Bauer Willi
Kommentare 50

Nasse Jahre…

Weil wir ja hier häufiger vom Wetter reden und auch über zunehmende Dürren, habe ich mal nach einer Statistik gesucht, die die Niederschläge der letzten Jahrzehnte aufzeigt. Gefunden habe ich das hier:

https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-niederschlagshoehe#–2

Ich weiß nicht, ob Sie einen Trend in der Niederschlagshöhe erkennen können. Deutlich heraus ragen die zwei nassen Jahre 2023 und 2024, die auch vom Umweltbundesamt im Artikel ausdrücklich erwähnt werden. Auf unserem Standort westlich von Köln lagen die beiden Jahre rund 250 mm über dem Durchschnitt von 740 mm.

 

Bildquelle: Umweltbundesamt bzw. DWD

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50 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Die Geosphere Austria (derzeit ist das Portal offline) sagt, dass sich an den Niederschlagsmengen in Summe bis jetzt nichts signifikant geändert hat, allerdings gibt es regionale Unterschiede. Hier im Südosten Österreichs im Regenschatten der Nordwestströmung hinter den Alpen wird es deutlich trockener, und die Wissenschaft prognostiziert uns eine Versteppung. Seit den Aufzeichungen 2004 gab es nur 5 Jahre mit überdurchschnittlichem Niederschlag und 2 Jahre mit ausgeglichener Bilanz. Zusammen mit heuer waren 14 Jahre zu trocken. Tragisch ist das deshalb, weil wir bislang die Region mit der höchsten Biomasseproduktion Österreichs waren.
    Wir müssen jetzt Wasser sparen und daran wird sich auch nichts mehr ändern.
    Bedenken muss man generell auch, dass bei steigenden Temperaturen und gleichbleibendem Niederschlag dann ja doch Wasser fehlt.
    Und die Niederschlagsverteilung wird immer ungünstiger. Bei den vielen Starkregen gibt es viel Abfluss und es bleibt weniger Feuchtigkeit im Boden zurück.

  2. Ostbauer sagt

    „Nasse Jahre“,
    gibt`s immer mal wieder.
    Hier bei uns im Nordosten der Streusandbüchse von Brandenburg kennen wir uns mit Trockenheit aus. Mit zuviel Wasser können wir nicht umgehen. Mein Opa sagte immer:
    “ Im trockenen Jahr ist hier noch keiner verhungert“. Waren andere Zeiten.
    Wir hatten im Juli bis jetzt 90 l/m² und für morgen Nacht sind nochmal um die 100 l angesagt; mal sehen, wie wir da durchkommen. Der Weizen wird immer dunkler und die lichtkeimenden“schönen Beikräuter“ nehmen bedenkliche Höhen an.
    Aber wir haben die Ernten in den letzten 35 Jahren noch immer ab bekommen.
    Wir leben eben von und mit der Natur und ihren Launen.
    Den Wandel des Klimas spüren wir natürlich auch( besonders die letzten 10 Jahre).
    Ob der nun alles „menschengemacht“ ist oder nicht, ist mir erstmal egal. Wir müssen uns dem anpassen und reagieren und agieren!; lokal und regional. Auf die Verantwortlichneit der Welt brauchen wir nicht warten; die haben anscheinend „wichtigere “ Probleme.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Sehe ich genauso. Ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht, spielt praktisch erstmal keine Rolle. Fakt ist, dass wir von 1980 bis 2010 alle 10 Jahre ein Schadereignis durch Spätfrost oder Hagel hatten. Seit 2010 hingegen 7 schwere Schäden durch Spätfrost oder Hagel, als quasi jedes 2. Jahr. Die für unsere Gegend hier typische Frühsommertrockenheit haben wir in den 45 Jahren, die ich hier arbeite, fast jedes 2. Jahr. Das hat sich in den letzten 10 Jahren auch nochmal etwas verschärft. Dem konnten wir aber durch ständigen Ausbau der Bewässerungsfähigkeit begegnen. Nur um die notwendige Wasserspeicherung für Frostschutzberegnung auszubauen fehlt uns durch die schlechten Jahre schlichtweg das Geld.
      Voriges Jahr hatten wir zum Beispiel eine schöne Niederschlagsverteilung, aber halt kein Obst an den Bäumen.
      Fakt ist tatsächlich, dass die konkreten Probleme vor Ort immer anders sind als „der Durchschnitt“ und dass die Kombination von immer früherem Vegetationsbeginn und zeitgleich regelmäßigen Kaltlufteinbrüchen und dann folgender Frühjahrs- (Frühsommer-) Trockenheit bei uns kaum noch zu händeln ist.

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  3. Paul Werner sagt

    Ich halte die durchschnittlich ermittelte jährliche Regenmenge nur für bedingt aussagekräftig. Nicht berücksichtigt werden z.B. lokale oder regionale Starkregenereignisse bei denen Niederschlagswasser von der einfachen Felddränage über Bäche und Flüsse rel. schnell abgeführt wird und der Natur kaum zugute kommt und wochen- oder gar monatelanger Dürre.
    Ich lebe an der Peripherie von Köln, mit Blick auf den Rhein und die LW und konnte schon oft beobachten wie das Wasser aufgrund starker Niederschläge am Oberrhein stieg, während die Zuckerrüben hier die Ohren hängen ließen und unser Rasen braun wurde. Insofern: welchen Wert haben solche Statistiken?

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    • Arnold Krämer sagt

      Es sind Klima- und keine Wetterdaten. Für den einzelnen Standort und Landwirt sind sie in der Tat nichtssagend.

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    • Limes sagt

      wenn ich sie richtig verstehe halten sie diese Niederschlag Statistik ab 1881 für nutzlos. Trifft dann ja für alle anderen Zahlenreihen seit 1881 sei es Temperatur, Schneehöhe…. oder andere abgeleitete Werte wie Co2 auch zu.
      Das wird Lobby Gruppen die viel Geld für irgenwelche Massnahmen mit ungewissem Effekt auf das Klima fordern nicht freuen.
      Sollte ihr Rasen mal braun werden einfach Geduld haben der kommt schon wieder und wird grün sofern man die Pflege vor allem Düngen nicht vergisst. Hat bei uns immer funktioniert. Bei Lücken im September etwas aufrauen und nachsäen dann erledigen Herbst- und Winterniederschläge den Rest und satter grüner Rasen im nächsten Frühjahr.
      Die Rüben werden auch wieder die Blätter hochstellen vor allem auf den „Schokoladenböden“ im Rheinland.

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      • Ostbauer sagt

        Jou, 87 iger Löss“Deibel nochmal“
        (Treckerfahrer Günther gegenüber Bauer Willi) 🙂

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        • Bauer Willi sagt

          @Ostbauer
          Ja, wir haben eben auch schwächere Böden…Zum Glück ist der 87er nur knapp 3 Hektar. Der Rest ist über 90… 🙂

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          • Ostbauer sagt

            Tja; so hat eben jeder seine Schmerzgrenze,
            nur der Ausgangspunkt ist halt unterschiedlich. 🙂

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            • Sonnenblume sagt

              Wo liegt die Schmerzgrenze bei Dir Ostbauer? Wir müssten uns mit Bauer Willis Zahlen wohl ganz neu erfinden.

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  4. Frikadellen piet 46 sagt

    Moin man sieht also mit der Natur zu arbeiten ist gar nicht einfach. Also ist der Beruf Landwirt auch ein schwieriger Beruf, der jedes Jahr neue Herausforderung stellt. Diese Herausforderungen bewältigt ein Landwirt aber sehr gut, da er sehr gut ausgebildet ist. Leider gibt es immer Schlaumeier, die uns meinen zu müssen zu belehren.

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  5. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin. Ja das ist so eine Sache mit dem Mittelwert . Der Graben war im Durschnitt 50 cm tief und trotzdem ist die Kuh ersoffen. Ein ordenlicher Mittelwert für Deutschland, hätte ich in der Höhe nicht erwartet . Meine Region in Südbrandenburg , Landkreis Elbe – Elster , Region Mühlberg/E bewegt sich im langjärien Mittel von 1960 bis 2024 im Bereich von 450 mm im Jahr . Es ist nicht so sehr entscheident wieviel Niederschlag fällt sonder eher zu welchem Zeitpunkt . Das wird wohl fast jeder hier im Blog bestädigen können . Seit gestern Nachmittag ist das langersehnte Druschwetter eingetroffen . Jetzt muß ersteinmal der überreife Raps vom Halm . Feuchte 4,8 % , das ist nicht gut , bei einem Basiswert von 9 % . Erträge , wiedererwartend bisher sehr gut . Erbsen , Roggen, Weizen alles ist reif und muß vom Halm.

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  6. Arnold Krämer sagt

    Nasse Jahre sind Krautfäulejahre. Dann sind die Kartoffelerträge üblicherweise hoch und gleichzeitig auch die Aufwendungen für Fungizide. Ganz einfache Korrelation, die gleichzeitig auch durch Kausalität gedeckt ist.

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  7. Kemetbauer sagt

    Welche Diskussionen/Kommentare hier ein kleines Diagramm auslösen kann, ist schon aberwitzig.

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      • Kemetbauer sagt

        Dieses Säulendiagramm hat für die deutsche Landwirtschaft fast keine Aussagekraft. Wenn im Mittel im Jahr 2024 ca. 900 mm Regen gefallen sind, dann ist das zwar ein relativ hoher Wert aber er sagt nichts aus über die regionale und temporäre Verteilung. In einigen Regionen ist man abgesoffen und in anderen Regionen ist man schlicht und einfach (wieder) vertrocknet. Die Niederschlagsereignisse haben in Lokalität und Extremität zugenommen und allein das ist aussagekräftig für die Landwirtschaft. Was nutzen mir 600 mm Niederschlag wenn davon 450 im Winter fallen und ich auf einem Kiesuntergrund arbeite? Das allein der recht hohe Wert für 2024 hier wieder für eine „es ist alles wie es immer war“-Argumentation herhalten muss, ist für mich aberwitzig. Andererseits wird hier ja argumentativ alles getan, um dem Rest der Menschheit/Leserschaft klarzumachen, dass das Gerede von der Klimaveränderung völlig überbewertet ist. Aber genau diese Aussage wird in der Kölner Bucht wohl anders gesehen als im brandenburgischen Sandkasten, in Franken oder in MV. Selbst in der Magdeburger Börde macht man sich langsam Gedanken, weil der Regenschatten des Harzes sich immer stärker auswirkt. Da sind dann die knapp 100 Bodenpunkte auch keine Lösung mehr.

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        • zmp_nachfahre sagt

          …nicht zu vergessen die Windmühlenplantagen, die nachweislich zur Trockenheit im Lee beitragen.
          Und bitte unterscheiden zwischen Klimaveränderung und Ursachen dafür – und in Folge dann bitte vernünftige Maßnahmen treffen.

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  8. Heinz-Werner Reichenbach sagt

    Wir haben in der Region Hannover in den Jahren 2023 und 2024 auch 350 bzw. 300 mm mehr als sonst an Niederschlag gehabt. Der langjährige Mittelwert liegt bei 650 mm/a. Was uns aber große Sorgen bereitet sind die von Jahr zu Jahr steigenden Verdunstungswerte. Diese nehmen mit der Erderwärmung auch weiterhin zu. Letztlich zählt nur, was als Differenz zwischen Niederschlag und Verdunstung bleibt, sowohl für das Pflanzenwachstum, als auch für die Grundwasserneubildung. Dieser Wert wird in der Klimatischen Wasserbilanz ausgedrückt.
    Vor 60 Jahren hatten wir Verdunstungswerte von 400-500 mm/a, das ergab ein Plus von 150-250 mm/a. In den letzten 10 Jahren stiegen die Verdunstungswerte auf 600-800 mm/a an. In etlichen Jahre war dadurch die Klimatische Wasserbilanz sogar negativ. Die phänologische Uhr verstärkt die Problematik zusätzlich. Die Pflanzen fangen früher mit der Blattentwicklung an, und die Bäume werfen im Herbst später die Blätter ab.
    Der DWD liefert auf Anfrage für viele Wetterstationen sowohl die Niederschläge, als auch die Verdunstungswerte.

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    • Kemetbauer sagt

      Dazu muss noch festgestellt werden, dass die Schere zwischen aktueller Evapotranspiration und potenzieller Evapotranspiration immer weiter auseinander geht.
      btw: Auf gestriegelten Flächen verdunstet weniger Wasser. Gärtnerspruch: Einmal Hacken ersetzt dreimal Bewässern.

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    • zmp_nachfahre sagt

      Die steigende Verdunstung hat mE auch mit der abnehmenden Bewölkung / klareren Luft zu tun. Das ist meßbar und wird zum Teil den wirkungsvollen Entschwefelungsmaßnahmen im weltweiten Schifffsverkehr zugeschrieben.
      Mein persönliches Empfinden während der letzten heißen Tage: die Lufttemperatur war gar nicht mal so unangenehm, aber die Sonnenstrahlung sehr deftig, sowie man aus einem Schatten kam.

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  9. Jetz geht das schon wieder los. Dieses besserwisserische…. Es geht schon stark in Richtung klimawandelleugner. Da wird eine Statistik rausgekramt, die einem passt. Dabei sieht die Realität für jeden sichtbar anders aus: Talsperren, fluesse, baeche leer. Tiefe Boeden trocken. Waelder sterben. Aber Regen haben wir angeblich genug. Für mich hat das was von querdenkertum. Und wenn ich lese dass der Co2 Anstieg gut war für die Landwirte…. Dann sieht man was für ein forum das hier ist. Gletscher und polkappenschmelze wird hier grundsätzlich nicht erwähnt. Die welt ist ja so normal aktuell. Alles bestens. Kein handlungsbedarf. Dass die Erde gerade verreckt, alles blödsinn. Glyphosateinsatz, kein Problem. Krebserregend, niemals. Ne das querdenkerforum hier ist nix für mich. Trotzdem natürlich Respekt vor jedem persönlich. Auch wenn ich die meisten Meinungen hier nicht teile. Alles Gute.

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    • Peter sagt

      Die Erde verreckt noch lange nicht. Dafür jede Menge Menschen in Gaza, Jemen, Kongo, Syrien, Ukraine, Russland usw. Wenn das aufhört, könnten sich alle gemeinsam bemühen, ein Thermostat für die Erde zu bauen und die Niederschläge zu regulieren.

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        • Peter sagt

          Das Global-Rain-Ministry schickt dir künftig mittels Geo-Engineering bedarfsgenau deine Regenwolke(n) über die angebaute Kultur. Voraussetzung wird ein korrekt ausgefüllter 1000seitiger Online-Antrag sein, in welchem u.a. dein Ess- und Freizeitverhalten detailliert anzugeben sind. Bedingung ist selbtverständlich ein ausgeglichenes Sozial- und Gehormsamskonto. Sollten da Auffälligkeiten sein, wird die Regenmenge entspr. gekürzt, in besonders drastischen Fällen ist die Abtragung von bis zu 30% der Humuschicht von deinem Acker vorgesehen. Beides würde dann an echte Klimabauern oder eine Gemeinfond verteilt.

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    • Bauer Fritz sagt

      Pseudowissenschaft als Ersatzreligion einer dekadenten Elite
      von Ralph Schöllhammer (19. Juli 2025)

      Obwohl Religion aus der Mode gekommen ist, glaube ich nicht, dass die Religiosität selbst verschwunden ist. Es gibt eine Fabrikseinstellung im menschlichen Geist, die uns zu glaubensbasierten Überzeugungen zieht, und auch wenn wir uns gerne einreden, dass unsere Urteile auf Fakten und Vernunft basieren, akzeptieren wir die Welt um uns herum meist auf Glaubensbasis.

      Fragen Sie sich einmal, warum Sie an Atome, Evolution oder Schwerkraft glauben? Die Chancen stehen gut, dass Sie die Gleichungen nicht beherrschen, aber Sie halten diese Ideen für wahrer als jede Geschichte mit Engeln, Dschinn oder dem Übernatürlichen. Dieses Gefühl ist kein Beweis für überlegene Logik, sondern zeigt, dass selbst unsere moderne, von der Aufklärung geprägte Kultur noch immer an religiösen Charakteristika festhält – komplett mit heiligen Symbolen (dem weißen Kittel), Hohepriestern (Nobelpreisträgern und Harvard-Professoren) und Häretikern (Impfgegnern, Konservativen und traditionell Religiösen).

      Was wir hier beobachten, ist nicht das Verschwinden der Religion, sondern ihre Metamorphose. Unsere religiösen Geister sind nicht verschwunden; sie haben nur einen Laborkittel angezogen und nennen sich nun „Wissenschaft“. Die Rituale haben sich geändert, aber das Bedürfnis nach gemeinsamer Bedeutung, nach etwas, woran man glauben kann, ist geblieben. Manchmal führt dies dazu, dass das Absurde im Namen der „Wissenschaft“ verteidigt wird. Gibt es wirklich 77 Geschlechter? Können Männer schwanger werden? Sind Unterschiede in Muskelmasse und Knochendichte zwischen Männern und Frauen nur ein „soziales Konstrukt“? Laut den Gender-Abteilungen an Eliteuniversitäten sind sie es, aber sie sind nicht der Wissenschaft verpflichtet, wie wir sie verstehen möchten, sondern der Wissenschaft als Ersatzreligion – und wenn Jesus Wasser in Wein verwandeln kann, können die Postmodernisten Männer in Frauen verwandeln und umgekehrt.
      Diese neue Priesterschaft hat einen mächtigen Verbündeten gefunden: eine gelangweilte Oberschicht, die nach Sinn sucht. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter schrieb 1942, dass der Untergang des Kapitalismus nicht durch den Aufstand einer verarmten Arbeiterklasse kommen werde, sondern durch die Sabotage einer gelangweilten Oberschicht. Er glaubte, dass eine gebildete Elite nichts mehr haben werde, wofür sie kämpfen könnte, und so beginnen werde, gegen das System zu kämpfen, in dem sie selbst lebt.

      Die Klimabewegung als Sinnkrise der Wohlhabenden
      Die zeitgenössische Klimabewegung und ihre Akolythen lassen sich am besten in Schumpeters Begriffen verstehen, denn weit entfernt davon, die planetarische Krise zu sein, als die sie von Medien und Kultur so gerne dargestellt wird, ist sie in Wahrheit eine Sinnkrise der Wohlhabenden. Nehmen Sie zum Beispiel das jüngste Interview mit dem Stanford-Biologen Paul Ehrlich in CBS’ 60 Minutes. Ehrlich ist am berühmtesten für seine Karriere als professioneller Unheilsprophet, beginnend mit seinem Hauptwerk „Die Bevölkerungsbombe“, das uns so zeitlos falsche Vorhersagen bescherte wie: „Der Kampf, die gesamte Menschheit zu ernähren, ist vorbei. In den 1970er und 1980er Jahren werden Hunderte von Millionen Menschen verhungern, trotz aller Crash-Programme, die jetzt unternommen werden. Zu diesem späten Zeitpunkt kann nichts einen erheblichen Anstieg der Weltsterberaten verhindern.“
      Ehrlich, der kürzlich 90 Jahre alt wurde, befindet sich in der glücklichen Lage, das komplette Scheitern aller seiner Vorhersagen miterlebt zu haben – nur um in seinem 60-Minutes-Interview darauf zu verdoppeln. Ehrlich lag bei jeder öffentlichen Angelegenheit, über die er fast 60 Jahre lang dozierte, falsch, dennoch behandeln die Mainstream-Medien ihn immer noch wie ein modernes Orakel. Warum?
      Die beste Antwort auf diese Frage kommt von Alexandria Ocasio-Cortez, die 2019 bekanntermaßen sagte: „Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die sich mehr darum sorgen, präzise, faktisch und semantisch korrekt zu sein, als darum, moralisch richtig zu sein.“ Mit anderen Worten, egal welchen Unsinn man von sich gibt, solange es „moralisch richtig“ ist, spielt es keine Rolle, was die Fakten zeigen. Wie der Prophet jeder Religion ist Ehrlich nicht da, um die Welt zu erklären, sondern um die Lieblingsweltanschauung der Oberschicht vom bevorstehenden Weltuntergang zu verstärken – etwas, das nur verhindert werden kann, wenn wir die Art, wie wir leben, grundlegend ändern.
      Die Heuchelei der neuen Priesterkaste

      Aber natürlich meinen sie mit „wir“ eigentlich „Sie“ – es ist nicht die Tesla fahrende AOC oder der jetset-reisende Stanford-Professor Ehrlich, die ihre Lebensstile anpassen werden, sondern die Tölpel der Arbeiter- und Mittelschicht, die angeblich zu viel Fleisch essen, zu viele Meilen mit benzinschluckenden Autos fahren oder sogar gelegentlich einen Flug buchen, um in den Urlaub zu fahren. Dies wurde perfekt verkörpert von Klima-Zar und Millionär John Kerry, der 2019 den Privatjet seiner Familie nahm, um an einer Klimakonferenz in Island teilzunehmen. Von Journalisten gefragt, wie er seinen Klimaaktivismus mit der Nutzung von Privatjets in Einklang bringen könne, schien er verwirrt – schließlich erklärte Kerry, „es ist die einzige Wahl für jemanden wie mich, der um die Welt reist, um diesen Kampf“ gegen den Klimawandel zu gewinnen.
      Selbst vermeintliche Graswurzelbewegungen wie „Just Stop Oil“ oder „Letzte Generation“ werden tatsächlich von Millionären finanziert, wie Aileen Getty, der Enkelin des legendären Öl-Tycoons Jean Paul Getty, und dem Climate Emergency Fund. Genau wie Kerry, Ehrlich und andere sind diese Gruppen nicht wirklich daran interessiert, das Problem des Klimawandels zu lösen – etwa durch die Förderung der Forschung in Technologien wie Kernenergie, Kohlenstoffabscheidung und Anpassungsmaßnahmen –, sondern daran, es zu einer Ersatzreligion zu erheben, die es ihnen ermöglicht, gleichzeitig ihren Reichtum zu genießen und dem Rest der Welt von einer Position moralischer Überlegenheit aus zu predigen.

      Das Versagen der Aufklärung und die Rückkehr des Stammes
      Die Aufklärung gab uns den Traum einer „Wissenschaft vom Menschen“ – die Hoffnung, dass wir, wenn wir nur genug Vernunft anwenden, die Mechanismen menschlichen Verhaltens entschlüsseln und eine perfekte Gesellschaft aufbauen könnten. Jeremy Bentham wollte „der Newton der moralischen Welt“ sein. Ökonomen jagen immer noch dieser Fantasie nach und reduzieren Menschen auf nutzenmaximierende Roboter. Aber die Realität dringt weiter ein. Die Neurowissenschaft zeigt, dass Menschen, die ihrer Emotionen beraubt sind, kaum sozial funktionieren können. Die Philosophen schalteten die Emotionen nicht aus; sie heiligten nur neue Gefühle – Loyalität zur „Vernunft“, Ehrfurcht vor dem „Fortschritt“, Abscheu vor dem „Aberglauben“.
      Das Problem ist, dass wir weder Igel (Einzelgänger) noch Ameisen (rein kollektiv) sind. Wir sind beides und keines von beiden. Die Spannung zwischen Individuum und Kollektiv ist der Motor der Geschichte – und die Quelle unserer tiefsten Konflikte. Je mehr wir über die menschliche Natur lernen, desto weniger deterministisch wird sie. Genetik, Kultur, Erfahrung – alle spielen eine Rolle, aber keine kann die Zukunft vorhersagen. Wir sind fest verdrahtet, uns kollektiv um moralische Richtlinien zu organisieren, aber was diese Richtlinien sind, steht zur Debatte.

      Der Kollaps des Vertrauens und die Entstehung des Überwachungsstaates
      „Vertrauen ist eine Externalität“, warnte Nobelpreisträger Kenneth Arrow. Übersetzung: Man kann sozialen Klebstoff zwar nicht bei Billa kaufen, dennoch kollabiert die Gesellschaft ohne ihn. Wenn alles zu einer Kosten-Nutzen-Rechnung wird – Ehe, Organspenden, sogar Freundschaft –, erodiert das Vertrauen. Man braucht immer größere Polizeistaaten (oder Compliance-Algorithmen), um das Spiel am Laufen zu halten.
      Genau hier befinden wir uns heute. Die multikulturelle Gesellschaft ist kein glücklicher Schmelztiegel, sondern eine Stammesgesellschaft mit einem übermächtigen Staat, der versucht, die Konflikte zwischen verschiedenen Stammesgruppen zu bewältigen. Die Eliten, die diese Entwicklung vorangetrieben haben, nutzen nun die daraus resultierenden Probleme als Rechtfertigung für noch mehr Überwachung und Kontrolle. Sie predigen „Diversität“ und „Inklusion“, während sie gleichzeitig die Instrumente eines Polizeistaates aufbauen, um die Spannungen zu bewältigen, die ihre Politik geschaffen hat.

      Fazit: Die Rückkehr zur Realität
      Bis wir die emotionalen Unterströmungen konfrontieren, die unter „rationalen“ Gesellschaften pulsieren, werden wir weiterhin kulturelle Erdbeben für statistisches Rauschen halten – und uns wundern, warum der Boden immer wieder nachgibt. Die Gefahr liegt darin zu glauben, wir könnten die Gesellschaft allein durch Logik konstruieren. Jeder Versuch, dies zu tun – ob nach Rasse, Klasse oder Algorithmus –, endet in einer Katastrophe.
      Der einzige Weg vorwärts ist, das Chaos zu umarmen: anzuerkennen, dass Kultur, Emotion und Geschichten nicht Fehler im System sind, sondern Eigenschaften. Die neue Priesterkaste der Scientisten und Klimaaktivisten hat vergessen, was die Aufklärung wirklich lehrte: dass Vernunft ohne Weisheit, Wissenschaft ohne Demut und Fortschritt ohne Tradition zu Tyrannei führen. Wir haben die Kultur vergessen, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind – und das ist der wahre Preis unserer modernen Arroganz.

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      • evonik sagt

        Sehr gut! Ich freue mich mal wieder, weil ein kluger Mensch ähnlich denkt wie ich.

        Beispiel daraus:

        Die neue Priesterkaste der Scientisten und Klimaaktivisten hat vergessen, was die Aufklärung wirklich lehrte: dass Vernunft ohne Weisheit, Wissenschaft ohne Demut und Fortschritt ohne Tradition zu Tyrannei führen. Wir haben die Kultur vergessen, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind – und das ist der wahre Preis unserer modernen Arroganz.

        Wir haben nicht die Emotionen korrigiert, die uns mal die Nazis beschert haben und so brechen sie bei Grün und Bio wieder durch. Ganz empirisch:

        Die meisten Bio-Aktivitäten haben wir in D und A und das waren auch die braunsten Länder.

        Oder: Hier hat ein Felsen der ca. 90 m über die Baumwipfel ragt Einfluss auf das Wetter(Gewitter). Mein Friseur hat gesagt, dass der Monte Kaolino (Metropolregion Donhauser)

        https://www.montekaolino-hirschau.de/

        nicht höher als 120 m aufgeschüttet werden durfte, weil er sonst Einfluss auf das Wetter gehabt hätte. Das sind doch ganz einfache Beobachtungen. Wenn jetzt Leute meinen man könne den ganzen Kontinent mit Windrädern zu stellen, ohne Einfluss auf das Wetter zu bewirken , dann ist das (oberflächliche ) Vernunft ohne Weisheit( Bildung)

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      • Stadtmensch sagt

        Für diesen leider als gebildet geltenden Schwurbler Schöllhammer, gilt Jeremy Bentham wahrscheinlich auch als ein „Linker“. Wenn sich jemand an Zeitgenossen abarbeitet, die Bäum*innen sagen und auch sonst in jeder Hinsicht vor allem emotional und inkonsistent denkt, dann wunderts mich nicht, dass er zwar das Chaos umarmen will, aber Angst vor „In Homogenisierung“ des Volkes, der Geschlechter, der sozialen Prägungen usw. hat. Jeder soll wieder Existenzangst haben müssen, damit das Leben „richtig“ gelebt wird. Alles andere ist Dekadenz oder wenigstens Wohlstandsverwahrlosung. Meint er. Hab mir mal seine Elaborate auf exxpress durchgelesen.

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        • Bauer Fritz sagt

          Lieber Stadtmensch
          Die „Eselsbrücke“, wer in der „falschen“ Zeitung schreibt, schreibt „Falsches“, aber wer in der „richtigen“ Zeitung schreibt, schreibt nur Richtiges, scheint mir bei in ihren Beirägen bislang gewohnt intellektuellen Anspruch doch zu dürftig.

      • Norbert sagt

        Recherche zum Thema MCC, Schöllhammer, Orban oder Patzelt zeigen sehr eindrücklich auf aus welcher Richtung der Wind bei vielen Kommentaren weht. Wer früher den kapitalistischen Klassenfeind bekämpfte freut sich nun über Support aus dem Lager von Fox oder Nius.
        Wie wäre es schon wenn wir ohne diesen Schwurbelquatsch an den Lösungen der Problematik diskutieren könnten ohne dass gleich die ideologische Keule geschwungen wird.
        Norbert

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    • Volker Seitz sagt

      Die Statistik stammt vom Bundesumweltamt. Sie können davon ausgehen, dass der Chef Messmer kein „rechter Klimaleugner“ oder „ Querdenker“ ist. Ich finde es erfreulich, dass der Herr Professor die korrekte Statistik veröffentlichen lässt. Das ist ja nicht überall der Fall.

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      • evonik sagt

        Da denke ich anders. Das Bundesumweltamt muss auch der Regierung berichten und darf das nur das veröffentlichen was der Regierung passt.

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        • Volker Seitz sagt

          Da stimme ich Ihnen zu. Da hat in der Regierung offenbar niemand aufgepasst. Deshalb sollte man die Statistik sichern, bevor sie „ versehentlich“ verschwindet oder korrigiert wird.

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          • evonik sagt

            Da denke ich anders:

            Die Regierung hat die Veröffentlichung genehmigt, weil damit das Volk verwirrt wird. Die Wahrscheinlichkeit dass die Statistik zurück genommen wird ist also sehr gering.
            Das würde allerdings voraussetzen, dass jemand von der Regierung Ahnung hat. In der Beziehung wachsen meine Zweifel allerdings zu.

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      • Inga sagt

        aber ein Beamter vom Bundesumwelt muss doch neutral sein,
        har doch neutral zu sein,

        oder?

    • Christian Bothe sagt

      Mt: Na ja,Sie hauen ja auf die “Kacke”! Wir stehen kurz vor dem Weltuntergang! Hatten wir 1540 schon mal ( Recherche in t-online)! Die Menschheit gibts immer noch! Lesen Sie den Bericht mal…Komme gerade aus dem Westerzgebirge, meiner Heimat: der Wald ist besser denn je, Talsperren gefuellt! Also nicht alles verallgemeinern und wie A.K. meint die Lokalitäten sind unterschiedlich auch was Niederschläge und Trockenheit betrifft! Wir machen es so nehmen wie es ist und der Mensch hat darauf wenig Einfluss, er muss sich anpassen wie die Altvorderen (LW) immer schon getan haben!
      “Statistik ist das Glaubhaftmachen der Lüge” sagte man in der DDR, ist ab und zu halt auch noch so…

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    • Bauer Willi sagt

      @MT
      Ich mag keine keine Apokalyptiker. Ich bin Landwirt und Wissenschaftler und möchte meinen Mitmenschen die Fakten darstellen. Und die sagen beim Niederschlag, dass es da keine Besonderheiten gibt. Das hat nichts mit Meinung zu tun, das sind Fakten, die Ihnen offensichtlich nicht in den Kram passen.
      Eine persönliche Frage: Wählen Sie die Grünen?

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      • Kemetbauer sagt

        @Bauer Willi
        Ist „keine keine“ jetzt einfach ein Tippfehler oder eine doppelte Verneinung die eine Bejahung darstellt?

        • Bauer Willi sagt

          @Kemetbauer
          Es handelt sich um einen Tippfehler, der auf beginnende Senilität zurückzuführen ist. 🙂

  10. Alfons Nünning sagt

    Wir sprechen in der Menschheitsgeschichte von tausenden von Jahren, wie viel Trends es da schon gegeben hat.Anpassen war und ist die Dewiese .

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    • Das meine ich. Die mit der Industrialisierung einhergehende klima Erwärmung ist natürlich kein Trend sondern eine vom Menschen gemachte Entwicklung mit schlimmen Folgen : klimaerwärmung. Die Industrialisierung ist ein Segen für die Menschen. Die schlimme Verschmutzung von fluessen hat man auch in den Griff bekommen und beseitigt. Auch wenn die Bayer AG und Co ungehindert immer noch den Rhein verschmutzen dürfen. Aber genauso wie man die fluessen in den Griff bekommen hat, muss an die erderwaermung in den Griff bekommen. Wenn man das Problem viel früher akzeptiert hätte, wären die verheerenden Folgen nicht so groß. Brände weltweit, Flutkatatstrophen, Gletscher weg (aber die sind ja in 1 Million Jahren wieder zurück, wie man hier im forum sagen wird…). So genug Zeit verschwendet. Machts gut

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      • Christian Bothe sagt

        Mt: Das Schlimmste was der Mensch macht und forciert sind die Kriege auf der Welt! Ein Koll. hat es im Blog schon richtig formuliert! Und wir Deutschen unterstützen das lokal noch, anstatt die Konfliktparteien mit Diplomatie zum Frieden zu bewegen! Das ist wichtiger wie das ganze „Klimageschwafel“ mit 0,04% CO2 in der Atmosphäre ständig in den Vordergrund zu rücken…Erst sollten wir wieder ein funktionierendes Wirtschaftswachstum erreichen mit entsprechender LW vor Ort ,die teure Kriegstreiberei beenden, dann sind auch weitere Ressourcen für klimabeeinflussende Maßnahmen vorhanden, die nichts mit einer Ideologie zu tun haben sondern Fachwissen generieren, um das tägliche Tun und Handeln zu beeinflussen zu können!

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  11. Markus Kempen sagt

    Die Trendlinien sind eingezeichnet. Der lineare Trend steigt an, der LOESS Trend geht ab ca. 2000 zurück.

    „Das sogenannte LOESS-Verfahren (Locally estimated/weighted Scatterplot Smoothing, lokales lineares Regressionsmodell) wird aktuell in der Fachwelt als das am besten geeignete Berechnungsverfahren für die Klima-Trendlinie angesehen und auch bei anderen Wetterdiensten weltweit in den Routinebetrieb aufgenommen.“

    https://www.dwd.de/DE/presse/pressekonferenzen/DE/2025/PK_2025_04_01/langfassung_loess-filter.pdf?__blob=publicationFile&v=2

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  12. evonik sagt

    Wetter und Klima sind- wie Ernährung- sehr komplexe Themen. Viel zu komplex um die Themen weiterhin dümmlichen Fanatikern zu überlassen.

    Ich denke die SeD -Leute haben sich dabei in den letzten Jahrzehnten dermaßen verrannt, dass sie zu allen Mitteln greifen müssen um der AfD keinen Einblick zu ermöglichen. So erkläre ich mir jedenfalls den faschistischen Umgang mit denen.

    Was den Regen betrifft, sagt ein Mittelwert für Deutschland wenig aus. Was können Jürgen Donhauser und Thomas Bröcker aus ihren Metropolregionen dazu wohl berichten?

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  13. Alfons Nünning sagt

    Sehr beständiger Mittelwert und an alles andere müssen wir Landwirte uns anpassen.

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    • Bauer Willi sagt

      Haben gestern die Rapsernte wegen Regen abbrechen müssen. In den nächsten Tagen soll es wieder regnen.

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