Bauer Willi
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Mitarbeiter des Monats

Viele Firmen zeigen an Stellwänden den „Mitarbeiter des Monats“. Wir haben davon ganz viele. Doch dazu muss ich euch eine Geschichte erzählen.
Am 23.August haben wir Zwischenfrüchte gesät. Ich hab euch das im Video gezeigt. Mittlerweile haben sich diese prächtig entwickelt und sind über 40 cm hoch gewachsen. Übrigens: Zwischenfrüchte heißen so, weil sie zwischen zwei Hauptkulturen angebaut und nicht geerntet werden.

zwischenfruechte
Doch nicht nur überirdisch, sondern auch unterirdisch hat sich viel Pflanzenmasse gebildet. Und darauf kommt es uns Landwirten an: wir wollen die Nährstoffe, die im Boden sind, in der Pflanzenmasse binden. Gleichzeitig helfen diese Pflanzen (hier auf dem Bild Ölrettich), einen für die Zuckerrüben gefährlichen Fadenwurm (Rüben-Zystennematoden) biologisch zu bekämpfen. Sie wandern in die Wurzeln ein und können sich dort nicht wie gewohnt vermehren. Eine perfekte Form der biologischen Schädlingsbekämpfung! Sehen kann man die Nematoden nicht, sie sind mikroskopisch klein.

Regenwuermer1200

Wunderbar wie der Boden durchwurzelt ist. Nur die Mitarbeiter sind etwas medienscheu.

Bemerkenswert ist die hohe Anzahl von Regenwürmern unter den Zwischenfrüchten. Sie „verarbeiten“ das Getreidestroh, das vom Weizen übrig geblieben ist und als organischer Dünger dient. Das Stroh wird in seine Bestandteile zerlegt und so die gebundenen Nährstoffe wieder pflanzenverfügbar gemacht. Bodenpilze helfen ihnen dabei. Das Stroh ist auch wichtig, um den Humusgehalt des Bodens zu erhalten bzw. zu verbessern. Wir haben außerdem noch Gärsubstrat (organischer Dünger) zu den Zwischenfrüchten ausgebracht, was den Humusaufbau weiter befördert.

Mitarbeiter des Monats 4Die Gänge, die die Regenwürmer anlegen, gehen oft bis in über 1 Meter Tiefe. Durch diese Gänge können die Wurzeln sehr leicht auch in tiefere Bodenschichten vorstoßen und auch von dort  Nährstoffe und Wasser aufnehmen. Außerdem kann durch diese Röhren Wasser schnell versickern. Hätte ich tiefer gegraben, so hätte ich sicherlich Wurzeln und Regenwurmröhren in 80 cm Tiefe gefunden.

Die Zwischenfrüchte bleiben den ganzen Winter über stehen und schützen so den Boden vor Wind- und Wassererosion. Im Frühjahr wird die oberirdische Pflanzenmasse gehäckselt und flach (ohne Pflug) in den Boden eingearbeitet. Dann stehen die darin gebundenen Nährstoffe, nachdem sie von den Regenwürmern wieder aufgeschlossen wurden, den nachfolgenden Zuckerrüben wieder zur Verfügung. Und die Nematoden können auch keinen Schaden mehr anrichten.

Übrigens: Regenwürmer arbeiten weiter, wenn wir Feierabend machen und machen Bodenbearbeitung ohne Diesel. Regenwürmer gehören somit zu unseren wertvollsten Helfern und sind daher für mich die „Mitarbeiter des Monats“.

Euer Bauer Willi

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21 Kommentare

  1. Schweinebauer Piet sagt

    15 Jahre pfluglose Bodenbearbeitung und die Regenwürmer fühlen sich bei uns richtig wohl! Wenn wir ackern und die Nachbarn auch, fliegen die Möwen zu uns, um die Regenwürmer zu fangen.

    Gegner der Regenwürmer ist glaube ich die schlechte Bodenbearbeitung. Viele Kollegen finden es anscheinend toll mit großem Gerät tief zu lockern, wenn der Boden unten noch feucht ist. Ob sie wissen, was sie da anstellen?

    Der Boden bricht nicht, sondern er verschmiert und macht die Arbeit der Regenwürmer zu nichte. Schade!

  2. Gülle-Doktor sagt

    Hallo Bauer Willi,

    das ist ein nicht nur für landwirtschaftliche Laien sehr informativer Beitrag. Dazu sollte man noch erwähnen, dass der Zwischenfruchtanbau keine Erfindung der Grünen oder der Agrarbürokratie ist sondern von vielen Bauern schon seit vielen Jahrzehnten betrieben wird.

    Ich kann mich nicht erinnern, ich bin von Jahrgang 1952, dass wir jemals die für Zuckerrüben vorgesehenen Felder nicht mit Zwischenfrucht bestellt hätten. Für uns war die Zeit nach der Wintergerstenernte eine wichtige Arbeitsspitze. Vor der Stoppelbearbeitung musste erst noch der Stalldung ausgebracht werden und dann kam die Stoppelbearbeitung und schließlich die Bestellung der Zwischenfrüchte.

  3. bauerhans sagt

    ich hatte 60% gelbsenf und 40% phacelia gedrillt und muss feststellen,dass der senf übern meter gewachsen,die phacelia allerdings ziemlich klein geblieben ist.
    fürs GREENING bin ich verpflichtet,zwei zwischenfruchtarten gemischt auszusäen.

    • Bauer Willi sagt

      Bei uns Ölrettich und Öllein. Vom Öllein ist fast nichts zu sehen, auch deren Wurzelwerk ist nicht so toll. Aber die Politik will es so und die müssen es ja wissen. ?
      Bauer Willi

    • Sandra Harms sagt

      Bauerhans, war da nicht irgendwas, das nicht mehr wie 50% einer sorte bei grenning mischungen enthalten sein dürfen?

  4. Bauer Christian sagt

    Ein ganz wichtiger Mitarbeiter, den der Bauer auch füttern muss. Bei uns hat sich dieses Jahr aufgrund der extremen Trockenheit die Direktsaatvariante besser bewährt. Die “Babywurmpopulation” konnte so komplett am Lebenerhalten werden und macht jetzt Bodenbearbeitung.

    • Weserwirt sagt

      Ja, die richtige Bodenbearbeitung gehört auch dazu! Sie soll “bodenschonend” sein. Das heißt, sie soll den Regenwurm nicht herumwirbeln, zerkleinern oder ihn von seinen tiefen Röhren abschneiden. Und natürlich darf sie den Boden nicht zu stark verdichten durch zu schweres Gerät oder Überfahrten im nicht trockenen Bodenzustand.

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