Bauer Willi
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Individuellen Umweltschutz…

…könnte man praktizieren, wenn wir alle weniger fliegen würden. In der Grafik die Entwicklung der Flugkilometer der Deutschen in den letzten 24 Jahren. Eine Trendumkehr ist nicht erkennbar.

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/TransportVerkehr/Personenverkehr/Tabellen/Flugpassagiere.html

Prognosen gehen vielmehr davon aus, dass der Co2- Ausstoß durch Luftverkehr bis 2030 um über 50% zunehmen wird.

https://www.forschungsinformationssystem.de/servlet/is/275104/

Und das sind nur die Zahlen für Deutschland. Der Trend zu immer mehr Flugreisen gilt auch für andere Länder und Kontinente. Was mit dem Kerosin passiert, dass direkt aus dem Flugzeugtank in die Luft abgelassen wird (bei Notfällen), kann man hier nachlesen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/treibstoffschnellablass-das-passiert-wenn-kerosin-in-die-luft-gesprueht-wird-a-1167461.html

Bevor wir uns also über methan-rülpsende Kühe, Insektensterben oder ähnliche “Vergehen” der Landwirtschaft allzu schnell aufregen, vielleicht mal nachdenken, wie sich unser eigenes Verhalten auswirkt.

Ich habe darüber nachgedacht, als ich in der letzten Woche nach Linz geflogen bin. Das war  nicht in den Kurzurlaub…

Euer Bauer Willi

 

 

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59 Kommentare

  1. Paulus sagt

    Was den kommerziellen Bereich betrifft kann auf Flugverkehr nicht verzichtet werden.
    Ich war Vielflieger und hätte mir das allein aufgrund meiner Körpergröße weiß Gott gerne erspart. Da gab es auch schon Konferenzschaltungen, deren Nutzung sich aus bestimmten Gründen allerdings verbietet. In sensiblen Bereichen sind solche Videokonferenzen bis heute undenkbar. Also fliegen ganze Heerscharen auf Kurz- Mittel- und Langstrecken mit einem gewissen Sinn und Zweck hin und her.
    Die Bahnen emittieren auch und müssten ihren Betrieb europaweit ohne Kohle- und AKW-Strom schlicht einstellen. Mit volatiler Energie bekommt man verlässlich weder einen Thalys (TGV) von Köln nach Paris noch einen ICE von Köln nach FFM.

    Wer seiner Liebsten einen Strauß Rosen schenkt, sollte wissen, dass diese mit großer Wahrscheinlichkeit per Luftfracht von NBO (Nairobi) nach FRA oder CGN transportiert wurden. Man sollte auch z.B. Avocados und etliche weitere frische Erzeugnisse aus Übersee aufführen, da läuft so einiges per Luftfracht. Ich fürchte, dass sich so manche
    Verbraucher beklagen würden wenn diese Produkte nicht mehr erhältlich sind. Allen voran wahrscheinlich diese überaus gutgenährte Frau Claudia Roth nebst Konsorten, mit dickem Meilenkonto wohlgemerkt.

    Ich selbst war noch nie auf Mallorca und habe auch nicht die Absicht dort hinzufliegen. Angesichts der günstigen Angebote kann ich aber niemand verdenken wenn solche Reisen präferiert werden; zumindest halte ich es nicht für unanständig.
    Ein Wochenende an der deutschen Nordsee ist nun mal ungleich teurer als 14 Tage auf dieser Proleteninsel.

    Und jetzt können wir das nächste Fass aufmachen: das betrifft die Grenzdebilen, die sich gemeinsam mit 6.500 Artgenossen auf eine schwimmende Legebatterie begeben – freiwillig wohlgemerkt! Was meint ihr welche Anstrengungen erforderlich sind, damit die nicht in ihrer eigenen Scheiße umkommen?
    Über 6.500 Hühner oder die gleiche Anzahl an Schweinen, was ja auch schon eine ordentliche Hausnummer ist, regt man sich indes gerne auf. Mir fehlen jetzt die Relationen bezüglich Anzahl der Individuen/Flächengröße/Emissionen, etc., ich arbeite aber daran und werde es zu gegebener Zeit Bauer Willi zu Verfügung stellen.

    Es bringt nicht viel bestimmte Emittenten hervorzuheben oder anzuprangern, ohne diese anderen gegenüberzustellen und auf deren wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung einzugehen. Derartige Diskussionen enden im Nirwana und erinnern mich fatal an diese unsäglich dummen Talkshows im Fernsehen.

  2. Friedrich sagt

    @ Stef. Können wir was ändern. Genau richtig , aber warum schlägt man immer auf die Bauern ein. Wir haben unsere Klimabilanz um fast 40% verbesssert. Dazu kommt noch unsere grüne Energieproduktion. Die Rindviehbestände haben sich um über 50% verringert, die Biogasanlagen verbrennen Methangase , also alles gute für die Umwelt , oder ? Mit der Düngeverordnung sind auch die Nitratwerte auf einem guten Weg. Für die Biodiversität muß erst einmal geforscht werden. Die Aussagen von heute beruhen auf Spekulationen. Also wir Bauern tun was und sind auf einem guten Weg, aber was machen die Anderen , die immer nur fordern , aber nichts tun ? Der Flugverkehr und der Autoverkehr sind nur Beispiele für Nichtstun. Auch die Wohnnungsheizung sollte mal analysiert werden. Jeder sollte mal seine eigene CO2-Bilanz aufstellen und verbessern und nicht immer auf die anderen zeigen.

  3. Fragt sich, warum alljährlich so viele Menschen auf der Flucht vor dem Leben daheim sind. Flugzeuge, metallene Zäpfchen, mit starren Flügeln. Bereits eingeführt in die moderne Zivilisation, vor einhundert Jahren. In der zunehmend energieräuberischen Hoffnung, die schmerzenden Symptome des Fortschritts in den Griff zu bekommen. Oder aber, um systemischen Erkrankungen, deren Botschafter sie sind, entfliehen zu können. Horaz, einer der römischen Dichter, sprach es bereits vor ein paar Jahrtausenden aus, ohne sich der weitreichenden Möglichkeiten heutigen Fliegens bewusst gewesen zu sein:

    Was suchen wir andere Länder unter anderer Sonne ?
    Entkommt, wer sein Land hinter sich lässt, sich selber ?

    Kein Wunder, dass der private Flugverkehr global weiter zunimmt … und Menschen fern der Heimat gerne zu Büchern greifen, um in der Ferne, fern der Heimat, auch der Ferne in andere, fiktive Gefilde zu entfliehen.

  4. Ina Müller sagt

    Mehr Ehrlichkeit bei der Klimadiskussion tut Not. Warum aber soll ich den Treibhausgasausstoß fossiler Quellen (Kerosin) mit dem regenerativer Quellen (Biomasseerzeugung, Fütterung) vergleichen? Land- und Forstwirtschaft sind m.W. die einzigen Branchen, die alle Branchen aufgrund ihres positiven C02-Saldos entlasten. Oder habe ich hier irgendetwas fachlich falsch verstanden?

  5. Friedrich sagt

    Wenn ich das alles so lese , dann kommt da eine vervierfachung der Flüge seit 1990 in Europa raus. Das sind 3/4 aller Weltflüge und bis 2025 soll sich das hier noch verdoppeln. In sechs Jahren sollen 3560 Tonnen Kerosin aus Notfällen abgelassen worden sein. Soweit ich gehört habe , verbraucht ein Flugzeug je Kilometer und Passagier 2 – 4 ltr./100 km. Alles heiße Zahlen , aber regt sich von unseren Umweltschützern einer auf ? Nein , denn die GRÜNEN –
    Leute fliegen am meisten. Diese verlogene Bande predigt Wasser und trinkt Wein. Mit solchen ökopopulistischen Gutmenschen ist kein Staat zu machen. Würde mich auch nicht wundern , wenn diese Leute auch bei den Schiffskreuzfahrten die Sieger sind , also alles Gute für die Umweltvernichtung machen. Zu Hause angekommen schlagen sie dann wieder , entsprechend ihrer Ideologie, auf die Bauern ein. Verlogen ist noch milde ausgedrückt.

  6. Stef sagt

    Ach, als wenn es so einfach wäre… Fliegen und CO2-Ausstoss versus Landwirtschaft und Insektensterben – ist das der Vergleich? Das klingt für mich nach Äpfel und Birnen.
    Wir leben in einer Zeit in der der Mensch in seiner (Um)Welt tiefgreifende Veränderungen verursacht und hervorruft. Landwirtschaft, Bau, Verkehr, Konsum, … Alle Bereiche haben ihren Anteil. Und wir sind alle dafür (mit)verantwortlich. Vor allem »wir alle« in den entwickelten Ländern, Europa, Deutschland. Die individuelle Verantwortung betrifft nicht nur die Auswahl meines Ferienzieles (»Muss es der Flug nach Malle sein?», sondern auch alltägliche Entscheidungen im Supermarkt (billiges Import-Gemüse aus Spanien? Erdbeeren im Winter? –> hat alles auch Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß). Aber auch Auto (der Cayenne?), Handy (jedes Jahr ein neues iPhone?), usw…
    Bevor es unübersichtlich wird: Die Landwirtschaft trägt nun mal, genauso wie der Konsum, einen guten Anteil am anthropognenen Klimawandel, am Verlust der Artenvielfalt, an der Belastung des Grundwassers und anderer Gewässer, am Verlust von Boden und Bodenfruchtbarkeit, u.a.m. Da bringt es nichts den schwarzen Peter »zum Flugverkehr« schieben zu wollen. Ja, auch der Flugverkehr ist ein Problem. Und es gibt Menschen, die bewußt darauf verzichten, bewußt versuchen, andere Transportmethoden zu benutzen. Können wir das Problem lösen? Mit Sicherheit nicht als Individuen. Genauso wie die Probleme der Landwirtschaft. Das können wir nur gemeinsam. In vielen kleinen Schritten. Und das ist meine Hoffnung…

    • Bauer Willi sagt

      Nein, ich will nicht die Verantwortung abschieben, aber auf die individuellen Möglichkeiten hinweisen. Die Erzeugung von Nahrungsmittel war immer mit einer Veränderung der Umwelt verbunden. Deutschland war mal ein riesiges Waldgebiet und ist heute Acker- und Grünland. Wir können natürlich heute wieder alles aufforsten, aber dann ist für mich als Bauer hier kein Platz mehr. Oder weniger extrem: wir können Deutschland auf Bio-Landwirtschaft umstellen aber dann werden wir noch abhängiger von Importen als wir es heute schon sind.
      Bauer Willi

      • Stef sagt

        Ja, die Landwirtschaft hat schon immer die Umwelt verändert. Das trägt sie ja quasi in sich. Aber, wir können uns heutzutage immerhin, vielleicht als erste Zivilisation überhaupt, die Frage stellen, wie wir weiter machen wollen anhand der Informationen, die wir über die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben und den Prognosen, die wir daraus entwickeln können. Und da ist die Frage nach »der Abhängigkeit von Importen« mit Sicherheit eine wichtige. Aber eben nicht die einzige. Was bringt uns eine Landwirtschaft mit dem Fokus “so viel wie möglich pro Hektar produzieren”, wenn der Boden weiter erodiert (und, wie eine englische Bauernzeitschrift tituliert hat, “wir noch Boden für 60 Ernten haben”; die FAO geht von 100 Jahren aus. Ob nun 60, 100 oder 200, und in UK, USA, Afrika oder woanders, das soll hier nicht die Frage sein. Vielleicht wäre das was für ein neuen Artikel. Das Problem »Bodenerosion« ist ein globales Problem.), oder wenn das Insekten- und auch Vogelsterben (in Deutschland war es die Krefelder Studie; in England gibt’s dazu einen Ackervogelindex, der ähnliche Tendenzen aufzeigt) so weiter geht, oder wenn wir zig Millarden € aufwenden müssen, um das Grundwasser zu filtern. [Vorsicht: Ich verstehe das als eine gesellschaftliche Problematik; wir als Gesellschaft sind die Verursacher, und müssen auch gemeinschaftlich Lösungen dafür finden. Also, no Landwirt-bashing hier!]
        Will sagen: Das Thema ist viel komplexer, und kann nicht auf “wenn wir nicht so weiter machen wie bisher, dann hängen wir von Importen ab” oder “entweder konventionell oder Bio” oder “groß versus klein” reduziert werden. Es gibt keine einfachen Antworten auf dieses Themenfeld. Es gibt gut recherchierte, fundierte Kenntnisse über den derzeitigen Stand der Situation. Und es gibt verschiedenste Lösungsansätze, hier in Deutschland und in anderen Ländern, wo Landwirte – entgegen dem Mainstream, den Strukturen, dem vorherrschenden Wissen, mit viel Mut, Energie und Expermentierfreude – neue Wege gehen, zum Wohle von Allen. Das lohnt sich anzusehen und von denen zu lernen. In der Verantwortung sind da wir alle. Wie eben auch bei der Entscheidung, ob ich nach Malle fliege oder doch lieber mit der Bahn irgendwohin in den Urlaub fahre.

        • Bauer Willi sagt

          Einverstanden. Dann lesen Sie mal einige der Beiträge hier auf dem Blog. Ich habe viele tolle Beispiele aufgezeigt, wie Menschen gegen den Mainstream für sich eine erfolgreiche Nische gefunden haben. Aber egal wie man es dreht und wendet, so verhält sich der Konsument doch nicht so, wie er es als Bürger fordert. Und diese Doppelmoral ist mein Problem als Bauer. Bio zum Schnäppchenpreis kann ich nicht. Und so soll der Artikel auch verstanden werden: nicht als Anklage, sondern als Hinweis auf uns selbst.
          Bauer Willi

    • Mark sagt

      “Bevor es unübersichtlich wird: Die Landwirtschaft trägt nun mal, genauso wie der Konsum, einen guten Anteil am anthropognenen Klimawandel, am Verlust der Artenvielfalt, an der Belastung des Grundwassers und anderer Gewässer, am Verlust von Boden und Bodenfruchtbarkeit, u.a.m.” Bevor es unübersichtlich wird, reduzieren wir die angeblichen Probleme auf die Landwirtschaft, im Gegenzug darf man dann ja auch ein bischen Übertreiben.

  7. Altbauer Jochen sagt

    Auch ich bin 1960 barfuß über den Acker gelaufen,
    Rübenhacken mit nacktem Oberkörper – Sonnenbrand ohne Ende,
    hat mir nicht geschadet ,heut ist es ja anscheinend gefährlich.
    Die ganze Klimawandelgeschichte der Landwirtschaft anzuhängen
    ist ein Ablenkungsmanöver von den vielen anderen Ursachen.
    Die Flugzeuge verschleiern unsern Himmel mit ihren Kondensstreifen,
    die Kreuzfahrer schleudern jede Menge Dreck in die Atmosphäre,
    Man wird das nicht zurückdrehen können, aber bitte die Landwirtschaft
    nicht immer mehr mit Auflagen strangulieren währen andere sich
    Sprichwörtlich einen “Dreck” darum kümmern.

    • bauerhans sagt

      “1960 barfuß über den Acker”

      da musste ich das pferd führen,was den “striegel” zog,eine 40cm breite hackmaschine.
      barfuß war nicht möglich,weil die “dicke LOTTE” mir schonmal auf die füße trat.

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