Bauer Willi
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Erwartungen eines Junglandwirts

Diesen Text hat mir ein junges Mitglied des DBV zugeschickt mit der Bitte um Veröffentlichung. Dieser Bitte komme ich gerne nach.

Erwartungen eines Junglandwirts an den DBV, speziell an Herrn Rukwied

 

Es sind jetzt ca. 2 Wochen her, dass Sie, Herr Rukwied, als DBV Präsident mit 81% wiedergewählt wurde. 

 

2012 wurden Sie mit großen Erwartungen mit 95% zum ersten Mal ins Amt gewählt. Was für ein toller Wert. Zu diesen Zeitpunkt haben Sie den Ausschuss Öffentlichkeitsarbeit geleitet. Ich habe mit Ihrer Wahl die Hoffnung verknüpft, das der DBV endlich versteht, dass das zentrale Thema für die nächsten Jahre die Öffentlichkeitsarbeit ist. Diese Hoffnung habe ich schnell begraben.

 

2016 war Ihr Ergebnis mit 88% der Delegiertenstimmen noch solide. Die jetzigen 81% sollten Ihnen zu denken geben. Schwindet das Vertrauen in Sie? Mag niemand aus Ihrem Umfeld Ihnen diese unbequeme Wahrheit sagen? 

 

Wer den Ton der Basis nicht trifft oder falsch interpretiert, muss sich über seinen Niedergang nicht wundern. Wie schnell dies gehen kann, sieht man an den „Volksparteien“ CDU und SPD: Es ist die Führung, auf die alle blicken und den Ärger der Mitglieder bekommen die Regional-  und Ortsverbände ab. 

 

 

Wie Sie sicher den Zeilen bisher entnommen haben bin ich keiner Ihrer Befürworter, möchte Ihnen aber eingestehen, dass mir die Rede auf dem Bauerntag gefallen hat. Die Rede war kämpferisch, eigene Erfolge wurden herausgestellt, sollten Mut machen und war geprägt von Selbstkritik.

 

Für alle, die die ca. einstündige Rede nicht gesehen haben: Bauerntag 2020 in Erfurt 

 

Aber was bleibt jetzt? Was ändert sich? 

 

Reformen oder Änderungen haben Sie keine genannt oder angekündigt. Es waren nur Appelle, dass der DBV jünger und weiblicher werden soll. Aber wo sind diese jungen Wilden und weiblichen Idole?

 

Gefühlt sind Sie wieder im Tagesgeschäft angekommen. Wahl abgehakt. Folgt jetzt ein bissel Kosmetik in der Arbeitsweise und alles bleibt wie es ist? Oder täusche ich mich da? 

 

Aus meiner Sicht (und vielen Gesprächen mit der Basis) sind folgende Änderungen/Reformen notwendig: 

 

1. Um das Amt des DBV Präsident kann sich jedes Vorstandsmitglied einer Ortsgruppe oder Kreises bewerben 

 

2. Es wird eine Limitierung der Ämter beschlossen, die  die Mitglieder des DBV-Vorstands annehmen dürfen

 

3. Die interne Kommunikation muss verbessert werden. Hier sollten neue Wege gegangen werden z.B. regelmäßigen Interviews mit Agrarbloggern zu verschiedenen Themen, Projektarbeit nutzen (Blogger, Influencer in die Öffentlichkeitsarbeit frühzeitig einbeziehen bzw. fragen, ob eine Zusammenarbeit infrage kommt)

 

4. Frauen in die Vorstände! (Kreis-, Landes-, Bundesvorstand). Warum passiert da nichts? Blockieren Sie etwa?

 

5. Verjüngung der gesamten Organisation (Es wurde der „alte“ Vorstand neu bestätigt) Meinen Sie das ernst mit der Verjüngung?

 

Ich, und mit mir viele junge Landwirt*innen erwarten von Ihnen und Ihrem Team in den nächsten 6 Monaten eine Antwort.

 

Wir brauchen einen starken DBV! Stellen Sie hierfür bitte die Weichen! Wir nehmen Sie beim Wort. Beim nächsten Bauerntag wollen wir Ergebnisse sehen. Und in 12 Monaten kann man sehr viel erreichen.

Rene Rempt

(Gastbeiträge stellen die Meinung des Autor dar)

(Aufrufe 2.086 gesamt, 1 heute)

30 Kommentare

  1. Ottmar Ilchmann sagt

    Zum Glück gibt es mehrere gute andere Verbände, die wirklich die Bäuerinnen und Bauern vertreten. Wozu sich also mit der Reformierung des DBV aufhalten?

    • Thomas Apfel sagt

      Die anderen “Guten Verbände” Herr Ilchmann sind samt und sonders Partikularinteressenvertreter und damit Spalter, die sich von der Politik und den Medien auch genau dafür nutzen lassen. Die sehr unterschiedlichen Interessen, die durch den DBV untereinen Hut gebracht werden müssen, führen zu dem medial verzerrten Bild der Aktivitäten. Es sollte beim DBV mit jungen Leuten eine neue Medienabteilung aufgebaut werden, am besten zusammen mit Leuten aus LsV. Die jungen Leute können mediale Darstellung i.d.R. besser als wir “alten Knacker”.

  2. Ostbauer sagt

    Ich glaub ich bin hier im falschem Film.
    Sich jetzt hinstellen und die offiziellen Vertreter der Landwirtschaft niedermachen ist für mich unterste Schublade!
    Jeder, der es meint besser zu können, kann sich in den entsprechenden Gremien zur Wahl stellen. Leider sieht es in der Realität so aus, dass alle meckern, aber kaum einer Verantwortung übernehmen will.
    Die Probleme sind ja hier kurz und knapp angerissen worden: Auf Kreisebene gut, im Land geht es auch noch so – aber auf Bundesebene ganz” schlimm”.
    Tja:” Wat dem eenen sien Uhl, ist dem Annern sien Nachtigall”. So vielfälltig die Landwirtschaft in Deutschland ist, so vielfälltig sind auch die Probleme. Da muss man als DBV schon mal das Ganze im Blick haben.
    Sicher sind auch gravierende Fehler gemacht worden; zB. vorauseilender Gehorsam gegenüber Politik oder bestimmten NGO`s oder das eiserne Festhalten an “Der Markt regelt das schon” oder “Wir sind die Gewinner der Globalisierung”.
    Sicher kann und muss man sich vielleicht neu aufstellen, aber eine Struktur zu zerschlagen ehe eine Neue schlagkräftig aufgestellt ist; nee!
    Wir wären nicht besser als Diejenigen denen wir zurecht vorwerfen so zu handeln.
    Deshalb – Leute die neue Ideen und Visionen haben – rein in die Verbände. Meine Unterstützung habt Ihr!

    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Ostbauer, deiner Meinung kann ich mich anschließen.
      Vorher erst die Bedingungen für einen Neuafbau schaffen und nicht gleich immer alles zerschlagen.

  3. Friedrich sagt

    Wenn ich nicht so gute Leute vom DBV hier in der Kreisverbandszentrale hätte , dann müßte man aus dem Schlafmützenverein DBV in Berlin aussteigen und eine neue Bundesorganisation gründen. Auch müßen wir Mitglieder mehr Einfluß auf die Wahl haben. So wird doch der Vorsitzende ausgekungelt .

  4. Bauherr sagt

    Ist nicht glaubwürdig und ein interner Schaukampf/Kämpfchen.
    Der DBV braucht keine Bauern und denkende Bauern brauchen den DBV nicht.
    Wie armselig hier eine Abhängigkeit zu suggerieren…

    • Reinhard Seevers sagt

      Dem kann ich etwas abgewinnen Bauherr. Ich denke auch, dass der Bauernverband als nationale Vertretung aller, ausgedient hat. Vielleicht wäre eine Produktions bezogene Vertretung auf Landesebene besser. Wenn man sieht, dass in Niedersachsen bereits seit 2007 eine Leitlinie “Milchkuhhaltung” als Maßstab für Stallhaltung und seit 2017 eine für die Rindermast die Landwirte einengt, dann fragt man sich, wozu hat es den DBV gegeben. Hier stehen Bauern innerhalb des Landes in einem unfairen aber gewollten Wettbewerb. Da hat der DBV sich gaaaanz leise verhalten, damit Kollegen keinen Nachteil aus dem Vorpreschen von Kollegen hatten.

      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        …letztere effiziente Datensammelwerke – ein Schelm der Böses dabei denken möge! 😉

  5. bäuerin sagt

    Wichtig , kein Politiker mehr in irgendwelchen Konzernen Nebenjobs …so sollte dem Einfluss der Industrie Vorhalt geboten werden …
    Ein Politiker sollte sich frei und unabhängig für sein Amt einsetzen , einzig ..Debatten und Meinungsaustausch mit Betroffenen

    • Reinhard Seevers sagt

      Die DBV – Vertreter sind aber keine Politiker…..
      Die Vorstände des Industrieverbandes z.B. sind allesamt aktiv in Firmen tätig.
      Mir wären ideologisch geprägte (Mitglieder in NGOs) dann ebenso suspekt.

  6. Rudolf Nattebrede sagt

    Entspricht meiner Meinung.
    Zur Verjüngung und mehr Frauen im DBV, dass geht nur bei einem anderen Wahlverfahren, denn bis man oben angekommen ist, ist man ca 60 Jahre alt.
    Zur Reduzierung der Posten inder Industrie und Handel des DBV-Spitze, muss dieses gegen Null gehen, da man bei Annahme der Postens unterschreibt diesen Unternehmen nicht zu schaden.
    Die Kritik das man nichts hört vom DBV stimmt nicht, aber neues kommt nicht, die Arbeit geht in gewohnten Bahnen weiter.
    PUNKTE DIE JETZT BEARBEITEN WERDEN MÜSSEN SIND:
    DER SCHWEINESTAU (AUCH DIE SCHLACHTER WOLLEN NICHT ANDERS, 1,27 € rechnet sich besser als 2,08 €)
    Wo bleibt der Ausgleich des Preisverfall durch den Lockdowns, 60,00€ / Mastschwein, wir konnten nicht in den Lockdown oder in die Kurzarbeit.

    • Karl Timme sagt

      Rudolf Nattebred, die Jobs in den nachgelagerten Bereichen sichern eine gewisse Einflußnahme und Aufwandsentschädigung, die der DBV nicht leisten kann. Stünden mehr Ehrenamtliche zur Verfügung ließe sich dieses sicherlich aufteilen.
      In Niedersachsen werden Schulungen in Öffentlichkeitsarbeit für junge Landwirte angeboten, viele der Teilnehmer sind in den sozialen Medien unterwegs.
      Bei einer Mitgliederstruktur in der die aktiven Landwirte die absolute Minderheit bilden hat das bisherige Wahlverfahren davor geschütz das nicht Landwirte in den Vorständen erscheinen. Die Wahlen lassen sich so besser steuern, 1. Vorsitzende aus Bayern, Stellvertreter Nds oder SH.

      • Reinhard Seevers sagt

        Wäre doch mal schön zu hören, wie ein junger Mecklenburger und ein junger Bayer sich die Perspektive der Zukunft vorstellen….ich glaube, dass die Unterschiede innerhalb der Branche so groß sind, dass vor allen Entscheidungen für eine Vertretung ein gemeinsames Ziel formuliert werden muss, mit dem man in die Öffentlichkeit tritt. Sonst kommt aus dem Süden ein anderes Signal, als aus dem Norden, das wäre für die Medienarbeit ein Desaster.
        Und an der Formulierung eines nationalen landw. Zieles, verständlich für alle, daran hapert es m.Ea.
        Fängt beim bäuerlichen Betrieb an und endet an der Definition Massentierhaltung….
        Nicht umsonst gibt es seit Jahren Blockaden in der Umsetzung z.B. emissionsarmer Ausbringtechniken etc. In einigen Bundesländern tägliche Normalität, in anderen Teufelszeug. Muss man drüber sprechen.

        • Karl Timme sagt

          Volle Zustimmung! Ist die Ursache des geschwurbels auf Bundesebene. Abhilfe könnten nur starke Länderverbände herbeiführen, wir sind doch föderal warum nicht auch in der Landwirtschaft?

  7. bauerhans sagt

    wir haben hier gerade einen neuen Kreislandwirt gewählt und ich bin sehr entäuscht.
    ich hatte nur jüngere,die besonders aktiv in der öffentlichkeitsarbeit sind, vorgeschlagen,aber keine/keiner von denen wollte sich wählen lassen.

    • Karl Timme sagt

      Bei uns wird gerade der Aufstand geprobt. Traditionell wird der Kreisvorsitzende zum Kreislandwirt gewählt. Vorschlag: der jüngere Stellvertreter soll gewählt werden (2021)

  8. firedragon sagt

    Anmerkung zu Pkt.4
    Ein Bspl. aus unserem OV, wir haben gerade mal so viele Mitglieder, um die Posten bedienen zu können und auch nur, weil noch zwei Ehepartner mitverwendet werden und das ist auch nur möglich, weil intern geduldet (es ginge sonst nicht).
    Es müsste eventuell in den Satzungen geändert werden, dass auch mitarbeitende Ehepartner Rechte und Pflichten erfüllen dürfen und ganz regulär Posten besetzen dürfen (m/w/d, ganz egal, ich will das nicht unbedingt an Frauen festmachen).
    Vielleicht tut es dem DBV gut, fachfremdes “Personal” zu zulassen, die bringen die Sicht von Aussen mit rein – so ähnlich, wie’s Paulus hier macht. Es ist schon gut, wenn man in seinem Trott, gelegentlich mal auf die Füße getreten bekommt.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Drachen,
      als ich den Ortsvorsitz abgab, waren wir 74 Mitglieder und die komnnten in Etwa gehalten werden.
      Aber die Leute zu finden, die sich im Vorstand engagieren, ist auch ein Problem.
      Die Nachbargemeinde, Teil unseres Ortes konnten keinen Finden, somit kann unserer Vorsitzender über 140 Mitglieder zählen.
      Die hohe Zahl kommt durch die vielen Nebenerwerbswinzer und Obstbauern.

      • firedragon sagt

        Wir sind elf Betriebe, die im Verband sind. Davon noch acht Vollerwerb, davon vier mit LW, aber alle mit Weinbau. Ehemaliger, bei den “Wahlen” wird sich förmlich um die, zu vergebenden, Posten geprügelt – nein, natürlich nicht.

  9. Reinhard Seevers sagt

    Man könnte aber auch ein Team aus jungen Engagierten bilden, die sich für die Öffentlichkeitsarbeit einsetzen ….so eine Art PR-Agentur smart.
    So wäre eine reale zukunftsorientierte Sicht zu vermitteln, von denen, die die Betriebe langfristig leiten sollen. Eine vorherige Abstimmung mit der Heeresleitung ist wohl nicht zu umgehen, damit sich nicht allzu viele Widersprüche ergeben…😎

  10. Brötchen sagt

    Meines Erachtens wäre eine Lösung, wenn es einen Beirat im Vorstand gäbe, der aus Junglandwirten besteht. Mit entsprechender Stimmengewichtung.
    Vielleich gibt es sowas schon.

    Dadurch hätte junge Leute die Möglichkeit sich auszuprobieren und von da den Sprung in den Vorstand direkt.

    Direkt in den Vorstand halte ich für schwieriger.

    Z.B. den Swatten Ostfrees Jung finde ich sehr erfrischend, ob der für sowas Lust hat, ist sicher eine andere Sache. Ist unkonventionell und schwer “angreifbar” ;).

    Weiß nicht, wer das lostreten kann.

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