Alois, Medien
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Filmtipp: “Bauer unser”

Am 23.März startet der Film „Bauer unser“ auch in den deutschen Kinos. In Österreich hat er  schon für einige Furore gesorgt. Aber ob er das in Deutschland auch schafft?

Regisseur Robert Schabus will in seinem Film möglichst alle Facetten der billigen Lebensmittelerzeugung zeigen. Dazu lässt er zum einen zahlreiche Bauern erzählen was sie umtreibt. Und wie sie versuchen zu bestehen. Ebenso lässt er Händler, Manager, Politiker und Lobbyisten plaudern. So entsteht Recht unterhaltsam das bunte Bild einer sehr komplizierten Welt. Es wird deutlich, wie der Bauer mit Strukturwandel und Globalisierung zu kämpfen hat und doch eigentlich im Herzen bäuerlich bleiben will.

Doch ein spannender Krimi ist der Film nicht. Zwar spüren die Akteure den Motiven der “Verdächtigen” hinterher. Am Ende fehlt dann aber doch der kluge  „Kommissar“, der den komplizierten Fall globalisierter Landwirtschaft genial löst. Vielleicht ist dies aber von den Machern auch so gewollt: Der Zuschauer möge selbst entscheiden, welche Lehren aus dem gezeigten „System“ zu ziehen sind. Ein kleines „Happy-End“ gibt es dann trotzdem: das liebevolle Statement eines Bregenzer Bauern zum Selbstbild des Bauern.

Der Film ist eigentlich nicht für die Landwirte gemacht worden, sondern für Bürger und Verbraucher. Sehr wohltuend ist der Verzicht auf Klischees vom “guten Bio-Bauer” und seinem “bösen” Gegenspieler. Natürlich kommen Bio- und konventionelle Landwirte zu Wort, doch es wird nicht gewertet. Der Bauer als Mensch steht im Mittelpunkt. Der Film will die Zuschauer berühren, sie zum Nachdenken anregen und auch zum bewussten Handeln bewegen.

Deshalb eine ganz klare Empfehlung: Schaut Euch den Film an! Mein Tipp an die Landwirte: Nehmt Eure „nicht-landwirtschaftlichen“ Freunde, Bekannte und Nachbarn mit. Nach dem Filmgenuss geht ihr noch gemeinsam in eine Kneipe und diskutiert herzhaft weiter. “Bauer unser” ist eine sehr gute Gelegenheit um ins Gespräch zu kommen.

Euer Alois

 

PS: Ein Problem wird sein, dass der Film längst nicht von jedem Kino gespielt wird. Man muss also gezielt nach Aufführungen suchen. Dazu gibt es ganz gute Internet-Portale wie http://kinofinder.kino-zeit.de/kinofinder/programmsuche

Oder noch genialer finde ich die Smartphone-App “Kinoradar”. Weil man dort eine Umkreissuche um den aktuellen Standort nach dem gewünschten Film machen kann. Da kann ich dann als Allgäuer Landei auch nach einem Kino suchen, wenn ich grad mal wieder unterwegs bin.

Als Vorgeschmack hier der Trailer:

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40 Kommentare

  1. Peterchen sagt

    der Film ist natürlich in erster Linie auch für Landwirte gemacht worden, denn er hilft zu verstehen was viele Leute an der heutigen Wirtschaftsweise satt haben und genau deshalb ist auch auch schon im Januar bei Wir-haben-es-satt gezeigt worden

  2. Friedrich sagt

    Der Film wird sicherlich hier oder dort eine Diskussion in Gang setzen . Viel wäre schon gewonnen wenn unsere Medien , unsere stärksten Kritiker, diesen Film inhalieren würden und dann mal mehr hinterfragen würden. Auch unsere Politiker , die dem medialem Mainstream folgen , wären gute Multiplikatoren , vor allem , wenn es um Entscheidungen geht. Dann hätte es die von Frau Hendriks aufgestellten Bauernregeln vielleicht nicht gegeben. Auch die NGOs werden dann evtl. ruhiger. Bei unseren Verbrauchern sehe ich die Leute , die sich schon immer mit Ernährung , Umwelt und Versorgungssicherheit aus einander gesetzt haben , daß die sich den Film ansehen werden. Die Masse der Leute will Aktion, Romantik usw. und den Film nicht ansehen. Aber warten wir mal ab ?!

  3. Zahn sagt

    Man sollte den Film in Schulen zeigen.
    Meinen Sie der Film wäre auch gut um Leute dazu zu bringen mehr selber anzubauen im Garten an Lebensmitteln ? Ist Ernährungssicherheit nicht auch Thema in Deutschland ?

    • bauerhans sagt

      ich glaube nicht,dass es in D “ernährungunsicherheit” oder ernährungsinitiativen durch “eigenanbau” gibt,vor allem,wenn ich mir die gärten meiner dorfnachbarn so anschaue.

  4. Josef sagt

    Wenn wir uns bei jedem Thema hauptsächlich über die Unfähigkeit der Verbraucher auslassen, kommen wir sicher keinen Schritt weiter. Wo und wie kaufen Bauern und Bäuerinnen ein ? Wo und wie kaufen wir das Futter für unsere Tiere ein ? Aber von Verbrauchern fordern wir regional, was immer das heissen mag, einzukaufen.

    • bauerhans sagt

      der gemeine verbraucher ist sehr zufrieden,kauft er doch gut und billig!
      unsere “latente überproduktion” und das festhalten am unternehmensziel,bei preisschwäche,die produktion auszuweiten,ist das problem.
      auf der anderen seite sind wir natürlich langfristig gebunden,weil wir unelastische,unflexible güter produzieren.
      meiner meinung nach,ist hier der staat in der pflicht,der uns aber immer neue auflagen beschert und nur wenige anreize z.b. “vielfältige fruchtfolgen”.

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Josef
      Der Film zeigt viele Facetten. Daraus können sich alle ein Bild machen. Alle heißt: Bauern und Bürger. Von daher finde ich den Kommentar etwas unpassend. Ist aber meine persönliche Meinung.
      Bauer Willi

      • Andreas Schmid sagt

        Ich fordere vom Verbraucher, das er Schokolade kauft, wo meine Milch drin ist. Oder die Milch(auch Joghurt, Sahne, Butter……) von meiner Molkerei kauft. So dürfen aber meine Kollegen aber auch von ihrer Molkerei reden.

      • Josef sagt

        Ich habe auch nicht den Film kommentiert, sondern die Beiräge in diesem Forum, die bei fast allen Themen darauf hinauslaufen, dass entweder die Verbraucher keine Ahnung haben, oder dass sie nur das Billigste kaufen.

        • bauerhans sagt

          “…dass entweder die Verbraucher keine Ahnung haben, oder dass sie nur das Billigste kaufen.”

          der verbraucher lebt durchaus emotional,sachliche zusammenhänge,gleich welcher art,interessieren ihn nicht und er kauft billig und gut.

  5. Ehemaliger Landwirt sagt

    Leider ist der Film zwischen Freiburg und Karlsruhe nicht zu sehen,
    wenn in dem Film die Familie Maria und Franz Vogt aus Niederösterreich gezeigt wird, eine Familie die Zufriedenheit statt Wachstum propagiert, das mag ihren persönlichen Ansprüchen genügen, für mich sieht es nach Armut aus, eine Lebensweise die meiner und die meiner Frau nicht genügt. Ich habe auch nie einen Kredit für meinen Betrieb aufgenommen, aber seit meiner Jugend gab es den Wunsch einmal die Pyramiden von Gizeh, Abu Simpel, den Grand Canon, San Franzisko, Las Vegas, das Kapitol, Manhattan, Niagarawasserfälle, den Everglades-Nationalpark zu besuchen. Dass wir noch einen Start des Space-Shuttle Endeavour am 15. November 2008 im Kennedy Space Center erleben durften, ist ein Erlebnis, das wir nicht missen möchten.

    Glaube kaum dass die Familie Vogt dies finanziell stemmen könnte, bei vielen größeren Betrieben derzeit wahrscheinlich auch nicht. 🙁

  6. Brötchen sagt

    Guten morgen! Das Szenario wird noch ein ganz anderes! Wenn man sich vergegenwärtigt, das die D-Mark im Euro 20 % unterbewertet ist. Mittelfristig wird sich das ändern, da den USA das nicht so behagt. D hat riesige exportüberschüsse. Es kam gerade der WirtschaftsBericht von tönnies, 50 % exportquote. Vion und westfleisch ebenfalls. Die Zinsen in der USA werden schon angehoben. Das bedeutet Importe werden billiger. Exporte schwieriger. Das kann man so oder so interpretieren. Kann man hier fundiert lesen https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/helds-ausblick/freihandel-ist-nicht-alles/

  7. ina sagt

    NICHTS können und wollen DIE Verbraucher tun. Einkaufsverhalten und Moral passen nicht zusammen, was ich auch nicht schlimm finde, wenn mittlerweile jeder siebte Haushalt von staatlichen Transferleistungen – in Berlin jeder Vierte – abhängen. Vielleicht hören wenigstens die Forderungen “nach immer mehr” und “nicht dafür bezahlen wollen” auf!?

    • Bauer Willi sagt

      ja, nennt man auch citizen-consumer-gap. Ich nenn das deutlicher “schizophrenen Verbraucher”, der als Bürger Forderungen aufstellt ohne konsequent zu handeln. Aber genau da kann man ansetzen. Allerdings müsste dann auch der Hartz IV-Satz erhöht werden und daran hat die Politik nun gar kein Interesse…
      Bauer Willi

    • Gephard sagt

      Die Bauern wollen nicht pauschal als die bösen Bauern betitelt werden, dann unterlasst es bitte auch von einem homogenen Verbraucher zu sprechen. Den gibt es nicht. Wenn es den durchschau- und berechenbaren Verbraucher gäbe, würde man über Marketingspezialisten nur noch in Geschichtsbücher lesen.

      Stell dir vor, ich bin Verbraucher. Ich fahre bewusst kein Auto, fliege nie mit dem Flugzeug, kaufe möglichst in Deutschland produzierte Produkte, telefoniere mit einem alten Smartphone, verzichte auf eine Spülmaschine und einen Wäschetrockner … etc. Und ich kenne einige, die ebenfalls versuchen, ihr Leben umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten, als es andere tun oder man in der Vergangenheit tat.

      Euer vielgescholtene Verbraucher, der unbelehrbar nur beim Discounter einkauft aber Bio predigt, jährlich mit dem neusten Handy rumläuft, zwei Autos besitzt und im Jahr drei Mal fliegt, den gibt es ohne Zweifel. Aber ob dieses Verhalten die absolute Mehrheit der Verbraucher an die Tag legen, kann ich nicht erkennen.

      Stell dir vor mein Bauernbild ist vor allem Landjugendparties geprägt. Da waren auch immer die alten Herren, die sich noch schneller besaufen konnten, den jungen Mädels auf den Arsch starrten und sexistische Sprüche klopften. Meinst du, ich nehme das jetzt als Maßstab für alle Bauern in diesem Land? Nein, es war eine kleine Gruppe von Menschen. Jene, die nicht allwöchentlich mitgesoffen haben, hat man ja nicht gesehen. Zudem dem gibt es diese Besäufnisse ja nicht in jeder Region.

      • Bauer Willi sagt

        Genau darum lohnt es sich für Bauern und Bürger und Verbraucher sich den Film anzusehen und anschließend miteinander zu diskutieren. So jedenfalls unser Tipp.

        Wenn das jemand nicht versteht, kann es zum einen daran liegen, dass wir das nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht haben. Oder aber auch daran, das man das nicht verstehen will.
        Bauer Willi

          • Ich seh das so sagt

            Wir sicher so kommen, wenn alle Kinos bespielt wurden, dann kommt meist die Abspielung im TV und etwas später dann die CD zum Kauf und vielleicht irgendwann auch mal ein YouTube.

            • Ich seh das so sagt

              @Inga
              Ich finde es immer wieder positiv, wenn Leute hier schreiben, daß es mehr Zeit, Bemühung, Interesse, Verständnis und/oder Information braucht um der Landwirtschaft gerecht zu werden und fair mitdiskutieren zu können. Das weicht nämlich positiv von den In-einem-oder-zwei-Sätzen-die- Welt-Erklärern ab, die sich anderswo als “Experten” ausgeben.

  8. Klemens sagt

    Hab den Film vor 2 Wochen bei uns in Südtirol gesehen, ist mit sehr interessanten Interviews und beeindruckenden Tatsachen gespikt. Am Ende des Films war es auffallend still im Kino. Welche Eindruck der Film auf Nichtbauern macht bleibt mir allerdings verborgen.

    • Bauer Willi sagt

      Ich durfte den Film auch schon ansehen, ich denke, die Bauern waren still, weil ihre Situation in einem globalen Markt mit mächtigen Playern gut geschildert wurde, die Bürger und Verbraucher waren still, weil sie erkannt haben, dass sie mit ihrem Verhalten durchaus etwas bewirken können.
      Bauer Willi

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die große Masse der Bevölkerung hat sich überhaupt nicht für die Landwirtschaft interessiert. Landwirte haben nach deren Meinung eh nur die Umwelt geschädigt, Überschüsse produziert und in der Hängematte auf die Subventionen gewartet.

        Ich denke mal, dass die Beiträge die Realität gezeigt hat, eine Realität die weit von deren Vorstellungen war. Wenn die jetzt noch die “jammernden” Bauern etwas besser verstehen, dann ist schon viel gewonnen.

    • Gephard sagt

      Ich habe den Film 10 Milliarden (http://www.10milliarden-derfilm.de) im Kino gesehen. Danach war es auch ungewohnt still im Kino. Später im nahegelegenen Café bekam man dann aber viele Diskussionen mit. Ich denke mal bei dem neuen Film wird es ähnlich sein. Erst mal schlucken und dann verarbeiten. Für viele Nichtbauern das ja auch generell nichts neues, sondern sie haben schon Vorwissen, das sie in den Film gezogen hat. Sie wollen mehr verstehen und mehr Information haben, um ihre Handeln anzupassen. Vielen ist ja klar, dass sie in den Bereichen, die outgesourced sind, bislang sehr unbewusst gelebt haben. Woher kommt die Kleidung, wie entstehen die Rohstoffe, wie geht es den Menschen damit. Das sind Fragen, die ab den 80ern kaum noch jemand gestellt hat. Und in den 70ern haben sich die Leute, die das hinterfragt haben meist eher abgekapselt. Heutzutage zieht sich das durch viele Gesellschaftsschichten.

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