Bauer Willi
Kommentare 61

Die nächsten 30 Ernten (Video)

Bitte das Video unbedingt bis zum Schluss anschauen. Bitte! Vor allem die, die noch unter 30 sind. Überlegungen eines jungen Landwirt, der seinen Betrieb aufgibt. Mit einem – ich sag mal – „ungewöhnlichen“ Ergebnis.

 

 

(Aufrufe 2.071 gesamt, 1 heute)

61 Kommentare

  1. Helmut Meyerle sagt

    Werbung wirkt!
    Das gilt auch dann, wenn es darum geht die Landwirtschaft in einem positiven Licht darzustellen.
    Eine gute Erfahrung habe ich hierzu aus Nordirland mitgenommen. Als wir in Belfast am Flughafen ankamen, waren auf den Wänden im Ankunftsbereich raumhohe, qualitativ hochwertige Bilder mit z.B. Kühen und Landwirten angebracht, um Werbung für die irische Landwirtschaft zu machen. Wohlgemerkt, die Bilder aus der Landwirtschaft waren die einzigen Plakate! Keine langatmige Argumentationen, dafür eine emotional ansprechende und positive Darstellung!
    Warum mir das so im Gedächtnis geblieben ist? Weil wir hier bei uns vergebens so etwas suchen und ich so angenehm von dieser Maßnahme überrascht war!

    Natürlich gibt es gute Gründe, sich als Landwirt über die politischen Rahmendbedingungen zu beschweren. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das Jammern in den Medien keiner mehr hören will! Ich hätte nichts dagegen, wenn ein Teil unserer Bauernverbandsbeiträge für PR-Kampagnen wie den obigen US-Film ausgegeben würde. Menschen mit einem positiven Image schenkt man auch Vertrauen.
    Vertrauen brauchen wir, damit unsere fachlichen Argumente beachtet werden und wir nicht den vielen kommunikativ gut aufgestellten Meinungsmachern, gleich der Geschichte vom Hasen und dem Igel, hinterherlaufen müssen.

    1+
  2. Bauer Fritz sagt

    Wie es etwa Sojabauern in den USA geht: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-08/us-handelsstreit-donald-trump-china-soja-exporte-farmer/komplettansicht

    Ergänzende (subjektive) Anmerkungen zum Vergleich mit Europa :
    *) 450 ha ist ein Kleinbetrieb
    *) 75% Mais war/ist in Europa nicht erlaubt
    *) In zweiter Generation Landwirt zeigt die Unterschiede in der Auffassung von Nachhaltigkeit und Denken in Generationen zu Europa (meisten Betriebe in 5-10 Generationen betrieben oder noch länger)
    *) Gewinnmarge 10% bemerkenswert u.a.m.

    0
    • Brötchen sagt

      Fritz bei uns war ein Familienbetrieb aus MV in der Bauernzeitung der hatte auch 400 ha.

      0
      • bauerhans sagt

        „400 ha.“

        hier hatte einer seine 26ha 1995 an den kreis verkauft und dann in der nähe von schwerin 60ha erworben,die sein sohn auf 450ha vergrössert hat,250ha eigentum.

        1+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Ein Bekannter hat in der Nähe von Eisleben einen Betrieb mit 300 Hektar gekauft und Obst angebaut.

          Den hat er jetzt los, mitsamt seinem früheren Hof, Insolvent nennt man das glaube ich.

          2+
  3. Ferkelhebamme sagt

    Ein Cape, ich brauche ein Cape! Denn als Held braucht mein kein Geld. Spaß beiseite, das Video ist amerikatypisch sehr pathetisch und heroisch, aber so etwas brauchen wir auch! In England gab es vor ein paar Jahren einen ähnlichen Film, der zur besten Werbezeit gezeigt wurde und einfach ein gutes Gefühl hinterließ. Mit rein sachlicher Defensive kommen wir nicht weiter.

    4+
  4. Paulus sagt

    Das Video ist absolut professionell, mit einer passenden Figur was den Farmer betrifft und einer perfekten Dramaturgie. So etwa ab der Szene im Motel, hat es für meinen Geschmack etwas zu viel von Hollywood, und ab da erscheinen mir die Gedankengänge des Farmers zwar durchaus nachvollziehbar aber nur bedingt glaubwürdig. Ich weiß nicht wie es in den USA angekommen ist, hierzulande wäre es wohl eher etwas für RTL oder so.
    Ob den hiesigen Landwirten u30 mit rein emotionalen Botschaften geholfen ist werden sie selbst am besten beurteilen können. Und was die Aufmerksamkeit der Verbraucher betrifft, hat die Story in unserer medial übersättigten Welt einen ähnlichen Wert wie Bauer sucht Frau. Leider! Ich stehe der Entwicklung der Social Media nicht ohne Grund kritisch gegenüber.

    4+
    • Bauer Willi sagt

      @Paulus
      Ja, eine gewisse Nähe zu RTL ist durchaus festzustellen. Blöd ist ja, dass in Deutschland ja niemand RTL sieht. So wie keiner die Bild-Zeitung liest….

      Du verstehst? Deine – wie immer – messerscharfe Analyse belegt doch, dass es bei breiten Bevölkerungsschichten ankommen würde. Also Volltreffer!

      Übrigens ist dieser Blog hier Bestandteil von Social Media. Allerdings von höchster Qualität! 😉

      11+
    • Bauer Fritz sagt

      Wenn wir mal den Punkt beiseite lassen, der das „typisch Amerikanische“ anspricht ist der wichtigste Punkt den sie ansprechen die Professionalität. Eine bundesweite (!)bäuerliche Organisation zeigt an Hand einer Geschichte ein wichtiges Thema (Bauernsterben). Daß man dabei nicht ohne Emotionen auskommt sollte nicht wirklich verwunderlich sein – sowohl beim Sender als auch beim Empfänger. Bei Nachschau unter Youtube zeigt sich, daß dies auch nicht der einzige Imagefilm der Farmerorganisation ist.

      Ich hab versucht auf Youtube unter Imagefilm Landwirtschaft was ähnliches zu finden für Deutschland oder Österreich. Leider Fehlanzeige. Es gibt dort aus jüngerer Zeit einige (meiner Meinung nach) sehr gut/gut gemachte Filme über lw. Produkte (z.B. Land schafft Leben, aktuell https://www.youtube.com/watch?v=DiqjhI3O8jc) oder über Regionen (z.B. https://www.youtube.com/watch?v=2kAOMDIsQy4).

      Leider hab ich nichts gefunden von einer bundesweiten bäuerlichen Organisation (nicht von Fernsehsendern oder Sonstigem) was auch nur irgendwo in Richtung einer Darstellung der bäuerlichen Seite geht.
      Sollte wer was Aktuelles finden, bitte hier anführen.

      1+
        • Bauer Fritz sagt

          Siehste. Und jetzt versuch mal einen (in Zahlen: 1) halbwegs aktuellen Imagefilm über europäische Landwirtschaft zu finden …. Mission impossible XXL ?
          Trump sagt (klarerweise über die USA): Wir haben des beste Rindfleisch, den besten Wein, die tollsten ….
          Auch wenn´s (angeblich) keiner in Europa glaubt, haben wir ihm 100.000 to Rindfleisch abgenommen und Gentechnik-Soja (das hier ja ganz pfui ist – man fragt sich was daraus wohl wird – vermutlich wird es thermisch verwertet, weil alle schwören, daß sie sowas nie kaufen würden).
          Ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis weitere Exporte in die USA nur möglich sein werden, wenn Dänemark sich doch noch von Grönland trennt, wetten …

          2+
      • Brötchen sagt

        Fritz es ist doch schon bezeichnend, dass man suchen muss!
        Das Raiffeisenvideo ist auch professionell, ausser die Schweine sind dreckig, so sehen keine gut gehaltenen Schweinen aus. Daran sieht man schon das wurde in der Produktion lieblos betreut. Was soll die Zielgruppe des Raiffeisen Videos sein?

        0
        • Brötchen sagt

          Übrigens das US Video baut auch eine dramaturgische spannung auf, so dass man dran bleibt. Sieht einfach aus, ist aber nicht so leicht umzusetzen.

          0
        • Paulus sagt

          Hallo Ferkelhebamme, die website des WLV ist zweifelsfrei gut gemacht, wenn auch etwas überfrachtet. Am besten gefällt mir daran die kreative Wortschöpfung „Großfächendesign.“ 🙂
          Aber – wie Brötchen schon sagte, man muss gezielt danach suchen und genau das ist der Schwachpunkt. Ist ungefähr genauso hoffnungslos als würde ich nach dem Fleisch deiner Duroc-Schweine suchen. Da ich vermute, dass ich zunächst mal bei zig Ebay-Angeboten und sonstigem Quatsch lande, was mich schlicht nicht interessiert, versuche ich das erst gar nicht. Ebenso gut könnte ich unseren Hund auf eine nicht vorhandene Fährte setzen.

          0
          • Ferkelhebamme sagt

            Paulus, die wirst du im Netz auch nicht finden, die werden mir durch Mund-zu-Mund-Propaganda im Bekanntenkreis aus den Händen gerissen. 😉 Ansonsten kann man uns schon im Netz finden, kannst deinen virtuellen Fährtenhund ja mal ansetzen. Allerdings habe ich natürlich nicht den Anspruch, „die deutschen Bauern“ darzustellen, sondern denen, die es interessiert, zu zeigen, was wir so machen. Total unproffessionell, aber stets bemüht 😉

            0
  5. Klaus sagt

    Es stünde dem DBV und anderen bäuerlichen Organisationen sehr gut an ähnliche Informationen über alle Medien zu verbreiten.
    Es ist ein „ehrliches“ Bild der Landwirtschaft, das man auch auf unsere Regionen übertragen kann.
    Nur sich ständig in diesem Blog im Kreis zu drehen ist nicht zielführend.
    Wir müssen besser sein als alle Kritiker und Grünen, die sich die Landwirtschaft als gesellschaftlichen Buhmann aufgebaut haben, um von ihrer eigenen Unzulänglichkeit abzulenken.

    13+
    • bauerhans sagt

      „ein „ehrliches“ Bild der Landwirtschaft“

      das möchte niemand hören oder sehen,weil das den „wohlfühl-faktor“ stört!

      8+
    • Günter Reichard sagt

      Dieser Link ist auch ehrlich!
      https://youtu.be/jH96EDrbX1c
      Solange es Ihr Bauern zulasst, dass solche Exzesse passieren, wird das Bild und die Darstellung in der Öffentlichkeit nicht besser werden.
      Es liegt an jeden einzelnen, wie er sich darstellt.
      Aber natürlich ist es einfacher im Netz auf alle Kritiker und Grünen zu schimpfen.

      3+
      • Arnold Krämer sagt

        Ist das DER Einflußbereich DER Bauern?
        Da ist Ihnen jetzt aber etwas durcheinander geraten, lieber Herr Reichard.
        Und meinen Sie, dass auf einem Demeter Biohof mit mehreren hundert Kühen die Tiere jeden Tag ihre Streicheleinheiten vom Betriebsleiter bekommen?

        Aber es ist schlimm genug, wenn Landwirte sich Größenordnungen zutrauen, denen sie nicht gewachsen sind. Da fehlt tatsächlich etwas oder auch etwas mehr.

        2+
      • bauerhans sagt

        diesen link vom grosskuhstall schauen sehrviel mehr,um dann ausschliesslich sprüche rauszuhauen!
        wir bauern sind nicht dafür verantwortlich!
        leider werden besonders schwere verkehrsunfälle,die durch aggressives verhalten einzelner verursacht werden,nicht in der öffentlichkeit im detail gezeigt.
        ich würde das begrüssen,weil das einen lerneffekt hätte.

        4+
      • Elisabeth Ertl sagt

        Der Großteil der Landwirte ist eher Opfer als Täter, die Vorstellungen der Gesamtgesellschaft sind weitgehend undurchführbar.
        Aber es stimmt, dass in diesem Forum zu wenig selbstreinigende Differenzierung herrscht. Es gibt in Österreich Bauern, die Kraftfutter auf die Alm karren, viel zu viele Tiere auftreiben und dann die Flächen mit Gülle überdüngen. Da darf man sich nicht wundern, wenn Wolfsschützer jetzt die Aufgabe dieser Almen fordern. Schon klar, dass das mit den sinkenden Fleischpreisen zu tun hat. Doch haben beispielsweise 500 Bauern in der Steiermark längst bewiesen, dass gemeinsame Direktvermarktung von Qualitätsfleisch ohne Zufütterung im Sommer funktioniert. Da gibt es keine Ausrede mehr. https://www.almo.at/almo-qualit%C3%A4tsfleisch/marke-und-gr%C3%BCndung/

        2+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wir wollen mal festhalten, dass der Nachbar, ehemaliger Bauer, der seinen Betrieb an den Betrieb Andres verpachtet hat, die Behörden alarmiert hat.
        Weiter müssen wir festhalten, dass die Tierschützer 30 Tage lang die Arbeiten und Tierquälereien gefilmt haben. Nach meinem Empfinden, gehörte dem Betrieb beim ersten Fall schon das Handwerk gelegt, aber das war den Tierschützern scheinbar nicht genug, weitere Tierquälereien wurden geduldet, dass man was „Anständiges“ im Fernsehen präsentieren kann.

        Wie kann ich als Ehemaliger solche Zustände verhindern, soll ich Ställe im Umkreis kontrollieren, wenn die Behörden nicht wirksame Kontrollen auf die Reihe bringen.

        Gerade Du sollt nicht auf deine Kollegen schimpfen, sondern Ermittlungen durchführen in deinem Umfeld. Bayern ist näher an deinem Wohnort, als der Schwarzwald.

        Ps: Im näheren Umfeld wurde ein Ehemann von seiner Frau geschlagen und ich habe dies nicht mitbekommen, wie soll das bei einem Kuhstall gehen?

        1+
        • Lady sagt

          „Ps: Im näheren Umfeld wurde ein Ehemann von seiner Frau geschlagen und ich habe dies nicht mitbekommen, wie soll das bei einem Kuhstall gehen?“

          Tz,Ehemaliger, also so viel Gendergerechtigkeit ist vollkommen unnötig. Lege ich als Frau wirklich keinen Wert.
          😀
          Genau ,mich hat es auch gestört, dass dort 30 Tage lang gefilmt worden ist. Tolle Tierschützer!
          Niemand bestreitet, dass es solch furchtbare Bilder gibt. Und damit geht auch hoffentlich niemand unkritisch um .Aber aus Einzelfällen lässt sich doch nicht auf die Mehrheit schließen! Und schon gar nicht muss der Einzelne akzeptieren, dass daraus ein Pauschalurteil über „alle“ gefällt wird. Oder solch Tierquälerei irgendwie die Norm repräsentiert und nicht die Ausnahme.
          Und das geht schnell, weil solche Bilder im Kopf bleiben. Genauso wie die übrigen „Kampfbegriffe“ .
          Hier in MV werden mittlerweile konventionelle Landwirte „gebeten“ auf Biolandbau umstellen, weil sich die Touristen beschweren. Gespritzt werden soll nicht, aber blühende Rapsfelder sind dann doch wunderbar. Und kein Tourist möchte sich anhören, wie problematisch Raps im Bioanbau ist. Und selbst vor der Biolandwirtschaft macht die Kritik nicht halt. Dass sich ein Hühnerbetrieb durchaus bio nennen darf, auch wenn er mehr als 2 Perlhühner hat, entspricht eben nicht der Vorstellung. Und dass Gülle tatsächlich und gerade auch im Ökolandbau eingesetzt wird/werden muss und – entgegen der durchaus weit verbreiteten Meinung- nichts mit Überdüngung zu tun hat, erfordert schon gewisse Überzeugungskünste.
          Da kommt schon gelegentlich der Eindruck auf, der beste Landwirt ist derjenige, der keiner ist.
          Aber das Video von Willi hat ja eigentlich auch eine andere Aussage. So viele Branchen gibt es nicht, die beim Thema Klima Hilfestellung leisten könnten. Und da sind die Möglichkeiten auch bestimmt noch nicht ausgereizt .

          3+
      • Der Brandenburgbauer sagt

        Moin Herr Reichard, nun mal schön langsam. Das es solche Vorfälle gibt, und gegeben haben soll, streite ich nicht ab. Aber, wo in unserer Gesellschaft gibt es keine sogenannten „Schwarzen Schafe“. Das ist in der Politik, der Wirtschaft,den Banken eigendlich überall der Fall. Aber, die Mehrheit, so neheme ich einmal an, ist ehrlich
        und offen. Sonst würde unser Gesellschaftssystem nicht mehr funktionieren.

        0
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        @ Günter Reichard

        Im Netz ist ein Video zu finden, über einen BIO Hühnerstall, ich erspare mir es diesen Link hier zu posten. Glaube mir, eine Wohlfühloase ist es nicht, es könnte sonst sein, dass die BIO Eieresser auf Kichererbsenmehl umstellen.

        1+
    • Günter Reichard sagt

      Eins habe ich noch vergessen:
      Ich bin konventioneller Bergbauer.
      Viel3 Grüße aus Südtirol

      3+
      • Bauer Fritz sagt

        Wie darf man denn ihre Einleitung verstehen, wenn sie schreiben „.. Ihr Bauern …“ wo sie doch selbst einer sind.
        Stellen sie sich damit einfach mal vorsorglich außerhalb ihrer Berufsgruppe, weil sie sagen „Ich bin ohnehin so super und die anderen gehen mich nichts an“ oder sagen sie damit „Das Image, das die Öffentlichkeit von Bergbauer hat, reicht mir und das Image der Landwirtschaft als ganzes ist mir ohnehin egal“.

        Es geht hier um die Darstellung der Landwirtschaft als Berufsgruppe. Jede wirtschaftlich tätige Berufsgruppe präsentiert sich in der Öffentlichkeit durch Imagefilme oder Werbungen. Keine Berufsgruppe wird das unterlassen, auch wenn – oder gerade weil- es in jeder Gruppe „schwarze Schafe“ gibt oder eben auch Fehler passieren.

        Es ist wohl der typische Denkfehler, den sie hier vertreten, daß es an jedem Bauern selbst liegt wie die öffentliche Darstellung aussieht. Genau dieses Denken hat doch dazu geführt, daß die Verbindung zum Konsumenten, die Erklärung dessen was man tut für die Gesellschaft und warum in den letzten 20 Jahren völlig vernachlässigt und vergessen wurde.

        Die Imagedarstellung wurde daher von anderen gestaltet – wie man sieht weitgehend negativ für die Betroffenen (außer für sie natürlich). Wenigstens einer, der meint, man braucht ohnehin auch in Zukunft nichts an diesem Image zu verändern, und es reicht seinen Kritikern recht zugeben, zu allem Ja und Amen zu sagen, und so wie in der Vergangenheit das Maul zu halten, weil nur die anderen Recht haben. Schöne Grüße in die heile Bergbauernwelt nach Südtirol.

        7+
        • Elisabeth Ertl sagt

          Aber es erntet ja auch jeder Wirtschaftszweig, der sich allzu positiv präsentiert, die gleiche herbe Kritik. Da ist die Landwirtschaft ja nicht allein. Öffentlich glaubwürdiger ist man allemal, wenn man ehrlich differenziert. Und es gibt Misstände in der Landwirtschaft. Wer sich nicht die Mühe macht, sich um Kunden zu bemühen, die bereit sind für Qualität zu zahlen, wer resigniert, der gibt den KonsumentInnen, die das Billigste wollen, ja letztendlich recht.

          1+
          • Bauer Fritz sagt

            Grundsätzlich richtig. Es liegt aber in der Natur der Sache, daß Kritiker ihr Augenmerk auf das legen was sie kritisieren. Es gibt vermutlich auch keine Branche die sich Kritik verschließen kann oder will, weil auch klar ist, daß nie etwas 100% super sein wird. Was an den meisten Kritiker des Agrarbereichs festzustellen ist, daß defacto Zerrbilder entstanden sind (z.B. bio=gut, konventionell = böse), die weder sachlich noch fachlich richtig sind.

            Hier ist oder wäre es Aufgabe und Notwendigkeit die Seite der Landwirtschaft entgegenzustellen, auf Leistungen und Bedingungen zu verweisen, auf Einordenbarkeit in ein Gesamtbild, auf Entzerrung, auf realitätsnahe Darstellung etc.
            Kritische Punkte müssen dabei angesprochen werden.
            Jeder Bauer weiß aber auch, daß das Bemühen um Lösungen zu Kritiken in den diversen Gremien und Organisation am vernünftigsten funktionieren kann.

            Von keiner Branche wird man erwarten oder verlangen, daß sie sich öffentlich selbst an den Pranger stellt oder mediale Selbstgeißelung durchführt.
            Die Landwirtschaft hat hier ohnehin jahrzehntelang ein trauriges Bild abgegeben, wo eine Sparte auf die andere losgegangen ist. Diese Zwergenkriege werden heute vor allem noch zwischen Bio und Konventionell in der Öffentlichkeit abgeführt (zum Gaudium (??) oder zum Entsetzen meist aller Beteiligten).

            2+
            • Brötchen sagt

              Ergänze die Bsp.noch 😉
              Gross = schlecht, klein=gut
              Stroh=Gut, Spalten=Schlecht
              Pflügen=gut, Spritzen=schlecht
              Bergbauer=Heilig, Flachlandbauer=geldgierige Faulenzer 😉
              Tierwohlstall=gut, Vollspaltenstall=schlecht
              Wenig Tiere=gut, viel Tiere=schlecht

              Das Video finde ich sehr sehr gut, denn

              es erzählt eine Geschichte ( bleibt gut im Gedächtnis, alter Werbetrick)
              es berührt emotional ( auch alter Werbetrick)

              Das Video zeigt auch, dass es den Amis auch nicht viel besser geht.

              3+
              • Elisabeth Ertl sagt

                Trotzdem gibt es auch aus der Sicht der Landwirtschaft gut und schlecht. Willi hat es Vollblutbauer versus Vollgasbauer genannt. Das wäre zu definieren. Problematische Entwicklungen werden häufig eingeleitet von denen. welche die geringsten moralischen Hemmungen haben und alle anderen damit in Zugzwang versetzen. Kraftfutter plus Gülleüberschuss hoch oben auf der Alm bringt niemandem etwas, weder der Natur noch der Welternährung, einzig diesem Bauern und seinen Geiz-ist-geil-Kunden. Das Problem ist, dass immer irgendein Schlaumeier irgendwann mit so etwas anfängt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, anstatt sich gemeinsam mit anderen um bessere Rahmenbedingungen zu bemühen.

                0
                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  „Landwirtschaftliche Beratung und Kalkulationen laufen darauf hinaus, dass eine Arbeitskraft rund hundert Milchkühe versorgen soll“, sagte Jutta Weiß vom BDM. „Diese Richtzahl ist Ausdruck des Effizienz- und Kostendrucks, unter dem die Betriebe stehen. Wenn als oberste Maxime gilt, immer noch günstiger produzieren zu sollen, stimmt auch das Verhältnis zwischen Tier und Betreuung nicht mehr.“

                  Genau so ist eswenn der Bauer einen anderen Job annehmen muss, weil der Betrieb im kein ausreichendes Einkommen ermöglicht. Dann muss er und seine Familie die 50 Kühe auch noch nebenher betreuen, weil der Stall noch nicht ab bezahlt ist.

                  Wie sagte die Lebensgefährtin von Landwirt und Bauernfunktionär Hans Foldenauer in einer psychiatrischen Klinik arbeitet:

                  Etwa zehn Prozent ihrer Patienten stammen aus dem landwirtschaftlichen Milieu. Der Anteil der Landwirte und ihrer Familien an der Bevölkerung beträgt aber nur zwei Prozent. Diese Diskrepanz sagt viel über die Belastung der Bauern.

                  1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Diese Psychiatriezahlen kenne ich von anderen Berufsgruppen auch, von Ärzten und Lehrern ….
                  Die Almo – Bauern vermarkten mittlerweile nicht nur in Österreich, sondern auch schon in Süddeutschland, weil es in Ö offenbar zu wenige Abnehmer gibt.
                  Wenn die Deutschen die Produkte einer machbaren Landwirtschaft unter den strengen Qualitätskriterien, die sie selber aufgestellt haben, nicht mehr wollen, dann kriegen sie halt die Emirate oder die russische Oligarchie oder der europäische Finanzadel oder die europäischen Idealisten, die gerne für Qualität zahlen usw. Und die Germanen, die unbedingt mehr Wölfe und Wildnis brauchen, müssen halt mit dem Fraß aus Osteuropa zufrieden sein ……

                  2+
            • sonnenblume sagt

              Warum kann man in Deutschland nicht akzeptieren, dass es nicht nur einen Weg für die Landwirtschaft gibt? Unser Land ist so vielfältig, Landschaft, Boden und Struktur. Es wäre doch sinnvoll die sich daraus entwickelten Betriebsstrukturen zu erhalten und die Bemühungen der Betriebsleiter neue Wege zu gehen zu unterstützen. Jetzt sind wir auf dem besten Weg alle diese Bemühungen zu entwerten. Wer verfügt denn über so viel Erfahrung und so viel Wissen, das er diese Entscheidung für ein so vielfältig strukturiertes Land treffen kann.

              2+
              • sonnenblume sagt

                Mit dem letzten Satz meinte ich, dass man der Meinung ist, dass wir alle eine biologische Bewirtschaftungsform anstreben sollen.

                3+
            • Elisabeth Ertl sagt

              Aber wenn z.B. irgendwo jemand wildert, dann sind die Jäger ja auch gleich bemüht, sich umgehend davon zu distanzieren. Und da kann es nicht verboten sein, sich von landwirtschaftlichen Praktiken zu distanzieren, die gesamtgesellschaftlich verwerflich sind. Das wäre eine Möglichkeit, Kritik sinnvoll zu kanalisieren.

              0
              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Es müsste jedem klar sein, dass man keine Tiere quält, das muss man nicht extra erwähnen.
                Ich sage ja auch nicht jedem, dass ich NICHT bei Rot über die Ampel fahre.

                1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Kürzlich gab es bei uns einen Podcast über den Wolf. Ein Wolfsschützer hat kritisiert, dass ein Wolf erschossen werden darf, wenn er sich Menschen nähert, während eine Kuh, die einem Wanderer droht, nicht sofort erschossen wird. Darauf hat ihm der Landwirtschaftsvertreter erklärt, dass jeder Bauer angehalten ist, ein Tier, das sich zum zweiten Mal auffällig verhält, sofort von der Alm zu entfernen, und wenn es auch am Hof nicht tragbar ist, ehestmöglich zur Schlachtung zu bringen. Und dass bei Zuwiderhandeln auch Konsequenzen drohen, und dass auch die Kammer da sehr dahinter ist. Das hat der Wolfsschützer NICHT gewusst. Der liest in der Zeitung immer nur, dass wiedereinmal eine Kuh zwei von Millionen Wanderern umgestoßen hat, und er erfährt nie, was mit der Kuh dann passiert. Es geht um die Frage, was passiert mit einem Tierquäler von Seiten der Landwirtschaftsvertreter.

                  0
                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  Für den Tierquäler sind nicht die Landwirtschaftsvertreter zuständig, sondern die Staatsgewalt, zumindest in Deutschland.

                  Es ist die Legislative (gesetzgebende Gewalt, also das Parlament),
                  die Exekutive (ausführende Gewalt, die das umsetzt, was die Legislative beschließt)
                  und die Judikative (rechtsprechende Gewalt).

                  Diese Institutionen sind in der Demokratie getrennt. Das ist der Grundsatz der Gewaltenteilung

                  Quelle:

                  http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/161639/staatsgewalt

                  0
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Aber das hindert ja Interessenvertreter nicht daran, sich öffentlich zu distanzieren.

                  0
            • Elisabeth Ertl sagt

              Einverstanden – das ist ja auch der Wert dieses Blogs. Distanzierung ist aber etwas anderes als Selbstgeißelung.

              0
            • Thomas Apfel sagt

              Der Krieg zwischen Konventionellen und Bio´s ist zu mindestens in Deutschland keineswegs ein Zwergenkrieg unter Bauern sondern eine medial angefachte nicht demokratisch kontrollierbare Hysterie im Wirtschaftsinteresse der Bio-Verbände und der Naturschutz und Imkerverbände. Die „Verteidigungshaltung“ der Konvi´s ist nicht selbstgewählt, sondern Ergebnis landwirtschaftsfeindlicher politischer Prozesse in der Gesellschaft.
              Ich habe mit meinen Bio-Kollegen persönlich überhaupt kein Problem. Bei aller fachlichen Auseinandersetzung sind wir uns nicht Feind.
              Es geht auch in der politischen Auseinandersetzung sehr wohl um wertende Betrachtung der beiden Produktionssysteme weil uns die „Vorteile“ von Bio ständig um die Ohren gehauen werden.
              Ich finde es schon merkwürdig, wenn ausgerechnet konventioneller Bauer über diese elementare Auseinandersetzung
              von „Zwergenkriegen“ spricht !!!

              3+
      • Bauer Willi sagt

        @Günter Reichard
        Toll! Jetzt haben Sie es aber mal allen gegeben. Da macht sich eine Organisation auf den Weg, ein halbwegs realistisches Bild von der Landwirtschaft zu zeichnen, und Ihnen fällt nichts besseres ein, als ein Skandalvideo einzustellen, das vermutlich alle hier im Blog schon kennen.

        Sie scheínen ja kein Problem mit Ihrem Image zu haben. Dann machen Sie doch „den Landwirten da draußen“ hier einen Vorschlag, wie es gehen soll. Ich warte…

        Aber natürlich „ist es viel einfacher auf die Landwirte, die aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben“ zu schimpfen.

        4+
        • Günter Reichard sagt

          @Bauer Willi:
          Ich habs gar niemanden gegeben, ich habe nur auf Bauer Hans geantwortet.
          Das Video des Amerikaners könnte mittlerweile überall gedreht werden,
          das ist mir auch bewußt.
          Die Reaktionen zeigen mir, dass ich manche auch getroffen habe.
          Ich kann nur von mir reden: Und ich bin verantwortlich für mein Tun
          und Handeln, ich bin verantwortlich für Zustände die ich nicht mag und gegen die ich nichts dagegen unternehme, mir ist es ein Greuel wie im Moment die
          Bauern durch den Kakao bzw. bildlich gesehen durch die Scheiße gezogen werden.
          Deshalb schreibe ich oft und suche das Gespräch, auch mit den Leuten die in die Ställe einbrechen und Gesetze mißachten.
          Wenn sich viele verantwortlich fühlen würden, wäre es denke ich auch möglich
          wieder ein anders Bild von den Bauern zu bekommen.
          Aber wie gesagt, ich bin verantwortlich und ich muss beginnen, wenn ich was verändern will

          3+
          • Bauer Willi sagt

            Das klingt nun wieder ganz vernünftig. Frieden.

            Und genau deshalb engagiere ich mich. Hier, auf Facebook, Twitter und Instagram. In unserer Genossenschaft. In der Bürgerstiftung. Und ich denke, viele der Kommentatoren hier auch, ohne dass sie sich selbst loben, wie ich das gerade mache. Aber sonst macht es ja keiner… (Ironie off)

            Darum fühlen sich viele so getroffen von Deiner Aussage.

            2+
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Ich könnte genüsslich mit dem Finger auf die Tierhalter zeigen, denn ich habe eine Weise Weste, ich habe noch nie Schweine, Rinder oder Schafe gehalten.
            Mir geht es gewaltig auf den Sack wie die Bevölkerung mit den Bauern umgeht.
            Gerade DU als Bauer solltet nicht solche Einzelfälle im Internet, oder bei Bauer Willi posten, der Nichtlandwirt könnte meinen, wenn die Bauern das schon posten, dann sind solche Tierquälereien gang und gäbe.

            Jeder Tierhalter ist verantwortlich für seine Tiere, und von ein Paar Einzelne halten die anderen, die Tiere genau so gut wie du deine Tiere hältst.

            1+
            • Elisabeth Ertl sagt

              Ich sehe es eher so: Wenn ein Bauer das postet, dann weil er eben das entgegengesetzte Ethos hat, weil er das in seinen eigenen Reihen nicht duldet, weil es ihm wehtut, weil er sich selber eben um das Tierwohl bemüht. Das Gegenteil könnte als Vertuschung ausgelegt werden.

              0
              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Was längst in den Medien ist, braucht man als Berufskollege nicht noch einmal in die Öffentlichkeit bringen.

                Er könnte mal die Gesellschaft zu seinem Betrieb einladen und zeigen dass es seinen Tieren gut geht. Wenn er dann noch erwähnt dass – bis auf wenige Ausnahmen – andere Bauern ihre Tiere genau so gut halten wie er, das würde bei den Diskussionen weiterhelfen.

                1+
  6. Schmeckt gut sagt

    Klasse. Unsere amerikanischen Kollegen haben es auf den Punkt gebracht. Mit Tränen in den Augen müssen wir erkennen, dass das, was im Moment mit der LW passiert, nur zu einem Ergebnis führen kann: ES WIRD BALD KEINE BAUERN IM EIGENTLICHEN SINNE MEHR GEBEN, weil sie wegen der Kosten, Auflagen und des Drucks aufgeben müssen. Dies kann die jetzige Generation der Betriebsleiter den Hofnachfolgern nicht mehr zumuten. Die amerikanischen Filmemacher bringen dies sehr eindringlich mit kurzen Einblendungen auf den Punkt. Und wer soll diese Arbeit in Zukunft erledigen? Wohlformulierte Phrasen über das Radio zu verbreiten, Digitalisierung 4.0, immer wieder verbreitete tolle Lösungen mit Hilfe von internetbasierten Anwendungen bringen uns in der Lösung der Probleme kaum weiter, denn die Arbeit können nur wir Bauern leisten. Wer auch sonst? Lösungen können wir doch nur gemeinsam erarbeiten, aber dann mit einer 40 Stunden Woche und anständiger Bezahlung damit wir auch noch „in Familie“ machen können, wie jeder anständige Arbeitnehmer auch. Auch wir deutschen Bauern haben die Schnauze gestrichen voll.

    13+
  7. Heinrich Steggemann sagt

    Welche zusätzlichen Stellschrauben gibt es, die Wasserhaltekapazität unserer bis vor 100 Jahren für die Plaggeneschböden humusmässig geplünderten Sandböden zu erhöhen. Ein Thema, das mich seit zwei Jahren intensiv beschäftigt. Die Bodenart kann ich nicht tauschen. Der einzige Weg besteht in der Erhöhung des Humusgehaltes. In glatten Zahlen ausgedrückt: Ein Prozent Humus bringt 20 bis 40mm zusätzliche Regenspeicherkapaztät. Als Hauptbestandteile für ein Prozent Humusaufbau pro Hektar werden Sonnenlicht zur Erzeugung von Wurzelexcudaten(Energieversorgung des Bodenlebens), 15 to Kohlenstoff(Entnahme von 60 to CO2 aus der Atmosphäre) und 1500kg fest verbauten Stickstoff benötigt. Um den Humusaufbau mit Hilfe des Bodenlebens zu fördern ist Interesse, Experimentierfreude und Offenheit für sehr alte und neue wissenschaftliche Erkenntnisse gefragt. Als Oberbegriff sei hier die Regenerative Landwirtschaft genannt. Viele aktuell gesellschaftlich erzwungene Veränderungen im Bereich Düngung und Pflanzenschutz werden den Durchschnittslandwirt eher in den Humusabbau und damit CO2 Ausstoss treiben.

    10+
    • Bauer Willi sagt

      Zum letzten Satz: Sehe ich genau so. Das müssen wir aber auch der Gesellschaft (und der Politik) kommunizieren! Wer weiß das noch, dass mehr Bodenbearbeitung eben nicht gut ist?

      2+
      • sonnenblume sagt

        Das ist doch das Problem Derzeit geht es doch stur in eine Richtung und man schaut nicht mehr rechts und links. Alternativen werden überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Alles was nicht Meinungskonform ist fällt unter den Tisch.

        7+
    • Moin!

      Ein Hof hier in der Nähe hat moorigen Grund. Zu Großvaters Zeiten hieß es, nicht im Moor bauen, nicht im Moor ackern (Wasser etc.). Doch die Speicherkapazitäten sind enorm. Gerade bei der Dürre hatte er nicht nur das im Boden gespeicherte Wasser, sondern auch Pilz hat vor der Ernte kaum Auswirkungen gehabt, so daß die Erträge höher ausfielen.

      Humus ist der Schlüssel.

      Humus besteht dabei zu rund 60% aus Kohlenstoff, also ein super CO2-Speicher sozusagen, mit der Eigenschaft, auch Wasser und Nährstoffe zu speichern.

      Wobei ich anderer Meinung bin, was die pfluglose Bewirtschaftung angeht. Mechanik schlägt Chemie. Es geht nicht nur um CO2, sondern den gesamten ökologischen Fußabdruck. In Amerika sieht man, wie schon massiv unterm Jahr gespritzt werden muß, Pflanzen auf roundup-ready-Basis (oder Xtend bei Dicamba) gentechnisch verändert werden mußten dafür, weil man keine Chance gegen die Natur hat, die sich der Chemie immer wieder anpaßt. Mechanik ist es egal, die legt auch Giersch unter die Erde. Andere Themen sind phytosanitäre Aspekte (Bodenpilze wie Fusarium etc.), das Fernhalten von Schnecken und Mäusen, das Auflockern des Bodens. Und schwarze Brache, egal wie, die der Hitze ausgesetzt ist, wird immer austrocknen. Aufgrund höherer Oberfläche bei der auflockernden Bearbeitung natürlich schneller, aber ich sehe darin kein Argument für pfluglose Ackerbewirtschaft mit Herbiziden.

      Bei trockenen Regionen als solches hingegen kann es schon sinnvoll sein, bei sehr dünnen Humusschichten oder ähnlichem, siehe auch diesen Artikel hier:
      https://www.deutschlandfunk.de/pfluglose-landwirtschaft-lohnend-nur-in-trockenen-regionen.676.de.html?dram:article_id=301199

      Ich persönlich würde eher Konzepte suchen, wie man mehr Kohlenstoff in den Boden bekommt, Humus (künstlich) aufbaut. Im Grunde gefällt mir der Ansatz von Terra Preta, wobei dieser noch nicht wirklich ausgearbeitet wurde und eher was für Öko-Hobbygärtner ist. Doch die Idee ist simple: Kohle wirkt als Speichermedium (kennt man von Aktivkohle gegen Vergiftungen), man läßt diese sich aufsaugen mit Nährstoffen und verarbeitet es dann im Boden. Wie oben erwähnt: Humus ist zu 60% Kohlenstoff. Das ist die Speicherkapazität dahinter. Hier eine kritische, aber inhaltlich sachliche Bewertung vom BUND:
      http://region-hannover.bund.net/fileadmin/bundgruppen/bcmshannover/Terra_Preta/BUND_bundesweite_Papiere/BiokohleTP_Endversion_15_10_14_1_.pdf

      Nachteil: Die Speicherkapazität gilt auch für Nährstoffe. Düngen muß man weiterhin, damit die Kohlenstoffspeicher gefüllt bleiben sozusagen, doch mit Blick auf die Düngemittelverordnung und weniger Nährstofferosion kann man da nicht mehr so viele Fäkalien drauf loswerden. Also tierische Produkte müssen so oder so weniger werden auf einem Level, daß Stoffkreisläufe gut gewährleistet sind, würde ich spontan sagen (oder wie mein Vater sagt: Früher haben wir hier die Kartoffelschalen an die paar Hausschweine verfüttert).

      Apropos Kohlenstoff: Das zeigt auch, daß bei der Düngung organische Substanzen auf Kohlenstoffbasis nicht zu unterschätzen sind.

      CO2-Sequestrierung, wie im Film angedeutet, ist aber mehr als Humusaufbau. Ursprünglich erdacht für Kohlekraftwerke ist diese forcierte Speicherung von CO2 im Boden ein vermeintlicher Hoffnungsschimmer auf weiterso, wir können’s ja im Boden parken. Gas wird in poröse Gesteinsschichten gepreßt (quasi wie Erdgas, nur umgekehrt). Das ist auch CO2-Sequestrierung. Diese Form der CO2-Speicherung sehe ich kritisch, weil endlich und in sich kein wirtschaftlicher Mehrwert im Gegensatz zum Humusaufbau für Landwirtschaft.

      Das hier geht CO2-Sequestrierung im Blick auf Humusbildung:
      https://www.kompost.de/uploads/media/C-Sequestrierung_01_2_11.pdf

      Das Risiko: Man wittert darin einen Freibrief für pfluglose/chemische Ackerbewirtschaftung, rechtfertigt das Übermaß an tierischer Produktion von wegen organischer Dünger zur Humusbildung und kann dann auf Industrieseite so weitermachen.

      Eine Anmerkung zum Dünger. Pflanzliche Abfälle, ja, damit wird CO2 im Boden gebunden. Tierische Ausscheidungen hingegen trage nicht wirklich mindernd zur CO2-Bilanz bei auch bei CO2-Sequestrierung nicht, da Tiere lediglich den Kohlenstoff aufnehmen, den die Pflanzen bereits gespeichert hatten, und ein Großteil wird wieder ausgeatmet/verstoffwechselt. Hinzu kommen Lachgas und Methan, die die Bilanz in die andere Richtung schubsen.

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.