Bauer Willi
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Die neue Agrarwende – oder: wer zweimal wendet…

Wenn ich wende, komme ich zurück zum Ausgangspunkt. Wenn ich Agrar wende, ist das genauso. Zurück zum Ausgangspunkt. Und so wünscht es sich, glaubt man verschiedenen gesellschaftlichen Strömungen, die Gesellschaft, die Bevölkerung. Doch die Agrarwende ist nicht neu. Sie wurde bereits 2001 von Frau Künast formuliert und auf der Neujahrsklausur der Grünen im Januar 2015 erneut ausgerufen. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, die Aussagen von 2001 und heute zu vergleichen. Die Zusammenfassung: Alles beim Alten, nur noch ein paar Forderungen und Verbote mehr. Wenn ihr euch für die Details interessiert könnt ihr ja weiterlesen: Mein persönliches Fazit am Ende des Artikels könnt ihr euch ja wohl denken. Aber das interessiert ja wahrscheinlich, landwirtschaftlich gesprochen, wieder keine Sau.

Das „Magische Sechseck der Agrarwende“ von Renate Künast, hatte zum Ziel, den Anteil der ökologischen Landwirtschaft in 10 Jahren auf 20% zu steigern. Sie wandte sich damals damit an die sechs gesellschaftlichen Gruppen

  1. Der Konsument soll anhand von Labels Einfluss auf die Produktion der Lebensmittel nehmen
  2. Die Landwirte sollen mehr Klasse als Masse produzieren und ein Bündnis mit der Natur eingehen sowie mehr direkt und regional vermarkten
  3. Die Futtermittelindustrie soll, angesichts der BSE-Krise, qualitativ hochwertige Futtermittel herstellen
  4. Die Lebensmittelindustrie soll mehr Klasse statt Masse produzieren
  5. Dem Einzelhandel wurde Wandel durch Handel abgefordert
  6. Die Politik soll sich für eine ökologische Landbewirtschaftung, artgerechtere Tierhaltung und die Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum einsetzen.

Was ist aus diesen Plänen geworden:

Zu 1. Die Anzahl von Labels ist inzwischen so unübersichtlich geworden, dass der Durchschnitts-Konsument kaum noch eine Unterscheidung vornehmen kann.

Zu 2. Der Export von Agrar- und Ernährungsgütern ist von 30,4 Mrd. € im Jahr 2001 auf 62,2 Mrd. € im Jahr 2012 gestiegen.

Zu 3. Bis auf kriminelle Machenschaften bzw. mit natürlichen Stoffen (Pilze) befallene Futtermittel wurden keine vorsätzlich herbeigeführten Verunreinigungen festgestellt.

4. siehe zu 2.

5. Der Anteil von Discountern und Supermärkten ist stark gestiegen, der klassische Lebensmitteleinzelhandel hat deutlich an Marktanteil verloren.

6. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche ist von 3,7% in 2001 auf 6,4% in 2013 gestiegen aber noch immer von dem Ziel 20% weit entfernt. Die Zahl aller landwirtschaftlichen Betriebe (über 5 ha) ist von 434.130 in 1999 auf 260.500 in 2013 gesunken.

Im Folgenden zitiere ich aus dem Beschluss der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen von der Neujahrsklausur in Weimar am 9. Januar 2015, wobei ich mir erlaube, die Ziele von 2001 fett und kursiv in Klammern zu setzen.

Wir Grünen wollen eine Agrarwende hin zu einer Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie (2001: Bündnis mit der Natur). Wir wollen eine Landwirtschaft, die Tiere artgerecht behandelt (2001: artgerechte Tierhaltung) die das Klima schützt und die Artenvielfalt bewahrt. Eine Landwirtschaft, die Bäuerinnen und Bauern jenseits des Wachsens oder Weichens eine Perspektive bietet. (2001: Sicherung der Arbeitsplätze im ländlichen Raum)…..und eine Politik, die den regionalen und ökologischen Anbau stärkt…(2001: sowie mehr direkt und regional vermarkten). Eine Politik, die gute Lebensmittel fördert (2001: mehr Klasse statt Masse) und für Verbraucher klar erkennbar macht, was sich hinter bunten Verpackungen verbirgt…(2001: soll der Konsument anhand von Labels Einfluss auf die Produktion der Lebensmittel nehmen)“ (Zitat Ende)

Das 7-Punkte-Programm

von Januar 2015 sieht dazu vor: (ich beschränke mich auf die Kernsätze)

  1. Bäuerliche Betriebe, die umwelt- und tierverträglich wirtschaften, müssen unterstützt werden
  2. Bau weiterer Massentierhaltungsanlagen und die Verseuchung des Grundwassers mit Nitrat müssen gestoppt werden
  3. Der Antibiotikamissbrauch muss gestoppt werden
  4. Anbauverbote für alle Gen-Pflanzen, (Anmerkung: alle Pflanzen enthalten Gene) Stopp der Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen, Kennzeichnung von Lebensmittel von mit Gentechnik gefütterten Tieren (Anmerkung: mit Gentechnik gefütterte Tiere? verstehe ich nicht)
  5. Anteil von regional und ökologisch erzeugten Lebensmittel in der Schulverpflegung ausbauen
  6. Transparente Kennzeichnung von Gen-Food, (Anmerkung: was ist Gen-Food?) …Nährwertampel…, Herkunftskennzeichnung von Fleisch, mehr Verbraucherinformationen
  7. In Entwicklungsländern bäuerliche Landwirtschaft unterstützen, daher Beenden der öffentlich-privaten Partnerschaft der Bundesregierung mit der Großindustrie.

So, das war schwere Kost und hat viel Zeit gekostet, dies alles zu recherchieren.

Mein persönliches Fazit: was für uns Landwirte dabei herauskommen würde ist ein weiteres Ausufern der Bürokratisierung, eine Verschärfung der Auflagen, eine deutliche Kostensteigerung, ein weiteres Verbot von Produktionsmittel und der Verzicht auf technischen Fortschritt. Wie soll ich da meinen Hof mit 40 ha noch überlebensfähig halten? Ich werde wohl an einen Großbetrieb verpachten müssen. Tja, so ist das eben: Wachsen oder weichen! Schade? Ja, aber dann habe ich mehr Zeit zum Schreiben…

Ich wollte euch das nur mal aus einer anderen Perspektive zeigen. Nicht ganz wertfrei, nicht ganz ohne Ideologie, aber zum Nachdenken…

Euer Bauer Willi

 

P.S.: Den genauen Wortlaut des Weimarer Beschlusses könnt ihr hier nachlesen:

http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/agrar/agrarwende-jetzt.pdf

 

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24 Kommentare

  1. Rufer aus der Wüste sagt

    In einem der Kommentare hat der Willi etwas geschrieben das er Unternehmer ist. Dann gehen mir Gedanken durch den Kopf das seine Produkte gar nicht wettbewerbsfähig sind ohne Subventionen. Wenn der Bauer Willi mal Zeit hat dann kann er sich das mal anschauen und seinen Kommentar dazu geben. Oder nicht.

    https://www.youtube.com/watch?v=unPuewR61oc

    Und so geht das durch das ganze Thema Landwirtschaft. Überall nur Subventionen. Hier noch ein Spiegelartikel:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90848710.html

    Aber der Verbraucher ist an allem Schuld.

    Es ist nicht nur der Verbraucher schuld. Alle machen mit. Angefangen bei den Beamten in Brüssel die noch nie in ihrem Leben mit ihrer eigenen Hände Arbeit etwas produktives erzeugt haben. Dann geht es weiter zu den Bauern die im staatlich geförderten Biogaswahn das ganze Land in eine Maismonokulturwueste verwandeln. Und hört auf bei den Verbrauchern die am liebsten im Winter Erdbeeren aus China vernaschen. Und die Butter aus Irland und den Schafskotlett aus Neuseeland.

    So einfach ist wohl die Sache nicht Bauer Willi.

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  2. Rufer aus der Wüste sagt

    Weisch Willi

    Gefallen oder nicht das Video. Irgendwann kommt vielleicht der Punkt wo einem keine anderen Alternativen mehr einfallen.

    Willst du weiter in den Tagsshows dein Leid jammern. Der ach so boese Verbraucher kauft meine Milch nicht. Der kauft lieber die Milch aus dem Ausland weil die 5 Cent billiger ist.
    Soll das die Loesung sein?
    Immer mehr und mehr Menschen in Deutschland haben immer weniger und weniger Geld zu verfuegung. Am essen kann man eben am meisten sparen. Am Smartphone weniger, aber am essen.
    Ich muss mich wiederholen. Die Politik hat durch Gesetzte den inlaendischen Markt vor auslaendischen Produkten zu schuetzen. Ein Graus fuer Freunde der Globalisierung.

    Nun was bist du fuer ein Anhaenger? Ein Freund der Globalsierung oder ein Freund einer nationalen Landwirtschaftspolitik.
    BIst du naemlich ein Freund der Globalisierung, dann bekommst du das was du gewaehlt hast. Ganz einfach.

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    • Bauer Willi sagt

      Ich bin ein Freund der freien Meinungsäußerung. Und ich hasse Schwarz-Weiß-Malerei. Komme gerade (23:57 Uhr) von einer Podiumsdiskussion zwischen Bio- und konventionellen Bauern. Die war deshalb gut, weil jeder seine Meinung frei äußern konnte, ohne dass es in ideologische Grabenkämpfe mündete. Ich stelle fest, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Übrigens auch die Bio-Landwirte! Aber dazu kommt später noch ein Beitrag. Ich kann nicht erkennen, dass eine nationale Landwirtschaftspolitik das Problem der fehlenden Wertschätzung meiner Produkte löst. Mal unabhängig davon, das es unrealistisch ist, die wieder zu installieren.
      Ihre Argumentation, dass man am Essen sparen kann, nicht aber am Smartphone ist hoffentlich ironisch gemeint. Und jetzt gehe ich schlafen.
      Bauer Willi

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      • Rufer aus der Wüste sagt

        Wie hat der Bauer Willi geschrieben:

        „Ich kann nicht erkennen, dass eine nationale Landwirtschaftspolitik das Problem der fehlenden Wertschätzung meiner Produkte löst.“

        Was ist denn dann die Loesung? Alles auf den Verbraucher schieben. Du siehst den Verbraucher als schuldigen. Ich seh die Politik als schuldigen.

        Hier eine andere Doku: Wir sind Bauern, keine Landwirte.

        https://www.youtube.com/watch?v=aLt0hfzQydM

        Die Frau sagt es richtig. Wie sollen die auf den Bergen mit den grossen Milchviehbetrieben mithalten?
        Koennen die nie. Sollen sie deshalb untergehen? Nein. Deshalb Schutz der inlaendischen Maerkte. Ganz einfach. Und das in Verbindung mit einer Aufklaerung wo die Milch und das Fleisch eigentlich herkommt. Dann wird sich schon was tun. Ob zum positiven oder negativen. Das wird die Zeit zeigen. Nur wenn ich gar nichts tue. Dann ist das Gejammer wieder gross.

        Haette man ……..

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Du Rufer aus der Wüste,

          mir wäre übrigens lieber ich wüsste den richtigen Namen von Dir.

          Die Wirkung von nationaler Agrarpolitk wird überschätzt. Da braucht man nur in die Schweiz schauen. Denen gelingt es auch nicht sich komplett von Marktzwängen abzuschotten. Auch dort gibt es den Strukturwandel. Die Schweizer stehen aber insgesamt, auch vom Konsum her, mehr zu „ihren Bauern“.
          Zum Film: Ich komme aus den Allgäuer Bergen und habe den Niedergang der Allgäuer Bergbauernmilch (bäuerliche Genossenschaft) hautnah miterlebt. Nicht etwa weil die Politik versagt hätte, sondern weil die Verantwortlichen nicht das marktwirtschaftliche Alleinstellungsmerkmal der Bergbauernmilch erkannt hatten. Man ging lieber in den Massenmarkt. Nach der Pleite kauft Arla Foods, ein skandinavischer Global Player die Bergbauernmarken, und vermarktet erfolgreich welt weit „Bavarian Mountain Cheese“ und zahlt den Bauern auch wieder gescheite Milchpreise.
          Das ist praktische Marktwirtschaft, da brauchen wir Bauern keine Politik dazu.

          Herzliche Grüße aus dem Allgäu
          Alois

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          • Rufer aus der Wüste sagt

            Hallo Alois Wohlfahrt

            Sollte nationale Landwirtschaftspolitik nicht das wahre sein. Was ist es dann? Die heutige Situation? Wo ohne Milliardenschwere Subventionen das ganze System zusammenbrechen wuerde.
            Das die Wirtschaft in Afrika von der europäischen Subventionspolitik zerstört wird, so das die Bewohner von dort ihr Glück in Europa versuchen. Zufall oder nicht? Gewollt oder nicht?
            Soll es das sein? In meinen Augen ganz bestimmt nicht.

            Und zum Thema Bergbauernmilch kann ich nicht soviel sagen. Ausser das auch dieses System zusammenbrechen wuerde wenn die Subventionen wegfallen wuerden. Oder ist das nicht so?

            Was ich unter einen nationalen Lanwirtschaftspolitik verstehe das Produkte aus dem eigenen Land vorrang vor auslaendsichen Produkten hat. Sollte der nationale Markt bestimmte Gueter nicht genuegend erzeugen, dann koennte man aus dem Ausland ja zukaufen.
            Und Erdbeeren im Winter aus China? Da schreib ich jetzt nichts dazu.
            Gekoppelt wird alles an den Mindestlohn. Z.B. ein Kg Schweinefleisch kostet mindestens 1 Stunde Nettolohn vom Mindestlohn. Eien Stunde wird man ja wohl arbeiten koennen fuer eine Kilo Schweinefleisch.
            Und vor allem ohne Subventionen. Manche Schreibtischtaeter waeren dann wohl arbeitslos. 3 regulieren und 1 arbeitet.

            Das sind meine Gedankengaenge.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Du anonymer Rufer aus der Wüste,
              ich weiss jetzt echt nicht, ob ich Dir antworten soll,
              weil Du ja immer noch nicht die Schneid hast hier Deinen Namen zu nennen.

              Aber: Subventionen und die Folgen sind nunmal ein Herzensthema von mir.
              Und ich gebe Dir Recht: 3 Verwalten und einer arbeitet.

              Aber: Einfach alles abzuschaffen, wäre auch nach meinem Empfinden langfristig der beste Weg, aber er wäre sehr,sehr brutal!
              Weil es ändert sich erst etwas, wenn die Folgen spürbar werden.
              Wenn also die Direktzahlungen, sprich Subventionen an die Landwirte sofort eingestellt würden, dann spürten das die Landwirte als Erstes. Schlagartig würden auch hunderttausende Bauern sofort reagieren und zumachen.

              Wenn ich mir vorstelle, wie bei mir im südlichen Oberallgäu, wo der Tourismus doch die „heile Alpenwelt“ so dringende braucht, schlagartig die ganzen Alpweiden aufgegeben würden, weil der Staat die Direktzahlungen einstellen würde, dann würde der Tourismus trotzdem noch ein paar Jahre laufen, bis es dort zu den sppürbaren „Massenentlassungen“ kommt.
              Bis die Hotels und Vermieter und die Gastronomie sich dazu entschließen würden, den Bauern direkt Geldleistungen, also vertragliche Dienstleistungen (das sind keine Subventionen) anzubieten, wäre im Reisemarkt vielleicht vieles bereits zu spät. Die ganze Region hätte schon massiv verloren.

              Aber wer weiss, vielleicht ist irgendwann mal so ein „Ende mit Schrecken“ notwendig, um zu erkennen, was die ganze Dimension hinter der Bäuerlichkeit für die Gesellschaft bedeuted.

              Herzliche Grüße in die Wüste 🙂
              Alois

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              • Rainer sagt

                Hallo Alois,

                welche Bauern würden nach Einstellung der Subventionen sofort zumachen?.
                Ich denke spätestens im Zweiten Jahr hat der Markt die Geldeinbußen
                ausgeglichen.

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                • Alois Wohlfahrt sagt

                  Hallo Rainer,
                  da die meisten Bauern an Ihren Höfen „hängen“ und das Ererbte weiter an die nächste Generation geben wollen, sind sie sehr „leidensfähig“.
                  Ein krasser Subventionsstopp würde nicht automatisch mit Ausstieg der unrentablen Betriebe führen, sondern sehr viele Bauernfamilien würden Vermögen, Erspartes und mehr über Jahre hinweg selbstlos einbringen um damit weiter über die Runden zu kommen. Das könnte ein langer „Leidensweg“ werden.
                  Allerdings würde ein Subventionsstopp sicher auch viele Bauern selbstbestimmter handeln lassen. Nämlich nach eigenem Ermessen und nicht aus der Versuchung des „Zuschusses“.
                  Es würden nur noch solche Investitionen gemacht werden, die auch tatsächlich von Herzen getragen oder von klaren Plänen getragen sind.
                  Kein Stall würde mehr auf Grundlage einer Investitionsförderung gebaut werden, sondern auf klaren Entscheidung des Betriebsleisters.
                  Es würde dem Unternehmertum insgesamt in der Landwirtschaft gut tun. Und viele Beamte und viel Staat und Bürokratie würde überflüssig.
                  Aber es wäre auch ein jahrelanger Leidensweg und die Politik will das auf keinen Fall, weil sie damit die Abhängigkeit der Bauern verlieren würde. Und dazu noch arbeitslose Beamte?

                  Alois

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    • JosefHo sagt

      Hallo Bauer Willi,
      obwohl du mir meinen Beitrag des Dialoges auf deiner Seite verboten hast, versuche ich es nochmal etwas dazu beizusteuern, weil ich es sehr oft, hier auch, aus einer sehr einseitigen Perspektive argumentiert finde.
      Wenn wir heute den Bundesagrarausschuss ansehen, dann sitzen darin 17CDU ler, 11 SPD ler (GroKo=28) 3 Linke und 3 Grüne.
      Angesichts dieser Machtverhältnisse wird man sich doch nicht fragen, wo die grüne Handschrift in der aktuellen LWPolitik bleibt!?
      Allerdings hätte die grüne Politik für deinen 40ha Betrieb mit der starken Froderung nach einer degressiven Prämienhöhe aus der ersten Säule genau Dich! stärken wollen.
      Du bedauerst natürlich die Bürokratie und die Forderungen, ja das finde ich vollkommen verständlich, aber der liberale ungeregelte Markt in der Landwirtschaft ist zwar sehr frei, nur hift er unserer Gesellschaft nachhaltig weiter?
      Die Aussichten der geohydrologischen Wissenschaft auf unsere Wasserqualitäten zwingen und heute! zu handeln weil ein Problem in 40 Jahren entsteht, und dann unumkehrbar ist! Das heist, es muss was geregelt werden, damit deine Kinder im dann mittleren Alter noch Trinkwasser gewinnen können.
      Es muss jetzt was geregelt werden damit die +2 Grad Klimaerwärmung noch zu halten sind.
      Es muss jetzt was geregelt werden damit der MRSA LA nicht ähnliche Mensch zu Mensch übertragungsraten wie der MRSA HA bekommt.
      Es muss jetzt was geregelt werden, damit das Artensterben hier in D nicht immer größere Ausmaße nimmt. ( nicht alle Arten sind so hübsch wie der Panda)
      Es muss jetzt was geregelt werden damit z.B Brasilien nicht auch 2015, 650 000ha Regenwald grötenteils für Tierfutter-Soja rodet.
      … ich könnte noch so viel mehr aufführen..

      Alle diese genannten Notwendigkeiten schwächen genau heute deine globale
      Marktposition, das habe ich ja verstanden, aber unsere Machtvorherrschaft im Agrarmarkt hängt eben auch mit verbundener langfristig gedachter Verantwortung zusammen, diese Tatsache geht eben konträr zu den liberalen kurzfristigen Märkten und das sollten die Bauern akzeptieren, si würden später sehr betroffen sein.

      Wer zB. sein Futter aus der ganzen Welt zusammenholt, hat eben auch Verantwortung für diese Bereiche der Welt.

      Die kann man nur übernehmen, wenn die eigene Existenz gesichert ist, aber sichert man sie dadurch immer blind, ohne irgendwelchen Markteinfluss in einen anonymen Markt herein zu liefern? Mit dem nicht aufhörenden Prinzip (quantitatives) Wachstum?
      Nein!
      Deshalb Agrarwende!
      die beginnt in den Köpfen der Gesellschaft,( dort ist sie zT schon) und in den Köpfen eines immer kleiner werdenen Teils der Gesellschaft: den Bauern.
      Deshalb sollten die Bauern ihre Situation mal jenseits der stark politisierten Meinung der wöchentlichen Bauernblättern und TopAgr.. gesamtgesellschaftlich beurteilen, das ist der erste Schritt!! Die einzig „neutrale“ Zeitschrift die „geduldet“! wird ist die „Flur und Furche“ weil sie von nem Landtechnikhersteller ist.
      gruß, JosefHo (parteilos)

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      • Marko sagt

        Hallo Josef,
        in einigen Sachen bin ich vollkommen bei dir.
        In den meisten allerdings nicht.
        Das liegt nicht an deiner Person, im Gegenteil. Glaub mir, viel lieber hätte ich dich und mich an einem Tisch.
        Aber egal, zur Sache die du angesprochen hast.

        1a. Politik
        Ich finde, dass sich die Rahmenbedingungen für Landwirte sich im Gegensatz zu anderen Berufszweigen in den letzten 15 Jahren wenig verschlechtert haben.

        1b. Bürokratie:
        Einen Flächenantrag zu stellen, ist für meine Begriffe heute immer noch einfacher als in den 90er Jahren.

        2. Wasserqualitäten: Da bin ich vollkommen bei dir.
        Da trägt der Landwirt auf jedem Fall eine Hauptschuld.

        3. Klimaerwärmung:
        Naja, nimm es mir bitte nicht übel, aber warum sollten wir, die kleinsten Fürze(CO2) in der Wirtschaft überhaupt damit in Verbindung gebracht werden.
        Das ist dahingehend schon albern, dass sowohl irdische (eventuelle verstärkte Vulkanausbrüche zum Vorjahr/en), als auch kosmische Einflüsse (Sonnenaktivitäten) da eine viel, viel größere Rolle spielen.
        Und überhaupt:
        Wie kommt man überhaupt zu der Annnahme, dass es heute wärmer ist als vor ein paar Jahrzehnten? Was sind denn 2 Grad Celsius an Toleranzen der Messgeräte von 1915 zu 2015?
        ……………………..

        4. MRSA:
        Ein, für meine Begriffe, rein humanmedizinisches Problem.
        Sofern man es als wirkliches Problem sehen möchte.
        Wieviel Leben hat denn Antibiotika bisher gerettet und rettet es heute noch?……

        5. Artensterben:
        Das passiert ständig.
        Sowie eine Spezies einen biologischen Vorteil hat, nutzt diese ihn aus. Und eine andere wird darauf hin dezimiert.
        Das ist nun mal so.
        Bestes Beispiel sind für mich Ackerrandstreifen, die vor einigen Jahren mit vielvältigen Arten von Kulturen bepflanzt wurden, und daraufhin (aufgrund von Auflagen) nicht mehr gepflegt werden durften.
        Heute sieht man da nur noch Disteln….
        Nichts gegen ne Distel, aber die Natur ist stur …reimt sich (-: … Die macht immer ihr Ding… Auflagen, bzw Menschenwille hin oder her

        6. Regenwald
        Da bin ich wieder bei dir.
        Aber auch Mitteleuropa bestand noch vor einigen Jahrhunderten hauptsächlich aus Wald.
        Welche Auswirkung hatte denn deren Rodung auf das Klima?
        Und inwiefern wirkst du diesem entgegen?
        Wieviel Bäume hast du denn in deinem Leben schon gepflanzt? 😉

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      • Bauer Willi sagt

        Lieber Josef
        danke für Deinen Beitrag, an dem Du sicherlich eine Weile gesessen hast und der einiges nachdenkenswertes enthält. Ja, die gestaffelte Prämie je nach Betriebsgrösse würde mir persönlich gefallen :-). Ja, die Nitratproblematik in viehstarken Regionen sehe ich ähnlich, auch wenn das einigen meiner Berufskollegen jetzt wohl nicht gefallen wird. ZU MRSA kann ich keine fundierte Meinung abgeben, weil ich mich damit (noch) nicht befasst habe. Aus Zeitmangel, wie Du sicherlich nachvollziehen kannst. Was das Artensterben angeht, so kann ich aus eigenem Erleben berichten, dass seit ca. 5 Jahren auf unserem Hof Falken brüten (2014 5 Junge) eine Eule in der Scheune wohnt, sich die Fledermäuse wieder angesiedelt haben und, zur Freude von uns allen, 4 Eichhörnchen in unserem Garten Walnüsse vergraben. Dazu kommen noch Fischreiher und, nicht so schön, buddeln zahllose Nutrias in der Böschung entlang unseres Baches. In den Brennesseln fühlen sich die Schmetterlinge (Kleiner Fuchs?) wohl. Auf der Weide hatte der Imker 2013 rund 11 Völker, 2014 war so gut, dass er zusätzlich 5 Völker abtrennen konnte. Er ist überglücklich. Komisch, wo wir doch ein Bienensterben haben (sollen). Quantitatives Wachstum?! Für ein Individuum wie mich schwierig, wenn pflanzliches Protein zu erzeugen wirtschaftlich nicht in Frage kommt! Ackerbohnen gegen Soja? Da spielt dann doch der Markt wieder eine Rolle…Und da bin ich wieder Bauer: Bauer Willi

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        • Marko sagt

          Willy, du bist Nebenerwerbslandwirt.
          Klartext:
          Du hast ein subventioniertes Hobby.

          Es sei dir gegönnt, aber bitte lass das jammern.

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          • Bauer Willi sagt

            Hallo Marko
            mit dem Kommentar kann ich nun rein gar nichts anfangen.
            Oder vielleicht doch: Du hast ja studiert, hast, weil der Betrieb für eine Familie zu klein war, in der Industrie dickes Geld verdient und riskierst jetzt hier ne dicke Lippe. Bildung als Vorwurf. Danke!
            Bauer Willi
            P.S.: In den letzten 5 Jahren hatte ich eine 60 Stunden-Woche. Ja, ja, ich jammere wieder…

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        • JosefHo sagt

          Lieber Bauer Willi,
          naja wie du an den Flüchtigkeitsfehlern siehst, war es doch zu hastig geschrieben.
          Es ist ja sehr schön, dass sich die Tiere bei Dir so wohl fühlen, genauso freut es mich, dass deine Wertschätzung dementsprechend ist.
          Allerdings ist was die Natur anbelangt, unser perönlicher Eindruck nicht immer einer, der die Realität repräsentativ widerspiegelt.
          Ich gebe ja nicht der Landwirtschaft die alleinige Schuld.
          Jedoch finde ich die Tatsache, dass ein Pestizid in Deutschland die Bezeichnung B4 also „nicht Bienengefährlich!“ verdient, wenn bei ordnungsgemäßer Anwendung nach 48 Std. von 100 Bienen 51 oder mehr, die Maßnahme ÜBERLEBT haben schon sehr bezeichnend. Neben den Bienen werden ja auch noch weitere Insekten strapaziert. Wichtige Bindeglieder in dem komplexen Ökosystem.

          Bauer Willi im Ackerbohnenanbaualleingang gegen den Sojaanbau ist nicht zielführend, das sehe ich ja ein. So etwas geht nur wenn es vom Markt entsprechend honoriert wird.
          In diesem Sinne, einen schönen Abend.

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    • Bauer Willi sagt

      Gähn!

      Das Video ist uralt. Kenne ich schon seit ewigen Zeiten. Und so etwas gefällt Dir? Mir nicht!

      Bauer Willi

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  3. Rufer aus der Wüste sagt

    Bauer Willi

    Dann sag mir selbst wie du deinen Betrieb ueberlebensfaehig halten willst?

    Ich weiss ueber GENtechnik und Freihandelsabkommen auch nicht mehr, als das was man im Internet lesen kann. Nur wenn irgendwelches Abkommen erst nach der Unterzeichnung ins Deutsche uebersetzt wird, dann klingeln die Alarmglocken. Oder nicht? Oder ist das normal.
    Und wenn ich mir die Verbindungen zwischen Gentechnik, Industrie, Foschung und Politik anschaue. Dann wundert mich gar nichts mehr.
    Und so ist es doch ueberall.

    Der Alois schreibt es doch richtig.

    Die Politik hat es in der Hand die Weichen zu stellen, nur was macht die?
    Nichts, die hat sich der Globalisierung verschrieben. Da muss der deutsche Bauer hald ein wenig kuerzer treten oder sein Wahlverhalten aendern.

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    • Bauer Willi sagt

      Lieber Rufer aus der Wüste
      jetzt machst Du es dir aber sehr einfach. Deine Antwort: schau doch selber wo du bleibst. Das ist kein Dialog. Wie du, nur motzen, ist sehr einfach. Und dann mit dem Finger auf andere zeigen und reflexartig auf „die Politik, die böse Industrie“ zu verweisen ist noch einfacher. Ich weiß nicht, in welchem Wolkenkuckucksheim du lebst. Ich bin Unternehmer und muss mich darum kümmern, wie ich mein Auskommen durch ein Einkommen sichere. Wenn alle so unreflektiert denken wie Du, kann ich den Laden gleich zumachen. Nur ein Glück, dass es auch noch einen kleinen Rest Mitbürger gibt, die sich wirklich Gedanken machen.
      Mahlzeit! (12:30 Uhr)
      Bauer Willi

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      • Rufer aus der Wüste sagt

        Willi, wie hast du geschrieben

        Wer motzt den hier? Wer jammert das es einem so schlecht geht? Ich habe immer gedacht die Politik stellt die Weichen. Und die Weichen in der heutigen Zeit sind auf Globalisierung gestellt. Entweder man akzeptiert es oder man handelt. Nur was bedeutet den handeln?
        Das glaube ich dir schon das du Unternemher bist und wenn es dir schlecht geht, wer ist dann Schuld? Der Verbraucher oder wer?
        Ich geb der Politik die Schuld weil sie den einheimischen Markt nicht schuetzt. Dort ist der Anfang.
        Schau dir die franzoesischen Bauern an wenn die demonstrieren. Die fahren mit dem Guellefass vor das zustaendige Regierungsgebaeude. Und was machen die Deutschen Bauern? Jammern und gehen mit haengenden Koepfen nach Hause. Ist ja alles alternativlos.

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        • Bauer Willi sagt

          Wenn es alternativlos wäre, gäbe es diese Seite nicht. Und du könntest nicht deine Meinung dazu sagen!
          Bauer Willi

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  4. Bauer Willi sagt

    Lieber Rufer aus der Wüste
    Ich sehe keine Partei, die die Gentechnik „vorantreibt“, eher das Gegenteil.
    Was diverse Freihandelsabkommen angeht, erlaube ich mir kein Urteil, weil ich, wohl im Gegensatz zu Ihnen, nicht genügend Ahnung habe, mir darüber eine fundierte Meinung zu bilden. Es geht ja nicht nur um Agrar sondern auch um andere Wirtschaftsbereiche. Für mich sind die Grünen nicht wählbar, weil sie mir nicht erklären, wie sie denn meinen Betrieb überlebensfähig halten. Sie erklären mir aber erneut, was sie alles verbieten wollen und mit welchen neuen Auflagen ich zu rechnen habe. Und dass ich gleichzeitig auf technischen Fortschritt verzichten muss. Das ist mein Dilemma.
    Bauer Willi

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  5. Rufer aus der Wüste sagt

    Hallo Willi

    Wenn ich mir die letzten Landtagswahlen anschaue, da haben die Grünen aber an Stimmen wieder gewonnen. Man koennte meinen die deutsche Parteienlandschaft ist alternativlos. Denn die gleichen Parteien die Freihandelsabkommen und GEN Manipulation vorantreiben werden immer wieder gewaehlt.

    Nur was ist denn die Loesung Bauer Willi?

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Die Lösung ist lebendiger Dialog und Demokratie wo am Ende ein Abwägen steht. Eine Entscheidung der Politik, die Rahmenbedingungen setzt.
      Dazu müssen wir in der Lage sein kritisch zu diskutieren, was oft gar nicht mehr möglich ist, weil Begriffe wie Gentechnik oder Massentierhaltung stigmatisiert worden sind, also „alternativlos negativ“ sprachlich besetzt sind.
      Diese „alternativlose Diskussion“ müssen wir verlassen um miteinander vernünftige Wege zu finden.

      Alois

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