Bauer Willi
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Phosphor: Entlastung für die Landwirtschaft

Bei der Beurteilung der Phosphor-Belastung von Flüssen und Bächen wurden in den bisherigen Studien unzutreffende Ansätze verwendet. Eine neue Studie weist Kläranlagen als Hauptverursacher aus.Das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) hat in der vom saarländischen Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz beauftragten Studie umfangreiche Messdaten der Arbeitsgruppe Gewässermonitoring der Universität des Saarlandes und des Landesamts für Umwelt mit Abwasserdaten des Entsorgungsverbandes Saar verknüpft. Die Daten beziehen sich auf das Einzugsgebiet der Theel. An dem 25 km langen Bach liegen insgesamt fünf mittelgroße Kläranlagen.

Die Verfasser der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die zu hohen Konzentrationen an biologisch verfügbarem Phosphor weitgehend auf die unzureichende Reinigung der kommunalen Abwässer zurückzuführen sind. Die Landwirtschaft habe nur eine geringe Bedeutung. Frühere Studien zur Theel, aber auch viele andere Studien zu Fließgewässern, sahen bisher auf Basis von Modellrechnungen die Landwirtschaft als wichtigen Verursacher. Jedoch basieren diese auf methodisch falschen Annahmen, wenn es um die biologische Wirkung in Fließgewässern geht. Falsche Annahmen – falsche Ergebnisse

Zum einen wird häufig nur mit dem Parameter Gesamtphosphor gearbeitet und nicht das bioverfügbare Orthophosphat betrachtet. Allerdings hat nur letzteres einen gravierenden negativen Einfluss auf die Gewässerökologie. (Quelle: Topagrar)

https://www.izes.de/sites/default/files/publikationen/St_19_056.pdf

 

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23 Kommentare

  1. Dorfmensch sagt

    Endlich wieder eine Studie, die mal die P-Einträge in die Oberflächengewässer gemessen und nicht NUR modelliert worden. Die Studie der Uni Hohenheim für Hessen hat ja zu gleichen Ergebnissen geführt, d. h . die P-Einträge stammen überwiegend aus den Kommunen. Inzwischen wird die Studie für Hessen als “umstritten” beurteilt, offensichtlich weil die “pösen” Landwirte damit entlastet werden und das dem grünen Zeitgeist nicht gefällt.
    Die gesellschaftliche Dimension solcher Studien ist natürlich gewaltig und für den Steuerzahler/Gebührenzahler extrem teuer. Die Wasserwirtschaft müsste anerkennen, das man fachlich falsch gehandelt hat und den falschen Verursacher identifiziert, die Abwasserreinigung trotz Milliardenkosten nicht ausreichend geplant und ertüchtigt hat, die Umweltpolitik müsste Fehler eingestehen und schließlich die Qualitätsmedien die Landwirte aus dem Dauerbeschuss nehmen.
    Ob da etwas passiert? Ich glaube nicht, denn die Rollen zwischen gut und böse sind doch für alle Ewigkeit festgelegt. Investigative Journalisten hätten hier ein neues und großes Betätigungsfeld, würde aber naturwissenschaftlichen Sachverstand und Fleiß erfordern. Es ist doch einfacher, gebrauchte Informationen wieder zu recyceln.

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    • ReinerStoff sagt

      Wenn man den “exklusiven” Leak, Entwurf oder Bestimmung des BMEL für die Vergrößerung der roten Gebiete anschaut, kam diese Studie wohl zu spät, denn

      “Die Modellierung der Belastung muss auf Basis von Gesamt-Phosphor und von Orthophosphat-Phosphor erfolgen. Die Grenzwerte für den landwirtschaftlich bedingten Gesamtphosphoreintrag liegen je nach Region zwischen 5 kg Phosphor pro Quadratkilometer und Jahr (z.B. in der norddeutschen Tiefebene) und 30 kg (z.B. im Alpenvorland)”.

      Wenn dies also so beschlossen wird, obwohl nur das Orthophosphat-Phosphor Auswirkungen auf Algenwuchs etc. hat, werden wohl alle künftigen Beschwerden mit Hinweis auf Brüssel abgeschmettert, obwohl die Landwirtschaft nicht der Verursacher der Problematik ist und die gelben Gebiete bleiben uns erhalten!

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  2. Thorens sagt

    Ich habe vor vierzig Jahren schon im Studium gelernt, dass Bodenphosphate grundsätzlich nicht ausgewaschen werden. Der einzige Weg, über den P vom Acker in ein Gewässer gelangen kann, ist per Bodenerosion.

    Es ist mir völlig unerklärlich, dass das heute überhaupt noch ein Thema zu sein scheint.

    Vielleicht kommen sie irgendwann auch noch beim Nitratthema darauf, dass es nicht ausschließlich die Landwirtschaft ist. Vermutlich aber erst, wenn gar nicht mehr gedüngt werden darf.

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    • sonnenblume sagt

      Vermutlich werden wir vorläufig von dieser Studie nichts mehr hören. Es kämen ja enorme Investitionen auf die Kommunen und Entsorger zu. Also wird sich die Politik lieber auf den roten und gelben Gebieten austoben. Schont die Kasse und bringt mehr Ansehen, als eigene Fehler einzugestehen.

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  3. Reinhard Seevers sagt

    Gefühlt ploppen derzeit Erkenntnisse pro agricular als auch div. contras auf. T-Online hatte heute morgen eine apokalyptische Aufzählung von Katastrophen veröffentlicht. Von Klimakatastrophe über Pandemie und Krieg bis hin zum (natürlich) Sterben der Insekten, speziell von Bestäuber, die der Menschheit das Überleben sichern.
    Ich habe das Gefühl, man will die Landwirtschaft mit Hilfe gewisser Medienschaffenden den gleichen Rang in der globalen Apokalypse zugestehen, wie der Atombombe. Die Politik kann sich dann auf die Ängste der Bürger verlassen. Der Widerstand der Bauern wird nicht kommen, weil man Ängste nicht negieren kann/darf/sollte…..
    ganz schön clever. 🤔

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  4. Elisabeth Ertl sagt

    “Dennoch ist es aus Bodenschutzgründen
    sinnvoll, Maßnahmen gegen die Wassererosion zu ergreifen; auch der Eintrag von Boden
    ist gewässerschädigend, da z. B. das Lückensystem des Gewässerbetts – ein wertvoller
    Lebensraum – verstopft werden kann. Abstandsflächen zu Gewässern schützen einen
    ökologisch wertvollen Lebensraum.”

    • sonnenblume sagt

      Hier werden zwei unterschiedliche Themen miteinander vermengt und so der Ball wieder Richtung Landwirtschaft bevördert.
      Erosion und Abstandsregelung ist ein Thema. Einleitung der Kläranlagen ein ganz anderes.
      Aber es wäre ja auch schade, wenn man zum Schluß nicht noch einen versöhnlichen Satz für die Allgemeinheit finden würde.

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    • Pälzer Buh sagt

      Solange es das Wetter (mit all seinen Eigenschaften und extreme), Berg und Tal gibt, solange wird es auch Erosion geben. Die Fließende Gewässer werden auch in Zukunft das ganze auch noch fördern. Egal welchen Beitrag der Mensch dazu trägt. Es ist so und bleibt so, auch in 5 Milliarden Jahren.
      Das ganze nennt man Evolution = Veränderung.
      Da bringt auch ein Erosionsschutzgesetz “Nichts”!

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  5. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    aus zon kopiert.

    Greenwashing in der EU: “Sie leuchtet die schönen Stellen besonders hell aus”
    Die EU-Kommission übertreibe die eigenen Klimaschutzausgaben, kritisiert der Präsident des Europäischen Rechnungshofs, Klaus-Heiner Lehne. Hat er Brüssel ertappt?
    Interview: Hannah Knuth und Christiane Grefe
    Aktualisiert am 2. Juni 2022, 12:50 Uhr
    1 Kommentar

    leider bezahlschranke.

  6. ReinerStoff sagt

    Man wird gespannt sein dürfen, ob es diese Studie in die Nachrichten abseits der Fachpresse schaffen wird, mit riesigen fetten Überschriften, wo pauschal die ganze Abwasserwitschaft angegriffen wird und der bisherige angebliche Hauptschuldige evtl. sogar freigesprochen wird….eher nicht!

    Denn dann müsste die Politik bzw. das allwissende UBA ja Fehler eingestehen und als Folge die irrsinnigen gelben Gebiete zusammen mit dem BMEL wieder abschaffen, eher wird wohl die Hölle zufrieren…

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    • sonnenblume sagt

      Die Politik wird ihren Weg weitergehen. Sie wird auch zukünftig alle Studien die nicht ins Bild passen entsprechend zu kommentieren wissen und dann ignorieren.

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  7. Mark sagt

    Das schönste an dieser Geschichte ist, dass es noch wissenschaftliche Institutionen und Studien gibt, die nicht dem Mainstream nachhecheln und nur durch die Bestätigung populistischer Klischees mediale Aufmerksamkeit erreichen wollen, sondern echte Ergebnisse liefern. Lässt hoffen.

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    • Inga sagt

      Das bleibt zu hoffen!

      Die haben eben noch Freude daran, an Gottes Schöpfung weiter arbeiten,
      anstatt gegen sie.

  8. Thomas Bröcker sagt

    Das ist das Kreuz mit den Modellrechnungen. Wie viele Jahre haben uns die Insektenschützer mit ihren Modellrechnungen geplagt. Jetzt erst kommen Methoden und Ansätze ins Spiel, die die Realität besser abbilden können. Im Bereich Düngung ist das doch nicht anders. Die gesamte Stickstofffrachttheorie basiert z.B. auf Modellrechnungen mit vorfestgelegten verantwortlichen Hauptfaktoren (hier die LW).
    Schön, dass das bei Phosphor mal so exemplarisch zurechtgerückt wird.

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    • sonnenblume sagt

      Ich befürchte, dass all diese Erkenntnisse in der Schublade verschwinden, bzw. durch andere Studien wieder in Frage gestellt werden. So leicht gibt die Wasserwirtschaft nicht auf.

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