Bauer Willi
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Lebensmittel teurer – und die Folgen

Ja, der nachfolgende Artikel ist hinter der Bezahlschranke.

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/landwirtschaft-hohe-energiekosten-knappe-duengemittel-teure-rohstoffe-nahrungsmittel-werden-2022-wohl-deutlich-teurer/27835910.html?ticket=ST-888248-RpBFZWoQbsE3RHUvP34b-cas01.example.org

Das Besondere daran ist, dass das Handelsblatt einen Bezug zur Versorgung mit Düngemitteln (“Kunst-Dünger”) herstellt und daraus messerscharf folgert, dass die Erträge aller landwirtschaftlichen Kulturen aufgrund der hohen Preise und der schlechten Verfügbarkeit des Düngers sinken werden. Ohne Nährstoffe weniger Ertrag.

Klar, das weiß jeder Landwirt. Aber eben nicht jeder Bürger und so ist es gut, dass eine große Tageszeitung darauf aufmerksam macht.

Was an dieser Situation außergewöhnlich ist:  Fehlenden Dünger, weil die Fabriken nichts produzieren wollen, hat es so noch nicht gegeben. Überhaupt kann ich mich nicht erinnern, dass Dünger nicht verfügbar gewesen wären, egal zu welchen Preis. Dass der hohe Preis natürlich auch Einfluß auf die Menge hat, die man düngt, dürfte auch klar sein.

Die Folgen

In diesem Jahr sind die Bilanzen für Getreide und Mais enger als in vorherigen Jahren. Wie sich der Verbrauch entwickelt, kann niemand seriös vorhersagen, aber die Märkte sind “auf Kante genäht”. Wenn nun noch auf der Nordhalbkugel (und da spielt die Musik für Getreide und Mais) noch andere negative Faktoren (Wetter, Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln u.ä.) dazu kommt, werden die knappen Vorräte rasch aufgezehrt. Analysten werden nervös, wenn die Vorräte weniger als 20% eines Jahresverbrauchs betragen. Dann explodieren nicht nur die Preise, sondern es führt auch dazu, dass sich ärmere Länder, die bisher unser billiges Getreide importiert haben, sich diese nicht mehr leisten können. Europäisches Getreide geht aufgrund der räumlichen Nähe oft nach Nordafrika. Dort leben knapp 200 Mio. Menschen. Eines der Grundnahrungsmitteln ist Brot.

Hohe Lebensmittelpreise haben aber auch negative Auswirkungen für diejenigen Mitbürger, die als Niedriglohnempfänger deutlich mehr als die durchschnittlichen 11% für Nahrungsmittel ausgeben. Wenn dies nicht durch staatliche Transferleistungen ausgeglichen wird, haben hohe Preise auch eine soziale Komponente: es könnte zu Unruhen kommen. Nicht zwingend in Deutschland, aber an anderen Orten der Erde.

 

 

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39 Kommentare

  1. Reinhard Seevers sagt

    Leute, die Lebensmittel sind nicht zu teuer:
    https://etepetete-bio.de/
    Futtermöhren müssen gerettet werden, dafür zahlen urbane Wohlstandsbürger gerne ein Vielfaches. Eine undefinierte Bio-Box für 22,-€….und die Welt ist gerettet…oder doch nur das Unternehmen? Man kann nur noch den Kopf schütteln ob so viel Geschäftssinn und Verbraucherdummheit.

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    • Thorens sagt

      Interessant wäre zu erfahren, ob die damit Erfolg haben.
      Aussortiertes Gemüse in beliebiger Zusammenstellung in einer Kiste, von der man weder weiß, wie groß sie ist, noch, wie schwer ihr Inhalt ist. Das Gegenteil von “Geiz ist geil”. Jedenfalls eine unkonventionelle Geschäftsidee.

  2. Smarti sagt

    Heute habe ich im Radio gehört, dass in der Türkei eine Inflation von 20 % besteht. Das wäre für dieses Land nicht ungewöhnlich, die Bevölkerung kennt das schon. Die Lebenshaltungskosten sind aber schon jetzt so teuer, dass sich viele Menschen ihre Medikamente nicht mehr leisten können. Das grösste Problem jedoch sei die Tatsache, dass noch vor zehn Jahren fast jeder Verwandte und Bekannte in der Landwirtschaft hatte. Diese konnten mit Linsen, Milch und Gemüse aushelfen. Diese Kleinbauern gibt es nicht mehr und das macht über der Hälfte der Bevölkerung grosse Zukunftsängste. ( Die eigenen Lebenshaltungskosten nicht mehr finanzieren zu können ).
    Afrika ist für viele Menschen “weit weg” – aber die Türkei ?

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    • Brötchen sagt

      Halte mal schön Dein Zeug zusammen, hier wird das auch bald soweit sein..
      Die rühren hier einen explosiven Mix zusammen, dass einem schlecht werden kann..

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  3. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Zitat (Bauer Willi): „…haben hohe Preise auch eine soziale Komponente: es könnte zu Unruhen kommen. Nicht zwingend in Deutschland, aber an anderen Orten der Erde.“

    Die verheerenden Konsequenzen verspüren wir hier in Deutschland sehr wohl bereits ganz extrem, unverkennbar. Im Verlaufe der Evolution hat es die Menschlein immer schon an die gut gefüllten Futtertröge gedrängt. Deutschland hat (noch! immer) solche „fett“ gefüllten Futtertröge…

    Sollten die Nahrungsmittel weltweit tatsächlich derart knapp werden, dass auch hierzulande die Discounterregale spürbare Lücken aufweisen, erleben wir eine katastrophale Situation ungeahnten Ausmaßes, wo man uns Bauern aus ganz anderen Gründen die Köpfe einschlagen wird, falls wir forthin nicht generös zum Teilen bereit sind.

    Schon aus eben besagten Gründen ist nur schwerlich noch unsere gegenwärtige Agrarpolitik nachzuvollziehen. Wir sind jüngst mit Vollgas in die Vergangenheit durchgestartet, während -man könnte zum Verdacht erstarken, mehrheitlich unbeachtet- gigantische Herausforderungen ganz massiv an unseren Schlossportalen rütteln – Beschämend, eine solche fachliche Inkompetenz!!! – Ein erdrückendes Fremdschämen hilft da leider recht wenig…

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    • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

      “Sollten die Nahrungsmittel weltweit tatsächlich derart knapp werden, dass auch hierzulande die Discounterregale spürbare Lücken aufweisen…..”

      das passiert so schnell nicht,es sei denn ein Vulkan bricht so richtig aus.
      Was aber ja jetzt schon geschieht, sind die aktuellen Preiserhöhungen.
      Diese kann man aber nicht ständig an die Produzenten durchreichen,das halten die auf dauer nicht durch.

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      • Das ist ja das Dilemma.
        Frühee in der Steinzeit haben die Menschen die ganze Arbeitskraft in die Ernährungsbeschaffung investiert.
        Na ja, viellwocht 90 Prozent, die anderen 10 % eben in Wohnraumkosten und Kleidung.
        Das haben oft auch Oma und Opa im Familienverbund gemacht.

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Beim Supervulkan im Yellowstone Nationalpark (USA) z.B. sprechen wir von keinem ruhigen Zeitgenossen, was auch tagtäglich unter Beweis gestellt ist: Blubbernde Schlammlöcher, spritzige Geysire und heiße Quellen zeugen im gesamten Nationalpark von der Existenz des unterirdischen Riesen. Es brodelt gewaltig…

        Der Yellowstone zählt daher zu den am besten beobachteten Vulkanen weltweit, hätte ein weiterer Ausbruch doch verheerende Konsequenzen für unseren Blauen Planeten: Bei derart großen Vulkanausbrücken sanken in vergangenen Jahren die Temperaturen, die Erde verdunkelte sich, weit weniger Sonnenlicht konnte durchdringen. Solche Ascheschichten vernichteten unsere Ernten auf Jahre, Lebensraum würde unbewohnbar.

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        • Bauer Willi sagt

          Über den Yellowstone-Vulkan mache ich mir keine Sorgen. Der hatwohl einen möglichen Durchmesser von 65 km und das wird die Menschheit nicht überleben. Der Effekt wäre ähnlich dem Meteoriteneinschlag vor 65 Mio Jahren.

          https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/10/yellowstone-supervulkan-koennte-schneller-ausbrechen-als-gedacht

          Ich fahre jetzt mit unserem Sohn zum Bäumepflanzen….nein, kein Apfelbäumchen, sondern Eichen. Da hat dann unser Enkel was von.

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          • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

            …Ihre Reichweite ist doch nachweislich beeindruckend, lieber Kollege Willi.

            Eine gute Idee für die Menschen auf La Palma derzeit, die sollten sich Ihrer Eichen-Pflanzaktion vielleicht anschließen, …haben auch deren Enkel schließlich was von. 😉

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            • Reinhard Seevers sagt

              Und? Watt nuu?
              Wollen wir einen Proppen in die Schlote stecken? Was soll der Beitrag bedeuten? An Vulkanen kann der Mensch wohl kaum etwas ändern. Ergo, kann man ja, so lange es noch keinen Yellowstone-Asubruch gibt, in aller Ruhe Eichen- und Apfelbäume pflanzen. Oder sich in ein Loch verkriechen und warten.

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              • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

                Werter Herr Seevers,
                nicht immer überzeugen Sie als moralische Oberinstanz.

                Es erschließt sich mir nun wahrlich nicht, warum ich mich auf Ihre Empfehlung hin in ein Loch verkriechen u. zuwarten sollte….!?

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            • Bauer Willi sagt

              Der Vulkan auf La Palma ist doch ein Pups.
              Für die Betroffenen natürlich schlimm, aber im globalen Rahmen eher vernachlässigbar. Da sind Ätna und Eijavjallajökull (oder so) schon andere Kaliber.

              Aber ich glaube, wir kommen vom Thema ab… 😉

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              • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

                Lieber Kollege Willi, vor gut 200 Jahren -1816- hatten wir hier in Zentraleuropa eine große Hungersnot im „Jahr ohne Sommer“, zeitlich ein Wimpernschlag nur in unserer Menschheitsgeschichte. – Vergessen!?

                Hoffentlich müssen wir solche „Hungerwecken“ nicht mehr essen, gestreckt mit gemahlenem Stroh, weil‘s nichts anderes gab.

                Ja fürwahr, diejenigen, die solche Ereignisse in ihren Köpfen vollkommen auszublenden wissen, sind wohl tatsächlich die weitaus glücklicheren Menschen…

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  4. Reinhard Seevers sagt

    Alles hängt mit allem zusammen. Die Niederlande steigen bis 2030 aus der Erdgasförderung aus. Deutschland importiert 30% seines Erdgases aus den Niederlanden. Yara Europas größter Düngemittelhersteller sitzt in den Niederlanden. Nordstream 2 soll die Lücke schließen, …..parallel wollen wir aus allen fossilen Energien aussteigen und Nordstream 2 steht in Frage. 🤔

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  5. Bauherr sagt

    Unruhen wegen teure Nahrungsmittel hatten wir vor gut 10 Jahren in Nordafrika.
    Somit ist dieses Thema nicht neu und Politik wird das nicht beeindrucken.
    Jeder Neunte hatte vorher zu wenig Nahrung und man propagiert trotzdem Bio und Farm to Fork.
    An dieser hirnfreien Politik wird die Tatsache nichts ändern, wenn bald jeder Achte nicht satt wird.

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  6. Arnold Krämer sagt

    Wirkliche Mangelerfahrungen könnten/müssten die Menschen nachdenklicher und – ein altes Wort – demütiger machen. Das kann nicht schaden bei allen sonstigen Folgen.

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    • Wo hat denn ein heutiger Mensch mal Mangelerfahrung erlebt?
      Er kann mit Mängel doch gar nicht umgehen.

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      • Thorens sagt

        Ja, das stimmt.
        Es würde etlichen einmal guttun, Mangel erfahren zu müssen, um das eigene Werteempfinden an die Realität anpassen zu können.
        Selbst möchte ich aber dennoch lieber verschont bleiben.

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    • Stadtmensch sagt

      Jaja, Demut….

      Wir hatten doch gestern (wie so oft) das Thema “Große Hungersnot” in Irland 1845. Und was steht da u.a. als Ursache?
      https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hungersnot_in_Irland
      In 40 Jahren hatte sich die Bevölkerungszahl verdoppelt!
      Folge, es wurde immer nur Kartoffel angebaut, weil Fläche knapp war.
      Folge: einmal Krautfäule und es gibt nix mehr zu essen.

      Also gleiches Muster wie Nordafrika. Natürlich kann man immer weitere “Grüne Revolutionen” herbeizaubern und die Erträge steigern, nur leider ist nun das Ende der Fahnenstange nun erstmal erreicht.

      Jetzt gibt es halt die fixe Idee, den Klimawandel durch Reduktion der THG-Emissionen zu bremsen. Kann man natürlich auch sein lassen und hoffen, dass weder ein Vulkan ausbricht noch dass zunehmende Extremwetter eine Landwirtschaft global ziemlich einschränken. Also hoffen wir mal und machen einfach immer so weiter…

      • Bauer Willi sagt

        Sorry, aber seit einiger Zeit ist Wikipedia für mich keine seriöse Quelle mehr. Diese Aussage treffen übrigens auch seriöse Journalisten, die feststellen, dass Wikipedia tendenziös ist.

        Ein Zitat aus dem Text –>”typisch für durchgehenden monokulturellen Anbau”

        Typischer NGO-Sprech ohne jede Fachkenntnis.

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        • Stadtmensch sagt

          Deutsche Wikipedia ist für mich auch keine Quelle. Aber diesen Fakt, also das mit der Monokultur, kann man auch aus vielen anderen Quellen ziehen.

          Globale Monokultur bei Getreidesorten haben wir heute auch zunehmend:
          Peter Thompson: Der Keim unserer Zivilisation.
          Sowas mal zur Kenntnis zu nehmen, hat für mich etwas mit Demut zu tun und nicht dieses simple Gerede von “jetzt wollen die aus purer Ideologie eine Hungersnot fabrizieren!”

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          • Reinhard Seevers sagt

            Stadtmensch, du hast immer zu viel apokalyptische Ängste. Die Vielfalt der Pflanzenwelt ist in 1750 Saatenbanken gesichert, u.a. in Spitzbergen. Musst keine Angst haben…..

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            • Stadtmensch sagt

              Ich weiß das mit den Saatgutbanken. Siehe Buch-Titel oben. Hat alles auch seine Nachteile. Saatgut muss immer wieder “aufgefrischt” werden und dabei etwas Selektionsdruck aushalten. Sonst wird es unbrauchbar. Muss eigentlich permanent auch in vivo vorgehalten werden.
              Habe keine Angst vor nix! Ärgere mich nur über dieses ständige “wir gegen die”. Ich finde es super, dass Energie teuer wird. Guter neoklassischer Ansatz! Naturverbaruch einpreisen führt zu notwendiger Strukturanpassung. Muss nicht Schrumpfung und Elend sein!
              Strukturanpassung heißt “enzymatische Vermittlung von Reaktionspartnern im lauwarmen Millieu” statt viel Energie und teure Edelmetalle für Katalysatortechnik (nur ein Beispiel). Ihr seid die Pessimisten! Ihr seht immer nur den Run aufs Klopapier. Verflixt noch eins…

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          • Ostbauer sagt

            Stadtie; erklär mir mal aus Deiner Sicht Monokultur!
            Vielleicht redet man ja auch an einander vorbei.

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            • Stadtmensch sagt

              Ostbauer, wir haben hier eine super Landwirtschaft! Ganz ohne Ironie ausnahmsweise…
              Natürlich gibts immer noch viel zu untersuchen: wie wirken sich antibakterielle Rohrreiniger auf die “Mikrobensoziologie” im Boden aus und was hat das dann für Auswirkungen auf Nährstoffversorgung und Pflanzengesundheit. Merkt man ja nicht, wenn man immer gleich ein Fungizid drauf haut – duckundwech

              • Bauer Willi sagt

                Och nö, nicht wieder die ollen Kamellen.
                Wer spritzt denn Domestos auf den Acker? Das machen nur Stadtmenschen …. 🙂 😉

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      • fingerphilosoph sagt

        1845 mussten die Bauern in Irland das Getreide und die tierischen Produkte an die Großgrundbesitzer in England als Pacht abgeben. Ihnen blieben nur die Kartoffeln. Als die durch die Kartoffelfäule ausfielen, mussten die Bauern trotzdem weiterhin die Pacht bezahlen. Die Bauern sind in erster Linie wegen der Hartherzigkeit der Großgrundbesitzer verhungert und erst in zweiter Linie wegen der Kartoffelfäule.

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        • Stadtmensch sagt

          Die katholischen irischen Großgrundbesitzer wurden von den Briten wegen ihrer Dummheit und Gierigkeit belächelt. Viele sahen in der Kartoffelkrise einen Akt göttlicher Vorsehung, um die irische Landwirtschaft reformieren zu können.
          Osterhammel, Die Verwandlung der Welt, Seite 304

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