Bauer Willi
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Nachhaltigkeit – verschiedene Interpretationen

Auf dem Internationalen Kongress der Agrarjournalisten, der in diesem Jahr in Deutschland stattfand, diskutierte verschiedene Personen und Organisationen über Nachhaltigkeit.

Ein Begriff, der offensichtlich sehr unterschiedlich interpretiert werden kann. Hier die verschiedenen Stellungnahmen in dem folgenden Video:

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65 Kommentare

  1. RW Fischer sagt

    Trotz mehrmaligem Ansehen des Videos weiß ich noch immer nicht was Nachhaltigkeit wirklich ist. Ich hörte und fragte mich:

    • Einklang von Umweltschutz, Klimaschutz, Tierwohl und Biodiversität
    o Also Landwirtschaft nur aus hehren Gründen?
    o Biodiversität in welcher Agrarlandschaft, die aus dem 19. Jahrhundert?
    o Die natürliche Landschaft in Deutschland sind Buchenwald-Assoziationen. Alles andere inkl. Biodiversität entwickelte sich dynamisch und durch den Menschen.
    • Berücksichtigung Ökologie, Ökonomie, Soziales
    o Alles gleichberechtigt?
    o Aber was ist der Treiber? Ich kann auf Ökologie optimieren, dann sind die Erträge niedriger und Kunden müssen mehr bezahlen (sozialverträglich?), oder ich optimiere auf Erträge, dann leidet die Biodiversität, aber es wird billiger. Im Kompromiss müssen alle zurückstecken, doch wer entscheidet (ökologischer Landbau 30% weniger Ertrag und höhere Preise, aber mehr Biodiversität, und wieviel Fläche brauchen wir mehr mit oder ohne Importe (= Energieverbrauch und Sozialverträglichkeit). Ist Nachhaltigkeit, wenn alle etwas aufgeben müssen?
    • Schutz von endlichen Ressourcen
    o Macht Sinn. Also Traktoren nur mit erneuerbarer Energie, oder Pferde/Ochsen?
    • Künftige Generationen müssen noch Landwirtschaft betreiben können
    o Welche Art von Landwirtschaft?
    o Wie wäre diese Forderung im Jahr 1900 beantwortet worden, als ein Bauer im Schnitt nur vier Menschen ernährte?

    • Sabine sagt

      Würde den Bauern die Möglichkeit eröffnet stärker auf humusbildene Bewirtschaftungstechniken zurückzugreifen bzw. sie weiter zu entwickeln, könnte die Landwirtschaft die größte Co2-Senke der Welt sein.
      Es gibt da Ansätze von Großbauern in den USA bis kleinen Spinnern mit 3ha Hobby-Permakultur in Spanien. Die Frage ist nur, wie man diese Systeme an unser Klima und ob unsere Bürokratie das auch zulässt.
      Bio-Diversität heißt auch Nutzungsmöglichkeiten neu oder wieder entdecken. Hühner im Wein- oder Obstbau wäre ein Beispiel. Wieviel machen die kaputt und was bringen sie in Sachen vorbeugender Schädlingsbekämpfung? Kann ein Huhn einen Spritzgang ersetzen und wenn ja, spart es mir dann am Ende wirklich Geld ein? Welche Haltungssysteme bräuchte es und welche Hühner eignen sich dafür am Besten? Wer weiß, vielleicht sehen wir ja eine demnächst sogar Perlhühner zwischen Rebstöcken.
      Enten als Gesundheitspolizei in der Schaf- oder Ziegenhaltung? Schnecken übertragen Parasiten, Enten fressen Schnecken, brauchen aber ein ordentliches Planschbecken und ausreichenden Schutz vor Raubfeinden. Würde es sich bezahlt machen, wenn man Enten in eine Schafherde integriert? In der privaten Haltung leben die Tiere recht friedlich miteinander, aber was mit fünf Enten und zehn Schafen klappt muss ja nicht zwangsläufig auch mit 50 Enten und 100 Schafen klappen.
      Da gibt es viele Kombinationen, die getestet werden können, nur bei Tests sind Misserfolge vorprogrammiert. Woher das Geld nehmen, wenn die Politiker, statt soetwas zu fördern, lieber die Gülleverordung verschärfen?
      Es geht nicht darum wie um 1900 die Rösslein anzuspannen. Es geht darum Synergien zu entdecken und neue Techniken auszuprobieren, vllt. auch neue Märkte aufzutun.
      Die original Nudel, die Marco Polo auf seiner Entdeckungsreise vorgesetzt bekam, war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Buchweizenmehl hergestellt worden. In Japan sind diese Nudeln immer noch der Renner. Würden unsere deutschen Verbraucher, richtig beworben, so eine Nudel auch kaufen? Könnte so eine weitere Frucht in den Fruchtwechsel mit Gewinn eingepflegt werden?
      Gerade bauen viele Milchbauern eine Milchtankstelle und überlegen sich, ob es sinnvoll wäre noch ein paar Hühner zu halten, um auch Eier anbieten zu können. Lohnt sich da so ein Mobilerhühnerstall? Wie reagieren eigentlich die Flächen auf denen die Hühner waren? Ändert sich da was? Hat das mal jemand untersucht? So viele Fragen…..

  2. Liebe konventionelle Kollegen,

    Beispiel für nicht Nachhaltigkeit (wahrscheinlich vieler) konventionellen Kollegen: HUMUS!

    Fragt doch mal euren Pflanzbauberater von der Kammer (oder für die Lehrlinge: fragt euren Lehrer im Pflanzenbau) nach der Humusbilanz, die ihr jedes Jahr nach CC ausfüllen müsst. Die meisten Kollegen (mich bis vor einem halben Jahr eingeschlossen) glauben dieser tabellarischen Darstellung. Im Bio-Landbau-Fachunterricht erfuhr ich dann das diese Humusbilanz (nach CC) absolut geschönt ist, bedeutet das eine ausgewiesene ausgeglichene Humusbilanz in Wirklichkeit negativ ist. Für einen Biobauern wäre das innerhalb von 5 Jahren tödlich, dann wären wir wirklich bei “Ökolandbau läugt Böden aus”. Darum verwenden wir im Ökolandbau höher Ansätze für den Humusabau beim Anbau von verschiedenen Feldfrüchten. Ziel ist eine positive Humusbilanz um das Ertragsniveau mindestens halten zu können evtl. zu steigern.

    Auf Nachfrage bestätigte meine Lehrerin im Pflanzenbau das die Humusbilanz nach CC geschönt und fachlich unbrauchbar ist. Planmäßig ist diese Aussage leider nicht Teil des Unterrichts!

    Mein Fazit: Beim Thema Humusbilanz wirtschaften wahrscheinlich viele konventionelle Kollegen (unwissendlich) nicht nachhaltig!
    Ich finde den Aspekt des “Unwissendlich” fast schlimmer als den der vielleicht negativen Humusbilanz!

    Viele Grüße Biobauer Christian

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Christian
      laut Bodenuntersuchung (immer gleiches Labor) habe ich den Humusgehalt in den letzten 10 Jahren um 0,5% erhöht.
      Dein Konvi-Bauer Willi

          • Stadtmensch sagt

            Auf agrardebatte.de gibts eine Rezension deines Buches “Sauerei”.
            “Bauer Willis misslungene Demagogie” – sehr interessant…

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              “Das Buch wimmelt von falschen Behauptungen für deren Widerlegung hier der Platz fehlt. „

              So einfach macht es sich der Autor,
              statt eindeutig seine Kritik zu belegen,
              windet der sich damit heraus, es würde an Platz fehlen.

    • Stefan K sagt

      Hallo Biobauer, Hallo konv. Bauer, leider muss man folgendes konstatieren:
      1. Was soll eine Lehrerin in der Bioweiterbildung sonst auch sagen? Auf welche Quellen beruft sie sich? Es behaupten auch einige, das Vergraben von mistgefüllten Kuhhörnern bei Mondschein würde einiges bringen…
      2. Humusbildung und -verbrauch hängt sehr von Fruchtfolgen und deren Gliedern sowie die Menge der Entnahme von organischem Material ab, da einfach platt zu sagen, das wäre bei Bio besser als bei konventionell ist mir persönlich schleierhaft. Ich baue 7 verschiedene Früchte an, davon sind lediglich 2 als humuszehrend eingestuft. Ich versuche selbst, die Humusbilanz (ja, ich kenne sie und ihre Einflussfaktoren bzw. Einstufungen) “inoffiziell” zu verbessern, indem ich Zwischenfrüchte und so viel wie möglich/erlaubt organische Substanz zuführe.
      3. Humusbildung und -verbrauch hängt auch von der Bodenbearbeitung ab. Intensivere BB fördert den Humusabbau – vielleicht werden deshalb im Biolandbau höhere Grundwerte pro Fruchtart angenommen? Um das häufige Pflügen und Grubbern auszugleichen?
      4. Weitere Einflüsse z.B. Wetter, Temperatur, Feuchtigkeit (“von oben und unten”) usw. sind sehr komplex und würden das ganze hier aus dem Rahmen laufen lassen, aber ebenso wichtig!
      5. Humusbildung ist ein endlos langer Prozess, der in einem Menschenleben kaum beobachtet werden kann. Da muss ich auch Bauer Willi etwas widersprechen, es lag wohl eher an der Probenahmestelle bzw. den Zuständen dort. Man kann sich gerne bei den Düngeversuchen der Dauerfeldversuche in Rothamsted oder Uni Halle informieren. Hier wurde in über 100 Jahre trotz intensiverer Stallmistgaben kaum nennenswert Humus aufgebaut.

      Gemeinhin sagt man auch in der Presse und anderen einschlägigen Formaten, wenn es wieder zu Erosion von irgendeinem Feld gekommen ist: “In hundert Jahren wird etwa 1 mm Boden aufgebaut. Nun ist soundsoviel abgeschwemmt worden.”
      Nicht gas gleiche, geht aber in diese Richtung. Ich glaube kaum, dass durch Bewirtschaftungsformänderung bio/konv. in der ersten Generation wirklich wissenschaftlich fundiert erhebliche Verbesserungen stattfinden. Wesentlich intensiver ist es wohl vom Pflug/intensiver Bodenbearbeitung hin zu konservierender Bodenbearbeitung. Dann störe ich nämlich nicht mehr aktiv das Bodenleben (Regenwürmer zuallererst), leider störe ich auch die Mäuse nicht mehr nachhaltig…

      • Hallo Stefan K.

        ich habe nicht gesagt das Bio beim Thema Humus per se besser ist. Ich sehe auch das du dich mit dem Thema Humus beschäftigst. Und richtig die. Probenentnahme für die Bodenprobe ist entscheidend, darum fertigt man ja eine Mischprobe aus vielen Einstichen (das brauche ich dir sicher auch nicht zu erklären). Völlig richtig ist auch das Humusaufbau sehr langsam von statten geht und komplex mit vielen Faktoren zusammenhängt. Daher besteht ja auch aus meiner Sicht die Tendenz es sich einfach zu machen: CC -Humusbilanz stimmt also ist doch alles gut….
        Ich fand es erschreckend das nur auf Nachfrage die Unzulänglichkeit dieser Form der Bilanzierung aufgedeckt wurde. Humus allgemein war damit leider auch schon fast abgehandelt.

        Viele Grüße Biobauer Christian

        • Stefan K sagt

          Das mit auf Nachfrage stimmt sicher in deinem Fall, keine Frage. Und eine sichere Bewertung über Humuswirkungen ist eben auch schwierig, da die normale Forschung derartige Zeiträume nicht abdeckt (abdecken kann). Ich wollte auch nicht irgendeine Kluft schlagen, sondern dem Leser mitteilen, dass Bio UND Konventionell, wenn es richtig läuft, eine positive Humusbilanz nach heutigem Wissensstand fördern können.
          Was aber wichtig wäre, sind (derartige) Schulungen verpflichtend einzuführen, nicht nur im Agrarsektor, sondern generell. Es dreht sich die Wissenschaft und die Erkenntnis, aber einzelne Bauern und Autofahrer usw. stehen scheinbar still. Da kann man auch mit Förderung was tun. Das was du mit Boden und Humus erlebt hast, kann den konv. Bauer bei Pflanzenschutzschulungen etc. erleben. Nicht dass dauernd was falsch gemacht wird, aber es werden auch Einsparpotentiale und mögliche Chancen nicht erkannt!
          Weiter: Ich zum Beispiel wäre ein Ackerbauer, der von der zweiten Säule – Mehr Geld für mehr Tierwohl – nichts abbekommen würde. Ich wäre froh, wenn man eine humusrelevante Diskussion führen würde wie:
          1. Diversität – Basisbetrag plus Zuschläge für 3, 4, 5, 6 oder gar 7 oder mehr verschiedene Früchte im Betrieb,
          2. organische Substanz: Verbleib von Stroh bzw. Einsatz von Kompost bzw. spez. Förderung (und dies auch öffentlich machen) für definitiv humusmehrende Früchte und Zwischenfrüchte
          3. spezielle bundesweite Förderung zur besonders strukturschonenden und erosionsvermindernden Bodenbearbeitung (Tiefe, Intensität, Drainagen, Bewässerungen, …) und Saatverfahren (Direktsaat…). Da gibt es noch deutliche Unterschiede zwischen den Regionen innerhalb Deutschlands, wie soll man da wetteifern?
          4. Förderung von Bodenbedeckung – besondere Prämien für x Monate (z.B. > 10) pro Jahr – das ist Erosionsschutz!

          Man kann da weitermachen, aber du siehst, dieses platte hie und da gibt es eben nicht. Du weißt es und viele andere auch hier im Blog, aber es werden immer die gleichen (Gegen-)Argumente gebracht. Leider.

          • Sabine sagt

            Seht ihr, und deshalb finde ich die Soil Health Sachen aus USA so interessant. Die scheinen in recht kurzer Zeit recht viel Humus aufbauen zu können. Für mich sieht da vieles zu einfach aus und ich frag mich, wo der Haken ist. …. außer dass in den ersten Jahren die Mäuse und Schnecken auf den Feldern Parties feiern. Dort wird viel davon gesprochen mit modernen Mitteln die urspünglichen Rhythmen der Langgras-Prärie oder der Savanne nachzuahmen. Das ist ja nicht unser ursprüngliches Ökosystem, von daher wohl hier etwas problematisch. Es gibt ja mehr als einen Grund, warum hier jedes Stück vernachlässigtes Land schnell wieder ein Wäldchen wird.
            Dabei gehen die meisten Experiment mit der Zeit weg von reinen Ackerbau- und reinen Viehzuchtbetrieben. Ich denke, solche Experimente sind hier schwerer durchführbar, denn dem ein oder anderem Bürokraten wird man wohl nicht erklären können, warum man seinen Acker jetzt dringend alle zwei Jahre mit allem möglichen Vieh vom Rind bis zum Perlhuhn vollstellen will. Aber interessant find ich es schon. Auch weil die meisten Farmer sich nicht mit dem Label Organic anfreunden wollen.

          • Hallo Stefan K
            Bei deinen Vorschlägen für die Prämiengestaltung gehe ich voll mit. Den Fall Pflanzenschutzsachkunde kenn ich auch, auch als Biobauer muss ich im Besitz der aktuellen Sachkunde sein, da zum Beispiel Mäusegift zur Anwendung in Gebäuden auch unter die Sachkunde fällt. Ich finde es ausserdem wichtig über den Tellerrand zu schauen.
            Leider ist das noch nicht Standard, dass Landwirte sich regelmäßig fortbilden (Ausnahme Pflanzenschutzsachkunde) und so über den eigenen Betrieb hinaus gucken. Das Wahlpflichtfach Bio-Landbau sollte Pflichtfach werden, nicht aufgrund irgendwelcher politischen Meinung, sondern auf Grund seiner Inhalte (Humus!) und damit jeder mal den Blick über den Tellerrand machen muss. Genauso hab ich in der Gesellenprüfung meine Pflanzenschutzsachkunde abgelegt.

            Und ja du hast vollkommen recht, es werden immer die gleichen mehr oder weniger sinnvollen (Gegen-) Argumente ausgeteilt. Oft im Rahmen eines Grabenkampfes der keiner Seite gut tut oder weiterhilft. Das für mich wichtigste Argument warum ich Bio-Landwirt bin, ist das Wirtschaftliche! Als Mutterkuhhalter mit Rindermast und kleinem Marktfruchtbau wären wir als konventioneller Betrieb längst von der Bildfläche verschwunden. Als produzierenden Bio-Betriebe kann ich jedoch gut leben und das nicht nur auf Grund der höheren Prämien. Die ich übrigens im Rahmen der Programme die du vorgeschlagen hast auch bekommen würde ?

            Viele Grüße Biobauer Christian

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Kann jetzt nur für mich sprechen, aber glaubst Du wirklich, ich konnte erfolgreich Obst und Weinbau betreiben, mit dem was ich vor 50 Jahre in der Schule gelernt habe?

              Zu behaupten, dass es Standard wäre, dass Landwirte sich nicht regelmäßig fortbilden, ist so was von daneben.

              Was soll dieser Unsinn?

              Das ist der Grabenkampf der keiner Seite gut tut oder weiterhilft.

            • Ehemaliger Landwirt,

              das steht da nicht! Du legst mir Sätze in meinen Text die da garnicht stehen!
              Ich zitiere mich: Leider ist es noch nicht Standart das Landwirte sich regelmäßig fortbilden!

              Bedeutet nicht !!! das es Standard ist das Landwirte sich nicht fortbilden!

              Sorry echt daneben meine Sätze zu radikalisieren und umzudrehen.

              Zurück zum Thema:

              Ganz sicher gibt es Landwirte die sich in den letzten 50Jahren regelmäßig fortgebildet haben! (Hoffentlich ist es die Mehrheit)

              Aber Sätze, wie “das haben wir immer so gemacht” gibt es noch viel zu oft! Die Diskussionen habe ich gerade frisch in Berufs- und Fachschule mitbekommen!

              Und bitte nicht falsch verstehen, es ist nie meine Absicht Gräben zu vertiefen, und wenn ich von Landwirten sprach dann gilt das für alle! (Egal welcher Produktionsrichtung oder Form) Und es muss auch erlaubt sein Dinge anzusprechen, die gewiss keiner gerne hört und sicherlich mancher nicht für möglich hält.

              Das schließt natürlich nicht aus das man mit Niveau über meine Darstellung/Meinung streiten (diskutieren) darf.

              Viele Grüße Biobauer Christian

              PS. Ich schreibe ausdrücklich den “Biobauer” untendrunter um auch ein wenig die Reaktionen zu sehen (Willi nimmt es immer mit rheinischen Humor). Wie hättest du mir wohl geantwortet, wenn ich ohne den Hinweis auf Bio, die Frage nach der Ausbildung und regelmäßigen Fortbildung der Landwirte gestellt hätte 😉

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              “Aber Sätze, wie „das haben wir immer so gemacht“ gibt es noch viel zu oft! Die Diskussionen habe ich gerade frisch in Berufs- und Fachschule mitbekommen!”

              Habe noch das Pflanzenschutz Sonderheft Obstbau von 1968 im Archiv. Herausgeber Pflanzenschutzdienst Baden-Württemberg.

              4 Wirkstoffe gibt es noch, die damals auch angewendet wurden,

              Captan im Obstbau
              Folpet im Weinbau
              Metiram im Weinbau
              Mancozeb im Weinbau

              Und Du willst mir sagen, dass es Landwirte gibt, die behaupten, wir haben es schon immer so gemacht?

              Ich habe im Alter von 18 Jahren, die Verantwortung für den Pflanzenschutz übernommen, nicht weil mein Vater es schon immer so gemacht hat, sondern weil meine Ausbildung besser war.

              Ich brauchte wegen dem Humus kein Pflichtfach Bio-Landbau, ich habe den Humusgehalt immer geprobt, er ist gestiegen. In der Fachschule, wurde vom Staat 2 Proben je Schüler bezahlt, da nicht alle die Notwendigkeit sahen, die auch zu tun, übernahm ich deren Probemöglichkeit.

              Die De­fi­ni­ti­on über die Fortbildung ist eindeutig, da nutzt das rumgeeiere nichts.

            • Hallo ehemaliger Landwirt,
              Hast du nicht mit der kleinen Anekdote über die geschenkten Bodenproben aus deiner Schulzeit, die damals einige nicht für nötig hielten und darum an dich antraten, bewiesen, wie schlecht es um die Bildung mancher Landwirte steht?! Und heute würde das übrigens genau so passieren…
              Viele Grüße Biobauer Christian

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Ach Biobauer Christian,
              wir waren damals Schüler im Alter von 18 Jahren.

              Damals waren Weiber manchmal wichtiger, als Bodenproben.

      • Stadtmensch sagt

        Meiner unbedeutenden Meinung nach geschieht Humusaufbau durch Abgabe von Wurzelexsudaten an Mykorrhiza, welches wiederum den “Klebstoff” für die dauerhafte Einlagerung von Kohlenstoff produziert (Stichwort Glomalin). Eine intensive Bodenbearbeitung dürfte meine Meinung nach das Mykorrhiza immer wieder schädigen, so dass (wenn überhaupt) der Humusaufbau nur schleppend voran kommt. Die Verabreichung von reichlich Stallmist klingt für mich eher nach Düngerverschwendung als nach Humusaufbau. Wie sagte der ehemalige Landwirt kürzlich: Gemüse gedeiht auch hervorragend in mit Nährlösung getränkten Kokosfasern. Soll heißen, für die industrielle Landwirtschaft spielt der Humusaufbau keine Rolle, weil reichlich Wirtschaftsdünger aus der (Über)Tierproduktion zur Verfügung steht.

        • Stefan K sagt

          Leider vollkommen daneben. Sorry.
          Bitte oben lesen: Ich habe keinerlei Gülle aus “(Über)Tierproduktion”, und dies haben im Übrigen auch nur sehr wenige (Außer Raum Vechta…), denn die meisten Betriebe haben ein gesunderes Verhältnis zwischen Vieh und Fläche. Da kann man gerne mit GV rechnen, macht sich einfacher als erschreckend hohe Hühnerzahlen zu nennen…
          Zweitens: Humus spielt immer eine Rolle, wenn dem nicht so wäre würden die Bauern auch keinerlei Rücksicht nehmen müssen, tun sie aber. Dafür gibt es Gründe. Bitte Literatur dazu anschauen, der gesamte Ton-Humus-Komplex und alle Einflussparameter sind leider sehr komplex, was sich nicht in der platten Kokosfaser-These zusammenfassen lässt. Stichwort Bodenstruktur und -Textur, Bindungsfähigkeit von Nährstoffen etc. ,…

          • Sabine sagt

            Ich denke, Stadtmensch meinte Rothamsted mit dem Stallmist und so weit ich weiß, kann man tatsächlich Tomaten auf Kokospads mit Nährlösung relativ einfach ziehen. Das klappt aber nicht mit jeder Pflanze.
            Stallmist und Gülle sind für mich zwei ganz verschiedene Dünger. Beides hat Vor- und Nachteile und beides kann, denke ich, im richtigen Rahmen müde Böden revitalisieren.

  3. Andreas Schmid sagt

    Der Begriff “Nachhaltigkeit” kommt aus der Forstwirtschaft. Dort ist er schon seit Jahrhunderten bekannt. Er meint dort: Es wird nur soviel Holz dem Wald entnommen, wie nachwächst. Viele der heutigen Definitionen gehen völlig an der ursprünglichen Bedeutung vorbei. Das heißt, Siedlungsbau ist nicht nachhaltig, Naturschutz ist auch nicht nachhaltig(ich nehme weniger raus als nachwächst), Bio ist wie konventionell auch nachhaltig. Wenn ich dem Boden etwas zurückgebe, was ich in anderer Form entnommen habe, wächst mehr nach, kann ich auch mehr entnehmen.

  4. Andreas sagt

    Nachhaltig ist einfach. Schweinemäster hat so viele Schweine wie er Acker hat und was die Düngeverordnung zulässt. Er baut Getreide und Körnermais (CCM Silage) an mit Zwischenfrucht. Eine wunderbare Kreislaufwirtschaft, weil er wenig bis keinen Dünger zukaufen muss und der Boden hat durch Zwischenfrucht und Erntereste eine positive Humusbilanz. Der Boden wird immer fruchtbarer. Der einsilierte CCM Körnermais sorgt noch für eine gute Darmgesundheit im Schwein, durch den Milchsäureanteil im CCM Körnermais. Dies sieht man an den Schlachtbefunden im Schlachthof wo nach Antikörpern von Salmonellen untersucht wird. Das Fleisch ist also ohne Befunde und lange haltbar.
    Der Schlachthof darf nicht nachhaltig wirtschaften. Denn, er muss das was wir vom Schwein nicht brauchen, also das Fleischknochenmehl, nicht zu Futter verarbeiten, obwohl es hochwertige Proteine und Phosphat enthält. Dieses wertvolle Fleischknochenmehl wird in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt, obwohl Phosphat knapp ist.

    Nachhaltig ist, sparsam und verantwortungsvoll wirtschaften. Das Gegenteil von nachhaltig ist Verschwendung. Böden durch Biolandwirtschaft auszulaugen, ist Verschwendung.

    Als ich das Video oben gesehen habe, musste ich an Rebecca denken, die erklärt was Eunuchen sind. Sie meinte, “sie wissen wie es geht, aber…”. Ich finde es erschreckend, wie wenig bei solchen Treffen heraus kommt. Ein gut ausgebildeter Bauer hat mehr Wissen als so ein ganzer Kongress. Und diese guten Landwirte sollen sich von Hendricks und Co. erklären lassen, wie es geht?????
    Natürlich brauchen wir Vorschriften und Gesetze. Nicht alle Bauern sind von sich aus vernünftig. Es reicht aber wie es jetzt ist. Wenn die Düngeverordnung auch für Biogasanlagen greift.

    • Sabine sagt

      Die Fliegenmade als Werkzeug zur Nachhaltigkeit im Schlachthof? Das Schlachtabfälle verbrannt werden müssen, finde ich sehr schade. Da blasen wir gutes Geld und Nährstoffe in die Luft, die anderswo besser verwendet werden könnte.
      Ich denke da an einen anaerobe Behandlung oder/und saprovoren Fliegenlarven, die später z.B. als Protein/Fettquelle in der Geflügelzucht verwendet werden könnten und dort wenigstens einen Teil des verwendeten Sojas bzw. Palmöls ersetzen könnten.
      Sicher sollte man vorsichtig sein und vermeiden, dass es wieder sowas BSE entsteht oder s neue Links für Parasiten entstehen. Dennoch sehe ich da positive Ansätze in der Verwendung von Soldatenfliegen, die im südlichen Europa eh schon eingeschleppt wurden und hier im Norden, weil kälte empfindlich, eigentlich keine Probleme machen sollten.
      Durch das Verbot von Tiermehlen in der Tierfütterung haben sich ja, wenn ich das richtig sehe, nicht nur bei den Hobbyzüchtern von großen Kämpferrassen einige Probleme aufgetan. Die im Moment von Hobbyzüchtern größtenteils durch Mehlwürmer ausgeglichen werden. In der Landwirtschaft wurde wohl der Sojaanteil im Futtermittel erhöht. Hier gäbe es also einen Markt für Proteine aus Insekten.

      • Bauer Willi sagt

        Hallo Sabine,
        ich halte Deine Vorschläge für eine sehr nachdenkenswerte Alternative, auch wenn sie erst einmal eklig klingt. Habe neulich Spargel mit Mehlwürmern gegessen. Ist nur optisch gewöhnungsbedürftig, schmecken tun die relativ neutral.
        Bauer Willi

          • Bauer Willi sagt

            Ein paar könnten auch ins Gehirn gewandert sein 😉 Das meintest Du doch, oder? 🙂
            Bauer Willi

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Probleme mit dem Gehirn müssen nicht unbedingt von Mehlwürmern kommen, bei manchen schaltet der Verstand ab, ganz ohne Mehlwürmer. 😉

              Bauer Willi ist damit nicht gemeint. 🙂

      • bauerhans sagt

        “Dass Schlachtabfälle verbrannt werden müssen, finde ich sehr schade.”

        nur belastetes material(gefallene tiere,die behandelt waren) wird verbrannt!

  5. Friedrich sagt

    Leider ist es doch so , daß jeder seine eigene Nachhaltigkeit definiert. Der Bayermann ebenso wie der Biomann. Richtig Nachaltig können wir alle nicht sein, denn dann dürften wir alle nicht leben auf dieser Erde. Der ganze industrielle Bereich , der Verkehrssektor und und, kann niemals nachhaltig sein., denn seid wir die” Industrielle Produktion” haben verändert sich unsere Erde nachhaltig. Überall wird die Erde durchlöchert, gebohrt, bebaut
    usw. . Das gab es vor einigen Hundertjahren nicht. Wir , die Bauern , die immer in Generationen gedacht und gehandelt haben , wird heute nachhaltiges Wirtschaften aufgezwungen von Leuten die nur auf Profit aus sind. Wir sollen zum Weltmarktpreis unsere Lebensmittel produzieren , damit alle Anderen gut leben können. Urlaub, Auto , Freizeit ist niemals nachhaltig. Auch wird ständig von Resorsenschonung gesprochen. Wer fliegt denn um die Welt, wer ißt nur 50 % der Tiere, wer schmeißt 25% der hergestellten Nahrungsmittel weg ? Diese ganze Diskussion ist sehr verlogen. Beispiel : Wenn eine neue Straße gebaut wird , wird immer eine Ausgleichsfläche mit ausgewiesen. Richtiger wäre es eine andere Straße zurück zu bauen . Das passiert aber fast nie , denn das ist zu teuer !! Eine Fläche die bebaut ist , ist weg , ob mit oder ohne Ausgleichs fläche.
    Aber das wollen unsere Ideologen nicht sehen.

  6. In der Definition waren die so ziemlich einer Meinung. Bei der Bewertung gings auseinander. Ich finde den Ansatz der DLG gut: man kann immer noch besser werden.

    Einfach sagen, es sei alles Paletti… Oder wir sind nachhaltig, weil es uns schon 150 Jahre gibt – sorry, no way.

  7. bauerhans sagt

    und wieder äussert sich der sehr bekannte biobauer,dass nur sie nachhaltig wirtschaften und die landwirtschaft in ihre richtung “umgebaut” werden müsse,weil ja auch die verbraucher dahinter stünden……………..

    • Thorsten sagt

      Es gibt eben Menschen, die nicht wissen wovon sie reden.
      Der Verbraucher entscheidet mit jedem Einkauf und da kann ich nicht erkennen wo dieser hinter steht, Öko ist es jedenfalls nicht.

  8. Sabine sagt

    Nur so ein Gedanke:
    Wie kann man in einem Wirtschaftssystem, dessen Grundausrichtung Gewinnmaximierung ist, wo Entscheider ihre Strategien nach Quartalszahlen festlegen und Waren zum minutenaktuellen Preis gehandelt werden, einen Wirtschaftszweig ausklammern und auf Nachhaltigkeit verpflichten? Geht es, dass ein Wirtschaftszweig in Jahrhunderten denken und für die nächste Generation handeln soll und alle anderen bei ihren kurzfristigen Strategien bleiben?

    • Bauer Willi sagt

      Danke.
      Nachhaltige Mobilität bedeutet für mich: zu Fuß gehen. (ohne Volkswagen)
      Nachhaltige Energie: Bäume pflanzen und Holz hacken (ohne RWE)
      Nachhaltige Ernährung: Hühner halten und Gemüse pflanzen (ohne ALDI)
      Bauer Willi

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Ca. 80% der Heizenergie gewinne ich aus dem eigen Wald,

        bei Strom erzeuge ich 20.000 KW mehr, als ich selbst verbrauche,

        Hühner halte ich auch für unseren eigenen Verbrauch,

        Obst und Gemüse erzeuge ich alles selbst.

        Selbst der eigen verbrauchte Wein, stammt aus dem eigenen Weinberg.

        Wenn jetzt nicht mein ehemaliger Beruf wäre,
        dann wäre ich ein Kandidat für den Nachhaltigkeitspreis. 🙂

        • Armin Streitbrrger sagt

          Is das wirklich nachhaltig? Welchen Ertrag erreichen Sie mit welchem input, oder welcher Aufwand wird betrieben? Das sind überspitzte Fragen, aber ist die Steigerung der landwirtschaftlichen Effektivität durch Wachstum und Spezialisierung nicht auch nachaltig und ökologisch?

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Danke!

            Endlich mal einer der erkennt, dass ich eine Nachhaltige Hobbylandwirtschaft betreibe. 🙂

            Nur, ein Teil davon könnten manche auch machen, verbunden mit saisonaler Essgewohnheiten, bräuchten manche Lebensmittel nicht mit dem Flieger nach Deutschland gebracht werden.

            Das wäre auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Begründen sie mal, dass die heutige Landwirtschaft nicht nachhaltig ist.

        Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende.
        (Volker Hauff 1987, S.46)

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