Bauer Willi
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Hendricks – Zukunft der Landwirtschaft

Gestern (17.1.2017) hielt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in Berlin eine Rede zur Zukunft der Landwirtschaft aus ihrer Sicht. Wir bringen die Rede im vollen Wortlaut und stellen ihn zur Diskussion. Den Link dazu findet ihr hier:

http://www.bmub.bund.de/presse/reden/detailansicht/artikel/rede-von-dr-barbara-hendricks-zur-landwirtschaft-mit-zukunft/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=289

Es gilt das gesprochene Wort –

Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,
Damen und Herren,

und ganz besonders: lieber Kollege Christian Schmidt. Es freut mich sehr, dich heute zu Gast zu haben. Wir begegnen uns in diesen Tagen ziemlich oft. Wir haben erst in der vergangenen Woche ein gemeinsames Forschungsprojekt zur Artenvielfalt in der Landwirtschaft vorgestellt. Das heißt kurz „Franz“ [Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft]. Für alle, die sich das einmal näher anschauen wollen: Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

Und wir haben uns gemeinsam mit den Ländern über ein neues Düngerecht verständigt. Bei den ganzen gemeinsamen Terminen: Wir könnten doch eigentlich eine Fahrgemeinschaft bilden!

Es ist kein Geheimnis: Innerhalb des Kabinetts befinden wir uns in einer Art kollegialem Wettbewerb. Das ist gut so. Ich glaube, es steht uns gut an, wenn wir über die großen Fragen unseres Landes – und die Entwicklung des ländlichen Raumes gehört zweifellos dazu – auch konstruktiv streiten. Und: Wir kommen in der Regel auch zu guten Lösungen.

Wer – wie ich – in einer kleinen Stadt groß geworden ist, der sieht die Landwirtschaft mit besonderen Augen. Meine Heimat, der Niederrhein, wäre ohne sie nicht die gleiche.

Landwirtschaft, das ist harte Arbeit, Tradition und Verantwortung. Ich kenne Familien, die betreiben ihren Hof seit Jahrhunderten. Die haben die Geschichte ihrer Orte mit geprägt. Ihr Wunsch ist, den Hof, den sie von ihren Eltern und Großeltern erhalten haben, an ihre Kinder weitergeben zu können. Ich kenne Familien, die machen keinen Urlaub, weil sie den Hof nicht alleine lassen können. Die arbeiten 60 bis 80 Stunden in der Woche. Für sie ist Landwirtschaft nicht einfach ein Job, eine Verdienstmöglichkeit, ein Unternehmen mit Profitauftrag. Sie ist Berufung.

Der Respekt vor der Leistung und der Tradition unserer Bäuerinnen und Bauern sollte der Ausgangspunkt sein, wenn wir über die Zukunft unserer Landwirtschaft sprechen.

Und wir sollten ehrlich sein: Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer tiefen Krise. In einer ökonomischen Krise, in einer Akzeptanzkrise gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und in einer Umweltkrise.

Vor den Toren unserer Städte und Gemeinden werden aus bäuerlichen Betrieben Agrarfabriken, die mit unserem Bild von einer bäuerlichen Landwirtschaft längst nichts mehr zu tun haben.

Viele Familienbetriebe stehen unter permanentem Druck. Sie kämpfen um ihre Existenz und müssen ihren Hof am Ende aufgeben. Wir alle haben diese Geschichten im Zuge der Milchkrise wieder gehört. Die Familienbetriebe sind die Opfer eines Wettbewerbes, in dem das Angebot größer ist als die Nachfrage, und in dem die Produktion trotzdem steigt.

Diejenigen, die weiter machen, sind einem ständigen wirtschaftlichen Optimierungsdruck ausgesetzt. Das Motto heißt „Wachse oder weiche“ – und das schon seit Jahrzehnten. Ein zutiefst brutaler Slogan, wenn wir die Schicksale dahinter betrachten. Er steht heute für ein Modell, das Tiere, natürliche Ressourcen und letztendlich auch die arbeitenden Menschen ausbeutet.

Aber dieses Modell kann den kommenden Generationen nichts hinterlassen, auf das sie ihren Wohlstand gründen können. Weder einen gesunden Betrieb, noch gesunde Böden, noch eine gesunde Natur – Raubtierkapitalismus in Reinkultur.

Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich bisher nicht besonders als Kapitalismuskritikerin aufgefallen bin. Aber die Entscheidung, eine Agrarwirtschaft zu fördern, die auf dem globalen Markt konkurrenzfähig ist, damit zum Beispiel Chinesen deutsches Fleisch kaufen, war aus meiner Sicht falsch. Rund 15 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die deutsche Landwirtschaft auf dem Weltmarkt. Die Gewinne verteilen sich auf wenige. Aber den Preis zahlen wir alle.

Die Böden nehmen Schaden. Sie werden zu intensiv genutzt. Die Belastungsgrenzen der Natur werden dauerhaft überschritten. Jahrhunderte alte Weisheiten, wie nachhaltige Fruchtfolgen, werden nicht mehr befolgt. Die Äcker werden überdüngt, ihr natürliches Gleichgewicht zerstört. Wir überschütten sie mit Gülle – weit mehr, als sie vertragen können.

Eines unserer wertvollsten Allgemeingüter – das Grundwasser – wird mehr und mehr mit Nitrat belastet. Die Wasserbetriebe, die daraus Trinkwasser gewinnen, müssen es aufwändig reinigen, bevor es getrunken werden kann. Verantwortlich dafür ist die intensive Landwirtschaft. Die höheren Wasserpreise zahlen aber die Bürgerinnen und Bürger.

Die Artenvielfalt geht zurück. Auch weil die Landwirtschaft zu viele Pflanzenschutzmittel verwendet. Das ist ein immenser immaterieller Schaden, weil wir die Vielfalt unserer Natur und ihre Schönheit unwiederbringlich verlieren. Und das ist ein enormer materieller Schaden, weil die Arten wichtige Aufgaben für Ökosysteme insgesamt übernehmen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Bienen. Von den 100 wichtigsten Pflanzenarten, die uns ernähren, werden 71 von Bienen bestäubt. Darunter fast alle Obstsorten. Die Biene ist ein echter Wirtschaftsfaktor, den Forscher allein für Deutschland mit rund 2,5 Mrd. Euro pro Jahr bemessen. Die Arbeit der kleinen Biene ist damit genauso viel wert, wie zum Beispiel der voraussichtliche Gewinn der Bundesbank im Jahr 2016. Das Problem: Die Zahl an Bienen nimmt dramatisch ab.

Die Wissenschaft sagt uns, dass Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel und monotone Agrarlandschaften dafür zumindest mitverantwortlich sind.

Ein eingespielter natürlicher Mechanismus, der seit Jahrtausenden funktioniert, gerät aus dem Lot. Das macht die Biene zu einem passenden Symbol für eine besorgniserregende Entwicklung: Die Landwirtschaft beraubt sich ihrer eigenen Grundlagen. Sie sägt an dem Ast, auf dem sie selber sitzt.

Der Erhalt unserer biologischen Vielfalt ist kein Nischenthema für wenige Naturfreunde. Es ist eine unserer grundlegenden Pflichten, den Schatz unserer Natur – wir könnten auch sagen: die Schöpfung – für die kommenden Generationen zu bewahren.

Es ist aber nicht nur die Sorge um die Umwelt, die immer mehr Menschen auf Distanz zur Agrarwirtschaft gehen lässt. Sie zweifeln daran, dass das, was auf unseren Tellern landet, gesundheitlich wirklich unbedenklich ist.

Das gilt für den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln genauso wie für den massiven Einsatz von Medikamenten – zum Beispiel Antibiotika in der Tierzucht. Schon der gesunde Menschenverstand sagt uns doch, dass es gefährlich ist, wenn in der Tierzucht Medikamente zur Regel werden, die eigentlich die letzte Rettung für schwer erkrankte Menschen sein sollen.

Der Pharmavertreter im Schweinestall – das ist die logische Konsequenz einer Haltung, bei der der Respekt vor dem Tier als fühlendes Lebewesen auf der Strecke geblieben ist. Das ist unserer Gesellschaft nicht würdig!

Wir vergessen auch nicht die Ungerechtigkeiten, die wir an anderen Orten verursachen, vor allem in Afrika, wo die lokalen Märkte mit billigen Produkten aus Europa überschwemmt werden und die Landwirtschaft vor Ort keine Chance hat. Das ist ein moralisches Problem. Aber nicht nur. Wir erleben das gerade an den europäischen Außengrenzen. Dort wo Menschen keine Perspektiven auf ein gutes Leben haben, wachsen gesellschaftliche und politische Konflikte. Wer könnte diesen Menschen verübeln, dass sie sich auf den Weg machen, um woanders nach einem besseren Leben zu suchen?

Viele Bäuerinnen und Bauern sehen all diese Probleme. Ich kenne nur sehr wenige, die die aktuelle Entwicklung wirklich gut finden. Und ich kenne immer weniger, die in der Landwirtschaft, wie sie heute ist, eine Zukunft sehen.

Ich bin mir gleichwohl sicher: Landwirtschaft in Deutschland hat Zukunft, wenn sie nachhaltig wird. Da gibt es reichlich Potential. Es muss auch nicht alles „bio“ sein. Ich möchte nämlich, dass auch diejenigen gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel kaufen können, die sich den Biomarkt nicht leisten können.

Das Forschungsprojekt „Zukunftsfähige Landwirtschaft“, dem mehrere deutsche und eine niederländische Universität angehören, hat in unserem Auftrag einen möglichen Weg zu einer neuen Agrarpolitik skizziert. Lieber Herr Prof. Feindt, Sie werden uns heute Nachmittag die Kernpunkte vorstellen und ich will Ihnen nicht vorgreifen.

Ich möchte aber auf einen zentralen Begriff Ihres Vorschlages hinweisen: Sie plädieren für einen neuen Gesellschaftsvertrag mit der Landwirtschaft. Dieser Begriff bringt unsere Aufgabe auf den Punkt.

Ich finde, wir brauchen eine breite Diskussion über eine Landwirtschaft, die sozial und ökologisch ist. Die für eine faire Entlohnung sorgt. Die das Wohl der Tiere und die Belastungsgrenzen der Natur respektiert. Bei der auch der Handel seine Verantwortung für eine funktionierende Wertschöpfungskette erkennt. Eine Landwirtschaft, die die Anliegen der Verbraucher ernst nimmt und gleichzeitig zurecht von ihnen fordert, für eine gute Leistung einen angemessenen Preis zu zahlen.

Das ist ja nach wie vor der kritische Punkt in der Debatte. Wir trauen den Verbrauchern nicht zu, dass sie die Produkte einer nachhaltigen Landwirtschaft kaufen. Auf den ersten Blick mag die Skepsis auch berechtigt sein: In kaum einem Land geben die Menschen gemessen am Einkommen weniger Geld für Nahrungsmittel aus als in Deutschland.

Ich bin aber überzeugt: Die Menschen in unserem Land sind weiter als viele denken. Die Einstellung zu Lebensmitteln hat sich verändert. Viele Menschen ernähren sich bewusster. Und viele sind bereit, für einen höheren Standard mehr zu zahlen.

Im Umweltministerium erheben wir alle zwei Jahre das Umweltbewusstsein der Deutschen. Die aktuelle Studie erscheint im März. Ein Ergebnis kann ich Ihnen schon jetzt nennen: Vier von fünf Befragten sind bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn sie wissen, dass es den Tieren besser geht, als unsere Mindeststandards es vorschreiben. Und fast genauso viele würden für höhere Umweltstandards mehr Geld auf den Tisch legen.

Worauf warten wir also?

Wir dürfen unsere Bäuerinnen und Bauern mit diesem Problem nicht alleine lassen. Wir brauchen einen Systemwechsel, hinter dem unsere gesamte Gesellschaft steht.

Das bedeutet aus meiner Sicht: Wir brauchen zunächst einmal einen besseren Rechtsrahmen. Wenn wir eine nachhaltige Landwirtschaft wollen, dann müssen wir verhindern, dass sie die Natur stärker belastet, als diese es verkraften kann. Bestimmte Sonderregelungen für die Landwirtschaft im Umwelt- und im Bauplanungsrecht werden ihre Berechtigung behalten.

Diese Vorschriften müssen dann aber umweltverträglich zugeschnitten werden. Die Zeit, in der die Landwirtschaft Vorrang vor den Belangen der Umwelt hat, muss vorbei sein.

Das heißt zum Beispiel: Wir müssen die Privilegierung landwirtschaftlicher Tierhaltungsanlagen im Baurecht neu justieren. Große Tierhaltungsanlagen sollten im Außenbereich nur noch zugelassen werden, wenn die Gemeinde einen entsprechenden Bebauungsplan erlässt und eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführt. Das hilft dem Umweltschutz. Es vermeidet Nutzungskonflikte. Vor allem aber stärkt es die Akzeptanz.

Es passt einfach nicht in die Zeit, wenn zum Beispiel am Ortsrand neue Agrarbetriebe entstehen, ohne dass die Kommunen darauf einen Einfluss haben. Die Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch darauf, mitzubestimmen, wie ihr Ort aussehen soll. Ausgerechnet die Landwirtschaft von diesem Prinzip auszunehmen, schadet ihr am Ende selbst.

Lieber Christian Schmidt, unser Gesetzesentwurf liegt deinem Haus ja gerade zur Abstimmung vor. Es ist im Sinne der Bäuerinnen und Bauern, wenn wir ihn schnell auf den Weg bringen.

Außerdem brauchen wir dringend eine neue Düngeverordnung, die eine Hoftorbilanz – oder wie wir sie jetzt nennen: Stoffstrombilanz – für alle Höfe verbindlich macht, damit die Landwirte ihren Düngeeinsatz effizienter machen können. Ich bin sehr froh, dass uns gemeinsam mit den Ländern in der vergangenen Woche eine Einigung gelungen ist. Das bringt uns wirklich voran! Und: Es könnte helfen, die Klage der EU-Kommission wegen des Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie doch noch zu einem guten Ende zu führen.

Noch wichtiger ist allerdings eine grundlegende Reform der EU-Agrarförderung. In Zeiten großer Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern und immensen außenpolitischen Herausforderungen der Europäischen Union ist es ein Privileg, dass fast 40 Prozent des EU-Budgets in die Landwirtschaft fließen. Ich finde es aber grotesk, dass ein großer Teil des Geldes dann bei den großen Agrarfabriken landet, die im Grunde niemand haben will. Ein Prozent der Betriebe erhält 20 Prozent der Direktzahlungen. Ein Hundertstel erhält ein Fünftel. Man findet keine andere Subvention, deren Ziel es ist, ohnehin starke Akteure noch stärker zu machen. Und zwar ohne sie zu verpflichten, ausreichend gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Hinzu kommt, dass – wenn ein Bauer die Fläche pachtet – ein Großteil der Förderung gar nicht bei ihm ankommt. Der Eigentümer der Fläche hält nämlich die Hand mit auf. Und die Pachtpreise sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Wir müssen dieses absurde Fördersystem gemeinsam mit den anderen Mitgliedsstaaten dringend ändern. Ich bin der Auffassung:

Öffentliches Geld sollte es in Zukunft nur noch für öffentliche Leistungen geben.

  • Wir wollen diejenigen unterstützen, die Qualität vor Masse setzen.
  • Bei denen die bäuerliche Idylle nicht nur auf dem Etikett der Milchpackung existiert.
  • Wir wollen Betriebe, die profitabel sind und sich ihren Tieren und der Natur verpflichtet fühlen.
  • Die die Tradition ihrer Familien weiterführen können, ohne immer weiter wachsen zu müssen.
  • Die Pflanzenschutzmittel so behutsam einsetzen, dass die Belastungsgrenzen der Umwelt respektiert werden.
  • Die ihre Verantwortung für den Klimaschutz wahrnehmen.
  • Wir wollen Landwirte fördern, die auch dort den Acker bestellen, wo der Boden wenig Ertrag abwirft.
  • Wir wollen Initiativen fördern, die regionale Wertschöpfungsketten knüpfen.

Die Zanexus-Studie von Prof. Feindt zeigt, dass das durchaus möglich ist. Wir müssen allerdings gar nicht darauf warten, bis wir – die Mitgliedsstaaten – in Brüssel über eine neue Förderperiode entscheiden.

Wir können schon jetzt handeln. Die EU gibt uns die Möglichkeit, bis zu 15 Prozent der Subventionen aus der 1. Säule der Direktzahlungen in die 2. Säule zu überführen, mit der genau diese Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft schon heute möglich ist. Bislang liegt unser Anteil bei gerade einmal 4,5 Prozent.

Lieber Christian Schmidt, es würde mich sehr freuen, wenn wir uns darauf einigen können, dass wir unsere Spielräume für eine nachhaltige Landwirtschaft nutzen und die 2. Säule ab 2018 auf einen Anteil von 15 Prozent aufstocken.

Ich weiß, dass du wegen der aktuell schwierigen Einkommenssituation in der Landwirtschaft zögerst.

Aber es hilft am Ende niemandem, wenn wir einfach weiter abwarten. Und ich bin mir sicher, dass uns die meisten Bundesländer bei einer Umschichtung unterstützen werden.

Und: Wir sollten uns in Brüssel für einen eigenständigen EU-Naturschutzfonds einsetzen, denn der Naturschutz braucht dringend mehr eigenes Geld! Damit können wir Landwirte, aber auch andere Akteure, wie zum Beispiel Forstwirte, für besondere Naturschutz-Leistungen honorieren. Im heutigen EU-Fördersystem ist der Naturschutz hoffnungslos unterfinanziert. Ein eigenes Finanzierungsinstrument würde auch helfen, Konflikte zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu entschärfen.

Letztendlich geht es hier nicht darum, Recht zu haben. Es geht darum, das Richtige zu tun. Dafür brauchen wir die konstruktive Zusammenarbeit von Umwelt- und Naturschützern und Landwirten. Ich habe manchmal den Eindruck, der ein oder andere Verbandsvertreter hat es sich in der Frontstellung ganz bequem eingerichtet. Ideologische Debatten helfen uns aber nicht weiter.

Mehr Verständigung zwischen Umweltschützern und Landwirten – das ist die notwendige Voraussetzung, damit der Wandel gelingen kann.

Die Symptome der Krise sind nicht wegzudiskutieren. Wir sollten unsere Energien nicht länger dafür nutzen, an einzelnen Symptomen herumzudoktern. Und wir sollten den Betroffenen nicht vormachen, dass die Dinge schon von selber ins Lot kommen. In der bisherigen Form hat die Landwirtschaft keine Zukunft. Es muss anders werden, damit es besser wird.

Wir sollten auch nicht die Illusion haben, wir könnten das Rad einfach zurückdrehen und zu einer Landwirtschaft zurückkehren, wie sie früher vielleicht einmal war. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert. Der Markt, die Technik, das Ernährungsverhalten. Unsere Zeit braucht eigene, neue Antworten. Wir sollten uns auf den Weg machen und die Diskussion über die Zukunft unserer Landwirtschaft offen führen. Ich freue mich deshalb sehr, dass du, lieber Christian Schmidt jetzt deine Perspektive darstellen wirst. Das Mikrofon gehört dir. Vielen Dank!

 

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117 Kommentare

  1. In weiten Teilen sind die Gedanken und Forderungen der Frau Hendricks ganz in Ordnung. Sie hat zumindest als eine der wenigen Politiker erkannt, dass es im ländlichen Raum brennt. Und zwar ist das kein Strohfeuer, sondern hier geht es richtig zur Sache. Es geht um die Existenz landwirtschaftlicher Betriebe, die bislang ohne groß zu murren ihr Land bewirtschaftet haben, und durch ihre Investitionen die Industrie und das örtliche Handwerk unterstützen.
    Wenn unser Landwitschafts-Laberminister mit seiner Nichtstun-Strategie so weitermacht, dann ist es bald zappenduster. Wir brauchen jemanden, der seiner Verantwortung bewußt ist. Jemand der das Wort „Landwirtschaft“ verstanden hat. Für mich heißt dieses Wort, dass der Bauer sein Land nutzt, und davon wirtschaftliche Erträge generieren kann.
    Davon sind wir zur Zeit bei den meisten Landwirten weit entfernt.
    In angenehmer Erinnerung denke ich da an Renate Kühnast zurück. Die hatte Temperament, da ging was.
    Wenn die Landwirtschaftspolitik reformiert werden soll, dann ist für mich von entscheidender Bedeutung, dass der Focus auf die Unterstützung von „Bäuerlichen“ Betrieben gelegt wird. Ferner brauchen wir nicht wieder eine Fülle von neuen Vorschriften, sondern es muss Bürokratie abgebaut werden. Es kennt sich doch bald keiner mehr aus.
    In Kindergärten und Schulen muss gelehrt werden, wie man vernünftig mit Nahrungsmitteln umgeht. Die Zeit muss sein. Dann stellt sich langfristig automatisch eine Verringerung der Nahrungsmittelverschwendung ein. Wenn nämlich fast die Hälfte der Lebensmittel im Müll landen, dann ist das eindeutig Zuviel.
    Und zu guter Letzt: Die Nahrungsmittel müssen einfach mehr kosten. Wenn etwas was kostet, dann wird es wertgeschätzt.

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      Hallo, ich finde Ihren Beitrag sehr überzeugen. Den Schwenk zu Frau Kühnast dagegen, gar nicht. Da ging was ja, gegen die Landwirtschaft.

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  2. Schmeckt gut sagt

    Kann ich bestätigen. Viele EOS haben allerdings auch GMO-Gelder aus Brüssel in Anspruch genommen. Dann hat ein ganz mächtiger und nicht immer vorteilhafter EinflussNehmer großes Mitspracherecht in der Vermarktung, beginnend mit der Andienungspflicht. Warum geht es nicht ohne GMO? Ganz einfach. Weil diese EO mit Geldern von Mitgliedern kaum aufzubauen ist. Die Bereitschaft der Höfe sehr viel Geld für Maschinen, Infrastruktur und Büro im Vorfeld auszugeben tendiert gegen null. Und 100Tsd Euro pro Jahr für einen guten Geschäftsführer/Verkäufer auszugeben erst recht.

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  3. Claus-Philipp Graf sagt

    Hallo Bauer Willi,
    weißt du wo man die anschließende Rede von Minister Schmidt nachlesen kann? Würde mich auch mal interessieren was er dazu so zum Besten gibt.

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  4. Anwalt der Tiere sagt

    Selbst Carl-Albrecht Bartmer, DLG, sieht die Abhängigkeit der immer großflächigeren Landwirtschaft von immer weniger Pestiziden mit Sorge, wie heute in der FAZ zu lesen ist. Zu enge Fruchtfolgen und zu hoher Chemikalieneinsatz verursachten zunehmend Resistenzen von Pflanzen. Landwirte betreiben laut Bartmer einen „gigantischen Chemieaufwand“. Die FAZ gibt seine Vorschläge so wieder: „Alle Tierhalter bräuchten Aus- und Fortbildungen. Alte Tierställe in Intensivmast-Regionen wie Vechta sollten geschlossen werden. Ackerbauern müssten mehr unterschiedliche Früchte nebeneinander anbauen, um Artenvielfalt zuzulassen. Der Staat müsste dafür strengere Regeln setzen: „Der Markt honoriert diese Leitungen nicht.“ Bartmer fordert aber nicht Subventionen, sondern Spielregeln, die mehr Ziele berücksichtigen als die bloße Ernte. Eine Nachhaltigkeits-Zertifizierung solle Pflicht werden.“

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    • Anwalt der Tiere sagt

      Schmunzeln musste ich bei Jan Grossarths Aussage in dem FAZ-Artikel, das Lösen der zahlreichen Zielkonflikte gehe nicht ohne Bildungsbürger und NGO, die versuchten, den Expertenblick (der Bauern) für das Systemische zu weiten. Das sei nicht einfach und kassiere zunehmend Spott von wütenden Bauern im zynischen Facebook.

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    • Mark Rössler sagt

      Die DLG möchte wohl als Zertifizierer Geld verdienen.
      Die Landwirtschaft braucht dringend noch mehr Arbeit im Büro, damit retten wir die Welt und es bleibt nicht so viel Zeit zum Spritzen,,,

      Oder sagen wir es mal so, das kann der Familienbetrieb langsam alles nicht mehr leisten.
      Alles Wege zu Großbetrieben, die sich dann auch ausreichend Bürokräfte leisten können.

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    • bauerhans sagt

      bartmer,als 1000ha bauer,kann gut reden!
      das meiste,was er fordert,gibts doch schon,freiwillig und mit zuschüssen z.b. vielfältige fruchtfolge.
      die bemerkung „gigantischer chemieaufwand“ ist quatsch,wir setzen das ein,was sein muss,um erträge abzusichern.
      „alte tierställe“ in vechta werden tatsächlich schon geschlossen oder renoviert,wenn substanz und genehmigung das zulassen.
      eine verpflichtende nachhaltigkeitszertifizierung würde erstmal teuer werden,so wie tierwohl,die kosten blieben dann wieder am erzeuger hängen.

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    • Stadtmensch sagt

      Danke für den Hinweis.

      Aus dem Text (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/grosse-sorge-ums-essen-die-landwirtschaft-nach-einem-systemwechsel-14690355.html):

      „Seine Worte erinnern – was die Diagnose anbetrifft – an die von Naturschutz- und Umweltverbänden wie BUND oder Nabu. Der Deutsche Bauernverband hingegen wehrt sich gegen „Systemdebatten“. Es werde keine Agrarwende geben, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied immer wieder.“

      Sehr dicke Bretter sind zu bohren 🙁

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      • Anwalt der Tiere sagt

        Es gibt noch einen weiteren Artikel als FAZ plus: Die Farm der Zukunft braucht Phantasie.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Ach was wäre die Landwirtschaft ohne Menschen wie sie, wegen fehlender Fantasie würde alles zusammenbrechen.

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          • Stadtmensch sagt

            Genau! Wegen fehlender Fantasie bricht alles zusammen.
            Wegen des falschen Folgerns des Sollens aus dem Sein, gibt es keinen Fortschritt im Sinne des Hegelschen Weltgeistes. So!
            😉
            Landwirte brauchen mehr Zeit für Philosophie (Hinweis: das ist säkularisierte Theologie). Aber sie hantieren immer noch mit „Agrartheologen“.

            Wenn man die Menschen in einem „geistlosen Krämerseelensystem“ immer weiter voneinander entfremdet, kommt sowas raus wie beim „Milgram-Experiment“. Aber was solls, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und kann sich noch an die übelsten Zumutungen anpassen…

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Es muss sich nicht um Drittländer handeln, nicht wenige Eu Länder werden den deutschen Weg nicht mitgehen.

              Wenn ich bei der Metro die Preise für Hänchenbrüste vergleiche, dann kosten die deutschen im Angebot 7,50 Euro je Kg, andere aus Ungarn oder Polen kosten 4,50 Euro, was glauben sie, wo der Gastwirt hingreift?

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Auch wenn es für einen Stadtmenschen nicht nachvollziehbar ist, es wird keine Agrarwende geben, sollte die Politik dies beschließen, das würde das Ende der deutschen Landwirtschaft einleiten, auch der BIO-Betriebe.

        Aus reiner wirtschaftlicher Not würden Betriebe auf Bio umstellen und eine Überproduktion einleiten, die der Markt zu derzeitigen Preisen nicht aufnimmt.

        Bei dem derzeitigen Politikergewäsch ist nicht herauszuhören, dass man ein Außenschutz für konventionelle Lebensmittel einführen will.

        Es ist besser, der geplante Hofnachfolger geht in die Industrie, dort findet er noch Gehör bei Politik und Bevölkerung.

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        • Anwalt der Tiere sagt

          Es wäre ja schon ein Schritt, wenn mehr Geld von der ersten in die zweite Säule umgeschichtet würde. Das würde mehr Anreize in Richtung Ökologie setzen. Die Deutschen geben für Lebensmittel weniger aus als (viele) andere Europäer. Und, ist das ein Naturgesetzt? Man kann hier auch ein bislang ungenutztes Potential sehen. Die Kaufkraft ist vorhanden. Der ökologische Mehrwert deutscher Produkte muss sichtbar gemacht, vermarktet werden. Deutschen unterstellt man doch immer ein besonderes Umweltbewusstsein.

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          • bauerhans sagt

            „Die Deutschen geben für Lebensmittel weniger aus als (viele) andere Europäer.“

            das ist ja das problem,diese günstigen lebensmittel sind ja von guter qualität!
            warum soll der deutsche dann mehr ausgeben,die wenigen,die mehr ausgeben wollen,haben dafür ja andere gründe.

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        • rebecca sagt

          Die EU leitet auch ohne Agrarwende das Ende der deutschen Landwirtschaft ein.
          Zum Beispiel mit sinnlosen Russland Sanktionen. Hier wird ein ganzer Markt nachhaltig zerstört und der Aufbau von künftigen Mitbewerbern gefördert. Hier wäre allen die noch glauben das sie den Markt nach wegfall der Sanktionen vorfinden wie vorher eine Bildungsreise nach Russland zu empfehlen.

          Vor kurzer Zeit wurde hier auch die Zusammenarbeit in der Zuckerindustrie gegenüber den Milchaltern gelobt.
          Gucken wir mal wie lange das bei solchen Entscheidungen noch funktioniert.

          http://www.wir-essen-gesund.de/eu-erlaubt-ab-2017-gefaehrlichen-industriezucker-isoglucose/

          Und warten wir auf den Eiertanz im sitzen wenn die bösen NGO, Umwelt/Verbraucherschützer die sich offenbar bis jetzt als einzige gegen diesen neuen EU Irrisnn stark machen als Verbündetet im Kampf dagegen benötigt werden.

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        • Anwalt der Tiere sagt

          Warum wird eigentlich immer behauptet, es gebe keinen Außenschutz? Für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Drittländern gibt es bereits eine starke Regulierung zum Schutz des europäischen Binnenmarktes. Es gibt für Erzeugnisse aus Drittländern eine dynamische Mengenbegrenzung und Preisanpassung, die auf Grund Beobachtung der Warenströme gesteuert wird.

          Die Preisanpassung erfolgt durch Abschöpfung der Differenz zwischen dem niedrigeren Weltmarktpreis und dem höheren innergemeinschaftlichen Preis.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Es muss sich nicht um Drittländer handeln, nicht wenige Eu Länder werden den deutschen Weg nicht mitgehen.

            Wenn ich bei der Metro die Preise für Hänchenbrüste vergleiche, dann kosten die deutschen im Angebot 7,50 Euro je Kg, andere aus Ungarn oder Polen kosten 4,50 Euro, was glauben sie, wo der Gastwirt hingreift?

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            • Anwalt der Tiere sagt

              Polen war geschickt: Wikipedia teilt im Artikel „Wirtschaft Polens“ mit: „Der Konkurrenz der großen industrialisierten Agrarbetriebe aus Westeuropa (vor allem Frankreich) begegnen viele polnische Kleinlandwirte weiterhin mit der Spezialisierung auf Bioprodukte, bei deren Erzeugung Polen in der EU führend ist. Laut einer Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wurde die „Öko-Anbaufläche“ innerhalb von sechs Jahren von 82.730 ha (2004) auf 521.970 ha (2010) ausgeweitet. Das entspricht einer Steigerung um +531 %.“

              Können die EU-Länder mit starkem Lohn- und Produktivitätsgefälle zu Deutschland solche Überschüsse erzielen, dass die landwirtschaftlichen Strukturen Deutschlands, würden allein hier die Standards angehoben, in ihrer Gesamtheit ernsthaft gefährdet würden? Wohl kaum. Absoluter Konkurrenzschutz ist nicht Sinn des europäischen Binnenmarktes, sondern die Nutzung und Ausprägung komparativer Wettbewerbsvorteile, von der jedenfalls Verbraucher profitieren. Ist die Landwirtschaft in Deutschland tot, profitieren auch Verbraucher nicht, aber so kommt es ja nicht.

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            • Andreas Schmid sagt

              Ein Großteil der Demetermilch kommt von Polen, aus einer Biodemeteragrarfabrik.

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            • Schmeckt gut sagt

              @AdT. DU liegst da falsch, sie können. Befrag mal die etablierten Biobetriebe (10 Jahre plus). Nicht zu den Massenprodukten mit wenig Arbeitseinsatz, sondern zu den Früchten, die viel Akh pro ha benötigen. Nur 20% Lohnkosten im Vergleich zu uns machen es ziemlich schwierig bei uns, mit diesen Früchten – es sind die wirtschaftlich interessanten – zu überleben.

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            • Anwalt der Tiere sagt

              @ Ehemaliger
              Das nennt man Marktbereinigung. Dort freigesetzten Humanressourcen steht derzeit ein guter Arbeitsmarkt zur Verfügung.
              Bei Ihrer Logik frage ich mich, warum Polen uns nicht jetzt schon platt gemacht hat.

              @ Schmeckt gut
              Wenn nur noch polnische Landwirte für Deutschland produzieren, produzieren deutsche Landwirte eben für Luxemburg und die Schweiz.
              Ich habe aber nicht von der Erhöhung des ohnehin schon niedrigen Selbstversorgungsgrades Deutschlands bei Obst und Gemüse gesprochen, sondern von größeren ökologischen Anreizen und höheren Umweltanforderungen (nicht einmal gleich Bio). Dadurch geht nicht die komplette erreichte Produktivität durch größere Flächen, Mechanisierung und besseren Organisationsgrad verloren. Betriebsaufgaben sind nicht auszuschließen, aber die gibt es auch jetzt.

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            • Schmeckt gut sagt

              @AdT. Jetzt wird ihre Argumentation aber anmaßend und arrogant. Könnte auch von einem Spitzenpolitiker sein. Auf jeden Fall aber aus der warmen Stube und vom Sofa aus. Wie wärs, wenn sie sich vor die festen Mitarbeiter der betroffenen Betriebe stellen und sagen, sie können sich einen neuen Job suchen. Und ich frage noch einmal nach. Biobetriebe, also die von ihnen favorisierten Zukunftsbetriebe, haben einen sehr viel höheren Ak-bedarf pro ha. Bitte um Vorschläge, wie die Kosten hier aufgefangen werden sollen. Höhere Preise? Na da freut sich der Verbraucher aber 😉 . Export? Super Idee. Da bin ich ganz bei Ihnen. Aber nicht Toni Hofreiter 🙁 .

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            • Es geht um Ordnungspolitik, die dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Rechnung trägt. Das hat mit Arroganz nichts zu tun, sondern mit vernünftiger Politik, die keine Jobrettungs-Show ist. Wenn die Beschäftigungsintensität höher wird, um so besser. Der Verbraucher, auch der so preisbewusste deutsche, ist bereit, mehr zu zahlen – wenn allgemein der Umweltstandard erhöht worden ist und alle mehr zahlen müssen. Das werden die Verbraucher nicht bereuen, Landwirte erhalten ihr hohes Ansehen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              @ AdT
              „Das nennt man Marktbereinigung. Dort freigesetzten Humanressourcen steht derzeit ein guter Arbeitsmarkt zur Verfügung.
              Bei Ihrer Logik frage ich mich, warum Polen uns nicht jetzt schon platt gemacht hat.“

              Zwangsweise Marktbereinigung nennt man das, was in Frankreich geschehen ist.

              Wenn sie jetzt meinen, die freigesetzten Arbeitskräfte werden in der französischen Industrie gebraucht, dann schauen sie sich mal die Arbeitslosenzahlen in Frankreich an.

              Polen hat selbst 38,5 Millionen Verbraucher und hat vor dem Russlandboykott ihre Äpfel nach Russland verkauft, weil die mehr bezahlten.

              Wenn Polen die deutsche Bevölkerung mit Nahrungsmittel versorgt, dann sollen deutsche Landwirte Luxenburg und die Schweiz beliefern, auf solchen Unsinn muss man erst mal kommen.

              Die Schweiz lässt nur Lebensmittel in ihr Land, wenn die heimische Landwirtschaft nicht liefern kann.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              „Wenn die Beschäftigungsintensität höher wird, um so besser. Der Verbraucher, auch der so preisbewusste deutsche, ist bereit, mehr zu zahlen – wenn allgemein der Umweltstandard erhöht worden ist und alle mehr zahlen müssen. Das werden die Verbraucher nicht bereuen, Landwirte erhalten ihr hohes Ansehen.“

              @ AdT
              Kenne am Bodensee einen Betrieb, der hat in einem Jahr 45 (in Worten fünfundvierzig) Spritzungen mit Schwefel gegen Mehltau bei Äpfeln gemacht (machen müssen!!!), da frage ich mich schon, wo der höhere Umweltstandart zu finden ist.
              So was liest man in der Presse nicht, passt nicht in den Mainstream.

              +1
            • Handelspolitisch ist die Schweiz in den europäischen Binnenmarkt integriert. Agrarpolitisch mag etwas anderes gelten. Hierauf kommt es aber nicht an, da der Satz mit Luxemburg und der Schweiz ironisch gemeint ist, hierauf folgte ein „aber“. Ich wiederhole mich gern, wenn es notwendig ist: Die europäische Landwirtschaft genießt Außenschutz. Innerhalb der EU sind andere Länder nicht in der Lage, Marktanteile deutscher Erzeugnisse in großem Stil zu übernehmen. Deshalb ist das Gerede von der Abwanderung der Produktion ins EU-Ausland völlig übertrieben. Beim Mindestlohn in Deutschland war man auch so mutig, Arbeitsplatzverluste in Kauf zu nehmen, um die Subventionierung von Arbeitspläten, von Unternehmen (hier: durch Aufstockungs-Sozialleistungen) einzuschränken.

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            • Schmeckt gut sagt

              @AdT. Welche Arbeitnehmer bezeichnen sie als Aufstocker von Harz4. Die osteuropäischen AN kommen nach D weil es sich lohnt und sie diesen Lohn fest in ihrem Haushalt einplanen. Und hiesige AN (übrigens mittlerweile auch sehr viele Neubürger) bekommen sie nicht für einen Minilohn. Dies sind in den meisten Fälle AN, die Verantwortung im Betrieb übernehmen. In anderen Bereichen kenne ich mich nicht aus, aber Festangestellte in der LW werden dringend für verantwortliche Tätigkeiten gesucht und verdienen mehr, als sie uns hier glauben machen wollen. Die mittlerweile fast unerträglichen Auflagen lassen grüßen 🙁

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            • @ Schmeck gut
              Unterstellen Sie mir doch nicht, was ich angeblich „glauben machen“ möchte. Ich habe überhaupt nicht von Minilöhnern in der Landwirtschaft gesprochen. Der Ehemalige Landwirt hat in Bezug auf polnische und französische Bauern das Thema Mindestlohn aufgeworfen. Die Einführung des Mindestlohns in Deutschland ist ein gutes Beispiel, Bewegung auf dem Arbeitsmarkt nicht zu scheuen. Hierbei ging es u.a. darum, die Subventionierung von Arbeitgebern durch steuerfinanzierte Hartz-4-Aufstocker-Leistungen zu beenden. Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten klein halten und damit auch noch von der Allgemeinheit vergütet werden. Ähnlich mutig sollte man bei den Agrarsubventionen sein, diese zur stärkeren Honorierung ökologischer Leistungen – also solcher zur Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen, eines hohen Allgemeinguts – umzuschichten und ggf. den gesetzlich vorgeschriebenen Umweltstandard anzuheben. Es geht nicht an, bloß nicht die Auflagen anzuheben, weil einige Betriebe dann aufgeben könnten. Vielleicht profitieren sogar viele Betriebe, die immer schon etwas mehr ökologische Leistungen erbracht und/oder sich vorschriftentreuer verhalten haben als andere und insofern bereits eingespielte Prozesse aufweisen. Wenn man immer nur Bestandsschutz betreibt, verhindert man, dass zeitgemäße(re) Akteure an Bedeutung gewinnen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Bis jetzt war es so, dass die Auflagen immer mehr wurden, der Verbraucher, bzw. der Handel hat das kaum, oder gar nicht honoriert. Real zb. hat sich aus der Tierwohlinitiative wieder verabschiedet, haben sie das gelesen, wahrscheinlich nicht

              Was wollen sie uns mit „Vorschriftentreuer“ sagen, wollen sie damit behaupten, dass ein bedeutender Teil gegen Gesetze verstößt?

              Dieser Tage hat mir ein Berufskollege erzählt, dass seine Flächen per GPS ausgemessen wurde, ob er nicht einen m² zuviel angegeben hat.

              Sie sollten mal eine Kontrolle bei einem zertifizierten Obstbaubetrieb erleben, da werden die noch vorhandenen PSM nach gewogen, ob die Aufzeichnungen stimmen.

              Bei mir selbst wurde der Herbizidstreifen unter den Rebstöcken nachgemessen, ob die breite des Grünbewuchses den Angaben bei Meka stimmen.

              Diese Fakten interessiert wohl niemand, man nimmt lieber den Holzhammer und schlägt auf die Landwirtschaft ein.

              Hab mal vor über 20 Jahren mit Leserbriefen meine Meinung mit einer Frau ausgetauscht.

              Diese Frau hat heftig die konv. Landwirtschaft kritisiert, doch siehe da ich traf sie im örtlichen REWE, da sie sie sich einen BIO-Salatkopf an, legte ihn wider zurück und legte einen konventionell erzeugten in den Einkaufswagen.

              Wie heißt wieder der Spruch:

              Ich würde gerne mehr für ein Lebensmittel bezahlen, wenn
              etwas mehr ökologische Leistungen erbracht werden.

              +1
          • bauerhans sagt

            „Wenn nur noch polnische Landwirte für Deutschland produzieren…“

            ein grosser obstbaubetrieb hier hat seit jahren „polnische Landwirte“ als fachkräfte eingestellt,die eigenverantwortlich arbeiten mit traktoren und maschinen und auch der logistik übernehmen.
            die haben in polen konventionelle betriebe mit getreide und vieh,sind aber darauf angewiesen,hier devisen zu erarbeiten,weil sie sonst keine investitionen (kauf von land oder maschinen) durchführen können.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      „Selbst Carl-Albrecht Bartmer, DLG, sieht die Abhängigkeit der immer großflächigeren Landwirtschaft von immer weniger Pestiziden mit Sorge, wie heute in der FAZ zu lesen ist. Zu enge Fruchtfolgen und zu hoher Chemikalieneinsatz verursachten zunehmend Resistenzen von Pflanzen“.

      Jeder interpretiert diese Aussage, wie es ihm am besten in den Kram passt.

      Nehmen wir mal den Obst und Weinbau, da kann man nicht jedes Jahr die Fruchtfolge ändern.

      Deshalb werden beim Pflanzenschutz ständig die PSM-Wirkstoffe gewechselt. Je Jahr und Wirkstoff höchstes 2 Mal, aber nicht hintereinander.

      Werden viele Wirkstoffe nicht mehr erlaubt, ist man genötigt, einen Wirkstoff mehrmals anzuwenden und schon sorgt man für die kommende Resistenz.

      Diese Aussage, , ist nicht für die selbsternannten Umweltschützer zum jubeln gedacht, sondern als Warnung vor der Katastrophe im Pflanzenschutz.

      +2
  5. Mark sagt

    „Diese Vorschriften müssen dann aber umweltverträglich zugeschnitten werden. Die Zeit, in der die Landwirtschaft Vorrang vor den Belangen der Umwelt hat, muss vorbei sein.“ In diesem Satz liegt letztendlich die Crux der Philosophie von Hendrix. Wer legt die angeblichen Belange der Umwelt fest und wo Enden diese?? Zu Ende gedacht wird Landwirtschaft, egal welche, in Deutschland nicht mehr möglich sein (da werden wir Deutsche auch vorangehen). Wurden in der Tat in den 60igern bis in die 80ziger Jahre schwere Umweltfreveleien begangen (nicht nur von der Landwirtschaft) so begann in den neunzigern ein Umdenken. Leider schwingt das Pendel derzeit über das Ziel hinaus und Umweltschutz gerät zunehmend ins Absurde.

    +6
    • „Wer legt die angeblichen Belange der Umwelt fest und wo enden diese?“ Ernst gemeint?

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      • Sabine sagt

        Ich denke, die Frage ist schon in Ordnung. Ich mein, Jahrzehnte wurde so getan als könne man wilde Tiere und Pflanzen einfach schützen in dem man kleine Gebiete schafft wo man nicht eingreift und die Natur sich selber überlässt. Das klappt nur nicht immer. Solche Inseln, oft mit viel Geld und manchmal auch mit Gewalt geschaffen, funktionieren auf die Dauer nicht. Da stellt sich schon die Frage, ob da nicht die Bedürfnisse der Umwelt nur vorgeschoben wurden.

        0
  6. Der Brandenburgbauer sagt

    An alle Schlaumeier in diesem und anderen Blöcken, Willi und Alois wollen als Vermittler von Produzenten und Verbrauchern einen Dialog auf Augenhöhe. Das solltet Ihr endlich einmal akzeptieren . Beleidigungen sind da vollkommen fehl am Platz.

    +4
  7. Der Brandenburgbauer sagt

    Hallo, Ihr lieben Leute im Block. Es ist doch unverkennbar,das Frau Hendricks und viele wenige, die aber einflussreich, agieren in Deutschland keine Landwirtschaft mehr wollen. Es gibt zur Zeit keine Partei in diesem Land die nicht gegen uns Bauern ist. So meine Einschätzung.

    +7
    • Andreas Müller sagt

      „Es gibt zur Zeit keine Partei in diesem Land die nicht gegen uns Bauern ist.“

      Sollte das den Bauern zu denken geben?

      0
  8. Steff sagt

    Ich kann dieses abartige dumme, weltfremde gesappel von diesen Politikern nicht mehr hören..echt… „deswegen sind auch alle unsere Böden ausgelaugt unser Wasser vergiftet, Produkte aus Deutscher Landwirtschaft sofort Tödlich und das Gehalt reicht gerade so, das sie satt werden…“ (Ironie Aus)
    Solchen Worten von Frau Hendricks müssen Taten folgen, das werden wir dann sehen, oder (eher) nicht!! Eines ist aber sicher: Die Bauern müssens ausbaden! Sofern jemand in absehbarer Zeit noch Bock auf Landwirtschaft hat. “ Am Wohlstand geht die Gesellschaft zugrunde“

    +13
  9. Berglens, Peter sagt

    Leute, es bringt doch nix, wenn wir hier gegeneinander bashen. Alle haben etwas Recht. Lasst uns (Verbraucher und Landwirte und Naturschützer) nach gemeinsamen Lösungen suchen. Ich bin bereit.

    +3
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Nach gemeinsamen Lösungen suchen, das ist doch die Idee vom Willi & Alois!

      +1
    • Der Brandenburgbauer sagt

      Bringen Sie doch mal Vorschläge wie das funktionieren könnte. Bisher ist jede Verständigung untereinander Fehl geschlagen. Jeder hat einen anderen Ansatz den er durchsetzen will. Der viel beschworene Weg der Diplomatie wie oft erfolgreich angewendet könnte eventuell weiterhelfen.

      +1
  10. Gephard sagt

    Lieber Willi. Ich danke dir, dass du die Rede hier zur Diskussion stellst. Ich als „kritischer“ Verbraucher fand sie sehr gut und fühlte mich mit meinen Sorgen an gewissen Punkten ernst genommen.

    Da hier auch immer wieder persönliche Abneigungen gegen diese Frau oder pauschal gegenüber der Politik geäußert werden, war der Gegenwind natürlich wenig überraschend. Dennoch hat er aber erstaunlich viel Substanz, wenn man das gebashe mal ausblendet. Das finde ich sehr erhellend.

    Wie wäre es, der Frau eine kommentierte Fassung der Rede zukommen zu lassen, die sich aus den Punkten der Kommentatoren zusammenfügt (aufs sachliche reduziert)? Gleichzeitig veröffentlichst du das hier und später vielleicht eine Antwort ihrerseits. Keine Ahnung ob das was bringt. Für mich als Leser wäre es aber hilfreich, direkt im Kontext zu jeder Aussage konkrete Kritik der Bauern lesen zu können. Also formal: Zitat aus der Rede, Kritik dazu, Nächstes Zitat, Kritik, Zitat, Kritik …

    Vielleicht sogar als Gemeinschaftsprojekt via Google Docs oder Dropbox Paper.

    +9
    • Hervorragende Idee, finde ich. So wird Willi ja indirekt dazu, was ich ihm schon zum neuen Jahr gewünscht habe- Landwirtschaftsminister!

      +6
    • Bauer Willi sagt

      Puh, sieht nach verdammt viel Arbeit aus. Und die schweren englischen Wörter kannte ich noch nicht. Das wäre was für Alois, der ist ja der Technik-Profi von uns beiden.
      Bauer Willi

      +1
  11. Friedrich sagt

    Frau Hendriks versucht abzulenken. Die Landwirtschaft hat ab 1990 über 30% die Klimabilanz verbessert. Zuzgl. der grünen Energie aus der Landwirtschaft ergibt das die Zielforderung für 2050, von 50% Verbesserung, als Ziel erreicht ist. Leider rechnet man uns die „Grüne Energieproduktion“ nicht an , obwohl wir die größte Berufsgruppe mit der grünen Energieproduktion sind. Wenn die Dame was ändern will , dann muß sie dort ansetzen , wo es auch etwas bringt. Also 80 % weniger Flugverkehr und 90% weniger Auto/LKW-Verkehr. In den Wohnungen darf nur noch ein Raum geheizt werden. Die Industrieproduktion muß ohne Exporte und nur für den kleinen Inlandsbedarf ausgerichtet sein. Der Austritt aus der EU darf natürlich auch nicht fehlen, genauso die Abschaltung der Kohlekraftwerke. All das und vieles mehr hat Frau Hendriks bei ihrer Rede vergessen. Zur Ehrlichkeit gehört dann auch , daß die nicht mehr benötigten Arbeitskräfte aufs Land ziehen und dort in der Landwirtschaft arbeiten. Tierställe ausmisten, Unkraut hacken usw. . Dann muß auch der Lebensstandard der Menschen radikal gesenkt werden. Urlaub, Freizeit , Auto ist dann nicht mehr und jeden Tag Fleisch essen ist dann auch nicht mehr. Die Rede , die Frau Hendriks gehalten hat, dient doch nur den exportorientierten Großunternehemen zu Lasten der Landwirtschaft. Die hätten die Landwirtschaft schon lange abgeschafft. So macht sich Frau Hendriks zum Helfer einer teilweise gierigen und kriminellen Großindustrie.

    +8
  12. Paulus sagt

    Ihr Ministerium hat ihr zweifelsfrei eine schöne Rede geschrieben aber ich finde darin weder Konkretes noch Substanzielles. Geht es nur mir so oder mag mich jemand aufklären?

    +3
    • Andreas Schmid sagt

      Ja, eigentlich „Politikergeschwafel“.

      Das blöde daran ist, dass es den „Berufsschreiern“ (NGO-Vorsitzende,…..) gefällt. Und es wird zum Anlass genommen, dass man über 95% der Landwirte herziehen kann.

      Hoffentlich verbindet dies die 95%, oder müssen da noch viele über die „Klippe springen“?

      +5
  13. Ich seh das so sagt

    Wenn man die Rede liest, ertappt man sich (erfreut oder nicht erfreut) dabei, daß man dem einen oder anderen durchaus zustimmen kann (Papier ist je geduldig).
    Die eigentliche Problemstellung beginnt aber (und das soll nicht in ein Politiker-bashing ausarten) beim 1. Satz der Rede (und der wird üblicherweise nicht mal gesagt): Es gilt das gesprochene Wort.

    Denn an gesprochenen Worten haben wir als Bauern schon soviel gehört, aber an Taten folgt dann meist sehr wenig oder das genaue Gegenteil von dem was gesagt wurde. Aus dem gesprochenen Wort wird das gebrochene Wort.

    Wenn man Frau Hendricks sagen hört „Der Respekt vor der Leistung und der Tradition unserer Bäuerinnen und Bauern sollte der Ausgangspunkt sein, wenn wir über die Zukunft unserer Landwirtschaft sprechen.“ fragt man sich, wer hat ihr das erst heute in die Rede reingeschrieben, weil seit ihrem Amtsantritt hat man nicht das Gefühl, dass ihr der Satz schon bekannt war, sie den auch ein wenig nur verinnerlicht hat, geschweige denn bisher angewendet hat.

    Wenn sie vorrechnet, daß die Leistung der Bienen dem Gewinn der Bundesbank entspricht, stellt sich mir die Frage, warum dann zigtausendfaches des Ausmaßes von agrarischen Ausgleichszahlungen in die Bankenrettung europaweit und weltweit geflossen ist mit (gefühlt) weitestgehend negativen Effekten auf die Wohlfahrt, auf die Menschen etc. um nach schon so wenigen Jahren sei 2008 eine Situation im Bankensektor und deren Geschäften wieder vorzufinden, die sich unwesentlich von 2008 unterscheidet.
    Wenn man so massive Umgestaltungen – wie sie Frau Hendricks anspricht – haben will, und diese möglichst rasch, würde man sicherlich mit dem Einsatz von viel weniger Mitteln als für die Banken nötig waren, die Bauern in eine Richtung bringen können die gewollt ist. Dies viel rascher, zielgerichteter und nachweisbarer auch in den Auswirkungen und Nachhaltigkeit als bei den Banken.

    Das alles zu versuchen in dem man es einerseits dem Bauern aufträgt (mach mal), in einer Situation wo die bäuerlichen Investition gegen Null gehen, weil das Geld dafür seit Jahren nicht mehr erwirtschaftet werden kann, wird und kann so wohl Träumerei bleiben oder ein Zeichen dafür sein, dass man ohnehin nicht meint was man hier in schönen Worten sagt. Es zu versuchen, indem man jeden anderen Weg zu einer schrittweisen Verbesserung defaco unmöglich macht oder gleich verbietet (Stallbauten), fällt unter die Kategorie Motiviationskiller.

    Wenn Frau Hendricks sagt „Ich bin mir gleichwohl sicher: Landwirtschaft in Deutschland hat Zukunft, wenn sie nachhaltig wird. Da gibt es reichlich Potential. Es muss auch nicht alles „bio“ sein. Ich möchte nämlich, dass auch diejenigen gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel kaufen können, die sich den Biomarkt nicht leisten können“ ist das zumindest beim Lesen mal verblüffend und ein anderes Wording als bislang. Wie belastbar diese Sätze in der Realität sind, werden ja die Aktionen der Kampfbiologen anläßlich der Grünen Woche zeigen und wieweit und wielange Frau BM daran festhält.
    Zumindest hier wäre eine Hoffnung auf einen Weg der Gleichzeitigkeit wenigsten angesprochen. Man wird sehen.

    +10
  14. Friedrich sagt

    Hat Herr Hofstetter von Greenpaese die Rede geschrieben ? Die Tante hat den Schuß noch nicht gehört !! Während die Landwirtschaft ihre Klimabilanz um über 30% verbessert hat , ist der Verkehrsbereich um 90% schlechter geworden. Wo sollte man denn zuerst anfangen .
    die Lügen uns die Hucke voll und wollen ablenken von den wirklichen Problemen.

    +7
    • Gephard sagt

      Ich verstehe die Argumentation nicht. Die Frau redet hier über die Landwirtschaft. Warum sollte sie das Thema jetzt mit anderen Dingen verwässern? Oder bist du der Ansicht, der Landwirtschaft geht es gut, man sollte alles so weiterlaufen lassen und sich nun endlich dem Verkehr widmen?

      Die Frau behauptet doch nirgends, dass alle Probleme in der Landwirtschaft wurzeln. Sie fokussiert hier die Probleme der Landwirtschaft. Das ist legitim, sonst kriegt man nämlich gar nichts geschissen.

      Den Verkehr hat das Ministerium natürlich auch auf dem Schirm.

      0
      • Mark Rössler sagt

        „Den Verkehr hat das Ministerium natürlich auch auf dem Schirm.“

        Daher ermittelt das auch nicht gegen VW.
        Und die Überprüfung der Abgaswerte wird den Kollegen in der USA überlassen.
        Interessant wird es dann in der Logistikbranche, wo anscheinend im großen Stil die Abgasreinigung von Speditionen aus den östlichen EU Ländern manipuliert wird, das kontrolliert in Deutschland niemand…

        +2
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Wie soll man das auch kontrollieren, wenn niemand die Abgase kontrollieren kann.

          Weiß von Arbeitern einer Fabrik, dass die Hälfte der osteuropäischen LKW Fahrer nach ALK riechen, nicht mal das wird kontrolliert.

          0
  15. Sandra Harms sagt

    Ich hab mir gestern die rede angesehen, und auch an der entsprechenden stelle kommentiert, was mich am meisten ärgert, ist der vorletzte satz „Wir sollten uns auf den Weg machen und die Diskussion über die Zukunft unserer Landwirtschaft offen führen.“
    mir stellt sich die frage, wie kann sie davon reden über alles offen zu sprechen, wenn sie in weiten teilen ihrer rede auf die konventionelle landwirtschaft nur so ein drischt, ja, ich möchte bald schon behaupten, sie hat auch nicht ein eiziges thema ausgelassen, Dialog, sieht für mich anders aus!
    sie sprach explizied von tierwohl und auch vom bau neuer ställe den sie gerne erschweren möchte, ich frage mich, merkt die gute frau nicht das genau dieses ein widerspruch in sich selbst ist, wir alle wissen, oder sollten wissen, das es überholt und veraltet ist kühe in einem anbindestall zu halten, da tierwohl dort schlichtweg unmöglich ist, wenn man nun aber weitere erschwernisse beim bau neuer ställe, die die neusten erkenntnisse zum tierwohl berücksichtigen und umsetzen, in den weg gelegt bekommen soll, frage ich mich, wie die gute frau sich denn das vorstellt, aus alten kleinen,dunkelen ställen mit anbindungen, einen laufstall nach neusten erkennissen zu machen…. das ist schlichtweg in den meisten fällen baulich unmöglich, da die ställe einfach garnicht den raum bieten um entsprechende liege,fress bereiche zu erstellen…. selbst der größte kritiker der konventionellen landwirtschaft hier, andreas fendt wird mir in diesem punkt recht geben, solange es nur darum geht etwas fürs tierwohl zu machen und nicht aufzustocken. nehmen wir als beispiel den aktiv stall für schweine von Gabriele mörixmann, eine tolle sache, die aber viel platz braucht, auch hier stell ich mir die frage wie das baulich gehen in vielen älteren ställen so ein konzept hinzubekommen, ohne den weg eines neubaus zu gehen, der erschwert werden soll nach ihrer meinung, und auch hier wird mir sicher andereas fendt nicht widersprechen…
    ein großes thema waren düngung und pflanzenschutz, wo die Frau hendricks gerne weniger hätte, weniger dünger jedlicher art, weniger pflanzenschutz mittel… gut, es ist nicht alles gold was glänzt, und ich will auch nicht verleugnen das es zu ausschweifungen in der anwendung gekommen ist und bei einigen kollegen weiterhin kommen kann, aber mal laut gedacht, was passiert wenn man weniger düngt und weniger pflanzenschutz einsetzt, man bekommt weniger ertrag, und auch teilweise schlechtere qualitäten, wenn man nun weniger geerntet hat, kann man weniger verkaufen, irgendwo logisch, also hat man weniger erlöse, auch irgendwo eine logische konsequenz, um das auszugleichen sprach sie davon, den handel in die pflicht zu nehmen, den verbraucher auch ein wenig…. ja, das kann man ja schon mal als einen guten ansatz so stehen lassen, mir wirft sich aber die frage auf, wie sie denn das machen will? hat sie noch nie etwas davon gehört das wir markwirtschaft haben, das wir in der eu leben, das sich die eu gern mal dafür einsetzt handelsbeschränkungen abzubauen, das die eu an aller erster stelle stehen hat das niemand in irgendeiner form nachteile haben darf( bestes beispiel ist die pkw maut)…. hat sie davon noch nie etwas gehört? ich frage mich, wie das gehen soll, das wir hier mit den höchsten auflagen,mit hohen betriebskosten, hohen löhnen usw noch überleben sollen, wenn wir weniger ernten, und im ausland die gleichen produkte angeboten werden zu weitaus kleineren preisen, mir ist es ein großes rätsel wie sie verhindern will das die großen handelskonzerne dann lieber dort einkaufen als hier, eines ist mir jetzt schon klar was sie nicht schaffen wird, nämlich das es einfuhrzölle auf lebensmittel aus der eu geben wird, das wird die eu kommission verhindern, und am ende des tages werden wir weiterhin mit dem rücken zur wand stehen,wärend sie oder ihr nachvolger/in mit wider neuen auflagen und erschwernissen parat stehen…

    +18
    • rebecca sagt

      Ein Ansatz (vermutlich der derzeit einzige gangbare) wäre das Bauern ihre Produkte entsprechend vermarkten und dem Verbraucher den Mehrwert vermitteln.
      Das setzt allerdings ein Umdenken voraus. Regionalität wird auf Dauer nicht genügen. Andernfalls wird es den Bauern ähnlich der Textil und anderer Branchen gehen. Einige produzieren für eine kaufkräftige kleinere Gruppe Verbraucher während der Großteil als Billigprodukt aus dem Ausland kommt.
      So wie heute bereits mit den Weihnachtsgänsen. Für die Masse die Gans für 17 Euro aus Polen oder Ungarn, für eine kleine Klientel die für 60-70 Euro vom regionalen Mäster.

      Das kann keiner wollen, aber genau dorthin wird es gehen wenn sich nicht allen Beteiligten zusammen und einen Konsens finden.

      0
      • Sandra Harms sagt

        Rebecca, das wird nicht funktionieren, wie soll ich das bewältigen und die kartoffeln von 45ha land selbst vermarketen… das sind roundabout 2000 tonnen, das macht in 5kg säcken 400.000 stück…. wo soll ich die denn los werden, selbst wenn ich sie billiger anbieten kann als ein supermarkt, wer ich die im leben nie alleine los.

        0
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Da müsste die Sandra täglich ca 1350 Kg Säckchen im Landmarkt verkaufen.

            Hat der Stadtmensch Nachholbedarf in Mathematik, oder ist er realitätsfern?

            +1
            • Stadtmensch sagt

              Ich stelle mir da so eine Art Arbeitsteilung vor: 10 „Einzelkämpfer“ bringen Land, Maschinen und Gebäude in eine Erzeugergemeinschaft (Genossenschaft) ein. Eine hat ein Kühlhaus (z.B. für Kartoffeln), einer spezialisiert sich auf Bürokram, auf Verkauf, auf Instandhaltung, Ackern usw.
              Der Absatz der Produkte erstreckt sich aufgrund der eigenen Lagerkapazität über einen viel längeren Zeitraum.
              Sicher wird das alles schon so gemacht und da wos nicht gemacht wird, gehts eben nicht. Ich weiß schon…

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Ein Landmarkt lebt von der Vielzahl der Produkte, selbst wenn 100 Produkte im Sortiment stehen, werden täglich keine 1350 5 Kg. Säckchen Kartoffel verkauft.

              Sie sollten mal in einen Landmarkt gehen, da kann man sich sich besser Informieren, als bei Tante Google.

              +1
            • Stadtmensch sagt

              Wir können uns hier lange streiten. Sandra hat ja nicht dazu gesagt, wofür die Kartoffeln sind (Stärke, Schweinefutter oder für menschlichen Verzehr). Danach regelt sich auch, ob und wie der Absatz erfolgt.
              Die Memmendorfer kriegen das jedenfalls gebacken ich kauf da hin und wieder ein und Nomen ist bei denen ganz und gar nicht Omen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Gehört jetzt der Betrieb mit 1.463 ha zu den bäuerlichen Familienbetrieben?

              Vermarkten die ihre 8,7 Millionen Liter Milch auch im Landmarkt und in den mobilen Verkaufsstellen?

              Nicht falsch verstehen, es ist gut wenn durch Selbstvermarktung eine bessere Wertschöpfung zu erreichen ist, der Absatz in der Menge ist begrenzt.

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        • rebecca sagt

          @Sandra, natürlich kann nicht jeder Bauer seine Kartoffeln per 5kg Beutel selber vermarkten.

          Ihr müsstet euch zusammeschließen, eure Produkte zur Marke machen die die Verbraucher kennen und nachfragen.

          Ein gemeinsames Interesse vom kleinen Biobauer bis zum konventionellen Großerzeuger wäre doch das hier erzeugte Produkte auch hier verkauft werden bzw Grundlage für die weitverarbeitung hier verkaufter Erzeugnisse sind.

          So wie „Intel Inside“ (früher)bei den PCs.
          Das wäre zumindest ein Mittel gegen die ausländische Billigkonkurenz.

          Viele wollen die einheimische Wirtschaft und Landwirtschaft unterstützen. Aber bei all den Siegeln, Initiativen und Aktivitäten sieht kein Mensch mehr durch. Und dann kauft man eben das billigste.

          Hättet Ihr eine Marke mit der Produzenten und Handel werben können, die nachgefragt wird und unter der höhere Preise akzeptiert werden, habt ihr auch eine wesentlich bessere Verhandlungsposition.

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        • Andreas Schmid sagt

          Sandra, da hast du Zwei Möglichleiten: 1. gesundschrumpfen oder 2. es machen wie der Möhrenbauer aus Norddeutschland. Bei dem verlassen täglich mehrere LKW`s voll Möhren den Hof. Dazu hat er ein paar Wochenmarktstände(OTon: von irgend etwas muss man ja leben).

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  16. Schmeckt gut sagt

    Und es steht die Grüne Woche bevor – mit den jährlichen Demos. Alles ist mittlerweile offensichtlich und setzt sich zu einem Ganzen zusammen – zu unseren Gunsten? wohl kaum. Und das Gerede von Hendricks ist unerträglich. Pharmavertreter laufen durch die Ställe? Pflanzenschutzmittel behutsam einsetzen (ein Bsp: Was ist mit den insektiziden Beizen, die 1-3 Insektizidanwendungen im Herbst bei Raps einsparen)? Was machen wir denn im Moment? Dem Pharmaertreter den Mercedes SLK finanzieren und PS ohne Rücksicht auf Kosten und Umwelt einsetzen? Ersten ist dies unzulässig und Zweitens glauben sie dies wirklich? Das lässt tief blicken! Ein Konsens ist nach diesen Maßstäben sehr schwierig. Armes Deutschland. Mit Vollgas in den Strukturbruch, denn die nötigen vielen Milliarden für die von Hendricks angedachten Umbauten wird es nicht geben. Ergebnis nach Umbau: 500 bis 1000 ha Biobetriebe mit den Massenfrüchten (Getreide, Kartoffeln, Gemüse mit Fragezeichen, Landschaftspflege). Ein paar Direktvermarkter, denn auch hier wird es auch immer aufwändiger, die Auflagen zu erfüllen. Der Rest kommt aus dem Ausland. Anschließend will keiner Schuld sein. Lasst euch keinen Sand in die Augen steuen.

    +10
    • Stadtmensch sagt

      „Mit Vollgas in den Strukturbruch“

      Es sind sehr interessante Zeiten, in denen wir leben. Am gesamten Strukturwandel in der Landwirtschaft seit Erfindung der synthetischen Stickstoffdüngung kann man sehen, wie die Anforderungen einer konkurrenzgetriebenen, globalisierten Wirtschaft, lokale Ökosysteme überlasten und damit unmittelbar auf die Produzenten zurück wirken. Man kann das nicht vergleichen mit der Industrie, die Rohstoffe aus einer Mine zu Müll verarbeitet. Landwirtschaft ist an solar betriebene Kreislaufwirtschaft gebunden. Hier hilft nur Umverteilung von Ressourcen aus anderen Wirtschaftszweigen, um eine gesteuerte, nachhaltige Produktion mit einem quasi „künstlichen“ Markt zu gewährleisten.
      So wie es eigentlich schon lange praktiziert wird. Hier muss jetzt eben mal wieder „nachjustiert“ werden. Die Probleme (Klimawandel, Bedarf, Nachhaltigkeit) nehmen zu. Die Politik versucht die dabei entstehenden gesellschaftlichen Konflikte\Lastenverteilung zu moderieren (siehe):

      „Hinzu kommt, dass – wenn ein Bauer die Fläche pachtet – ein Großteil der Förderung gar nicht bei ihm ankommt., Der Eigentümer der Fläche hält nämlich die Hand mit auf.“

      Die Frage ist, setzen sich (wie immer) die Bezieher leistungsloser Einkommen (Verpächter, Eigentümer von Discounter-Ketten) durch oder schaffen es die Leistungsträger, ihre Situation zu durchschauen…

      Von den Repräsentanten einer „marktkonformen Demokratie“ können diese Fragen natürlich so nicht gestellt werden.

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      • Schmeckt gut sagt

        Lieber Stadtmensch. Ich bin der Erste, der nach den Vorgaben der BM Hendricks umstellt. Weniger Erntemenge, weniger Stress. Allein mir fehlt der Glaube, dass ich die nötigen Investitionen stemmen kann. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ist vom LEH nicht zu erwarten, dass er uns in irgend einer Weise preislich entgegen kommt, wenn es nicht unbedingt nötig ist. In der Politik das gleiche Spiel. Und ausländische Konzerne positionieren sich schon. Ein Beispiel gefällig: greenpathfood.com ist in Äthiopien in die Permakultur eingestiegen. Unterstützt von US-Unis. Mit Hochglanzwerbung soll uns Glauben gemacht werden, dass Kleinbauern hier zu Werke gehen. Stimmt vielleicht, weil sie sich den Buckel krumm machen. Der Verkauf läuft aber mit Sicherheit über Konzerne – in TopQualität natürlich. Und der Bauer kommt nicht zurecht, weil die Sortierergebnisse so mies sind. Und in D lohnt es sich nicht einmal für Permakultur den Stift zu zücken – wir sind Hochlohnland. Diese Vermarkter werben sogar mit günstigen Preisen. Stadtmensch, leben sie weiter in ihrer Welt. Wenn es so kommt, wie die BM denkt, werde ich genau beobachten und rechtzeitig den Hof schließen – Verlustminimierung nennt man das.

        +1
      • Ich seh das so sagt

        Lieber Stadtmensch
        Du bist einer mit schnellen, geilen und coolen Sprüchen und Slogans, wie „Mit Vollgas in den Strukturbruch“. Nachdem Frau BM ja auch dem Bereich Kernreaktoren vorsteht, sieht man ja wie schnell das mit den Strukturbrüchen geht – zuerst voll gegen die eine Wand, dann zurück und nochmal in die andere Wand rein.
        Feine Sache und auch lustig, solange die Firmen, die dazu angehalten wurden, sich für die Empfehlungen der Politik schadlos halten – Actionparodie auf Staatskosten eben.

        Als Bauer weiß man aber, dass man meist nur 1x ungestraft gegen die Wand fahren kann und drum lässt man es lieber und fährt mit Hirn und im zugelassenen Tempo weiter. Erst recht wenn einem andere zurufen „Gib mal Vollgas“.

        +2
        • Stadtmensch sagt

          @isds
          Ich hab mich auf den Kommentar von „Schmeckt gut“ bezogen. Für den „geilen Spruch“ kannst du dich bei ihm bedanken. Mir war der auch etwas zu flott. Ich bin eigentlich auch für eine High-Tec Landwirtschaft mit BoniRob und Co. und kleineren Schlägen (quasi ein autonomes Multifunktions- Boden und Kulturbearbeitungsgerät mit Vor-Ort Toolwechselstation. Der Bauer sitzt gemütlich zu Hause und überwacht Boden- und Wetterdaten und die daraus ermittelten oder gemessenen Wachstumsinfos der angebauten Kulturen. Da sich das alles im Kapitalismus abspielen soll, hilft nur Fusionieren (freiwillige Zwangskollektivierung (ja Oxymoron) der Produzenten). So wie es die Konzerne machen. Dann kommt der Kommunismus eben durch die Hintertür. Der Einzelne ist machtlos in dieser komplizierten Welt.
          Ich will mich wirklich nicht lustig machen, denn mich betrifft der Strukturwandel ja letzten Endes auch (wenn dereinst alles aus einer Hand geliefert wird – Argrarprodukte, Chemie, Saatgut – sind die Reste der Demokratie tot und wir alle haben auch nix mehr zu lachen…)

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        • „Mit Vollgas in den Strukturbruch“ hat zuerst @Schmeckt gut geschrieben und @Stadtmensch dann nur zitiert als Aufhänger seiner Replik.

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          • Schmeckt gut sagt

            Trotzdem Dank an euch. Für die Blumen. Vielleicht finden wir doch noch auf fast gleicher Wellenlänge zueinander?

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  17. Andrea Fasch sagt

    Etwas das man sich zweimal durchlesen muss um zu verstehen…
    Es hoert sich erst einmal gut an…gegen Agrarfabriken und Raubtierkapitalismus.
    Um dann ueblich weiterzuschiessen… Also erstmal 15% umschichten von Saeule 1 in 2…
    Waere es nicht besser und gegen den blinden Politik- und Wahlkampfaktivismus – wuerde man erstmal die Moeglichkeiten schaffen als Kleinbetrieb ueberleben zu koennen?
    Mal ueber die Gruende von so wenig Selbtvermarktung zu gruebeln. Mal Regeln fuer Pachtland zu erlassen. Mal Maschienenhaendlern und Stallbauern eine Vorgabe zu machen die Staatliche Fnoerderung nicht gleich in den Kostenvoranschlag einzuarbeiten. Viehaendler und Verarbeiter und Handel als Kette in die Pflicht zu nehmen um hier einen unfreien Wettbewerb einzufuehr. Preisbindungen fuer alles incl Regelungen fuer sonderlabel mit mehr Tierwohl. Damit man den Verbraucher dazu zwingt eben die Mehrheitsentscheidung von 4 auf 5 auch zu akzeptieren und das Tierwohl das ihnen ja vor der Markttuer so wichtig ist auch an der Kasse zahlen zu muessen.
    Solange das gesprochene Wort aller, der Umweltschuetzer, der Politker, des Handels und der Verbraucher mehr Gewicht hat als das Leben der Bauernfamilien halte ich das ganze fuer Betrug und Wahlkampf und das ist ja beides das Selbe.

    +4
    • Schmeckt gut sagt

      Liebe Andrea. Sehe ich in den meisten Punkten genauso. Deutschland soll aber Autos und Maschinen verkaufen – für eine hohe Wertschöpfung mir höchsten Löhnen. LW kann diese Löhne nur sehr selten zahlen. Vielleicht als KTG AG – solange der Beschiss nicht auffliegt. Kleinbetriebe sind unerwünscht, denn sie sind unberechenbar. Deshalb und aus vielen anderen Gründen ist die Politik auch dabei, uns mit Bürokratie vollzuschütten, damit wir nicht aufmucken können. Hat auch einen schönen Nebeneffekt. Die Löhne der Kontrollorgane sind sehr viel höher, als die in der LW. Der Wunschtraum wird im Moment zum Alptraum. @Stadtmensch. Was können wir denn politisch und betrieblich umsetzen?Vorsicht! Die Pleite droht, wenn wir falsch liegen.

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  18. bauerhans sagt

    es ist WAHLKAMPF und frau hendricks macht einen rundumschlag gegen die landwirtschaft!

    +4
    • Sabine sagt

      Richtig, der Wahlkampf hat begonnen. Also sollte man vllt. mal das Ganze mal sortieren. Was ist eigentlich in den letzten Jahrzehnten passiert?
      Wir haben gesehen wie die fortschreitende Globalisierung, bzw. das Handling dieser Globalisierung, eine massive Verschiebung der Kräfte zu Gunsten der Konzerne ergeben hat, die den Mittelstand in vielen Ländern gefährdet, Arbeitnehmer und kleine Produzenten immer mehr unter Druck setzt und selbst den Einfluss und die Entscheidungsspielräume der Politik einschränkt. Unser Geimeinwesen (ich weiß ganz olles Wort) zerfällt, weil auch dem Einzelnen nicht mehr klar ist, warum er sich gesellschaftlich einbringen soll, wenn er am Ende nicht eine entsprechende Entlohnung in harter Währung bekommt. Langfristiges Engagement in gemeinnützigen Vereinen z.B. findet kaum noch statt. Kurzzeitige Investitionen in Aktionen, die dann schnell zum Ziel führen müssen, sind gerade noch tragbar. Da zerbröselt gerade viel Staat und Staatsbürgerlichkeit.
      Ganze Volkswirtschaften sind erpressbar geworden. Ich denke, das zeigt die Bankenkrise und die Rettungsaktionen ganz gut. Ich bin nu wirklich keine Marxistin, aber was das Verhalten von vergesellschaftetem Kapital hat der Mann schon ganz gut analysiert.
      Das ganze Gerede um Umweltschutz, Nachhaltigkeit etc. ist, wenn man mich fragt, völlig unnütz, wenn man sich nicht die ganz grundsätzliche Frage stellt, wie wir auf allen Sektoren wirtschaften wollen und wie wir die Schere, die sich zwischen den Marktteilnehmern aufgetan hat, wieder schließen wollen.
      Der Landwirtschaft einen „Sandkasten“ einzurichten und ihr für einige Jahre eine Sonderstellung einzuräumen, davon halt ich recht wenig.
      Ich sehe da keine Partei und keine Bewegung, die sich an Grundsätzliches heran traut. Ich sehe lauter Medizinmänner, die ein kränkelndes System mit Beschwörungen und den altbekannten Rosskuren wieder fit machen wollen.
      Das finde ich sehr viel bedenklicher wie Nitratwerte und „Vermaisung“ der Landschaft. Hier stimmt was nicht mit den gesellschaftlichen Werten und der politischen Landschaft.

      +3
      • rebecca sagt

        Die Scheere zwischen allen Marktteilnehmern kann sich nur schließen wenn die Bauern es schaffen ihre Produkte zu einer Marke zu machen und die auch selber kontrollieren um Einfluss auf die Preise zu nehmen.

        Alles andere wird nicht klappen.

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        • bauerhans sagt

          der einzelne bauer kann das nicht,aber gerade bauern zusammen zu bringen ist äusserst schwierig,hatte schon bei den erzeugergemeinschaften nicht geklappt.
          ausnahmen bestätigen die regel.

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          • rebecca sagt

            Das ist aber (aus meiner Sicht) die einzige Möglichkeit. Entweder die Bauern raufen sich irgendwie zusammen, oder die meisten Existenzen gehen irgendwann den Bach runter.

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            • Schmeckt gut sagt

              Hallo Rebecca. Du liegst da absolut richtig. Allein mir fehlt der Glaube. Wenn mit viel Geld eine gute landwirtschaftliche Marke aufgebaut wurde und die Nachfrage für den Handel interessant wurde, hat der deutsche LEH es bisher immer geschafft, diese über – diplomatisch ausgedrückt – merkwürdige Aktionen preislich kaputt zu machen. Oder auch ganze Produktgruppen. Im europäischen Raum wird D oft als Ramschplatz, wo man alle Qualitäten verkaufen kann, bezeichnet. Frage: Kann man im Winter verlässlich bei Citrusfrüchten/Äpfeln/Tomaten/Saisonartikeln zugreifen, ohne meistens Schrott zu kaufen (gilt für Aktionsware, die in den meisten Fällen die Preise insgesamt beeinflusst )? In F,I,GB,Ö,Dk,S … läuft es besser.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            @ bauerhans

            das kann ich so nicht stehen lassen, ich bin noch Mitglied in einer Obstabsatzgenossenschaft mit 35.000.000 Umsatz, auch da kann man den Preis auch nicht bestimmen.

            Dann bin ich noch Mitglied in einer Winzergenossenschaft, die Weine sind eine Marke, in jedem gut situierten Weinhandel ist unser Wein zu kaufen, dennoch meinen nicht wenige, der Wein soll zu Billigpreisen angeboten werden

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            • bauerhans sagt

              genossenschaften gabs hier im evangelischen teil von owl kaum,aber erzeugergemeinschaften für vieh.
              das problem war damals,dass der kleine betrieb 10 schweine pro lieferung hatte,der grössere aber 20 bis 30 und natürlich dafür anderen konditionen wollte.
              der vorsitzende der erzeugergemeinschaft damals, lieferte sogar seine tiere direkt an einen händler.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Bei der Winzergenossenschaft gibt es die Vollablieferungspflicht, außer wenn der Winzer für sich den Haustrunk macht.

              Bei der Obstabsatzgenossenschaft, darf über den Hofladen verkauft werden, jedoch nicht an Händler.

              Die Auszahlung ist bei jedem der selbe, egal ob die Betriebsgröße 1 oder 30 Ha beträgt.

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