Bauer Willi
Kommentare 79

Ich komm mit in die Utopie…

Anke ist die „Schäferin vom Hof „und ist mir durch den nachfolgenden Kommentar auf den Beitrag „Oh, Olaf“ aufgefallen. Sie macht all das, wie in den Augen (oder auch Träumen) unsere Gesellschaft Landwirtschaft aussehen sollte. Sie beschreibt darin wunderbar die Diskrepanz zwischen dem Wunsch des Bürgers und dem Verhalten des Konsumenten. Und leider auch ihren Frust. (www.weidenhof.de)

Oh ja! Ich komm auch mit in diese freundliche Utopie-Welt, wenn uns jemand den Weg zeigen mag. Ich kann vieles unterstützen, was die (alten) Landwirte sagen. Ich bin Öko-Schäferin, mit kleiner Herde, vom Aussterben bedrohte Schafrasse, solidarischer Landwirtschaft, nachhaltiges Wirtschaften, blabla.

Also alles, was das “NABU- und Grünen-Herz” begehrt. Das Fazit nach sechs Jahren? Jetzt wo auch noch der Wolf dazukommt, höre ich auf, Fleisch zu produzieren. es rechnet sich nicht. Der Verbraucher ist kaum bereit, diese anspruchsvolle Produktion zu zahlen, meine “Ideologie” (der Wunsch, Natur zu bewahren und schützen) gibt mir Kraft.

Aber auch meine Batterien sind irgendwann erschöpft und ich bin es leid, dass ganz viele Menschen auf unseren Hof kommen, uns lobhudeln und letztlich keiner von denen jemals wiederkommt zum versprochenen Helfen und Unterstützen.Unser lieber Ex-Umweltminister Wenzel ist auch dabei. “Eindrucksvoll” sei unsere Arbeit, und wir müssten uns unbedingt wieder zusammentun. Haha!!! jaja, blabla. Hab ihn nie wieder gesehen.

Gut, dass wir vom Gemüse leben können, aber artgerechte Weidetierhaltung, mit echten Bodenbrütern und alten Nutztier-Rassen mach ich jetzt zum Hobby. Und alle, die meine Tierhaltung “eindrucksvoll” finden, dürfen von nun an zum LIDL gehen und dort Fleisch kaufen. Wenn das besser sein soll, dann bitte.

Ja, wie bekommt man das hin? Sicherlich liest man aus meinen Worten den Frust. Da stehe ich nun und sage: hey! Ich mach bio, artgerecht, nachhaltig und fair. Aber wie war das nun mit der Solidarität unter Menschen???

Eure Schäferin vom Hof

Wer mehr von ihr lesen will (was ich sehr empfehle!) hier geht es zu ihrem Blog.  Gleich der erste Text „Nachts ist es kälter als draußen“ ist eine echte Perle. Und das Video im Text (weiter unten) auch. Weil sich der Wanderschäfer Sven da berechtigt aufregt.

https://schaeferin.weidenhof.de/

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79 Kommentare

  1. Ferkelhebamme sagt

    Wunderbarer Block, Danke für den Tipp!
    Als konvi Massentierhalter habe ich immer wieder interessante Gespräche, gern auch mit (scheinbar alle Öko?) Pädagoginnen jedweder Coleur. Und immer: ich hätte, könnte, würde ja, wenn… Begeisterung, wenn ich dann von unseren im Kleinen gezüchteten Durocs erzähle, die der Nachbar im Strohstall mit Auslauf aufzieht! Die Durocs sind jetzt schlachtreif, und ratet mal, von wem ich nie wieder gehört habe, bzw. wer trotz Zusage jetzt kurzfristig abspringt, weil…. (hier beliebige Ausrede einsetzen) Blablabla, denke ich inzwischen auch nur noch.
    Ein Zitat der Schäferin spricht mir aus dem Herzen: „Hingabe, Liebe, Weisheit, Demut, all das machen die Tiere einfach so – und laden uns Menschen ein, uns an ihnen zu entwickeln.“ Wer täglich (egal ob bio, öko, konvi,)mit Geburt und Tod, Freud und Leid mit dem Tier erfährt, lernt mächtig Respekt vor dem Tier, der Natur und letztendlich dem Lebensmittel.
    Etwas, was dem Konsumenten leider fehlt. Und den vielen Schlauschwätzern und Besserwissern m.E. genauso.
    Blablabla…
    Nicht lang schnacken, machen! Wie man bei uns sagen würde 😉

    6+
    • liebe ferkelhebamme,
      vielen lieben dank. das habe ich oft mit unserer konvi-milchbauer-nachbarin. ich liebe es, solche gespräche mit meinen konvi-kollegen zu haben. denn wenn man sich als bio-irgendwas (achtung, jetzt kommt ironie) mit den bösen raffgierigen und tiere verseuchenden und lebewesen quälenden kollegen mal ernsthaft unterhält (ironie aus), merkt man meist dass da doch – huch, wie kann das sein??? – bei vielen eine ganze menge empathie und verständnis vom leben hintersteckt. man muss halt überleben können. und das geht mitunter nicht so leicht, mal eben so, einen jahrzehntelang so und so geführten familienbetrieb mal eben auf bio umzustellen, weil der nabu das so toll fände. und auch die bios sind nicht immer nur toll, da gibts auch ganz schöne a…lö…. naturschutzprojekte, in denen weidetiere verhungern – davon ganz zu schweigen….

      deswegen: liebe bios und liebe konvis: lasst uns weiter miteinander reden, uns austauschen über schwierigkeiten (die wir am ende alle gleich haben) und über landwirtschaftliche praxis, über unser erleben mit den tieren und unser verhältnis zueinander.

      und ja liebe ferkelhebamme, genau das meinte ich. ach so toll und tschüss und weg. ich hab noch n paar schaffelle zu verkaufen. finden auch alle toll, heimische felle (nix neuseeland) vom regionalen schäfer, alte rasse, tolles, exclusiv aussehendes fell. hm. liegen bei mir rum. aber da geh ich demnächst noch bei und mach marktschreierey….

      herzliche grüße von der lämmerhebamme 😉

      4+
  2. liebe kommentatoren.
    wir verlassen den bereich, um den es ursprünglich ging.

    nochmals kurz erläutert:
    wir erleben ein heftiges jahr mit dürre und hitze. wir als denkende menschen haben verstanden, dass es eine auswirkung unseres handelns als menschheit ist. in vielen bereichen. auch in der landwirtschaft. wir wissen, dass wir teilweise vor noch nicht wirklich lösbaren problemen stehen, da sehr viele menschen hand in hand arbeiten müssten, um diese dinge anzugehen. dazu müssten auch psychologische hindernisse überwunden werden oder forschungsarbeit betrieben werden. alles in allem scheint es, als dass die lösung uns als menschheit überfordert.

    in diesem zusammenhang ruft jemand auf, die landwirtschaft so zu gestalten, dass sie „der lösung“ ein schrittchen näher kommt. dann gibt es menschen, die dies bereits tun, aber ihrerseits wiederrum mit anderen problemchen daraus beschäftigt sind, die eher wirtschaftlicher natur sind. dann entsteht frust und unmut und der wird geäußert. und verletzt vielleicht auch die bequemlichkeit mancher, die helfen könnten, diesen unmut zu beseitigen.

    daraufhin entbrennen philosophische debatten über das menschsein, die kunst und es werden marketingtechnische belehrungen für einen betrieb, den man gar nicht kennt, herausgegeben.

    puh.
    anstrengend sowas.

    da sind mir die „einfacheren kommentare“ meist lieber. die einfache frage, wie wir wunsch und wirklichkeit zusammenbringen können. und keine sorge, wir werden nicht in der schäferidylle dabei landen, denn 40 schafe am tag zu schlachten ist nicht wirklich idyllisch. das ist harte arbeit und erfordert wissen und können.

    menschen, die mehr meiner kommentare hier gelesen haben, werden vielleicht sehen können, dass auch ich nicht „eingleisig“ fahre. ich wirtschafte bio und kaufe konvi-milch. auf dem hof laufen ab und zu leute mit rastalocken rum und wir machen knallharte geschäftspläne.

    wie herrlich ist doch der freie geist.

    und wie herrlich befreiend ist es, draußen zu sein und zu fühlen und wissen, was diese arbeit bedeutet. und ja, ich bedauere jeden stadtmenschen, der stundenlang in einem stickigen büro eingepfercht irgendwelche stumpfsinningen arbeiten machen muss. könnt ich nicht.
    all diese gegensätze braucht es. deswegen produziere ich dann gerne für den stadtmenschen das bio-fleisch, was ihm nach feierabend einfach gut schmeckt. ich bin froh, dass der stadmensch für mich in diesem blöden büro sitzt und er ist froh, dass ich mit der fleischproduktion nicht die ressourcen aufbrauche und umwelt zerstöre.

    wir brauchen bullerbü-romantik und forschergeist gleichermaßen. wir können nur tun, was wir lieben, wenn wir gesund bleiben wollen.

    aber wie um himmels willen soll das mit dem vernünftigen erzeugen und verbrauchen von lebensmitteln denn bitte klappen, wenn noch nicht einmal diese diskussion hier produktiv ist?

    ich geh dann man schafe kuscheln. auf meiner blümchenwiese. man tau.

    6+
    • Stadtmensch sagt

      Liebe Schäferin vom Hof
      Habe gerade mal geschaut wo euer Hof liegt. Leider viel zu weit weg für mich. Sonst hätte ich gerne mal mit beim „Schafe-Weitwurf“ gemacht. Auch wenn es nicht so aussieht, ich weiß, dass alle die hier schreiben und einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben, weit mehr von dem wissen, worauf es ankommt.
      Deine Ferndiagnose über die Innenwelten eines Büromenschen ziehen mich echt runter 😉
      Aber keine Angst, den nötigen Augleich verschaffe ich mir schon. Wenn alles nach Plan läuft, ziehen wir hier eine kleine Stadtlandwirtschaft auf, aber es mangelt momentan etwas an Zeit und Leuten.
      bis denne…
      Ideen können wir hier noch genug diskutieren – so viel Zeit ist schon noch…

      0
      • hey ho, stadtmensch. aha. vital. war also das stichwort. schön. denn über vital und lebendig können wir gerne reden.

        in meinen augen versuchst du, mir zu viele zitate um die ohren zu knallen – da schlackert dann der ganze kopf. wir wissen meist, was schlaue schreiberlinge geschrieben haben und wissen auch, dass viele von denen recht haben. und die kunst? versucht sie nicht auch, an „das lebendige“ heranzukomen, ganz auf ihre art – wie auch immer gestaltet? darf ich einen menschen erwähnen? bzw. dir um die ohren knallen? marina abramovich macht in meinen augen dinge, die unsagbar genial sind, weil sie so unglaublich viel bewegen. nicht nur das neuste augen-guck-experiment im moma. lebendigkeit, den anderen wirklich erreichen, spüren, was ist der mensch…. nicht nur idyllisch und utopisch, sondern ganz real, im hier und jetzt.

        weil ich menschen wie marina abramovic so gerne mag, mag ich meine schafe besonders gerne, denn die machen jeden tag „augen-guck-experimente“. und viele landwirte oder schäfer, die ich bis jetzt kennengelernt habe, empfinden es ähnlich, drücken es aber nicht so geschwollen aus. wie die schafe. mäh. ist sowas wie der kategorische imperativ im ökosystemzusammenhang.

        wie wärs mit banksy? auch immer inspirierend. das genialste war, kunst aus den museen zu holen und für alle sichtbar an verrottende wände zu sprühen. tragt die kunst zu den menschen und sperrt sie nicht im museum ein, usw….

        ja, wir könnten gerne stundenlang philosophieren, aber nicht hier bei bauer willi. denn hier schreiben menschen, die mit landwirtschaft ihren lebensunterhalt verdienen wollen, teilweise 70-stunden wochen arbeiten (ich kann dir empfehlen, anna kimmels blog zu lesen. schäferin und wunderbar einfach und philosophisch zugleich, besonders der artikel „zombies in der lammzeit“), die ihren teilweise über generationen aufgebauten hof erhalten wollen und dennoch mit dieser verrückten marktwirtschaft stand halten müssen in einer (bauern-)welt, die einfach langsamer dreht als die flirrende stadtwelt. und dann werden sie angepampt, weil sie nicht bio produzieren, aber wieso haben dann aldi, lidl und co so einen großen absatz? in bio en vouge? gehört es zum guten ton, vegan und nachhaltig zu leben, wobei die avocados ausm bioladen von kindern geerntet werden? das ist die misere, die mich so traurig macht. ich hab nichts gegen städter, es sind einige bei uns auf dem hof – immer wieder. und manche davon werden gute freunde. aber sie gehen mit einem viel größeren wissen darüber, was es heißt, nahrungsmittel anzubauen und was wir wirklich für nachhaltigkeit tun können. und manche von denen kommen wieder. (und bringen döner mit – hahahaha…;-))

        die innenwelten des stadtmenschen kenne ich natürlich nur vom hörensagen. aber wenn ich zum beispiel etwas neidisch auf deren besseres gehalt und die maximal 40-stunden woche blicke, sowie den bezahlten urlaub ud die freien wochenenden, dann erzählen solche manchmal vom schatten dieser einfach organisierten welt. 9 stunden nonstop vor einem rechner sitzen und völlig eingerostet. auch nicht nett. da bin ich dann viel weniger neidisch und freue mich, ständig draußen an frischer luft zu sein und alles hat sich wieder relativiert. und es gibt keinen „blöden stadtmenschen“, der es ach so gut hat.

        aber hey – stadtlandwirtschaft hört sich gut an. urban gardening? wo denn? jetzt wird es ja mal richtig interessant. welche flächen? kenne ähnliche projekte, macht sinn sowas.

        jetzt wird es konkret. jetzt können wir gerne debattieren.

        4+
        • Stadtmensch sagt

          „ja, wir könnten gerne stundenlang philosophieren, aber nicht hier bei bauer willi. denn hier schreiben menschen, die mit landwirtschaft ihren lebensunterhalt verdienen wollen, teilweise 70-stunden wochen arbeiten“

          Sicher, von Philosophie können nur die Wenigsten leben. Ich meld mich mal auf eurem blog, wenn ich meine 9h abgerissen habe
          😉

          Vollkommen krank, darin zu wetteifern wer mehr Stunden arbeitet 😉

          1+
  3. @ paulus von weiter unten…
    hallo paulus,
    nein, ich will dich gar nicht eines besseren belehren, denn genauso, wie du es beschrieben hast, läuft es. ich habe die ganze sache von der „anderen seite“ her erfahren. anfangs mit träumen und wünschen, einer gewissen „aussteigermentalität“ und dann hinein ins wirkliche leben. und dann ganz schnell gemerkt, dass es ein knallhartes geschäft ist, dieses wirkliche leben. also gab es nur die wahl zwischen weiterträumen oder die sache „wuppen“. und wir haben uns für das wuppen entschieden, sind auf den hof hier gegangen und haben eine marktanalyse gemacht, einen geschäftsplan mit GUV-rechnungen, rentabilitäts- und liquiditäts-abgleich, und der ganze krams… bis heute ist es mir zuwider, aber ich weiß, es geht nicht ohne.

    witzig finde ich, dass auf meinen text so unglaublich viele emotionen hochkochen. scheint mir, ich habe einen wichtigen nerv der zeit getroffen…

    natürlich evaluieren wir weiter, haben eine ganze reihe betriebswirtschaftlicher analysen hinter uns und haben somit entschieden, die weidetierhaltung weitestgehend aufzugeben, da in der größe nicht rentabel. dafür laufen andere bereiche sehr gut und das gemüse erwirtschaftet ordentlich. so geht es halt auch. anfangen, evaluieren, umstrukturieren und weiter. knallhart. nix mit rastalocken.

    abgesehen vom wirtschaftlichen hat es natürlich damit zu tun, dass man bereit ist, über viele jahre diese körperlich anstrengende arbeit zu machen. da wir ein bio-hof sind, kommen auch immer mal gerne praktikanten mit rastalocken aus der stadt zu uns, um „mal runterzukommen“. ich weiß noch, wie eine davon ganz verzückt mich beobachtet hat, wie ich meine zweijährige tochter auf den rücken geschnallt hatte und schafnetze abgebaut habe. „diese kraft, diese stärke und dann noch diese einheit zwischen mutter, kind und tieren – ein soooo schönes bild“ „hm-hmm.“ hab ich schwitzend und keuchend entgegnet, während ich das blöde rückentragedings verflucht habe, weil die träger immer rutschten.

    der schäfer sven ist übrigens auch ein studierter mensch, auch nicht „nur“ aussteiger. für mich – vielleicht auch für ihn – war immer die devise: nicht nölen, selber besser machen. also mache ich bio-fleisch. und nachhaltige weidewirtschaft.

    und dann: ab ins leben.
    ich muss hier mal eine lanze für die verbraucher brechen: es gibt mitglieder auf unserem hof, die sind seit anfang an dabei, stehen voll hinter uns und sind mir liebe treue freunde geworden. die werden weiterhin mein lammfleisch kriegen. aber ich nenne sie nicht mehr „verbraucher“, denn es sind menschen, für die ich gerne nahrungsmittel herstelle. das blöde geld ist halt ein austauschmittel, welches wir benötigen, damit der hof weiterläuft.

    und ja, wir werden nochmal was anderes machen, kleinigkeiten ändern und weiterhin an der wirtschaftlichkeit feilen. vielleicht war es eine illusion, zu glauben, dass so viele menschen gerne moorschnuckenfleisch essen. aber ich erlebe auch, wie ein großteil es noch nicht einmal mehr zubereiten kann. der hauptgrund, kein gemüse zu beziehen ist momentan: keine zeit zu kochen. häh? ist kochen nicht was elementares? gehn die dann jeden tag dönern? oder wie essen die?

    ja, was soll ich sagen? die rastalocken-dame hatte sich in einem meiner schafnetze komplett verheddert, als sie mir „helfen“ wollte und ich hab die restlichen 7 netze alleine abgebaut. als sie dann wieder aus dem netz aufgetaucht war, war ich auch fertig.

    aber wo führt uns das hin? was haben wir gelernt? dass beide „extreme“ nicht gut sind. und dass wir keine fronten aufmachen sollten, wo es keine gibt, denn wior sind – jenseits von landwirt und verbraucher – alles menschen, die auf dieser erde leben. und nur zusammen können wir diese erde erhalten. ja, wir landwirte sollten mehr machhaltige wirtschaftsweisen ausprobieren. und das produkt daraus sollten die verbraucher uns dann abkaufen. „support your local dealer“ unterstütze den lokalen bauern, schäfer, etc. soweit das eben geht. ich gehe meine milch seit jahren bei der konventionellen nachbarbäuerin kaufen – und das als bio-schäferin. jedes mal denke ich, wenn sie immer die 50 cent pro liter bekäme, die ich ihr gebe (mehr nimmt sie leider nicht an) ud nicht die 30 von der molkerei, wie würde der hof dann laufen?

    es ist leider nicht nur so, dass man nach kunden und absatzmärkten suchen muss. auch, ja. aber die verbrauchen müssen auch eine gewisse bereitschaft haben, am ball zu bleiben, um nachhaltige wirtschaftsweisen zu unterstützen….
    verstehst du, wie ich das meine?

    ich kann durchaus verstehen, dass unsere heutige welt voll von ablenkungen ist, man in der gegend umherjettet und kaum zeit für sinnvolle dinge hat. aber dass man dann das kochen hintenüber fallen lässt? das ist mir doch ein bisschen komisch.

    zumal auf unserem hof ja die „gegenbeispiele“ da sind. menschen, die seit sechs jahren tagtäglich das gute gemüse verkochen und einmachen. trotz und mit job und kindern.

    es ist wie meist: wir müssen zusammen weitergehen für eine nachhaltige welt. gemeinsam.

    liebe grüße

    ps wir haben nix geerbt, keinen job im hintergrund und leben vom hof, den wir hier aufgebaut haben. das nenne ich wirtschaftlichen erfolg. mein frust bezieht ich auf das thema weidewirtschaft und fleischvermarktung, da sich genau in dem bereich zeigt, wie sehr es nennenswerte hektar- und viehzahlen braucht, um rentabel zu sein.

    8+
  4. fingerphilosoph sagt

    Ich finde die grüne Utopie vom friedlichen, solidarischen Wirtschaften, wo wir, umgeben von Schmetterlingen und Summsebienchen, alle Besitztümer miteinander teilen und alle Arbeit gemeinsam erledigen oder wahlweise von Robotern erledigen lassen und angeblich liebevoll im Einklang mit einer gütigen Natur leben, nicht nur verlogen, sondern schlichtweg grauenhaft.

    Ebenfalls diese verkitschten Paradiesvorstellungen, wo der Wolf friedlich neben dem Lämmchen liegt und alle Menschen einträchtig am selben Strick ziehen und jeder nur noch das macht, was alle anderen von ihm erwarten, und dabei glücklich ist.

    Diese Bauernidylle mit dem schmucken Bauernhof inklusive geranienbestücktem Holzbalkon und dem Rama-Frühstücks-Tisch inmitten bunter Blumenwiesen ist vielleicht mal an drei von 365 Tagen auszuhalten, aber sonst nicht, besonders wenn im Hintergrund, putt-putt, noch ein paar glückliche Hühner rumgackern, die glückliche Eier für glückliche Milliarden von glücklichen Menschen legen.

    Die wahre Hölle ist doch eben das selbstgezimmerte grünlinke Schlaraffenland, wo der Einzelne nur noch Staffage in einem perfekten Bild ist und nichts tun darf, was das perfekte Bild stört.

    Das ist wie mit dem Sternenhimmel. Bei einem kurzen Blick findet man den wunderbar, aber sobald man mal zwei Stunden lang den wunderbaren Sternenhimmel betrachtet hat, hat man Genickstarre und außerdem genug davon. Es hat schon seinen Grund, warum die meisten Leute lieber Actionfilme gucken als Sternenhimmel.

    Was man da wohl erst für eine Genickstarre kriegt, wenn man bloß noch Staffage in einer perfekten Schäferidylle ist, daran wage ich gar nicht zu denken.

    Liebe Schäferin, Utopien sind doch nicht dazu da, verwirklicht zu werden, sondern sie sind eine Warnung an eine Gesellschaft, die bereits übersättigt im Wohlstand lebt, es nicht bis zum Schlimmsten kommen zu lassen und lieber den Weg des Unvollkommenen und der Widersprüche zu wählen.

    5+
    • Stadtmensch sagt

      Im Netz ist zu lesen: „Wir leben in einem Vakuum aus entideologisierter, vollends säkularisierter Wirklichkeit, in der allein die Ökonomie zu zählen scheint“ und da wachsen eben neue alte Bedürfnisse nach Sinn, radikaler Kritik und Gruppenzugehörigkeit.

      Man sehnt sich nach wahrer Politik – so wie damals nach wahrer Religion…

      Nochmal zum Thema Besserwisserei und Überheblichkeit: „Die Rastas können sich im Winter an der Frittenbude aufwärmen“ oder „Ich komme mit ins Land der Träumer“

      Das ist doch eigentlich nicht zu überbieten oder? Da sitzen die, die mit dem goldenen Löffel im Munde geboren wurden und machen sich groß, indem sie andere klein machen.

      Sehr unreflektiert – sehr kleingeistig – sehr vital…

      1+
      • Stadtmensch sagt

        Hab noch einen zum Thema „preissensibel“

        „Die Erde wird zur Endstation wenn die Agenten der Entropie ihre schmutziger Arbeit erledigt haben“ Jürgen Ploog

        oder

        „Zivilisation ist wie der Blick in einen tiefen biologisch toten See“

        Leute – ihr verpasst das Beste, was Menschen noch können: Kunst
        Weil ihr ständig irgendwelchen Kunden hinterher rennen müsst. Die ihr eigentlich hasst, weil sie von eurer Arbeit nur den Preis kennen.

        Leider wirkt die Kunst nur, wenns viel Licht und Schatten gibt.
        Deshalb lehne ich eine heile Welt auch ab.

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      • fingerphilosoph sagt

        Welche Welt ist denn besser? Eine, in wir einander halt so akzeptieren, wie wir sind, auf die Gefahr hin, dass diese Welt den Bach runter geht oder auch nicht. Oder eine Welt, in der wir ständig aneinander herumerziehen, die anderen belehren, beurteilen und kontrollieren und die wir letztendlich dadurch auch nicht retten können? Ich plädiere für die erste Variante und akzeptiere deshalb gewisse Stadtmenschen ebenso wie gewisse Freiland-Rinder-Halter. Ist doch ein prima Übungsfeld hier, oder? 🙂

        3+
      • vital.
        hm? lebendig. ja, ich bin gerne lebendig…… mit so einem echten lebenden körper, der hormone und und sowas ausschüttet, aufgrund derer ich dann gefühle hab. macht spaß.
        wenn ich die ganze zeit in einem übergroß aufgeblähten kopf leben sollte, würde mir was fehlen.
        nee, so einen zoff mag ich nicht. lass uns lieber kräfte messen im schafe-werfen…..

        0
  5. Paulus sagt

    Bei der Schäferin vom Hof und dem Schäfer Sven handelt es sich ganz sicher um Idealisten. Ich vermute allerdings, dass auch eine gewisse Aussteigermentalität dahinter steckt. Beides gepaart führt nun mal nicht unbedingt zum wirtschaftlichen Erfolg, so wünschenswert dieser auch sein mag.
    Wir haben vor ca. 30 Jahren, aufgrund einer Erbschaft, ein ähnliches Experiment mit Hochlandrindern gewagt, allerdings im Nebenerwerb mit zwei festen Einkommen, das muss ich der Ehrlichkeit halber hinzufügen. Ohne einen örtlichen Partner aus der LW und einem festen und zuverlässigen Abnehmer hätten wir die Finger davon gelassen. Letzterer ist Metzger, schlachtet selbst und hat sich zügig einen festen Kundenstamm aufgebaut. Schon nach kurzer Zeit belieferte der Restaurants gehobener Klasse und so unglaubwürdig das auch klingen mag, eine größere Anzahl belgischer Männerkochclubs. Die nehmen i.d.R. größere Partien ab und sind auch nicht besonders preissensibel. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert das bis heute ganz gut, allerdings nur mit einem spitzen Bleistift und ohne romantische Vorstellungen.

    Als wir den Hof verpachten wollten, kamen überwiegend durchaus sympathische junge Leute, das waren die mit den Rastalocken und gewissen träumerischen Anschauungen. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Die hätten sich schon im ersten Winter an der Frittenbude aufwärmen müssen.

    Da ich hier ja häufig die ungeliebte Verbraucherseite vertreten muss: Wer sich auf die Eintagsfliegen verlässt, die zwar alles ganz toll finden aber nicht wiederkommen handelt naiv. Nach meiner Auffassung beruht so mancher Misserfolg der „Alternativen“ eher auf einem gewissen Unvermögen auf der Erzeugerseite. Wenn ich mir einen Lebenstraum erfülle oder mit gewissen Überzeugungen lebe, darf ich nicht erwarten, dass dies auch automatisch honoriert wird. Vereinfacht gesagt muss ich meine Produkte, vor allem die mit einem gewissen Mehrwert, gezielt zum Kunden bringen und darf mich nicht darauf verlassen, dass der mal so rein aus Interesse vorbeikommt.

    Jetzt lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

    7+
    • sonnenblume sagt

      Hallo Paulus,
      unser Hobbybauer hat nur wenige Tiere. Da ist es dann nicht so problematisch, aber er muss seinen Kunden auch hinterher fahren. Und wie ich unten schon mal erwähnt habe, ist dann die Vermarktung immer noch nicht so einfach. Oder er hat den falschen Kundenstamm? Das kann ich jetzt nicht beurteilen. Wenn ein Metzger mit Ladenlokal die Vermarktung übernimmt, hat man sicherlich mehr Möglichkeiten die gesamte Ware an den Mann oder die Frau zu bringen.

      1+
    • Thomas Müller sagt

      Ja, Kunden sind träge, man muss Bedarf wecken, braucht eine Staubsaugerverkäufermentalität, und zwar im Sinne von Hausierer. Man muss ein paar Mal in der Woche das Schafe- oder Schreibtischkuscheln unterbrechen und raus oder zum Hörer greifen und seine Seele verkaufen. Und so schlimm ist es ja dann doch nicht.

      Wenn man das zeitlich nicht kann oder nicht will bleibt nur die zu beliefern, deren Vertriebstrukturen bis in den Aktionsradius um die Couch des Kunden reichen…

      Seine Komfortzone verlässt der Kunde nicht aus eigenem Antrieb, der Kunde redet gern…. So ist die Natur des Menschen, da hilft Lamentieren gar nichts, da bin ich bei Herrn Felser. Ansonsten könnte der Gesetzgeber helfen, beim Umgestalten der Komfortzone beim Geldausgeben.

      3+
      • Inga sagt

        oder so die Frittenbuden- und Billigdiscounterkunden aussortieren, die können auf der Couch weiter liegen bleiben und sich mit Billigzeug vollfuttern,
        aber dann haben die ihr Recht schon an der Ladenkasse ab geben, verbal auf der Erzeugung rumzuhacken!

        Es gibt auch andere, die sich ganz anders für die Sache interessieren und auf Qualität setzen. wie Paulus es macht:
        „Ohne einen örtlichen Partner aus der LW und einem festen und zuverlässigen Abnehmer hätten wir die Finger davon gelassen. Letzterer ist Metzger, schlachtet selbst und hat sich zügig einen festen Kundenstamm aufgebaut. Schon nach kurzer Zeit belieferte der Restaurants gehobener Klasse und so unglaubwürdig das auch klingen mag, eine größere Anzahl belgischer Männerkochclubs. “

        Hier wird die Mühe des Bauern noch bezahlt und er quittiert es mit Qualität!

        0
    • Mausschubser sagt

      Mit Überlegung, Aufwand und Glück eine Nische im Markt zu finden, Chapeau!

      Nur sollte man nicht annehmen, weil man es selbst geschafft hat, dass die Zahl der Nischen im Markt grenzenlos ist oder alle, die es nicht schaffen, quasi „Versager“ sind.

      Nicht jeder kann zB direkt an zahlungskräftige Kundschaft seine Produkte vertreiben, weil die Kunden, die das können einfach in der Zahl beschränkt sind. Und die Varianz der Produkte irgendwann auch. Manche sind einfach darauf angewiesen ihre Erzeugnisse einem Veredler, Händler zu überlassen, der den Aufwand das Erzeugnis zum Verbraucher zu bringen übernimmt. Letztendlich auch ein Resultat der Arbeitsteilung.

      Ich kann den Frust der Schäferin verstehen. Sie hat viel Energie in diesen Teil der Produktion gesteckt und muß die Entscheidung treffen aufzugeben, weil sich das nicht wirtschaftlich darstellen lässt.

      Das Desinteresse der, teilweise gleichen, Politiker, die Ihre Produktionsweise, ja so toll und vorbildlich darstellen und sie auf der anderen Seite mit dem Zusatzaufwand und Risiko, der Wolf ist ja auch ganz toll, alleine lassen, macht die Sache nicht besser. Um nur mal einen Grund zu nennen.

      Am Ende des Tages hilft dir keiner, die Verantwortung für das eigene wirtschaftliche Überleben zu übernehmen.

      3+
      • Paulus sagt

        @Mausschubser
        Die Anzahl möglicher Marktnischen lässt sich nicht beliebig erweitern, das ist schon klar. Die Kunst ist diese zu erforschen, und da sollte man nicht den Fehler begehen von der Erzeugerseite her zu denken sondern genau umgekehrt. Die Frage ist doch, wo besteht Bedarf oder (ganz unanständig) wie kann ich nachhaltig Bedarf bei einer bestimmten Klientel wecken oder erzeugen. Wir hatten nicht nur Glück, sondern haben es sozusagen interdisziplinär zu Stande gebracht. War trotzdem nicht ganz einfach.
        Jetzt erzähle ich noch was aus dem Nähkästchen. Es waren ein erfahrener studierter Agrarier, ein Bauer der was von Rindviechern verstand und mit der örtlichen Situation vertraut war, ein pfiffiger Landmetzger und eine BWLerin die aus dem Marketing kommt. Letztere ist die Eigentümerin, mit der bin ich verheiratet. Die hat sich um die eigene Erzeugerseite gar nicht, bzw. nur peripher gekümmert. Das war mein Part, einschl. der dankbaren Aufgabe die etwas altersschwachen Maschinen/Geräte wieder auf Vordermann zu bringen. Nun ja, für einen Inschenör ist nix zu schwör.
        Was viel wichtiger ist: Bei allen Überlegungen stand allein ein Qualitätsversprechen im Vordergrund, das bis heute ohne Wenn und Aber eingehalten wird. Angefangen beim Tierwohl bis zur Fleischreife. Wohlgemerkt ohne irgendwelche Biosiegel oder sonstige Zertifizierungen. Nachdem alles abgeklopft war haben wir es gemacht. Punkt!

        Es gibt noch eine weitere Erfolgsgeschichte die indirekt damit verbunden ist. Der Hof wurde praktisch nicht mehr bewirtschaftet. Ein externer Bauer hat dort Heu gemacht um es für den Eigenbedarf zu verwenden bzw. ein Gestüt zu beliefern. Gleichzeitig als wir dort angefangen haben, hat der damit begonnen das Heu von unseren Flächen und auch Stroh in kleine Plastiktüten zu verpacken, um dies an Zoohandlungen zu verkaufen. Ich sage dir, das war die wunderbare Geldvermehrung. Bei dem laufen heute automatisierte Verpackungsanlagen …

        Noch mal zurück zur Schäferin: Ich darf nicht erwarten, dass alle Leute meine Produkte ganz toll finden, nur weil ich selbst davon überzeugt bin. Diese Erkenntnis kann doch nicht so schwer sein. Ich drücke ihr trotzdem beide Daumen und meine das ehrlich.
        Schlussendlich würde ich niemand als Versager bezeichnen, nur weil er es nach seinen, wenn auch idealistischen Vorstellungen nicht schafft. Da könnte ich ganz andere Beispiele anführen.

        0
  6. Friedrich sagt

    @schäferin vom Hof. Ja, die Politikverdrossenheit. Viele gehen nicht mehr zur Wahl. Zweidrittel der AFD-Wähler kommen von der SPD. Alle wollen was ändern, aber welche Partei will wirklich was ändern. Das ist die große Frage. Die Grünen sind nur noch ein Schatten ihrer Selbst. SPD ,CDU und FDP wirtschaften nach Umfragen. Und die AFD ???
    Ich weiß auch keine richtige Antwort und auch nicht wen ich noch wählen sollte . Für mich sind die Alle hinter Geld und Posten her , lügen uns vor der Wahl die Hucke voll und machen nach der Wahl so weiter wie bisher. Es fehlen die Leute aus dem Volk, also keine Juristen und aus der Öffentlichen Verwaltung. Aus dem Bereich kommen schon über 50% in den Vertretungen . Deshalb haben wir ja den Schlamassel. Es gibt keine Vertreter von den 15 Mill. die hier alles erarbeiten, sondern nur noch fünftklassige Leute. Entsprechend werden wir regiert. Die passen schon auf , daß sie weiter fast 70% Rente bekommen , während die 15 Mill. nur mit 48% zufrieden sein sollen. Ich nenne so etwas eine Schweinerei.

    7+
  7. Arnold Krämer sagt

    Die Masse der hier im Blog Diskutierenden macht einen elementaren Fehler bei der Beschreibung der Markt-und Einkommenssituation der Landwirte. Dann ist es aber auch nicht verwunderlich, wenn daraus immer wieder dieselbe Verbraucherschelte entsteht.
    Die Masse der Landwirte produziert markttechnisch gesehen Rohstoffe, die nur durch die Verarbeitung/Veredelung in Molkereien, Fleischwarenfakriken, Mühlen etc. konsumfähig werden. Der Landwirt ist stark im Produzieren, (sonst wären nicht soviel Exporte nötig und seine Erzeugerpreise nicht so niedrig). Aktiv Verkaufen muss er nur dann, wenn er weiter in die Wertschöpfungskette einsteigt, um direkt an den Geldbeutel des Endverbraucher heranzukommen. Dazu braucht man anderes Wissen und Können, einen günstigen Standort, insgesamt Voraussetzungen, die wiederum die Masse der Landwirte nicht mitbringt. Und im klassischen Geschäft der Landwirte nehmen Erzeugergemeinschaften und (Erfassungs-) Genossenschaften dem Landwirt seine Aufgabe des Verkaufens weitgehend ab.

    6+
    • danke, arnold, für die differenzierte betrachtungsweise.
      mit käse verdienste halt mehr als mit milch. heißt aber auch mehr arbeit. das muss alles betriebswirtschaftlich durchkalkuliert sein. und wenn man einen familienbetrieb hat, auf dem eben seit 50 jahren kühe gemolken werden?
      deswegen – ich erwähnte es schon: support the local dealer. nicht jeder landwirt wohnt so, dass ein hofladen sich lohnt, aber die milch kann man beim nachbarbauern kaufen, das fleisch von kleinen hobbytierhaltern oder landschaftspflegeschäfereien, selbst in hamburg ist schonmal jemand rumgeradelt mit selbst angebautem gemüse… 😉 echt wahr.

      es geht auch nicht darum, dass wir alle alles perfekt machen sollen. aber ein bisschen nachdenken und zuhören und nicht alles gleich wissen, wie es besser geht. der bauer in der pampa kann seine milch halt nur vom tank abholen lassen. aber wir verbraucher können dem bauern die milch abkaufen und vielleicht auch mal schauen, wo die nächste käsemanufaktur ist. (gibts bei uns in der gegend, einer kleiner hof…)

      und wir landwirte? können auch überlegen, wie es besser gehen könnte. versuchen, auf erzeuger-verbrauchergemeinschaften umzusteigen zum beispiel, oder oder…
      aber darum geht es nicht immer nur. udn ich bin froh, dass jemand mal all diese „positionen“ hier versucht, in relationen zu setzen.

      1+
      • hey, an die „alten landwirte“ unter euch, habe nicht von genossenschaften geredet. das trifft auf uns heir eh nicht zu. erzeuger-verbraucher-gemeinschaften sind was anderes. nur so, damit keine verwirrung entsteht…

        0
    • bauerhans sagt

      „…nehmen Erzeugergemeinschaften und (Erfassungs-) Genossenschaften dem Landwirt seine Aufgabe des Verkaufens weitgehend ab.“

      hier gibts praktisch keine erzeugergemeinschaften mehr,weil da alles nur auf den geschäftsführer zugeschnitten war,um dessen üppiges gehalt zu rechtfertigen.
      genossenschaften gibts hier auch nicht(weil nicht katholisch??),sondern nur landhandel,einen im umkreis,der monopolpreise macht.

      1+
      • Alois Wohlfahrt sagt

        Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften wurden einst als aktive Marktagitatoren in den Vor- und Nachgelagerten Bereich von den Bauern gegründet. Doch das Genossenschafts-Netzwerk verbündete sich mit dem Handel. Siehe Reiffeisenverband usw. Die Unternehmensziele der Genossenschaften unterscheiden sich heute nicht mehr von anderen gewinnorientierten Unternehmen. Waren einst sicherer und guter Absatz der bäuerlichen Produkte das Ziel, so sind es heute die Gewinne, die eben dadurch erhöht werden, wenn Rohstoffe (bäuerliche Produkte) möglichst kostengünstig eingekauft werden und die Produktionsmittel der Landwirte, wie Maschinen, Dünger und Pflanzenschutzmittel möglichst hochpreisig an die Landwirte verkauft werden. Und schließlich wurde das konsequente Niedrigpreissystem für die landwirtschaftlichen Produkte mit sogenannten Börsen so erweitert, dass das Spekulationsrisiko der Landwirt hat. Die Genossenschaft kann guten Gewissens sagen: „Kann nichts dafür, dass ich dir so einen niedrigen (evtl. sogar nicht mehr kostendeckenden) Preis für deine Produkte bezahlen muss. Das bestimmt die MATIF“. Die Genossenschaft hat kein Risiko mehr, das hat nun der Landwirt. Bei den Milchpreisen läuft das genauso. Wenn 70 % der Milchverarbeitung in bäuerlich genossenschaftlicher Verantwortung ist, dann dürfte es doch eigentlich keine existenzbedrohenden Milcherzeugerpreise für die bäuerlichen Eigentümer geben, wenn die Geossenschaften zum Wohle ihrer Mitglieder agieren würden.

        4+
        • sonnenblume sagt

          Ja Alois, der eigentliche Gedanke der Gründer ist von den Firmen schon lange zu Grabe getragen worden. Das sehen wir hier vor Ort sehr oft. Auch bei denen gilt der Grundsatz, am Jahresende muss die Bilanz passen. Was mit den Mitgliedern passiert, interessiert nicht mehr.

          2+
        • Hans-Günter Felser sagt

          an Alois Wohlfahrt – Sie schreiben : „Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften wurden einst als aktive Marktagitatoren in den Vor- und Nachgelagerten Bereich von den Bauern gegründet. Doch das Genossenschafts-Netzwerk verbündete sich mit dem Handel. Siehe Reiffeisenverband usw.“

          Genau das ist der Zeitpunkt gewesen, wo es abwärts ging. Der Sinn von diesen Genossenschaften ist zuungunsten der Gründer entartet und der ursprünglich bäuerlich orientierte Mandatsträger dient jetzt anderen Herren.

          Raiffeisen, Molkereiverbände, etc.

          Das zugelassen zu haben, ist eine der größten Fehler der Geschichte der Bauernschaft.

          Können die Zügel denn nicht wieder übernommen, die ursprünglichen Statuten herbeigeführt werden?

          Dieses Problem jetzt vehement und mit oberster Priorität anzugehen, ist eines der wesentlichen Stellschrauben für die Zukunft der Landwirtschaft!

          0
  8. EINE Utopie bleibt solange EINE, bis nicht das Grundproblem jeder Entwicklung, vom Utopischen fort, angegangen wird, nämlich die zunehmende Abhängigkeit von Fremdenergie bzw. die Ausnutzung von Energie von anderswoher durch Energieräuber.

    Auf den ersten Blick ist jeder Versuch, lokal EINER Utopie näherzukommen, zum Scheitern verurteilt, weil umgeben von Energieräubern derjenige, der sich müht und abrackert, dem Energieräubersein immer mehr verfällt, um nicht selbst seiner eigenen Energiereserven verlustig zu gehen.

    Auf den zweiten Blick aber sind solche Bemühungen keineswegs vergebens, nur zeigt sich ihr Erfolg selten vor Ort und im zeitlichen Kontext zur Energieeinbringung, die man selbst bereit ist zu leisten. Der Frust, der entsteht, nährt somit weitere Energieräuber und lässt jedweden Anflug EINER Utopie vergehen. Es sei denn immer mehr Menschen würden immer weniger Fremdenergie in ihren Alltag einfließen lassen, um so Utopien über jenen Scheitelpunkt zu bewegen, der ihrer sich verselbstständigenden Realisierung im Wege steht. Das “Dumme“ ist, dass der erste Blick meistens schon genügt, um das Handtuch zu werfen. Sich zu mühen und abzurackern, um dem zweiten Blick überhaupt aufzufallen und dessen Aufmerksamkeit zu erregen, das dürfte in EINER Welt, die mehr und mehr Fragmente bewirkt und Kontexte zerstört, zugleich Kurzsichtigkeit säend, immer unwahrscheinlicher werden – oder aus genau diesem Grund immer wahrscheinlicher werden!?

    0
    • hallo guido,
      ist das ungefähr so gemeint?
      „Wiedermal machen wir weiter. Wir geben nicht auf. Denn die Herde ist Leben und dieser Ort hier unser Zuhause. Und das Zuhause von vielen anderen, die dort leben, wo meine Schafe grasen. Nur indem wir weitermachen, zu versuchen, dieses Land sinnvoll zu bewirtschaften, können wir dieses Zuhause für all diese Lebewesen erhalten. Und weil wir das Leben hier gerne leben und das Leben der Herde hier Zuhause bedeutet, machen wir weiter.“ (aus meinem blog)
      dann finde ich es sehr gut! man muss zwei, – dreimal lesen. aber es könnte durchaus etwas sehr positives mitschwingen, was sich ähnlich liest, wie das zwischen den zeilen im blog.
      ich hoffe, ich habe es richtig verstanden…
      beste grüße

      2+
  9. Hans-Günter Felser sagt

    Eine engagierte Schäferin ist nicht gleichzeitig Marketingexpertin.
    Sie hat ausgesprochen gute Qualität erzeugt, aber keine Absatzmärkte erschlossen.

    Was bleibt ist Frust, der wieder auf „der Konsument“ geladen wird.
    Das Gejammere dieser Schäferin, gepaart mit zornigem „von mir kriegt ihr nichts mehr!“ und „Perlen vor die Säue!“ ist sowas von armselig, ja eine eigene betriebliche/kaufmännische Bankrotterklärung, der Seelen-Strip einer Looserin. Mit Hass auf die potentiellen Käufer – kommt immer gut!

    Ich habe als Jugendlicher geimkert und besten Eifelhonig produziert. Der ist mir mit 10-Kilo-Eimern abgenommen worden zu besten Preisen.
    Die Kundschaft hat sich auf eine Warteliste setzen lassen.
    Stallkaninchen: Dito!

    Meine Mutter hatte schon als Rentnerin so an die 30 Ziegen. Die guten Restaurants in der Umgebung haben mit Kratzfuß bestellt. Es wurde auf Bestellung geschlachtet.

    Es hilft nicht, nur zu jammern und die Schuld des Versagens bei anderen zu suchen.
    Obwohl es ja so leicht ist, das bewährte Feindbild zu beharken. Es lenkt aber von der wirklichen Misere ab. Die wirklichen Feinde der Bauern sitzen woanders -teilweise in euren eigenen Reihen! Begreift das denn einer oder geht das „der Konsument“ immer so weiter?

    Wer das nicht versteht: Dann eben immer weiter druff uff „der Konsument“ – Ist aber fad.
    Keine geistige Entwicklung in Sicht, schade. Gegen Glauben helfen keine Fakten.

    Mit freundlichen Grüßen

    ein Konsument

    4+
    • bauerhans sagt

      herr felser,das waren damals andere zeiten!!
      hier gabs einen bauern,der schon in den 50er,60er jahren erdbeeren angebaut hatte und die frauen im ort,die sonst zigarren in heimarbeit machten,waren froh,dass sie erdbeeren pflücken konnten.
      eine bäurin hier baute kohl an und belieferte die märkte rundum.
      beide haben damals vom gewinn häuser gebaut,ein haus kostete ca.60000DM und die erben nehmen heute noch miete ein.

      4+
      • Hans-Günter Felser sagt

        bauerhans, da stimme ich Ihnen zu, dass in den früheren Nachkriegszeiten, noch ohne die Aldis und Lidls, der ab-Hof-Verkauf einfacher und die Kunden dankbarer waren. Auch die individuelle Mobilität ließ viele Wünsche offen.
        Man kannte sich noch und es gab auch noch Zeit für ein Schwätzchen. Letzteres ist aber ein wichtiges Kundenbindungs-Werkzeug. Da ist aber dann die Grundeinstellung zum Käufer entscheidend.

        Bleibt zu betrachten, welche Umstände in ihrer Summe den jetzigen Zustand herbeigeführt haben.
        Dann ist die Frage: Ist es denn allein „der Konsument“ schuld?

        Andere Frage: Wie könnte man das wieder ändern?
        Andere Frage: Sind denn alle Konsumenten homogen so blöd, wie sie hier skizziert werden?
        Andere Frage: Was tut der Bauer, um die Leute wieder auf ihren Hof zu kriegen? (Meine Einschätzung: Er bereitet sich dahingehend vor, das er sich emotional gegen diese potentiellen Menschenstellt, sie gar hasst. Das ist eine kuriose Vorgehensweise…)

        Bei Telefon-Markeiting wird nicht umsonst gelehrt „Lächele beim Telefon-Gespräch – man kann es hören!“ Für Direkt-Gespräche gilt das um so mehr! Menschen haben ein feines Gespür, ob einer es in dem Sinn ehrlich meint!

        Beste Grüße!

        2+
        • Brötchen sagt

          Herr Felser! da stand die Mauer noch und ital. schinken gab es nicht an jeder Ecke!
          die Zeiten kommen nie wieder!
          der Konsument ist nicht blöd! der Konsument will auch mal träumen dürfen, das ist auch sein recht.

          0
      • Inga sagt

        Ja so weit denkt Herr Felser nicht,

        und wenn die Bauern über ihre nicht funktionierenden Genossenschaften klagen, die zum Vermarkten gegründet wurden, dann macht er sich lustig drüber. Und denkt das wäre gegen die Verbraucher, was soll man da denken?

        Eben nur Konsument!

        0
    • lieber konsument.
      ich möchte gerne diesen eifelhonig probieren. wo kann ich meine bestellung aufgeben?

      oder hast du mittlerweile nen anderen job? wieviel völker warns denn?
      🙂
      absatzmärkte erschlossen. jaja, wiedermal das nette anonyme internet. mit null ahnung von dem, was das leben des schreibenden menschen ausmacht und kein interesse, dem anderen zuzuhören. aber besserwissen und palavern.
      wo sind se denn, deine bienchen he?
      und die ziegen deiner mutter?
      oder haste nen lukrativeren job ergattert, weil du ja viel schlauer bist als alle anderen menschen auf der welt? wieso haben denn alle weidetierhalter dasselbe problem? wieso gibt es tierwohllabel, die nicht funktionieren?
      nee, ich hab genug, die mir lammfleisch abkaufen, keine sorge, aber die feinheiten hinter diesen betriebswirtschaftlichen spitzfindigkeiten werde ich mit dir nicht diskutieren. danke.
      … denn “ Besserwissertum und moralische Überlegenheit bilden eine unüberbrückbare Barriere. “ zitierte jemand anderes hier. und diese barriere verhindert, dass du den sinn meines textes verstanden hast. du greifst jemanden an, der den „konsumenten“ sehr wohl zugeneigt ist und aus ihrem kreise gute freunde gewann, aber leider oft genug auch andere erfahrungen macht. udn über diese habe ich meinem frust mal luft gemacht.

      eine schäferin mit herz und verstand wünscht weiterhin einen schönen tag ohne persönliche beleidigungen, probiers mal, fühlt sich ganz gut an.

      5+
      • herr felser – falls sie – oh es fällt mir schwer höflich zu bleiben – auch nur ansatzweise verstanden haben, aus welchem kontext ich komme – ich bin auf dem wege, wieder mit den konsumenten zusammenzuwachsen. wir sind genau in dem bereich engagiert und wissen deswegen so viel aus den kleinen geschichten und geschichtchen des alltages. wie bereits erwähnt. manche sind mir lieb udn teuer geworden udn das wort „konsument“ ist ein unding dafür. es sind „hofmitglieder“, für die ich gerne produziere. und die spüren das und freuen sich, dass ich für sie produziere.
        und es gibt mesnchen, die ein gutes stück fleisch einfach wegschmeißen, weil sie nicht mehr in der lage sind, zu beurteilen, wie es sich normal anfühlt, wenn fleisch direkt vom schlachter kommt und nicht aus der palstiktüte vom aldi. außerdem lesen sie bitte, was ich sonnenblume schrieb. ich liebe „konsumenten“ wie diese dame.
        so nun reichts. und ich werde weiterhin menschen, die gutes fleisch in den müll schmeißen, empfehlen, zu aldi zu gehen.

        2+
        • ach – und herr felser: im übrigen bin ich eine miserable marketingexpertin, da haben sie recht.
          denn wenn ich einen „kunden“ anlächle, dann lächle ich, weil ich es ernst meine und den menschen dahinter seh und nicht weil ich etwas verkaufen will.
          authentizität und integrität ist meine marketingstategie. anbiedern finde ich etwas promiskuitiv.
          deswegen bin ich auch in meinen negativen emotionen so ehrlich.

          3+
          • Inga sagt

            Wenn man intensiv seine Arbeit in der Landwirtschaft, besonders in der Tierhaltung besonders im großen Stil macht,
            dann hat man keine Zeit für Vermarktung, das ist ja dann ein ganz andere Beruf!
            Dem einen liegt das und dem anderen das!

            Und Leute, die in der Industrie arbeiten brauchen das ja auch nicht, ihr Job ist nur das eine oder das andere, je nach Fähigkeit!

            Warum müssen das die Bauern müssen, denn die sind ja auch nur Menschen!

            0
      • Hans-Günter Felser sagt

        an „schäferin vom hof“ – Es waren 25 starke Völker, die ich schon mit 15 selber gut betrieben habe. Auch mit den Völkern bin ich gewandert.

        Zusätzlich hatten wir ein Lebensmittelgeschäft mit Metzgerei und Schlachterei, Wildhandel, Catering, Getränke usw. Lief ganz gut.

        Dann hatten wir eine Schafherde – ich habe auch Schafe gehütet und zu gewissen muslimischen Festen an einem Samstag so 40-50 Tiere mit verkauft und geschlachtet.
        (Ich habe von der Auswahl eines Schlachttiers bis dass es teilzerlegt in der Wäschewanne lag, unter 6 Minuten gebraucht – nur mal nebenbei).
        Wir hatte immer so 250, manchmal auch mehr Muttertiere, drei Hütehunde hatte ich, die habe ich selber ausgebildet.
        Ich bin in den Eifelfluren umher gewandert und kenne auch den Hutewald/die Waldweide. Du brauchst mich also nicht so von oben (Fachfrau) anzugehen, das zieht bei mir nicht.

        Ich habe in diesem Alter auch geackert, gedroschen, Stroh und Heu eingefahren, Futterüben gemacht usw, das ganze Programm. Ferienspaß, Badesee, Fehlanzeige. Dafür brauche ich mir aber heute von einigen Leuten Kein X für ein U vormachen lassen.

        Heute mache ich dass nicht mehr, das stimmt. Aber nicht, weil das andere gescheitert ist.

        „wo sind se denn, deine bienchen he?
        und die ziegen deiner mutter?“

        Ich habe beruflich lange auf Reisen verbracht, da kann man die „Bienchen“ nicht mitnehmen und auch nicht richtig versorgen, he! Wenn man alle 2 Wochen gerade mal kurz nachschauen kann, klappt das nicht.
        Meine Mutter ist über 80 Jahre alt, sie hatte die Ziegen aber noch, solange sie körperlich dazu in der Lage war, mit viel Freude gezogen.

        Du bist emotional versauert. Komme erst mal mit dir selber ins Reine, dann heilen auch sicher Herz und Verstand. Beste Grüße – ich bin nicht dein Feind.

        2+
        • nein, herr felser, ich bin nicht emotional versauert. ich bin manchmal nur traurig über die welt. und über einen kaputten rücken und über verlorene zeit und über ungleichgewichte.
          ich lade dich ein, mehr auf dem blog zu lesen. dann wirst du sehen, was mich antreibt. es ist die liebe zu den tieren und dem leben hier auf dem land.
          die 250 mutterschafe, 25 völker und metzgerei und lebensmittelgeschäft waren schon da, oder? ein familienunternehmen, von dem es heute leider nur noch wenige gibt. ich suche händeringend jemanden, der mir 40 schafe an einem tag schlachtet. gibts nicht mehr.
          ich baue all das alleine auf, ohne familienunternehmen im hintergrund. aber ich kann nicht für die familie kochen, aufräumen, schafe hüten und schlachten gleichzeitig. wir brauchen arbeitsteilung so dringend, aber dieses wissen und können gehen leider verloren. und die bereitschaft, es zu tun.
          ich bin auf einen versunkenen hof gegangen, wo nichts mehr stand udn habe begonnen, das wohnhaus zu sanieren, damit meine kinder ein dach über dem kopf haben. und dann haben wir die landwirtschaft aufgebaut, mein mann und ich. und in diesem prozess stecken wir gerade noch. denn landwirtschaft denkt in generationen, was sind da schon ein paar jährchen?
          ich denke und hoffe, dass ich mit 80 auch noch meine schafherde versorgen werde, denn der alltag hält mich fit.
          von dieser situation weißt du nichts und als 15jähriger sieht es ein bisschen anders aus, wenn noch die eltern im hintergrund tausend andere sachen machen. in diesem kontext hättest du gerne etwas vorsichtiger kommentuieren dürfen, dann wären wir beide betsimmt in ein sehr interessantes gespräch gekommen.

          1+
        • Inga sagt

          Warum hast du den arbeitsreichen und lukrativen Betrieb nicht weitergeführt, Herr Felser?

          Hat der andere Beruf mit langen Reisen mehrt Geld eingebracht?
          ist da das Geld für den Familienunterhalt leichter zu verdienen gewesen?
          Oder war es doch zu schwer für dich?
          Warum hast du deine Mutter im Stich gelassen und den Betrieb nicht weiter ausgebaut, wenn dir die Arbeit so viel Freude gemacht hat?
          Wir mußten alle unsere Betrieb vergrößern und ausbauen!

          Was haben deine landw. Berufskollegen dazu gemeint?

          1+
  10. Stadtmensch sagt

    Bauer Willi, du bist doch schon in deiner Utopie. Legst dir einen schönen Hausgarten an und erzeugst darin pro Flächeneinheit effektiv mehr Nahrungskalorien als auf dem benachbarten Acker.
    Das alles mit einem Bruchteil an Fremdenergie und PSM nehme ich an. Diese Art der Landwirtschaft ernährt bis dato die meisten Menschen auf diesem Planeten und ich wüsste nicht, wo wir künftig die
    Ressourcen für eine weitere Ausbreitung bzw. Intensivierung der Verschwendungslandwirtschaft hernehmen sollen. Genau wie die Atomkraftwerke ihren Input großenteils aus den riesigen Kernwaffen-
    Beständen beziehen, werden wir künftig zunächst den Tank- und dann den Trog-Anteil reduzieren müssen, um für alle auf „modernem“ Weg genug Nahrung erzeugen zu können.

    Nochmal zu den 7% Anteil der LW am Klimawandel: Durch die Methoden der industriellen LW, wie seit der Erfindung der Ammoniaksynthese möglich wurden, ist so viel Kohlenstoff aus den Böden entwichen, wie gleichzeitig durch die Verbrennung
    fossiler Brennstoffe. Hören wir endlich auf, uns an Landlust- und Ökotestlesern abzuarbeiten.

    1+
      • Stadtmensch sagt

        Ach stimmt ja. Aus dem „wir“ ist ein „ich“ geworden. Bzw. das „Ego“, das Frank Schirrmacher beschrieben hat.

        0
    • Inga sagt

      und wie viel geben die Pflanzenkulturen auf den Äckern an Kohlenstoff zurück, Stadtmensch?

      Aber, wie du schreibst, sind wir Konsumenten alle Schuld.
      Also verlangst du von den Landlust- und Ökolesern endlich, sich mal an Fakten zu halten?
      Sich mehr mit den Fakten zu beschäftigen?

      Kann man dass mit der neusten Situation in Chemnitz vergleichen?
      Hier Gedanken eines Journalisten dazu:
      „Es wäre eigentlich leicht zu sehen.
      Aber Besserwissertum und moralische Überlegenheit bilden eine unüberbrückbare Barriere. „

      3+
    • lieber stadtmensch,
      das ist zwar bauer willis blog, aber mein text.
      ich habe oft stadtmenschen bei mir auf dem hof. manche bleiben träumer und erzählen von dem, was sie wissen, wobei schnell klar wird, dass sie nur darüber gelesen haben.
      und manche aber lassen sich von der erde an den händen verzaubern und werden erst träumer. träumen von einem wirklichen leben auf dem land, mit realen schmutzigen füßen, bremsenstichen, sonnenbrand im nacken, zeckenbissen und brennesseln an den beinen. und abends kribbelt der ganze körper und die muskeln ziehen, wenn man totmüde ins bett fällt.

      und plötzlich erwacht das interesse bei diesen neu gewonnen träumern. wieso ist alles, wie es ist? was braucht es, um eine biomöhre ohne pestizide und bodenverarmung herzustellen? was heißt bodenfruchtbarkeit und wie kann man sie langfristig herstellen? und woran kann man das auf dem gemüseacker sehen? wie riecht der boden hier, wie dort? und was wurde letztes jahr dort angebaut, wo jetzt die gründüngung steht? was hat stickstoff mit leguminosen zu tun? und warum wird dann genau diese frucht im folgenden jahr dort angebaut?

      und letztlich: was sagt der eigene körper nach einer saison gartenarbeit? oder schäferarbeit?

      ich habe es schwer mit nahrungskalorien pro flächeneinheit. ich zähle meist schaffüße, weil ein schaf vier füße hat, deren klauen geschnitten werden müssen. und die dicken klopper wiegen 80 kg, fast ein drittel mehr als ich. deswegen zähle ich auch schmerzimpulse bis zur sehnenscheidenentzündung. und die gärtner reden meist vom feingemüse, bzw. nennen es beim namen. und zählen die möhrenpflänzen, die vereinzelt werden müssen, auf den kilometer nicht mehr.
      aber auch ich kann philosophisch. symptomatiken zentralnervöser krankheitsbilder differentialdiagnostisch anschauen, um z.b. ketose von hirnrindennekrose unterscheiden zu lernen, da das mitunter recht schnell gehen muss, um das richtige mittel zu spritzen, sonst ist das schaf ganz real tot. das ist ein gewaltiger unterscheid zwischen calcium und b-komplex. ja, auch wir haben hier ein paar diplome auf dem hof rumlaufen. agraringenieure. in bio.

      und das ego des ökonomischen menschen könnte sich genausogut vom „prinzip menschlichkeit“ von joachim bauer inspirieren lassen. vielleicht ein bisschen trivialer, aber tut gut, mal sowas zu lesen.

      und wer sind nun landlust- und ökotestleser? also weder wir, noch die leute, die hier auf den hof kommen, kennen die aktuelle ausgabe der ökotest. außerdem sind die ergebnisse dort … ökotest sagt gar nichts. und über landlust lästern wir auch gewaltig, obwohl die unterschiedlichsten leute unterschiedlichster coleur bereits über artikel in diesem blättchen geredet haben. aber was zur hölle hat das mit meinem text zu tun????
      fragt eine verwirrte, einfache schäferin.

      2+
      • Stadtmensch sagt

        Joachim Bauer – sehr gut! 😉
        Ich falle auch von einem Tag Büroarbeit abends totmüde ins Nest und eigentlich hab ich momentan auch keine Zeit zu antworten. Bleib uns noch bissel erhalten hier auf dem Blog. Dann können wir uns später noch zoffen…

        0
  11. Friedrich sagt

    Ja , so ist das mit der Realität. Unsere „Grünen Ideologen“ verführen viele Leute , die dann voll auf dem Boden der Tatsachen aufschlagen. Das ist das grüne Versprechen. Leute ausnutzen ,Wählerstimmen einsammeln und die eigene Versorgung über das Mandat sichern. So läuft das heute und die ganzen Gutmenschen habens immer noch nicht kapiert.
    Die ganze grüne Politik macht die ganze Landwirtschaft kaputt und das kommt unserer Industrie sehr gelegen , denn dann können die noch stärker exportieren und im Gegenzug mehr Agrarprodukte importieren und sich so sich die Exportgüter bezahlen lassen. Anders kann man die Politik garnicht erklären. Mit 7% Anteil am Klimawandel so einen hermann davon zu machen ist doch sowieso verlogen . Hier wird das Land zu gunsten der Stadt ökunomisch geopfert. Nur unserem Bundespräsidenten scheint das aufzufallen, denn der hat sich das als Projekt vorgenommen. Vielleicht hilft es ja.

    11+
    • Brötchen sagt

      Friedrich besser kann man es nicht beschreiben. es ist kein wissen über Preise und Kosten vorhanden, es gibt auch kein interesse. in die Falle tappen viele Idealisten, es gibt aber auch einige, die es schaffen bzw. geschafft haben. man darf da keine Illusionen haben.

      0
      • ja, brötchen, genau! diese preise!!!
        externe kosten und der ganze krams. wenn das einem mal klar wäre, würden die aufhören, zu sagen, bio sei „teuer“. auch bio ist subventioniert und wir sind noch lange nicht bei dem, was eine möhre eigentlich kostet, würden die externen kosten mit einbezogen.
        aber wie denn auch? die meisten wissen ja noch nicht einmal, wieviel arbeitsschritte es braucht, um eine möhre irgendwann aus dem boden ziehen zu können. aber alle wollen dann angeblich die biomöhre, wobei keiner aber die arbeit machen will, denn das ist anstrengend….

        manchmal denke ich, unser lebensstil führt auch dazu dass wir kein reales verhältnis zu preisen mehr haben. ich hab manchmal enthusiasten, die mir bei den schafen „helfen“ wollen. manche kommen dann ein, zwei mal zum versorgen im winter. lammzeit ist natürlich harter tobac. wenn dann alles zugefroren ist und die wasserleitung nicht mehr geht, muss wasser in kanistern geschleppt werden. „wie??? 20 liter? und gleich zwei auf einmal??? neeeee – das ist aber nicht rückenschonend. ich darf nur 5 kg tragen!“ das alles steckt im fleisch, in der möhre, in der kartoffel, in salat, usw…… wenn wirkliche arbeit wieder teil unseres lebens wäre, dann würden wir wissen, was nahrungsmittel wirklich WERT sind, nicht welchen PREIS der weltmarkt vorgibt.

        auf der anderen seite boomen naturerfahrungstrips. schlafen bei wölfen im wolfscenter zum beispiel, outdoor-aktivitäten,…. ich lach mich schlapp. ich bin jeden tag „outdoor“ aktiv und meine schafe schlafen jeden tag neben wölfen. wir haben genug nervenkitzel….. aber es gibt menschen, die für so eine übernachtung gerne 500 € hinblättern, aber dann die kartoffeln aus ägypten kaufen, weil sie so schön billig sind…

        kein interesse, weil keine ahnung mehr von dem, was leben bedeuten könnte…..

        7+
    • lieber friedrich,
      ja das mit der politik ist sehr frustrierend, da stimme ich dir komplett zu. ich möchte aber etwas hinzufügen. denn die politik hat doch nicht so viel zu sagen, wie wir glauben und wie sie selbst glaubt. dahinter steht wirtschaft und macht. und wir selbst.
      egal, ob wir grün, gelb, schwarz oder rot wählen, was zählt, sind wir menschen. wenn wir unser hirn einschalten, dann können von „da oben“ verordungen kommen, wie sie wollen, wir bräuchten doch nicht mitzumachen – was wäre dann? aber wir gehen dann krachen, wenn es an unsere existenz geht und wenn wir unseren kindern kein essen mehr auf den tisch stellen können. und das ist: wirtschaft.
      ich schreibe normalerweise nicht so gefrustet, wie in dem kommentar, den willi hier veröffentlicht hat. aber manchmal muss es eben raus. darüber hab ich mit willi herrlich debattiert.
      ich male mal ein gegenszenario: was wäre, wenn alle menschen beim bauern kaufen und ihm das zahlen, was er braucht, um erstens die produktion zu finanzieren und zweitens noch normal davon zu leben? genau. der bauer könnte in ruhe produzieren und müsste nur marginal an effizienzsteigerung denken.
      ich kenne ein paar ältere, die noch in der aufbruchzeit der grünen unterwegs waren und die selber sagen, dass das alles heute nur noch ein abklatsch ist. leute, die ihr gemüse selbst anbauen, die ihre socken selber stricken, die alte häuser sanieren, die altes handwerk (wer kann noch sensen dengeln?) weiterleben lassen, nebenbei auch noch geld verdienen und eigentlich „ganz normal“ leben. der unterschied? diese leute haben bock auf´s leben und wollen was sinnvolles anfangen mit ihrem leben. die fahren kein auto, wenns nicht nötig ist, die haben kein händi, flicken ihre klamotten, wenn die kaputt sind.

      ein bisschen ist es so, wie ich in meinem blog beschrieben hab: wenn wir in der lage sind zu fühlen, dass das hier, dieses land, auf dem wir wirtschaften, unser ZUHAUSE ist, dann braucht es keine ideologie, um es zu bewahren und unseren kindern gesund zu übergeben. das ist einfach sowas „natürliches“. und hat nichts mit politik zu tun.

      ich habe angefangen, webteppiche herzustellen aus der wolle meiner schafe. tolle sache, eine natürliche ressource nicht wegzuschmeißen, sondern zu einem produkt zu verarbeiten. auf dem weg ist mir das ganze ausmaß der wollproduktion klargeworden. wo gibt es denn noch einen weber? früher war das mal ein beruf, so wie büroangestellter heute. udn dann kommen händler, die eine nische entdecken und zack – gibts in öko-edelkatalogen webteppiche aus regionaler wolle. der preis wird als hoch empfunden, ich weiß aus eigener erfahrung aber, dass es schlichtweg der preis ist, den es braucht, um den teppich zu finanzieren. damit der händler an dem teppich abver genug verdient, lässt er ihn in rumänien weben, wegen der niedrigeren lohnkosten. ich lasse meine teppiche in deutschland weben, habe höhere lohnkosten und verdiene weniger am einzelnen teppich. wieder: wirtschaft. und kaufkraft. weil einieg leute meinen, sie könnten sich „bio“ nicht leisten. doch, können sie! ich kenne alleinerziehende mütter mit kleinen kindern, die nur durch grundsicherung überleben können und trotzdem bio kaufen. da wird halt eingekocht für den winter, auf unserem gemüseacker nachgeerntet und nachts bohnen blanciert. so wie oma früher. man darf halt nur nicht faul sein. diese menschen haben keine zwei autos, zwei smartphones und machen im urlaub keine kreutzfahrt. aber die wertigkeit des lebens ist anders: sie sind glücklich, wenn ihre kinder gesunde nahrungsmittel essen und eine tomatenpflanze von einer kartoffelpflanze unterscheiden können. (wir hatetn schon politiker auf dem hof, die usnere kartoffeln für freilandtomaten gehalten haben…)
      lieber friedrich, ohne gfrage, die politik geht mir gehörig auf die nerven und ich kann auch über grüne politker genüsslich ablästern, obwohl ich lange jahre so gewählt habe. aber mir fehlt dabei immer der punkt, der hier in den kommentaren auch ab und an kommt:
      dann packen wir es an! wir haben die macht, die kraft und genug vorstellungsvermögen etwas zu verändern.
      leider müssen wir die kaufkräftigen kunden mitnehme, das wird noch etwas schwieriger…..
      liebe politikverdrossene grüße
      anke

      5+
      • Obstbäuerin sagt

        Liebe Schäferin vom Hof, ich denke die Uhr lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Dein Lebensmodell hat für die Mehrheit wenig Anziehungskraft und das müssen wir akzeptieren. Für mich ist ein Bio-Apfel nicht wertvoller oder schmackhafter als mein konventionell erzeugter Apfel und alle, die das nicht so sehen, haben ja alternative Möglichkeiten, wenn sie ausreichend Geld zur Verfügung haben.

        2+
        • liebe obstbäuerin,
          ja, ich weiß, neu bestellen ist einfacher als klamotten flicken, schnell mit dem auto nicht so anstrengend wie radln, usw… und ja auch ich nutze smartphone & co, weil ich z.b. viel schneller mit meiner schaftierärztin in kontakt treten kann, wenn ein schaf auf der weide liegt. hat ja auch vorteile. aber man sieht mich fast nie „daddeln“ und „whatsappen“. hab die app noch nicht einmal. und auch im erzeugerbereich ist es natürlich sinnvoller, das heu par mähwerk zu werben, anstatt mit der sense rauszugehen. ich bin also nicht per se gegen fortschritt und co. und ja, ich trinke konventionelle milch. bin da immer ein bisschen skeptisch, was das soja zeugs angeht, nicht wegen den ausgenudelten debatten, sondern eher wegen der welthandel-sache…. aber ich weiß zum beispiel, dass die bäuerin den kühen gar nicht so viele medikamente gibt, wie allgemein den konventionellen kollegen vorgeworfen wird. die kühe brauchen zum beispiel viel weniger wurmkuren (fast gar keine) als meine schafe, die nämlich draußen grasen und dadurch im natürlichen reinfektionskreislauf stecken. nicht entwurmen wäre dann tierschutzrelevant. entwurmen heißt, wieder „chemie“ in die schafe zu stopfen. es ist eben alles nicht so einfach, wie man sich das vorstellt und mitten drin zu stecken in der arbeit, erhellt oft das bewusstsein – oder knüpft freundschaften zwischen bio- und „konvi“bauern. alos trinke ich deren milch gerne – zum fleisch meiner schafe. 🙂 zudem habe ich rohmilch mit ordentlich fettgehalt. wunderbar!

          am meisten freue ich mich aber über die freundschaft und darüber, dass es geklappt hat, angebliche fronten zu überwinden und nun – nach ein paar jahren – in der lage zu sein, ernsthaft über die arbeit zu debattieren, ohne in polemisierungen festzustecken. was haben wir schon vor- und nachteile von ökolandbau und konventionellem landbau diskutiert. herrlich! und das sehr respektvoll miteinander und an der sache orientiert. am geld des verbrauchers liegt es nicht unbedingt – auch wenn mich dafür wieder manche steinigen werden – meine konventionelle nachbarbäuerin erzeugt biogemüse im eigenen garten zum eigenbedarf. kann auch nicht jeder, weil viele in der stadt wohnen. weiß ich auch. ich hab auch keine lösung für das ganze. bin doch auch mittendrin in diesem leben. aber ich hab das gefühl, dass sowas wie unsere nachbarfreundschaft genau der richtige weg ist, den wir einschlagen sollten, um mal gemeinsam voran zu kommen.
          das mit dem geld für nahrungsmittel finde ich von daher kritisch, weil doch so viele lebensmittel weggeworfen werden. nur weil sie nicht der norm entsprechen oder was auch immer. wieviele menschen könnten diese zum kleineren preis erhalten? bioläden könnten gar ihr elitäres gehabe sein lassen und den „ausschuss“ günstiger verkaufen. und damit wirklich bio-läden sein, die sich um nachhaltiges wirtschaften sorgen.

          außerdem ist „bio“ längst nciht mehr bio… wenn 3000 hennen in einem stallabteil von einem 10 000der stall eingepfercht sind, sind das auch keine bio-eier, die da rauskommen. aber mit welchem recht werden die teurer verkauft, als die anderen eier? und wer zahlt die externen kosten bei den „günstigen“ lebensmitteln?

          ich weiß nicht, wie du genau produzierst, aber ich glaube dir sofort, dass dein konventionell erzeugter apfel für dich genauso schmeckt, so wie ich die milch vom nachbarn trinke. es geht doch schon längst nicht mehr um die frage „bio oder nicht“. es geht um die kleinbäuerlichen strukturen und gewachsene familienunternehmen und menschen, die das, was sie erzeugen, gerne tun. und einfach verdammt nochmal das recht darauf haben, davon zu leben, ohne sich anbiedern zu müssen oder den „kunden“ irgendwelche augenwischerei mit romantischen bildchen aufzutischen, um absatzmärkte zu erschließen. oder hausieren zu gehen. was soll das alles? ja, ich kann gerne marktschreien: es gibt fleisch! es gibt fleisch! oder äpfel, oder milch, oder was auch immer…. aber diese schräge welt mit ihrer „gemüsenorm“ oder den gefaketen bildchen auf fertiggericht-packungen lässt uns vergessen, worüber wir hier eigentlich reden: nahrungsmittel. etwas, was wir brauchen, um zu überleben! wir haben verdammt viel davon in unseren wohlstandsbäuchen udn verknüpfen dies mit komischen wirtschaftlichen entgleisungen. konkurrenz, wettbewerb, import, export, usw… und dadurch verleirt der apfel, die milch, das fleisch an wert und es geht nur noch um den preis.

          meine oma, die kriegszeiten kennt (ja, tschuldigung, wieder die leier,….) konnte einfach kein gemüse in den kompost – oder viel schlimmer – hausmüll werfen. machen leute heute. hat ne stelle, ab in den müll. meine oma hat selbst trockenes brot zu armen rittern aufgewertet. es steckte halt in den knochen, dass nahrungsmittel uns am leben erhalten. ich weiß ncoh, wie sie immer ganz gequält geguckt hat, wenn menschen nahrungsmittel weggeschmissen haben, aber sie wusste auch, dass die zeit weiterging und wir heute eben so leben. und alle, die das nicht kennen, leben halt so und finden das richtig. irgendwie hat mich das verhalten von meiner oma nachhaltig beeinflusst und je älter ich selbst werde, desto öfter muss ich an sie denken.

          ich möchte auch keine uhr zurückdrehen, oder jemandem ein lebensmodell aufzwingen. jeder, wie er mag. ich habe nur öfters das gequälte gesicht meiner oma im kopf, die nicht verstanden hat, dass wir „wert“ und „preis“ nicht mehr unterscheiden können. bei allen möglichen produkten, essbar oder nicht.

          in diesem sinne ist der apfel immer wertvoll, egal ob da ein biolabel drauf klebt (bäh, klebstoff…) oder nicht.

          3+
          • Obstbäuerin sagt

            Hallo Schäferin, danke für Deine Antwort – die Konflikte entstehen ja eigentlich auf der politischen Ebene und nicht auf der bäuerlichen. Mir hätte es nur besser gefallen, wenn die Möhre eine Möhre und keine Bio-Möhre ist und die Milch keine Konvi-Milch sondern einfach Milch aber wahrscheinlich hab ich da schon einen Knacks weg.

            1+
  12. Berthold Lauer sagt

    Wir sind keine Direktvermarkter, aber sie beschreibt die Erfahrungen, die viele von uns schon gemacht haben: Alles toll, alles schön und am nächsten Tag aus dem Sinn. Wie oft haben wir das schon erlebt: Neuzuzug im Dorf, irgendwann unseren Hof entdeckt, oh, super, können wir Milch kaufen, die schmeckt super, vielleicht 2 mal, wenns ganz gut läuft zwei Wochen, dann sind die 200 m schon zu mühsam und haltbar ist sie ja auch nicht und das wars dann. Das ganze ist eher Kontaktpflege und kostet viel Zeit.
    Willkommen in der Realität.

    3+
  13. Obstbäuerin sagt

    Sie hat das Problem gut beschrieben, der Politiker, der BUND-Idealist, der Journalist und zum Schluss auch der Kunde – alle möchten eine heile Heidi-Landwirtschaft und verurteilen die moderne Landwirtschaft aufs schärfste. Es reicht aber schon aus, zu wissen, dass es sie noch gibt – diese Bauern, die alles so machen, wie es im Kinderbuch steht und wenn sie sich dabei totarbeiten, kann ich doch nichts dafür. Dann wird auch mal ein Alibikauf getätigt und nicht mit Lob gespart und weg sind sie. Meist für immer.
    Nachdem wir das mit unseren alten Sorten mehrere Jahre probiert haben ( Ausnahme Berlin), konzentrieren wir uns auf die Sorten, die der Kunde wünscht (und die einfach besser sind) -z.B. Elstar – Pinova – Gala und auch ein paar neuere Sorten. Am Anfang (vor mehr als 20 Jahren) habe ich geglaubt, durch Angebot und Werbung Kunden zu aktivieren und zu binden. Das hat eine Weile funktioniert und wurde mit der Zeit weniger und weniger. Jetzt geht eigentlich nur noch Direktvermarktung mit Erdbeeren und Kirschen und wenn wir aufhören, ist auch die weg. Aber in den Medien wird das Märchen immer weiter erzählt – alte Apfelsorten sind toll und alle wollen sie haben.

    11+
    • Bauer Willi sagt

      Lies unbedingt auch den ersten Artikel im Blog der Schäferin. Link ist ganz unten. Und schau ´Dir das Video an. Es wird Dir gefallen
      Bauer Willi

      0
    • liebe obstbäuerin,
      ja, das tut mir auch in der seele weh, sowas von dir zu lesen. habe am wochenende auf dem pflanzenmarkt am kiekeberg versucht, düngepellets aus der wolle meiner schafe zu verkaufen. zwei felle hab ich verkauft und vier mal strickgran. läppisch, um als erlös des wochenendes zu gelten. ich war angesiedelt im alten obstgarten des freilichtmuseums. zumindest gab es da einen apfelbaum und einen birnbaum. der koordinator sagte, es seien „irgendwelche alten sorten“. beim stichwort klingelt es ja schon in den ohren. naja, zumindest fiel beim auf-und abbauen immer mal ein apfel vor meine füße und ich hatte frühstück gratis. ich konnte den apfel sogar essen, ohne dass mir der gaumen kribbelte, wie es bei den plastikverpackten supermarktäpfeln ist, die ich deswegen schon ewig nicht mehr esse.
      auch das ein stück dieser wunderschönen utopie. ein garten mit wunderbaren äpfeln und birnen., unter den bäumen grasen schnucken…..
      aber was soll´s. dann importieren wir halt. äpfel aus … israel? macht uns auch nicht so viel arbeit. nur den kindern im kibbutz. (die die mich kennen, wissen meinen sarkasmus einzuordnen…) erdeeren? spanien geht ganzjährige produktion. schließlich muss ja alles imemr und überall für alle eventuellen bedürfnisse vorhanden sein. und falls sich das bedürfnis dann doch nicht eingestellt hat, schmeießen wir es halt weg. ist doch egal.

      ach wie war das schön in diesen apfel zu beißen, der mir auf dem kiekeberg vor die füße gerollt ist…..
      liebe grüße
      anke

      0
      • sonnenblume sagt

        Hallo Schäferin,
        Wir beziehen unser Rind- und Schaffleisch schon sehr lange von zwei Hobbyhaltern. Ein Problem bei der Vermarktung ihrer Ware – es gehen am Besten die Edelteile. Wir haben uns dann auf 2/3 Normal zu 1/3 Edel geeinigt, weil die eigenen Familien von der Menge an Restware überfordert wären. Der Preis ist immer noch recht ordentlich, aber so kommen sie wenigstens Plus-Minus Null über die Runden. Und wir sind damit ja auch einverstanden.

        2+
        • Brötchen sagt

          ein Tipp solche Hamburger Pads gehen sehr gut und man bekommt die anderen Teile unter. lässt sich gut verpacke und einfrieren. man kann natürlich nicht alles da reinmachen. die Leute wollen was besonderes ohne Arbeit.

          0
          • sonnenblume sagt

            Deinen Tipp verstehe ich jetzt nicht so ganz. Es geht darum, das von einzelnen Kunden z.B. Steak bevorzugt werden und z.B. Ware für die Suppe nicht genommen wird. Ich habe damit kein Problem, aber für den Hobbyhalter wird das auf Dauer schon schwierig. Schließlich sind Steaks ja auch nur begrenzt zu haben.
            Und die weitere Kundschaft möchte auch noch gemischte Pakete.

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            • Brötchen sagt

              sonnenblume ich versteh schon was das Problem ist. jeder kann und darf auch kein Hackfleisch machen.
              der Tipp ist für die, die wollen und können.

              0
        • hallo sonnenblume,
          ja genau das mit den „edelteilen“ ist ebenso ein problem. haben wir auch. wie kriegen wir drei ridner gerecht auf 130 leute verteilt? da kriegt eben nicht jeder filet oder steak, aber genau das fliegt uns dann um die ohren, dass nicht jeder was davon haben kann, wobei ich dann immer erklären muss, wie so ein tier aufgebaut ist…. puh…
          ich bin dazu übergegangen, darauf hinzuweisen, dass es für mich/uns auf dem hof keine hochwertigeren fleischstücke gibt, denn es steckt das tier dahinter, welches wir ein dreiviertel jahr(schaf) oder zwei jahre (rind oder schafjährling) gepflegt haben, meist auch einen namen hatte. da ist jeder suppenknochen wertvoll.
          aber auch ich esse gerne steak und filet, keine frage.

          und ich bin ganz begeistert von dem, was du schreibst, so dass ich mich hier dauernd vertippe…. wenn menschen sich zusammentun und das einfach gemeinsam regeln, dass jeder was davon hat und alle zufrieden aus der sache rausgehen können,…. wow!!! das und die andere wertschätzung von fleisch allgemein führt uns genau dahin, wo wir langwollen.
          bitte mehr sonnenblumen und weniger stadtmenschen!

          äh… leider geht das nicht, dass ich bei deinem kommentar noch 20 daumen mehr anklicken kann. aber du hast mir einen lichtblick für heute gebracht! danke!!! wie heißt es so schön? „you made my day!“ – ganz liebevoll.

          sorry, das ist grad unkontrollierte gedankenplapperei…. aber ich freu mich einfach so sher über menschen, die es verstanden haben und sinnvolle dinge TUN. und eben auch mit dem hobbyhalter die schafe und rinder zerstückeln ;-))
          entzückte grüße
          anke

          0
          • sonnenblume sagt

            Meine Familie passt mit ihren Vorlieben zum Glück gut in das System. Also muss ich da keine großen Abstriche in Kauf nehmen. Für beide Seiten ein Plus.

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      • Obstbäuerin sagt

        Hallo Schäferin, Äpfel, die frisch vom Baum gepflückt sind, haben sehr selten allergenes Potenzial. Das hat mit alten oder neuen Sorten nichts zu tun. Aber innerhalb der Sorten gibt es Unterschiede. Je länger die Lagerung andauert, umso mehr allergene Stoffe bilden sich, deshalb sollten Allergiker im Frühjahr dann doch lieber zu Importware von der Südhalbkugel greifen oder warten, bis die Sommeräpfel reif sind..

        0
        • oh ha! aber wo kam der topaz her, den ich so gut vertragen habe??? und wann war das???? hmmm. krame in den erinnerungen… keine ahnung mehr. bestimmt aus israel 😀
          danke, ich werd mal drauf achten, wie es mit den unterschiedlichen äpfeln so geht. bisher dachte ich, es ist der „garten-wald-und-wiesenapfel“, den ich essen kann, aber der wird natürlich direkt vom baum geschnurpst. meine tochter hat ein vorratslager angelegt, mal sehen, was passiert, wenn ich die später esse…

          0
  14. sonnenblume sagt

    Lasst den Worten Taten folgen!
    Geredet wird immer viel, aber das war´s dann auch. Ist doch ein grundsätzliches Problem in unserem Job.

    2+
    • sonnenblume sagt

      Wir werden aufgerieben zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ein Spagat den die Landwirtschaft so nicht leisten kann, wenn man als Familie davon leben und nicht einen außerlandwirtschaftlichen Job als finanzielle Unterstützung mit einsetzen will. So meine Gedanken dazu.

      11+

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