Bauer Willi
Kommentare 62

Milchkontrakte jetzt kündigen

Mitten in die Berichterstattung über die Dürre senkt Aldi den Butterpreis. Kurz darauf die Wettbewerber. Wie bei Oligopolen halt üblich. Nein, das ist kein Kartell, das nennt man Marktbeobachtung.

Davon, dass Milchbauern derzeit händeringend nach Futter suchen und dies entsprechend dann teuer bezahlen müssen, scheint der Lebensmittelhandel nichts gehört zu haben. Anders ist dieses rüde Verhalten nicht zu erklären.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, den Milchpreis für den Erzeuger deutlich anzuheben und von Seiten der Verarbeiter (i.d.R. Molkereien) die laufenden Kontrakte sofort zu kündigen. Der Lebensmittelhandel ist bekannt dafür, außerordentliche Kündigungen immer dann auszusprechen, wenn er Erkenntnisse hat, die aus seiner Sicht eine Preissenkung rechtfertigen. Und da Begriffe wie moralische Verantwortung oder Anstand dem Lebensmittelhandel wohl eher fremd sind, habe ich mich auf die Suche nach einer Begründung gemacht. Möglich machen könnte die Kündigung der Kontrakte mit dem Lebensmittelhandel die Anmeldung von „Force majeure“, übersetzt „Höhere Gewalt“. Dazu schreibt Wikipedia:

„Als höhere Gewalt bezeichnet die Rechtsprechung ein von außen kommendes, keinen betrieblichen Zusammenhang aufweisendes, auch durch äußerste vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht abwendbares Ereignis. Voraussetzung ist regelmäßig, dass es sich um Ereignisse handelt, die von außen auf die Vertragsparteien einwirken und die von den Vertragsparteien bei der Vertragsgestaltung nicht bedacht worden sind. Wenn in einem solchen Fall auch die höchstmögliche Sorgfalt den Eintritt der Ereignisse nicht zu verhindern vermag, liegt höhere Gewalt vor.“

Hier der Link: https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6here_Gewalt

Ich bin kein Jurist. Aber sollte ich noch einen Rest gesunden Menschenverstandes besitzen (was man ja bezweifeln darf), sind all diese Voraussetzungen in der gegenwärtigen Situation gegeben.

Landwirte, die in einer genossenschaftlichen Molkerei organisiert sind, sollten ihre Geschäftsführung auf dieses Thema ansprechen. In der „Interessengemeinschaft Genossenschaftliche Milchwirtschaft“, kurz IG Milch, sind bereits alle großen Molkereigenossenschaften zusammengeschlossen und verfügen über weit mehr als die Hälfte der deutschen Milchmenge. Diese Plattform könnte genutzt werden, um sich gemeinsam gegenüber dem Handel zu positionieren.

Übrigens hat F.W. Raiffeisen in diesem Jahr seinen 200sten Geburtstag. Sein Motto war: „Was einer nicht schafft, schaffen viele“. Wenn das kein Ansporn ist…

Deshalb: frisch ans Werk. Und falls ich auch mal eine Zahl raushauen soll: 10 Cent mehr pro Liter würde für´s Erste schon ein guter Anfang sein. Man kann ja immer noch nachverhandeln…

Gilt übrigens für Bio- und Konvi-Milch gleichermaßen. Die Dürre macht da keinen Unterschied.

Übrigens regt sich auch Widerstand bei den Schweinehaltern. Hier geht es um die unfairen Praktiken der sogenannten „Hauspreise“.

https://www.schweine.net/news/appell-schweinemaester-hauspreisschlachthoefe.html

Euer Bauer Willi

 

 

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62 Kommentare

  1. Hans-Günter Felser sagt

    Aktuelle Nachrichten: „Danone hat 46 Milchbauern der MEG Ochsenfurt den Liefervertrag zu Ende 2019 gekündigt. Das Unternehmen erfasst dann keine bayerische Milch mehr.“
    Die wird dann in Riesentanklastern aus Polen etc. angekarrtt.
    – Es ist höchste Zeit, dass was passiert!

    Wie kann man Danone-Produkte im großen Stil boykottieren?
    Und anderen Druck ausüben!

    (Quelle, u.a.: https://www.agrarheute.com/markt/milch/danone-ochsenfurt-fuer-46-milchbauern-547044 )

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  2. Hans-Günter Felser sagt

    Danone freakt aus! Aktuelle Situation.

    Diesen Beitrag fand ich bei
    einem Facebook-Kontakt. Er schreibt dazu „DANONE vernichtet 68 Milchbetriebe in Unterfranken! Der Lebensmittelkonzern zerstört wie alle Konzerne unsere Regionalversorgung und Lebensmittelerzeugung aus reiner Profitgier. Die fatale Abhängigkeit wird zu unser aller Alptraum!
    Bitte teilen!“
    https://www.facebook.com/Frankenwerner/videos/1299979096805401/

    Nach Recherche scheint das im Grunde tatsächlich zu stimmen. Die Zahlen der betroffenen Betriebe varieieren je nach Quelle, aber an der Tatsache, dass es neben dem Gülle- jetzt auch einen zunehmenden Milchtourismus gibt, ändert das nichts.
    Hier eine andere Quelle https://www.agrarheute.com/markt/milch/danone-ochsenfurt-fuer-46-milchbauern-547044

    Ich denke, das will auch „der Konsument“ nicht! Die Frage ist, wie man einen Boykott von Danone hinbekommt.
    Jetzt ist es nötig, Solidarität zu deutschen Bauern seitens „der Verbraucher“ zu zeigen!
    Wie kann sowas organisiert werden?

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  3. Borchert Alexander sagt

    Liebe Blogger,
    ich muss heute wirklich bewusst Öl ins Feuer gießen:
    Uns konnte und kann gar nichts besseres Passieren als diese Dürre. Und am besten wäre es, wenn kein Staat eingreift. Denn nur durch solche Ereignisse werden landwirtschaftliche Märkte bereinigt. Wer nach LEH, Staat, Genossenschaften und runden Tischen schreit hat verloren. Diese Leute vergessen ihr gegebenes Wort sofort beim nächsten Überangebot.
    Diese Dürre bringt eine gewaltige Marktbereinigung. Denn es bringt die schlecht aufgestellten Betriebe wieder ein Stück näher an die Betriebsaufgabe. Und dann gibt es echte Marktbereinigung in allen Bereichen. Ob Pachtmarkt, Milchmarkt, Technikmarkt, Fleischmarkt. Entlastung gibt es nur durch weniger Angbot bzw. Nachfrage.
    Normalerweise müssten wir genau in dieser Zeit eine EU-weite Flächenstillegung von 15-20% aller Ackerflächen fordern. Die einzige Chance mit der Landwirtschaft dauerhaft zu überleben sind höhere Preise durch wirksame Mengenreduktionen. Kein Betrieb kann auf Dauer mit 300 €/ha Prämie und 16 €/dt Weizen, 35 ct/kg Milch …. seine Vollkosten decken. Wir hatten schon mal die Flächenstilllegung, doch wir haben 2007 selbst für die Abschaffung gekämpft. Mit dieser Forderung treibe ich viele in den Wahnsinn, weil dann auch noch 15-20% Gülleflächen wegfallen. Doch sind wir mal ehrlich, was hat uns dieser ruinöse Wettbewerb bisher gebracht? Täglich werden wir von irgendwoher angefeindet. Täglich müssen wir uns dreinreden lassen, weil uns scheinbar keiner braucht. Nur eine richtige Angebotsverknappung würde wirklich etwas bringen.

    Auf die Antworten bin ich gespannt.

    5+
    • bauerhans sagt

      „Nur eine richtige Angebotsverknappung würde wirklich etwas bringen.“

      theoretisch ja,aber praktisch wird dann importiert.

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    • Obstbäuerin sagt

      Ich muss schon sagen Hut ab, Herr Borchert, so offen steht selten jemand zu seiner neoliberalen Haltung. Das ist ein bisschen wie – hoffentlich sterben meine angeschlagenen Konkurrenten bald, dann hab ich bessere Chancen. Das Märchen von der Mengenreduktion glaubt in Zeiten der Globalisierung doch kein normal denkender Mensch mehr.

      6+
      • Alexander Borchert sagt

        Ich habe lange an eine mögliche Steuerung geglaubt. Das einzige was steuert, ist ein gnadenloses weltweit agierendes Kapital. Diese Steuerung ist gnadenlos und wir kommen dem nicht aus. Leider.

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      • Der Brandenburgbauer sagt

        Moin ,Vorsicht Obstbäuerin! Der Borchert Alexander ,liegt da mit seiner Meinung,
        gar nicht so quer ,wie viele jetzt denken.

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        • Obstbäuerin sagt

          Das die Realität so sein wird, Brandenburgbauer, ist schon klar aber muss ich das gut finden oder war es von A. Borchert sarkastisch gemeint und ich habs nicht mitgekriegt?

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          • Borchert Alexander sagt

            Liebe Obstbäuerin,
            sarkastisch ist es nicht gemeint. Eher sehr realitätsnah.
            Ich merke in allen Lebensbereichen immer mehr ein einziges Entscheidungsmuster: “ Wieviel Prozent Kapitalrendite gibt es kurzfristig und wann habe ich das Kapital zurück?“
            Mit dieser Haltung können wir als Bauern nicht wirtschaften, weil wir schon immer nachhaltig handeln mussten. Momentan glaubt der größte Teil dieser Welt an diese Dogmen. Damit besteht nur durch Nischenproduktion eine Chance, dieser Welle zu entkommen.

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            • Obstbäuerin sagt

              Die Zahl der Nischen ist begrenzt. Es wird immer mal wieder einem gelingen, etwas Neues zu platzieren – für den Rest siehts da wohl eher düster aus.

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    • Ottmar Ilchmann sagt

      „Die einzige Chance mit der Landwirtschaft dauerhaft zu überleben sind höhere Preise durch wirksame Mengenreduktionen.“ Da gebe ich Ihnen recht, Herr Borchert. Nur wollen Sie anscheinend eine Merngenreduktion durch die Reduktion der Zahl der Betriebe. Das ist einerseits zynisch und unsolidarisch, und andererseits ist es aussichtslos. Beispiel Schweinesektor: Ein brutaler Strukturwandel, immer weniger Betriebe, gleichzeitig aber immer mehr Schweine. Dadurch gibt es keine höheren Preise, und die immer größeren Betriebe kämpfen ums Überleben. Bedenken Sie: Es gibt immer wieder einen Prozentsatz von „schlechter aufgestellten Betrieben“. Das ist eine Abwärtsspirale ohne Ende.
      Die wirksame Mengenreduktion muss also anders erreicht werden. Und hier geht eben doch kein Weg an Regulierungen vorbei. Sie fordern ja selbst eine Flächenstillegung, was ist das denn anderes als eine Regulierung? Solche Mengenreduzierungen kann man entweder auf freiwilliger, selbstorganisierter Basis erreichen, wie es der BDM für den Milchmarkt vorschlägt, oder durch gesetzliche Vorgaben, z.B. im Schweinesektor Kupierverbot, mehr Platzangebot, Einstreu, Auslauf.

      4+
      • Borchert Alexander sagt

        Herr Ilchmann,
        ich habe mich mit der Milchkontingentierung 31 Jahre lang rumgeschlagen. Erst Kürzungen der Menge, dann freier Quotenhandel, dann Quotenbörse,…. Was hat es uns gebracht? Am meisten für die, die sowieso aufhören wollten. Ich weiss, dass auch mein Vorschlag einer Flächenstillegung ein Schuss ins Ofenrohr ist.
        Wir müssen uns damit abfinden, dass die landwirtschaftliche Erzeugerstufe einem gnadenlosen globalem Wettbewerb ausgesetzt ist. Dieser Wettbewerb wird noch schärfer. In dem Moment, in dem wir Umwelt- und Haltungsauflagen erhöhen, sucht sich dieser brutale Markt eine neue Spielwiese. Es geht so lange so weiter bis dieses Kapital überall eine Wüste hinterlassen hat. Rücksichtnahme sucht man da vergebens.
        Es gäbe nur eine Chance: Die Bürger müssten endlich merken, dass man Geld nicht essen kann. Doch Dividenden und Zinszahlungen haben momentan immer noch einen höheren Stellenwert.

        5+
        • Hans-Günter Felser sagt

          An Borchert Alexander: Ich finde, Sie liegen mit Ihrer Analyse sehr richtig, daher -rein äußerlich – einen Daumen hoch. Wird hier ohnehin zu wenig praktiziert, finde ich.
          Das Dilemma bei den Bauern ist ja lediglich ein Teilsymptom. Der sich neu formierende, menschenverachtende Raubtierkapitalismus macht sich ja aktuell massiv in allen Lebenssparten breit.
          Bauern, die das Lied mitsingen, sind heute -noch!- das Rädchen im Getriebe, morgen -schon!- das Opfer.
          Ich habe manchmal wenig Hoffnung, wenn ich hier die Kommentare lese. Aber ich denke, mit wachsendem Leidensdruck kommt hier und da wieder ein wenig Hirn zum Vorschein und die richtigen Feindbilder werden ausgemacht. Nicht alt gegen jung, Bauer gegen Konsument, etc. Erstmal klar sehen, Ziele setzen, dann kommt auch was in Bewegung. Also: Hoffnung nie aufgeben und warten, bis es denn soweit knirscht, dass die Kräfte aktiviert werden.

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          • Inga sagt

            Mach einen Vorschlag, Herr Felser,
            ich dachte dazu hast so viel Erfahrung von Landwirtschaft in deiner Kindheit gesammelt.

            siehst du denn klar?

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            • Hans-Günter Felser sagt

              an Inga: Ich musste die befruchteten Hühnereier immer unter den Arm-Achseln ausbrüten, daher weiß ich über sowas nicht Bescheid! Außer, dass die Ausbrützeit eben 21 Tage ist. Hilft das jetzt weiter?
              Anders ausgedrückt: Können Sie mich nicht mal in Ruhe lassen – oder aber, Sie nehmen meine Beiträge als Basis, dann wissen Sie genügend Bescheid. Es ist wirklich ermüdend, irgendwelchen tumben Hippen immer und immer wieder das Gleiche zu vermitteln!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Zitate Felser
              “ Aber ich denke, mit wachsendem Leidensdruck kommt hier und da wieder ein wenig Hirn zum Vorschein und die richtigen Feindbilder werden ausgemacht“.

              „Es ist wirklich ermüdend, irgendwelchen tumben Hippen immer und immer wieder das Gleiche zu vermitteln!“

              Es wundert warum man diesen Menschen nicht in die Schranken verweist. oder sind die heutigen aktiven Bauern so Leidens fähig, dass sie jedem ………………………….. das Hosenbein hinhalten?

              2+
      • Hans-Günter Felser sagt

        an Ottmar Ilchmann – Sie schreiben: „Nur wollen Sie anscheinend eine Mengenreduktion durch die Reduktion der Zahl der Betriebe. Das ist einerseits zynisch und unsolidarisch, und andererseits ist es aussichtslos.“
        Ich finde, es ist realistisch. Es wird lediglich erschwert durch die Globalisierung, dadurch wird es noch „zynischer, noch unsolidarischer und noch aussichtsloser“!
        Wenn Sie sich nicht bald (!) über ihren Verband oder direkt bei den zuständigen Politikern Gehör verschaffen, wird ihr Ruf auf ewig untergehen!
        Sind Sie sich der latenten Gefahr denn nicht bewusst?
        Gerne flankiere ich nötige Maßnahem als Verbraucher und stehe den deutschen Landwirten/Bauern zur Seite…. – aber agieren müssen schon Sie!
        Schaffen Sie das?

        1+
        • Ottmar Ilchmann sagt

          Herr Felser, dass wir als AbL versuchen, uns bei den zuständigen Politikern Gehör zu verschaffen, ist doch wohl klar! Ob das gelingt, wird sich zeigen, liegt ja auch nicht nur in unserer, schon gar nicht in meiner Hand. Was das mit meinem Ruf zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

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    • Werner Locher sagt

      Ich denke ich lese einen Text aus den 30iger Jahren: Nur wer im Kampf besteht hat eine Existenzberechtigung. Sind wir noch nicht weiter?

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  4. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin, in den heutigen Blog, kann ich mich als Rentner und nicht mehr aktiver Landwirt
    nicht mehr substanziell einbringen. Wir sind Anfang 2018, durch die Insolvenz der BMG,
    in eine Schieflage geraden, wo es jetzt erst einmal darum geht, einen Abnehmer zu finden, der uns einigermaßen Sicherheit bietet was die Milchabnahme betrifft und einen Preis zahlt
    den wir in dieser Situation akzeptierten“ müssen“ Das Geschäft ist nicht so einfach wie viele von Euch denken!

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  5. Arnold Krämer sagt

    Mit höherer Gewalt können die Molkereien gegenüber dem LEH nicht argumentieren, das ginge nur, wenn denen die „Bude“ abbrennt. Da hat „burgilali“ völlig recht. Die Molkereien werden teilweise sogar froh sein, wenn in den nächsten Monaten weniger Milch von den Bauern angeliefert wird. Dann wird das Verkaufen ((grob über alles: 1Drittel an LEH, 1 Drittel an Großabnehmer (Großküchen, Hersteller von Convenience- Produkten), 1 Drittel ins EU- und Nicht EU- Ausland)) auch wieder einfacher.

    PS: Übrigens: Söbbeke Bio-Joghurt wird aus Westfalen nach Südtirol gekarrt, dort in einem Meraner Bio-Supermarkt entdeckt, Umgekehrt wird Mineralwasser (Plose) aus Brixen, ebenfalls Südtirol, in einem Lingener (Emsland) Biosupermarkt als Bio-Mineralwasser angeboten. Das nennt man Marktwirtschaft, und niemand muss sich wundern, dass die Autobahnen mit LKW’s verstopft sind, und, und, und……

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  6. Friedrich sagt

    Sehr gute Idee. Hoffentlich machen das jetzt auch viele Milchbauern. Aber nicht nur die , sondern alle Bauern mit Lieferkontrakten , wie z.B. auch die Rübenanbauer sollten einmal darüber nachdenken , denn die Rübenpreise decken ja noch noch einmal die Pachtpreise oder die Arbeit ab. Bei 19/20 Euro/dt für Weizen der Ernte 2019 ist der Weizen bei normalen Erträgen allemal wirtschaftlicher als Rübenanbau. Allein der Aufruf zum Lieferboykott der Hauspreisgangster im Schweinebereich gegen Vion und Tönnies hat den Schweinepreis allein innerhalb weniger Tage um 8 ct/kg steigen lassen. Also auf was warten wir noch ? In Deutschland werden wir zum Importeuer von Getreide. Die Importlogistik ist nur zu 50% vorhanden. Es wird der Mangel verwaltet . Wenn wir wirklich einen Markt hätten , dann würden sich alle Agrarprodukte um 50 – 100% verteuern müßen. Angebot und Nachfrage gestalten den Preis – Normalerweise, aber in unserer DDR-Verwaltungswirtschaft ?

    4+
  7. burgilali sagt

    Hallo lieber Bauer Willi,
    wenn Aldi seinen Butterpreissenkt, dann geschieht das für Ware, die Aldi bereits bezahlt hat, und die sein Eigentum sind. Wie Aldi damit verfährt ist dann allein seine Sache. Die Milchlieferkontrakte zu kündifgen, wegen der Dürre ist garnicht möglich, weil diese sich auf die Molkereiprodukte beziehen.Die Molkereien sind die Vertragspartner. Und sie sind von der höheren Gewalt nicht unmittelbar betroffen. Es ist Angelegenheit der Rohstofflieferanten mit dem dürrebedingten Futtermangel zurecht zukommen. Entweder abstocken oder Futter zu kaufen. Fürs erstere gibt es Geld aus dem Schlachterlös, fürs zweite gibt es in Bayern 50% der Futterzukaufkosten als staatlichen Zuschuss, bis 50.000€ pro Betrieb. Allerdings steht in Bayern die LAndtagswahl bevor, und da kauft man sich eben noch einige Tausend Stimmen. Die Molkereien können ihre Kontrakte bedienen aus der eigenen Anlieferungsmilch und aus Zukauf von anderen Molkereien oder vom Spotmarkt. Die Berechtigung einer Anhebung der ERzeugerpreise schmälert das nicht.
    Beim LEH von „moralischer Veranrtwortung“ und „Anstand“ zu faseln halte ich für sehr scheinheilig, solange es in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist in rechtswidriger Weise die Tiere zu verstümmeln duch Schwänze kupieren und Hornknospen ausbrennen.
    „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“

    5+
    • Bauer Willi sagt

      Sie schreiben nichts, was ich nicht wüsste. Ihr Fazit ist also: weitermachen wie bisher, rette sich wer kann, wachsen oder weichen. Auch ein Denkmodell.

      Zur Moral und Anstand habe ich ja im Artikel schon was gesagt.

      Scheinheiligkeit? Glashaus? Finde den offensichtlich persönlich gemeinten Vorwurf sehr gewagt…Aber es ist Ihre Meinung…

      Bauer Willi

      1+
    • Mark sagt

      „wenn Aldi seinen Butterpreissenkt, dann geschieht das für Ware, die Aldi bereits bezahlt hat, und die sein Eigentum sind.“ Das ist natürlich Quatsch. Aldi senkt die Butterpreise, nach dem neue Butterkontrake mit entsprechend niederigem Einstandspreis abgeschlossen wurden. Die Kontraktlaufzeit bei Butter ist in der Regel 2 Monate, das Zahlungsziel üblicher Weise bei 6 Wochen. Allerdings muss man leider feststellen, dass die Molkereien bei den Verhandlungen versagt haben, die Schuld liegt nicht bei Aldi.

      1+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        Ich glaube, die Einkäufer der Handelskonzerne sind manchmal selbst überrascht, wie weit ihnen die Molkereien beim Preis entgegenkommen – natürlich auf Kosten der Milchlieferanten, an die die schlechteren Erlöse eins zu eins weitergegeben werden.

        5+
        • Arnold Krämer sagt

          Die Milchbauern sind bis vor etwa 2 bis 3 Jahren durch die DMK regelmäßig über ihre Mitgliederzeitung „angefeuert“ worden, den Rohstoff Milch zu produzieren, weil der Weltmarkt ja so aufnahmefähig sei. In jeder neuen Ausgabe hat ein Professer, Berater oder wer auch immer in dieses Horn getutet. Das hat auch die Gier bei vielen Milchbauern geweckt und sie haben Boxenlaufställe mit teilweise hunderten von Plätzen gebaut. Dafür wurden sie oftmals auch noch als besonders erfolgreiche Unternehmer herausgestellt.
          Mehr und immer mehr Milch zu produzieren ist relativ einfach, die verarbeiteten, konsumfähigen Erzeugnisse der Molkereien auf gesättigten Inlandmärkten oder in Konkurrenz durch sehr viel größere und erfahrenere Konkurrenten auf Drittlandsmärkten teuer zu verkaufen wesentlich schwieriger. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Verkäufer der Molkereien, (die müssen ja die wesentliche Arbeit leisten) den leichteren Weg gehen, weil sie wissen, dass der ökonomische Druck immer an die Rohstofflieferanten weiter gegeben werden kann.

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          • Ottmar Ilchmann sagt

            Das ist richtig, aber nur, weil die Rohstofflieferanten es mit sich machen lassen und sich mit ihrem hybriden Wachstum in Abhängigkeit von ihren abnehmenden Molkereien begeben ahben, Herr Krämer. Aber über dieses Thema haben wir ja schon öfters gesprochen.

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        • Schmeckt gut sagt

          Das Problem ist meiner Meinung nach zum einen das schwache Auftreten in einem Käufermarkt. Helfen würde heir eine starke Marke, aber nur, wenn sie schon vorhanden ist, denn der Aufbau einer solchen kostet enorm viel Menpower, Zeit und auch Kapital. Hier müßten die Bauern mithelfen. Klappt das? Außerdem ist der Markt für höherpreisige Produkte begrenzt, sonst hätten die Ketten keinen Erfolg mit den Eigenmarken, die ja keine schlechte Qualität haben – Anonymität ist doch ausdrücklich gefordert vom LEH. Das einzig wirksame Instrument für eine bessere Wertschöpfung ist meiner Meinung nach Vermarktungssicherheit. Es müssen Alternativen zum „Anbiedern“ bei einer Kette her. Für mich heißt das, es muss an einer besseren Zusammenarbeit unter der Anbietern der weißen Branche kommen und dies muß von der Politik auch ausdrücklich zugelassen werden (Kartellamt…). Ohne einen Plan B für die Vermarktung der mit „Rückgrat“ angebotenen Milchprodukte fährt die Molkerei gegen die Wand. Das weiß der LEH selbstverständlich. Und das war vor 30 Jahren auch schon so, denn bei der Besichtigung einer familiengeführten Molkerei wurde genau dies Problem angesprochen. Sie waren bei ALDI rausgeflogen und konnten die fehlende Vermarktung nur durch teure Zugeständnisse ausgleichen – Mitte der 80er. Die Politik muß also eine Stärkung der bäuerlichen Vermarktung zulassen, sonst passiert nichts, außer das wir uns weiter die Köpfe zerbrechen.

          1+
      • Bauer Willi sagt

        So ist es. Die erste Molkerei will sich einen Vorteil verschaffen und geht auf den Preis ein. Damit gehen die Aldi-Einkäufer dann rund zu den anderen und sagen: „Siehste, was der kann, müsst ich auch können“. Und schon haben die das Niveau nach unten gebracht. Ich weiß, wie schwer es ist, nein zu sagen. Haribo und andere haben das bei Aldi mal versucht. Und hatten Erfolg!! Es geht also. Dazu braucht man allerdings auch eine starke Marke.
        Bauer Willi

        4+
        • Arnold Krämer sagt

          ….. die die großen Molkereien im Norden der Republik, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht haben. Die besten Milchauszahlungspreise hatten im Norden vor 30 Jahren die Molkereien, die Butter und MM-Pulver für die staatliche Intervention produziert haben (existieren heute alle nicht mehr oder sind in der DMK aufgegangen). Sich auf den Staat zu verlassen rächt sich langfristig immer.

          2+
        • Alois Wohlfahrt sagt

          Genau, der Knackpunkt ist die eigene, starke Marke. Ich habe schon öfters das Beispiel „Berchtesgader Land“ genannt. Diese Marke hat es geschafft so bekannt und anerkennt zu sein, dass die Genossenschaft ihre Forderungen bei den Verhandlungen durchsetzen kann.
          Wer keine eigene starke Marke besitzt, der darf dann als Hersteller der Handelsmarke von Aldi und Co produzieren. Und ist damit jederzeit unter Preisdruck austauschbar.
          Warum die bäuerlichen Genossenschaften keine starken Marken haben, liegt auch daran, dass Marketing und Werbung als essentieller Bestandteil des bäuerlichen Unternehmertums nicht erkannt wurden und werden.

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          • Borchert Alexander sagt

            Lieber Alois,
            unser größtes Manko in der Landwirtschaft ist, dass die Milch in Neuseeland genauso weiss ist, wie die unsere. Dass der Weizen aus dem amerikanischen Corn Belt genauso rot ist wie der aus der Ukraine. Kurzum: Durch das globalisierte Transportwesen ist alles beliebig austauschbar. Eine Milch : Made in Germany ist ganz schwer zu etablieren.
            Die Menschen reisen heute rund um den Globus und damit ist auch die Ernährung global geworden. Unsere Landwirtschaft muss mit diesen Gegebenheiten leben oder untergehen. Das sind die Gesetze des Weltmarktes, die nur mit Produkten ausgehebelt werden können, die nicht überall in der Welt erzeugt werden können. Lebensmittel gehören auf der Erzeugerstufe nicht dazu.

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            • Ottmar Ilchmann sagt

              Das stimmt doch so gar nicht! Erstens haben wir bei vielen Produkten, eben auch bei der Milch, immer noch einen Außenschutz. Und zweitens kann man die gesamte Frischeschiene, Trinkmilch, Joghurt, Frischkäse, Quark usw. eben nicht beliebig weit, z.B. aus Neuseeland, hertransportieren. Oder haben Sie schon mal neuseeländische Milchprodukte im Supermarktregal gesehen? Würde ihre Theorie stimmen, wäre doch wegen der günstigeren Erzeugungskosten bei uns alles voll davon. Wenn man dann noch bestimmt Produktionsqualitäten etablieren kann, wie gentechnikfreie Fütterung, Weidegang, Tierwohlkriterien usw., dann gibt es durchaus Alleinstellungsmerkmale für deutsche bzw. europäische Erzeugnisse, die diese unverwechselbar und nicht austauschbar machen.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Wenn ich als bayrischer Milcherzeuger der Meinung bin, meine eigene Milch ist nicht besser/gesünder/wertvoller als die neuseeländische Milch, dann ist es tatsächlich sinnlos Marketing zu betreiben. Mit dieser eigenen Einstellung, bleibt mir nichts anderes übrig als mein Produkt demjenigen zu geben, der er gnädigerweise abnimmt. Und der mir dafür halt bezahlt, was mein Standardprodukt in seinen Augen halt noch wert ist. Dies ist dann auch die Rechtfertigung dafür alle anderen dafür zu beschuldigen, weil ich als Bauer ja nichts dafür tun kann.

              1+
            • Schmeckt gut sagt

              Ein weiteres Problem für die Politik, was ich noch nicht angesprochen habe, ist die Geldpolitik. Weltweit laufen die Gelddruckmaschinen auf Hochtouren. Es werden hunderte Milliarden zusätzlich in die Volkswirtschaften gedrückt, damit sie in Schwung kommen/in Bewegung bleiben. Zuviel Geld ergibt im Normalfall Inflation. Bei diesen Mengen normalerweise Hyperinflation. Außer alle materiellen Güter bleiben günstig und halten so die Inflation in Zaum (auch und insbesondere Lebensmittel gehören dazu). Die Produktion (aller Güter) muß sich also zwangsläufig immer billigere Standorte suchen. Ist doch in den letzten Jahrzehnten geschehen oder etwa nicht? Hieran muß die Politik festhalten, sonst bricht die Weltwirtschaft zusammen. Also zusammengefasste Frage: Wird die Politik es zulassen können, dass Lebensmittel für die Masse sich deutlich verteuern? Hier sehe ich – wie Alexander auch – einen sich weiter verschlimmernden „brutalen Weltmarkt“. Für alle Produzenten von materiellen Gütern ist es eine vertrakte Situation. Deutschland ist in der Nische der hochpreisigen Güter sehr erfolgreich – auch bei Lebensmitteln. Wir brauchen das Ventil des Exports. Wir müssen mit der Politik aber über mehr Einflußnahme durch die Erzeuger reden. Hierfür brauchen wir erstklassige Vertreter aus unseren Reihen, die auch gut bezahlt werden – wie in der Wirtschaft üblich. Persönlich kenne ich eine Handvoll Vertreter, die hier reinpassen, aber werden die entsprechend bezahlt? Ich sehe so viele Punkte, wo neu angesetzt werden müßte. An allererster Stelle muß die Landwirtschaft mehr Geld für PR und Marketing in die Hand nehmen. Hier stimme ich Alois und Willi voll zu. Wird es so kommen? Werden gute Vertreter von uns voll unterstützt, auch wenn wir Bauern mal anderer Meinung sind? Wird das Ehrenamt ausreichend unterstützt oder werden hier idealistische Neueinsteiger verheizt und es bleiben nur „Flachpfeifen“ übrig? Alois und Willi – Danke für den tollen Beitrag. Regt zum Nachdenken an.

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    • Andi sagt

      Hallo burgilali,
      nur zu deiner Information, es gibt in Bayern keine 50% Zuschuss, sondern nur 15%. Und das ganze gilt nur für Futterbaubetriebe, also z. B. Milchviehbetriebe, die Rauhfutter oder Silage zukaufen müssen. Schweinehalter die Getreide zukaufen müssen, gehen dagegen leer aus.

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  8. Thea S sagt

    Als reine Verbraucherin fehlt mir hier Hintergrundinformation (ich merke, daß der Blog im wesentlichen Bauern bedient, die das alles wissen). Wenn Butterpreise fallen, bekommt dann der Bauer (noch) weniger, oder schrumpfen die Margen für die Molkerei und/oder die Kette/Laden? Und andersherum, wenn etwas im LEH teurer wird (oder ist), wie erkenne ich als Verbraucherin, daß der Bauer da mehr verdient, und nicht der Rest der Kette einfach mehr abschöpft? Codes auf der Ware zeigen mitunter, daß teure und billige Ware aus der gleichen Quelle kommen.

    3+
    • René Kolbe sagt

      Wenn Du sicher gehen möchtest das das Geld beim Bauern ankommt, am besten beim Bauern direkt kaufen.

      4+
      • Obstbäuerin sagt

        Das ist selbst in einer kleineren Stadt kaum möglich und in einer Millionenstadt ausgeschlossen. Keine Lösung für über 90% der Bauern, die den LEH beliefern.

        3+
        • Lieschen Müller sagt

          Ich denke, in einer größeren Stadt ist das eher möglich. Wir haben hier Marktstände aus der Umgebung. Außerdem gibt es alles rundherum, also Obst, Gemüse, Fleisch, Milch. Aber wie schon oft gesagt, Getreide, Zuckerrüben, Flachs, Raps etc. entziehen sich der Direktvermarktung.

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      • Paulus sagt

        Selbstverständlich ist es sinnvoll beim Bauern direkt einzukaufen. Selbst bei einer etwas eingeschränkten Produktauswahl bekommt man keine bessere Qualität, ist jedenfalls meine Erfahrung. Das geht bei uns im Rheinland sehr gut und wir leben hier, so zwischen Bornheim und nördlich D‘-dorf und etwas weiter nach Westen, sozusagen im Garten Eden. Aber versuch das doch mal z.B. im Sauerland oder ähnlich benachteiligten Mittelgebirgsregionen. Da ist bis auf ganz wenige Ausnahmen nichts mit „beim Bauern einkaufen.“ Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist 15 km entfernt und nennt sich Aldi oder so. Bei den Kuhbauern dort bekommst Du selbst als Bittsteller im Büßergewand keinen Liter Milch. Ich verstehe das durchaus aber man sollte insofern auch mal ehrlich sein und als Bauer die Kirche im Dorf lassen.

        Eine kleine Episode noch: in der Eifel hängen an manchen Höfen Schilder mit der Aufschrift „ Kartoffel.“ Der normal gebildete Mensch geht davon aus, dass es dort tatsächlich nur eine Kartoffel zu kaufen gibt und wundert sich. Wir haben trotzdem mal angehalten und nach einer bestimmten Sorte gefragt. Die ist allerdings rotschalig, was der Bauer wohl nicht wusste. Selbstverständlich hatte er die Sorte auf Lager …
        Soviel zu dreimal schlau gemachten Bauern und angeblich dummen Verbrauchern.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Paulus, ich bin mir sicher, dass 95 % der Verbraucher außer überwiegend Festkochend und Mehligkochend keine andere „Kartoffelsorte kennen.

          Wer kennt schon Blauer Schwede,oder eine Laura, von einem Bamberger Hörnchen haben die viel leicht mal was gehört.

          Dass der Bauer dir einen falsche Sorte andrehen wollt, ist schon mehr als Grenzwertig.

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          • Brötchen sagt

            Blauer st. Galler gibt es bei uns im Hofladen von einer Agrargenossenschaft. Hol ich mir da immer, bei uns gibt es ne Menge Hofläden. Die rotschaligen hatte ich von dort auch als Hühnerfutter. Hatte ich auch mal selbst, ein paar Reihen.;) Die st. Galler sehn schon nersch aus…

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            • Inga sagt

              wo hast du denn das Wort „nersch“ her? Ich dache das wäre ein hessisches Wort und bedeutet närrisch, oder?
              Nersch, närrisch, verrückt,
              also die Kartoffelsorte sieht verrückt aus, nun warum gibst du die den Hühnern?
              Ist es keine Speisekartoffel, sondern ein Futterkartoffel?
              Aber ertragreich?
              Wie schmeckt sie?

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            • Brötchen sagt

              inga, nersch sagt man glaube ich auch sächsisch und anhaltinisch. die Kartoffeln sortieren die aus. aber nicht die St. Galler, sondern die rotschaligen sind innen nicht blau. die st. galler machen arbeit, geht mit der Maschine nur begrenzt.

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            • Der Brandenburgbauer sagt

              Moin, ich wohne und lebe im sogenannten Dreiländereck
              Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das Wort nersch,
              gebrauchen wir, wenn wir etwas komisch oder sonderlich finden.
              Das ist aber ein nerscher Mensch wäre so ein Beispiel.

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            • Obstbäuerin sagt

              Ich kenne nersch aus Thüringen und da bedeutet es ein bisschen weniger als schlecht oder hässlich, so etwa wie unschön.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Meine genannten habe ich schon selbst (eigenverbrauch) angebaut Blauer Schwede ist zwar schön anzuschauen, geschmacklich haben die mich nicht überzeugt, genau so wie Bamberger Hörnchen. Ich lasse meine Kartoffeln gerne etwas hungern, das bringt mehr Geschmack als irgendeine Sorte.

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          • Paulus sagt

            Hallo Ehemaliger,
            wir haben die Kartoffeln selbstverständlich gekauft und die waren geschmacklich sehr gut. Letztendlich haben wir uns darüber amüsiert statt uns zu ärgern. Nach der Laura hatten wir gefragt weil wir sie ganz gerne essen und wissen, dass diese in der Eifel angebaut werden.
            Was ich damit nur sagen wollte: so etwas ruft leicht ein generelles Misstrauen gegenüber der bäuerlichen Zunft hervor und ist völlig unnötig.
            Er hätte auch ganz einfach sagen können, wir haben nur die und die Sorte, probieren sie die einfach mal, oder so. Kein anständiger Mensch würde wieder vom Hof fahren ohne eingekauft zu haben, zumindest uns wäre es mehr als unangenehm.

            1+
    • Inga sagt

      Thea, du bist ja eine angenehmer Verbraucherin die fragt:

      „Und da Begriffe wie moralische Verantwortung oder Anstand dem Lebensmittelhandel wohl eher fremd sind“

      Deswegen richtet der Handel diese bei ihm nicht moralische Verantwortung sowohl an die Bauern als auch an seine Verbraucher, also sitzen wir hier in einem Boot!

      Bitte lies weiter hier und stelle noch ganz viele Fragen!

      1+
    • Bauer Willi sagt

      Immer wenn Preise fallen, trifft es den Hersteller/Erzeuger. Ob der höhere Preis beim Bauern ankommt, kann man im Laden nicht erkennen. Und das teurere und billigere Ware oft aus der gleichen Quelle kommt und den gleichen Qualitätsstandards entspricht, ist so. Da hast Du keine Chance und ich kann verstehen, dass Du dann zum billigeren Produkt greifst. Nur eines ist sicher: Handel und Verarbeiter haben immer ihre Marge. Der Leidtragende ist immer der Hersteller. Siehe auch Klamotten bei KIK. Da ist es die Näherin in Bangla Desh.
      Bauer Willi

      3+
      • Lieschen Müller sagt

        Oder jetzt bei den Streiks: da sollen auch die Verbraucher Schuld sein, dass die Piloten und die Stewardessen so schlecht verdienen.
        Und beim Ladensterben sollen auch die Verbraucher Schuld sein, weil sie eben bei Amazon einkaufen. Aber jeder ist doch mal der Anbieter, mal der Verbraucher.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Nach Angaben von Vereinigung Cockpit erhalten Piloten bei Ryanair im Jahr 25000 Euro brutto, andere nennen 30000 Euro. Bei VC ist die Rede von 70000 Euro für einen Piloten nach fünf Jahren, bei einem Kapitän könnten es maximal 130000 Euro sein. Anderen Angaben zufolge starte ein Kapitän mit 53000 und könne auf maximal 85000 Euro kommen.

          Ryanair bestreitet die Angaben. Es gebe kein Sozialdumping, die Gehälter seien „extrem“ wettbewerbsfähig mit außergewöhnlichen Möglichkeiten und einer großen Auswahl von Flughäfen und Standorten in Europa, heißt es im Geschäftsbericht. Die Wettbewerber zahlen indes in der Regel mehr. Co-Piloten bei TuiFly kommen auf ein Gehalt von 63000 Euro, bei Flugkapitänen liegt es zwischen 106000 und 204000 Euro. Piloten bei Easyjet erhalten beim Berufseinstieg 49000 bis 52000, Kapitäne verdienen zwischen 113000 und 134000 Euro.

          Anders sieht es bei den Flugbegleiterinnen aus, nach Aussagen von Beschäftigten des irischen Billigfliegers liegen die Netto-Gehälter nur zwischen 700 und 1300 Euro im Monat.

          Der Billigflieger hat den Billigflug mit Begeisterung angenommen, andere Fluggesellschaften haben nachgezogen,
          aber wer kommt schon auf die Idee, der Fluggast hätte eine Mitschuld, das ist genau so beim letzten Laden im Dorf, die sind doch selbst schuld wenn alle bei ALDI einkaufen.

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  9. Ottmar Ilchmann sagt

    Sehr gute Forderung, Willi! Geht nicht gibt´s nicht! Heute beklagt DBV-Geschäftsführer Krüsken in einem Artikel auf TA die unfairen Praktiken des Handels. Klagen hilft aber nichts, sondern die Bauern müssen auch mal lernen zu fordern, und zwar nicht Hilfe von Staat, sondern ordentliche Preise von ihren Verarbeitern und Vermarktern. Diese müssen die berechtigten Forderungen an den Handel weitergeben und durchsetzen! Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür, denn die Verbraucher sehen selbst die krassen Auswirkungen der Dürre. Wenn es im Winter, wenn das Futter ausgeht, zu Knappheit und Mengenrückgang und dadurch zu Preissteigerungen kommt, ist das den Abnehmern nicht mehr als Folge der Dürre aus dem Sommer vermittelbar. Darum sollte Frau Klöckner jetzt einen runden Tisch mit Vertretern der Bauern, der Verarbeiter, der Vermarkter, des Handels und der Verbraucher einberufen, wo gemeinsam solidarische Konzepte zur Stabilisierung der gefährdeten Betriebe entwickelt werden können. Nur eine an den wirklichen Kosten orientierte Anhebung der Erzeugerpreise kann uns die Dürreverluste wenigstens annähernd ersetzen.

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  10. Jan Garms sagt

    Moin!
    Vollkommen richtig was Du schreibst! Absolut alle Voraussetzungen sind erfüllt. Nur wird sich keine Molkerei trauen, Force majeure anzumelden. Aus den bekannten Gründen… Marktmacht des LEH… usw.
    Gruß Jan Garms

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    • Bauer Willi sagt

      Und wozu gibt es dann die IG Milch und andere Verbände? So was lässt sich organisieren. Wenn Aldi den Butterpreis senkt und innerhalb von Stunden alle nachziehen: wie geht das denn?
      Bauer Willi

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      • sonnenblume sagt

        Hallo Willi,
        bei den Schweinepreisen würde der Markt im Moment durchaus mehr hergeben. Das wird jedenfalls von kleinen Schlachtunternehmen gesagt. Wollen die Großen den Markt bereinigen? Bindung von Mäster durch Lieferverträge, da gibt es dann zwar einen Bonus, aber die Unternehmen können viel besser planen und müssen nicht mehr am freien Markt zukaufen. Die zweite Tierwohlstaffel muss bezahlt werden. Das Geld wird ja auch zunächst mal beim Tierhalter abgezogen und durch hin- und herschieben dann Medienwirksam vom Handel wieder zu den Landwirten befördert.
        Ein altbekanntes Procedere.

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        • sonnenblume sagt

          Tönnies hat doch kürzlich gesagt, das er seinen Auszahlungspreis am Weltmarkt ausrichten muss. Auf einer Veranstaltung hat er aber auch dafür geworben, noch mehr Ställe in D. zu bauen. Welche Strategie dieses Unternehmen wirklich fährt, dass werden wir wohl erst nach und nach sehen.
          Ähnlich wie bei der Putenmast, nur noch Vertragsmast?

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          • Brötchen sagt

            Sonneblume. Vertragsmast wollen die definitiv nicht! Sie müssen aber jeden Tag die nicht unerheblichen Mengen sichern, um den Betrieb wirtschaftlich zu gestalten. Das ist der Hintergrund. Herr Tönnies soll wohl auch sehr spontan sein, da ist nicht alles wohl durchdachte Strategie. Vertragsmast hat ja auch Risiken und solange man sich die Lieferanten aussuchen kann, würde ich das auch so machen. Was soll da gross Strategie sein, was soll da gross kommen? Für mich geht es jetzt noch um Details.

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            • sonnenblume sagt

              Was der Mann, oder besser die Firma will, er wird das ja nicht alles alleine machen, das weiß ich auch nicht. Jedenfalls sind die großen Unternehmen sehr stark an Lieferverträgen interessiert. Damit nehmen sie doch erheblichen Einfluss auf den Markt.
              Wie spontan der Mann agiert oder spricht, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke, dass er schon Einfluss auf die Rohstoffproduktion nehmen will. Ganz umsonst hat er die Firma dahingehend ja nicht erweitert. Das er bei einer Vertragsmast, oder wie auch immer er das gestalten würde, die Risiken für sich selbst Richtung Null drücken würde, ist doch wohl klar. Diese Unternehmen, aber eigentlich die gesamte Branche, sind alles andere als caritativ. Wie es mit der Landwirtschaft in D. weitergeht, Umfang und Ausrichtung etc., spielt letztendlich für die gesamte Branche wohl nur eine untergeordnete Rolle.
              Vielleicht sehe ich das auch alles zu pessimistisch.

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