20 Kommentare

  1. Die Behauptung der Frau Dr. Hartig in diesem Beitrag, es gäbe keine andere Lösung als ihre gebotene, würde doch folgendes bedeuten:

    (Ich versuche es mal zu übersetzten.)

    – Der (-das soll heißen jeder-) Verbraucher will billig – basta
    – Es ist dem Verbraucher egal, was und in welcher Qualität er und seine Kinder essen
    – Der Verbraucher interessiert sich nicht für die Produktionswege
    – Tierwohl ist dem Verbraucher egal
    – Der Verbraucher ist in seiner Einstellung nicht mehr zu ändern. (Was ein Glück, dass wir nicht mehr in der Höhle leben, das würde jetzt so bleiben)
    – Es darf nicht zu viel kritisiert werden, an diesen bisherigen Initiativen zum Tierwohl, auch wenn der Verbraucher nicht weiß wofür er zahlt und in welche Tasche sein Geld fließt
    – Per „Ordere de Mufti“ m u s s der Verbraucher h e r a n g e z o g e n werden, er kapiert ´s ja eh nicht
    – Ein paar Cent davon werden dem Landwirt zugeteilt. Motto: „Macht mal irgendwas draus.“ Mehr gibt es nicht, denn Überzeugungen oder andere Interessen, als die der Massenproduktion, sind sowieso nirgends zu finden

    Habe ich hier etwas missverstanden, oder ist sie noch da, die „gute alte DDR“?

    Um diesen „Feuerwerk an Kreativität mir sozialistischem Charme“ und der etwas schwerfällig verengten Sichtweise Rechnung zu tragen, möchte ich den vermutlich zu schlecht bezahlten Mitarbeitern des Ministeriums sehr gerne etwas unter die Arme greifen.

    Was Politik tun kann:

    Einführung als Schulfach:
    Aufklärung zur gesunden Ernährung und Qualitätsbeurteilung von Lebensmittel

    Eventuell im Schulfach erweitert:
    Ethik in Tierzucht und Tierhaltung

    Erweiterungen im Schulfach:
    Zur Geographie auch ökologische und ökonomische Zusammenhänge einer globalen industriellen Landwirtschaft und ihrer Auswirkungen

    Aufklärungskampagnen mit TV-Spots* und Informationen im Internet:
    Wie erkenne ich welche Qualität bei Lebensmitteln?
    Beispiel: „Billiges Fleisch ist meist teures Fleisch, weil Sie eingespritztes Salzwasser kaufen.“ (Ein Verbot dieser groben Täuschung wäre auch nicht schlecht.)

    *Anmerkung: Beim Problem des „Komasaufens“ hatten solche Kampagnen bei den seit Jahrtausenden als unbelehrbar geltenden Jugendlichen sehr schnell Wirkung gezeigt.

    Einführungen oder Erhöhungen von Mindeststandards für das Tierwohl, welche diese Bezeichnung verdienen und für alle gelten, damit nicht der anständige Bauer der dumme Bauer ist.

    Das staatliche Tierwohlsiegel hat von den Verpackungen zu verschwinden, weil nach UWG nicht mit gesetzlichen Vorschriften und Standards irreführend geworben werden darf.

    Geordnete und leicht nachvollziehbare Herstellungsgruppierungen mit transparenter Kennzeichnungspflicht. Jedes Kalb hat zum Beispiel schon eine Ohrmarke. Es ist sicher kein Problem ein über Internet jederzeit zugängliches Nachverfolgungssystem der verpackten Ware begleitend bereit zu stellen.

    Verlorene Zuschüsse in ausreichender Höhe für gezielte notwendige Maßnahmen zur Sicherstellung des Tierwohls. Nebenbei sinkt der Druck der Massenproduktion. Wo weniger abgeschrieben werden muss, braucht es weniger Fixkostendegression.

    Konsequente Kontrollen, nicht jedoch durch Formularbürokratie, denn das hatte schon in der Pflege nicht funktioniert. Besser sind unangemeldete Stichproben mit ständig wechselnden Prüfern.

    Unbeabsichtigte Verstöße mit Schulungen belegen, erkennbar beabsichtigte Verstöße, besonders aus Motiven der Gewinnsteigerungen, konsequent bestrafen. Hier sind die Strafen oder Maßnahmen an der Größe des Betriebes zu messen und auf Wirkung auszulegen. Strafzahlungen dürfen kein stetes Kalkulationselement zum betriebswirtschaftlichen Vorteil werden.

    Verstärkter Zugang der Landwirte auch zu anderen Handelskammern. Hier kann das längst vorhandene Wissen und Können aus der „freien Wirtschaft“ angezapft werden, um innovative Ideen und fortschrittliche Marktstrukturen schnellstens zu fördern. Die Vermittlung von Know-How zur richtigen Durchsetzung der Preise mit angemessenem Gewinnzuschlag soll gestärkt werden. – Auch die Suche nach Partnern oder Kapitalgebern könnte hier möglich sein.

    Der Staat und die Bauernverbände bekommen mal echte Konkurrenz aus einer völlig anderen Praxis. Das belebt bekanntlich das Geschäft.

    Offenlegungspflicht für Beratungsvereinigungen und Verbänden darüber, wer dort welche „Spenden- oder sonstige Leistungen“ eingebracht hat.

    Stärkeren gesetzlichen Schutz der Landwirtschaft vor zu starker Kapital- bzw. Marktkonzentration mit einer monopolistischen oder oligopolistischen Nachfragemacht, zum Beispiel durch die Kartellbehörde.

    Restriktive Zulassung von Betrieben mit fabrikähnlicher Tierhaltung und unangemessener Umweltbelastung durch klare Gesetzgebung des Bundes(!).

    Diese Liste könnte man sicher fortsetzen, jedoch möchte ich die Mitarbeiter des Ministeriums nicht gleich überfordern.

    Vielleicht bekomme ich wieder die Abfertigung, „…keine Kenntnis der Sachzwänge…“ – Ein Argument, welches ich in der „freien Wirtschaft“ sehr selten höre. Dort ist man Ziel- und Lösungsorientiert.

    Mein Tipp an alle Landwirte, die nicht mehr am Strand sitzen wollen, um zu warten, bis das Meer austrocknet:

    Vernetzen Sie sich, stellen Sie die richtigen Forderungen an die Politik und werden Sie sprichwörtlich selbstständig. Verbünden Sie sich zu Ihrer ganz eigenen Macht. Auf eine „fantasievolle“ Politik warten Sie vermutlich vergebens.

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  2. Friedrich sagt

    @ D.Feldhinkel. Ich habe mein eigenes betriebsw. und Tierwohlprogramm gemacht was den Tieren wirklich und mir geldlich hilft. Also 15 % mehr Fläche je Mastplatz. DIN + 30% mehr Luftdurchgang, LED-Lampen und Lüftungssteuerungstechnik haben mir die Futterverwertung auf unter 1 : 2,5 gebracht. Kostenverbesserung von der Ferkelprod. bis zur Mast 14 Euro/Mastschwein , also rd. 15 ct/kg. —- Wenn ich mir die Vorgaben vom Tierwohllabel ansehe ist da viel Blödsinn fürs Tier enthalten. Z.B. die Fensterfläche bei Sonneneinstrahlung wissen die Tiere garnicht wohin um aus dem Licht zukommen. Habe mit Fliegengase die Fensterflächen dunkler gemacht und die Tiere habens mir mit ausgestrecketen Körpern statt Haufenlage gedankt. Also viel dummes Zeug was sich unsere ahnungslosen ideologischen Gesetzgeber da so ausdenken. Das hilft wohl dem Menschen , wenn er in den Stall schaut , aber nicht immer unbedingt den Tieren im täglichen Leben. Habe von Strohhaltung mit Auslauf bis heute zum voll perforrierten Boden alles durch . Mit jeder Umstellung im Laufe der Jahre in Richtung vollpervorrierten Boden ging es den Tieren immer besser. Gedankt haben das die Tiere mit immer besserer Gesundheit und Leistungen. Von der erheblich verbesserten Klimabilanz von über 40% ganz zu schweigen. Hier gilt es abzuwägen zwischen dem sogen. Tierwohllabel und Klima ?? Ich meine beides gut vereinbart zu haben.

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    • Hallo Friedrich,

      das wirkt auf mich sehr durchdacht und kompetent. Das heißt, so kann man mich und sicher andere auch überzeugen! Es ist der Beweis, dass mehr geht, wenn Verstand anstatt Ideologie herrscht.

      Wenn solche Botschaften richtig präsentiert werden, dann bin ich ich der festen Überzeugung, dass Verbraucher schrittweise Umdenken werden. (-Sicher noch ein großes Thema.)

      Ich finde es sehr gut, dass Sie diesen Blick mit diesen Erklärungen nach innen zugelassen haben.

      Vielen Dank!

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  3. Andy sagt

    Der Erzeugerpreis beim Schwein liegt aktuell bei 1,60 bis 1,80€/KG. Da lag er ungefähr vor 10 Jahren auch. Innerhalb der letzten 10 Jahren hat sich aber auf der Kostenseite dafür einiges bewegt. Löhne, Futter, Technik, Strom, Wasser, Tierarzt, etc. alles teurer…

    Trotzdem, behaupte ich jetzt einfach mal, ist der Landwirt generell und naturgemäß bestrebt, dass es seinen Tieren gut geht und die Haltungsbedingungen tiergerecht sind, so gut es halt geht und es wirtschaftlich vertretbar ist.

    Für kleinere oder mittlere Schweinemastbetriebe ist es aber schon lange nicht mehr wirtschaftlich vertretbar. Ergo: Bäuerlichen Betriebe ziehen sich mehr und mehr aus der Schweinemast zurück und überlassen das Feld der „industriellen“ Schweinehaltung. Ob das im Interesse des Verbraucher ist? Wohl eher nicht.

    In den letzten sechs Monaten haben 700 Landwirte sich aus der Schweinehaltung zurück gezogen und es werden fast täglich mehr… https://www.agriworld.de/agrar-nachrichten/artikel/tier/700-betriebe-gaben-seit-november-ihre-schweinehaltung-auf-351.html

    Wir sind in der Landwirtschaft nicht auf dem richtigen Weg, laufen einer gesteuerten öffentlichen Meinung hinterher, haben es mit verunsicherten Verbrauchern zu tun und der faktische Preisverfall bei Lebensmittel tut sein Übriges. Bin gespannt, wo das alles hinführt?

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    • Ich denke, Sie sagen das, was sich viele Landwirte inzwischen denken und sich nicht immer trauen auszusprechen. Danke für diese Offenheit!

      Es ist für mich gut vorstellbar, dass besonders junge gut ausgebildete Landwirte die Kraft finden können, aus diesem verderblichen Fahrwasser auszubrechen. Sogar junge Frauen oder auch Männer aus branchenfremder Familienherkunft haben oft sehr gute
      Prüfungsergebnisse. Das habe ich mir sagen lassen, von Bauern, die prüfen. – Also eine Chance für frischen Wind.

      Sicher zählt auch Erfahrung, keine Frage, jedoch kann man nicht alles beim Alten lassen, während sich das Umfeld immer schneller bewegt.

      Der Anspruch, besonders des Managements und der Beschäftigung mit der Vermarktung und des Vertriebs, wird dauerhaft steigen.

      Landwirte müssen auch hier „das Gehen lernen, anstatt Krücken anzunehmen“.

      Wenn Sie nicht Ihre Interessen, wie Preisdurchsetzung und Lieferbedingungen kompetent vertreten, werden andere Ihnen diesen Raum wortlos abnehmen. Wohin das in der Vergangenheit geführt hat, haben Sie völlig richtig analysiert.

      Meine Idee wäre, dass sich Landwirte wie Sie sich zusammenfinden und vernetzen.
      Daraus nicht nur Initiativen, sondern Innovationen entwickeln. Außerhalb der bekannten Fahrwasser ist das erst einmal unbequem.

      Ich würde jedoch einschätzen wollen, dass von verschiedenen Seiten mehr Unterstützung kommt, als Sie glauben. Das sehe ich oft in diesem Blog.

      Weder alle Verbraucher noch alle Landwirte sollten sich politisch als unbelehrbare Hohlköpfe abqualifizieren lassen, die eine „äußerst seltsame Fremdsteuerung“ brauchen, weil es nicht anders ginge.

      Meine Unterstützung haben Sie jedenfalls!

      „Das Außerordentliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichen Wege.“
      Johann Wolfgang von Goethe

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  4. In meinen Augen machen sich Bauern unglaubwürdig, wenn sie das Tierwohl dem Verbraucher und/oder der Politik überlassen. Weder Verbraucher noch Politik sind vor Ort in einem Stall.

    Ein Chirurg verlässt sich auch nicht auf die Ratschläge, die ihm Otto-Normalverbraucher gibt. Ein Pilot steuert ein Flugzeug nicht nach den Vorgaben seiner Fluggäste. Und das aus dem einfachen Grund, weil Otto-Normalverbraucher und Fluggäste sich nicht auskennen. Wenn ein Fachmann also auf jemanden hört, der sich nicht auskennt, ist das in meinen Augen absolut kein gutes Zeichen.

    Ebenso wie ich mir einen Chirurgen wünsche, der sein Handwerk versteht, wünsche ich mir einen Bauern, der sein Handwerk versteht. Zu diesem Handwerk gehört meiner Ansicht nach auch das Tierwohl.

    Tierwohl statt Fleisch zu verkaufen, hat in meinen Augen was von Korruption. Und das stärkt nicht mein Vertrauen in den Bauernstand. Sorry.

    6+
    • bauerhans sagt

      „In meinen Augen machen sich Bauern unglaubwürdig, wenn sie das Tierwohl dem Verbraucher und/oder der Politik überlassen.“

      den bauern wurde das „aufgedrückt“,nicht vom verbraucher oder von der politik,sondern vom bauernverband und leh.

      4+
      • Diese Antwort erweckt bei mir als Nicht-Bauer unweigerlich die Vorstellung, dass Bauern fremdgesteuert sind und weder einen eigenen Willen noch ein eigenes Gewissen haben.

        Alois hat mal das Ergebnis der Millendorfer Studie zitiert, wonach Bäuerlichkeit eine Geisteshaltung ist, die kreativ und bodenständig nach Selbständigkeit und nachhaltigem Ertrag strebt. Das ist jedoch das Gegenteil von Fremdsteuerung.

        Für mich steht der Bauer für das, was diese Millendorfer Studie besagt. Ich wünsche mir solche Bauern und ich möchte meine Lebensmitteln bei integren Typen kaufen, die nach ihrem eigenen Wissen und Gewissen handeln. Da ist es mir egal, ob das nun konventionell oder Bio ist. Und ja, es gibt sie tatsächlich, diese Sorte Bauern. Ich kenne sogar ein paar davon.

        Ich glaube, dass ihr Bauern euch bloß selber schadet, wenn ihr euch beliebig von wem auch immer was „aufdrücken“ lasst. Zuerst lasst ihr euch die Massentierhaltung aufdrücken, dann das Tierwohl und was als nächstes?

        4+
        • Ich denke, das bringt es genau auf den Punkt. Und ja, auch ich kenne Bauern, die sehr reflektiert diese Einflüsterungen „von oben“ kritisch sehen, weil sie sich über sichtbare Entwicklungen Gedanken machen, anstatt mit Schuldzuweisungen Verantwortungen wegzuschieben und damit Untätigkeit zu legitimieren.

          Genau diese genannten Widersprüchlichkeiten sehe ich auch. Diese werden besonders durch den Bauernverband in den Medien transportiert. Selbst beim Bericht des DBV 2015/2016 stehen mir schon in der Art der Ausführung die Haare zu Berge. Lapidar wird festgestellt, dass die Wachstumsschwelle stetig nach oben steigt. Alles gut? Warum sehe ich dann TV-Dokumentationen mit dem Titel „Bauernopfer“? Wo ein Opfer sein soll, muss da auch nicht ein Täter sein?

          Durch Wachstumspolitik gezieltes Aussterben von traditioneller Bäuerlichkeit
          anzukurbeln und dann die Traditionsfahne hoch zu hissen – wie passt das zusammen?

          Da ist es doch praktisch, wenn Bauern wütend auf die „schuldigen Verbraucher“ sind. Wer richtig wütend ist, der kann wenigstens nicht mehr denken und muss das anderen überlassen.

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      • Hallo Bauerhans

        Es ist völlig richtig und legitim darauf hinzuweisen. Es entspricht auch meiner Wahrnehmung. Doch eine wichtige Frage bleibt: Warum scheint der Bauernverband gerade in diesen Dingen weiterhin langfristig kontraproduktiv zu agieren, gegen die richtigen Erkenntnisse, die zum Beispiel bei Dir da sind? Hat der Bauernverband etwas mit Bauern zu tun?

        Andersrum gefragt, gab es eine Zeit in denen Bauern wirklich mal zufrieden sein konnten? – Trotz Förderungen? Das meine ich nicht zynisch, sondern denke daran, dass kurzfristige „Erfolge“ durch Förderungen absehbar verpufft sind.

        Nach dem Imperativ „wachse“ kommt immer mehr „weiche“. Ein seelenloses Konzept gerade gegen Landwirte. Wenn jetzt die Einschläge näher kommen, werden solche Placebos nicht mehr viel helfen. Das haben zum Beispiel viele Milchbauern inzwischen erleben dürfen.

        Gibt es unter Bauern nicht mehr, die so denken wie Du? Wo finden wir die?

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      • Inga sagt

        Ja schon Bauerhans,

        aber dann macht der Bauer diese Mühe (oder Dienstleistung?)
        wieder für einen Nullinger, oder?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Marian, da sagst Du etwas sehr Wahres. Wer zu seiner Verantwortung steht, der sucht nicht Schuldige. Wenn ich mich aber umschaue, was die Bauernorganisationen so machen, dann läuft es immer nach demselben Muster ab. Die Bauernorganisationen wollen ihren Mitgliedern nicht weh tun. Darum sagen sie ihnen nicht unbedingt die Wahrheit. Sondern es werden Schuldige benannt und mit diesen fechten sie Schaukämpfe aus, also mit Politik, Medien, LEH usw. Das Ergebnis sind dann meist „Show-Ergebnisse“ , die aber den Mitgliedern als großartige Erfolge verkauft werden. Am beliebtesten sind dabei die Subventionen oder Ähnliches, was zwar den Bauern eine riesige Bürokratie einbrockt, aber für alle anderen am bequemsten sind. Und natürlich haben die „Herrschenden“ das „Suchtpotential“ der Subventionen längst erkannt, mit dem sich das „Bauernclientel“ wunderbar steuern lässt.
      Weil es dieses Handlungsmuster nun schon Jahrzehnte gibt und es als „richtig und nützlich“ erlebt wurde, hat es sich im Selbstbild der Bauern verinnerlicht. Das Resultat ist die Opferhaltung, die immmer mehr zur Resignation wird. Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, wie man diese „Negativspirale“ als Berufsstand durchbrechen kann. Denn Hilfe von außen ist fast unmöglich. Wie helfen? Es gab schon tausende Appelle, dass der Landwirt doch eigentlich Unternehmer ist. „Sonst würde er ein Unterlasser sein…“, sinniert schon vor 20 Jahren Gerd Sonnleitner. Aber solche Appelle verpuffen im Nichts, weil es keinen Sinn macht einen Hund zum jagen zu tragen. Die Wahrheit ist, es gibt DIE Bauern nicht, sondern nur DEN einzelnen Bauer, der seine Verantwortung für sein Tun und seinen Betrieb erkennt und entsprechend handelt.

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      • Hallo Alois

        Ich denke, Ihr habt das Ganze richtig analysiert. In dem Beitrag der Frau Dr. Hartwig kann ich an dieser Stelle nicht erkennen, dass hier seriös mit nachvollziehbaren akzeptablen, weil neutralen Studien Fakten zu erkennen sind.

        Kein seriöser Ökonom würde auf die Idee kommen “ d e n Verbraucher“ als eine solche homogene Gruppe zu definieren und aus solchen monokausalen Annahmen Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine solche Verengung der Betrachtung habe ich selten erlebt.

        Leider habe ich gleich einen wichtigen Termin, aber wenn ich es schaffe, dann kommentiere ich diesen Beitrag insgesamt noch mal analytisch.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      >>Ein Chirurg verlässt sich auch nicht auf die Ratschläge, die ihm Otto-Normalverbraucher gibt. Ein Pilot steuert ein Flugzeug nicht nach den Vorgaben seiner Fluggäste. Und das aus dem einfachen Grund, weil Otto-Normalverbraucher und Fluggäste sich nicht auskennen. Wenn ein Fachmann also auf jemanden hört, der sich nicht auskennt, ist das in meinen Augen absolut kein gutes Zeichen.<<

      Der Chirurg greift gerne zum Skalpell, weil eine OP wesentlich mehr Geld für das Krankenhaus einbringt, wie eine konventionell Therapie.

      http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gelenkschmerzen/therapie/ohne-grund-unters-messer-ueberfluessige-operationen-nehmen-sie-sich-in-acht-wenn-ihr-arzt-zu-diesen-eingriffen-raet_id_4916526.html

      Und sie meinen, dass der Bauer für mehr Tierwohl umsonst Arbeiten soll, anders sind ihre Beiträge nicht zu verstehen.

      Tierhaltende Bauern verstehen ihr Handwerk, besser als sie und ich, weil wir beide etwas gemeinsames haben, nämlich keine Nutztierhaltung.

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      • Hier fliegt leider einiges durcheinander. Dass ein Fachmann die Linie zieht, was sinnvoll ist und was nicht, dürfte klar sein. Das heißt jedoch nicht, dass der Fachmann sein Fachwissen und Können immer so einsetzt, wie er sollte.

        Das kommt dadurch, dass auch ein Fachmann unter gefährlichen Einflüssen stehen kann. Damit sind wir beim Punkt.

        Reden wir über Fachleute, die Lösungen entwickeln oder über Fachleute die nur Vorgaben gut umsetzen können.

        Wenn Vorgaben trotz „vor denkender Fachleute“ nicht funktionieren, sollten die Fachleute, die von der Praxis etwas verstehen ermuntert werden, selber zu „Problemlösern“ zu werden.

        Im praktischen Falle heißt das, Tierwohl seriös zu kalkulieren, an die Tür der nächsten Vertretung des Bauernverbandes zu klopfen und mit den Leuten dort Tacheles zu reden. Wenn man dort auf taube Ohren stößt, sollte man in den regionalen Verbänden mal im Vorstand für frischen Austausch sorgen. Vielleicht kommt das auch mal oben an.

        Wenn Sie sich als Betroffener in Ihren Interessenvertretungen nicht engagieren, dürfen Sie sich über solche Ergebnisse nicht wundern.

        „Die Autorität des Lehrers schadet oft denen, die lernen wollen.“
        Marcus Tullius Cicero

        1+
      • Wenn ein Schweinebauer sagt, dass die Schweine keinen Riesenauslauf brauchen, weil sie lieber auf einem Haufen liegen, bin ich durchaus bereit, das zu glauben. Wenn er erzählt, dass die Schweine nicht spielen, sondern fressen wollen, glaube ich das auch. Ich weiß auch, dass Bilder und Filme nicht die Wirklichkeit spiegeln, weil sie a) häufig manipulativ sind und b) die Bilder oft was Falsches transportieren. Wenn man eine Geburt als Film sieht, erscheint sie grausam und wenn man gegen Grausamkeit ist, müsste man die Geburt abschaffen. Wenn man dabei ist, ist es jedoch ganz was anderes. Von daher kann ich mir durchaus vorstellen, dass die moderne Massentierhaltung vielleicht so schlecht gar nicht ist.

        Wenn derselbe Bauer dann aber hergeht und Tierwohl (also einen größeren Auslauf oder Spielzeug) als Extra verkauft, dann bin ich irritiert und fühle mich betrogen. Weil ich dann logischerweise denken muss, was der Bauer mir zuerst erzählt hat, stimmt nicht. Bei dem, was er mir erzählt hat, geht es nicht um die wahren Bedürfnisse des Schweins, sondern um eine kümmerliche Rechtfertigung.

        Damit wird die Glaubwürdigkeit und die Autorität, die ein Bauer aufgrund seines Fachwissens hat, preisgegeben. Und damit schießt ihr euch selber ins Knie.

        Wenn Tierwohl jetzt als Produkt verkauft wird, gibt der Bauer damit nämlich zu, dass er die Tiere in der Vergangenheit schlecht behandelt und zudem gelogen hat. Versteht mich nicht falsch. Es geht mir nur darum zu spiegeln, welchen Eindruck diese Tierwohl-Geschichte auf mich macht.

        4+
        • Wie der Beitrag zeigt, wird genau diese unglaubwürdige Widersprüchlichkeit mit einem staatlichen Label sprichwörtlich besiegelt.

          Wenn dann (erwartungsgemäß) Bauern und Verbraucher quer stehen, fühlen sich die aus Staatskasse gut bezahlten Akademiker wieder mal bestätigt: „Landwirte und Verbraucher sind unbelehrbare Hohlköpfe“.

          Nichts lässt sich angeblich lösen. – Also reichen Symbolpolitik und Placebos und Legitimation überalterter mächtiger Vertriebssysteme.

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  5. Friedrich sagt

    Ich habe mich gegen diese Aktion entschieden , weil ich rd 8 ct/kg höhere Kosten gehabt hätte. Die Entscheidung hat mir Recht gegeben , da nur wenige Betriebe genommen wurden . Auch die zusätzlichen Kontrollen und Dokumentation wollte ich nicht mehr , da ich schon mind. 3 Kontrollen/Jahr habe. Ich habe lieber das Geld in die Energieeinsparung in den Ställen gesteckt und damit bei weniger Investition mehr erreicht. Diese Initiative ist doch nur ein Feigenblatt für Politik und LEH. Die Schweinehalter haben doch die Schnauze voll von dieser ewigen Gängelei und hören massenweise auf. Auch bei mir steht das Datum des Ausstiegs schon fest.

    3+
    • Betriebswirtschaftlich haben Sie nach meiner Meinung die richtige Konsequenz an den Tag gelegt, auch wenn es sicher hart ist. Mit einem Marktaustritt haben Sie sogar einen Beitrag bzw. einer möglichen Chance zur Preisstabilität gesorgt.

      Ihre Einschätzung teile ich, dass es sich um ein unbeholfeness Feigenblatt handelt. Das bringt Frau Dr, Hartwig in ihren Aussagen selbts genügend zum Ausdruck. Konzepte müssen ganzheitlich erarbeitet werden und auf ihre Wirkung überprüft werden. Mein Eindruck ist, dass es sich hierbei um ein politisches Flickwerk mit Alibifunktion handelt.

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  6. bauerhans sagt

    initiative tierwohl bedeuted,der landwirt hat höhere kosten für die umrüstung der ställe und die haltung der tiere,bekommt aber nur 4 ct. mehr d.h. er legt geld zu!
    was viel gravierender ist,ist die tatsache,dass sich mehr betriebe gemeldet haben,als aufgenommen werden können.
    solange der verbraucher billig und gut einkaufen kann,wird eine initiative tierwohl keine grosse rolle spielen.

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