberdachung und engmaschige Einnetzung. Alles chemisch erzeugte Produkte und in der Entsorgung sicher auch nicht unproblematisch. Aber wer braucht schon Kirschen.

    3+
    • Brötchen sagt

      ohne Netz ernte ich in meinem Hobbygarten keine Zwiebel und keine Möhre.

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    • Lieschen Müller sagt

      Das habe ich auch schon oft gedacht. Diese ganzen Netze und Folien, das ist alles Kunststoff. Man braucht Erdöl und Chlor für die Herstellung, das zerfleddert unter UV Licht, das verteilt sich. Falls mans doch wieder zusammensammelt, muss es wieder mit dem LKW zur Müllverbrennung transportiert werden etc, etc.
      In der DDR konnte man solche Produkte sowieso nicht kaufen, man musste das selber im Garten anpflanzen und vielleicht mal die Ernte tauschen. Wegen ein paar Maden durfte man sich nicht so haben. In die Mosterei ging es wahrscheinlich auch mit Maden.
      Aber wie ihr schon sagtet, damals gab es z.B. die Kirschessigfliege noch nicht (Kirschfruchtfliege bekommt man im Hausgarten mit Gelbtafeln noch in den Griff).

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      • Brötchen sagt

        lieschen die profinetze sind wirklich gut, die halten ewig. die gibt es auf keinem baumarkt. Lieferant gibt es garten-wn.de lauda. das vlies ist auch wesentlich haltbarer.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Bei uns sind die Kirschbäume 10 Meter hoch, da hilft kein Netz.

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      • Schmeckt gut sagt

        Im Moment laufen in D mehrere Pilotprojekte zur Einnetzung von Erwerbsanlagen. Kann funktionieren und ist auch die einzige realistische Alternative zur Spritzung. Wie hunderte Hektar 5 Meter hoch mit feinmaschigem Gewebe eingenetzte Anlagen bei der Bevölkerung ankommen, kann sich wohl jeder vorstellen. Wer die extrem hohen Kosten zu tragen hat auch. Sind diese „mechanischen“ Alternativen wirklich besser?

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Bei uns sieht man immer mehr Plastik für die Ernteverfrühung auf den Feldern, der Verbraucher will das Obst immer früher und bezahlt einen höheren Preis.

          Auf der anderen Seite kritisiert der selbe Verbraucher die erforderlichen Folientunnel.

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  8. Eckehard Niemann sagt

    Wegen des sehr großen Minder-Betrags infolge schlechterer Rübenpreise sollte diese Rechnung auch zum Handeln dagegen führen, dass die Zuckerkonzerne systematisch eine riesige Überproduktion anheizen, um diese zu niedrigsten Weltmarktpreisen in Drittländer zu verkaufen (in Konkurrenz mit den weltweiten Billig-Produzenten). Diese Überproduktion drückt auch hier den Erzeugerpreis dramatisch, die systematischen Exporte bedrohen zudem den bisher noch bestehenden EU-Zollschutz gegen Drittlandsimporte.

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    • Bauer Willi sagt

      Ja, ja, die Konzerne sind schuld. Die „Konzerne“ haben Verträge angeboten, die von Bauern gezeichnet wurden. Freiwillig. Die Rekordernte hat uns der liebe Gott beschert, wofür ich erst einmal sehr dankbar bin. Übrigens war das europaweit so.

      Die sinkenden Deckungsbeiträge sind (auch) durch höhere Kosten begründet. Diese entstehen durch die Verbote von immer mehr Betriebsmitteln, die durch teurere Maßnahmen aufgefangen werden müssen. Ohne Ausgleich.

      Nach der Quote orientieren sich die Zuckerpreise am Weltmarkt. Die Einkäufer von Zucker sind ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Helfen würde ein wirksamer Außenschutz. Nicht nur bei Zucker. Ohne den werden wir gegen die weitaus niedrigeren Lohn-, Umwelt-, und Sozialstandards nicht ankommen. Aber selbst Grüne und Linke sind gegen einen wirksamen Außenschutz. Jedenfalls haben mir das Künast und Tackmann persönlich so gesagt (Sept. 2017). Und dafür gibt es Zeugen.
      Bauer Willi

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      • Lieschen Müller sagt

        Wir stehen dem alle irgendwie hilflos gegenüber. Der Zerstörung der Natur, der Zerstörung der Gesellschaft. Die Superreichen, die immer mehr raffen. Entscheidungen, bei denen es nur um Profit geht. Achtspurige Autobahnen und Mastanlagen für Zehntausende Tiere zeigen vom Wahn des Menschen, das ist alles nicht lebenswert. Das ist für Menschen genauso lebensfeindlich wie der Mars (den Elon Musk auch besiedeln will).

        1+
      • Bauer Fritz sagt

        Solltest du mal einen Arbeitstitel für ein eventuelles neues Buch von dir suchen. Wie wär´s mit: Deutschland schafft sich ab – Band 2

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        • Lieschen Müller sagt

          Willst du mein Ghostwriter sein? Oder schreibst du ein eigenes Buch: „Die Poesie der Autobahn“ ?

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          • Bauer Fritz sagt

            Mein Kommentar bezieht sich – wie ersichtlich – auf Willi. Wusste außerdem gar nichts von deinem Erstlingswerk.

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            • Lieschen Müller sagt

              Oh entschuldige, fühlte mich angesprochen, weil es genau unter meinem Kommentar stand. War also nicht ersichtlich 🙂

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        • Bauer Willi sagt

          Ich überlege noch. Stoff hätte ich genug. Arbeitstitel: „Agrar(w)ende“. Für mich ohne W…
          Wende heißt ja, zurück zum Anfang, und dafür bin ich nicht mehr zu haben weil zu alt. 🙁

          Bauer Willi

          1+
      • Eckehard Niemann sagt

        Lieber „Bauer Willi“,
        hier die aktuellen Angaben des BMEL zum bestehenden (und zu verteidigenden!) EU-Außenschutz gegen Importzucker;
        „Der Zoll (Außenschutz) auf nicht-präferenzielle Zuckerimporte – d. h. Importe aus Drittländern, mit denen keine Präferenzregelung besteht – beträgt 419 Euro pro Tonne bei Weißzucker und 339 Euro pro Tonne bei Rohzucker. Dieser Zoll bleibt auch nach 2017 auf dem jetzigen Niveau erhalten.“
        Warum redest Du das und die schlimme Rolle der Zuckerkonzerne klein?

        3+
        • Jochen Böhrer sagt

          Und der Herr Niemann verschweigt sowohl den zollfreien Zugang der EBA und AKP – Staaten als auch der westlichen Balkanstaaten wie auch die CXL-Quoten für Australien, Brasilien, Indien und Kuba sowie die Freihandelsabkommen mit vielen Ländern.

          3+
          • Eckehard Niemann sagt

            Herr Niemann verschweigt dies überhaupt nicht – siehe den ausdrücklichen Hinweis in seinem obigen Text auf die „Präferenzregelungen“… Wer lesen kann, war hier mal wieder klar im Vorteil…

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        • Bauer Willi sagt

          @Eckehard,
          Weißt Du, wie Preisverhandlungen laufen? Ich schon.

          Was interessiert denn den Einkäufer der Zoll? Im übrigen hat keiner derzeit ein Interesse in die EU zu importieren. Von daher ist das eine Zahl auf einem Stück Papier, mehr nicht.

          Herr Schulmeister, bitte versuche nicht ständig, mir etwas zu unterstellen! Ich rede nichts klein, sondern schildere nur die Situation, wie sie derzeit ist und wie sie sich entwickeln könnte. Wenn Du dazu fachlich etwas beizutragen hast, gerne. Aber dann bitte umfassend informieren und auch die Bilanzen lesen. Die sehen nämlich nicht nur bei den Landwirten bescheiden aus. Und mit einem kranken Vertragspartner Geschäfte zu machen ist auch nicht prickelnd.
          Bauer Willi

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          • Eckehard Niemann sagt

            @Willi,
            auch bei den Preisverhandlungen spielen die Verhältnisse von Angebots- und Nachfrage-Mengen die entscheidende Rolle – und da spielen die Importzölle eine große Rolle. Die derzeitig rückläufigen Zucker-Importe aus den zollbegünstigten Ländern beruhen ja ebenfalls darauf, dass die durch Zuckerkonzerne angeheizten Überschüsse (man lese nur deren Pressemitteilungen bei Bilanzvorstellungen !) die hiesigen Zuckerpreise sinken und unattraktiv werden. Und dass dies die Gewinne der Zuckerkonzerne drückt, kümmert deren Manager anscheinend kaum – so verblendet vom neoliberalen Globalisierungswahn sind die…
            Ich sehe mich nicht als Schulmeister, sondern als rübenbauern-solidarischer Aktiver…

            1+
  9. Lieschen Müller sagt

    Aber was wäre denn eine Lösung? Wie du sagst: es werden zuviele Rüben angebaut, es gibt zuviel Zucker. Außerdem ist Zucker zwar gut als Konservierungsstoff, die Menschen werden aber fett und krank davon.
    Ich bin ja für Planwirtschaft.

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    • Bauer Willi sagt

      Zuckerrüben machen nur rund25 bis 30% der weltweiten Zuckerproduktion aus. Unser Anbau fällt da kaum ins Gewicht. Die größten Zuckerproduzenten sind Indien und Brasilien. Letzteres ist auch der größte Exporteur. Und da ist ja noch viel Regenwald…

      Menschen werden nicht fett und krank von Zucker, sondern davon, dass sie zu viel essen.

      Deshalb Lebensmittel nur noch auf Lebensmittelkarten (Ironie off)
      Bauer Willi

      8+
      • Lieschen Müller sagt

        Ich verstehe dann aber nicht, warum ihr alle FDP wählt. Die wollen doch den „freien Markt“. Die CDU will Europa und TTIP, ohne Handelsschranken. Wer setzt sich denn für weltweite Umwelt- und Arbeitsschutzgesetze ein? Doch nicht ein Herr Lindner! Oder ein Jens Spahn.
        Wenn viel Zucker hergestellt wird, will ihn jemand an den Mann bringen. Das heißt, er muss gegegessen werden. Dafür tun Lebensmittelhersteller alles.

        1+
        • Brötchen sagt

          Zucker ist in erster Linie auch ein konservierungsmittel und sehr günstig. genau wie Salz auch. da heute alles sehr lange haltbar und einfach zu transportieren sein muss, ist das so. das entscheidend zu ändern, würde sehr viel mehr menschlicher Arbeitskraft erfordern und das ist bei den heutigen Löhnen fast unbezahlbar.

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          • Lieschen Müller sagt

            Ich weiß das alles. Aber irgendwie ist das doch eine Sackgasse, immer so viel und so billig wie möglich zu produzieren. Die Erde ist halt rund, mehr Erde wird es nicht.
            Und ja, ich bin da egoistisch und möchte ab und zu Wald und Tiere sehen, und würde die auch gerne meinen Enkeln zeigen.

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            • Lieschen Müller sagt

              Das ist gruselig. Wer ist dann der letzte? Ab welchem Zeitpunkt ist es klar, dass es kein Morgen gibt.

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            • Brötchen sagt

              auf der osterinsel gibt es kaum bäume. bei mir ist Wildnis pur…grünspechte, Meisen brüten in meinen Kästen. Küken sind gerade geschlüpft, die von Ostern haben sich prächtig entwickelt. gestern Salat aus meinem gewächshaus gegessen. Tomaten blühen schon. heute früh war das Gras für die Hühner gefroren. Quitten blühen. Fuchs hat zwei Hühner am helllichten Tag geholt. im Hühnerstall muss ich was gegen die Mäuse tun, die werden langsam frech. eine dicke Ratte muss ich auch noch kriegen, Camembert will sie nicht. extra bayr….gladiolen und Möhren gucken auch schon raus. also Leben pur.

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        • Jörgi68 sagt

          lieber frei handeln, als bevormundet am Stock! Auf was soll am sich denn eigentlich noch verlassen können in der Politik? Die Gutmenschen sitzen auf A13 +X Jobs und wollen die Welt retten, wenn es nicht um deutsche Autos geht..

          2+
        • Bauer Willi sagt

          Gute Sache, diese Petition. Gegen Fehlernährung hilft Aufklärung, und daher begrüße ich eine solche Initiative sehr. Je mehr die Menschen wissen, um so besser können sie sich für das Richtige entscheiden. Zum Beispiel viel Obst oder Gemüse essen. Ist nicht neu, aber…

          Bauer Willi

          1+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Eigentlich sollte der Mensch wissen, wenn er sich falsch ernährt.

          Wenn man zu viel Schnaps säuft, darf man am Kopfweh nicht dem Schnapsbrenner die Schuld geben.

          3+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Sucht ist eine Krankheit, die kann man am besten unterbinden, bevor es zur Sucht wird, bzw. gar nicht zu sich nimmt.

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            • Andreas Müller sagt

              Wissen Sie wie kleine Kinder auf Zuckerangebote und -verbote reagieren…?

              Ich weiss es…

              wir als Eltern haben täglich Diskussionen und gehen schon gar nicht mit Kindern einkaufen. Und was schenken Onkeln, Tanten, Grosseltern, weil es sooo schön billig und überall verfügbar ist?

              Süßigkeiten massenhaft…. da hilft Aufklärung bedingt.

              https://www.foodwatch.org/de/offener-brief-jetzt-unterzeichnen-gegen-fehlernaehrung/

              „Kinder im Alter von 6-11 Jahren verzehren im Schnitt etwa doppelt so viele Süßigkeiten und zuckergesüßte Getränke aber weniger als halb so viel Obst und Gemüse, wie vom Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) empfohlen. Dabei sind zuckergesüßte Getränke besonders hervorzuheben. Der regelmäßige Konsum von Limonade & Co. erhöht das Risiko für die Entstehung von Übergewicht, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Karies sowie weiterer chronischer Krankheiten wie koronaren Herzerkrankungen. Die Deutschen liegen beim Konsum zuckergesüßter Getränke mit etwa 84 Liter pro Kopf und Jahr im europäischen Vergleich an dritter Stelle. Mehr zuckergesüßte Getränke werden nur in Belgien und den Niederlanden getrunken. Das Robert Koch-Institut stellte 2013 folgerichtig fest, „dass in Deutschland ein hohes Präventionspotenzial bzgl. des Konsums zuckerhaltiger Getränke besteht.“ Dies gelte „insbesondere für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“. Neuere Studien legen nahe, dass auch mit dem regelmäßigen Konsum süßstoffgesüßter Getränke eine Erhöhung des Risikos für Überwicht einhergehen kann.“

              2+
    • Philipp sagt

      Planwirtschaft hat aber z.B. in der DDR auf Dauer nicht funktioniert.

      1+
      • Lieschen Müller sagt

        Du, das jetzige System funktioniert auch nicht „auf Dauer“, da sterben nämlich auch weltweit massig Leute. Und es werden trotzdem zu viele Menschen. So viel Leid im Kapitalismus!

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    • Philip sagt

      Landwirtschaft ist wohl einer der unplanbarsten Wirtschaftszweige überhaupt, da extrem wetterabhängig.
      Und mich würde mal interessieren welcher Instanz sie das Fachwissen zusprechen zu bestimmen, was und wieviel pro Jahr produziert werden soll.

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      • Lieschen Müller sagt

        In der DDR wurden die Planzahlen von Komissionen festgelegt. Das waren durchaus Fachleute. Ich weiß, es wurde auch betrogen. Gehungert hat aber niemand. Es wurde Fleisch in die BRD exportiert (war so schön billig und brachte Devisen).
        Heute werden auch viele Bilanzen frisiert und es wird Steuerbetrug betrieben.

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        • Brötchen sagt

          @lieschen der Osten hatte zu der Zeit einen tierbestand der war doppelt bis dreifache so hoch wie heute. das war die lebende devisenreserve. eine Kuh hatte eine halb so hohe Milchleistung wie heute. die Getreideernte reichte oft nicht für den hohen Bestand. deshalb wurde für Devisen importiert und dann wurden wieder Tiere exportiert. für ein Schwein gab es etwa einen monatslohn, heute nicht mal 10 %. wirtschaftlich war das ein Desaster aber manchmal schön. ich habe lw. in l. studiert. Stickstoff wurde die Hälfte von heute gedüngt. von 5 mähdreschern liefen früh vielleicht die Hälfte. heute macht einer die Arbeit von 5 in einem Bruchteil der Zeit.

          1+
        • Philip sagt

          „Es wurde Fleisch in die BRD exportiert“
          Das bedeutet es wurde massiv überproduziert, was für sich alleine genommen schon ein Gegensatz zum aktuellen Ziel ist.

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          • Brötchen sagt

            Philipp die grössenordnungen kenne ich nur über den Bestand. der hohe tierbestand war eher als „sicherheitsgarantie“ einer abgeschotteten Wirtschaft zu sehen. der fleischverbrauch war in etwa wie heute, damals ist recht viel verdorben.mein Onkel hatte 3 Bullen, sodass er jedes Jahr einen abliefern konnte. die gingen meist in den Westen, waren aber schwarzbunte zweinutzung. Futter kam über deputat was man in der LPG hatte. das reichte ca. für ein zwei Schweine. deshalb wurde viel geklaut und Lebensmittel verfüttert. Brot war ja billig und Buttermilch auch. der hohe tierbestand wurde eher aus sicherheitsdenken gehalten, weil es zeit braucht, den wieder aufzubauen. das ist aber unwirtschaftlich, verbraucht viel zu viel Futter.

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        • bauerhans sagt

          in der ddr gabs keine eigeninitiative,nur im privaten.
          ach ja,ohne kapitalismus leiden mehr menschen.

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        • bauerhans sagt

          „Das waren durchaus Fachleute.“

          onkel friedhelm aus teterow war auch son experte,der war in den 1970er jahren häufig zu besuch und begutachtete meine 5ha z-rüben und fragte meine frau etwas verschämt,wie wir denn diese grosse fläche zu zweit mit der hacke so sauber bekommen hätten.

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      • Mark sagt

        @ Philip
        Wir sind im Bereich Landwirtschaft auf dem Weg in eine digitale Planwirtschaft, da war das DDR-System noch geradezu freiheitlich. Die vielgepriesene Digitalisierung der Landwirtschaft ist in Wahrheit die vollkommene Vollendung des ehemaligen Planwirtschafts- und Stasisystems.

        3+
  10. Jörgi68 sagt

    Rübe weg, Raps weg, Tierhaltung weg dann werden die Deutschen endlich von der Natur und Nahrungsmittelimporten leben können, die nach meiner Einschätzung weniger nachhaltig und tierschutzfreundlich aber mit Sicherheit mit mehr Chemie und Gentechnik,produziert wurden! Wohl bekomms dem deutschen Gutmenschen

    12+
    • Obstbäuerin sagt

      »Das Gute stets gewollt – das Böse nur geschafft.« Oder so ähnlich.

      2+
    • bauerhans sagt

      „Rübe weg, Raps weg, Tierhaltung weg…..“

      GANZ FALSCH!!
      es werden rüben im überfluss angebaut!
      ich hatte nach 40 jahren rübenanbau aufgehört,meine nachbarn sind erst letztes jahr eingestiegen und beeindruckt von den erntemengen.
      raps ist aufgrund der schlechten ernte letztes jahr etwas weniger,wird aber wieder kommen.
      die tierhalter werden an allen ecken unter druck gesetzt,trotzdem ist von allem mehr als genug da,dass preise laufend nach unten manipuliert werden können.
      bei der gülle werden mittlerweile 1€ pro m3 zugezahlt,transport und ausbringung inclusive.
      es wird nicht zu nahrungsmittelimporten kommen.

      2+
  11. Philipp H. sagt

    Wenn weniger angebaut wird, bzw. es mehr „Verluste“ gibt, dürften doch die Preise anziehen, oder?

    In welchen Regionen außerhalb Europas werden noch Zuckerrüben angebaut?

    1+
    • Bauer Willi sagt

      Rüben werden noch in China, USA und Chile angebaut. Ansonsten siehe Antwort auf Lieschen Müller.

      Bauer Willi

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      • Obstbäuerin sagt

        Vielleicht doch ein Handelsopfer? Autos nach China – Rüben oder Zucker aus China?

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        • Philipp H. sagt

          Perfekt, so können wir auch unser Außenhandelsüberschuss ausgleichen!

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  12. Malte Voerste sagt

    Ich habe meine Rübenfläche gegenüber den Vorjahren nicht ausgedehnt und bedanke mich bei allen Berufskollegen, die den Hals nicht voll kriegen konnten.

    6+
  13. Malte Voerste sagt

    Ich habe in diesem Jahr 80t/ ha am 5. Oktober geliefert mit 18,3% Zucker. Das bedeutet 30,25€/t keine Frühlieferprämie und kein Zuwachs abzüglich der individuellen Transportbeteiligung etwas über 2000 €/ha. Mich hat die Abrechnung erschrocken. Für meinen Betrieb sind das 10000€ weniger, die ich gerne an anderer Stelle kompensiere.

    1+
    • Bauer Willi sagt

      Mich würde außerordentlich stark interessieren, wie du das kompensierst?!
      Bauer Willi

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      • Malte Voerste sagt

        Weniger Zucker essen 😠.Wir beide sind übrigens beim gleichen Verein.

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