Bauer Willi
Kommentare 17

Kampf um´s Wasser – in Deutschland!

Es geht um´s Wasser. Viel Wasser. Es geht darum, dass die Spree trockenfallen könnte. Nicht nur in Berlin, sondern auf dem gesamten Flusslauf. Und das hätte gewaltige Konsequenzen: für die Landwirtschaft, für die Touristik, für die Industrie und viele anderen Branchen.

Um was geht es ? Im Einzugsgebiet der Spree zeichnet sich ein strukturelles Wasserproblem ab. Im Braunkohletagebau abgepumptes und in die Spree eingeleitetes Grundwasser hat zu einem hohen Wasserangebot und zur Steigerung des Wasserverbrauchs von Industrie und Haushalten geführt. In der Lausitz entwässert der Braunkohlebergbau seit rund 100 Jahren die Abbaugebiete und leitet das gehobene Grundwasser in den Fluss. Wenn mit dem Ende des Braukohletagebaus auch die Tagebaupumpen abgestellt werden, führt dies zu einer Reduktion der Wassereinleitung um die Hälfte bis zu drei Vierteln der jährlichen Wassermenge, die durch die Spree fließt, in besonders trockenen Sommermonaten zum Teil bis zu 90 Prozent.

Der Wasserverbrauch der Gemeinden entlang des Flusses, des Spreewaldes und der Industrie sowie die Binnenschifffahrt haben sich über viele Jahrzehnte an die künstlich erhöhte Durchflussmenge angepasst und wären durch ein Ende der Wassereinleitungen gefährdet. Letztlich wird auch die Wasserversorgung Berlins betroffen sein, denn sie hängt zum Großteil von dem Wasser ab, das die Spree in die Stadt führt. Hydrologische Modellierungen zeigen, dass bei konstant hohem Wasserverbrauch der Spreewasserdurchfluss ohne die Einleitungen aus der Lausitz für den Verbrauch, insbesondere Berlins, nicht ausreichen könnte.

Und damit wird es eine sehr ernsthafte Diskussion, die meines Erachtens relativ spät beginnt. Denn 2030 soll ja der Braunkohleausstieg Realität werden.

Doch es gibt Lösungen, wie unter anderem Claudia Kemfert und Christian von Hirschhausen in ihrem Papier beschreiben:

https://www.diw.de/de/diw_01.c.953929.de/publikationen/wochenberichte/2025_21_1/wasserkonflikte_im_spreegebiet_durch_anpassung_der_wasserentnahmeentgelte_und_renaturierung_loesbar.html#section2

Die Vorschläge:

  • Verbesserung der regionalen Böden zur natürlichen Wasserrückhaltung
  • Die Renaturierung von Flusssauen
  • Regenwasserrückhalt in den größten Siedlungen des Spree-Einzugsgebets
  • Aufwertung der Nebenflüsse der Spree
  • Erschließung weiterer Wasserrückhalteräume, zum Beispiel die Wiedervernässung der Moore

Alle Vorschläge hätten direkte und indirekte Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Eine der wichtigsten Maßnahmen würde aber die drastische Erhöhung des Wasserpreises sein. Je nach Region und Nutzer wäre eine Preissteigerung um das Dreifache möglich.

Was viele nicht wissen: Auch im Rheinland wird es nach dem Kohleausstieg zu deutlichen Veränderungen kommen. Der Gillbach, der eine ganze fruchtbare Region in der Köln-Aacherer Bucht geprägt hat und derzeit im Schnitt 500 l Wasser in der Sekunde führt, wird nicht mehr existieren bzw. nur noch bei starken Regenfällen kurzfristig etwas Wasser führen. Bisher wurde er vom Kraftwerk Niederaußem mit Wasser versorgt. Das Pumpwasser aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler wird auch nicht mehr zur Verfügung stehen und die Erft, einen Nebenfluss des Rhein betreffen. Die Landwirte in den betroffenen Regionen machen sich Sorgen, wie es zukünftig mit dem Wasser weitergeht.

Im Bild der Gillbach bei Niedrigwasser

(Aufrufe 1.278 gesamt, 1 heute)

17 Kommentare

  1. Limes sagt

    Vor rund 100 Jahren wurde das kleine Berlin mit weniger als 2 Mio Einwohnern durch eine Neugliederung zu Groß Berlin mit 4 Mio dies entspricht dem heutigen Berlin mit ca 4 Mio Einwohner. Jährlicher Niederschlag 1920 = 566 mm, 2024 waren es 550 bis 616 mm. Also keine Veränderungen außer der moderne Berliner verbraucht wahrscheinlich mehr Wasser. 100 Jahre hat er vom Strom und Wasser vor seiner Haustür profitiert. Folgt man den Aussagen soll es doch zurück gehen zur Natur und in die Vergangenheit. Also liebe Berliner einfach den Wasserverbrauch anpassen.
    Oder ist diese ganze Geschichte wieder so eine klassische BB (Bettel Berlin) Story. Man kann den Eindruck gewinnen denn es wird wieder auch in diesem Kemfert Beitrag schwadroniert von einer „Erhöhung der Wasserentnahmeentgelte und deren Harmonisierung zwischen den Bundesländern senkt Nachfrage zwischen sechs und 16 Prozent, vor allem bei Industrie und Gewerbe“.
    Da werde ich hellhörig das ist die klassiche Melodie die in diesen Regionen immer gespielt wird wir brauchen mehr Geld von Euch. Ist man dort nicht in der Lage seine Probleme ohne fremdes Geld selber zu lösen! Woanders gibt es auch Probleme die vor Ort mit eigenem Geld gelöst werden müßen. Wann werdet ihr erwachsen und könnt für Euch selber sorgen!
    Mal ein paar Gedanken
    – Reduzierung der Einwohnerzahl, Umsiedlung in andere Regionen mit ausreichend Wasser. Nebeneffekt ihr müsst keine neuen Wohnungen bauen und die Miete sinkt das ist doch was ihr wollt
    – Verlagerung von Verwaltung z.B Ministerien in Regionen ohne Wasserprobleme. Nutzt auch dem Wohnungsmarkt
    – weniger Touristen = geringerer Wasserverbrauch. Sagt Bescheid ich kann helfen, kleiner Beitrag aber Kleinvieh spart auch Wasser
    Da ihr so gerne alles im Detail per Gesetz regelt dann mal los Zuzugsbeschränkgungen, Beschränkung Anzahl Touristen könnt ihr doch als Land auf den Weg bringen.
    frei anch einem in Berlin wirkenden Philosophen: „Das Wasser ist nicht weg sondern woanders als in Berlin“ also bewegt Euch.

    3
  2. evonik sagt

    Ich bin da ja weit ab vom Schuss, aber meine Frage wäre:

    Wenn soviel Wasser aus den Gruben abgepumpt werden muss, dann müssten die Gruben doch mit Wasser voll laufen und dann könnte man auch wieder was abpumpen.

    Gestern war die Bahnstrecke von Leipzig nach Berlin gesperrt, weil ein Zug eine ausgetrocknete Böschung in Brand gesetzt hat.

    Ein Dickerchen aus Niedersachsen hat seine Landsleute aufgefordert Wasser zu sparen:

    https://www.haz.de/der-norden/niedersachsen-gruener-umweltminister-ruft-zum-wassersparen-auf-4QKBKG2V5ZAHLKKLZA2UWJAGFM.html?outputType=valid_amp

    2
    • Thomas Bröcker sagt

      Die großen Wasserflächen haben enorme Verdunstungsraten, die sich negativ auf die Gesamtbilanz auswirken. Der hohe Anteil Trinkwassergewinnung aus dem Uferfiltrat der Spree/ Havel verstärkt das Problem weil dieses Wasser ja letztlich ziemlich direkt aus dem Fließwasser „abgezweigt“ wird. Die zunehmende Schneearmut der Mittelgebirge trägt auch ihren Anteil zum „Spreeproblem“ bei. Das ganze Bergbaufolgeproblem erfordert Länder-übergreifendes Handeln und schon da wird es wegen unterschiedlicher Interessenlagen schwierig.

      2
  3. RGB sagt

    Alles nur Panik und Angstmacherei. Wir haben genug Wasser in Deutschland…. So lange wir immer noch unser Brauchwasser nach den Kläranlagen in die Flüsse und damit in die Weltmeere schicken. Wir könnten unser geklärtes Wasser längst im natürlichen Filterkreislauf unserer Wälder versickern lassen und somit unser Grundwasser wieder ergänzen.

    19
  4. Frikadellen piet sagt

    moin persönlich bin ich gerade Verrat los aber gespannt auf gute Ideen und einen schönen Samstag

    1
  5. Reinhard Seevers sagt

    Ich frage mich, ob und warum die Altvordenden nicht daran gedacht haben, dass irgendwann die künstlich erzeugten Wassermengen zu Ende gehen könnten. Alle Generationen zuvor haben es doch zugelassen, dass sich alle aus dem schier unerschöpflichen Reservoir nach Lust und Laune bedienen konnten. Das mimimi finde ich etwas wohlfeil.

    1
  6. Jek sagt

    Guten Morgen
    Ich habe da eine Idee zum Wassersparen für Berlin und andere Großstädten und zugleich auch noch die eigene Stromerzeugung zu sichern.
    1. Toilettenspülung abschalten dafür die entstehenden Ausscheidungen im Kübel in die dann erbaute Biogasanlage bringen.
    2. Besondere Wäscheanstalten die nur einmal in der Woche in Anspruch genommen werden darf.
    3. Genau so auch Badeanstalten, weil der private Wasser Verbrauch verboten ist und deshalb die Leitungen stillgelegt sind.

    Es gibt sicher noch einiges mehr, aber für den Anfang ist das mit einem großen Einsparpotential behaftet.
    Das gute ist, das die Verwertung der menschlichen Ausscheidungen in der Biogasanlage noch einen zusätzlichen Mehrwert erzeugt.

    Ich wünsche allen schöne Pfingsten.

    16
      • Jek sagt

        Das dürfen ruhig alle Stadt, Land und Bundespolitiker wissen, aber ich wünsche mir auch das sie bei ihrem Handeln alle vor und Nachteile berücksichtigen.
        Deshalb wünsche ich mir alle Ministerien die sich überschneiden wieder zusammen gelegt werden.
        Als Beispiel Landwirtschaft, Umwelt und Wirtschaft im allgemeinen, da gibt es so viel Streitpunkte die können nur beigelegt werden wenn ein einziger Minister dafür verantwortlich ist.
        Wir brauchen aber auch genau deswegen eine Politiker Haftung ohne Ausschluss ( Verantwortung Übernahme der Politiker)

        9
  7. schmeckt gut sagt

    Es kommt, wie es immer kommt in D. Durch eine fehlende Folgenabschätzung folgt dann eine Katastrophe dem nächsten Chaos. Und die vielen selbsternannten „Experten“ haben „Supervorschläge“, die nur niemand umsetzen kann, weil zu wenig menpower, Infrastruktur, Ressourcen, Umsetzungswillen und letztendlich Geld zur Verfügung steht. Aber groß „Rumschreien“ funktioniert. Armes Deutschland. Jagt diese Leute am besten aus dem Land. Und die „Ideengeber“ dazu.

    10
    • Stadtmensch sagt

      Die Politik ist so schlecht, weil das Wahlvolk von einer neoliberalen Politik auf „Egistischer Nutzenmaximierer“ getrimmt wurde: ichichich!

      Deshalb habe ich schon vor Jahrzehnten eine riesige Regenwasserzisterne verbuddelt und Prepper-Wasserfilter gehortet. Wenn der Kubikmeter Trinkwasser demnächst zum Luxus wird, weil ein marktradikaler Schwarzblauer Block die Wasserwerke überall privatisiert haben wird und weiter eine verantwortungslose Politik betreibt, die alle Ressourcen in die Vorbereitung von WK3 steckt, dann werde ich die ebenfalls bereit liegenden Pläne für ein Trocken-Trenn- Kackhaus realisieren und meine Gartenböden „aufwerten“.

      Naja, ich werde das wohl auch ohne Katastrophe machen. Armes Deutschland, was für Pfeifen!

      5
      • Reinhard Seevers sagt

        „Wenn der Kubikmeter Trinkwasser demnächst zum Luxus wird, weil ein marktradikaler Schwarzblauer Block die Wasserwerke überall privatisiert haben wird.“

        Gibt es dafür irgendeinen Beleg? Großbritannien und Chile sind komplett privatisiert…..Deutschland soweit ich weiß nur in begrenzter Form bei einigen Stadtwerken.

        3
        • Stadtmensch sagt

          Dlf, Reihe „130 Liter“, Folge 3.
          Sichere Renditen für das „arbeitende Geld“ der Anleger. So wichtig!
          Lasst uns dieses Ding Demokratie nennen! Das klingt so nett…

          2
        • Inga sagt

          Ja,

          da müssen wir aufpassen,
          wir können nicht einfach alles mit uns machen lassen.

          Wasser ist Allgemeingut.

          steht das nicht auch im Grundgesetz?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert