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In einer anderen Welt…

.. war ich am Dienstag beim WDR in Düsseldorf, bei „Daheim und unterwegs“. Natürlich bin ich nervös. Zum ersten Mal im Fernsehstudio. Und dann live, da wird nichts weggeschnitten. Und dann sitzt du da in der Gästebetreuung, mit dir ein Messerwerfer und ein Koch. Und ich mit meinem Körbchen Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln. Du wirst angeschaut, als würdest du von einem anderen Stern kommen. Du erzählst der Gästebetreuerin, dass der Landwirt für den Inhalt des Körbchens (3 kg Lebensmittel) 26 Cent bekommt. „Ach ja, so wenig? Also, ich kaufe ja im Bioladen ein.“ Dann ab in die Maske. „Ach, Sie sind Bauer. Ja, ist schon schlimm, dass unsere Lebensmittel alle verseucht sind“. Dann Besuch des Studios und Anweisungen, wie man sich zu verhalten hat. Hier hinstellen, dann dahin gehen, nicht durch die Kamera laufen, sitzen bleiben. Schnell noch ein Foto, Bauer Willi mit Gemüsekorb „brauchen wir für Facebook“.

WDR-Willi

Dann erster Auftritt: Mit Eva Assmann im Gespräch. Ein wenig fordernd, aber fair. „Warum ich denn noch Landwirt wäre, wenn da nichts zu verdienen ist“. Puh, eine direkte Frage, die ich mir in dieser Konsequenz so noch nicht gestellt hatte. Als käme das überhaupt in Frage. Dann eine Stunde Pause. Zwischendurch Messerwerfer und Fernsehkoch. Er macht Toast Hawaii. Dann zweiter Auftritt. Bin entspannter, die vielen Menschen im Studio nehme ich nicht mehr wahr, Stefan Pinnow ist jetzt mit dabei. Ich erkläre, dass es mir nicht um eine Anklage der Verbraucher geht, nicht um Schuld. Und dass ich kein Missionar bin, sondern nur ein Landwirt, den vor drei Wochen noch keiner kannte und der nur mal seine Meinung gesagt hat. Und der nicht den Anspruch erhebt, die Welt zu retten. Dann Abstimmung der Zuschauer: 1270 haben geklickt, 90,3%  sind der Meinung, dass Bauer Willi Recht hat mit seiner Meinung. Toll!

So, 18:00 Uhr, die Sendung ist vorbei, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln lasse ich da. Und suche einen Abnehmer für 80 g Katzenfutter für 29 Cent, das ich als Preisvergleich für die drei Kilo Lebensmitteln (Erzeugererlös 26 Cent) mitgebracht habe. Die junge Dame im Studio hat eine Katze, kauft aber „das billige Zeug nicht“. Ihre Katze bekommt 70 g für 1,19 €. Und sie hat, in Vorbereitung der Sendung mal ausgerechnet, dass sie für ihre Katze mehr ausgibt als für die eigene Ernährung.

Wollte ich euch nur mal erzählen. Ich war wirklich in einer anderen Welt…

Euer Bauer Willi

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5 Kommentare

  1. MargareteSpiel sagt

    Ich finde es toll, das es noch Menschen gibt, die Spaß daran haben zu arbeiten und nicht auf den monatlichen Lohnzettel gucken. Das kann ein Landwirt nicht. Die Menschen sehen und wollen immer nur das positive sehen.
    Gerne würde ich mal einen meckernden einladen eine Woche Hof. Dann eine Sendung mit ihm machen, ihn erzählen lassen was wirklich hinter der „Bauernarbeit“ steckt.

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  2. Patrick Walter sagt

    ¨Lebensfremd¨, ich glaube dier Begriff beschreibt im Moment wirklich am besten und allumfassend der Zustand des größten Teils unserer Bevölkerung.
    Zumindest des meinungsbildenden Teils.

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  3. Johann Knabbe sagt

    Moin Willi, tja so ist das mit den Mitmenschen, die kaum eine realistische Reflexion zu unserer einfach nur arbeitsteiligen Lebenswelt ( gilt aber ja auch für alle anderen Berufe ) vermittelt bekommt oder selbst mal sich reinkniet und durchfragt haben . Gute und vor allem plausibles Darstellen mit dem Körbchen – und meine Katzen – und Hundefutterglobalrchnung bringt Diskutanten hier schön ins achwitzen – hab einfach nur mal mit zwei Tierärzten aus diskutiert…..und bin jetzt auf der Suche nach dem nächsten BauernBildThema…..

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  4. Johannes Küppers sagt

    Es erstaunt ,wie lebensfremd doch Menschen werden können,wenn man liest was für beiläufige Äusserungen dem „Bauern Willi“ entgegenschwappen

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