Bauer Willi
Kommentare 46

Kann ich bitte Uruguay stornieren ?

Ein Gastartikel von Bauer Fritz

Bauer Fritz hat ein Buch gelesen, besser gesagt, ein Büchlein. Das ist an sich nichts besonderes, denn Fritz ist belesen. Er hat mir das, was er an dem Büchlein interessant findet, zugeschickt. Und das ist wirklich spannend, auch wenn es etwas frustrierend ist. 

Das ist keine Frage um Abänderung eines nicht durchführbaren Auslandsaufenthaltes. Es ist die Frage, die einen beschleicht, wenn man das neue Büchlein von Mathias Binswanger [1] gelesen hat. Jenem Schweizer VWL-Professor, der etwa von der NZZ [2] seit Jahren unter den Top 5 Ökonomen sich einreiht mit dem größten Einfluss in der Politik.

 

Schon im Titel „MEHR Wohlstand durch WENIGER Agrarfreihandel – Landwirtschaft und Globalisierung“ wird klar, daß die gängige These, nur mehr Freihandel gereichen der Welt, den Bevölkerungen und speziell den Bauern zum Segen, massiv hinterfragt wird. Obgleich ein kleinformatiges Büchlein mit gerade mal 90 Leseseiten, enthält es doch eine Reihe von anregenden Abhandlungen, die auch das Interesse steigern, die eine oder andere Zusatzinformation sich zu organisieren – einige selbst genutzte Links habe ich deinen Lesern daher gleich noch in den Fußnoten mitgeliefert. Es ist auf jeden Fall ein Büchlein, das jeder Bauer lesen sollte und auch lesen kann. Zum einen, da man nicht VWL studiert haben muß um den Ausführungen folgen zu können und zum anderen, weil zu erwarten ist, daß gerade Landwirte aus Eigenerfahrung vieles davon nachvollziehen können.

 

Im ersten Teil erläutert Binswanger den historischen Hintergrund und die „Theorie der komparativen Vorteile„,  jener 1817 von Ricardo entwickelte „Zauberformel“, die bis heute zum Standardwissen der Ökonomie gehört und als Mantra aller Freihandelsfans gilt. Binswanger rückt dies insofern gerade, als belegt ist, daß schon das Urbeispiel „Wein gegen Tuch“ eine gekonnte Finte der Engländer war, die durch geflissentliche Weglassung nicht unwesentlicher Zusatzparameter und durch Ausnutzung politischer Ränke und Händel dazu führte, daß das Projekt historisch vollends schief ging. Es verblüfft einen als Leser, wenn der Autor schreibt: „(Spätere) Ökonomen haben versucht, die Theorie der komparativen Vorteile durch Einbeziehen solcher („weggelassener“) Faktoren (wie unterschiedliche Wachstumsmöglichkeiten, unterschiedliche technologische Fortschritte, unterschiedliche Nachfrage, sowie vor allem externe Kosten und Nutzen) weiterzuentwickeln, doch das gelang nur partiell. Dennoch gilt auch heute, mehr als 200 Jahre nach Ricardo, Freihandel als Königsweg für mehr Wohlstand. In erweiterten Modellen läßt sich zeigen, daß Bauern oder schlecht qualifizierte Arbeitnehmer in den Industrieländern zu Verlierern des Freihandels werden. Doch das sind für die Befürworter letztlich „Bauernopfer“, die man zugunsten eines stets wachsenden globalen Wohlstandes zu erbringen hat.“

 

Im zweiten Buchabschnitt begründet er dieses unter „Warum Bauern meist zu Verlierern des Freihandels werden“. Er sieht einen Hauptauslöser in der sogenannten GATT-Uruguay-Runde [3] (1986-1994), bei der im Zuge der große Welle der Liberalisierungen des Welthandels auch die Landwirtschaft einbezogen wurde – die also künftig gleich zu behandeln sei wie Industriewaren oder Dienstleistungen. Man ging von der Sichtweise ab, daß für fast jedes Land Landwirtschaft ein Sonderfall sei, etwa

*) durch die schiere Nichtvergleichbarkeit des Produktionsfaktors Boden mit dem Produktionsfaktor Kapital,

*) durch die vorhandene (monopolistische oder oligopolistische) Marktmacht der Nachfrageseite gegenüber den zahllosen (atomistischen) Anbietern, welche zudem durch Kartellbestimmungen zu Lasten der Anbieter verstärkt wird,

*) durch einen defacto Nullwert der multifunktionalen Leitungen der Landwirtschaft die der Allgemeinheit zugutekommen

*) sowie des Nullwertes von Ernährungssouveränität und Versorgungssicherheit für eine Gesellschaft.

Nur in den Zeiten, da sich die Trends der immer billigeren Lebensmittel aus dem Ausland umkehren (wie etwa 2006/2007) oder in Zeiten des Klimawandels von möglicherweise weltweiten Verknappungen gesprochen wird [4], fallen manchen die Bauern wieder als „Systemrelevant“ ein.  Ob sich das durch die Ereignisse nach Coronazeiten (das Buch erschien schon vorher im März) ändert, bleibt trotz vielerlei Überlegungen und Beteuerungen zweifelhaft. Denn obwohl fast jedes Land der Welt seine aktuellen oder historischen Erfahrungen gemacht hat, daß die Sprechblase „Wir bekommen Alles, zu jeder Zeit, und von überall auf der Welt“ in verschiedensten Krisen- oder Problemszenarien kaum die Belastbarkeit einer Seifenblase hat, wird schon nach den ersten Besserungsanzeichen diesem Märchen wieder nachgelaufen.

 

Binswanger verweist auf das „Theorem der landwirtschaftlichen Tretmühle“ [5]. Gerade am Beispiel der Landwirtschaften kleiner Länder wie Schweiz oder Österreich, zeigen die Kennzahlen und Fakten, „immer weniger Bauern produzieren immer mehr, ohne daß sich die wirtschaftliche Situation irgendwie verbessert. Betrachten wir die landwirtschaftliche Gesamtrechnung in der Schweiz (gilt auch für Österreich), dann sehen wir, daß nach Abzug sämtlicher Ausgaben, die sich aus Vorleistungen, Abschreibungen, Löhnen, Zinsen und Abgaben zusammensetzen, kein Einkommen für die Bauern mehr übrig bleibt. ……  Die Landwirte wären als Berufsstand in Ländern wie der Schweiz oder Österreich weitgehend verschwunden, wenn man ihr Überleben nicht mit Grenzschutz und/oder staatlichen Subventionen ermöglichen würde.“

 

Beides steht vor allem seit der Uruguay-Runde unter ständigen Druck der WTO, wodurch auch etwa die Zahl jener Länder die Netto-Lebensmittel-Exporteure sind deutlich abnimmt, aber die Zahl der Netto-Lebensmittel-Importeure ansteigt. Es wundert kaum, daß dieser weltweite Export und Import von Agrarrohstoffen zu über 70% abgewickelt wird von den 4 dominanten Unternehmen der  ABCD-Gruppe (Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill, Dreyfus). Binswanger ist der Auffassung, daß das Argument vom „Konsumenten als Nutznießer“ mehr als ein vorgeschobenes ist, zumal bei den schon extrem niedrigen durchschnittlichen Ausgaben für Lebensmittel (nur noch rund 10% des Einkommens) ein weiteres Absinken, wenn überhaupt dann eher marginale Verbesserungen der Lebensqualität der Konsumenten erbrächten, wogegen der Profit weiteren Freihandels, wie schon jetzt angesichts der hohen Margen, beim Lebensmittelhandel liegen würde.

 

Im dritten Teil beschäftigt sich der Autor auch mit den Auswirkungen und Folgen des Freihandels in Entwicklungsländern und er kommt – diametral zu den gängigen Versprechungen und Vermutungen – zur Auffassung,  daß durch die Ergebnisse jener Uruguay-Runde auch dort (mit vielen kurzfristigen, aber nur wenigen langfristigen Ausnahmen) das Gegenteil dessen eingetreten ist, was gemäß der Theorie der komparativen Vorteile hätte eintreten sollen. Binswanger führt an, daß auch dort
*) viele Länder bei Lebensmitteln von Nettoexporteuren zu Nettoimporteuren wurden,  
*) Food-Crops zur Sicherung der Eigenversorgung dem Handel mit Cash-Crops gewichen sind und
*) zudem durch den oft massiven Verfall der Rohstoffpreise (Terms of Trade) trotz Mengenzunahmen der Exporte keine Mehreinnahmen übrig blieben.
Er zitiert Ökonomiekollegen, die diese Entwicklung als „Verelendung durch Wachstum“ [6]
bezeichnen oder den Nobelpreisträger Samuelson [7], der 2004 zeigte, daß ein mit technischem Fortschritt verbundener Produktivitätsanstieg den Wohlstand eines Landes auch erheblich verringern (!!!) kann.

 

a) „Egal ob in einem Entwicklungsland oder in einem Industrieland. Die Bauern sind meist die Verlierer des Freihandels.“ In den Industrieländern werde sie mit ohnehin nur noch 1-5 % der Bevölkerung als „quantité négligeable“ gesehen, in den Entwicklungsländern stehen sie als Mehrheit der Bevölkerung vor unabsehbaren Folgen für die Stabilität ganzer Staaten.

b) „Die abstrakten Modellwelten der Verteidiger der komparativen Vorteile sind theoretisch richtig – versagen aber in der Realität.“

Zwei Sätze, die einem als Bauern im Hals stecken bleiben. Und daher nochmal meine Eingangsfrage: Kann man bitte Uruguay stornieren – und vielleicht sogar bessere Ziele für eine Zukunft der Landwirtschaft in einer Gesellschaft anpeilen ?

Vor allem jetzt, da viele dieser beschriebenen Effekte auch vielen Menschen außerhalb der Landwirtschaft doch recht deutlich vor Augen geführt wurden.

 

Was meinst du ?

 

 Bauer Fritz

 

Wer sich noch tiefgehender informieren will, hier die Links:


[5]  aus der Veröffentlichung „Farm prices, myth and reality“ (1958) des Ökonomen Cochrane (https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/41/Kuhlmann-92-1-pdf; Seite 3)

[7]  (https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/paul-samuelson-giesst-wasser-auf-die-muehlen-der-globalisierungsgegner-1178479.html)

 

Youtubes von Prof. Binswanger zum Thema:
1) Agrarschutz: Hilft Bauern in reichen Ländern und schadet Bauern in armen Ländern ?
  https://www.youtube.com/watch?v=H5JH8K1hS_k   (Dauer: 48 min)

2) Warum wir uns Lebensmittelproduktion im Land leisten sollten
https://www.youtube.com/watch?v=9RuRdVtjdJ8  (Dauer: 30 min)

(Aufrufe 2.377 gesamt, 1 heute)
3

46 Kommentare

  1. Bauer Fritz sagt

    @ Arnold Krämer
    Ob der Nutzen des freien Welthandels für die Konsumenten und/oder die Bauern soooo viele oder fast nur Vorteile gebracht haben, mag anhand ihrer angeführten Importbeispiele nachvollziehbar sein, würde aber eher wieder die These von Binswanger unterstreichen, daß die Nettoimporte mehr werden. Die aktuelle Diskussion um den Nutzen der Mehrwertsteuersenkungen mag verdeutlichen, daß der Konsument davon in einem derart geringen Cent-Ausmaß profitiert, daß er es in den meisten Fällen wohl kaum wahrnimmt. Wie generell er weitere Preisreduktionen kaum mehr bewußt erkennt, wogegen ein 1%-Unterschied in den Konsumausgaben von z.B. 10% oder 9% für die Bauernseite Welten ausmachen.

    Die noch nicht allzu alten Vorkommnisse rund um die freien Märkte bei Milch und gleich darauf bei Zuckerrübe bestätigen ebenfalls die These, daß beide Märkte dadurch völlig zerstört wurden, der Konsument minimal bis gar nicht davon profitierte, sich aber nun durch die dadurch notwendig gewordenen Fabriksschließungen quasi selbst ins Knie geschossen hat.

    Die Frage in all den Fällen wäre also: Nutzen – wo bist du geblieben ?

    8
    • Reinhard Seevers sagt

      …..aber bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3% wäre die Welt untergehen…..komisch.

      1
    • Arnold Krämer sagt

      1. Der Nutzen des freien Welthandels ist nicht umfassend darzustellen und er hat immer auch Nebeneffekte, die zunächst kaum beachtet werden. Ein extremes Beispiel ist die Erfindung des Handys (Produktinnovation des „bösen“ Kapitalismus) und der insgesamt damit verbundenen Kommunikationsmöglichkeiten. Sie werden von Gesellschaften, die materiell sonst teilweise sehr wenig zu bieten haben, intensiv genutzt, was dazu führt, dass man über die Verhältnisse in Europa auch im hintersten afrikanischen Busch Bescheid weiß und sich dann (nicht vollständig, aber vereinzelt) auf den Weg macht, in dieses „Paradies“ einzuwandern.

      2. Jedes landwirtschaftliche Erzeugnis hat seine eigene marktpolitische Geschichte. Danach kann man die Märkte für Milch und Zuckerrüben historisch nicht als freie Märkte in der EU bezeichnen, weil sie immer in der Nachkriegszeit einem sehr starken politischen Einfluss (Schutz) ausgesetzt waren, der spät (zu spät) entzogen wurde. Nach meiner beruflichen Erfahrung sind alle Produkte, die nicht durch massive Marktordnungen gestützt wurden auf mittlere und längere Sicht für die Landwirte atttraktiver (gewesen).
      Ohne einen sinnvollen Außenschutz für die europäische Agrarproduktion wird es allerdings in Zukunft nicht möglich sein, eine qualitativ hochwertige Produktion in der EU und in Deutschland zu erhalten. Dabei sind die geplanten Sonderwege in unserem Land noch nicht einmal berücksichtigt.
      Die Landwirtschaft braucht darüber hinaus aber keinen staatlichen Markt-, Einkommens- oder sonstigen Schutz, sondern einen klaren und stabilen Rechtsrahmen, der die naturräumliche Gebundenheit von Landwirtschaft berücksichtigt und der Überspezialisierung und extremen Arbeitsteilung nicht weiter Vorschub leistet.

      2
      • Bauer Fritz sagt

        Ich würde ihnen insoweit zustimmen, wenn diese rechtlichen Rahmenbedingungen idealerweise nicht nur in einem Land gelten, nachweisbar, kontrollierbar etc. sind, sondern auf Grund der relativen „Kleinheit“ zum übrigen (Welt-)Markt zumindest EU-weit halbwegs gleich wären. Wir wissen, daß dies in den wenigsten Bereichen so ist.
        Ich würde ihnen auch zustimmen, wenn dadurch die bislang im Preis kaum berücksichtigten Bereiche Qualität und externe Kosten/Nutze (über die sich ja trefflich streiten läßt) Eingang finden. Da sind wir bestenfalls am Anfang des Weges. Farm to fork sehe ich in diesem Zusammenhang nicht wirklich positiv.

        Wenn ich die letzthin bekannten Beispiele der Coronaschutzmasken hernehme, hat sich gezeigt, daß es meist so läuft: sie sagen was sie haben möchten, wir schicken ihnen das schon (oder was wir dafür halten oder was halt gerade da ist oder das gerade weg muß). Bei Lebensmitteln wird das dann sicher nicht zurückgeschickt – es verschwindet auf geheimen Wegen im „Markt“. Durch die Finger schauen dann dich wieder die hiesigen Produzenten.

        1
  2. Inga sagt

    Solange unser Wirtschaftssystem darauf begründet ist,

    „durch die schiere Nichtvergleichbarkeit des Produktionsfaktors Boden mit dem Produktionsfaktor Kapital, “
    und
    „sowie des Nullwertes von Ernährungssouveränität und Versorgungssicherheit für eine Gesellschaft.“

    muß dadurch die gesamte Ökologie von ihm geschädigt werden?

    Geht es zu lasten der Ökologie?

    1
  3. Arnold Krämer sagt

    Danke Bauer Fritz für diesen Input. Leider habe ich jetzt das Problem, mich kaum entscheiden zu können bei welchen Aspekt ich kommentierend ansetzen sollte. Binswanger hat in vielen Punkten recht. Aber es ist nicht erkennbar, dass die Politiker in Europa daraus Konsequenzen ziehen werden. Für ein (noch) reiches Land wie Deutschland hat der freie Welthandel bisher fast nur Vorteile gebracht. (Das ganze Jahr über Weintrauben z. B. aus Indien, Brasilien, Urlaub das ganze Jahr in sonnenreichen Gefilden, Biolebensmittelrohstoffe aus China, um nur einige Nebenbereiche zu nennen). Das gilt grundsätzlich auch für den Agrarsektor (nicht für den einzelnen Landwirt), in dem ja nicht nur Einkommen für die noch aktiven Landwirte sondern über die Pachtzahlungen auch Einkommen für die ehemaligen Berufskollegen zum Teil in außergewöhnlich hohen Größenordnungen erwirtschaftet wird. Das Sektoreinkommen in der Landwirtschaft ist zwar nicht größer geworden da (da kommt die Tretmühlentheorie von Cochrane zum Tragen) aber es verteilt sich eben auf deutlich weniger Landwirte, die mithilfe des technischen Fortschritts wesentlich mehr produzieren als vor 50/60 Jahren. Aber dieser wird geringer, politisch einseitig zurück verordnet, so dass der ökonomische Anpassungsdruck kaum noch aufzufangen ist.

    1
    • Reinhard Seevers sagt

      Die Landwirtschaft ist und bleibt der Anfang vom Ende; der grundlegenden Diskussion über Konsum und Materialismus. Wer sich der Diskussion entziehen möchte, der diskutiert immer nur Details einer einzigen Branche. Es ist allumfassend, wird aber noch nicht so wahrgenommen. Die Landwirtschaft zahlt lediglich als erster den Preis für ungebremsten Wohlstand……wir landen immer bei der gleichen Grundfrage: Was ist die Alternative zur materiellen Befriedigungskultur? Es gibt anscheinend keine, und man will auch keine, weil niemand verzichten müsste……

      4
      • bauerhans sagt

        „weil niemand verzichten müsste……“

        absolut auf den punkt gebracht!
        gleichzeitig wird die landwirtschaft in medien heftig beschimpft,bei nachfrage kommt keine verständliche antwort.

        3
        • Dieter sagt

          Doch, bauerhans. Nur die Antworten werden hier nicht gerne gelesen, Die drei Wahrheiten, du erinnerst dich.

          0
      • Stadtmensch sagt

        Na gut, es gibt noch Rohstoffe, die man ausbuddeln und zu Waren machen kann. Da ist aber auch das Ende der Fahnenstange in Sicht. Wer zuerst gezwungen wird zu verzichten, sind wohl die „aufstrebenden Schwellenländer“. Die hauen bei sich gerade alles kurz und klein, um so leben zu können wie wir: warmes sauberes Wasser aus Wand, Autos, Urlaub, „Entwicklung“…

        Der Welzer sagt, das Grundübel ist der Glaube an Fortschritt und Entwicklung:
        „Aus Fremdzwang wird Selbstzwang. Wie das Wachstum in die Köpfe kam“

        1
        • Reinhard Seevers sagt

          Stadtmensch, du (wir alle) MUSST eine Alternative zur materiellen Befriedigung finden, egal welche Theorie oder welche Ursache dem Problem zu Grunde liegen. Da hilft keine Schuldzuweisung an verschiedenste Adressaten.

          0
          • Inga sagt

            Sind das nicht nur die etwas geistig unbeweglichen Leute, die gerne
            Schuldzuweisungen machen?

            0
        • Inga sagt

          Also muß Fortschritt und Wachstum aus den Köpfen und
          dafür
          Liebe, Achtung und Respekt des Nächsten rein, denn das ist eine umwelt- und globalfreundliche Kultur, die jeden zufrieden machen könnte! Bei den Menschen in der 3. Welt ist sie noch üblich!

          Hat das was mit Vertreibung aus dem Paradies zu tun?

          1
            • firedragon sagt

              Und ich dachte, ich hätte kürzlich eine Alternative genannt…
              Das mit nur der Liebe funktioniert auf Dauer auch nicht…

              0
          • Ein Privatier sagt

            Sehr viele Menschen in der 2. und 3. Welt denken nicht darüber nach, ob ihre Kultur „umwelt- und globalfreundlich“ ist.
            Sehr viele von denen tun das, was notwendig ist, um zu überleben.
            Aus unserer Perspektive der wohlstandverwahrlosten Dekadenten mag das Leben in einer Lehmhütte „umwelt- und globalfreundlich“ sein.

            https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1757/umfrage/analphabetenrate-nach-weltregionen/

            „Die Statistik zeigt die Analphabetenrate (Anteil der Analphabeten an allen Personen ab 15 Jahren) von 2008 bis 2018* nach Weltregionen. Die Analphabetenrate in Südasien betrug 31,3 Prozent. Als Analphabetismus bezeichnet man kulturell, bildungs- oder psychisch bedingte individuelle Defizite im Lesen oder Schreiben bis hin zu völligem Unvermögen in diesen Disziplinen. Die Analphabetenrate zeigt den Anteil der Personen ab 15 Jahren, die nicht lesen und schreiben können.“

            2
            • Reinhard Seevers sagt

              Wer definiert denn Analphabetentum als schlecht? Es ist wieder unsere westliche kapitalistisch, ökonomieorientierte……Wertegemeinschaft. Früher mussten die Menschen auch noch den christlichen Glauben annehmen, um unseren Wertmaßstäben zu entsprechen.

              0
              • Ein Privatier sagt

                Bei der Frage nach dem Nutzen des Zähneputzens gibt es auch verschiedene Meinungen.

                0
                • Reinhard Seevers sagt

                  Wenn man keine hat, ist die Frage überflüssig!😎

                  1
              • Obstbäuerin sagt

                Der Segen des Analphabetentums liegt darin, dass ihnen Bildung vorenthalten wird, dass diese Menschen keine Gesetze lesen können, die ihnen eventuell von Vorteil sein könnten, in Verträgen weder das Groß- noch das Kleingedruckte lesen und somit prima übers Ohr gehauen werden können usw. usw.
                Vor- und Nachteile liegen auf der Hand.

                0
                • Reinhard Seevers sagt

                  Ich glaube die Anzahl Betrogener wird durch Lesen und Schreiben eher mehr.

                  0
                • Obstbäuerin sagt

                  Da haben die 31,3 % in Südasien ja noch mal Glück gehabt.

                  1
          • Paulus sagt

            Inga, als einer der in der sogen. 3. Welt (Afrika) einige Zeit in beratender Tätigkeit für die DEG unterwegs war, muss ich dich leider enttäuschen. Was in der 3. Welt üblich war und in etlichen Ländern heute noch üblich ist würde dein naives Weltbild erschüttern.
            Die heutige Vertreibung aus dem vermeintlichen Paradies erfolgt übrigens, entgegen der zusammengedichteten biblischen Geschichte, völlig freiwillig. Als ehem. Schüler der Benediktiner und somit halbwegs aufgeklärter was die Geschichte betrifft, wage ich die These vorzuschlagen, dass es bis auf die Entgleisungen der Neuzeit keine Vertreibungen gab, sondern die Menschen schlicht und ergreifend dem Wohlstand, sprich Fortschritt und Wachstum gefolgt sind.

            5
            • Inga sagt

              Vielleicht meinte ich die auch die 4. Welt, also etwas von den Ureinwohnern, den Buschleuten oder den Indianern lernen,

              nur um das „ewig weiter so“ im Hamsterrad Wirtschaftswachstum zu stoppen.

              Diese Weisheiten von den Buschleuten in unsere Kultur integrieren,
              das müßten dann Soziologen machen!

              Wenn die in der 3. Welt sich freiwillig aus ihrem Paradies vertreiben lassen, dann haben sie schon Handy oder Vorstellungen von unserem Wohlstand, oder?

              Wir haben uns ja mit dem Ackerbau aus dem Paradies vertreiben lassen.
              Warum haben Frauen aus Gras Getreide gezüchtet?
              Immer größer und weiter? Steckt da auch Gier hinter?
              Sie konnten es sich gemütlich machen, die Männer brauchten nicht mehr auf Jagd und sie nicht mehr um Sammeln in den Wald!
              Echt menschlich?
              Sie hatten es schön gemütlich und konnten schön kuscheln,
              haben dabei die Tradition des Kinderwunsches vergessen.
              Das haben nämlich die Indianer als auch die Buschmänner!

              Die Kinder kamen eher zufällig und man bekam sie durch den Ackerbau und die domestizierten Tiere auch satt.
              Also kam nicht nur Gier, sondern auch Neid auf!
              Alles Todsünden?

              Dann kommt das noch oben drauf, die Vertreibung in der Neuzeit!
              Ist es eher eine Vertreibung oder ein Verjagung?

              Alles wegen dem ausuferndem Wachstum, dem Hamsterrad?

              In welchem Teil Afrikas warst Du?

              0
  4. Ein Privatier sagt

    Der Kapitalist Binswanger verdient viel Geld im Kapitalismus mit Kapitalismuskritik

    Mein Eindruck ist, dass er kreuz und quer durch den Garten geht, überall pflückt, was ihm in den Kram passt, um auf modischen Wellen zu reiten bzw. diese sogar zu erzeugen.
    Dass Menschen in kommunistischen Ländern unglücklich waren, weil 100 Milionen Ermordete Hunderte Millionen ins Unglück stürzten, ist ihm kein Wort wert. Stattdessen verharmlost er den Kommunismus und unterstellt dem Kapitalismus, dass der mit „Kollateralschäden wie Umweltschäden, Gefährdung der Gesundheit, Kinderarbeit et cetera verbunden“ sei.

    https://www.forbes.at/artikel/gluecksbringer.html

    „(…) Lange galt das Geldvermehren als Teufelszeug. Erst mit Adam Smith, der die These vertrat, dass eigennütziges Verhalten allen zugutekomme, änderte sich die Sicht darauf.

    „Damit wurde die Gier des Menschen salonfähig und letztlich zu einem positiv gedeuteten Antrieb. Das Streben nach möglichst hohen Gewinnen und möglichst hohen Einkommen erscheint uns heute völlig normal. Moralisch hinterfragt wird erst dann, wenn es mit offensichtlichen Kollateralschäden wie Umweltschäden, Gefährdung der Gesundheit, Kinderarbeit et cetera verbunden ist. Die Menschen sind heute zwar die gleichen wie zu Zeiten von Aristoteles, aber es gibt in der heute existierenden kapitalistischen Wirtschaft viel mehr und bessere Möglichkeiten, Habgier in wirtschaftlichen Erfolg zu verwandeln, als in früheren Zeiten“, fasst Binswanger zusammen.“

    „Binswanger: „Der Kapitalismus ist ambivalent und sowohl Segen als auch Fluch. So hat das Wachstum einen materiellen Wohlstand für die meisten Menschen in vielen Ländern ermöglicht, der auch zu einer drastischen Verbesserung der Lebens­bedingungen und der Gesundheit geführt hat. Andererseits besitzt Wachstum ein erhebliches Zerstörungspotenzial für die natürliche Umwelt und trägt nicht mehr zu weiterem Glück der Menschen in hoch entwickelten Ländern bei. Das Versprechen des Wachstums auf mehr materiellen Wohlstand verliert so seine Attraktion, ohne durch etwas Besseres ersetzt zu werden.““

    „Auf die provokante Frage, was der Mensch denn letztlich überhaupt anstrebt, weil er weder einen Kapitalismus in Reinform noch die Abschaffung dessen will, antwortet Binswanger: „Menschen wollen letztlich zwei Dinge: einerseits die Chance, nach oben zu kommen und für Leistung belohnt zu werden, andererseits wollen sie aber auch ein faires System. In kommunistischen Ländern waren die Menschen unzufrieden, weil Leistung nicht belohnt wurde, und man keine Chance hatte, sich zu verbessern. Menschen sind aber auch nicht zufrieden in Ländern, wo ein paar Prozent der Bevölkerung ohne ersichtliche Leistung einen enormen Reichtum haben, und ein Großteil der Bevölkerung trotz Anstrengungen nie auf einen grünen Zweig kommt. In einer glücklichen Gesellschaft sind die Einkommen weder extrem gleich noch extrem ungleich verteilt.““

    2
    • Stadtmensch sagt

      „Damit wurde die Gier des Menschen salonfähig und letztlich zu einem positiv gedeuteten Antrieb“

      Hä? Mit Adam Smith?

      Fragen wir ihn doch selbst:

      „EDER VORSCHLAG FÜR EIN NEUES GESETZ ODER EINE ANDERE FORM DER REGULIERUNG DES HANDELS, DER VON (DEN KAPITALISTEN) VORGEBRACHT WIRD, SOLLTE IMMER MIT GROSSER VORSICHT ANGEHÖRT UND NIEMALS ANGENOMMEN WERDEN, BEVOR ER LANGE UND SORGFÄLTIG UNTERSUCHT WORDEN IST, UND ZWAR NICHT NUR MIT GRÖSSTER GENAUIGKEIT, SONDERN AUCH MIT GRÖSSTEM MISSTRAUEN. ER KOMMT VON EINER GRUPPE VON MENSCHEN, DEREN INTERESSE NIEMALS DASSELBE IST WIE DAS DER ALLGEMEINHEIT, VON MENSCHEN, DIE ZUMEIST EIN INTERESSE DARAN HABEN, DIE ALLGEMEINHEIT ZU TÄUSCHEN UND SOGAR ZU UNTERDRÜCKEN, UND DIE SIE ENTSPRECHEND AUCH SCHON BEI VIELEN GELEGENHEITEN GETÄUSCHT UND UNTERDRÜCKT HABEN.“

      1
    • Stadtmensch sagt

      „Auf die provokante Frage, was der Mensch denn letztlich überhaupt anstrebt“

      Seit geraumer Zeit strebt niemand mehr irgendwas an. Die melancholischen Zyniker oben, geben sich nicht mal mehr die Mühe, ihre pathologischen Triebe mit Moral zu bemänteln (s.W. Buffet Zitat zum Klassenkrieg)
      Und unten der Plebs gibt sich auch nicht mehr die Mühe, nach einer Grimms-Märchen Moral zu leben. Es grassiert die zynische Vernunft oben und unten.

      https://www.nzz.ch/feuilleton/35-jahre-nach-der-kritik-der-zynischen-vernunft-peter-sloterdijk-analysiert-das-zynische-bewusstsein-zu-beginn-des-21-jahrhunderts-ld.1447498

      Deshalb wäre es besser für @Drachen, nicht mit Binswanger sondern mit olle Nietzsche anzufangen: „Zynismus ist die einzige Form, in welcher gemeine Seelen an das streifen, was Redlichkeit ist.“

      (die letzte Bemerkung nehme ich zurück) 😉

      0
      • firedragon sagt

        (stöhn) Stadtmensch,
        hast Du ’ne Ahnung, wie viele Bücher ich mir, seit hier bin, schon angeeignet habe und die alle noch irgendwann lesen muss, da Wissensvermittlung via unterkopfkissenlegen leider noch nicht funktioniert… weiß gar nicht, wann Ihr das alles lest 😵.

        1
        • Stadtmensch sagt

          Ist nutzloses Wissen bzw. Aufschneiderei. Vor ewigen Zeiten hatte ich mal diesen Wälzer von Peter Sloterdijk mit im Winterurlaub (weil ich „Spieleabende“ hasse). Du kannst wenigstens Nahrung produzieren und mit Tieren umgehen. Das ist doch was!
          Aber nur zu! Vieles gibts mittlerweile auch als Hörbuch (für einsame Trekkerstunden) 😉

          2
          • Inga sagt

            Stadtmensch,
            willst du damit sagen, dass der Umgang mit Tieren
            die Geier nach großen nie aufhörenden Wachstum
            ersetzen kann?

            Dann kann das auch der respektvolle Umgang von uns Menschen gegenseitig, oder?

            0
            • Stadtmensch sagt

              Nein. Glaube nicht, dass ein Agrarindustrieller, der Feedlots in die Pampa stellt um der weltgrößte Fleischexporteur zu werden, etwas von Maß, Mitte oder Kreislauf wissen will.

              Ich weiß nicht, ob es Gier ist Inga. Es hat in der Geschichte schon viele Hochkulturen gegeben, die irgendwelche Kulte zelebriert haben, die nicht notwendigerweise etwas mit Daseinsvorsorge (also mit Existenzsicherung) zu tun hatten.

              Wir leben gerade in einer Phase des Größenwahns der Kaufleute. Sie stellen alles in ihren Dienst (Regierungen, Armeen, Bevölkerungen).

              Davor waren es Kriegsherren. Wenn sie Glück hatten, haben sie eine Edelmetall-Mine aufgetan und konnten eine Eroberung starten, die sich dann selbst getragen hat, so wie ein Flächenbrand, seine Nahrung findet.

              1
              • Reinhard Seevers sagt

                Nicht allein der der Kaufleute, sondern des Kapitals insgesamt.

                0
    • Lady sagt

      „Der Kapitalist Binswanger verdient viel Geld im Kapitalismus mit Kapitalismuskritik

      Mein Eindruck ist, dass er kreuz und quer durch den Garten geht, überall pflückt, was ihm in den Kram passt, um auf modischen Wellen zu reiten bzw. diese sogar zu erzeugen.“

      Da stimme ich ihnen sogar mal weitgehend zu , Privatier.
      Binswanger ist eine Labertasche. Davon gibt es natürlich einige. Um aufzufallen, und genau das misst das oben zitierte Ranking, muss man sich etwas einfallen lassen. Und das tut er, das kann man ihm nicht absprechen.

      “ Binswanger rückt dies insofern gerade, als belegt ist, daß schon das Urbeispiel „Wein gegen Tuch“ eine gekonnte Finte der Engländer war, “
      Aha. Man muss sich weder Volkswirt noch Landwirt sein, um zu verstehen, dass sich der Wohlstand – egal in welcher Definition- in England erhöht, wenn die Produktion von Wein besser nicht auf der Insel stattfindet. Sondern er importiert wird. Ohne irgendeine „Finte“. Oder ist da wirklich jemand anderer Meinung??? 😀

      Und auch das ist falsch
      „b) „Die abstrakten Modellwelten der Verteidiger der komparativen Vorteile sind theoretisch richtig – versagen aber in der Realität.““
      Umgekehrt stimmt es. Ricardo hat viele Annahmen gemacht, die nicht haltbar sind. Etwa die Unbeweglich von Mensch und Kapital und viele andere. Nicht untypisch für volkswirtschaftliche Theorie. Sein zentraler Punkt aber, dass relative und eben nicht absolute Vorteile die entscheidende Rolle beim Handel spielen , ist unbestritten richtig.

      Der Welthandel, die Globalisierung hat den Wohlstand auf der Welt in einem bisher nie da gewesenen Ausmaß erhöht. Aber natürlich nicht gleichmäßig und überall. Es gibt auch Verlierer. Ich mag nicht beurteilen, ob ihr Landwirte wirklich zu den Verlieren gehört. Es spricht einiges dafür, etwa die Unbeweglichkeit des Bodens . Manches spricht aber auch dagegen.

      Sehr schön hingegen dieser Satz aus dem verlinkten FAZ-Artikel
      „Zölle seien wahrscheinlich die Brutstätte der Verkalkung von Volkswirtschaften“
      Das gilt auch für Protektionismus in weiterem Rahmen.
      Und ich denke, es wäre der falsche Weg – auch für euch Landwirte. Der Bau einer Mauer war noch nie wirklich erfolgreich, das geht schief. Und es lachen wieder diejenigen, die eben beweglich sind. Und das seid ihr als Landwirte eben nicht.

      2
      • Reinhard Seevers sagt

        Ich habe das Gefühl, Sie haben Binswanger und die Landwirtschaft überhaupt nicht verstanden…..

        1
      • Ein Privatier sagt

        @Lady

        Vielen Dank!

        „“ Binswanger rückt dies insofern gerade, als belegt ist, daß schon das Urbeispiel „Wein gegen Tuch“ eine gekonnte Finte der Engländer war, “
        Aha. Man muss sich weder Volkswirt noch Landwirt sein, um zu verstehen, dass sich der Wohlstand – egal in welcher Definition- in England erhöht, wenn die Produktion von Wein besser nicht auf der Insel stattfindet. Sondern er importiert wird. Ohne irgendeine „Finte“. Oder ist da wirklich jemand anderer Meinung??? 😀“

        Nicht nur das.
        Der Austausch von Wein gegen Tuch findet nur statt, wenn beide Handelspartner der Meinung sind, einen Vorteil aus der Sache zu ziehen.

        0
  5. Stadtmensch sagt

    Danke Bauer Fritz. Hab auch ein schönes Beispiel, wie Freihandel zu Wohlstandsminderung auf der einen Seite und sinnfreier Beschäftigungstherapie für Vernunftmenschen auf der anderen Seite führt:

    Zitate aus „Frontera, Dlf, Das Feature“

    NAFTA:
    „Staatlich subventionierter Mais aus den USA überschwemmte die mexikanischen Märkte. Zu unschlagbaren Preisen.“

    „Anderthalb Millionen Jobs in der Landwirtschaft gingen so verloren. Und neun Monate danach hat Clinton die Operation Gatekeeper unterzeichnet und die urbanen Grenzen mit Mauern verschlossen. 150 Milliarden Dollar sind seither für die Militarisierung der Grenzen verschwendet worden.“

    „Mit 9/11war der Paradigmenwechsel perfekt: seither ist alles Fremde Gefahr, die es abzuwehren gilt. Aus Migranten wurden Terroristen, Drogenhändler und Vergewaltiger. Heute hat allein die Customs- und Border Protection 21.000 Mitarbeiter und ein jährliches Budget von über fünfzehn Milliarden Dollar. Dazu kommt ICE, das Immigration and Customs Enforcement, die Ausländerpolizei,mit noch mal knapp neun Milliarden. Mit diesem Geld ließe sich die Situation in den Herkunftsländern der meisten Migranten deutlich verbessern. Stattdessen fordert Donald Trump 5000 zusätzliche Leute für die Border Patrol, und 10 000 mehr für ICE.“

    1
    • oberländer sagt

      ich zitiere hier mal den König von Burladingen “ man muss Probleme lösen
      solange sie klein sind das ist immer einfacher als zu warten bis sie groß sind“.

      Die Globalisierung des Handels ist nichts anderes als die Konzentrierung des Profits auf wenige und die Verteilung des Schadens auf viele.

      Grundschulen sind billiger und friedenserhaltender als Kampfpanzer
      ( Problematik der Entwicklungs und Schwellenländer ).

      Die Tatsache das die Politik dem Kapital und nicht mehr dem Volk und der Vernunft dient ist eine sehr große Fehlentwicklung.

      1
      • Reinhard Seevers sagt

        Vorsicht Oberländer. Das Volk ist die Triebfeder für den Willen möglichst viel, und gute Arbeit haben zu wollen. Je größer der Arbeitgeber, umso lieber möchte die Mehrheit dort arbeiten und die Segnungen in Anspruch nehmen. Wenn es aufgrund von Krisen dann zu Problemen kommt, sind es die Arbeiter, die sich auf die Straße begeben, um ihren Anspruch zu formulieren. Nee, das System erhält sich selbst, durch den individuellen Anspruch an Wohlstand. Wer dem einzelnen dies verspricht, ist dann im ersten Moment egal, erst in einer Krise wird dann deutlich, dass man sich evtl. dem falschen unterworfen hat.

        0
      • Stadtmensch sagt

        Das ist doch „Gutmenschen-Ideologie“. Wo ist @Privatier wenn man ihn braucht?
        oberländer, hätte ich nicht gedacht von ihnen – setzen!

        0
        • Reinhard Seevers sagt

          Der Fehler der Gutmenschendenke ist, dass man immer anderen die Verantwortung für eigenes Handeln überantwortet….dabei sind es alle Individuen, die verantwortlich sind. Der Wunsch nach Spaß, mehr Wohlstand, mehr Freiheit…..“unseren Kindern soll es mal besser gehen“ ist die Formel, die weltweit den Maßstab vorgibt.

          1
          • Obstbäuerin sagt

            Und die Bilderberger, Sorros und W. Buffet, die Atlantiker, Black Rocks und andere diverse Clubs und Player treffen sich in Davos zum Plauderstündchen, Reinhard?

            0
            • Reinhard Seevers sagt

              Nee, die treffen sich, weil sie das Kapital weiterhin vermehren wollen. Die Aufrechterhaltung des Systems…..

              0
        • Ein Privatier sagt

          @Stadtmenschliche Monade aka Leibniz-Keks

          Hier bin ich und ich habe Ihnen etwas mitgebracht … geben Sie fein Acht:

          Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kokovoren sie noch heute!

          https://www.welt.de/geschichte/article210965669/Tod-auf-Galapagos-Sex-Gier-Gewalt-machten-das-Paradies-zur-Hoelle.html

          „(…) Er wollte der ganzen Welt zeigen, dass nur die Besten die dekadente Zivilisation überleben, indem sie ihr entfliehen. Unverdorben von Luxus, Kleidung und tierischer Nahrung würden sie 140 Jahre alt werden. (…)“

          1
  6. Schmeckt gut sagt

    Danke, Bauer Fritz, für den Lesetipp. Das Gelesene bestätigt meine schon seit längerem gehegten Befürchtungen, dass die EU-Landwirtschaft bewusst geopfert werden soll. Immer größerer Kapitalbedarf durch den Zwang zur Effektivität, aber auch durch immer komplexere und sich teilweise widersprechende/kontraproduktive Auflagen, führt zu immer stärkerer Abhängigkeit. Von Geldgebern, von der Gesetzgebung, von der sogenannten „abnehmenden Hand“ =den Lebensmittelkonzernen. Das ist in der Politik bekannt, wird durchdiskutiert und dann mit dem Spruch: „auf die kleinen Bauern brauchen wir keine Rücksicht zu nehmen, das Ausland (einer der Konzerne) liefert“ abgehakt. Bin schon seit längerem sprachlos. Und wenn ich die deutschen und europäischen „Umgestaltungs-/Weltrettungspläne“ sehe, fällt mir nur ein Satz ein: mit dem vielen Geld, das damit versenkt werden wird, kann nur eine Schwächung der bäuerlichen Landwirtschaft herauskommen. Wir Bauern können die nötige Kraft für die komplexe Bürokratie nicht mehr aufbringen. Kapitalgesellschaften schon, denn es winkt als Belohnung für den Einsatz unser bäuerliches Bodenkapital. Das Fatale ist, das es genau so von der Politik vorgedacht wurde. Es kann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Danke Fritz und Danke Prof. Binswanger für die deutlichen Ausführungen. Einen wirklichen Lösungsansatz kann ich allerdings auch nicht erkennen. Eine Menge Geld bei zusätzlichen, widersprüchlichen, teils extrem einseitigen Auflagen kann nur „in die Hose“ gehen.

    6
  7. firedragon sagt

    Guten Morgen Bauer Fritz,
    danke für die Buchvorstellung, ich kenne das Buch noch nicht, werde es lesen.
    Danke auch für die eingestellten Links.

    1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.