Bauer Willi
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Die Dürre, die Statistik und der Notstand

Georg Keckl ist Agrarstatistiker in Niedersachsen. Ministerin Klöckner will ja erst die Ernteergebnisse bei Getreide abwarten. Doch wie kommen diese Zahlen zustande? Georg weiß es.

Hallo Georg, gibt es jetzt für Dich mehr Arbeit?

Nein, es ist wie jedes Jahr, vielleicht etwas hektischer. Jeder will jetzt wissen, wie es aussieht.

Du sprichst von deutlich mehr Telefonaten, die ihr bekommt. Wird da auch schon mal versucht, euch zu beeinflussen?

Nein, das Ergebnis will niemand beeinflussen, nur möglichst sofort haben.

Wenn man Landwirte nach Erträgen fragt, können die ja schon mal sehr „kreativ“ antworten, je nachdem, wie die Situation ist. Wie stellt ihr sicher, dass die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ans Licht kommt? Schildere doch mal kurz, wie die Zahlen gegengecheckt werden.

Das passiert bei den Hauptgetreidearten und den Kartoffeln durch zwei getrennte Berechnungsverfahren. Wir fragen unsere 1600 Melder nach ihren Erträgen („EBE“) und vergleichen dieses Ergebnis dem Ergebnis, das wir selber getrennt davon durch ein Stichprobenverfahren auf im Mai repräsentativ ausgewählten ca. 1300 Feldern über „Kreiskommissionen“ abschnippeln („BEE“). Auf ca. 1000 Feldern werden „Quadratmeterproben“ abgeschnitten und in einen Sack gesteckt, die Kartoffeln werden nach dem Wiegen wieder in den Damm gelegt. Die 306 zusätzlich verwogenen Felder messen wir per GPS nach, damit wir zu der Menge noch die exakte Fläche haben. Bei einem Nebenerwerbslandwirt im Kreis Hameln haben wir im ehemaligen Kuhstall eine Standdreschmaschine stehen, bei dem die Säcke mit den Quadratmeterproben ankommen und gedroschen werden. Der hat dieses Jahr sehr viele Proben auf einmal zu dreschen und zwischenzulagern. Die gedroschen Proben werden in der LUFA in Hameln standardisiert und ausgewertet. Die BEE wurde nach dem Krieg von den Amerikanern nach ihrem Ernteermittlungsverfahren eingeführt, weil sie den deutschen EBE-Zahlen nicht glaubten. Die passen aber immer recht gut zusammen. Wenn ein Landwirt in der EBE zu stark abweichende Erträge meldet, fragen wir nach, was los ist. Hier habe ich das Verfahren 2001 mal beschrieben:

http://www.nls.niedersachsen.de/Tabellen/Landwirtschaft/bee_text/e_stat.htm,

hier hat das Bundesministerium was gemacht: https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/Klimawandel/_Texte/FAQ-Erntebericht-Hilfen-Extremwetter.html;jsessionid=C53913066C75411F1F7CA8D0D52F7652.1_cid367#doc11317302bodyText1

Überall geistert ja jetzt der „nationale Notstand“ und 30% Ertragsverlust durch die Medien. Wie sieht es in Niedersachsen aus? Lässt sich da schon was sagen? Hast Du schon erste Einschätzungen aus anderen Bundesländern?

Mit den „30%“ für einen „Notstand“ kann im niedersächsischen Landesschnitt nicht gedient werden. Aktuell sind es hier 22%, im Bund 16%, Brandenburg 28%, für Rheinland-Pfalz wird sogar eine etwas höhere Getreideernte erwartet, aber das sind nicht die Zahlen, auf die alle warten, die werden erst Mitte August aus allen dann eingegangenen Quellen generiert. Die 30% werden in Niedersachsen auf den 2017/2018 nässegeschädigten Marschen und auf leichten Böden von der Hunte Richtung Brandenburg und Sachsen-Anhalt hin erreicht. Je weiter östlich, umso trockener ist es. Die Trockenheit wird Futterbau- und Biogasbetriebe besonders betreffen, da diese oft auf weniger guten Standorten wirtschaften und das Gras und der Mais momentan traurig aussehen. Die Bewässerungsfelder und die guten Böden, nur die guten, von Schaumburg-Lippe bis Göttingen liefern gute Weizenerträge während Wintergerste auch dort enttäuschte – warum weiß momentan keiner so genau. Die „Lehminseln“ in der Geest kamen auch mit einem „blaue Auge“ davon. Das dritte Jahr nacheinander gibt es allgemein geringe Rapserträge, wenn er im Frühjahr überhaupt noch stehen blieb.

Die Selbsthilfe der Bauern sollte unterstützt werden durch Bürokratieabbau, wenn jetzt noch versucht wird, irgendwie beim ersten Regen das passende Herbstfutter zu säen und den Kühen zu helfen. Getreidebauern scheinen höhere Preise zu bekommen und gutes Geld für Stroh als Notfutter von den Kuhbauern. Mais steht von mickrig bis mau, da kann nun auch nicht mehr viel kommen, im Gegensatz zu den Rüben, die oft mit guter Herbstentwicklung erfreuten. Wer auf den typischen, leichten Kartoffelböden keine Beregnung hat, ist schon draußen oder wird es wohl demnächst sein.

Als Antwort auf die Klimaerwärmung sollte die nächsten 20 Jahre nördlich des Mittellandkanals jedes Feld einen zuverlässigen Wasseranschluss bekommen, nötigenfalls über Flurbereinigungsverfahren auf Kosten der Eigentümer, sonst wird es dort eng mit Ackerbau. Rückhalte- und Versickerungsbecken sollten angelegt werden, ziemlich nutzloser Kiefernwald in Staatsbesitz für den Zweck gerodet. Die Beregnungsverbände wissen schon, was zu tun ist. Um mehr in der Nacht beregnen zu können, werden überall dickere Rohre gebraucht. Daneben ist die Entwässerung für Jahre wie 2017 nicht zu vergessen, das Wasser muss in Trockenjahren schneller hin zu Feldern und in Nässejahren schneller wieder weg. Es scheint ja so zu werden, dass wir mehr stabile Wetterlagen bekommen werden.

Wer sic für die Werte nach Bundesländern und aufgeschlüsselt nach den einzelnen Kulturen interessiert, findet die hier. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/LandForstwirtschaft/ErnteFeldfruechte/FeldfruechteJuni2030321182035.xlsx?__blob=publicationFile

Der Deutsche Bauernverband hat ja schon Ende Juli eine Ernteschätzung herausgegeben. Warum braucht ihr so lange? Ach ja, ihr seid ja Beamte…

Na, wenn ein Verband erst nach der Ernte merkt, wie die Ernte geworden ist, hätte er seine Aufgaben nicht erfüllt. Die Verbände und die Händler wollen wissen, wie sich der Markt entwickeln könnte. Unsichere Märkte benötigen mehr Spannen bei den Preisen, die dann der letzte in der Kette, der Landwirt zahlt. Gesicherte Marktinformationen ermöglichen knappe Kalkulationen und erhalten einen konkurrierenden Handel, das nutzt den Bauern. Im Bereich der Landwirtschaft arbeiten nicht nur die Landwirte mit sehr geringen Spannen, das Geschäft ist hart, volkswirtschaftlich betrachtet, seit der Währungsreform 1949 eine Inflationsbremse. Je genauer und frühzeitiger die Statistiker aller Länder eine Ernte beschreiben können, umso mehr Geld kann zu den Bauern über gute Preise durchgereicht werden.

Wenn die Zahlen Ende August vorliegen, könnte ja der Vorwurf kommen, dass ihr die Situation nicht richtig beschreibt. Wie gehst Du persönlich mit einem solchen möglichen Vorwurf um?

Kaum jemand weiß, dass die Landesstatistiker die Zahlen erstellen. Die Vorwürfe bekommen die Politik und der Bauernverband ab, da werden wir uns nicht vordrängeln. Noch kann niemand eine bessere Alternative einsetzen. Wir arbeiten gerade – mal wieder – an einem Projekt zur Fernerkundung der Erträge über Satellitenbilder, tolle Theorie, kommt alle 10 Jahre als Ei des Kolumbus, dann scheitert es regelmäßig am Wetter, das so nicht in die Programme eingespeist ist.

Lieber Georg, vielen Dank, dass Du mir so offen und klar Auskunft gegeben hast. Es ist immer hilfreich, wenn man jemanden kennt, der die Fakten kennt und sie belegen kann. Es wäre schön, wenn sich alle daran halten würden, auch wenn es um Glyphosat , Nitrat und andere „schlimme Dinge“ geht.

 

 

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16 Kommentare

  1. Hans-Günter Felser sagt

    Sehr guter Beitrag, aber „Die Lösung“, dann per Bewässerungssystem zu kompensieren, hat auch woanders nicht geklappt. Das ist nicht der richtige Weg! Es muss eine Landschaft entstehen, die den Regen anzieht! Alle anderen Wege sind Holzwege. Der Landwirt hat die Lösung in der Tasche. Viele wissen es nur noch nicht.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Ich versuche seit Tagen die Regenwolken herzuwinken, jedoch ohne Erfolg, ob ich es mal mit beten versuchen sollte?

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      • sonnenblume sagt

        @Ehemaliger und @Felser. Ein Gedanke zum Regen heranwinken und Landschaft die Regen anzieht. Wir wohnen hier auf einer kleinen Kuppe. Nur ganz wenige Höhenmeter Unterschied zum Umland. Die äußeren Merkmale ( Hecken etc. ) sind identisch. Unser Boden ist eher sandig mit ziemlich tiefgelegenem Grundwasserstand, das Umland eher anmoorig bis moorig mit recht hochgelegenem Grundwasserstand. Wir können auch sehr oft den Regen sehen, aber er schafft es nicht bis auf die Kuppe, bzw. es geht rundum vorbei. Ich denke, dass der Grundwasserstand und dadurch bedingt die normalerweise vorherrschende Bodenfeuchte, auch Einfluss auf die Niederschläge hat. Die Kollegen dort bekommen nämlich öfter und auch mengenmäßig viel mehr Regen. Wie ist Ihre Meinung dazu? Könnte man das auch weiträumiger so sehen, oder ist das eher nur in kleinen Gebieten von Bedeutung? Inge spricht ja oft von der Sandbüchse in D. Wie ist das dort?.

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        • Hans-Günter Felser sagt

          an sonnenblume: Vielen Dank, dass Sie das Thema ernst nehmen. Diese Fähigkeit, Zusammenhänge mündig zu betrachten, ist nicht jedem hier gegeben.

          In der Tat ist es so, dass es an bestimmten Stellen bevorzugt abregnet und an anderen dafür weniger oder eher nicht. Ihre Beobachtung, dass es etwas mit dem Grundwasserstand zu tun hat, ist insofern richtig, dass an den Stellen, wo es eher regnen wird und es Abendtau gibt, es dort deutlich kühler ist, als z.B. bei Ihnen auf der Anhöhe. Dort ist es trockener und der Boden heizt sich entsprechend schneller auf.
          Die Wärme steigt nach oben und bildet geradezu einen thermischen Wall aus warmer Luft um Ihr Kleinklima-Gebiet, die Wolken machen quasi „einen Bogen“ um ihr Gebiet . Ja, schon wenige Meter machen da den Unterschied.
          Ich finde das gut, dass Sie beobachten und Schlüsse ziehen.

          Was auf Ihrem Gebiet geschieht, geschieht in großem Umfang zur Zeit auf eben unseren weiten, ungeschützten Fluren. Kaum mehr Schutzhecken und Bäume sind da, die Schatten spenden, den Wind brechen und durch die entstehende Kühle (Fallwinde entstehen, aus großen Höhen werden praktisch kühle Winde auf die entsprechenden Stellen sinken und oben kommen dann mitunter auch Wolken nach. Ein Meteorologe kann das wesentlich gescheiter erklären. Hier habe ich einen interessanten Beitrag von der Max-Planck-Gesellschaft zum Thema: https://www.youtube.com/watch?v=cnuMB51jv38

          Wenn man die Zusammenhänge, so wie Sie es getan haben, an den verschiedensten Geländeformationen und mit unterschiedlichen Gegebenheiten auf lange Sicht verfolgt, fallen einem solche Zusammenhänge unweigerlich auf.
          So kenne ich einen Platz, der ist eine sogenannte Wetterscheide: An gewissen Wintertagen kann man dort an einer Stelle Schnee haben, einen Meter weiter aber Regen – und dass verlässlich Jahr für Jahr und ziemlich genau an der gleichen Stelle.

          Es hat halt mit der Temperatur zu tun, mit den Gesetzmäßigkeiten der Lufthülle, z.B. dem Luftdruck, etc.
          Winde sind der Austausch der Luft zwischen verschiedenen Luftdruck-/Temperaturbereichen – sowohl horizontal als auch vertikal. Winde kann man zu Stürmen anschwellen lassen, oder aber sie brechen. Landschaftsgestaltung ist das Stichwort.

          Ein spannendes Thema.
          Ich würde mich sehr freuen, wenn gerade die Menschen, die auf das Wetter angewiesen sind wie keine anderen sonst, das Thema ernsthaft angehen und auch erkennen, dass durch die flächendeckende Gestaltung der Landschaft auch das Klima beeinflusst werden kann.

          Woran es u.a. fehlt, sind Flächen, auf denen auch genügend Wasser verdunsten kann, Böden, die Wasser aufnehmen und lange speichern können, etc.

          Wir können von denen lernen, die sich mit eigener Kraft wieder aus dem Dilemma herausbefördert hatten, in dem sie bzw. die Vorfahren sie hineinmanövriert hatten. Und wir können auch von denen lernen, die sich dieses Themas nicht zu öffnen vermögen und jetzt von Krise zu Krise dümpeln, denn auch abschreckende Beispiele tragen zur Erkenntnis bei. Es gibt viele Vorbilder, von denen wir lernen können.

          Ihnen beste Grüße!

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          • sonnenblume sagt

            Sie haben die Wetterscheide erwähnt. Die Kuppe ist eine ovale Erhebung. Darüber verlaufen zwei Wetterscheiden. Zwar nicht so extrem wie Sie das erleben, aber bei Niederschlag doch sehr oft sehr deutlich zu erkennen.
            Jetzt möchte ich aber nochmals zum Grundwasserspiegel kommen. Ich glaube schon, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Nur kann man daran nichts ändern.
            In der weiteren Nachbarschaft gibt es ein Gebiet, dass etwas hügelig ist, stärker bewaldet, mit kleinteiliger Landwirtschaft und sehr sandigen Böden. Direkt daneben großflächig auch moorige Flächen. Ehemals ein Hochmoor. Das hügelige Gebiet hat trotz Waldbestand die gleichen Probleme wie wir, wenn nicht sogar noch schlimmer. Das hängt mit dem sehr mageren Sand zusammen. Ich kann aber auch die Arbeitsweise nicht beurteilen.
            Im Grunde müssten wir viele Jahrzehnte zurück schauen und sehen, wie sich die Landschaft im Laufe der Zeit verändert hat und wie sich die Niederschläge in den Gebieten verändert haben. Daraus könnte man sicher neue Erkenntnisse gewinnen.
            Das ist aber für uns kein Thema, denn es hat sich hier in den letzten 100 Jahren nichts verändert. Keine Abholzung, Heckenrodung usw. Das weis ich von meinen Eltern und Großeltern. Die Trockenzeiten hat es hier auch schon immer gegeben, nur werden sie ausgeprägter und wir versuchen mit neuen Methoden dem entgegen zu wirken und sie abzumildern.

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            • sonnenblume sagt

              Jetzt muss ich noch einen Satz zu Kiebitz los werden. Die Kuppe war in der Vergangenheit ein Eldorado für diesen Vogel. Man konnte mit dem Singen der Vögel das Frühjahr begrüßen. Leider ist von den Schwärmen fast nichts übrig geblieben. Dafür gibt es jetzt ziemlich viele Krähen. Wir haben oft genug die Kämpfe um die Gelege beobachtet. Das war schon heftig. Ich würde mich schon freuen, wenn es wieder wie früher wäre.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Es ist schwierig das Wetter zu beurteilen, die These von Herrn Felser dass die deutsche Landwirtschaft am trockenen Wetter schuld ist, für abwegig.

          Bei uns am Westhang des Schwarzwaldes bleiben die Wolken hängen und regnen sich besser aus, ebenso haben wir normalerweise in dieser Zeit Gewitter, die in 15 Minuten durchaus 25 Liter bringen können, oder in einer Gewitternacht 50 bis 60. Im Schnitt haben wir 950 Liter im Jahr. Interessanterweise gibt es in der Rheinebene ein kleines Gebiet, die bringen es auf 1200 Liter, warum das so ist, konnte noch niemand sagen.

          Tatsache ist, dass das stabile Hoch sich im Uhrzeigersinn drehte, das bedeutet immer eine Stabile Lage, welche die Tiefs abhielt nach Europa zu kommen.

          Wir in der Vorbergszone leben wir derzeit auf einer Insel der Glückseligkeit, Richtung Rhein stehen Maisbestände hervorragend, in der Rheinebene gibt es Bestände, das sind die meisten, die sich auch bei genügend Wasser nicht mehr erholen.

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          • sonnenblume sagt

            Und wir brauchen ein wirklich ausgeprägtes Tief, dass überhaupt mal Regen kommt. Es sieht heute auch schon nicht so gut aus. Aber wir dürfen nicht klagen, wo anders sieht es noch viel schlimmer aus.
            Ob die Landwirtschaft in D. nun grundsätzlich am trockenen Wetter schuld ist, dass sei jetzt mal dahingestellt.
            Ein Meteorologe hat es beim Oderhochwasser so erklärt, dass die Großwetterlagen in einem Wellensystem ziehen. Damals lag ein Wellental über dem Bereich und heute sitzen wir wahrscheinlich genau unter so einer Welle. In wie weit sich diese Abstände verändern, oder ob sich Hochs und Tiefs verstärken, wer weis das.
            Jeder für sich muss einfach schauen, wie er mit einfachen und machbaren Methoden besser mit einer Veränderung zurecht kommt. Unsere angestrebte Wirtschaftsweise mag nicht das Nonplusultra sein, aber wir sind glücklich über jeden Regenwurm im Boden und das sich die Äcker viel leichter bewirtschaften lassen.

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  2. Friedrich sagt

    Gut beschrieben Herr Keckl. Bin bei ihnen ja auch Ernteberichterstatter. Was sie aber nicht erfassen können sind die von jedem Betrieb gemachten Vorverträge. Ich habe z. B. keine Vorverträge vor der Getreideernte gemacht und kann bei meinen 20% Minderertrag über den höheren derzeitigen Marktpreis den Mengenausfall ausgleichen , aber die Bauern haben teilweise Vorverträge von 30 – 70 % ihrer durchschnittlichen Erntemenge gemacht und teilweise nur 50% geerntet. Erfüllen ihre Kontrakte also noch nicht einmal und haben dann noch den niedrigen Kontraktpreis. Also doppelt betrogen. Fest steht , wenn es zu Entschädigungen kommen sollte , daß jeder Betrieb speziell betrachtet werden muß, damit auch wirklich geholfen werden kann , wo es brennt. Da werden die Berater in den nächsten Monaten viel Arbeit bekommen, damit das Geld dorthin kommt , wo es benötigt wird.

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  3. Harald Müller sagt

    Die BEE ist auch so ne Sache.
    Ich sollte vor Jahren mitwirken: Feld dreschen, auf der nächsten geeichten Waage wiegen lassen, dann das leere Gespann (Tara) wiegen.
    Da ich das Getreide selbst einlagern wollte und Waagen hier in der Nähe rar sind, hätte das zwei Fahrten zur nächsten Getreideannahme (knappe halbe Stunde Fahrzeit oneway) bedeutet, dazu möglicherweise mehrstündige Wartezeit beim Händler. Und das, während der Lohndrescher bei mir aktiv ist und ich eigentlich ohnehin zu tun habe, genug Transportkapazität zusammen zu bekommen.
    Dafür hätte ich die pauschale Entschädigung von 10? Euro bekommen…

    Ich habe dann gelogen, dass der Bestand nicht gedroschen, sondern vorzeitig gehäckselt werden soll. Von dem Herrn habe ich nie wieder was gehört. 🙂

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    • Harald Müller sagt

      Korrektur:
      Nachdem mir erklärt wurde, dass eine Verweigerung meinerseits mit Strafe geahndet würde, habe ich gelogen, dass der Bestand nicht gedroschen, sondern vorzeitig gehäckselt werden soll.

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  4. Lieschen Müller sagt

    Aber wenn dann alle Felder beregnet werden, wird das Grundwasser nicht lange reichen. Das hat noch nie funktioniert, also, nach 20-30 Jahren war dann immer wieder Schluss.

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    • Sandra Harms sagt

      Keine bange Lieschen Müller,
      wir beregnen im osten von niedersachsen zum teil schon seit 60 jahren, und haben noch immer grundwasser, denn solange wir ausreichende niederschläge im herst und winter haben, bildet sich grundwasser neu, das wird genauestens untersucht. zum anderen kann nicht jeder beregnen so viel er will, denn das wasser ist begrenzt, dh. wir dürfen 70mm/qm/jahr beregnen und zwar in einem zeitraum von 7 jahren, dh in diesen jahren dürfen 490mm Beregnet werden, es wird genaustens dokumentiert wer und wieviel, und das über den zeitraum von 7 jahren, das bedeutet das anfang des jahres das jahr 2011 aus der rechnung rausgefallen ist und 2018 dazu kam. komme ich nun im zeitraum 2012 bis heute über die 490mm hab ich ein problem, dann wirds richtig teuer für mich, strafzahlungen, anrechnung auf kontingent für weitere jahre, bis hin zum total verlust der wasser entname genemigungen…..
      Zum nächsten, beginnt auf beregnungsflächen die grundwasserbildung früher als auf unberegneten flächen, da diese ja erst über den punkt kommen müssen an dem die niederschlagsmenge größer ist als das was der boden aufnehmen kann, und das ist bei unberegneten flächen halt später der fall,da diese meist sehr tief ausgetrocknet sind, hingegen auf beregnungs flächen ist der punkt früher erreicht.
      Als nächstes arbeitet man seit jahr und tag daran alternative wasser quellen zu nutzen, beispielsweise nutz man den elbeseitenkanal,den mittellandkanal als wasserlieferrant, dann nutzt man produktionswasser aus der zuckerfabrik uelzen, das wird in speicherbecken zwischengelagert (Stöcken 760.000 QM und Borg 400.000Qm) ebenfalls ist man dabei geklärtes wasser aus kläranlagen zur grundwasser neu bildung zu verregnen(im Wald, da in der lebensmittel produktion auf den acker die gefahr besteht das man krankheiten (zb eheck, Hepatitis) verbreitet). im raum wolfsburg beregnet man u.a. mais für biogasanlagen mit geklärtem wasser.
      Also keine Bange lieschen Müller, man arbeitet intensiv daran und lässt sich das millionenbeträge kosten, das dein schreckensszenario nicht eintrifft.

      4+
      • Inga sagt

        „solange wir ausreichende Niederschläge im herbst und winter haben,“

        Ich habe mal gelernt,

        dass nicht im Herbst und Winter der durchschnittlich meiste Niederschlag des Jahres fällt,
        sondern im Mai, Juni, Juli,

        nämlich genau da wo die Wurzelgemüse, wie Karotten und Kartoffel, auch Futter- und Zuckerrüben wachsen,
        gerade da, wo sie ihre Wurzelkörper bilden.

        Nur in diesen Monaten bleibt ja nicht liegen, es versickert alles,
        während es im Winter eventuell als Schnee liegen bleibt, den wir ja wahrnehmen können und mit den vielen Regentagen im Herbst zusammen, kommt es uns dann vor als ob da mehr Niederschlag pro Monat fällt, wie in den paar Sommermonaten mit den paar Gewittern,
        wo sich aber der dicke Rübenkörper bildet!

        Und in der Zeit muß auf sandigen Böden dann auch vermehrt beregnet werden?

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