Bauer Willi
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Die Gesundheit der Kühe

Die Göttinger Erklärung 2016, die Tierärzte auf der 16. AVA-Haupttagung in Göttingen postulierten, wird in der Fachwelt intensiv diskutiert. Sie wurde in der landwirtschaftlichen Presse zum Teil als „nicht belegt“ kritisiert. Die Aussagen würden in vielen Teilen nicht den Tatsachen entsprechen…. . Welche Aussagen stimmen nun? Haben Beide Recht, liegen die Tierärzte falsch? Kennen die Tierzüchter Probleme der Praxis nicht?

Aufgrund dieser sehr kontroversen und emotional geführten Diskussionen bietet die AVA eine Fachtagung für alle Interessierten der Milchproduktion am 13. und 14. Oktober 2016 in der Nähe von Göttingen an. Tierärzte, Landwirte in der Tierproduktion und Berater sind herzlichst eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen, um mit den hoch anerkannten Fachreferenten aus den unterschiedlichen Bereichen, die divergierenden Standpunkte intensiv zu diskutieren und vielleicht doch zusammenzuführen. Letztendlich wollen wir alle Eines: gesunde Kühe. Eingeladen wurde der niedersächsische Landwirtschaftsminister, Christian Meyer, um seine Ansichten zur modernen Hochleistungskuh aus politischer Sicht kund zu tun. Dabei ist auch die Journalistin und Buchautorin Dr. Tanja Busse, die mit ihrem Buch „Die Wegwerfkuh“ viel Furore machte. Sie sagt, „dieses Buch sei besonders ein Buch für Bauern…“.

Der Leiter der AVA, Herr Hellwig, sagt dazu: “Bitte sprechen Sie Kolleginnen und Kollegen auf die Tagung an, kommen Sie gemeinsam, damit wir dieses äußerst wichtige und konträr diskutierte Thema am 13. und 14. Oktober 2016 in der Nähe von Göttingen ausgiebig mit den Fachreferenten (vielleicht) „klären“ können.”

Das Programm der Tagung finden Sie HIER (PDF)

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18 Kommentare

  1. Jochen Böhrer sagt

    Die AVA sollte ihre Referenten besser auf Kompetenz checken. In der Göttinger Erklärung kam schon des Öfteren absoluter Quatsch raus. So wurde zum Beispiel vor ein paar Jahren die Biogasbranche der Verbreitung von Clostritium Botulinum nicht nur verdächtigt sondern sogar beschuldigt. Und obwohl das mittlerweile durch mehrere belastbare Studien widerlegt wurde (Unter anderem der TIHO Hannover), geistert diese Behauptung mit Berufung auf die Göttinger immer noch durchs Netz.

  2. Sabine sagt

    Also davon hab ich ja nun wirklich keine Ahnung, aber ich finde es sehr interessant, wie sich hohe Leistungen und Langlebigkeit miteinander vertragen, oder eben nicht.
    Hobbyhalter haben ja teilweise steinalte Tiere mitlaufen und irgendwie, finde ich, kann man schon stolz sein, wenn einem ein Tier lange die Treue hält. Mal ganz abgesehen von der Leistung ist ein langes, gesundes Leben irgendwie ein Kompliment für den Halter.
    Aber ich muss von meinen Tieren ja auch nicht leben.

    • fred huber sagt

      hallo sabine.

      das eigentlich interessante ist meiner meinung nach der umstand, dass die lebensdauer bei allen haltungsformen, leistungsklassen, rassen usw. bis auf ein paar monate, überall mehr oder weniger gleich (kurz) ist. ich denke das liegt daran das noch zu viele bauern ihre gesamte weibliche nachzucht großziehen. wenn alle 2 jahre eine neue platzhalterin kommt, wird´s irgendwann eng im stall…

    • Ich muss aber von meinen Tieren leben, deswegen mögen sie sehr alte werden, denn auch Kühe mit 15 Kalbungen geben immer noch 6-7000 Liter Milch pro Jahr, und die Fett/Eiweiß % können locker mit den Hochleistern mithalten.
      Ich will ja auch nur mal einen Anreiz zum Nachdenken geben. Weil manche reden von einer “Milch-Krise” es ist immer eine Frage der Einstellung, ob Krise oder nicht angepasste Betriebsführung. Nicht Jammer und die Schuld bei anderen suchen, sondern handeln.

      • Sabine sagt

        Hallo Ihr Beiden, ich kann verstehen, dass meine Tiere halt nur eine sehr kurze Verwendungsdauer in Profibetrieben haben. Ein Huhn durch die Mauser füttern und danach mit gesunkener Leistung weiter leben und legen lassen, das finanziert der Verbraucher einfach nicht. Ein Ömmeken, dass sich nur noch einmal die Woche in das Legenest verirrt, das kann man sich nur als Hobbyhalter leisten. Auch wenn immer wieder von “Ausreißern” berichtet wird, die bis ins hohe Alter noch regelmäßig 5 Eier die Woche abliefern.
        Ganz ähnlich wird es bei den Sauen sein. Eine Tier was durchgehend kleinere Würfe hat, ist selbst mittelfristig nicht tragbar.
        Bei Milchkühen, da müsste es – was die Kosten/Nutzen-Rechnung angeht- eigentlich anders sein. Daher wundert es mich schon, wenn Tiere, die in der Aufzucht ja recht teuer sind, in den letzten Jahren scheinbar kurzlebiger werden.
        Eigentlich sind ja auch die Haltungsbedingungen besser geworden, oder? Ich mein der Laufstall hat schon was gebracht, oder?
        Auch müsste sich Langlebigkeit in einer Kuhherde doch eher durchsetzten. Denn eine Kuh die lange lebt, hat mehr Kälber und damit die öfter Gelegenheit ihre Langlebigkeit an Nachkommen weiter zu geben.
        Oder liegt es vielleicht wirklich daran, dass es eine vergleichsweisen schmalen Genpool auf der väterlichen Seite gibt und dort eben (auch) nicht darauf gewartet wird, wie der Bulle nach 10 und mehr Jahren ausschaut?
        Eigentlich müsste es doch sowas wie eine Leistungskonkurrenz für Langlebigkeit gerade bei Kühen geben.

  3. fred huber sagt

    hallo willi.

    ich würde gerne mehr schreiben, hab aber wiedermal wenig zeit… landwirt und so…
    ich würde dahin gehen, wenn jemand da wäre der mir erklären könnte wie man´s besser MACHT, und nicht wie man es besser machen KÖNNTE.

    so wie ich das sehe, wird dort wieder eine 2-nutzungsrasse und weidehaltung propagiert, und natürlich kleine bestände. weniger laktationsleistung. dann wird alles gut. und dafür ist mir die zeit zu schade. wäre dort ein praktiker der eine herdenabgangsleistung von 50000 l + hat, ja, von dem könnte man lernen. von allen anderen eher nicht…

    mfg

    • Bauer Willi sagt

      Es sind auch Landwirte herzlich eingeladen, drum hat mich Herr Hellwig gebeten, auf diese Veranstaltung aufmerksam zu machen.
      Was das Zweinutzungstier angeht, so bereiten wir gerade eine Serie zu Hühnern vor. Dort äußert sich auch eine Wissenschaftlerin zu diesem Thema. Allerdings unerwartet anders.
      Bauer Willi

      • Jochen Böhrer sagt

        Man kann Zweinutzungshühner nicht mit Zweinutzungsrindern vergleichen. NOCH nicht. Jedenfalls ist die Geflügelzucht noch meilenweit von den Zuchterfolgen des Fleckviehs entfernt.

        • Sabine sagt

          Jochen, daran sind so Bekloppte wie ich schuld. Im Moment züchte ich zwar nicht für die Ausstellung und lass meine Tiere wild durcheinander laufen, was überraschend schöne Kombinationen dieses Jahr ergab, aber bis auf die Bresshühner und vllt. noch bei einigen anderen ehemalige Leistungsrassen hat kein Ausstellungszüchter mehr sein Hauptaugenmerk auf der Leistung. Die Tiere müssen die nach Rassestandard korrekte Farbe und Form haben. Ja, man redet auch über Gewicht und Eierzahl, aber meist eben mehr über korrekten Stand, die Zacken im Kamm, Schwanzwinkel, Gefiederglanz…. und wenn man ganz bekloppt ist, so wie ich, interessiert es einen eher, ob eine schöner Hahn auch freundlich ist und nicht, ob er eine gute Legeleistung vererbt. Ein in Farbe, Form und Charakter ausdrucksvoller und harmonischer Zuchtstamm ist für mich mehr Wert als ´Höchstleistung in Fleisch und Eiern. Sonst würde ich Indische Kämpfer mit Lohmanns Brown kreuzen und mir keine Gedanken darüber machen, wieviele Handschwingen mein Mädels haben, ob die Füße gerade sind und ob der Hahn zu sehr an ihnen rumreißt, wenn er tritt.

  4. Friedrich sagt

    Alles gut.Ich werfe den Tierärztevertretern vor , sich in die Büsche zu schlagen. Alles was mit Tierwohl usw. zu tun hat, haben die nichts zu tun. Sie verschreiben nur das “Nötigste”, auf keinen Fall zu viel !? Wir Landwirte haben immer gefordert das die Rechnungen in Medikamente und Beratung aufgeteilt werden. Das war nie durchsetzbar. Keiner sollte eine Rechnung analysieren können ! Ich bin kein Rinderhalter , aber wenn eine Kuh vor 30 Jahren nur 5 Jahre wurde , kann sie heute bei einer Verdoppelung der Milchleistung nicht älter werden. Genauso ist das in der Ferkelproduktion. Vor dreißig Jahren hatten die guten Betriebe 18 Ferkel/Sau/Jahr und heute 30 Ferkel/SAU/Jahr. Wenn die Leistung der Tiere abfällt muß halt remontiert werden. Das verlangt der Verbraucher so, denn wir sind ja kein Gnadenhof, sondern Nutztierhalter. Bei 20% Leistungsabfall muß das Tier gehen , sonst legen wir Geld bei, denn die Futtermittellieferanten, Tierärzte,Kontrolleure usw. wollen alle von uns Geld haben und wir produzieren unter Weltmarktbedingungen haben aber die deutschen Hochpreise zu bezahlen. Wenn wir nur Weltpreiskosten hätten, sähe das Ganze wiederum anders aus, aber das will ja keiner hören !!

    • Hallo Lieber Kollege Friedrich,
      ich habe nicht gesagt/geschrieben das die Kühe vor 30 Jahren(1960/70=40bis50Jahre) nur 5J. alte wurden, sondern heute ist das der Fall! Die Milch-Lebensleistung (MLl), das ist die Zeit, in der unsere Kühe leben und Milch geben. Diese MLl war früher auch nicht schlechter wie heute, weil die Kühe einfach doppelt so alt wurden. Nun kann jeder selbst rechnen was für seinen Betrieb besser ist. Ich habe mich für lange Lebensdauer endschieden. Macht auch richtig Freude so alte Kühe zu haben, 15 Kälber ist bei mir keine Seltenheit.

  5. Da können alle lange rum diskutieren unsere Milchkuh wird in Deutschland im Schnitt nur noch 5 Jahre alt, und das schlimme ist noch dazu, die “Lebensleistung” ist seit den 1960/70 kaum gestiegen. Na was ist das für eine Leistung???

    • Bauer Willi sagt

      Das kann man auch anders sehen und als Chance begreifen. Wenn Minister Meyer sich auch die ganzen Tagung anhört. Es diskutieren ja Fachleute und Tanja Busse referiert nicht, sondern moderiert.
      Bauer Willi

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