Bauer Willi
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Frauenquote – Quotenfrauen

Heute, 8. März, ist Weltfrauentag. EIN Grund, sich der Rolle der Frauen in der Landwirtschaft bewusst zu werden. Und das eigentlich jeden Tag…

Ja, es gibt sie. Betriebsleiterinnen. Ich kenne einige. Die, die ich kenne, sind sehr selbstbewusste Frauen, die sehr erfolgreich ihren Betrieb leiten. Und ich bewundere jede von ihnen, weil sie ihre Frau stehen in einem Beruf, der historisch gesehen, von Männern dominiert wurde. Das hat sich gewandelt, unbemerkt von der Öffentlichkeit. Jedenfalls habe ich bisher wenig Berichte oder Artikel gelesen, in denen Frauen in der Landwirtschaft vorgestellt wurden. Und wenn, dann eher mit dem Unterton “Exotisches”. Die Betriebsleiterinnen, die ich kenne, engagieren sich in Gemeinderäten, sind Mitglieder von Aufsichtsräten von Genossenschaften oder in sozialen Gemeinschaften bis hin zu Kirchenvorständen. Und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bekommen sie auch hin. Fragen Sie mich nicht, wie. Ob die auch Trecker fahren? Ja klar, die ziehen sich dann auch den Overall an, haben vom Maschinen-Fett verschmierte Finger (oder zumindest Handschuhe). Die können auch mal einen Reifen wechseln, wobei sie männliche Unterstützung gerne annehmen.

Wenn Sie ihnen aber in der Stadt, auf einer Feier oder sonst wo begegnen, sehen die aus wie aus dem „Ei gepellt“. Schick, adrett, gut frisiert und bestens gekleidet. Für eine Landwirtin würden sie die nie halten. Also wieder ein Klischee, von dem Sie sich verabschieden müssen.

Aber auch sonst ist ein landwirtschaftliches Unternehmen ohne Frauen nur schwer vorstellbar. Wer macht denn den Hofladen, unterhält sich mit den Kunden. Wer spricht auf dem Pferdehof mit den Reitern? Wer betreut beim Urlaub auf dem Bauernhof die Gäste? Das sind doch die Frauen. Kundschaft, Reiter, oder Urlaubsgäste: da zieht sich der Landwirt gerne zurück, weil ihm die Kommunikation meist zu lästig ist und er ja, angeblich, auch die Zeit dafür nicht hat. Dabei kommen viele Kunden, Reiter oder Urlaubsgäste weniger wegen der Lebensmitteln, der Pferde oder der Ferienwohnung auf den Bauernhof. Was diese oft suchen ist eben genau diese Kommunikation, das Gefühl, fast schon zur Familie dazuzugehören. Und das bekommen die Frauen wesentlich besser hin als die Männer. Sie sind halt “multi-tasking”-fähig.

In unserer Familie war meine Mutter der Chef. Sie hatte die Ideen, sie hatte den Mut, etwas Neues anzupacken und musste meinen Vater dazu immer überreden. Immer! Und das war oft sehr nervig, wir Kinder haben die Diskussionen hautnah miterlebt. Ob es darum ging, die Schweine, später dann die Kühe abzuschaffen, dafür aber in Hühner zu investieren. Das war immer ein Kampf. Dann von 1000 Hühner auf 4000 Hühner aufzustocken, Investitionen in neue Ställe, nie ging das ohne Diskussionen, ja manchmal auch Streit ab. Und immer hat sie Recht behalten, stets ging es danach dem Betrieb besser als vorher.

Und dann das liebe Geld. In den allermeisten Betrieben ist der Mann für die Arbeit, die Frau fürs Geld zuständig. Das ist bei uns heute auch so. Meine Frau macht die gesamte Buchführung und dass ohne Steuerberater. Über die finanzielle Situation weiß sie zehnmal besser Bescheid als ich. Und sie ist, wie meine Mutter, mutiger als ich.

Falls Ihnen der Text bekannt vorkommt: Dann haben Sie mein Buch “SAUEREI!” gelesen.

Euer Bauer Willi

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31 Kommentare

  1. bauerhans sagt

    aus der FAZ vom 03.03.2017

    „Frauen sind schwächer, kleiner und weniger intelligent.“ Nach sexistischen Entgleisungen drohen dem (polnischen)Abgeordneten Korwin-Mikke Konsequenzen.”

  2. Friedrich sagt

    Ja, was wäre die Welt ohne die Frauen. Frauen sind in betrieblichen Dingen viel sachlicher.
    Wenn man bei der Entwicklungshilfe mehr auf die Frauen gesetzt hätte , wäre die Welt auch eine viel bessere. Bei uns im Betrieb wäre die Arbeit ohne unsere Frauen (wir haben eine GbR) garnicht zu schaffen. Auch die Abferkelleistungen im Sauenstall sind mit der Mithilfe meiner Frau nach oben geschnellt. Ganz zu schweigen von den Diskussionen die uns immer haben besser werden lassen. Auf unseren Höfen wurde schon immer im “Team” gearbeitet.
    Das haben wir der Industrie schon lange voraus. Dort müßen die Teams erst gebildet werden. Ohne die Bäuerinnen würde es viel weniger Höfe geben , da durch deren Tatkraft die Höfe erhalten und weitergeführt werden konnten.

    • Gepard sagt

      Das ist aber ein sehr klischeehaftes Bild von Frauen. Es gibt genauso unsachliche Frauen wie sachliche Männer. Diese Kompetenzen haben nichts mit dem Aussehen der Genitalien zu tun.

  3. Stadtmensch sagt

    Den Weltagrarbericht lest ihr ja nicht, deshalb erlaube ich mir, daraus zu zitieren:
    “Wo sich diese Chance bietet, ergreifen Frauen sie meist entschlossener und zielstrebiger als Männer. Wo sie zudem Möglichkeiten der Selbstorganisation und Zugang zu gesellschaftlichen Entscheidungen erlangen, profitiert die gesamte Gemeinschaft.”
    http://www.weltagrarbericht.de/themen-des-weltagrarberichts/geschlechterrollen.html
    Auch bei uns ist es ja trotz “Genderallala” unverändert so, dass Frauen teilweise auf eigenes Einkommen verzichten, um die unprofitable aber unverzichtbare “Gedöhnsarbeit” zu machen. Später bekommen sie deshalb weniger Rente. Die Frauen müssen einfach selbstbewusster werden, nach dem Motto (Alter: du kannst dir ein Kindlein wünschen, aber dafür nimmst du mindestens 6 Monate Elternzeit und verdrückst dich nicht länger 35 h die Woche in dein Büro).

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Wir haben uns anders entschieden.

      Meine Frau kam von außerhalb der Landwirtschaft und wollte nicht auf eigenes Einkommen verzichten, daher bleib sie bei ihrer Arbeitsstelle und hat ihren eigenen Lohn und in 4 Jahren ihre eigene Rente, die 4 mal höher sein wird, als mein Altersgeld.
      Die Kinder haben wir auch groß gezogen, da war halt auch mal das Wechsel der Windeln drin. Na ja, das habe ich nicht an die Bekanntmachungstafel geschrieben, meine Berufskollegen hätten das als unmännlich angesehen.

      Da meine Frau 10 Jahre jünger ist, wird ihr im Alter die eigene Rente, mit Zusatzrente ÖD und die Bäuerinnenrente – in die wir auch eingezahlt haben – guttun.

      • Inga sagt

        Wie Deiner Frau geht es mir auch!

        Aber hier finden wir den Grund, warum die Wertschöpfung der landw. Produkte im Handel liegen,

        Der Handel kann bessere Löhne zahlen und daraus kommen dann auch bessere Renten.
        Der ÖD ist da angelichen!

    • Bauer Willi sagt

      Ich erlebe das anders. Gerade in der Landwirtschaft sind die Frauen sehr selbstbewusst. Und das was im Weltagrarbericht steht, stimmt absolut. Frauen sind oft entschlossener und “fackeln nicht lange rum” mit Entscheidungen.

      Jetzt muss ich Ihnen doch tatsächlich mal Recht geben… 🙂

      Bauer Willi

      • Inga sagt

        Wieviel Frauen haben im Krieg den Betrieb geführt?
        Egal, ob landwirtschaftlich oder nicht.

        Frauen können nicht nur mit dem modernsten Schlepper das Feldbestellen, sondern sie konnten es auch mit Zugtieren.
        Meine Oma konnte meinem Vater das Pferd aufschirren.
        Ob sie das im Krieg auch gemacht hat?
        Ach nein, im Krieg brauchte sie keine Männerarbeit machen, weil mein Opa war ja da, er war zu alt für Soldat, dafür war er im 1. WK.

        Aber andere haben es getan.
        Und ich habe mir sagen lassen,
        dass es früher Sitte war, wenn das Bauernehepaar morgens aufgestanden war, dann mußte die Frau das Frühstück für den Hern Gemahl herrichten, mit Feuer anmachen und Wasser für Café darauf kochen,
        wenn Herr Gemahl gemüsslich frühstückte ginm sie hinaus,gab den Pferden Hafer danach schirrte sie sie auf udn spannte sie vor den Wagen, damit der Herr Gemahl ins Feld fahren konnte.

        Dann versorgte sie wohl den Stall und dann erst konnte sie erst frühstücken.
        Obsie wohl vor dem Pferdefüttern gemolken hatte oder erst später, das weiß ich jetzt nicht. Denn der Michwagen war ja auch um eine bestimtme Uhrzeit da!

        Vielleicht müssen Frauen von Natur aus entscheidungsfreudiger sein, weil sie das eventuell für die Kidnererziehung brauchen.

        Ob sie dann noch eine bessere Vorstgellungskraft haben?

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          “Und ich habe mir sagen lassen,dass es früher Sitte war, wenn das Bauernehepaar morgens aufgestanden war, dann mußte die Frau das Frühstück für den Hern Gemahl herrichten, mit Feuer anmachen und Wasser für Café darauf kochen,
          wenn Herr Gemahl gemüsslich frühstückte ginm sie hinaus,gab den Pferden Hafer danach schirrte sie sie auf udn spannte sie vor den Wagen, damit der Herr Gemahl ins Feld fahren konnte.”

          Hach, das waren noch Zeiten, da wurde der Mann noch so richtig verwöhnt. 😉

          Jetzt muss man die Frau verwöhnen, wenn man keine bei Inka Bause suchen möchte. 😉

          Das was sie schildern kann ich bei meinen Eltern nicht bestätigen, sie sind miteinander aufgestanden, wenn mein Vater nicht vorher bereits Grünfutter holte. Frühstück haben die beiden immer zusammen gemacht, aber das überbrühen von Kaffee war Frauensache, das hat meine Mutter nie aus der Hand gegeben.

          Der Krieg war für meine Mutter eine schlimme Sache, da mein Vater vom ersten Tag an, das Vaterland “verteidigen” musste.

          • Inga sagt

            Ja, für meine Schswiegermutter auch, Schwiegervater war vom 1 Tag an weg, um das Vaterland zu verteidigen und kam nach der Gefangenschaft erst 1948 wieder zurück.
            Dennoch ist mein Mann mitten im Krieg geboren,
            na er, sein Vater hatte ja auch mal Urlaub von der Front!
            Aber der Bauernhof hatte noch dem Schwiegervater meiner Schwiegermutter gehört und der hatte auch verheiratet Töchter, deren Männer im Krieg waren und die sind dann nach zu ihren Vater nach Hause auf den Hof gekommen.
            Also brauchte Schwiegermutter keine Männerarbeit zu machen.
            Aber ihr wurde von den Schwägerinnen gezeigt, dass sie nur eingeheiratet war.

            Meine Eltern sind jünger und haben nach dem Krieg erst geheiratet, und ich denke sie haben, wie meine Großeltern nach dme Stalldienst gemeinsam gefrühstückt.
            Dennoch konnte Oma das Pferd aufschirren.
            Die andere Oma und meine Mutter haben das nie gemacht.
            Diese Oma war im Krieg auch alleine mit meiner Mutter als Teenager, Opa und Onkel waren auch am Vaterland verteidigen, kamen aber 1945 wieder nach Hause.

            Dennoch brauchen sie keine Männerarbeiten zu machen, weil der Schwiegervater meiner Oma diese gemacht hat.
            Der Hof gehörte aber schon Opa.

            Ich wollte damit nur beweisen, das die Frauen im Betrieb entscheidungsfreudig sind und auch Männerarbeiten machen konnten.
            Und oft den Durchblick hatten.
            Mutter hat aber mit dem Pferd die Heugeräte (Gabelwender und Rechen) auf der Wiese gefahren; später mit dem Schlepper die Spinne, die ja beides konnte, auch!

            Die Frauen die man bei Inka Bause findet haben bestimmt auch nur das Dollarzeichen im Blick!?! Und wollen verwöhnt werden. 🙂

            Es gehört eben viel Idealismus dazu, um mit dem Ehepartner den Betrieb ordenlich in die Zukunft zu führen.

      • Inga sagt

        Wer weiß denn, ob es ohne Frauen die Landwirtschaft im heutigen Sinne überhaupt gäbe, ich glaube ohne Frauen wären wir noch Nomaden!?!

        Weil die Frauen den Haushalt zu verwalten hatten und ihren Kindern und anderen Familienmitgliedern Fleisch und andere Sachen zu essen geben müßten, beobachtensie ganz anders,

        Jedenfalls haben sie von den Gassamen, die sie als Würze auf das Fleisch streuten die dicksten Samen akribisch selektiert, aufgehoben und angepflanzt, so entstand das Getreide, das man nur durch Anbau erhalten konnte. Es entstand eine Anbaukultur!
        Also sind die Menschen seßhaft geworden und es wurden Tiere domenstiziert.
        Auch die Männer mußten dabei helfen, ob sie wollten oder nicht. Sie werden sich wohl gefügt haben!
        🙂

        Daran mußte ich denken, als ich vor Jahren in der Saatgutprüfstelle gearbeitet habe.
        Wir saßen nur mit Frauen da und haben Samen, bzw. Saatgut akribisch untersucht.
        Unsere Chefin war Frau Dr. agr.

        • Stadtmensch sagt

          >>Sie werden sich wohl gefügt haben!
          “Männer regieren die Welt und Frauen die Männer”
          😉

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            “und Frauen die Männer“

            Selbst Schuld, wenn man sich einen Hausdrachen anschafft. 😉

  4. Sabine sagt

    …. gibt es da nicht ein Anekdoten-Büchlein: Meine Frau ersetzt mir 20 Kühe?
    Aber, Scherz bei Seite… Einer meiner ehemaligen Chefs kam von einer Bank/Versicherung, die sehr bekannt in der Landwirtschaft ist und hat immer gesagt, die Einzigen, die die Arbeitskraft und den Wert der Frauen in ihren Betrieben richtig einschätzen sind die Bauern. Während in vielen kleinen Handwerksbetrieben – damals wenigstens- kaum ab- und versichert wurden, wären Bauern selten geizig gewesen, wenn es darum ging die Frau finanziell abzusichern. Oft wären die schon mit sehr genauen Vorstellungen bei ihm aufgeschlagen, wie viel die Frauen nach 10, 15… Jahren Tätigkeit im Betrieb auf der “Hohen Kante” haben sollten. … und meisten sprachen damals über ihre Frau auch als die Bäuerin und das in einer Zeit wo “Frau Meisterin” schon lange ausgestorben war. Mein Schwager hatte das Glück noch einen Betrieb mit einer Frau Meisterin zu erleben und hat sich später sehr bewusst dafür entschieden, dass es in seinem Betrieb auch die Chefin gibt. Meine Schwester musste viel lernen und sich nicht nur in Sachen Sprache und Mentalität umstellen, was sich allerdings gelohnt hat. Gerade für meine Nichte, für die es nie eine Frage war, ob sie sich eine Leitungsposition mit Kind zutraut. Meinem armen Neffen geht es allerdings wie scheinbar vielen Landwirten, der sucht noch händeringend eine Frau, die selbstständig und selbstbewusst genug ist, um ihren Mann im Betrieb zu stehen.

    • bauerhans sagt

      “Meine Frau ersetzt mir 20 Kühe?”

      “eine lehrerin bringt soviel ein wie 30 kühe” ist ein spruch aus den 70er jahren.
      ich kenne einige landwirte,die mit einer lehrerin verheiratet sind.

      • Sandra Kuhn sagt

        Bringt ja auch kaum eine Berufsgruppe soviel Lohn bei so wenig Präsenzzeit nach Hause 🙂

      • Paulus sagt

        Kenne ich auch noch so, aus dem Westfälischen. Die Grundschullehrerinnen waren aber wählerisch. So unter 100 ha lief da nichts.
        Was meine eigene Familie betrifft muss ich Willi rechtgeben. Obwohl meine Mutter außer in ihrer Kindheit garantiert nie auf einem Trecker gesessen hat 🙂

  5. bauerhans sagt

    als aushilfsbetriebshelfer war ich früher auf vielen höfen und war doch erstaunt,dass die frauen die wichtige arbeit erledigten: betreuung der zuchtsauen,kälber und hühner,direktverkauf vom hof(hofläden gabs noch nicht),betreuung der altenteiler und “finanzvorstand”.
    der chef bemühte sich derweil den grossen trecker zu bewegen,weil “das ja nix für frauen ist”.

  6. Der Brandenburgbauer sagt

    Willi, ein super Aussage für unsere fleißigen Frauen. Gratuliere ,hat meine vollste Unterstützung. Was währen wir ohne SIE ????.
    Trifft auch voll für meine Christine zu.

  7. Schweinebauer Piet sagt

    Meine erste Chefin war eine Frau und hat jetzt 1000 Sauen, also schlecht ist sie nicht.

    • Inga sagt

      Ich habe eine Freudin, die hat als Agraringenieurin in der DDR auch einen Stall mit 2000 Sauen betreut. Sie kann auch besamen.

      Wenn sie die Nacht im Stall verbringen mußte, weil irgendwelche Sauen ferkelten, dann hat sie auch ihr Baby mitgenommen und unter die Rotlichtlampe gelegt, die sei sowohl für Ferkel und als auch für Babies gut!

      Aber in der DDR war es ja selbstverständlicher als bei uns, dass Frauen Männerberufe begleiteten.
      Jedenfalls können das die Frauen.

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