Bauer Willi
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Ethik, Moral und die Ökonomie

Wir haben auf unserem Hof eine Holzpellet- Heizung.  Nachdem die Ölheizung lange Jahre ihren Dienst getan hat, haben wir uns vor vier Jahren zu Holz als Brennstoff entschlossen, weil auch Frau und Kinder  der Meinung waren, wir sollten etwas für die Umwelt tun.

Die Anlage war mehr als dreimal so teuer war wie der Ersatz der Ölheizung. Schließlich mussten wir ja eine neue Lagermöglichkeit für die Pellets schaffen, während der Öltank ja schon da war. Einen neuen Kamin mussten wir auch bauen und die passende Infrastruktur. Zwar sind die Ölpreise seitdem gewaltig gefallen, aber jedenfalls haben wir jetzt ein gutes Gewissen.

Am 2.12.2016 habe ich dann mal die Preise für verschiedene Energieträger berechnet. Das Ergebnis seht ihr im Titelbild. Heizöl und Holzpellets muss ich kaufen, den Weizen haben ich selbst. Mit einer LKW-Ladung Brotweizen käme ich gut über den Winter….und hätte bares Geld gespart. Im Vergleich zu Holzpellets rund 1.100 €, zu Heizöl ca. 2.600 €.

Ihr versteht, was ich damit sagen will? Aber der Lagerraum ist noch gut mit Pellets gefüllt und so steht einen Entscheidung nicht an. Was würdet ihr machen? Oder darf man das erst gar nicht erst denken?

Euer Bauer Willi

 

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144 Kommentare

  1. Sabine sagt

    Ich denke, die Zeiten von One-Size-Fits-All sind vorbei. Und gerade in ländlichen Gemeinden könnte das eine Chance sein, seinen eigenen Energie-Mix zusammen zu stellen. Die Frage ist was man vor Ort hat. Gibt es da vielleicht Flächen, die besser für Pappeln geeignet sind, wie für einjährige Bepflanzung? Gibt es vielleicht in der Nähe einen Bach, den man bisher höchstens als Hochwasser-Risiko betrachtet hat, der aber ein kleine Turbine antreiben könnte? Ein Laufstall, der mit Solarwärme- oder Strom betrieben werden könnte? Heute müssen Anlagen nicht mehr riesig sein, um wirtschaftlich was zu können. Vllt. ist ein Turbinen-Häuschen am Dorfrand nicht so romantisch wie eine alte Wassermühle, aber mit ein paar Gänsen, Enten oder einer kleinen Fischzucht könnte man da auch eine Zweitnutzungsmöglichkeit entwickeln, die u.U. sogar die Landwirte, neue und alte Dörfler näher zusammen rücken lässt.

  2. Paulus sagt

    Lieber Bauer Willi,
    in Ergänzung meiner Nachricht von eben noch folgendes:
    Zitat Anfang: „Was würdet ihr machen? Oder darf man das erst gar nicht erst denken?“ Zitat Ende.
    Natürlich darf man das denken! Ob Sie ihre Erzeugnisse in die Schuttkuhle kippen oder
    bei der Genossenschaft abliefern oder verheizen oder für Brot für die Welt stiften, hat doch schlicht niemand zu interessieren.
    Nichts ist schlimmer als diese verdammten Denkverbote die dem sogen. Mainstream unterliegen.
    Auch wenn ich Ihnen in manchen Bereichen sehr skeptisch gegenüberstehe, halte ich es für absolut legitim wenn Sie mit ihrem Getreide Energie erzeugen. Sei es für die Beheizung der eigenen Hofgebäude, für eine Biogasanlage oder was auch immer. Als Bauer/Landwirt sind Sie Unternehmer der sich den Gegebenheiten des Marktes anzupassen hat und dem es gestattet ist seine Produkte unter ausschließlich wirtschaftlichen Aspekten zu verwerten. Also wo ist das Problem?

    Ihre Fragestellung ist nach meiner Auffassung entweder mal wieder diabolisch oder schlicht nicht relevant.

    Viele Grüße aus Köln und einem Refugium auf dem Land

    • Bauer Willi sagt

      Lieber Paulus,
      ne, ist nicht diabolisch sondern nur so eine Frage in die Runde. Wir wollen und suchen ja bewusst den Dialog mit “normalen” Menschen, also nicht zwingend mit Bauern 😉 . Relevant ist die Frage deshalb, weil mir bei Diskussionen mit meinen lieben Mitbürgern gerne erklärt wird, dass man “so was doch nicht macht”. Sind aber alles keine Bauern. Wenn es Sie nur peripher tangiert, so sind Sie da schon eine Ausnahme.
      Was die Kartoffeln angeht, so kann ich nur die vom Josef empfehlen. Der praktiziert integrierten Anbau (ist kein Bio) und fährt die sogar nach Köln zum Rewe. Da hat er im Supermarkt selbst einen Stand, das Projekt von Rewe nennt sich “Landmarkt” und ist eine sehr gelungene Sache, weil Josef den Preis für seine Kartoffeln selbst festlegt und Rewe für die Bereitstellung der Infrastruktur 30% nimmt. Also eine faire Sache. Und die Kartoffeln sind saulecker! Ich könnte die “aus der Lameng” (verstehen nur Kölner ;-)) noch viele andere Hofläden oder Verkaufsstellen von Obst und Gemüse nennen, aber das würde hier zu weit führen. Die Landwirtschaftskammer NRW hat aber eine Broschüre herausgegeben, wo die aufgeführt werden.

      Wenn Du aber als verwöhnter Kölner Bürger im Februar Frühkartoffeln haben willst, muss Du die Wasserbomben aus Ägypten kaufen. Ich sach nur: bääh, wat en fieses Zeug.

      Also, Asch huh und geh auf die Suche. Wir Bauern können alles, Du musst Dir nur ein wenig Mühe machen.
      Bauer Willi

      • Paulus sagt

        Lieber Bauer Willi,
        in Köln und Dormagen heißt es nach meinem Kenntnisstand „us de Lameng“.
        Und jetzt noch etwas zum Schmunzeln; ich muss es einfach loswerden:
        Weinprobe bei Meyer-Näkel in Dernau an der Ahr. Es gab u.A. eine Cuvee mit der Bezeichnung „us de la Meng“, was von Meyer-Näkel auch so gemeint war und auch so ausgesprochen wurde.
        An der Kasse zwei extravagant gekleidete Damen. „Wir hätten gerne noch 6 Flaschen von dem „Üh dela Moong“ betont französisch ausgesprochen. Nach ein einigen Irritationen kam von der Kassiererin „ach Sie meinen den us de Lamäng“.
        Und woher kamen die Damen – aus Düsseldorf.

        So, jetzt aber Scherz beiseite. Den Josef, der seine Kartoffeln im Rewe in Köln verkauft, finde ich nicht. Rewe Landmarkt gibt es z.B. in einigen Geschäften im Hochsauerlandkreis aber nicht im Rheinland. Sofern es diese website gestattet, bitte ich Sie um die Kontaktdaten ihres Kollegen, ggf. an meine ihnen bekannte e-Mail Adresse. Bin übrigens keineswegs ein verwöhnter Kölner Bürger sondern kümmere mich im Rahmen meiner Möglichkeiten und mit ganz erheblichem Aufwand um ein kleines ländliches Refugium in einem belgischen Ostkanton.
        Viele Grüße nach Rommerskirchen
        Paul W. Willmes

  3. Paulus sagt

    Lieber Bauer Willi,
    die von Ihnen aufgeführten Werte sind „aus ingenieurmäßiger Sicht“ leider nicht verifizierbar da etliche erforderliche Parameter nicht aufgeführt werden.
    Ich ahne aber worauf Sie hinauswollen.
    Das was auf dem Acker wächst wird nach Ihrer Auffassung im Wert unterschätzt! OK, ich
    sehe es genauso und stimme Ihnen zu.
    Dies liegt allerdings am sogen. Markt der nun mal – anders als zu Urgroßvaters Zeiten – global aufgestellt ist. Als ehemaliger leitender MA des Hauses Pfeifer & Langen dürfte ihnen dies nun wirklich hinreichend bekannt sein.

    Wenn Getreide aus dem eigenen Anbau für euch Landwirte der günstigste Brennstoff ist und dessen Energieausbeute in monetärer Sicht mehr einbringt als der Vertrieb durch eine Agrargenossenschaft, dann verheizt eure Ernte doch in euren Öfen. Die Freiheit habt ihr schließlich. Ich halte dies keineswegs für unmoralisch sondern für kaufmännisch sinnvoll. Sobald die Weizenpreise steigen, werdet ihr schon wieder brav auf Öl und Gas respektive Holzpellets o.Ä. umsteigen. Mich als Verbraucher wird dies allenfalls marginal tangieren.

    Empfehlung: Baut Kartoffeln an die wie Kartoffeln schmecken, dann würde ich gerne auf die angeblichen Bio-Kartoffeln aus Ägypten verzichten. Baut Gemüse an das wie Gemüse schmeckt und nicht unmittelbar neben einer Autobahn angebaut wird. Bringt uns Radieschen zurück die wie Radieschen schmecken. Bringt uns Zuckererbsen zurück, aber nicht die sogen. Zuckerschoten aus Kenia. Bringt uns geschmacksvolle und weitgehend unbelastete Nahrungsmittel zurück. Erst dann haben die Bauern wieder eine Existenzberechtigung.

    • Ich seh das so sagt

      Kannst uns ja mal dabei helfen, daß auf den Autobahnen keine Autos mehr fahren, die es uns – deiner Auffassung nach – nicht ermöglichen auf den nebengelegenen Feldern ein dir gefälliges Gemüse anzudienen.
      Solltest du das nicht können (oder vermutlich wollen), würde ich dir aber dann trotzdem nicht deine Existenzberechtigung absprechen.

      • Paulus sagt

        Ich habe es selbstredend etwas überspitzt ausgedrückt. Bin allerdings sehr skeptisch, wenn mir von einem Biohof z.B. in Bornheim, sogen. Biogemüse angeboten wird das 20m neben der vielbefahrenen Autobahn Köln/Bonn gewachsen ist.
        Mein Wunsch geht allerdings mehr dahin, dass alte geschmackvolle Sorten wieder angebaut werden sollten. Ich denke da nur mal an die Kartoffelsorte Linda. Das geht aber nun mal nicht ohne die Erzeuger auf dem Acker; egal ob Bauern oder Gärtner.
        Das Thema ist aber eigentlich ein Anders; ich habe davon abgelenkt. Sorry!

        • Andreas Schmid sagt

          Bei den Tomaten gibt es richtig tolle geschmackvolle. Nur, dass das keine alten sondern neue Sorten sind.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Mindestens 50 Sorten habe ich schon ausprobiert,

            die Sorte Matina ist mir am liebsten, was Geschmack und Braunfäule betrifft.

    • Stadtmensch sagt

      Da habt ihrs Bauern: Der geistige Riese Paulus hats profund deduziert. Eure Existenz hängt am seiden Faden, weil ihr die Ratio des automatischen Subjekts immer noch nicht verinnerlicht habt. Außerdem fehlen bei der Preisliste noch Parameter (also die Koeffizienten der Matrix vorm Lösungsvektor oder so).

      • Bauer Willi sagt

        Hallo Stadtmensch
        Über die Koeffizienten der Matrix vorm Lösungsvektor wollte ich nächste Woche einen Artikel schreiben. Aber vielleicht kannst Du das doch besser. Wirst Du mir helfen?
        Bauer Willi

        • Stadtmensch sagt

          Ja Bauer Willi, ich habe Ironiemarken vergessen. Ansonsten überlege ich auch schon, wie man Ethik, Moral und Ökonomie in eine analytische Form packen kann 😉
          Meiner Meinung nach sind Ethik und Moral nicht analytisch darstellbar (eventuell über den Endorphingehalt in uns Zellhaufen die wir nach den Regeln der Ökonomie leben)
          Ökonomie ist aber auch eine Sozialwissenschaft. Die BWL- und VWLer “tapezieren” ihre Räume nur so gerne mit “harter\wertfreier” Wissenschaft.
          Ich befürchte, außer dich hin und wieder in Depressionen zu stürzen, bin zu nichts zu gebrauchen. Aber Illusionslosigkeit verschafft angeblich einen klaren Blick…

          • Bauer Willi sagt

            Stadtmensch,
            geht schon in Ordnung. Wir brauchen hier auch ein paar Quertreiber, die uns Bauern hin und wieder das Gehirn durchpusten. Weiß jetzt nicht, wie ich darauf komme, aber wahrscheinlich wegen des Begriff Sozialwissenschaften. Alfred Nobel wurde gefragt, warum er keinen Nobelpreis für Mathematik ausgelobt hat. Seine Antwort “Den soll es nur für nützlichen Wissenschaften geben”. (Ich war in Mathe nie gut) 🙂
            Bauer Willi

    • Brötchen sagt

      Radischen 100er Bund 22 Euro. Kopfsalat 100 Stck. 26 Euro. Poree 100 kg 66 Euro. Tomaten 100 kg ugw. Rispe tätig 139 Euro. Mich würde mal interessieren, was das für ein Berg Kisten sind 100 kg Tomaten.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      “Empfehlung: Baut Kartoffeln an die wie Kartoffeln schmecken, dann würde ich gerne auf die angeblichen Bio-Kartoffeln aus Ägypten verzichten. Baut Gemüse an das wie Gemüse schmeckt und nicht unmittelbar neben einer Autobahn angebaut wird. Bringt uns Radieschen zurück die wie Radieschen schmecken. Bringt uns Zuckererbsen zurück, aber nicht die sogen. Zuckerschoten aus Kenia. Bringt uns geschmacksvolle und weitgehend unbelastete Nahrungsmittel zurück. Erst dann haben die Bauern wieder eine Existenzberechtigung.”

      Kann mich noch Gut an die Zeit erinnern, wo in den Gärten der Wohnhäuser das Gemüse selbst angebaut wurde.

      Heutzutage sieht man Rasen und neuerdings Schotter, den man sonst nur bei der Bahn sieht.

      Offensichtlich ist man mit der Qualität zufrieden, das die Discounter verkaufen, günstig ist es ja.

      Ich kenne den Unterschied von gekauften Kartoffeln und meinen eigenen, meine eigenen lasse ich lieber etwas hungern, das bringt Qualität, aber auch nur die halbe Ernte. Diesen Luxus kann man bei den Preisen die der Handel bezahlt, nicht verlangen. Kein Gemüsebauer bringt noch Geld für seine Arbeit, sie auch nicht.

      Genau so mache ich es bei Radieschen, Tomaten, Gurken, Bohnen, Zwiebeln kaufe ich am Bodensee, die Höri Bülle. Die sind aber gesalzen (teuer) meinte meine Schwiegermutter, die nur die ALDI Preise kennt.

      Ein leben lang, habe ich mich mit Zwetschgen beschäftigt, die schmackhaftesten wachsen an hohen Bäumen, die alle mit Leiten gepflückt werden mussten, der Handel lobte zwar die Qualität, bezahlte keinen Pfennig mehr, als für Massenträger.

      Glauben sie ein Obstbauer behält die schmackhaften Sorten, wenn er mit diesen nichts mehr verdient?

      Meine Empfehlung:
      Geht zu Hofläden und bezahlt für Qualität einen gerechten Preis, dann bekommt ihr sie auch zu kaufen.

      Zum letzten Satz, wer den Bauern die Existenzberechtigung absprechen will, soll seine Lebensmittel selbst anbauen, dann ist er auch einer von denen, die ihrer Meinung nach keine Existenzberechtigung hat.

      • Brötchen sagt

        Desderwegen haben ich die Preise mal aufgeschrieben ehemaliger LW, selbst das doppelte ist eigentlich noch zu billig. Kann Deine Einschätzung bezüglich der Gartengestaltung auch unterschreiben! Ich kaufe Futterkartoffeln, die sind eigentlich zu schade für die Hühner, meiner eigenen esse ich auch lieber selber, die schmecken lecker! Ich hatte die mal auch eine bekannte Veganerin verschenkt, die wußte aber nichts mit dem Mangold anzufangen, der dabei war. Esse ich lieber selber oder häcksle es für die Hühner, die wissen es zu schätzen.

  4. Thomas Michel sagt

    Ich habe keine ethischen Probleme mit dem verfeuern von Getreide. Getreide ist Energie nichts weiter, den Hungernden in der 3. Welt nutzt ein volles Getreidelager in Deutschland nur bedingt. Da die Versorgung von Hungernden meist aus der Region erfolgt zB aus Nachbarländern. Hier ist Geld von Nöten.
    Ich verbrenne Gerste da Weizen Zuviel Chlor enthält.

  5. Hartmut Keller sagt

    Gab es früher auch schon die Diskussion? Bis zu ein Drittel der Fläche wurde doch zur Treibstoffproduktion gebraucht. Hafer für die Zugpferde!

    • Man muss ja nicht immer die Extreme bemühen. Vielleicht wäre es für die Erzeugerpreise schon hilfreich, wenn nur ein paar Prozent der Überschussproduktion in die Direktverbrennung gingen. Dürfte ökologisch sogar sinnvoller sein als z. B. Biogasverstromung. Verstromung ist nicht nachhaltig, auch wenn sie biologisch verbrämt wird. Irgendwann wird hier aber die Protektionismus-Debatte losgehen müssen, weil ja heute kein Land mehr volkswirtschaftlich für sich allein entscheiden darf, es sei denn, es ist eine Supermacht…

  6. Friedrich sagt

    Einige meiner Schweinehalterkollegen haben eine Holzhackschnitzelheizung. Bei reinem
    Getreideeinsatz gibt es lt. deren Aussagen Probleme mit der Schlacke. Alle waren sich aber
    einig, daß Gerste am einfachsten für die Verbrennung geeeignet ist. So wird je nach Wirtschaftlichkeit (Gersten-od. Hackschnitzelpreis) immer mehr oder weniger Getreide zugemischt. Bevor man etwas investiert, sollte immer die Solar- und PV-Energieproduktion geprüft werden. Auch LED-Lampen oder Steuerungstechnik bringen bei kleiner Investitionssumme schnelles Geld. In Tierställen mit viel Verbrauch ganz schnelles Geld. Bei
    Wohnhäusern ist immer zwischen Isolierungskosten und Heizkosten genau zu kalkulieren.
    Mit den heutigen Vorschriften bei Neubauten ist die Isolierung immer unwirtschaftlich, weil ideologisch geprägt. Mit Solar und PV ist bei kleinerer Investition mehr für die Umwelt und den Geldbeutel mehr zu erreichen.

    • Bauer Willi sagt

      Solar und PV ist auf unseren Gebäuden nicht erlaubt., Denkmalschutz. Auf die Wiese geht auch nicht, Landschaftsschutz. Ist das nicht toll? Ich werde nur noch beschützt…
      Bauer Willi

  7. Hans B sagt

    Ethik? Moral? was ist das? kann man das Kaufen? hat man vom Konsumieren ein positives Gefühl?
    Kann man Ethik und Moral finanziell bewerten?

    M. M. ist die Landwirtschaft von Politik und Verbraucher aufgefordert sich dem Markt anzupassen. Nach Möglichkeit auf Zuschüsse als Erschwernissausgleich wegen ungleicher Produktionsbedingungen (Subventionen) zu verzichten
    D. h. aber gleichzeitig das die Ldw in jeden Wirtschaftsbereich hineindrängen kann und DARF.
    Als umgekehrtes Beispiel gilt der Analog Käse als echtes Chemie Produkt
    Vor drei/vier Jahren ging ein Aufschrei durch die Verbraucherwelt weil billiger Käse ohne Milch als AnalogKäse angeboten wurde.
    Heute wird dieser Analog Käse zum vier bis fünffachen Preis des echtes Käses als Vegan Käse verkauft …. inhaltlich kein Unterschied, nur die Bezeichnung. …. und die Leute kaufen den auch noch mit einem guten Gefühl!!!

    Wieso soll die Ldw nicht genau dieselben Werkzeuge nutzen dürfen?
    Konventioneller Weizen der mit Fusarien belastet ist, gilt als Abfall und darf offiziell nicht in NaWaRo BGA genutzt werden. Deklariert der Ldw diese Partie vor der Untersuchung als NaWaRo Weizen, darf er in die BGA weils NaWaRo und kein Abfall ist
    Aus BioAnbau stammendes Getreide BRAUCHT nicht auf Fusarien untersucht werden weil es per Gesetz Gesund ist
    D. h. zwei Partien mit denselben Inhaltsstoffen gelten aufgrund der Herkunft einmal als Abfall und einmal als Nahrungsmittel ….

    Wir sollten uns mal darauf einigen was wir von der Landwirtschaft erwarten! Qualitativ hochwertige Produkte gibt es nun mal nicht zum Discountpreis …
    Möchte der deutsche Verbraucher die Landschaft, das Landschaftsbild, die Umwelt so erhalten wie sie ist? …. dann muß er für die rhaltung bezahlen, egal ob an Nahrungsmittel oder Energie

    Übrigens hat die Landwirtschaft vor gut 150 Jahren ca. 35 bis 50 % der geernteten Produkte für den Selbsterhalt gebraucht ….

  8. Landwirtschaft ist Sonnenenergie in der Urform der Photosynthese. Durch Einsatz von Fremdenergie lassen sich die Erträge steigern. Eigentlich müsste Landwirtschaft als nachhaltige Energiegewinnung mit jeder anderen Art von Energiegewinnung konkurrieren. Stattdessen ist Landwirtschaft heute von konkurrierenden Energieformen abhängig. Kein Geschäftsmann würde sich von seinem Konkurrenten abhängig machen. Wenn Energie aus anderen Quellen billig ist – weil z. B. alle Ölförderländer unter Verkaufsdruck stehen – wird die von der Landwirtschaft veredelte Sonnenenergie wegen dieser Abhängigkeit besonders billig.
    Dieses “System” wird die Natur erst ändern, wenn die billigen Energiequellen erschöpft sind. Das kann noch ein paar Jahrzehnte dauern. Alle Wege politisch verordneter Gerechtigkeit führen leider zu nordkoreanischen Verhältnissen, fürchte ich.

        • Brötchen sagt

          Nein, ich habe in einem planwirtschaftlichen System gelebt und möchte das nie wieder erleben. Heute kommen mir aber viele Sachen sehr bekannt vor!
          Was ich heute als Problem ansehen, es werden hart erarbeitete Ressourcen mit einem Handstreich vernichtet und das müßte nicht sein, wenn man ein wenig besser volkswirtschaftlich!!!! planen würde. In meinen Augen findet das nicht statt! Alle großen Weltmächte machen das, auch die USA! Weil vieles hat auch mit Macht zu tun!

          • 100%ig einverstanden. Übrigens bin ich der Meinung, dass Willi den Weizen verheizen sollte, aus folgenden Gründen:

            Die Energiebilanz der eigenen Weizenerzeugung ist wahrscheinlich besser als die von Pellets industrieller Herkunft und Öl ist sowieso nicht nachhaltig. Also spricht ökologisch alles für Weizenverbrennung.

            Ökonomisch und ethisch täte er den Weizenproduzenten einen Gefallen, denn wenn jeder seinen Weizen verheizen würde, würde weniger auf den Weltmarkt drücken und vielleicht könnten dann mal die Preise steigen…
            Aber pervers ist es trotzdem.

  9. Ehemaliger Landwirt sagt

    Als vor 20 Jahren der Schornsteinfeger den weiteren Betrieb meines Holzkessel untersagte, baute ich einen neuen Scheitkessel ein. Eine Hackschnitzelanlage nebst einem Bunker war mir zu teuer, mit der jetzigen Anlage könnte ich eh kein Weizen verbrennen.

    Um auf die Frage der Ethik zu kommen,

    wenn unsere Gesellschaft bereit ist, für Energie mehr zu bezahlen, als für Energie, dann läuft was falsch in unserer Gesellschaft.

    Anders gesagt, es soll keiner den moralischen Finger erheben, gegen den der Weizen verheizt.

  10. Brötchen sagt

    Noch mal ein paar Preise ins “Feuer” meine Mutter zahlt 40 Cent je kwh/ strom. Für ein Sack futterweizen bezahle ich bei der AG 16 Euro je 50 kg beim FutterHändler 12 Euro für 25 kg für meine Hühner. Ein BioBetrieb mit recht viel fläche und schlechter bwz hat nicht genug Weizen, bei ihm reicht es gerade für die Jungtiere, der kalkuliert mit 35 Euro, Erbse kostet ca. 45 Euro, SojaKuchen ca. 950 Euro, Bier Hefe 1200, Milchpulver ca. 1600 euro (ist aber schwer zu bekommen).

  11. Christian Loidl sagt

    Ich habe ein ähnliches Problem, eine neue Heizung wird fällig, nur welche?
    Da wir 20ha Wald bewirtschaften wäre natürlich eine Scheit oder Hackschnitzelanlage naheliegend. Scheit haben wir bisher, macht viel Arbeit.
    Für eine Hackschnitzelanlage habe ich in den bestehenden Gebäuden keinen Platz, also müsste extra etwas dafür gebaut werden, da werden 50.000€ nicht reichen.
    Ein passender Ölofen würde mit Tanks usw…deutlich unter 10.000€ liegen, bei Gas ähnlich.
    Einerseits tendieren wir zu Öl, andererseits geht es mir gegen den Strich, Öl zu kaufen, wenn mehr als genügend Holz vor der Haustür ist.

    • Brötchen sagt

      Ich würde Öl so lassen und extra heizkamine mit heissluftVerteilung bzw. Rücklaufanhebung einbauen.

    • Andreas Schmid sagt

      Scheitholz darfst du nur im Wald und vor dem Ofen in die Hand nehmen. Alles andere macht zuviel Arbeit.

    • Thomas Michel sagt

      Ich habe einen gebrauchten Überseecontainer in den Garten gestellt ein Silo nebendran.
      Die Heizung inclusive Puffer wurden im Container installiert. Mit einer Fernwärme Leitung wurden Wohnhaus und Betriebsgebäude angeschlossen. Die Investitionen hielten sich in Grenzen.

      • Claus-Philipp sagt

        Meine Frau würd mir was erzählen, wenn ich einen Überseecontainer in den Garten stelle!!

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          So was könnte ein Sexstreik auslösen, das Risiko würde ich nicht eingehen. 😉 🙂

  12. Biobauer Andreas Fendt sagt

    1) kann Dein Pelletskessel vermutlich gar kein Getreide heizen, wegen höherem Zündpunkt und Schlackenbildung, oder hast Du, wie ich, einen Guntamatik Powercorn der Pellets und Getreide kann?
    2) Darf nur der Landwirt überhaupt legal mit Getreide heizen, sein Kessel muss 75 mg/cbm Feinstaub unterschreiten (bei Stückholz sind das 150 mg / cbm) An einem halben Tag Mähdrescherfahren erzeuge ich mehr Feinstaub wie mit ganzem Winter heizen
    3) Wer heizt mit Brotweizen? War nicht neulich das Gejammer von Brotweizen gesät und minderwertigen Futterweizen geerntet? Was kann man mit Ausputz, verpilzten oder verkäferten Partien sinnvolleres machen als heizen?
    4) Ich könnte mit 3 Tonnen Getreide mein Zweifamilienhaus das Ganze Jahr heizen, dank thermosolarer Heizungsunterstützung) Das kippt mein Nachbar JEDE Woche in seine Biogasanlage, wo bleibt da eigentlich die Ethik? (Ps der nutzt nicht mal die Abwärme!)
    5) Aus ethischen Gründen heize ich mit Holzpellets, aber auch weil z.B. das Heizen von Dinkelspelz (der bei mir tonnenweise anfällt) mühsam ist, weil es 100 mal soviel Asche wie Holz ergibt. Also wird mit Spelz eingestreut und dafür Stroh verkauft und vom Erlös kauf ich Holzpellets.

    • jochen böhrer sagt

      Wer als Landwirt beispielsweise 100 Tonnen Brotweizen zum Verkaufen einlagert und 5 Tonnen braucht, um das Wohnhaus zu heizen, wird da wohl nicht ein extra Lager bauen und Extra C-Weizen dafür anbauen. Wer Getreide zum Verbrennen kauft, wird wohl schauen,m dass er günstig an nicht backfähige Partien kommt. Oder Triticale.

      • Biobauer Andreas Fendt sagt

        so ist es, ich hätte Tonnen Getreide mit Schwarzbeinigkeit oder war es Getreidebrand umsonst haben können! ich werd nen Teufel tun und mir damit meine Silo´s kontaminieren. Beim Roggenreinigen fällt z:b. kleinkorn an, das nicht mal die Nachbars Bio-Hühner fressen, das taugt gut zum heizen

        Wer 100 Tonnen Brotweizen an die Genossenschaft liefert wird dort sicher gerne 5 Tonnen Ausputz/Güssel wieder umsonst mit nach Hause nehmen können

        • jochen böhrer sagt

          Das kann man nicht immer zurücknehmen.. und oft wird der Weizen mit dem LKW vom Hof geholt. Es war vermutlich Getreidebrand.. das gehört zum Biorisiko und Nachbaurisiko. Ihn zu riskieren ist unethischer als Getreide verbrennen.

          • Biobauer Andreas Fendt sagt

            Dann wars kein Getreidebrand, denn es war eine konventionelle Partie, die man mir zum heizen schenken wollte. ich habe das auch nicht gemacht um bei der Biokontrolle dumme Fragen beantworten zu müssen.

            Die 100 To passen ja kaum auf einen LKW, also wird der von der Mühle ein paar Mal zum Hof und zurück fahren

            • jochen böhrer sagt

              Es gibt auch bei den konventionellen welche, die das Nachbaudogma vertreten und sich dann auch noch eine wirksame Beize einsparen wollen.. Und den Spediteur, der eine solche Rückfracht macht, findest bei uns nicht.. Geschweige denn die Mühle, die einem Spediteur 5 Tonnen Sortierweizen lädt..

    • Bauer Willi sagt

      Hallo Andreas
      Wir haben beim Kauf unseres Pelletkessel die Option der Getreideverbrennung von vornherein ausgeschlossen. Vor allem wegen der Verschlackung, denn das Problem scheint nicht wirklich gelöst zu sein. Gleiches mit Feinstaub und anderen Emissionen. Thermosolare Wärmeunterstützung hätten wir gerne gemacht, aber wegen Denkmalschutz nicht genehmigt bekommen. Außenisolierung ist deshalb auch nicht erlaubt, eine Innenisolierung hat nicht den gleichen Effekt. Wenn man also ein altes Haus mit Denkmalschutz hat, muss man mehr heizen. Tolle Logik, oder?
      Aber darum geht es auch nicht. Es geht um die Wertigkeit von Getreide, und dass es mir mehr bringt, wenn ich es verheizen würde. Ich habe deshalb auch ein Problem mit Biogasanlagen, die nur auf die Verwendung von potentiellen Lebensmitteln setzen.
      Bauer Willi

      • Biobauer Andreas Fendt sagt

        mein Powercorn läuft bzgl Verschlackung dank beweglichem Rost und Zusatz von Kalk auch mit Getreide problemlos und ist m.W. der einzige, der in der Prüfung die 75 mg geschafft hat. Dennoch musste ich mir für 250 Euro beim Landratsamt eine individuelle Genehmigung zum Getreideverbrennen kaufen, auch tolle Logik oder?

        Ich wollte mich eben nach den Ölscheichs nicht gleich wieder abhängig machen, von den Oligopolisten der Pelletsindustrie. Wenn man sieht, daß die billigsten Pellets aus den Urwäldern Rußlands aus illegaler Abholzung stammen ist das auch pervers!

        Versuche mit eigener Pelletspresse aus Kleie, Sägmehl und Dinkelspelz selbst was zu pressen gingen im 1. Durchgang schief, danach hatte ich keine Lust mehr, wer also eine Pelletspresse kaufen möchte….

        • jochen böhrer sagt

          rechne mal aus, was dem Staat durch deine Heizung an Energiesteuer und Mehrwertsteuer fehlt.. und gönn ihm die 250 Mäuse.

          • Biobauer Andreas Fendt sagt

            naja der Powercorn hat ja das doppelte eines normalen Pelletskessel gekostet und an den Mehrkosten hatte der Staat 19%, also ich gönn ihm das ja auch, obwohl, wenn er es dann wieder an Umweltsünder unter den Bauern als Subventionen verschenkt, statt Schulen zu renovieren, dann irgendwie auch wieder nicht.

  13. jochen böhrer sagt

    Natürlich darf man das denken. Ich finde da überhaupt nichts Verwerfliches dabei. Nur Dein Ofen wird nicht dafür eingerichtet und zugelassen sein. Das Problem sind die Stickoxide, für die Du einen Filter haben solltest und die Verschlackung. Wenn Weizen energetisch verwerten, dann über die Verspritung (Ethanol) . Dann bleibt der Stickstoff in der Schlempe als wertvolles Viehfutter übrig. Was das Ganze mit “Ethik” zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Da ist es wesentlich unethischer, Landwirtschaftsformen zu fordern und zu praktizieren, bei denen man die Früchte des Feldes der Gefahr der Verunkrautung, Verpilzung oder des Insektenfrasses aussetzt und dann auf die heutigen Möglichkeiten verzichtet, das zu verhindern. Einfachste Fungizide und moderne Ausbringtechnik incl. der Schulung der Anwender würden beispielsweise in Afrika mehr Weizen vor dem ugandischen Schwarzrost retten, als man hierzulande verbrennen könnte.

    • jochen böhrer sagt

      Eines darf man aber bei der Rechnung nicht vergessen: Holzpellets und Weizen als Heizstoffe sind von der Energiesteuer befreit und damit vom Staat gefördert. Ansonsten wär das Holz so teuer wie Heizöl.

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