Bauer Willi
Kommentare 42

Heilige Kuh, armes Schwein – moralische Willkür im Stall

Dass die Kritik an der Schweinehaltung oft lauter ausfällt als bei Rindern oder Geflügel, liegt an einer Mischung aus biologischen Faktoren, Haltungsformen und psychologischen Wahrnehmungen. Es ist ein komplexes Thema, bei dem Emotionen und Fakten oft aufeinanderprallen. Doch woran liegt das?

1. Die „Intelligenz-Falle“ und Empathie

Schweine gelten wissenschaftlich als kognitiv hoch entwickelte Tiere – oft werden sie in puncto Problemlösung und Sozialverhalten mit Hunden oder sogar Primaten verglichen. Es gibt also keine „dummen Schweine“. In der Gesellschaft herrscht ein gewisser moralischer Konflikt: Je intelligenter wir ein Tier einschätzen, desto schwerer fällt uns die Akzeptanz einer reinen Nutzhaltung auf engem Raum. Zudem ist uns das Schwein körperlich bei vielen Organen recht ähnlich ist. (Beispiel: Herzklappen).

Anders als beim sehr aktiven Schwein wirken Rinder auf viele Menschen eher stoisch und „gemütlich“, während Geflügel eine geringere kognitive Komplexität zugeschrieben wird.

2. Haltungsbedingungen und „Naturferne“

Die Schweinehaltung findet in Deutschland fast ausschließlich in geschlossenen Ställen statt, oft auf Vollspaltenböden ohne Einstreu. Während man Rinder (zumindest in der Milchviehhaltung oder Mutterkuhhaltung) noch häufig auf der Weide sieht, bleibt das Schwein für die Öffentlichkeit im Verborgenen.

Kritische Praktiken wie der Kastenstand (bei Sauen) sind Symbole für die Einschränkung der Bewegungsfreiheit geworden, die es in dieser Form bei Rindern seltener gibt.

Über die Haltung von Legehennen und Mastgeflügel ist in der Gesellschaft wenig bekannt. Viele kennen jedoch das Bild vom Hühnermobil, dass diese Haltung symphatisch erscheinen lässt.

3. Geruch und Umweltbelastung

Die Schweinehaltung ist oft mit einer hohen lokalen Emissionsbelastung verbunden. In Regionen mit hoher Schweinedichte (z.B. Nordwestdeutschland) ist die Nitratbelastung des Grundwassers durch Gülle ein Dauerthema. Der typische, sehr intensive Geruch von Schweineställen sorgt zudem für eine geringere Akzeptanz in der Nachbarschaft als der eher als „ländlich“ empfundene Geruch von Kuhdung. Beschwerden über störenden Geruch von Hühnerställen sind mir nicht bekannt.

4. Das Image

Es gibt eine Art „Romantisierung“ der Rinderhaltung. Die Kuh ist das Werbegesicht für Naturidylle und Alpenmilch. Auch wenn die Realität oft anders aussieht (Anbindehaltung) , ist das Image positiver.

Bei Geflügel ist die Kritik zwar vorhanden (besonders bei der Mast), aber die Tiere sind so klein und die Zyklen so kurz, dass die individuelle Bindung oder das Mitleid der breiten Masse geringer ausfällt als beim „Säugetier Schwein“.

Zusammenfassend läßt sich sagen: Die Möglichkeiten zur Skandalisierung sind in der Schweinehaltung höher als bei anderen Tierarten.

(Aufrufe 1.564 gesamt, 1 heute)

42 Kommentare

  1. Martin Aupperle sagt

    Zum Tischgebet noch eine Geschichte:
    Es wurde ein Handelsreisender auf dem Land zum Mittagessen eingeladen, wie alle still am Tisch saßen fragt er höflich: Betet ihr vor dem Essen? Nein nein sagt der jüngste wir wissen dass die Mama gut kochen kann.

    2
  2. Inga sagt

    Natürlich kenne ich noch die Wildschweinspuren im Kartoffelbestand, die ich schon als Kind sehen konnte.

  3. Prombrger Konrad sagt

    Auch im Voralpenland hielten Bauern zwei Hausschweine für die Eigenversorgung. Das ist
    50Jahre her. Eine Witwe ,die meiner Mutter bei der Wäsche half, freute sich über zwei
    Taschen voll Fleisch und Wurst. Der Postbote genoß das Kesselfleisch .Er hatte um 13 Uhr
    Feierabend, und heutzutage ? Die Frau zeigte uns das erste Fleisch das sie sich selber
    kaufen konnte. Es waren zwei Koteletts in einer Polystrolschale. Der erste Supermarkt in
    der Stadt hatte eröffnet. Der hieß auch so. Das fensterlose Gebäude 35x15m steht heute
    noch, und glich den ersten Mastställen dieser Zeit für vielleicht 200 Schweine. Dann ging
    es los das „bäuerlich“ wurde ausgetrieben, der Bauer mußte zum Unternehmer werden.
    Und jetzt soll es wieder aussehen wie bei Michel aus Lönneberga. Nur beim Bezahlen gilt
    dann wieder der Weltmarktpreis. Wenn es knapper wird wirds wieder besser

    2
  4. Christian Bothe sagt

    Und schon komme ich wieder auf meine Schweinehaltung im VEG! 10000 MS waren es im Durchschnitt am Stadtrand in 24
    Einzelstaellen, Schwemmentmistung, Grossbuchten! Fütterung feucht feuchtkruemelig u.a. mit Küchenabfällen…110 m3 Wasser wurden/d verbraucht, und vermischt mit Kot und Harn ergaben eine duennfluessige Gülle! Vertraege mit dem Agrochemischen Zentrum (ACZ) sorgten für eine kontinuierliche Ausbringung auf den Flächen der Pflanzenproduktion( übrigens kostenlos ). War gut organisiert und keiner hat sich wegen irgendwelcher Gerüche aufgeregt! Auch nach der Wende ließen mich Schweine nicht los! In einer kleinen Fleischholding hatten wir eine GmbH mit 17500 MS/Durchschnitt als Fleischlieferanten! Auch danach als Salesmanager einer Kraftfutter-und Getreidehandels GmbH &Co.KG gab’s 2 Tochter GmbH mit 2800 Sauen und Nachzucht( allerdings 10 Jahre her, und wie ich hörte, wird der Bestand abgebaut und die Immobilien verkauft).
    Kleine Ergänzung: Mein Koll.und ich wollten nach der Wende von der Treuhand die Mastanlage( mittlerweile Staatsgut)kaufen ( MBO) und 6000 Plätze rekonstruieren! Leider gab’s Rueckuebertragungsansprueche! Damit hatte es sich erledigt.
    Ihr seht, wenn ich etwas über Schweine höre, reagiere ich und bedaure wie es sich aktuell entwickelt( gewollt oder ungewollt?).

    6
    • Kemetbauer sagt

      @CB
      Wie wollen Sie die DDR-SN-Haltung in Bezug auf die von @BW aufgeführten Punkte 2 bis 4 einordnen? Haltungsbedingungen: Ich würde sagen vorsintflutartig. Geruch und Umweltbelastung: Noch heute werden recht große Nachfolgeanlagen betrieben. Die mussten allerdings alle abstocken, weil die Umgebung die Geruchsbelastung als penetrant einstufte. Zur Düngung geben Mitarbeiter aus DDR-Zeiten, in unterschiedlichen Quellen, bis zu 600kg N je ha an. Image: Lebensmittel waren allgemein knapp. Die Menschen in der DDR hatten deshalb auch eine andere Wahrnehmung „ihrer“ Landwirtschaft. Heute würde eine solche Produktion wohl kaum noch akzeptiert werden.

      2
      • Christian Bothe sagt

        Kemetbauer:Gibt noch genug Nachfolgeanlagen,wo die Geruchsprobleme nicht überbewertet werden.Ich denke hier auch an modernste Anlagen von Holländern in der Region, die Gerüche mit Filtern u.ä.gut im Griff haben.
        Die von mir erwähnten Anlagen produzieren noch immer in diesen Größenordnungen und den schwierigen ökonomischen Bedingungen!
        Ja ,ersteres stimmt! Haltungsbedingungen waren nicht sehr modern( Dänische Aufstallung damals ).“ Lebensmittel waren knapp?“Ist natürlich Unfug!!!
        Die Formulierung mit“ anderer Wahrnehmung“ finde ich nicht schlecht Kemetbauer!

        2
        • Kemetbauer sagt

          @CB
          Zu „Lebensmittel waren knapp“ sagt mein Tierarzt: Es gab alles aber nicht für alle.
          Mein TA kommt hier aus der Region und hat zur Wendezeit studiert. Halbe Ausbildung ost und halbe Ausbildung west.

          1
          • Christian Bothe sagt

            Kemetbauer: Da hat der TA aber in einer “schlechten Gegend” gelebt.In unserer Region(Ostthueringen) konnte sich keiner beklagen,denke ich! Von exotischen Früchten mal abgesehen.Abet auch die gab’s in Delikatläden…
            Na ja! Lassen wir das mal so stehen…

            1
      • Christian Bothe sagt

        KB:” Haltungsbedingungen: Ich würde sagen vorsintflutartig…”Auch das ist Unsinn, was Sie da sagen! Sicher nicht optimal unter heutigen technischen Gesichtspunkten! Aber die MS fühlten sich in den Kaltstaellen wohl, dankten es mit hohen MTZ( 800g und mehr)! War damals keine schlechte Zunahme für ein früheres Stadtgut! Rasse war Leicoma! 365 Laeufer kamen jede Woche kastriert und kupiert, in Grossbuchten gehalten auf festen Liegeflaechen. Immerhin waren Exportbetrieb in die BRD, Holland und SU und das unter “vorsintflutartigen” Bedingungen Kemetbauer…

        1
        • Kemetbauer sagt

          @CB
          Was ist, mussten Sie erst in sich gehen? Oder warum Ihre Reaktion in Raten? Weiter oben hatten Sie geschrieben „Haltungsbedingungen waren nicht sehr modern…“. Unten heißt es dann schon „Unsinn“. Was denn nun ?

          • Christian Bothe sagt

            KB: Mache ich,damit ich Sie immer bei Laune halte… Im Übrigen widersprechen sich meine Erfahrungen nicht,wenn Sie es genau lesen!

  5. Ulrich Drübbisch sagt

    Ich habe einen irischen Bericht über Schweinehaltng auf offener Weide gesehen und es ist verblüffend, wie „lustig“ das Treiben (mit Fussball als Spielzeug) ist.
    Alles ist auch viel sauberer!
    Aber mal ein humanistischer Hinweis (aus dem Judentum):
    JEDES Tier ist ein restpektables Lebewesen, aber wir Menschen benötigen Sie auch zur Ernährung (tierische Nährstoffe!).
    So sind wir beim Essen angehalten, uns bei den Tieren zu bedanken, die uns für unser Leben ihr Leben gelassen haben.
    Die Ur-Amerikaner haben es übrigens auch so gehalten.
    Seid also einfach nett zu unseren Tieren…

    6
    • Reinhard Seevers sagt

      „So sind wir beim Essen angehalten, uns bei den Tieren zu bedanken, die uns für unser Leben ihr Leben gelassen haben.
      Die Ur-Amerikaner haben es übrigens auch so gehalten.“

      Wer ist „Wir“? Und ja, viele klerikale Amis beten noch heute vor jeder Mahlzeit und danken dem Schöpfer für das Mahl…
      Wie macht es der Ulrich denn so?

      3
      • Arnold Krämer sagt

        Es sind nicht nur klerikale Amis, die ein Tischgebet sprechen. Das ist auch in meiner Familie so.

        13
        • Stadtmensch sagt

          Bei uns sitzt der Liebe Gott nicht mit am Tisch. Ich wundere mich immer, wie der augeklärte Mensch, der rationale Egoist und Nützlichkeitsmaximierer, immer noch in entgegengesetze Richtungen „wertegeleitet“ sein kann.

          Zitat:
          Huhn riecht am unangenehmsten, macht aber beim Blick auf das Konto die meiste Freude.

          Diese Schitzophrenie und die daraus erwachsende endemische Heuchelei ist übrigens der Grund für die fundamentale Ablehnung des westlichen Demokratiebegriffs aller Modernisierungsnachholer (Indien, China, Russland, usw.) die nach dem Verlust ihres Wertekompasses (Kolonisierung, Revolution, sonstiger Abfall vom Glauben) nix als von Europa beeinflusste Intellektuelle als Einflüsterer hatten. Meist waren es radikale Nationalisten und Sozialdarwinisten. Das war Ende 19. Jahrhunderts ganz groß in Mode.

          Eine schöne Auflistung von, wer was wann warum gedacht hatte und was das für Folgen hatte und hat, findet man in „Das Zeitalter des Zorns“ von Pankaj Mishra.
          Vor diesem Hintergrund ist der Umgang mit Begriffen wie „gesichert rechtsextrem“ in der aktuellen Tagespolitik irgendwie lächerlich finde ich. Ich schweife ab…

          Achso, auch ohne Tischgebet denke ich während meiner kurzen Verweildauer hinieden unentwegt drüber nach, was das für ein Dasein ist, in dem eine fast artverwandte Lebensform zum Zwecke meiner Proteinversorgung quasi wie eine Zellkultur mit Bewusstsein, gehalten wird. In einer Mischung aus Stoffwechselendprodukt und Nährlösung und einer Aussicht auf die echte Welt durch ein verdrecktes Fensterchen, wenn überhaupt.

          Da kommt mir die antrainierte Dritte Natur, die das rationalen egoistischen Nutzenmaximierers, doch sehr wie eine Anpassungsstrategie vor, um die darunter ligenden Schichten einer Verbundenheit mit Flora und Fauna, leichter verdrängen zu können.

          3
          • Reinhard Seevers sagt

            Interreligiöses Tischgebet: Kirche im HR https://share.google/28TyhTAmHefXwssDr

            Wir sind doch hier divers unterwegs Stadtmensch. Andere Religionen kennen auch Tischgebete und man kann sie sogar konfessionsübergreifend ausüben.
            Du bist im Gegensatz anscheinend ein moralisch höherstehender Atteist, der seine Einstellung diffamierend über religiöse Menschen erhebt. Wenn’s dir hilft……🤗

            7
            • Stadtmensch sagt

              „moralisch höherstehend“

              Ich gebe nur das wieder ab, was ich irgendwo wie ein kleines Schwämmchen aufgesaugt habe…

              „Ich bin nichts, ich werde nie etwas sein, ich kann auch nicht einmal etwas sein wollen.“
              Fernando Pessoa aka Álvaro de Campos

              2
          • Arnold Krämer sagt

            „Ich wundere mich immer, wie der augeklärte Mensch, der rationale Egoist und Nützlichkeitsmaximierer, immer noch in entgegengesetze Richtungen „wertegeleitet“ sein kann“.

            Wenn Sie sich wundern, verlassen Sie auch die rationale Ebene.
            Wunder kennt doch nur der Gottesglaube oder ?

            Und während der eine, so wie Sie unentwegt nachdenkt (vermutlich ohne zu einem befriedigenden Ergebnis in vielen Bereichen zu gelangen?), findet der andere seine Antworten im Glauben.

            13
      • Nicolai Asmussen sagt

        Bart Simpson beim Tischgebet:
        „Vielen Dank für gar nichts, wir haben alles selbst bezahlt.“

        4
        • Inga sagt

          das Tischgebet wird gesprochen,
          weil Gott alles wachsen lässt.

          Wir Menschen sind so frech und wollen Geld damit verdienen.

          Wer verdient mehr daran,
          der Bauer, der alles auf seinem Acker wachsen lässt oder der LEH, der Handel.

          Da kann die verarbeitende Industrie und der Handel auch froh sein, dass Gott das wachsen lies.
          Sonst hätten die nichts zum verkaufen.

          2
      • Inga sagt

        sind die Uramerikaner die Indianer,
        die indigene Völker?

        Die haben ja besonders gute Ethik.

    • Inga sagt

      waren die Schweine im Irischen Bericht
      eventuell nur Muttersauen?

      Wie lange wurden in Frankreich die Schweine im Wald gehalten?
      War das auch Eichelmast wie früher im nordhessischen Reinharfswald?

  6. Ludwig sagt

    Ich denke , daß man das ganze ideolgiepolitisch angehen muß. Ab den 2000er Jahren war es das Ziel der Politik in Brüssel und Berlin die Tierhaltung aus CO2-Gründen (nach UNO IPPC) zu reduzieren. Erst hat man , natürlich an erster Stelle in der Merkelzeit , wirtschaftlich die Rinder halbiert, dann kamen die Schweine dran mit einer Stallbauanforderung nach der anderen und jetzt ist der Ackerbau dran. Die Hühnerhaltung wurde relativ toleriert , weil man ja irgendwie die zur Ernährung brauchte. So hat man nach und nach Rind und Schwein platt gemacht mit Haltungsbedingungen und niedrigen Erzeugerpreisen. Dabei waren und sind die LEHs die besten Erfüllungsgehilfen . Innerhalb war auch keine Solidarität unter den Bauern vorhanden . Hauptsache man war erst einmal nicht betroffen. Heute ist die Sache aber anders und mit dem Ackerbau ist jeder betroffen und der Widerstand ist groß. Die Demos ließen konv. und Biohöfe alle auf die Barikaden gehen bis heute. Mit dem totalen Übertreiben der CO2 und Nachhaltigkeitsfrage , sowie dem alle betreffenden wirtschaftlichen Niedergang in Industrie und Gewerbe entsteht gerade zwecks Wohlstandserhaltung usw. eine Gegenbewegung. Die gerade lfd. Politik versucht mit Spaltung , Ablenkung (Ostseewal , Huntervirus,usw.) ihren Kurs des Niederganges zu halten,
    aber die Bevölkerung glaubt denen nichts mehr und das Regierendenvertrauen in Brüssel und Berlin ist dahin. Auch der Ukraine- und Irankrieg mit den Versorgungsängsten hinterläst Spuren. Das Just in Time -System bekommt Risse und man muß in den sensiblen Bereichen über Notvorsorge nachdenken. Auch die Energiewende ist an ihre Grenzen gelangt. Immer öfter gibt es wegen Netzüberlastung Stromausfälle sowie PV-und Windradabschaltungen sodaß man in der Not für teueres Geld Strom entsorgen. So wird allen Bürgern so nach und nach klar , daß unsere Regierenden die Übersicht und Entscheidungsfähigkeit verloren haben. Aus dem geleisteten Verfassungseid ist jetzt wohl ein Meineid geworden und verlangt realistisch gesehen eine andere Politik zum Wohle der Bürger.

    14
    • Kemetbauer sagt

      @L
      Bis vor kurzem waren die Rindfleischpreise die höchsten ever und gleichzeitig ist die Ausstiegsquote aus dieser Produktion die höchste. Nach Ihrer Aussage passt das nicht zusammen. Es sind eben mehr Faktoren, die zum Ausstieg aus allen ldw. Produktionssystemen geführt haben. Da sind die Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit und ständige Abrufbereitschaft, der Strukturwandel, das Image, die Kapitalintensivität, Wetter- Klimakapriolen, Gängelei durch Ämter, Anfeindungen aus der Nachbarschaft u.v.a.m. . Vor diesem Hintergrund kommen immer mehr Zukunftslandwirte zu der Einsicht, dass man das Leben auch angenehmer gestalten kann. Die Gebäude werden umgenutzt und die Flächen bewirtschaftet ein Kollege. Wo liegt da ein Problem?

      1
    • Arnold Krämer sagt

      Der Rückgang der Rindviehhaltung ist noch am wenigsten durch direkte politische Eingriffe, verursacht, wenn man einmal von der Abschaffung der Milchquotenregelung absieht.
      Es ist überwiegend die europaweite strukturelle Überproduktion bei Milch und Rindfleisch, die für den Preisdruck verantwortlich war und ist. Mit den niedrigen Erlöspreisen konnten und die meisten kleineren Betriebe wirklich nicht zurechtkommen, weil deren Einkommensansprüche auf zu wenig Milch verteilt werden muss und auch deshalb zu hohe Stückkosten verursacht.

      Es gibt generell viele politische, volkswirtschaftliche und einzelbetriebliche Einflussfaktoren auf die jeweilige individuelle Betriebentwicklung. Je mehr die Politik aber versucht, Einfluß zu nehmen bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen und auch der jeweiligen Produktionsweisen (was tendenziell in den letzten Jahrzehnen der Fall war), umso ungerechter geht es zu.

      5
    • Inga sagt

      was haben die Masttiere mit CO2 zu tun?
      Dir Wiederkäuer mit Menthan, ja,

      aber die Schweine unf Geflügel?

  7. Jürgen Donhauser sagt

    Man kann diesen Vorwurf der moralischen Willkür noch verstärken:
    Während die Ratte auf der Schulter manches Zeitgenossen als „Haustier“ durch das Tierschutzgesetz geschützt ist, wird sie aber in der Kanalisationen durch die Kommunen routinemäßig bekämpft.
    Ein und die selbe Spezies, nur ihr Standort unterscheidet über ihre Daseinsberechtigung durch unterschiedliche Gesetze.

    15
    • Reinhard Seevers sagt

      Ich denke jede Tierart wird unterschiedlich emotionalisiert. Und jedes Volk, jede Kultur hat eine andere Sicht darauf. Die Sichtweise in unserer derzeitigen Gesellschaft ist so divers und widersprüchlich, wie die Menschen in ihr.
      Man muss sich nur die Futterwerbung für Katzen in der TV-Werbung ansehen, um zu verstehen wie die Menschen ticken.
      Über uns wohnt eine junge Frau, die hat einen Hund und eine Katze. Der Hund bleibt tagsüber, wenn sie arbeitet, in der Wohnung. Die Katze ist ausschließlich (!) auf dem Balkon, wo extra eine Einnetzung angebracht wurde, damit sie nicht runterspringen kann.
      Ich kann diese Sichtweise nicht nachvollziehen, habe aber auch keine Energie, mich gegen solche Verhaltensweisen zu wenden…..

      6
    • Inga sagt

      Die wilden Ratten im Kanal sind ja unhygienisch und eventuell auch Krankheitsüberträger.
      Während die gezämte Ratte eine ganz andere Rasse ist.

      • Jürgen Donhauser sagt

        @Inga – super Ansatz hier zu unterscheiden. Wir Schweinehalter argumentieren schon lange so, dass man immer höhere Anforderungen in der Zuchtsauenhaltung (also die domestizierten Schweine) nicht an Maßstäben und Befürfnisse von Wildschweinen ableiten kann.

        1
        • Inga sagt

          ich gehörte auch mal zu den Schweinehaltern.

          und von einrm.Agraringenieur Anfanf der 70iger hörte ich mal, dass er in Frankreich in seinem Praktikum Schweine im Wald hüten musste.

          und hier erzählen die alten BauersLeute auch von der Eichelmast im Wald.
          Waren die Eichel Eiweissbereicherung in dem Futterplan für Schweine, Sojaersatz?

          • Reinhard Seevers sagt

            Die Waldhutung durch Schweine, Schafe und Rinder hat bis Ende des 17.Jahrhunderts dazu geführt, dass fast alle Eichenwälder im Nordwesten verschwunden waren und sich dort Heide breit gemacht hatte. Diese würde dann in der Folge abgeplaggt, wodurch regelrechte Wanderdünen entstanden, die den Sandboden derart verwehrt, dass z.B. die Kirche in Schepsdorf immer wieder frei gegraben werden musste….heute ist die Gegend dank Kunstdünger und Viehwirtschaft eine prosperierende Region. Es muss endlich aufgehört werden mit der Romantisiering der Vergangenheit, finde ich.

            3
          • Inga sagt

            Natürlich kenne ich noch die Wildschweinspuren im Kartoffelbestand, die ich schon als Kind sehen konnte.

  8. Reinhard Seevers sagt

    „Der typische, sehr intensive Geruch von Schweineställen sorgt zudem für eine geringere Akzeptanz in der Nachbarschaft als der eher als „ländlich“ empfundene Geruch von Kuhdung. Beschwerden über störenden Geruch von Hühnerställen sind mir nicht bekannt.“

    Genehmigungstechnisch werden alle aus der Sicht der TA-Luft gleich behandelt. Die Wichtung in GE (Geruchseinheiten) ist differenziert. Geglügel macht große Probleme und erfordert große Abstände zu Wohnbebauung. Die formalrechtliche Betrachtung ist sehr stark ausformuliert, die emotional -gesellschaftliche so gar nicht.
    Und wenn Formalrecht auf Emotion trifft, dann zeigt sich, wo das Recht durch andere Ansprüche in Frage steht oder gestellt wird.

    5
    • Arnold Krämer sagt

      Die Wirtschaftlichkeit Rind, Schwein, Huhn (objektiv) ist allgemein negativ korreliert mit den Gerüchen (subjektiv empfunden). Huhn riecht am unangenehmsten, macht aber beim Blick auf das Konto die meiste Freude.

      5
        • Inga sagt

          Deswegen werden ja die reichen Bauern, Stallbesitzer und Tiermäster von der übtigen Bevölkerung beneidet
          und dann noch deswegen Gestank ertragen, das geht zu weit.

          An 2. Stelle kommt erst der Gedanke, dass man selbst etwas davon konsumieten will.

    • Inga sagt

      Stabelmist und Gülle von Schweinen riecht strenger als die von Kühen, bzw. Rinder.

      Bestimmt auch strenger als der von Geflügel.
      ob das auch wisenschaftlich untersucht wird, damit die Architekten das beachten können oder müssen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert