Bauer Willi
Kommentare 154

Ich mache alles falsch

Ich habe gerade den neuen STERN gelesen. Titelseite: „Rettet die Bienen“. Untertitel: „Warum ihr Verschwinden unser aller Leben bedroht. Wie wir sie jetzt schützen können“.

Kommen wir zum Artikel. „Wer trägt die Schuld? Eine Reise zu Tätern und Rettern.“ Ich bin gespannt. Zuerst ein Besuch bei Jens Pistorius, Leiter des Institutes für Bienenschutz in Braunschweig. Ich wusste nicht was er tut. Sehr interessant und aufschlussreich.

Dann geht es los: Die Bienen sterben – Millionen Tote – nicht nur Honigbienen. Allerdings auch der Einschub, dass es vor allem Wildbienen sind und das für den Tod der Honigbienen auch Krankheiten, Schädlinge (Varroa-Milbe) und Menschen (gemeint sind wohl die Imker?) verantwortlich sind. Das ist fair.

Jetzt  geht es weiter zu Raps, zu Neonicotinoiden, aber auch zu Fipronil, das noch immer in zuckerhaltigem Ameisenmittel für den Hobbygärtner enthalten ist und so besonders riskant. Weil Bienen Zucker mögen und so besonders gefährdet sind. In der Landwirtschaft ist Fipronil verboten.

Das nächste Thema. Verarmung von Fauna und Flora und dass „die Agro-Riesen Bayer, Monsanto und BASF darüber entscheiden, ob die Biene und die Insektenwelt überlebt“. Es wird beschrieben, wie konventionelle Bauern (ich bin einer von denen) von den Firmenvertretern deren Spritzpläne erläutert bekommen und dass es zum Abschluss des Informationstages Schnitzel und Schnaps gibt. „Gift, Gift und noch mehr Gift“, so das Fazit des Redakteurs.

Geht es auch anders? Der Betrieb von Felix zu Löwenstein wird vorgestellt, den das schlechte Gewissen plagte und der deshalb seinen Betrieb (160 Hektar) vor dreißig Jahren auf Bio umgestellt hat. Im Heft ist dann auch die Flächennutzung 1986 und 2017 im Vergleich zu sehen. 1986 grob geschätzt 60% Zuckerrüben, 30% Sommergerste und je 5% Winterweizen und Mais. Keine gesunde Fruchtfolge. Wahrscheinlich sind auch nicht alle Flächen erfasst, denn so wirtschaftet kein traditioneller Landwirt.

Ganz anders 2017: Jetzt ist die Nutzung in der Tat deutlich vielfältiger: Kartoffeln, Hafer, Winterweizen, Sommergerste, Roggen und Dinkel. Dann noch Fenchel, Johanniskraut, Kamille, Pfefferminze. Kräuter, die wohl getrocknet vermarktet werden.

Dann reden die beiden über Geld. Die Leute im Dorf meinten, Felix zu Löwenstein könne sich „als adeliger Großgrundbesitzer das Öko-Getue leisten“. Dazu seine Antwort: „Ich bin gerade deshalb reich, weil ich Bio mache“. Und seine Statistiken würden zeigen, dass sich der Umstieg auf Bio für fast alle Bauern lohne. Löwenstein: „Wer kühl kalkuliert, steigt aus der Agrochemie aus“.

Genau das haben wir vor einem Jahr gemacht. Kühl kalkuliert. Allerdings mit 40 Hektar statt 160. Und ohne den Anbau von Kamille, Pfefferminze und Johanniskraut. Das war wohl ein Fehler, denn sicherlich bringt der Anbau von Bio-Kräutern gutes Geld. Aber es ist sicherlich auch eine Nische, die nicht jeder, der von traditionell auf Bio umstellt, auch nutzen kann. Gut, jeder kann sich eine andere Marktlücke suchen. Das gilt für alle Bauern.

Bei der Kalkulation, die übrigens unser Sohn erstellt hat, über 100 Seiten umfasst und seine Masterarbeit an der Uni war, ist mir folgendes aufgefallen: Mit der Einführung einer neuen Kultur (zum Beispiel Möhren, Kartoffeln, Gemüse) in unserem Betrieb sind auch neue Investitionen notwendig, die, gerade wenn es sich um Gemüsebau handelt, nicht gerade niedrig sind. Außerdem erfordern Sonderkulturen einen deutlich höheren Handarbeits-Aufwand. Der ist nur mit Fremd-Arbeitskräften zu stemmen, die wir bisher nicht haben. Meist sind dies osteuropäische Saison-Kräfte, die eine Unterbringung benötigen. Diese Unterbringung ist in der Kalkulation nicht mit drin. Deutsche Helfer sind bei uns, in der Nähe von Köln und dem Ruhrgebiet, kaum zu bekommen. Und wenn, dann zu anderen Löhnen.

Was im Artikel nicht erwähnt wird, sind die Subventionen. Klar, die bekomme ich auch, aber die sind im Ökolandbau wesentlich höher. Ich bin da auch nicht neidisch, aber erwähnen sollte man es schon. Denn sie tragen in vielen Betrieben ganz wesentlich zum Gewinn bei. Und zwar bei „Konvi´s“ und bei „Bio´s“. Ob das aber so bleibt?

Das hört sich alles nach Entschuldigung an. Ja, vielleicht ist es das auch, denn wahrscheinlich bin ich nur zu feige, die Umstellung zu wagen. Das hat auch was mit dem Alter zu tun, denn ich habe – ganz ehrlich -einfach nicht mehr den Mut, jetzt noch was Neues anzufangen. Gleichzeitig möchte ich aber, dass die Gesellschaft, also auch die Medien, die Arbeit der normalen Landwirte anerkennen und nicht nur die der Bio-Bauern. Und reich werden? Das ist ein ganz anderes Thema.

Doch noch mal zurück zu dem STERN-Artikel. Zu der Frage, wie wir (also alle Bürger) die Bienen schützen können, steht da nichts drin. Fast nichts, außer Brennessel-Jauche, Insektenhotels und den Rasen nicht zu kurz mähen. Totholz-und Feldsteinhaufen sind ja auch eher was für uns Bauern. Und Bienenweide-Blühstreifen mache ich schon.

Ich bin frustriert. Ich habe wohl alles falsch gemacht. Und jetzt werdet ihr mir wahrscheinlich noch sagen, ich soll nicht so jammern. Das macht es auch nicht besser. Wie soll es weitergehen? Wie wird es weitergehen? Habt ihr eine Idee? Denn weiter geht es immer…

Euer Bauer Willi

 

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154 Kommentare

  1. bauerhans sagt

    Leserbrief zum STERN Nr.22 „Rettet die Bienen“
    (wurde leider nicht veröffentlicht)

    Wenn es so wäre,dass Bauern laufend durch Spritzmittel oder durch Mischung von Fungiziden und Insektiziden Bienen vergifteten,
    dann wäre das längst in der Öffentlichkeit gelandet und die zuständigen Pflanzenschutzämter hätten gehandelt.
    Auch zu behaupten,gesetzliche Bestimmungen würden zu 50% nicht eingehalten,ist pauschale Verunglimpfung!
    Sämtliche Pflanzenschutzspritzen müssen zum „Spritzentüv“ und Bauern haben direkten Kontakt zum Pflanzenschutzberater der Kammern oder Ämter.
    Wasserversorger haben seit Jahren Wasserkooperationen mit der Landwirtschaft,beraten hinsichtlich Anbau,Düngung und Pflanzenschutz,zahlen Zuschüsse für Zwischenfrüchte
    und ziehen laufend Bodenproben,um zu kontrollieren.
    Dass Berater der Industrie den Bauern vorbeugenden Pflanzenschutz empfehlen stimmt nicht,es geht immer nach Schadschwellen.
    Biolandwirtschaft ist als Nische im Moment sehr gefragt,weil Zuschüsse doppelt so hoch sind:
    Der Absatz für kleine Betriebe funktioniert hauptsächlich über Hofläden,was mit sehr viel zusätzlicher Arbeit verbunden ist oder über Vermarkter,die aber mindestens eine Lkw-Ladung von 20-25to abnehmen.
    Grosse Mengen von Bioprodukten kommen kostengünstig aus dem Ausland.
    Wenn Herr von Löwenstein behauptet,dass alle,die mit ner Pflanzenschutzspritze unterwegs sind,einfach weiter spritzen,wenns Wetter umschlägt,dann ist das einfach nur Unsinn,
    allein schon wegen der Kosten der Spritzmittel.
    Falls immer mehr Spritzmittel verboten werden sollten,ginge unsere heimische Landwirtschaft vor die Hunde,weil schon die zusätzlichen Arbeitkräfte hier nicht zu finden sein würden,
    dann würden unsere Discounter aus dem Ausland importieren.

    1+
    • Inga sagt

      Danke Bauerhans,

      warum durfte dieser Lesebrief vom Stern nicht veröffentlicht werden?

      Weil da zu viel Wahrheit drin streckt?

      Müssen oder wollen die Leute sich irgendwelchen Illusionen aussetzen?
      Was soll das?

      0
    • Obstbäuerin sagt

      Ich habe gerade eine Antwortmail vom Autor auf meine Kritik an seinem Stern-Artikel bekommen. Laut seiner Aussage gab es sehr viel Zustimmung von Seiten der Leser. Abgesehen von Ihnen bauerhans.

      0
      • Inga sagt

        Bauerhans stimmt doch auch zu, Obstbäuerin, oder?
        Er hat den Brief doch hier verbreitet, weil er dachte, der Stern hätte ihn nicht veröffentlicht.

        Er protestiert doch gegen die unsachgemäßen Behauptungen, und ich denke, weil die nachvollziehbar sind, werden ihn die Leser auch ihre Zustimmung gegeben haben!
        Wenn sie ihn doch gelesen haben.

        Und so viel Wahrheit beinhalte?

        0
        • Obstbäuerin sagt

          Liebe Inga, ich habe dem Autor vom Artikel im Stern eine kritische Mail geschrieben. Daraufhin hat er mir geantwortet, dass er zu seinem Artikel sehr viel Zustimmung bekommen hat. Was ich angesichts der medialen Verblendung auch glaube. Nur der Leserbrief von bauerhans, der ebenfalls kritisch war, wurde im Stern nicht veröffentlicht – nur hier im Blog. Sonst hätte ich von ihm auch keine Kenntnis. Unerwünschte Kritik wird sozusagen im Stern ausgeblendet.

          1+
    • bauerhans sagt

      ich hatte gestern überraschend eine mail des STERN-redakteurs bekommen,wo er mir versicherte,dass er sich vor schreiben des artikels vor allem unabhängig informiert hätte.

      0
  2. Sandra Harms sagt

    Bauer Willi,
    ich hab das auch mal ausgerechnet was eine betriebsumstellung bei mir kosten würde, und da liege ich bei den dingen die augenscheinich auftauchen anhand meiner jetzigen fruchtfolge bei ca 200.000€ an investitionen in maschinen und geräte, aber da wäre ja noch die düngung… ok ein teil über stickstoffsammler und der rest? der rest kann nur die gülle oder festmist als nährstoffe auf den acker kommen, im konventionellen bereich kein problem, ein paar zettel ausfüllen und schon können die wirtschaftsdünger bestellt werden, aber im bio bereich sind die zu 99% nicht auf dem markt verfügbar…. also bleibt nur der weg einen stall zu bauen und dort tiere zu halten…. und zack werden aus 200.000€ mal eben eine halbe milion oder gar mehr…. und wenns dann noch dumm läuft stellt man einen bauantrag der nicht genemigt wird und ist 60.000 los für tolle pläne vom archietekten und ner abgelehnten baugenehmigung….

    1+
    • Tom sagt

      Hallo Sandra,
      ich habe da noch einige Fragen ( die Du hier im Blog aber nicht beantworten musst)
      zu Deinem Kommentar:
      1. Wieviel investierst Du ohnehin Durchschnittlich pro Jahr in Deinen Betrieb?
      2. Wieviel Dünger und Pflanzenschutzmittelausgaben hast Du im Jahr?
      3. Wieviel Biozuschüsse würdest Du während einer Umstellung erhalten?
      Wenn Du dies gegeneinander aufrechnest, glaube ich eher, dass Du bei einer Betriebumstellung am Jahresende zumindest ersteinmal Geldüberschuss hast.

      0
      • Sandra Harms sagt

        tom, ich investiere in dem rahmen wie es die aller meisten anderen auch tun. ich sprach nicht davon alte gegen neue maschinen zu ersetzen, sondern davon maschinen die ich bis dato nicht benötigte zusätzlich anzuschaffen.
        das fängt an bei einem weiteren pflege schlepper, über striegel,hackmaschienen, häufelgeräte, bis hin zu einer getreide reinigung und einer getreide trocknung.

        als weiteres, bekomme ich die höheren direktzahlungen erst wenn mein hof entsprechend zertifiziert ist, ebenfalls kann ich meine produkte erst danach als bio verkaufen. aber in der zwischenzeit, oder besser gesagt vom ersten tag an, hab ich mehr arbeit, muss mehr maschinen vorhalten, personal auch…. und da soll ich am jahres ende noch was bei über haben? da lachen doch die hühner

        0
    • Mark sagt

      „Wenn Du dies gegeneinander aufrechnest, glaube ich eher, dass Du bei einer Betriebumstellung am Jahresende zumindest ersteinmal Geldüberschuss hast.“ So lange es Umstellungsprämie gibt, ja vielleicht. und danach?
      „…ein paar zettel ausfüllen und schon können die wirtschaftsdünger bestellt werden, aber im bio bereich sind die zu 99% nicht auf dem markt verfügbar..“ Bevor man solche Aussagen trifft, sollte man sich informieren. Noch nie was von florapell gehört, oder Greenstim oder Haarmehlpellets oder DiaglutinN. Das sind alles Düngemittel ais dem Ökolandbau die bestellt werden können wie Kalkammonsalpeter.

      0
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Haarmehlpellets?

        Soweit mir bekannt, wird jede Menge Chemie in die Haare der Frauen geschmiert und die Haare sollen auf einmal BIO sein?

        Na ja bei uns Männer geht es meistens ökologischer zu, die Menge jedoch lässt manchmal zu wünschen übrig

        1+
        • Lieschen Müller sagt

          Vielleicht Schafwolle? Aber dann würde es ja Wollpellet heißen. Oder vom Hundefriseur?

          0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Hundehaare?

            Dass ich daran nicht gedacht habe, ich bin Untröstlich. 🙁

            1+
        • Inga sagt

          Wie war denn das vor vielen Jahren die Geschichte, als es hieß, in die Brötchen kommen Haare als Aromastoff?

          Stimmt das denn?

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      • Sandra Harms sagt

        wenn ich bio mache, kann nur etwas was bio zertitifiziert ist an dünge mitteln auf meinen acker, eben so saatgut usw usw… ich bezweifel mal ganz stark das die verfügbarkeit von düngemitteln im bio sektor nicht die selbe ist wie im konventionellen bereich. und selbst wenn es da den ein oder anderen dünger zu kaufen gibt, werden die garantiert so teuer sein, das man besser drauf verzichtet. etzlich ist es mir auch wumpe, ob es da was zu kaufen gibt oder nicht, da ich nicht vorhabe mich mit einer bio umstellung zu ruinieren.

        0
  3. Obstbäuerin sagt

    Weder Sie, Bauer Willi, noch wir, die anderen konventionellen Bauern haben es bisher falsch gemacht. Wir haben sicher Fehler gemacht und diese korrigiert, wenn der Wissenstand es angezeigt hat aber darüber hinaus haben wir und das tun wir immer noch, mehr als 95 % aller Nahrungsmittel in Deutschland produziert und damit die Ernährung der Bevölkerung gesichert. Das muss immer mit bedacht werden, wenn auf uns geschossen wird – ohne uns – keine Nahrungssicherheit.

    13+
  4. Friedrich sagt

    Mein Fazit aus der ganzen Medieninformationswelt ist diese auf Umsatz und Mainstream
    gemachten Zeitungen abzubestellen. So hat es im Laufe der Jahre den Spiegel und Stern erwischt und die „Welt am Sonntag“ wird es bald , wenn die so weitermachen , auch erwischen. Verdummen lassen und Informationen unterdrücken gehört sich halt nicht. Auch die Recherche gehört dazu , statt abzuschreiben. Willi , mache es auch so und du lebst ruhiger.

    7+
  5. Paulus sagt

    Ganz abseits des Themas gefällt mir das heutige Titelbild außerordentlich gut. Erinnert mich irgendwie an Caspar David Friedrich, der hätte es mit seiner poetisch/romantisch/dramatischen Malerei nicht besser hinbekommen. Wüsste ich, dass ich keine Rechte verletze, würde ich es glatt kopieren und auf Alu-Dibond drucken lassen, für unsere Sammlung. Nur mal so am Rande. Wenn ich schon nichts Substanzielles beizutragen habe möchte ich zumindest dies zum Ausdruck bringen.

    4+
    • Brötchen sagt

      Paulus das war schon mal, ich find es kitschig. das ist HDR „Müll“ jeder wie er es eben liebt;).

      man muss das HDR High dynamic range ganz dosiert einsetzen. man sieht sich das über. fand sowas auch mal gut.

      0
  6. Hans-Günter Felser sagt

    Guten Tag, Bauer Willi! Ihre Interpretation des Presse-Artikels und viele der in der Meinungsmache eingebundenen Zustimmer-Kommentare haben meine Erwartung wieder voll erfüllt! Sicher machen Sie nicht alles falsch. Es würde schon genügen, wenn Sie und viele Ihrer Kollegen nicht alles, was nicht Zuckerrübe, Mais oder Raps ist, durch Gifte töten und durch das Zerstören der Saumbiotope das Überleben unmöglich machen würden. Das wäre schon ein guter Ansatz. Ein paar Samen Phacelia als Guerilla-Gärtner vor ein Rathaus zu streuen, kompensiert nicht die andauernde, großflächige Vernichtung von Pflanzen, Pilzen, Tieren, Böden und unser aller Zukunftsoptionen. Bitte mal darüber nachdenken im Sinne „wir wollen Dialog“. Ich wünsche einen schönen Sonntag.

    8+
    • Mark sagt

      „….die andauernde, großflächige Vernichtung von Pflanzen, Pilzen, Tieren, Böden und unser aller Zukunftsoptionen….“
      Ist solche Polemik einladend zum Dialog? Mal darüber nachdenken.

      13+
      • Hans-Günter Felser sagt

        An Mark: Ich beobachte – Auf großen, zusammenhängenden Flächen werden andauernd Gifte ausgebracht. Gifte, die Insekten, Pflanzen, Pilze etc. vernichten. Deren Vernichtung hat Folgeschäden, daher gibt es ein Artensterben. Die Bodenorganismen werden ebenfalls vernichtet und die Böden erodieren deshalb. Der zunehmende Verlust der Bodenfruchtbarkeit belastet unsere Zukunftperspektiven. – Ist das Polemik oder eine Beschreibung des Zustands? Was stimmt an dieser Beobachtung nicht?

        4+
        • Michaela 71 sagt

          Hallo Herr Felser: Stimmen tut daran nicht, dass gerade auch bei den Biolandwirten, die anstelle von Herbiziden mechanische Methoden einsetzen, der Boden einer stärkeren Erosion und partiellen Verdichtung ausgesetzt ist. Tieren auf dem Feld geht es auch nicht besser, wenn sie siebenmal durch das Befahren mit dem Traktor gestört werden, wie durchschnittlich bei den Biobauern durch die herbizitvermeidung, als einmal. Insbesondere das Kämmen eines Feldes zur Zeit der Brut vernichtet Bodenvögelnachwuchs.
          Was ich an Glyphosat so schätzte, war, dass, wenn der Bauer seine Unkräuter schon loswerden wollte, nicht noch die Bodenorganismen zerstört wurden, weil der Boden eben nicht geöffnet werden musste.

          0
        • Mark sagt

          Herr Felsner:
          Auf konventionell genutzen Ackerflächen werden Pflanzenschutzmittel ausgebracht, egal ob es sich dabei um Großflächen oder stark parzellierte Flächen handelt. Diese PSM bekämpfen Schadinsekten bei gleichzeitiger Schonung von Nützlingen (Wildbiene), Unkräuter welche sich niemals ausrotten lassen (an anderer Stelle haben sie behauptet, im Neusser Land wäre Unkraut ausgerottet, welch ein …) und sie bekämpfen Pilzkrankheiten, die u.a. auch die Qualtität der Ernteprodukte stark beeinträchtigen können und eine Gefahr für die Verbaucher darstellen können (Mykotoxine). Bodenorganismen werden nicht vernichtet, sonst hätten wir nicht flächendeckend eine stete Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Die Erosiongefahr ist ebenfalls seit Jahrzehnten abnehmend, da auf Erosiosstandorten entsprechenden Bewirtschaftsungsmassnahmen umgesetzt werden (fahren sie mal in den Kraichgau). Wer das alles nicht wahrnimmt und statt dessen unbewiesene,schräge Behauptungen aufstellt, dem werfe ich Polemik vor. Was ist daran falsch?

          3+
        • bauerhans sagt

          „Auf großen, zusammenhängenden Flächen werden andauernd Gifte ausgebracht.“

          wieso ernten wir dann viel und gut??

          0
    • Tom sagt

      Sehr geehrter Herr Felser,
      wieviel % Ihrer Lebensmitteleinkäufe sind ökologisch produziert?

      4+
      • Inga sagt

        und woher wissen sie eigentlich, dass:
        „….die andauernde, großflächige Vernichtung von Pflanzen, Pilzen, Tieren, Böden und unser aller Zukunftsoptionen….“

        das so gemacht wird? Wo haben sie recherchiert?
        Warum wachsen denn da dann anschließend nach der Neubestellung auch noch Pflanzen, wenn Pilze, Bakterien, Tierchen und Böden kaputt sind?

        Da muß doch noch Leben drin sein, oder?

        Und diese Pflanzenzüchtung per Gentechnik zum Zwecke der Resistenz eines Totalherbizides ist bei uns verboten, das gibt es noch gar nicht, höchstens in Amerika!.
        Unsere Bauern müssen Köpfchen haben und sich anders zu helfen wissen.

        7+
    • Bauer Willi sagt

      Guten Tag Herr Felser
      Sie haben recht. Ich muss nicht alles, was nicht Zuckerrübe und Raps ist (Mais habe ich keinen) mit Giften töten. Das geht auch mit der Hackmaschine plus Handhacke. Mehr dazu in dem Artikel „Bio-Zuckerrüben“ von neulich. Und dann noch eine Frage: Wie viele Hektar Bio-Raps gibt es in Deutschland? Wissen Sie, warum es so wenig ist? Auch Ihnen einen schönen Sonntag. Eine ganz banale Frage ohne Hintersinn: hat es bei euch in Jülich schon gewittert? Auf dem Radarbild kann man das nicht so gut erkennen.
      Bauer Willi

      2+
      • Hans-Günter Felser sagt

        Hallo Bauer Willi, zur Wetterfrage: Das angekündigte bzw. auch sichtbar auftretende Gewitter hat gerade Jülich erreicht, es meldet sich mit einem Tröpfeln, leichten Donnern bei sehr milden Temperaturen gerade jetzt an. Wir sitzen aber noch im Freien, bis jetzt alles noch Geplänkel. Es ist jetzt 13:53 Uhr. Viele Grüße nach Rommerskirchen sendet Ihnen Hans-Günter Felser

        0
        • Bauer Willi sagt

          Wir haben leider nichts abbekommen. Nur ein leichtes Grollen (ich spreche jetzt vom Wetter 🙂 ) und das war´s
          Bauer Willi

          0
      • Hans-Günter Felser sagt

        Danke, Bauer Willi, für diese ehrliche Antwort. Es läuft also darauf hinaus, dass nichts, was nicht Rübe, Mais, etc. als Anbaukultur im jeweiligen Jahr heißt, des Todes ist. Das scheint vielerorts Konsens zu sein, dass das in Ordnung ist. Wenn ich mir jetzt die Flächen anschaue, wo also alles, was nicht Zuckerrübe etc. ist, tot sein soll, dann bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten, zu überleben. Nicht für Füchslein, für Fasan, Feldhuhn, Feldhamster (offiziell in NRW ausgerottet!), nicht mal Maulwurf noch Feldmaus haben eine Chance, von Insekten und Vögeln fange ich erst garnicht an. In unserer Gegend sind es dann noch die Autobahnränder mit sehr wenig (und immer weniger werdender) Tiefe, dann noch die Bahntrasse, die allerdings sehr intensiv „gepflegt“ wird und das war es bis auf paar wenige Inselchen, wo Tiere noch überleben können. Da ist ja dann schon das Braunkohlerevier ein Segen (Zynismus aus). Die oben genannten Flächen werden dann aber auch gerne noch prophylaktisch beim Spritzen „mitversorgt“, damit sich „das Ungeziefer“ bloß nicht breit macht. Wäre es so schlimm, ein paar Bäume stehen zu lassen, ein paar Lebensinselchen, die nicht verseucht werden? Ich habe ein Füchslein gesehen, völlig entkräftet, es wusste nicht, wohin. Überall kilometerweite Anbauflächen, kein einziges Fleckchen weit und breit auf zig Kilometern, was nicht gespritzt und bis auf Weizen oder Raps „kontrolliert“ war; es wird irgendwo auf den von einem stolzen Konventionellen tot gespritzten Flächen verendet sein. Oder ein Fasanenpaar, auf offener Fläche von Raubvögeln umzingelt, da auf zig Hektar im Quadrat kein einziges Sträuchlein oder eine Hecke ihnen Schutz gegeben hätte; ohne Überlebenschance, da die Saumbiotope Jahr für Jahr stekum (der Rheinländer versteht mich!) ausgelichtet werden und irgendwann ganz verschwunden sind, ab und zu steht der Wind dann ungünstig… etc. . Es scheint so, dass Bauern/Landwirte keine Kinder und Enkel haben oder eben es diesen schlichtweg egal ist, welche Umwelt sie ihnen überlassen. Den Kuckuckruf können die sich ja aus einem Podcast runterladen und anhören… Nun, so ist es dann eben, sehr traurig. Dennoch beste Grüße. Hans-Günter Felser (So, jetzt können wieder anonyme Schreiber lauthals ihren Senf dazu geben. Anonym, aus seinem Versteck, unerkannt – sehr heldenhaft und ehrenvoll, übrigens…)

        2+
        • Obstbäuerin sagt

          Sehr geehrter Herr Felser, wenn Sie daran interessiert sind, wer ich bin, googeln Sie einfach »apfelgalerie«. Ansonsten kann ich Sie beruhigen, nach mehr als 40 jährigem Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln haben wir in unseren Obstanlagen, wie schon mehrfach berichtet, kein Insektensterben zu verzeichnen – alle Bienen fühlen sich pudelwohl, Schmetterlinge ohne Ende, Vögel 96 Arten wurden vom NABU gezählt, der Star kommt in so großer Zahl daher, dass wir wieder große Angst um unsere Kirschen haben. Füchse, Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen und Wölfe sind nicht unbedingt unsere Freunde aber ständig anwesend. Und exakt die gleiche Biodiversität findet sich in der einzigen Bio-Obstanlage von 15.

          2+
          • Hans-Günter Felser sagt

            Obstbäuerin, Danke für Ihre Antwort. Ich glaube Ihnen, dass Sie auf Ihrem Gelände so verfahren. Dennoch habe ich hier in meinem Garten in Jülich seit zwei Jahren keine Honigbiene mehr gesehen. Und ich weiß genau, wie Honigbienen aussehen und welchen Radius ein Volk hat. Und ich sehe, was auf der großen landwirtschaftlichen Fläche geschieht. Hier werden die Äcker bis an den Asphalt bewirtschaftet, manchmal kein einziger Meter Abstand, wenn Bäume dazwischen sind und keine 10 cm, wenn es frei steht. Auf der anderen Straßenseite genau so und dann monotone Flächen, soweit das Auge reicht. Der letzte Hase hat sich vermutlich freiwillig vor den Traktor geworfen, da er so keine Chance hat, zu überleben. Ich freue mich aber, dass Sie sich als sensibel erweisen. So, wie Sie die heile Welt beschreiben, ist sie hier schon lange nicht mehr. Viele Grüße

            3+
            • Peter Quabeck sagt

              Hallo Herr Felser,

              wir kennen uns ja noch. Sie können sich sicherlich an unsere anregenden Unterhaltungen erinnern. Sie haben also keine Honigbienen mehr in Jülich…. Sind Sie vielleicht als Verfechter der Permakultur auf dem Holzweg? Es müssten doch sonst in Ihrem Garten von Bienen nur so wimmln. Wer sagt denn das es an der Landwirtschaftlichen Praxis liegt? Sie haben doch um die Ecke das Kernforschungsinstitut, vielleicht liegt es daran? Oder vielleicht ist es nur ein Imkermangel… Oder vielleicht irgend ein ganz anderer Grund. Naja. Da Sie immer die konventionelle landwirtschaftliche Praxis kritisieren wäre für Sie doch ein leichtes dem Bauer Willi zu zeigen wie es in Ihren Augen richtig gemacht wird. Also los. 60 Hektar Permakultur ist doch sicherlich ein Klacks für Sie. Machen Sie was für die Umwelt, für Insekten und Tiere. Nicht immer nur auf der Tastaur Kritik formulieren und andere arbeiten lassen. Übrigens Bauer Willi brauchte die Tage Hilfe zum hacken um Herbizide zu sparen. Wie ich so mitbekomme wohnen Sie nicht weit voneinander weg. Ich hatte Sie da eigendlich mit reichlich Elan erwartet, aber nichts von Ihnen gesehen… Nun ja…
              Es grüßt Sie herzlichst
              Peter Quabeck

              2+
        • Tom sagt

          Guter Herr Felsner,
          warum kaufen Sie sich nicht ein paar Hektar Land
          und bestellen es genau nach Ihren Vorstellungen.
          „Nur für die Natur“ ?

          4+
        • Bauer Willi sagt

          Lieber Herr Felser, ich habe viele Jahre an einem Feldhamsterprogramm teilgenommen, weil es hier in der Gegend eine große Kolonie gab. Das Beispiel gilt aber auch für Feldhühner und Feldhasen. Also habe ich im Herbst 1000 qm Weizen nicht geerntet, damit sich die Hamster dort den Wintervorrat holen konnten. Haben die aber nicht getan, weil man gleichzeitig überall in der Flur kleine Waldflächen und Hecken angelegt hat. Was ist passiert? In diesen überall verteilten Wäldchen (wegen der Vernetzung) sitzen Greifvögel. Mäusebussarde, Milane etc. In den Wäldchen sind Fuchsbauten. Wir haben hier sehr viel Füchse. Weder die Greifvögel noch die Füchse machen aber einen Unterschied zwischen Feldmäusen, Feldhamstern und Feldhühner. Feldhamster lieben nämlich große und weite Getreideflächen, weil sie dann die Predatoren schon von weitem sehen können. Mittlerweile sind die Feldhamster auch hier so gut wie weg. Ich habe mich darüber mit einem Freund, der bei der Unteren Naturschutzbehörde arbeitet, unterhalten. Es gab ganz offen zu: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“.
          Wir haben Kinder. Unser Sohn hat Agrarwissenschaften studiert und sich sehr intensiv mit biologischer Landwirtschaft beschäftigt. Aber auch dort ist nicht alles gut. Wenn sie Getreide striegeln, zerstören Sie die Ei-Gelege der Bodenbrüter wie Kiebitz und Feldlerche. Ganz so einfach ist es also nicht.
          Bauer Willi

          5+
          • Hans-Günter Felser sagt

            Lieber Bauer Willi, Danke für Ihre Antwort. Wenn Sie sich um die Arterhaltung bemühen, erkenne ich dieses selbstverständlich an. Es wäre doch schön, gemeinsam die Umweltziele zu verfolgen. Wenn die Ziele und die Maßnahmen im Sinne des Umweltschutzes stimmen, gehe ich zu Ihrer Unterstützung in einer Demo hinter Ihrem Trecker her, um der Politik Kante zu zeigen. Wenn ich aber sehe, dass sämtliche Saumbiotope verschwunden sind, muss ich aktuell an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen zweifeln. Ich denke, dafür haben Sie zumindest Verständnis. Ich bin gerne mit Landwirten im ehrlichen Dialog. Diesbezüglich habe ich angeregt, die Kommentatoren mögen sich doch mit Klarnamen anmelden, dann hören die anonymen Rüpeleien auch auf bzw. reduzieren sich im Sinne eines echten Dialogs. – Was halten Sie davon?

            3+
            • Bauer Willi sagt

              Auf die Demo und Ihre Unterstützung komme ich gerne zurück. Was die Klarnamen angeht: Zwingen kann man niemand, höchstens appellieren. Ich heiße übrigens im wirklichen Leben Dr. Willi Kremer-Schillings, aber die meisten nennen mich
              Bauer Willi
              Ist kürzer….

              0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Der Ehemalig war vor vielen Jahren im Stern Forum unterwegs, beteiligt war ein User der manchmal auch in diesen Forum schreibt und ein Landwirt aus dem Allgäu.
              Veganer haben uns angedroht, sie möchten unsere Ställe leerräumen. So ist die Realität in diesem Land und daher ist es besser die Identität vor Menschen wie sie zu schützen.

              Bauer Willi und der Alois kennt meine Anschrift, das Reicht!

              5+
    • Obstbäuerin sagt

      Herr Felser, wie stellen Sie sich denn einen netten Dialog vor, wenn Sie den selbigen damit beginnen, uns konventionelle Bauern als Vergifter und Zerstörer der Umwelt und letztendlich als Vernichter aller Zukunftsoptionen verurteilen?

      5+
      • Hans-Günter Felser sagt

        Obstbäurin: Einen „netten“ Dialog? Oder einen „netten Plausch“? Wer die Fläche mit Gift überzieht, ist ein Vergifter, oder etwa nicht? Wer Insektizide sprüht, tötet nicht nur den Maiszünsler oder welchen einzelnen Schädling er bekämpfen möchte, sondern er vergiftet alle Insekten, die in diese Fläche kommen, sich vielleicht nur ausruhen wollen, um von einer verbliebenen Lebensinsel die 7 Kilometer bis zur nächsten verbliebenen Lebensinsel zu überbrücken. Dann ist der Käfer, der Schmetterling, die Biene eben tot – hatte ja da nichts zu suchen, das ist Bauernland, da macht der Bauer, was er will. Das hätte der dusselige Käfer wissen müssen, jetzt hat er es auf ewig kapiert. Wer also die Artenvielfalt auf diese Weise reduziert und es auf die Hochspannungsleitungen zu schieben versucht, mit dem strebe ich keinen „netten Dialog“ an, sondern ich will wissen, ob er bewusst die Natur zerstört oder ob er es nicht besser weiß. Das ist eine Frage: Habt ihr euch darüber Gedanken gemacht, als ihr entschieden habt, Monsanto&Kollegen Gifte auf eure Äcker aufzutragen? Wusstet ihr es, aber war es euch egal? Alles zu töten, um den bestmöglichen Ertrag der Zuckerrübe etc. zu erlangen, koste es, was es wolle? Obstbäuerin (anonym, perfekt), ein Dialog mit Anonymen ist doch sowieso unehrlich. Ich werde hier von „Pippi Langstrumpf“, „Ehemaliger XXX“ und „Bauer Plattfuß“ anonym beschimpft… Sauber! – Statt „netter Dialog“ kommentieren Sie doch mal mit Klarnamen, dann wird es wenigstens ein „fairer Dialog“! Werden Sie seriös! Dann können wir vielleicht auch irgendwann mal „nett“!

        3+
        • Obstbäuerin sagt

          Aber Herr Felser, ich habe Ihnen doch einen link zu meiner Person gezeigt. Haben sie meinen Beitrag weiter oben nicht gelesen? Gerade weil wir wissen, dass wir keine Insekten auf Dauer reduzieren und eine intakte Umwelt erhalten, können wir auch ohne schlechtes Gewissen aber sehr umsichtig Pflanzenschutzmittel anwenden. Wir denken dabei an unsere Kinder und Enkel, die nicht nur im Grünen mit Schmetterlingen, Vögeln und Wildtieren spazieren gehen möchten sondern tatsächlich auch was zu Essen brauchen.

          2+
          • Hans-Günter Felser sagt

            Ich habe keinen Link gesehen, für mich sind Sie eine anonyme Person, die sich „Obstbäuerin“ nennt. So werde ich hier ständig unqualifiziert von einem „Ehemaliger Landwirt“ verbal attackiert oder „Gülle-Gerd“, „Lackaffe“, „Hirntod“ (die letzen Namen sind diesmal erfunden, aber Sie wissen, was ich meine) geben auf unflätige Weise ihren Senf dazu. Ich habe mich schon zurückgezogen deshalb, weil ein echter Dialog auf diese Weise, mit einem Block- und Blockierverhalten, einfach nicht stattfinden wird. Konkret zu Ihrem obigen Kommentar: Sie schreiben „ohne schlechtes Gewissen aber sehr umsichtig Pflanzenschutzmittel anwenden“ – Ich habe hier seit zwei Jahren keine Honigbiene mehr gesehen. Alle Imker im entsprechenden Radius, die es versuchten, hatten solche herben Verluste durch Insektizide, dass sie aufgaben. Weiter schreiben Sie „Wir denken dabei an unsere Kinder und Enkel, die nicht nur im Grünen mit Schmetterlingen, Vögeln und Wildtieren spazieren gehen möchten sondern tatsächlich auch was zu Essen brauchen“. Dazu habe ich Fragen: Sind Sie wirklich am Verhungern? Als Landwirt? – Das müssen Sie mir erklären. Kann es sein, dass Sie Ihre eigenen Erzeugnisse nicht mehr essen mögen? Oder warum „verhungert“ ein Landwirt? Warum ist Ihnen die Umwelt egal? Fühlen Sie sich gut dabei? – Ehrlich und besorgt gedachte Fragen.

            3+
            • Obstbäuerin sagt

              Dann will ich auch ehrlich auf Ihre besorgten Fragen antworten. Da ich Obstbäuerin bin, finde ich die Bezeichnung in Ordnung, weil ein Feldbauer, ein Rinderhalter und ein Obstbauer doch sehr unterschiedliche Herangehensweisen haben. Wir sind natürlich nicht am Verhungern, dafür sorgen meine konventionellen Kollegen schon und unsere eigenen Produkte wie Erdbeeren, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Birnen und Äpfel essen wir, alle unsere Kinder und Enkel und die ganze bucklige Verwandtschaft gern. Die Umwelt ist uns ganz und gar nicht egal, da wir mit dem NABU zusammen Projekte machen aber auch vorher schon viel für den Erhalt derselben getan haben. Dabei fühlen wir uns gut. Nur wenn wir als Umweltvergifter beschimpft werden, geht es uns nicht so gut.

              1+
            • Hans-Günter Felser sagt

              An Obstbäurin: Danke für Ihre Antwort. Und tatsächlich Danke für einen Dialog.

              2+
            • Michaela 71 sagt

              Ja, was denn nun? Am 27.5. schreiben Sie, Herr Felser, Sie hätten in Ihrem Garten keine Honigbiene mehr gesehen seit zwei Jahren, und am 28.5., Sie hätten „viele Wildbienen, Hummeln und aller Art an Insekten, die schon auf der roten Liste stehen“ im Garten.

              Da letzteres auch bei mir, sowohl in meinem Hotelgarten als auch auf der Nebenerwerbslandwirtschaftsfläche der Fall ist, hätte ich Sie, wenn Sie wirklich ein Insekten-Problem im eigenen Garten hätten, bei der Pflanzenauswahl beraten können.

              Auch wenn die Anzahl der Insekten insgesamt massiv zurückgeht, kenne ich noch keinen Landstrich, bei dem nicht Insekten „nachziehen“ würden, wenn man ihnen ein geeignetes Habitat zur Verfügung stellt. Wichtig ist eben, auch bei sich selbst anzufangen.

              Außerdem schadet es nicht, sich einzulesen, ob man den Garten mit Hybriden bepflanzt, die weder Pollen noch Nektar anbieten- (und genau das hat in den letzten 40 Jahren extrem zugenommen!)- oder ob man auf ein ganzjähriges Nahrungsangebot gerade von Wildinsekten achtet. Hier würde ich mir von der Politik wünschen, dass es in den Gartenshops eine eindeutige Kennzeichnung gibt, die das Pollen- und Nektarangebot einer Zierpflanze ausweist, auch jahreszeitlich eingeordnet.

              Zu den Bauern: Hier würde ich mir wünschen, dass sie für Bepflanzungen zum Beispiel mit heimischer Waldrebe, (die bei mir in der Stadt Hornissen, Bienen aller Art, Schmetterlinge und sonstiges für mich nicht benennbares Getier anzieht), in der Senkrechten, an Rankhilfen oder z.B. Holunderbüschen, am Rand ihrer Felder, regelrechte Bezahlung erhielten. Denn es ist Extraarbeit, die nichts mit ihrer Erwerbstätigkeit zu tun hat, sondern ein allgemeines, lokales/ nationales Grundbedürfnis sicherstellt. Mit dieser bezahlten Zusatzarbeit wäre für die Agrarwirtschaft auch unter Kostendruck, der nicht zuletzt durch die ausländische, weniger gegängelte Bauernschaft entsteht, wirtschaftliches Arbeiten möglich, und der Insektenschar wäre mehr geholfen als mit immer wieder gemähten Grünstreifen.

              2+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Hallo Michaela 71,
              es tut mal gut solch einen sachlichen Beitrag zu lesen, zu lesen dass der Schutz von Bienen und Insekten eine Aufgabe der GANZEN Bevölkerung ist und nicht nur eine Berufsgruppe.

              Für ihren sachlichen Beitrage ein Danke von mir. 🙂

              2+
            • Hans-Günter Felser sagt

              An Michaela 71: Ich habe bereits geschrieben, dass ich sehr wohl den Unterschied zwischen einer Honigbiene und Wildbienen kenne. Die Imker haben aufgrund der massiven Verluste und Schwächung der Völker (Nein, nicht die Varroa-Milbe, Nein, nicht die Faulbrut – sondern zuvorderst Neonicotinoide und andere Biozide) massenweise aufgeben. Und natürlich die Riesenflächen, die einen Bienenstand oftmals in Insellage einzwängen. Honigbienen können nicht alleine nachziehen, lassen Sie sich das gesagt sein. Dafür müssten ausgedehnte Wälder mit hohlen Bäumen und entsprechendem Trachtangebot (unvergiftet versteht sich) bereit stehen. Honigbienen zieht höchstens ein Imker nach, und das schon seit es Klotzbeuten und Stülper gibt. Sie schreiben was von Hybriden und „ob man auf ein ganzjähriges Nahrungsangebot gerade von Wildinsekten achtet“ Richtig, da gebe ich Ihnen wieder Recht und daher habe ich in meinem Garten die sehr spezialisierte Zaunrüben-Sandbiene in großer Zahl sowie viele andere Insekten, die es in einem preußisch-korrekten Garten nicht gibt und geben wird. Dazu gehört auch viel Wissen, das brauchen Sie mir also nicht abstreiten, herzlichen dank. Das Thema brauchen wir nicht bei den Insekten zu belassen. Statt Schneckenkorn zu verpulvern (was ich zugegebener Maßen in Unwissenheit früher auch schon tat, allerdings nicht Metaldehyd (Nervengift), sondern Eisen-III-Phosphat (aber selbst das benötige ich nicht) etabliere ich die Fressfeinde der Wegschnecken – was auch einiges an Fachwissen voraussetzt. Gerne dürfen Sie mich aber beraten, denn ich bin auch nur auf der Suche und weiß auch nicht alles – Sie auch nicht, denke ich. Also bisschen Respekt gegenseitig wäre schon angebracht. Falls Sie zum Beispiel Schnegel kennen, wissen Sie, was ich meine. Nun zitiere ich Sie: „Ja, was denn nun? Am 27.5. schreiben Sie, Herr Felser, Sie hätten in Ihrem Garten keine Honigbiene mehr gesehen seit zwei Jahren, und am 28.5., Sie hätten „viele Wildbienen, Hummeln und aller Art an Insekten, die schon auf der roten Liste stehen“ im Garten.“ Was soll ich davon halten? Ich habe alles richtig beschrieben. Ja, was denn nun? Ich reiche Ihnen die Hand zum Frieden und dann fangen Sie Ihre Ansage an mich doch noch mal neu an, ohne Angriffsmodus, herzlichen Dank.

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            • bauerhans sagt

              „Die Imker haben aufgrund der massiven Verluste und Schwächung der Völker (Nein, nicht die Varroa-Milbe, Nein, nicht die Faulbrut – sondern zuvorderst Neonicotinoide und andere Biozide) massenweise aufgeben.“

              es ist eine kontinuierliche zunahme von bienenvölkern festzustellen!
              es ist nicht richtig,dass imker zuvorderst wegen landw. spritzmittel massenweise die bienenhaltung aufgeben!
              der hauptfeind der imker war und ist die varoamilbe.

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            • Michaela 71 sagt

              Das war ein sprachlicher Fehler von mir: ich verstand nicht ausschließlich die Zuchtbienen als Honigbienen. Den Unterschied kenne ich natürlich, und freue mich über Sand- und Mauerbienen, Woll- und Schneidebienen etc… Auch in meinem Garten gibt es weniger Zuchtbienen als Solitärbienen. Aber das liegt an der fehlenden Imkerdichte hier in der Stadt, auf meinen 5 ha Acker- und Wiesenland sehe ich auch viele Zuchtbienen im Klee.

              Zum anderen habe ich mir Ihren schönen Garten im Internet angesehen, und muss Ihnen sagen, dass das als Nahrungsangebot für Bienen eben nicht reicht: Ihr weißer, hoher Zaun mag hübsch sein- ein Rankgerüst für spät und üppig blühende heimische Waldreben (clematis vitalba) wäre sehr viel insektenfreundlicher. Gleiches für den reingrünen Rasen: Weißklee und Löwenzahn ziehen Bienen magisch an. Phacelia rechts und links der Laufstrecke täte ihr übriges. Holundersträucher kann ich nur empfehlen, wenn Sie Marienkäfer unterstützen wollen… Brennnesseln sind in jedem Naturgarten unverzichtbar als Futterpflanze für einen Großteil der Schmetterlinge, etc.

              Es ist völlig einseitig, nur von einer bestimmten Berufsgruppe Engagement für Insekten zu erwarten, und das auch noch ohne Deckung der Kosten für Arbeit und Landgabe.

              Die Obstbäurin bat Sie mutig, „Apfelgalerie“ zu googeln, wenn Sie sich mit ihr persönlich in Verbindung setzen wollen. Nein, es war kein Link, aber sie ist leicht zu finden. Ich finde ihr Engagement für alte Sorten wunderbar, aber diese Passion scheinen Sie ja zu teilen, wenn ich an den Glockenapfel denke, den Sie, Herr Felser, im Garten stehen haben.
              Ehrlich gesagt, bin ich mir noch nicht sicher, ob ich zu Ihnen persönlich Kontakt will- Sie klingen immer mal wieder ziemlich aggressiv. Aber vielleicht schicke ich Ihnen doch einmal wenigstens Fotos von meinem Garten.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Wenn man die Beiträge der Obstbäuerin vermutlich nicht liest,
            ist man nicht informiert.

            Beachtenswert (im negativen Sinne) finde ich ihre Aussage, dass sie keinen Betriebsnachfolger finden.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Wen sie ihren Beitrag als Dialog ansehen, dann muss ich ihnen sagen, dass man mit mir so nicht sprechen kann.

          Der Bauer kann auf seinem Acker anbauen was er will, kann nicht alles machen was er will, gerade beim Pflanzenschutz darf er nur anwenden, was für diese Kultur zugelassen ist.
          Dies ihnen genauer zu erklären macht wohl keinen Sinn.

          Wenn sie in ihrem Garten keine Biene mehr sehen, dann müssen sie sich fragen, ob sie die falschen Pflanzen in ihrem Gartenloch haben, in unserem Garten gibt es viele Bienen, auch Wildbienen, 5 Meter neben dem Garten stehen Apfelbäume und wenn ich den diesjährigen Ertrag sehe, dann muss es genügend Bienen und Insekten für die Bestäubung gegeben haben.

          Ja, Bauern machen, sie müssen sich mehr Gedanken über ihre Wirtschaftsweise machen, sie brauchen ihre Felder um ihr Leben zu finanzieren.

          Die Obstbauern bekommen von ihrem Vermarkter auch mitgeteilt, dass das Obst in einem einwandfreien Zustand sein muss, sie bekommen auch mitgeteilt, dass Erdbeeren und Kirschen mindestens 24 mm Durchmesser haben muss, für kleinere Größen gibt es keinen Abnehmer.

          0
          • Inga sagt

            „sie bekommen auch mitgeteilt, dass Erdbeeren und Kirschen mindestens 24 mm “

            Die Kirschen auch?

            Da sieht man mal, was die Kunden für eine Bezhiehung zur Natur haben!

            Gibt es eine Sammelstelle für Obst, die dem Maß nicht entspricht, dann abnimmt und zu Marmelade oder sonst was verarbeitet?

            Das ist ja ein Extrathema, wie viel Obst und Gemüse weggeschmissen wird, das aber auch umwelteinwirkende Teckniken gekostet hat.

            Das müssen die Leute wissen!!!

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            • Obstbäuerin sagt

              Inga, das hat mit den Kunden nicht direkt zu tun, denn diese Vorgaben macht der LEH (Lebensmitteleinzelhandel). Trotzdem versuchen wir, so wenig wie möglich wegzuwerfen. Bei Apfel klappt das sehr viel besser als bei Weichobst, da wird alles verwertet außer der Apfel ist total hin. Im Vergleich zu dem, was wir im Moment bei Süßkirschen an Vögel verlieren, ist das, was weggeschmissen werden muss, marginal.

              0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Die Genossenschaft nimmt die kleineren nicht ab, war heute in einem Hofladen, das gab es auch kleinere, offensichtlich ist ein Markt da, aber nicht über den LEH.

              0
          • Hans-Günter Felser sagt

            Ich möchte gerade mit Ihnen, „Ehemaliger Landwirt“, keinen „Dialog“ dieser Art führen. Zuviele unanständige Angriffe aus der anonymen Ecke. Da Sie nun meinen Natur-Garten ein „Gartenloch“ schimpfen, ist das auch verständlich, „anonymer Schmierfink“ könnte ich Sie dagegen nennen. Sie können sich diesbezüglich, auch wegen Gülle etc. das auch ersparen, Sie waren nicht dabei, also bitte. Wenn Sie richtig lesen, habe ich mich auf „Honigbiene“ bezogen. Da ich sowohl Bienennisthilfen, aber auch zum Teil ganz spezifische Nahrungspflanzen für Insekten in meinem „Gartenloch“ anbiete, sowie viele Naturmodule, deren Namen Sie sicher noch nicht einmal gehört oder gelesen haben werden, sind bei mir viele Wildbienen, Hummeln und aller Art an Insekten, die schon auf der roten Liste stehen. Ich werde auf Ihre Pamphlete künftig nicht mehr antworten.

            2+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Tun sie ihren Gefühlen keine Zwang an, aber ein Frage hätte ich noch, können sie nicht lesen?

              Habe mich auch auf die Honigbiene bezogen.

              Sie zeigen ihren Garten gerne im Netz, da ist mal ein großes Stück Rasen zu sehen und der Bananenbaum kann man auch nicht als Bienenweide ansehen, Kohlrabi und Kraut gibt der Biene auch nichts zu fressen. Also was solls, immer drauf auf die Bauern, dann können sie ruhigen Gewissens ein Glas Wein schlürfen, aber bitte Bio Wein, aber bitte keine von mit Kupfer und Schwefel behandelten BIO Weinstöcke.

              1+
            • Michaela 71 sagt

              Ja, was denn nun? Am 27.5. schreiben Sie, Herr Felser, Sie hätten in Ihrem Garten keine Honigbiene mehr gesehen seit zwei Jahren, und am 28.5., Sie hätten „viele Wildbienen, Hummeln und aller Art an Insekten, die schon auf der roten Liste stehen“ im Garten.

              Da letzteres auch bei mir, sowohl in meinem Hotelgarten als auch auf der Nebenerwerbslandwirtschaftsfläche der Fall ist, hätte ich Sie, wenn Sie wirklich ein Insekten-Problem im eigenen Garten hätten, bei der Pflanzenauswahl beraten können.

              Auch wenn die Anzahl der Insekten insgesamt massiv zurückgeht, kenne ich noch keinen Landstrich, bei dem nicht Insekten „nachziehen“ würden, wenn man ihnen ein geeignetes Habitat zur Verfügung stellt. Wichtig ist eben, auch bei sich selbst anzufangen.

              Außerdem schadet es nicht, sich einzulesen, ob man den Garten mit Hybriden bepflanzt, die weder Pollen noch Nektar anbieten- (und genau das hat in den letzten 40 Jahren extrem zugenommen!)- oder ob man auf ein ganzjähriges Nahrungsangebot gerade von Wildinsekten achtet. Hier würde ich mir von der Politik wünschen, dass es in den Gartenshops eine eindeutige Kennzeichnung gibt, die das Pollen- und Nektarangebot einer Zierpflanze ausweist, auch jahreszeitlich eingeordnet.

              Zu den Bauern: Hier würde ich mir wünschen, dass sie für Bepflanzungen zum Beispiel mit heimischer Waldrebe, (die bei mir in der Stadt Hornissen, Bienen aller Art, Schmetterlinge und sonstiges für mich nicht benennbares Getier anzieht), in der Senkrechten, an Rankhilfen oder z.B. Holunderbüschen, am Rand ihrer Felder, regelrechte Bezahlung erhielten. Denn es ist Extraarbeit, die nichts mit ihrer Erwerbstätigkeit zu tun hat, sondern ein allgemeines, lokales/ nationales Grundbedürfnis sicherstellt. Mit dieser bezahlten Zusatzarbeit wäre für die Agrarwirtschaft auch unter Kostendruck, der nicht zuletzt durch die ausländische, weniger gegängelte Bauernschaft entsteht, wirtschaftliches Arbeiten möglich, und der Insektenschar wäre mehr geholfen als mit immer wieder gemähten Grünstreifen.

              1+
        • Michaela 71 sagt

          Neben der heimischen Waldrebe noch zwei ganz tolle Pflanzen für Bienen:

          SELBSTKLIMMENDER WILDER WEIN Parthenocissus tricuspidata Veitchii
          – hat im Herbst wunderschöne dunkelrote Blätter und zieht Bienen in so hoher Zahl an, dass es fast schon gruselig ist (man hört es ständig ploppen, vermutlich beißen die Bienen die winzigen Träubchen auf), mehr noch als bei den

          Saalweiden- Salix caprea-, die sind dafür unverzichtbar im frühesten Frühjahr und duften auf für Menschennasen verführerisch.

          1+
          • Hans-Günter Felser sagt

            An Miachaela 71:
            Sie schreiben, als Bienentracht eignet sich „SELBSTKLIMMENDER WILDER WEIN Parthenocissus tricuspidata Veitchii“ – ist vorhanden! Ich habe sogar damals einen ganzen Herbst die Wohngebiete abgelaufen und mir das Haus mit dem schönsten Herbstlaub ausgesucht, um einen Ableger zu erbitten. Wächst seit mehr als 15 Jahren bei mir!

            Saalweiden- Salix caprea- ob die Sorte genau stimmt, weiß ich nicht, aber ich habe sogar 2 Bäume im Garten, da die Bohnenstangen austrieben. Sie hatten auch dieses Frühjahr sehr viele Kätzchen dran.

            Falls es Zweifel gibt, kann ich jederzeit Bilder senden. Übrigens habe ich einen großen Buchsbaum, der mit seiner unscheinbaren Blüte extrem viele Insekten versorgt und immer eine Honigbienenweide war.

            3+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Na wie war die Autofahrt nach Düsseldorf?

              Haben sie bei der Suche nach Mohnblumen auch am Auspuff geschüffelt?

              1+
        • Hans-Günter Felser sagt

          Liebe Michaela71, Danke für Ihre offenen Worte. Vielleicht war ich auch etwas zu barsch zu Ihnen, bitte verzeihen Sie. Wir kennen uns halt nicht, im Internet kommt auch manches anders rüber, als es im direkten Gespräch verlaufen würde. Da könnte man auch mal das Gesicht sehen und verstehen, dass vielleicht eine Aussage ironisch gemeint war. Woanders macht man da noch ein Emoticon dazu, das entfällt hier ja auch weitestgehend. Leider erwarte ich aber eher unfaire Angriffe, das ist hier meine Erfahrung. Daran bin ich einesteils „schuld“, da ich eine eigene Meinung habe, die eben nicht jedermanns Geschmack hier findet, ich diese aber auch ungeschminkt vortrage. Andererseits gefallen sich hier einige Personen, immer schön unerkannt unter der Gürtellinie auszuteilen. Ich kenne viele Leute, die der Seite „Bauer Willi“ aus eben solcher Erfahrung den Rücken gekehrt haben. Es schafft sich der Eindruck Bahn, dass es eben nicht um Dialog geht, sondern um Lagerdenken und Gehirnwäsche. Selten bis nie habe ich mal vernommen: Ja, da haben Sie Recht! – Bauer Willi mal ausgenommen, in der Tat bemüht er sich um Fairness, obwohl ich ihn in der Vergangenheit auch schon ganz schön angerempelt habe. Also Friede. Zu meinem Garten, erstens: Er ist recht klein. Es gibt aber keinen „Rasen“, es ist auch nicht immer Wiese, dafür wird zu oft gemäht, zumindest auf der inneren Fläche. Wohl bleiben aber meist Inselchen stehen, da sind Gänseblümchen, auch Weißklee und auch Löwenzahn. Meist aber am Rand. Clematis? Es gibt zwei und eine große ist in Vollblüte, daneben ein Hibiskusbäumchen. Ganzjährig blüht die Taubnessel und überall darf Gundermann gedeihen und blühen, ganz wichtige Insektenpflanzen. Gerade blühen die Brombeeren und Himbeeren und die üppige Wildrose, der Salbei löst gerade den imposanten Rosmarin ab, der seit Anfang November letzten Jahre nonstop blüht, der Lavendel macht sich auch bereit. Die Frühblüher standen alle als Buffet auf der Baumscheibe, als die recht frühen gehörnten Mauerbienen schlüpften, hier auch wieder in vielen Nisthilfen Vollbelegung. Eisenhut, Rittersporn, Phlox, Königskerze, Fingerhut, Lupine, Veronika, Glockenblume – alles im Plural vorhanden in diesem kleinen Garten. Fette Henne und andere Sedumgewächse, ein Flachdach voll mit scharfem Mauerpfeffer, gerade in Blüte, gigantische Zaunrüben in Blüte, auch die kleinen Blüher wie Waldmeister und Vogelmiere und viele andere bieten Nahrung. Sicher kann ich nicht alles bevorraten, aber ich denke, ich habe sehr viel getan und tue das, da brauche ich mir eine Bananenpflanze neben dem Gewächshaus als Mulchproduzent und Schattenspender nicht vorwerfen zu lassen und die „weiße Wand “ ist nicht allein meine Entscheidung. Bei mir ist die Große Schwarzblaue Holzbiene Dauergast, Libellen, Hornissen, und recht viele Spinnen sind bei mir heimisch, auch sonst viele Käfer, die besonders schätzen, dass ich niemals umgrabe, da die Larven jahrelang im Boden heranwachsen. Ganz viele Naturmodule, vorwiegend Totholz (da ist mehr Leben drin als zu Saftzeiten des Holzes!), aber auch Sandarium, Lehmelemente, Sand-Lehm-Böschung, sogar für Dungkäfer ist eine Nische geschaffen. Fledermäuse, Spitzmäuse, gar Igel, Kröten, Frösche, Molche, Schnegel, Weinbergschnecken sind in meinem winzigen Garten heimisch. Von den Vögeln fange ich jetzt besser nicht an, das liest ja ohnehin keiner durch -ich füttere ganzjährig. Gerade blüht der Baldrian imposant und die Kohlpflanzen, denen ich das Blühen erlaubt habe, haben wochenlang neben einer größeren Fläche Bärlauch die Insekten ernährt. Die verschiedenen Mohnpflanzen sind in Blüte, selbst der Rhabarber dürfte üppig blühen. Jetzt kommen die Salate dran, die Zichorie/Wegwarte wird bald in schönstem Himmelsblau erstrahlen, die Dicken Bohnen werden auch in der Blüte gut besucht. Ich ernte auch mein eigenes Saatgut, soweit möglich. Nun höre ich auf, könnte aber noch viel weiter berichten. Ich habe Ehrfurcht vor der Natur, verwende kein Gift, schütze die Tiere und auch gefährdete Pflanzen, so gut es geht. Ihre Vorschläge, was die Landwirte machen könnten, hat mich überzeugt, dass auch Sie sich viele Gedanken machen, was zu verbessern wäre, das freut mich sehr. Vor allem pragmatische Hilfen, die nicht viel kosten außer gutem Willen und die schnell zu realisieren wären. Ich strebe keinen persönlichen Kontakt mit Ihnen an. Wohl freue ich mich aber, in diesem Forum auch Menschen wie Sie anzutreffen, die wirklichen Dialog wünschen. Dafür herzlichen Dank.

          3+
          • Michaela 71 sagt

            Hallo, und sehr gerne Frieden! Ich möchte und wollte auch Ihnen wirklich keinerlei Kompetenz abstreiten.

            Zur Clematis: Was mich sehr nachdenklich gemacht hat, ist, dass die Clematis-Hybride, die ich gekauft hatte, zwar länger blüht und größere Blüten hervorbringt, aber sich kaum jemals Insekten darauf niederlassen. Woher sollen Verbraucher das Wissen vor dem Kauf haben? Dagegen ist die heimische Waldrebe ein Insektenmagnet und wächst fünfmal so schnell pro Pflanzenmeter und Jahr… Wenn sie Interesse haben sollten, schicke ich Ihnen im Spätherbst gern Samen.

            Zu Ihrer Mulchthematik: Das teile ich Ihre Ansichten voll und ganz, grabe bei mir auch nicht um, habe die Beete aber intensiv mit Pferdemist aufgeschüttet, zirka alle vier Jahre ein 8 cm hohe Schicht, und lasse auch viel Laub auf den Beeten liegen. Leute, die nicht verstehen, weshalb ich die Beete im Herbst mit Laub abdecke, wundern sich dann über riesengroße, zahlreiche Regenwürmer bei mir im Frühjahr/ Sommer.

            Aber wissen Sie, dass unter anderem diese Ansichten dazu beitrugen, dass ich ein Glyphosat-Verbot komplett ablehnte? Um jetzt eine Unkraut-freie Fläche zu haben, pflügen, grubbern und striegeln Biobauern, fahren durchschnittlich 7 mal statt einmal über ihren Acker. Bodenorganismen werden dadurch zerstört, Bodenerosion bei gleichzeitiger partieller Verdichtung sind die Folge, der Dieselverbrauch ist immens und die CO2- Bilanz fällt auch verheerend aus- bei halbem Ertrag zu konventionellem Anbau. Deshalb bin ich inzwischen davon überzeugt, dass das umweltfreundlichste die konventionelle Landwirtschaft kombiniert mit einer Ausweitung der Naturhabitate wäre, an Feldwegen entlang, am Rand der Felder, auch in der Senkrechten, also z.B. als Buscheingrenzung (Schlehen, Holunder, Weißdorn, heimische Waldrebe, wilder Wein, Steintrockenmauern, Lehmmulden…..)
            Diese Extraarbeit müsste den Bauern ebenso vergütet werden wie der Boden, den sie dafür zur Verfügung stellen. Ich glaube, unter diesen Umständen würden die Ansichten in Bezug auf die Wichtigkeit der Qualifizierung und Ausweitung der natürlichen Habitate hier nicht so sehr auseinandergehen.

            Wenn zusätzlich noch die Privatverbraucher besser über die Insektentauglichkeit ihrer Nutz- und Zierpflanzen informiert wären, wären wir für die Umwelt einen großen Schritt weiter. Auch Hausbegrünungen sollten massiv gefördert werden (Arbeitseinsätzevon Lanzeitarbeitslosen fände ich nicht schlecht zur Unterstützung von Rentnern, die Häuser und Gärten besitzen und umweltfreundlich „aufrüsten“ wollen). Der Wille wäre bei vielen Menschen da, aber die physische Umsetzung für Pflanzungen und die Kenntnis in Bezug auf die Auswahl der Pflanzen ist bei vielen nicht vorhanden.

            Dann müssten nur noch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten (Giftigkeit, Abbaubarkeit) die schädlichsten Spritzmittel verboten werden, im Privatgarten genauso wie auf den Feldern, GENAUSO wie bei den Importen von Nahrungsmitteln…. Ich sehe da das Kupfer ganz vorne, die Neonicotinoide aber ebenfalls. Lebensmittel, die damit behandelt wurden, sollen auch nicht importiert werden dürfen. Wenn aufgrund von Rübenrüsslern dann Stevia Auftrieb erfahren sollte- wunderbar! Die Diabetes- Rate der Bevölkerung würde sich reduzieren.

            Viele Grüße!

            1+
  7. fingerphilosoph sagt

    Professionelle Landwirtschaft ist die wissenschaftsbasierte Produktion von Lebewesen, die auf industriell-technischem Weg in Nahrungsmittel verwandelt werden. Jede professionelle LW ist deshalb sowohl biologisch als auch industriell-technisch.

    Begriffe wie „biologisch“, „ökologisch“, „alternativ“, aber auch „industriell“, „konventionell“ eignen sich nicht, um Unterschiede in den verschiedenen Produktionsweisen herauszustreichen und sollten deshalb abgeschafft werden, zumal sie mit teilweise falschen Werturteilen überblendet sind.

    Bio- und Konvi-Landwirte erstellen stattdessen gemeinsam einen für den durchschnittlich begabten Verbraucher überschaubaren Katalog von gültigen Unterscheidungskriterien und einigen sich auf ein neues Begriffsvokabular, das über eine Medienkampagne dem Verbraucher zugänglich gemacht wird. Es gibt seitens der Bio-Landwirte schon solche Begriffe „Freilandhaltung“, „ohne GvO“, „aus Weidehaltung“. Andere Begriffe können sein: „energiesparend“, „gewässerschonend“, „bienenfreundlich“.

    Ein Konvi-Landwirt kann u.U. „bienenfreundlicher“ wirtschaften als ein Bio-Landwirt, da konventionelle LW gegenüber Bio-LW nur die Hälfte an Fläche braucht und deshalb mehr Blühstreifen oder -wiesen gepflanzt werden können. Der Bio-Bauer, der zuviel Gülle auf seinen Acker wirft, wirtschaftet ebensowenig „gewässerschonend“ wie ein Konvi-Landwirt, der zwar weniger Dünger aufbringt, der sich dafür in der Natur langsamer oder gar nicht abbaut.

    Wenn die Bauern wollten, könnten sie durchaus gemeinsam an einem Strick ziehen.

    9+
    • AdT sagt

      „Dünger, der sich dafür in der Natur langsamer oder gar nicht abbaut“
      LOL, was soll das denn sein – Dünger, der nicht aufgenommen wird?

      0
      • fingerphilosoph sagt

        Rückstände, die sich im Wasser messen lassen. Ich schlage vor, dass die Bauern bei der Erstellung dieses Katalogs einen spitzfindigen Juristen wie Dich dazuholen. 🙂

        1+
        • AdT sagt

          Ich dachte nur, wenn der Konvi in Form von Kunstdünger weniger (zielgerichteter) Dünger ausbringt als der Bio mit „Naturdünger“, wird auch weniger Dünger ausgewaschen. Habe mal gelesen, dass Kunstdünger in Form von gepressten Kügelchen/Pellets langsamer in die Umgebung abgegeben wird als Gülle. Damit wird aber im Vergleich zu Gülle mehr von der Zielpflanze aufgenommen, weil sowohl weniger nach oben (an die Luft) abgegeben wird als auch weniger an der Wurzel vorbei nach unten ins Grundwasser sickert. Ist das so, Bauer Willi?

          0
          • Bauer Willi sagt

            Jein. Ich weiß, keine gute Antwort für einen Juristen. Aber in der Praxis ist es so. Wir fahren mit dem Düngerstreuer z.B. im Getreide mindestens drei mal mit geringen Mengen. Nennen wir auch „Löffeldüngung“ wobei der Name schon alles sagt. Dieser Stickstoff (und um den soll es hier gehen) löst sich aus den Düngerkörnern, wenn er feucht wird. Bleibt es trocken, passiert nichts. Bei einer wachsenden Pflanze kommt der Dünger also gezielt an die Wurzel in der oberen Schicht. Und jetzt zur Gülle: Mit der kann man das genau so machen, allerdings muss man dann mit den Ausbringgerät auch drei Mal mit kleinen Mengen fahren. Das wird aber extrem teuer, weil die Güllefässer nun mal das Mehrfache eines Düngerstreuers kosten. Dazu kommt noch die Bodenbelastung durch Trecker und Fass, die auch wesentlich höher ist als Trecker und Düngerstreuer. Im „Kunstdünger“ (ich sage lieber „Mineraldünger“) sind die Nährstoffe wesentlich konzentrierter und ich fahre kein Wasser durch die Gegend. Vorteil der Gülle (oder Gärsubstrat) ist aber, dass ich noch organische Masse mit ausbringe, die positiv für die Humusentwicklung ist. Von daher düngen wir vor Kartoffeln und Zuckerrüben mit Gärsubstrat. Der Stickstoff ist aber nicht sofort verfügbar und wird im Verlaufe der Vegetation erst von den Bodenmikroben verfügbar gemacht. Wir düngen rund 70% organisch (auf den erwarteten Ertrag). Wenn, wie in diesem Jahr, die Rübenernte nicht so toll zu werden verspricht, können wir immer noch reagieren. Wird nachgedüngt, dann mineralisch. (Also mit „Kunstdünger“ 🙂 )

            Alles klar? Und jetzt noch Willi, der Prophet: Gegen 15 Uhr könnte es in Düsseldorf gewittern, bei uns eine halbe Stunde vorher. Dann würde wieder Stickstoff mobilisiert. 🙂
            Bauer Willi

            2+
            • AdT sagt

              Danke. Sehr interessant. Jeins bin ich übrigens gewohnt (2 Juristen, 3 Meinungen).

              Gewitter, dann will die Freundin nicht raus und ich hab freie Zeiteinteilung. Ist ja nur Japantag draußen. Schon mal dagewesen? Sehr eindrucksvoll die schiere Masse an Jugendlichen in Comic-Aufmachung.

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            • Inga sagt

              Aber ich denke doch, dass man mit Mineraldünger gezielter und genauer auf den Verbrauch der Pflanze eingehen kann, oder?
              Und diese „Kügelchen“ sind somit schneller für die Pflanze verfügbar.

              Dann müsste das „N“ das man im Wasser messen kann, nur aus dem Kreislaufdünger, Gülle stammen, oder?

              Und die wird erst mit Bodenbakterien als Fahrwert für die Pflanzen aufgeschlossen, also halten sich der Nährstoffe aus diese Düngeform länger im Boden, oder?

              Weil der Stalldung für die Hochleistungspflanzen nicht ausreichte, hat man diesen Mineraldünger genommen, um den Markt für Nahrungsmittel zu sättigen.

              Denn wenn der nicht gesättigt ist, dann haben wir Mangelwirtschaft!
              Das will keiner, oder?

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            • bauerhans sagt

              30 bis 50m3 gülle pro ha wird oft mit nitrifikationshemmer ausgebracht d.h. der N wird erst später pflanzenverfügbar.

              1+
          • Brötchen sagt

            Rindergülle enthält mehr Faserstoffe, die auch langsam abgebaut werden. Deshalb muss Rindergülle/Flüssigmist vor Ausbringung gut aufgerührt werden, da sich Schwimmschichten absetzen. Es gibt Mineraldünger wie Harnstoff der direkt wirkt und es gibt langsam fliessende.

            2+
            • Inga sagt

              Das ist klar wegen dem Verdaungssystem der Rinder,
              die hinterlassen deswegen mehr Fasern.

              Scheinegülle muß auch gerührt werden, aber bestimmt weniger.

              Ich kenne Rindermist nur vom Haufen.
              Wo ich auch etwas für den Garten genommen habe.

              Warum soll Rindermist für den Garten besser sein als Schweinemist?

              Wegen welchen Inhaltsstoffen?

              Was nimt Baur Willi inden Garten?
              Kartoffel und Tomaten lieben doch Dung aus Mist, oder?

              Und die Erdbeeren lieben ihn über Winter!
              Weil er langsamabbauende Nährstoffe hat und warm hält.

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      • Hans-Günter Felser sagt

        AdT: Nicht alles, was Sie nicht kennen, gibt es nicht. Dass Sie den Unterschied zwischen „sich nicht abbaut“ und „nicht aufgenommen wird“ nicht verstehen wollen/können, symbolisiert das Dilemma. – Im Übrigen finde ich den obigen Kommentar von „fingerphilosoph“ sehr gut. Es gibt genug Ansätze in Dialog zu treten, statt in „LOL“ auszubrechen. Wenn Sie vernünftig fragen, wird Ihnen der fingerphilosoph auch antworten, sonst helfe ich Ihnen gerne auch weiter. Beste Grüße

        1+
        • AdT sagt

          Der Fingerphilosoph weiß mich schon zu nehmen. Bei vielem haben wir grundsätzlich andere Meinungen. Ich finde jedoch gut, was er zum Flächenbedarf gesagt hat. Ich bin nämlich der Meinung, dass man mit den Mitteln konventioneller Lw viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat als mit „nur Bio“. Man könnte die höhere Produktivität nutzen, um zugleich Biotope und Habitate zu schaffen oder auch Flächen extensiv zu bewirtschaften (mein Favorit: Streuobstwiesen). Das wäre aber eine agrarpolitische Mammutaufgabe. Aus eigenem Antrieb, ohne finanziellen Nutzen, wird kaum ein Landwirt Flächen nicht landwirtschaftlich nutzen. Eine Mammutaufgabe, aus der nix wird, aber man darf sich ja vielfältige Kulturlandschaften „erträumen“, während man mit tiefer Inhalation am Schweinestall in der „Agrarwüste“ vorbeiläuft…

          3+
          • Obstbäuerin sagt

            Hallo AdT, heißt das Anwalt der T…..? (Tauben, Tollen, Tüchtigen?)
            Bis auf die Streuobstwiesen ist das in etwa unser Modell. Geht aber nur bei relativ moderaten Pachtpreisen. Es ist aber ein Auslaufmodell, weil wir keinen Betriebsnachfolger haben und somit in etwa 5-8 Jahren Geschichte. Schade drum.

            1+
          • Bauer Willi sagt

            Ich habe eine Streuobstwiese gepflanzt. Auf meine Kosten, aber auf dem Gelände der Gemeinde. Ich schneide die Bäume auch zurück, aber spritzen soll da ein anderer. Das wird mir dann doch zu teuer. Macht aber keiner… (Ironie off)
            Bauer Willi

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          >>27. Mai 2018
          AdT: Nicht alles, was Sie nicht kennen, gibt es nicht. Dass Sie den Unterschied zwischen „sich nicht abbaut“ und „nicht aufgenommen wird“ nicht verstehen wollen/können, symbolisiert das Dilemma. <<

          Ehrlich gesagt, da muss ich auch passen, ich kenne keinen Dünger der nicht aufgenommen wird.

          Kenne jedoch ein Pflanzenschutzmittel wo dies zutrifft, es ist das Mittel wo die ÖKO Jünger davor niederknien volksnah Kupfer genannt.

          Kupfer verwende ich als Dachrinne, meinen Boden will ich damit schonen, wegen den Enkelkindern. 😉

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    • Tom sagt

      Wie kann ein Bio Landwirt zuviel Gülle ausbringen und welcher konvi Dünger baut sich nicht ab? Ich kann Dir nicht ganz folgen!

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      • AdT sagt

        Stimmt, Bio ist flächengebunden. Die Gülle aus dem eigenen Ackerbau enthält stets weniger Nährstoffe als dem Boden vorher durch Ernte entzogen wurde. Denn ein Teil der Nährstoffe wird zu Körpersubstanz des Tieres umgebaut, das den Hof verlässt, und ein weiterer Teil der Nährstoffe in der Gülle wird bei Lagerung und Ausbringung an die Luft abgegeben, ein weiterer ausgewaschen.

        Meine Frage an Bauern: Kommt ein Biobauer eigentlich ohne Handelsdünger aus?

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        • Tom sagt

          Wenn er Ware aus seinem Betrieb nach Aussen verkauft,
          muss er auch Handelsdünger ( in welcher Form auch immer )
          von Aussen herbeiholen.
          Sonst funktioniert dass – zumindest was Phosphor und Kali betrifft
          auf Dauer nicht.

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        • Brötchen sagt

          Es gibt Ausnahmen und Konv. Ist auch flächengebunden, sonst gibt es keine Genehmigung. Spurenelemente muss der Bio auch düngen. Fruchtfolgen mit Klee reichern den Boden an mit Humus. Die Gemische Erbsen und Getreide liefern auch Stickstoff. Bio muss spezielle Fruchtfolgen einhalten, um die Nährstoffe zu liefern und Humus aufbauen. demeter betreibt eine aufwändige Kompostwirtschaft, aber nicht alle, es gibt auch Ausnahmen. Man muss genau in das „Kleingedruckte“ gucken.

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        • Bauer Willi sagt

          Hier ein Link dazu: https://www.oekolandbau.de/erzeuger/pflanzenbau/spezieller-pflanzenbau/gruenland/duengung/stickstoff-phosphat-und-kali/
          Der Bio-Bauer verwendet Rohphosphat, dass nicht so aufkonzentriert ist, aber auch meist aus Marokko stammt. Er verwendet Rohkali (siehe Phosphat).

          Ansonsten gilt das einfache Gesetz: wo ich was weghole, muss ich auch wieder was hinbringen. Wer es mit Stallmist macht, hat vorher die Kühe gefüttert. Wenn er also Bio-Getreide oder Bio-Soja als Futter zukauft, importiert er auch Dünger. Nur wird das meist nicht so sauber erklärt.
          Bauer Willi
          Bauer Willi

          4+
          • Brötchen sagt

            mir fällt noch was ein, was Laien vielleicht nicht klar ist. das Zauberwort heisst Photosynthese. die Pflanze baut aus Kohlenstoff(Humus) und Wasserstoff und Sauerstoff , Zucker, stärke, und Lignin. Allein für die Proteine braucht es den bösen Stickstoff. Alle Leguminosen brauchen den nicht, die können den mit den Knöllchen Bakterien an den Wurzeln aus der Luft gewinnen. Die Photosynthese hat eine rel. Hohen Wirkungsgrad, der Techn. Noch nicht nachgebaut werden konnte.

            1+
        • fingerphilosoph sagt

          Bei diesen „neuen“ Begriffen zur Unterscheidung der Produktionsweisen müsste genauso diskutiert werden, wie das hier jetzt ansatzweise getan wird, dahingehend, dass die Vor- und Nachteile jeder Produktionsweise in Bezug auf verschiedene Aspekte (Wasser, Boden, Biodiversität, Luft, Energie, Tierwohl) miteinander verglichen und bewertet werden.

          Wenn ich mit 1/2 ha Blühwiese und 1/2 ha Anbau mit Neonics im Endeffekt mehr Insekten haben sollte als mit 1 ha Bioanbau ohne Neonics, dann wäre die erste Lösung trotz Neonics insektenfreundlicher. Wobei Insekten nicht der einzige Umweltaspekt sind.

          Ich weiß nicht, ob das Beispiel zutrifft, aber diese Festlegung auf „bio“ oder „konventionell“ verhindert eben solche Diskussionen schon im Vorfeld.

          0
          • Brötchen sagt

            fingerph……das Rad wird man nicht zurückdrehen können…Du wirst ohne Kompromisse mit keiner Produktionsweise rund rum glücklich werden.
            Es gibt ja schon beim Begriff was ist umweltfreundlich, Probleme sich einigen zu können/wollen.

            Man kann nur sagen: dafür stehe ich ein, so will ich wirtschaften und dann muss man das durchziehen und kommunizieren.

            Meines Erachtens fehlt es in der gesellschaft an einer zusammenhaltenden Kraft, die bewusst Kompromisse eingeht. Kann aber nicht funktionieren, weil das ständig über die Globalisierung und Zuwanderung aufgelöst wird. So ist sich jeder selbst der Nächste, alles andere ist pure Heuchelei. Am einfachsten lässt sich sowas über diktatorische gesellschaften (China) lösen. Problem ist wenn der Diktator einen irrweg beschreitet, geht das ganze baden. Pluralistische gesellschaften haben bessere selbstregulierende mechanismen, die aber viel „Verluste“ produzieren.
            Bio kann man auch nur aus der geschichte begreifen, die auch schon fast 100 Jahre alt ist. Vieles was die sich als Standards gesetzt haben, ist aus heutiger Sicht willkürlich und nicht wiss. begründbar. Bestimmte Flächenangeben bei Tierhaltung oder ab wann ist ein Tier Bio usw..

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            • fingerphilosoph sagt

              „Umwelt“ bezeichnet eine von Menschen für Menschen gestaltete Umgebung. Insofern ändert sich die Umwelt in dem Maße, wie sich die Menschen und ihre Ziele und Wünsche ändern. Das hat mit Natur überhaupt nichts zu tun. Die Natur als Natur war und ist dem Menschen schnurzegal. Der deutsche Romantiker schwärmt vom Wald, aber er wohnt nicht in einem Baumhaus. Wo die Küste rau und die Winter stürmisch sind, ist sie trotz oder gerade wegen „Natur pur“ nur schwach besiedelt. Und wo die Küste nicht rau ist, ist sie von Hotelkomplexen verschandelt. Man mache sich also nichts vor. Es geht nicht um die Liebe zur Natur, es geht um Ästhetik.

              In der Vergangenheit bestand das wesentliche Ziel unserer Gesellschaft in Versorgungssicherheit. Dafür hat man auch ausgeräumte Landschaften, Pestizide, Massentierhaltung, Schlachthäuser etc. in Kauf genommen.

              Versorgungssicherheit wird in unserer Gesellschaft heute als selbstverständlich vorausgesetzt. Der Bürger hat sich daran gewöhnt, dass der Supermarkt immer schön gefüllt ist. Die Versorgungssicherheit wird deshalb der Ästhetik untergeordnet, wenn nicht gar geopfert. Deshalb ist es nicht ganz richtig, von Kompromissen zu reden. Zwischen Versorgungssicherheit und Ästhetik kann man nur solange Kompromisse machen, solange die Versorgungssicherheit mehr als gewährleistet ist.

              Genau das ist durch die Globalisierung gegeben. Wenn durch die ästhetischen Experimente in der europäischen, und vor allem in der deutschen LW, die Versorgungssicherheit im eigenen Land flöten geht, macht das gar nichts, weil Europa reich genug ist, die benötigten Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt einzukaufen, selbst wenn dort die Preise durch erhöhte Nachfrage steigen.
              Die Ästhetisierer, die die Umwelt einseitig nach den Gesetzen des Schönen gestalten wollen, sind deshalb gleichzeitig auch Globalisierungsanhänger.

              „Bio“ hat sich in dem Maße als Gegenmodell zur Konvi-LW entwickelt, wie die Versorgungssicherheit zugenommen hat und ästhetische Kriterien für den (meist städtischen) Verbraucher wichtiger wurden.

              Wenn die ästhetischen Ansprüche des modernen Menschen weiter steigen, bedeutet dies das Ende von Ackerbau und Viehzucht, das Ende des agrarischen Zeitalters. Die meisten Menschen halten es nicht für möglich, dass das agrarische Zeitalter jemals zu Ende gehen kann, aber in der Realität zeichnet sich bereits jetzt schon ab, dass die Industrielle Revolution immer noch stattfindet und auch die Nahrungsmittelproduktion grundlegend revolutioniert.

              Die industriellen Nahrungsmittel basieren auf abstrakteren Begriffen wie die agrarischen: Proteine, Kohlehydrate, Zucker, Vitamine, Mineralstoffe. Schon jetzt denken wir bei Nahrung diese abstrakteren Begriffe regelmäßig mit und auch der Bauer benutzt sie fleißig. In naher Zukunft backen wir unser Brot vielleicht nicht mehr aus Weizenmehl, sondern aus Proteinmehl, das von in Tanks gezogenen Insekten oder Algen stammt.

              „Bio“ bezeichnet den Übergang vom Landwirt zum Gärtner, denn der Obst- und Gemüseanbau und Blümchen sind das, was sich vermutlich auch dann noch halten wird, wenn die Gewährleistung der Versorgungssicherheit an die Industrie übergegangen ist.

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            • Brötchen sagt

              Fingerphilosoph mit dem ersten Teil gehe ich mit. die Gegenwart zeigt, dass es ein Irrglaube ist , es lässt sich alles über einen globalisierten Warenaustausch regeln. Machtverhältnisse spielen immer noch eine grosse Rolle. Siehe China und Amerika. wer Rohstoffbasen, Informationstechnik und Waffensysteme hat, der hat die macht. Bsp war ja der Auftritt von Zuckerberg in Brüssel. Europa macht ja ein Drittel der Kunden aus und der nimmt sich für seine Kunden eine Stunde Zeit. Er hat damit gezeigt, wer die Macht hat.

              Was Insekten und Algenproteine anbelangt, davon wird schon sehr lange geredet, bloß es setzt sich nicht durch. ich vermute mal zu teuer in der Produktion.

              Bio ist auch mit ein Resultat der Verunsicherung und entwurzelung der Menschen von den natürlichen Lebensgrundlagen. Die Lebensreformer Bewegung gibt es schon seit 1920. es hat alles seine Wurzeln in den 1920 , was heute eine moderne Gesellschaft ausmacht. Was Kompromisse angeht, reden wir aneinander vorbei. ich bin davon überzeugt, man kann auch mit einer anderen Tierhaltung Und LW D. versorgen. das ist nicht nur Ästhetik, alles eine Frage des Willens und was man für wichtig hält. könnte man an einem bsp. Konkret darstellen, was ich meine. das betrifft nicht nur die LW, das betrifft alle Lebensbereiche!

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            • fingerphilosoph sagt

              Was eine andere Landwirtschaft angeht, würde ich Dir vielleicht zustimmen, wenn die derzeitige Landwirtschaft nicht als Gegenstück die Großstädte hätte. Die Großstädte und die Landwirtschaft bedingen sich wechselseitig. Inzwischen lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Großstädten. Der Flächenverbrauch durch Industrie, Wohnraum und Verkehr nimmt ständig zu.

              Wer die Landwirtschaft ändern will, muss auch die Stadtstrukturen ändern, was bei steigenden Bevölkerungszahlen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Der Bevölkerungsdruck zwingt die Leute in die Städte. Mal ganz abgesehen davon, dass die meisten Menschen tatsächlich wohl lieber auf einem Haufen in einer Stadt leben als auf einem Dorf oder einem Gehöft.

              Wenn nur die LW ihre Strukturen ändert und die Großstädte bleiben, wie sie sind, kommt ziemlich was in die Schieflage, die dann dadurch aufgefangen wird, dass umso mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland und da natürlich aus Großbetrieben und Massentierhaltungen bezogen werden muss, was der Stadtbewohner dann verdrängt.

              Insekten und Algen sind wohl weniger eine Frage der Energie oder Kosten, sondern vielmehr der Akzeptanz. Es wird sicher auch noch eine Zeit dauern, aber je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass das kommt.

              Wenn man die Wahl hat zwischen einerseits einem nussig schmeckenden Proteinmehl aus Insekten und einer Umwelt, die einem Naturpark ähnelt, und andererseits einem Burger aus Weizenmehl und Rinderhack und der Agrarlandschaft mit Massentierhaltung, wie wir sie jetzt haben, wie werden sich die nachfolgenden Generationen entscheiden, denen wir gerade einflüstern, wie Mensch und Tier in einer heilen Naturkulisse in Harmonie zusammenleben können?

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        • AdT sagt

          Danke für die Antworten. Ja, das mit den Leguminosen wusste ich eigentlich. Ess‘ ich ja selbst viel davon. Enthalten zugleich viel Stärke, Protein und Ballaststoffe. Geben also Brennstoff, Baustoff und Füllstoff (sättigen lange) – und düngen und bauen z.T. Humus auf. Das nenne ich The Real Super Food. 🙂

          2+
          • Brötchen sagt

            Ich habe dir das nicht richtig erzählt, Hand vor den Kopf Schlag, der Kohlenstoff kommt vom CO2. Also braucht die Pflanze eigentlich nur Spurenelemente und Mengenelemente zusätzlich. Also müsstest Du nichts zu düngen, die erträge werden aber sinken. Deshalb Fruchtfolgen um Defizite auszugleichen. Es gibt Dauerversuche, wo über Jahrzehnte die gleiche Frucht angebaut wird. Z.b. Versuch macht klug
            https://literatur.thuenen.de › digbib_extern

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    • Stadtmensch sagt

      @fingerphilosoph: „alternativ“ würde ich nicht streichen. Wie heißt es so schön in „dreck – Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert“ auf S. 35: „Im Allgemeinen sind alternative Landwirtschaftsformen besser in der Lage, das für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit bedeutsame Bodenleben zu erhalten.“. Ich denke, dass du in deiner philosophischen Welt, ich zitiere: „In der Natur verausgabt sich das Leben bis zum Tod und fingerphilosoph geht durch den wohlsortierten Supermarkt und wählt aus“, keine Vorstellung vom Verlust des Gleichgewichtes zwischen Bodenbildung und Bodenverlust hast, und wie sich das im geologischen Rückspiegel betrachtet sehr fatal für das Untier Mensch ausnimmt. Viele langjährige Vergleichsstudien zwischen konventionellen und alternativen Landwirtschaftssystemen haben gezeigt, dass die Erträge pro Flächeneinheit ungefähr gleich sind. Natürlich haben die nicht unter Weltmarktbedingungen getestet. Insofern sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels, wenn gestandene Landwirte hier auf “Deutschlands klügsten Professor Sinn” schwören. Der gute Mann fiel aus allen Wolken, als er erkennen musste, dass Rating-Agenturen schnödes Menschenwerk sind, die
      lügen und betrügen. Da haben dann seine ganzen Formeln nicht mehr gepasst, nach denen er der soziologischen Lehre von der Ökonomie, naturwissenschaftliche
      Gesetzmäßigkeiten zuschreiben wollte. Ganz dunkel…

      2+
      • Obstbäuerin sagt

        Stadtmensch, Vergleichsstudien sind gut – die Praxis zeigt´s besser. Erträge liegen bei 30-60%.

        1+
      • fingerphilosoph sagt

        Neben den wachsenden Ansprüchen an die Ästhetik beschleunigt auch diese negative Sicht des Stadtmenschen auf die Landwirtschaft das Ende des agrarischen Zeitalters und leistet der Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion weiteren Vorschub. Siehe Kommentar weiter oben.

        Die Sorge um den Boden lässt die Herstellung von Proteinen, Fetten und Kohlehydraten mittels Insekten und Algen in Tanks durchaus attraktiv erscheinen.
        Im Vergleich mit veganer Ernährung lässt sich der ökologische Fussabdruck nochmals um den Faktor 12 reduzieren, wenn die Menschheit von Weizen auf Insekten als Ernährungsgrundlage umsteigt. Das ist jetzt kein Witz. Das wäre dann wirklich „back to the roots“, denn die Vorfahren der Affen und teilweise die Affen selbst gehören zu den Insektenessern.

        Die Insekten des Meeres – Langusten, Krevetten, Muscheln, Krabben – gelten den meisten Menschen schon heute als Leckerbissen. Grillen sind vom Fleisch her wohl gar nicht so viel anders, heißt es. Ausprobiert habe ich noch nicht. Wenn die Grillen dann noch in Form von Proteinmehl daherkommen, ist das durchaus durchsetzungsfähig. Vor allem, frei in die Zukunft gesponnen, wenn die Chinesen die Amerikaner als Führungsmacht ablösen, denn in Asien gelten, was Nahrungsmittel angeht, andere Geschmäcker: halbausgebrütete Vogelembryonen beispielsweise sind dort Leckerbissen, Vitaminbombe und Gehirnnahrung zugleich.

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        • Stadtmensch sagt

          Die weitere Technisierung der Nahrungsmittelproduktion (ob mit Insekten, Algen oder Herstellung von Lupinenmilch) scheitert an dem zur Zeit (trotz aller Effizienzgewinne) enormen Energiekosten. Rohstoffgewinnung kostet auch immer mehr Energie pro Einheit, weil fast alles schon rausgeholt wurde (s. Ugo Bardi). Weder der Nachbau biologischer Abläufe noch das Zerlegen und wieder Zusammensetzen von chemischen Verbindungen aus denen unsere Nahrung besteht, ist aus energetischer Sicht optimal. Man muss immer mehr Energie reinstecken, als letztendlich Energie in der Nahrung steckt. Techniker haben das schon längst begriffen und wollen jetzt mit der Natur arbeiten, statt gegen sie. Es geht, nur der Markt stört. Mit diesem Chaos kann man einfach nicht rechnen. Womit wir wieder beim Herrn Sinn wären…

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          • Brötchen sagt

            Stadtmensch stimme ich voll zu! die Photosynthese ist unerreicht und auch die Fleischerzeugung geht nicht günstiger. viele kennen den Aufwand nicht. Maikäfer Fütterung gab es schon zu Kaisers Zeiten, die haben auch schon Lupinen mit Druck gedämpft. Preis Leistung ist Soja unerreicht! hat sich alles nicht durchgesetzt.

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          • fingerphilosoph sagt

            Der springende Punkt ist, dass sich mit einer Umstellung der Ernährungsweise sowohl die ästhetischen Ansprüche des modernen Menschen an seine Umwelt befriedigen und die Energieprobleme sich lösen lassen. Die Nahrung für die Insekten findet sich nämlich in einer Umwelt, die den ästhetischen Bedürfnissen des modernen, industriellen Menschen entspricht. Insektennahrung muss nicht weiträumig in Monokulturen angebaut werden, vielleicht lässt sich sogar mit Hilfe von Bakterien äußerst energieeffizient eine Nährlösung ähnlich Plankton herstellen.

            Um Insekten zu züchten, braucht man, verglichen mit Ackerbau und Viehzucht, weniger Energie, das ist ja gerade der Witz bei der Sache. Es braucht weitaus weniger Ackerfläche, die zudem noch als Naturkulisse wald- oder parkähnlich ansprechend gestaltet werden kann.

            Schon heute ist in den Supermärkten ein Großteil der Nahrung industriell so verarbeitet, dass das Ausgangsprodukt nicht mehr erkenntlich ist. Deshalb ist es für den Verbraucher letztendlich egal, ob das Mehl oder die Nudeln aus Insektenfleisch oder Weizenkörnern sind, er hat den Bezug zum Ausgangsprodukt ja eh schon längst verloren. Wichtig ist doch bloß, dass man der neuen Ernährungsgrundlage eine schon bekannte und allgemein akzeptierte Form gibt.

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            • Obstbäuerin sagt

              Auch wenn der Bezug zum Ausgangsprodukt verlorengegangen ist, so wird doch der Wunsch oder der Anspruch auf dessen Vollkommenheit und Ursprünglichkeit immer größer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur die perfekte Form akzeptiert wird.

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            • Stadtmensch sagt

              @fingerphilosoph: der Insektenburger, der neulich in den Kindernachrichten bei logo vorgestellt wurde, bestand aus etwas Mehlwurm-Ähnlichem. Die Viecher brauchen „Substrat“ also Getreide und Obst um fett zu werden. Von nix kommt eben nix. Und Algen taugen zur Zeit nicht mal als Sojaschrot-Ersatz. Da müsste man die Schweine erst noch mehr an das Futter anpassen, wie sie es bei den Kühen mit Silage etc. gemacht haben. Nährstoffqualität für den Menschen leidet natürlich dabei, denn er schleppt seinen evolutionären Rucksack mit sich herum und müsste sich ebenso umzüchten, um mit den modifizierten Mikronährstoffspektren zurecht zu kommen. So, zu so später Stunde merkt sicher niemand, dass wir hier alles vollschwurbeln…Gute N8.

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            • fingerphilosoph sagt

              Bei einer Umstellung der Ernährungsweise auf Insekten und Algen verschwinden die Schweine. Und auch das Getreide. Viele Algen sind essbar und sogar gesund. Wie Insekten übrigens auch.

              Insekten gab es schon vor Millionen von Jahren, als es noch überhaupt kein Getreide gab, und damals waren sie sogar wesentlich größer als heute. Sie sind nicht von Getreide abhängig.

              Der Mensch müsste sich überhaupt nicht groß umstellen, denn er stammt ja von Insektenessern ab.

              @ Obstbäuerin
              Was Obst und Gemüse angeht, stimme ich Dir zu. Da ist ein Trend zur Natürlichkeit und Ursprünglichkeit bemerkbar. Insekten und Algen ersetzen jedoch Getreide, Fleisch und Öle und da ist der Trend sogar eher entgegengesetzt. Immer weniger Leute kaufen Fleisch, wo das Tier noch erkennbar ist. Und wenn der Kuchen schmeckt, ist es doch egal, woraus das Mehl ist.

              So, jetzt ist mal wieder für eine Weile genug diskutiert.

              0
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              >>Was Obst und Gemüse angeht, stimme ich Dir zu. Da ist ein Trend zur Natürlichkeit und Ursprünglichkeit bemerkbar. <<

              Woher ziehen sie diese Erkenntnis?

              Tatsache ist, das der Verbrauer eine äußerliche Qualität verlangt,
              die uns die Natur nicht von selbst liefert.

              1+
  8. Tom sagt

    Ich sehe dass so: Für die Umwelt ist Bio doch sicherlich besser.
    Und: Solange die konventionellen Preise derart im Keller sind –
    (wegen Überproduktion), können wir doch auch etwas ökologischer
    produzieren und Agrarchemikalien einsparen.
    Jeder Verbraucher hat dies doch mit seiner Entscheidung an der
    Ladentheke selbst in der Hand.
    Will er mehr Tierwohl und weniger Chemie
    sollte er Bio kaufen – tut er aber nicht!
    Der Verbraucher entscheidet an der Ladentheke wie produziert wird.

    3+
    • Inga sagt

      Kann das der Verbraucher?
      Kennt er die Natur so geanu und weiß er wie verlässlich man damit arbeiten kann?
      Es geht eben nicht so einfach und planbar wie in der Autoproduktion usw.
      Das wäre zu kurz gedacht.

      Und wer hilft dann Bauer Willi und anderen, die dann doch heranwachsenden Unkräuter zu beseitigen, die die zu starke Natur dann doch noch herbringen wird?
      Freiwillige vor:

      Kennen die ach so gut gebildeten Mitbürger eigentlich den Integrierten Pflanzenschutz im konventionellen Anbau?
      https://de.wikipedia.org/wiki/Integrierter_Pflanzenschutz

      Weiß der
      Verbraucher welche (Un)mengen Chemie da eingesetzt werden?

      Oder weiß das nur das Bergvolk, das da hinter dem Mond wohnt, wo sich Hunde und Füchse gute Nacht sagen?
      Die nicht über den Tellerrand hinaussehen können, deren Reichweite des Denkens nur soweit geht, wie ihr Kirchturm im Dorf Schatten schmeißt?

      2+
      • Tom sagt

        Ich meine der Verbraucher kann dass sehr wohl.
        Viele Verbraucher wollen es nur nicht weil es Geld kostet.
        Unkrauter kann man auch mechanisch beseitigen,
        es kostet halt dementsprechend mehr Geld!
        Und zum Thema „Integrierter Pflanzenschutz“ – lächerlich.

        0
        • Regine Lehmeier sagt

          Was ist an der Idee des integrierten Pflanzenschutzes lächerlich?

          1+
        • Inga sagt

          also will der Verbraucher keinen Cent mehr für den Pflanzenshcutz ausgeben, aber beim hacken möchter er auch nicht helfen?
          Aber trotzdem genügend billige und gute Lebensmittel aus der Natur haben, oder?

          Die Natur ist aber nicht billig und lässt sich auch nicht billig bearbeiten.

          0
    • Obstbäuerin sagt

      Ob Bio für die Umwelt besser ist, finde ich zumindest fragwürdig. Im Obstbau wird viel Kupfer gespritzt – auch nicht so toll. Was den Herrn von und zu Löwenstein betrifft, muss doch erst mal zur Kenntnis genommen werden, dass er Oberlobbyist des Bio-Handels ist. Da macht er seine Sache ausgesprochen gut und haut den konventionellen Anbau immer gerne in die Pfanne. Wenn er aber behauptet, er wäre mit Bio reich geworden, finde ich das schon sehr grenzwertig. Seine Bücher werden z.B. auf Extraständern in einer Drogeriekette angeboten.
      Dem Kunden sollten wir aber nicht ständig ein schlechtes Gewissen einreden. Wenn z.B. ein qualitativ gleichwertiges Produkt aus Bulgarien oder Polen zu einem niedrigeren Preis angeboten wird, dann wird er preiswert kaufen. Das Problem ist doch in der Form des EU-Binnenhandels zu suchen. Je mehr Handarbeit ein Produkt benötigt, umso teurer wird es sein, wenn es in Deutschland produziert wird. Das trifft natürlich auch auf Bio-Produkte zu. Aus diesem und aus anderen Gründen würde ich nie auf Bio umstellen. Der Markt ist jetzt schon in vielen Kulturen dicht.

      0
      • Tom sagt

        Richtig, “ Der Bio-Markt ist jetzt schon in vielen Kulturen dicht“.
        Aber dennoch hat es der „“““ nur „““““ Verbraucher in der Hand,
        ob Naturnah, Regional produziert wird oder nicht.
        Der Verbraucher “ muss “ lernen, dass Naturnah und Regional erzeugte
        Ware teurer ist, und vor allem – der Verbraucher muss diese Ware dann auch kaufen.

        0
        • Obstbäuerin sagt

          Dieser »Verbraucher«, der aus Ihrer Sicht lernen muss, »richtig« zu kaufen, muss erst noch gebacken werden. Viele Gründe führen dazu, dieses oder jenes Produkt zu kaufen. 10 Millionen Mitmenschen fehlt es schlicht am Geld, das sind arme Rentner, arme Familien, Hartz4-Empfänger, Aufstocker usw..
          Oft sieht ein teurer Bio-Apfel einfach zu kläglich aus und manchmal schmeckt das teurere Produkt einfach nicht.
          In der Schweiz wird die Einfuhr z.B. von Erdbeeren aus dem Ausland in der Erdbeersaison untersagt. Dann muss der hohe Preis für die einheimische Ware bezahlt werden. Für den nicht so betuchten Kunden sehr unbefriedigend – für den Produzenten eine hohe Sicherheit.

          0
          • Tom sagt

            Hallo Obstbäuerin,
            „Dieser Verbraucher muß erst noch gebacken werden“
            stimmt nicht ganz.
            Es gibt immer mehr Verbraucher die auch bewusst genau dass
            Einkaufen was sie an Umweltschutz von uns Bauern fordern.
            Die anderen Verbraucher die das aus welchen Gründen auch immer nicht tun,
            sollten dann aber bitte einfach nur den Mund halten.
            Man kann einfach keinen Ferrari fahren zum Preis eines Dacias.
            P.S. Der Schweizer Weg ist sicherlich nicht der falsche.

            0
    • Michaela 71 sagt

      Bio ist eben nicht immer besser. Das Ausbringen von Kupfer ist in der Biolandwirtschaft mit 3,2 l/ha erlaubt, im Weinbau sogar mit 6 l/ha. Kupfer ist ein Schwermetall, baut sich nicht ab, verursacht bei Ungeborenen z.B. schwerste Harnleiterdeformationen. So viel Wissenschaft müsste auch in der Biolandwirtschaft sein, dass die giftigsten Spritzmittel dort nach nachvollziehbaren Kriterien verboten würden, egal, ob sie traditionell und wichtig sind oder nicht. Dass „Bio“ der Umwelt massiv und nachhaltig- ja, leider in diesem Sinne- schaden darf, weil „Bio“ durch Ideologie geschützt ist, ist untragbar.

      1+
    • AdT sagt

      Die Aussage geht m.E. am Thema vorbei. Eine Degradierung des Bodens steht nicht in Rede. Problematisch ist der Verlust der für die Bodenfruchtbarkeit erst einmal nicht relevanten Biodiversität. Stichworte: Ausräumung der Landschaft/Verlust der Saumstrukturen sowie der Ackerbegleitflora (Glyphosat), Deposition und Auswaschung (organischer) Stickstoffverbindungen etc.

      Freiwillig erbringt kaum jemand Leistungen für die Allgemeinheit oder produziert und konsumiert ressourcenoptimiert, weder Landwirte noch sonstige Personen. Hier liegt eine gesellschaftliche/politische Herausforderung, die auch die Konsumgewohnheiten betrifft (Maß des Fleischkonsums und des Ausmaßes des Futterbaus).

      3+
      • Inga sagt

        Das ist es ja, AdT
        darüber sollte die Gesellschaft erstmal diskutieren.
        Und auch Zusammenhänge erkennen!

        0
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Sag ich ja auch,
        es ist eine Aufgabe der ganzen Bevölkerung. Derzeit ist es so, dass man alles schlechte auf den Bauern ablädt.

        Nur mal zum Beispiel.

        Würde ich erzählen, dass ich Pflanzenschutz bei meinem Obstbäumen aus geführt habe, dann ist bestimmt jemand dabei der mich Giftspritzer nennt.

        Erzähle ich denen, dass ich gerade vom 4 tägigen Mallorca Trip zurück gekommen bin, dann wäre die Antwort, oh wie schön!

        0
  9. Herbert Schwinge sagt

    Hallo Bauer Willi genau so ist es. Du must Dir immer die Frage was ist von diesen beiden Sachen wichtig u. was schön ist , Frankfurter Flughafen (komm aus Hessen) / Biospäre .
    In der Hoffnung auf Antwort um mit Dir in einen Dialog zu kommem,
    verbleibe ich mit bäuerlichem Gruß

    0
    • Bauer Willi sagt

      Das ist immer eine Frage der Perspektive. Der Bürger will natürlich Artenvielfalt, der Konsument aber wünscht sich einen tollen Flughafen in der Nähe. Und günstige Flüge sowieso. Nennt man auch Doppelmoral. Aber wir Bauern sind auch keine Heiligen…
      Bauer Willi

      0
      • Inga sagt

        Wenn die Natur kaputt ist dann ist sie kaputt, da können nohc nicht mal die bauern wa sdran machen,

        Ganz einfach,
        um das Fliegen nicht ganz verbieten zu müssen,
        dürfen nur noch dringend notwendige Flüge durchgeführt werden.

        Billigfleiger verbieten.
        Die freiwerdende Arbeitsplätze für in der Arbeit an und Erhaltung der Natur vewrwenden.

        Denn alle wollen und brauchen Natur eher, wie so einen Billigflug schnell mal für wenoige Tage irgendwo hin.

        Dann könnte der Flughafen doch kleiner werden, oder?

        2+
        • Sandra Harms sagt

          mal ne ganz dumme frage, wenn im flug sektor arbeitnehmer über sind, die dann in umweltschutz ihr geld verdienen sollen, wirft sich mir die frage auf, wer soll denn die leute bezahlen, nur mal so, aber ein flugkapitän wird sich sicher nicht für unter 6000 im monat hinstellen….

          0
    • Inga sagt

      Ich habe ja gestaunt, Herbert Schwinge
      als ich in der Hessenschau erfuhr, dass die Bauern aus der Wetterau ihr gutes Ackerland mit hohen Bodenpunkten dieses nicht der Ausdehnung der Stadt Frankfurt zur Verfügung stellen wollten.

      Irgend ein Amt muss doch ausrechenen, wo wir mit der Naturvergeudung aufhören müssen.

      Oder müssen das die Bauern, die Naturkenner privat in die Hände nehmen?

      0
  10. Sabine sagt

    Die Bio-Branche lebt immer noch von Geschichten wie der Zwergenwiese. Da zieht eine junge Frau aufs Land und bestellt ihren Garten, leider wachsen nur die Zwiebeln gut, aber egal, sie macht daraus eine erfolgreiche Biomarke. Viele junge Leute sind Ende der 70iger aufs Land, viele haben ihren Weg in die Wirtschaft gefunden, die wenigsten in die Landwirtschaft. Dass Frau Schöning sich bei ihrer Pionierarbeit auch die Handgelenke völlig verschlissen hat, wissen die wenigsten und heute wäre es unvorstellbar mit einem Korb selbstgemachter Brotaufstriche von Tür zu Tür zu wandern, um sie zu verkaufen. Manchmal gibt es im Markt Fenster, wer durch die durchklettert, kann viel gewinnen. Heute fängt wohl auch keine Software Firma mehr in der Garage der Eltern des Firmengründers an. Aber die Bio-Branche lebt immer noch von den Bildern ihrer Anfänge. Dass die wenigsten Höfe noch irgendwas mit Hippi-Kommune am Hut haben und eben nicht aussehen und wirtschaften wie Petterson und Findus, damit gehen die halt nicht hausieren.
    Die Frage ist halt, ob es in der konventionellen Landwirtschaft auch Fenster und Nischen gibt, die sich lohnen könnten, und ob es Pioniere gibt, die sich Rücken und Hände da ruinieren möchten. Ich glaube, dass es solche Fenster gibt und das es für einige Betriebe Wirtschaftsformen gibt, die besser sein können als das was Bio jetzt vorschreibt.
    Du fängst ja auch schon an Sachen für dich auszuprobieren. Die Kürbisse z.B. … und vielleicht gibt es ja bei Dir auch mal das Orginal Rheinische Bauernhuhn oder den Goldenen Kappes oder den Wilden Hannes, einen Johannisbeerlikör, denn die Sträucher sind ja schon da. Solche Kleinigkeiten lösen nicht alle Probleme, könnte aber am Bild der konventionellen Bauern langsam wieder restaurieren. Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine Hofführung zur Artenvielfalt viele Leute interessieren könnte und so wenigstens den Tuppes mit dem Hang zur Beschwerdeführung bei dir im Dorf das Wasser abgegraben wird. Vllt. kannst Du ja auch was mit den Herren Garten-Youtubern anstoßen. Großen Garten hast Du ja.
    Ich weiß, dass sowas bei laufendem Betrieb unendlich schwierig ist, aber manchmal wird aus einer Schnapsidee eine Schnapsfabrik.

    1+
    • AdT sagt

      Interessant mit der Zwergenwiese. Diese und andere Brotaufstriche sind für mich der einzige Grund, ein Reformhaus zu betreten. Der Rest ist gruselig. 🙂

      Hofführung über Artenvielfalt? Auf dem Feld oder auf dem Hof/im Garten? Bei letzterem kann man auch gleich im eigenen Garten oder im Stadtpark bleiben. Nichts gegen Willis Garten, aber wer sich nicht für Fauna und Flora vor der eigenen Haustür interessiert, hat auch kein Interesse an anderleuts Gärten. Oder?

      2+
      • Bauer Willi sagt

        Doch, AdT, Interesse haben viele, und ich hab auch schon mit einigen Leuten solche Führungen gemacht. Die fanden das „sehr interessant“… 😉 und „nett, dass Sie uns das erklärt haben“.
        Bauer Willi

        1+
      • Obstbäuerin sagt

        Wir haben einen Sortengarten mit etwa 150 alten Apfelsorten. Ab und zu machen wir noch Führungen im Herbst aber das Interesse ist eher mäßig. Zum Verkaufen eignen sich nur etwa 30-40 Sorten alle anderen sind Wirtschaftsäpfel, wie es früher eben für die Verarbeitung wichtig war. Macht ja heute keiner mehr. Im Vergleich zu den neuen Sorten schneiden die alten mehr schlecht als recht ab. Wir verkaufen direkt an den Kunden etwa 95% neue Sorten und 5% alte Sorten. Der Rest geht in den Apfelsaft. Auch hier gibt es eine große Differenz zu dem, was angeblich der Kunde will und was er dann tatsächlich kauft.

        0
  11. Rainer Henking sagt

    Lieber Willi, ich bin kein Landwirt und habe auch nur rudimentäres Wissen über die Landwirtschaft. Aber ich wohne auf dem Land und kenne konventionelle Landwirte persönlich, die ich durch die Bank als verantwortungsbewusst kennengelernt habe. Da ist kein Tierquäler und auch kein Brunnenvergifter dabei. Niemand, der alle Sinne beisammen hat, sägt den Ast ab, auf dem er, seine Kinder und vielleicht auch die Enkel sitzen.
    Leider ist es am einfachsten, immer auf den anderen zu zeigen und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen.
    Mach weiter so! Hier fühle ich mich gut informiert!

    17+
  12. Friedrich sagt

    Deutschland macht mal wieder einen Alleingang.“Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Das kann aber nicht richtig sein , denn wenn das so gut wäre würden andere Länder das ja nachmachen. Tun sie aber nicht. Das gilt auch für die Energieende und den Atomausstieg. — Wenn der gute Löwenstein vor Bio 60% Zuckerrüben hatte , dann war es ein Anbaufrevler , damit hätte er sich den Boden mit Nemathoden bis zum Hals vollgefahren. Klar , daß dann da garnichts mehr ging. So blieb im nur noch Bio über. Wir sollten nie vergessen , daß Bio eine Marktnische für Idelogen ist. Das ist auch gut so . Schade nur , daß die Biobauern die Hetze noch befeuern. Deshalb alle Subventionen für Bio weg . Wenn das alles so gut ist, muß es sich auch ohne extra Staatsprämie rechnen.In GB gibts kein extra Geld für Bio und siehe da , es wird schlagartig weniger mit den Biohöfen. Der normale Steuerzahler zahlt bei Bio doppelt .
    Einmal an der Ladentheke und dann noch einmal bei den Steuern.—
    Lieber Willi, mach weiter wie bisher . Du liegts „Nachhaltig“ richtig. Z.Zt. steigen wegen der schlechten Agrarpreise viele auf Bio um , um die Extraprämien zu kassieren. Das wird den Markt verstopfen und die Preise purzeln lassen. Irgendwann ist Bio und Öko am Ende. Es fehlt jetzt nur noch der „Große Knall“ und dann haben es alle mal wieder gewusst, daß das ganze ein Irrweg war. Leider ist unsere Politik zu Dumm oder zu Feige um diesen Irrweg zu beenden. Die Zeit arbeitet auf jeden Fall für die Realität und das wird ein böses Erwachen geben.

    6+
  13. fingerphilosoph sagt

    Der Erfolg der „Bio-Bewegung“ beruht auf simplem Schwarz-Weiß-Denken nach dem Motto: wer Bio-Produkte kauft, ist ein guter Mensch, weil er die Umwelt damit rettet. Wer Konvi-Produkte kauft, ist ein böser Mensch, weil er bloß an seinen eigenen Geldbeutel und weder ans Tierwohl noch an die Umwelt denkt. Mit dem jeweiligen Produkt kauft der Kunde also gleichzeitig ein moralisches Werturteil ein.

    Bio-Landwirte profitieren davon, dass ihre Konvi-Kollegen in der öffentlichen Meinungsmache als „Schädlinge“ dargestellt werden, weil diese ja offenbar den Menschen, den Tieren und der Umwelt immerzu nur Schaden zufügen. Im political-correctness-Jargon wird diese Botschaft natürlich hinter allerlei nichtssagenden Phrasen verschwurbelt, trotzdem wird sie permanent transportiert. Das ist mit ein Grund, warum „Bio“ für mich seine Anziehungskraft verloren hat. Mal abgesehen davon, dass oft die Qualität nicht stimmt.

    Es wäre an den Bio-Landwirten, das Schwarz-Weiß-Denken in der öffentlichen Meinung zu korrigieren und ihren Konvi-Kollegen zur Seite zu springen. Es wäre an den Bio-Landwirten offensiv aufzutreten und klar zu machen, dass auch sie in Massentierhaltung machen, Düngemittel und Pflanzenschutzmaßnahmen verwenden, die Artenvielfalt massiv reduzieren, Energie verbrauchen und ab und an kranke Tiere im Stall haben.

    16+
    • Mark sagt

      „Es wäre an den Bio-Landwirten, das Schwarz-Weiß-Denken in der öffentlichen Meinung zu korrigieren und ihren Konvi-Kollegen zur Seite zu springen.“
      Damit würden sie ihr Erfolgsrezept (vgl.Löwenstein) preisgeben und sich selbst abschaffen. Die Medien/NGO`s haben aber auch deshalb ein relativ einfaches Spiel, weil die Bauern selbst gespalten sind (vgl.Löwenstein). Teile und herrsche …

      8+
      • fingerphilosoph sagt

        Vergleichende Werbung dahingehend, dass die Konkurrenz im besten Fall verunglimpft, im schlimmsten Fall verteufelt wird, ist in der freien Wirtschaft gar nicht erlaubt. Keine Automarke wirbt damit, dass die Fahrer der Konkurrenzmarke häufiger verunfallen. Keine Bank wirbt damit, dass die Kunden der Konkurrenzbank im Alter häufiger am Hungertuch nagen.

        Dieses fiese Spielchen der vergleichenden Werbung funktioniert in der Landwirtschaft über den Umweg der öffentlichen Meinung. Das heißt, der Bio-Bauer verunglimpft den Konvi-Landwirt nicht direkt, sondern ist nur der Profiteur einer bewusst irreführenden Meinungsmache, die das Bild erzeugt, in der Bio-Landwirtschaft gäbe es all das nicht, was in der Konvi-LW als schädlich gebrandmarkt wird. Und das ist nun mal nicht wahr. Damit machen sich die Bio-Bauern zu Steigbügelhaltern von Verführern.

        Erfolgreich sein, definiere ich anders.

        7+
        • Inga sagt

          So ist es, Fingerphilosph.

          Ein Philsoph in einer Bauernrunde ist ja nun dazu da,
          diesem Dilemma ein Ende zu setzen, oder?
          🙂

          1+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Wenn man die freiwillige Werbung in den Medien so anschaut, dann müssten eigentlich 90 % der Bevölkerung Bio Lebensmittel kaufen. Wir wissen ja alle, dass der Anteil nur 5.7 % ist, obwohl der Verbraucher vielfach angelogen wird, BIO Bauern würden keine Pestizide anwenden, das ist Verbrauchertäuschung.

          Allmählich dämmert es beim Verbraucher, dass der BIO Anbau auch keine Insel der Glückseligkeit ist.

          Ein Chateaubriand Steak vom Angus Weiderind schmeckt mir auch, wenn nicht BIO darauf klebt.

          1+
    • Obstbäuerin sagt

      Fingerphilosoph, ich habe jetzt den Originalartikel im Stern gelesen und stimme Ihnen 100% zu. So einen vordergründig auf Bio-gut und konventionell-schlecht gestrickten Artikel habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Unterste Schublade.

      0
  14. Ina Müller sagt

    Lieber Bauer Willi, Du machst so ziemlich alles richtig, wie Deine Vorfahren auch. Wenn wir jeder Ökohysterie verfallen würden, herrschten Hungersnöte und grosses Jammern. Gerade erlebt dieses Dilemma Elon Musk, der glaubte, auf dieser Ökowelle mitschwimmen zu können – und dafür gefeiert wurde. Jetzt ist er der „Scharlatan“, weil die Versprechen nicht einzuhalten sind, mit denen er seinen Geldgebern die Millionenn abgeschwatzt hat. Wir haben dasselbe bei uns mit dem Grünen Punkt, dem Dosenpfand, der Energiewende und dem VeggieDay erlebt: Öko Kampagnen, die viel kosten und ihre Ziele NIE erreichen. Also: Kopf nicht hängen lassen, weitermachen – und nicht so wehleidig sein. Medien sind kein Maßstab für irgendetwas https://m.bazonline.ch/articles/5b090250ab5c373aeb000001

    4+
  15. J. Keunecke sagt

    Lieber Bauer Willi, nicht aufgeben. Wenn alle Bauern so wenig ernteten, wie Löwenstein in Wahrheit auf seinen verunkrauteten Feldern nur ernten kann, dann müssten sehr viele Menschen verhungern. Die konventionelle Landwirtschaft ernährt 95% der Menschen in Deutschland. Aber was kann man vom Stern, von solchen Redakteuren und ihrem maximal vorhandenen Halbwissen über Bienen anderes verlangen. Mit erfundenen Geschichten muss die sinkende Auflage erhöht werden – erinnert an die Hitler Tagebücher.

    7+
    • Bauer Willi sagt

      Ich gebe nicht auf. Aber es scheint die Gesellschaft (wer immer das ist) nicht zu interessieren. Da heißt es nur Überproduktion und Subventionen. Ich glaube auch nicht, dass die Felder von Löwenstein verunkrautet sind. Er ist sicher ein guter Landwirt und die Vermarktung von Kräutern ein gutes Geschäft. Aber es ist eine Nische, die nicht für alle lohnend sein kann. Das fehlt mir in dem Artikel und nicht nur in diesem.
      Wie kommen wir dazu, dass unsere Arbeit auch anerkannt wird? Warum gilt Bio per se immer als gut, unsere Wirtschaftsweise als schlecht? Das ist es, was mir durch den Kopf geht und wo ich keine Lösung sehe.
      Bauer Willi

      4+
      • Klemens sagt

        Nun ich habe die Erfahrung gemacht dass Leute welche Bio als Rettung der Welt erklären sich deshalb so an Bio klammern um nicht die letzte Hoffnung auf das Gute zu verlieren. Da darf Bio nicht schlecht oder gewöhnlich sein wo soll man sich sonst das schlechte Umweltgewissen beruhigen?
        Viele Biokunden sind Menschen welche es sich leisten können mit dem Flugzeug ein Wochenend in einer fernen Stadt zu verbringen diese Umweltsünde annullieren sie dann wenn sie fünf Biokarotten kaufen und stellen sich dadurch als Umweltbewusst dar, irgendwie eine neue Methode sich ein reines Gewissen zu kaufen. Erinnert irgendwie an die Rolle der Kirche im dunklen Mittelalter zuerst ein schlechtes Gewissen machen (Presse) und dann mit Beichte und Bußgeld (Bio) sich sein Gewissen beruhigen.

        4+
  16. Alexander Spahr sagt

    Danke, geht mir auch so mit dem Gedanken alles komplett verkehrt zu machen. Nebenbei nur noch ein „kleiner „, jedoch wesentlicher Sachstand. Laut Raiffeisen-Chefvermarkter Franz Utz von der ZG Karlsruhe würde eine ,nur 5%ige Mehrerzeugung von Biogetreide, den Preis für diesen unter das Niveau von konventionellem fallen lassen. Dann will ich mal sehen, wie groß die Bereitschaft ist, auf die verblendete, und meiner Meinung nach, sehr diktatorische Biolandwirtschaft umzusteigen…….Grüße aus Südbaden 😕

    2+
    • Bauer Willi sagt

      Ich finde Bio-Landwirtschaft nicht verblendet oder diktatorisch. Es ist eine andere Form der Landwirtschaft. Meine Frage ist, warum diese als gut und richtig dargestellt wird, die traditionelle Landwirtschaft so negativ?

      Zu der Aussage des Vermarkters: wenn der Preis für Biogetreide wirklich so stark fallen sollte, wäre doch aus Sicht des Kunden das Ziel erreicht: Billige Bio-Lebensmittel. Merken Sie was?
      Bauer Willi

      9+
      • Berthold Lauer sagt

        Nicht nur aus Sicht des Kunden wäre das Ziel erreicht. Auch das Ziel der Politik wäre erreicht. Oder glaubt irgend jemand Politik könnte zum Ziel haben, die Kosten für das „tägliche Brot“ in die Höhe zu treiben?? EU- Bio war der Einstieg dazu. Viele Biowaren legen heute zu fast gleichen Preisen wie konventionelle im Discounterregal. Den Wert von „Brot und Spielen“ kannten schon die alten Römer. Wenn dies billig und ausreichend verfügbar ist, dann bleibt das Volk bei Laune. Denn dann bleibt noch genug übrig, um sich andere Dinge gönnen zu können. Das ist die Grundlage unseres „Wohlstandes“.
        Zu deiner Grundsatzfrage, warum das eine automatisch positiv gesehen wird und das andere negativ, das hat vielleicht auch etwas mit dieser Sattheit zu tun. „Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter“. Bei uns sucht heute jeder das Neue, das Außergewöhnliche, den Kick. Protagonisten der jeweiligen Trends, zumal wenn sie noch der schreibenden Zunft angehören, werden doch ihren eigenen Trend nicht negativ darstellen. Und leider gehört es mittlerweile schon zu Standard, die eigene Überzeugung durch verdammen Anderer noch besser aussehen zu lassen.

        4+
      • Regine Lehmeier sagt

        Lieber Bauer Willi,

        zum Thema diktatorisch und verblendet finde ich trotzdem die Geschichte des biodynamischen Landbaus in den Jahre von 1933-45 bemerkenswert.

        Nachzulesen bei Helmut Zander „Anthroposophie in Deutschland“, Band 2, Seite 1579-1607….

        Auch wenn das „nur“ Geschichte ist…..und jetzt ja alles ganz anders ist….:-)

        0

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