Bauer Willi
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Die Bauern sind schuld!

Vor 9.000 Jahre lebten auf dieser Erde 5 Millionen Menschen. Ja, ihr habt richtig gelesen: fünf Millionen!

https://science-at-home.de/wiki/index.php/Bev%c3%b6lkerungsentwicklung_seit_10.000_v._Chr.

Ziemlich genau in dieser Zeit, also 7.000 Jahre vor Chr. wurde im fruchtbaren Halbmond von findigen Menschen Ackerbau und Viehzucht erfunden.   https://de.wikipedia.org/wiki/Fruchtbarer_Halbmond

Bis dahin zogen sie als Nomaden durch´s Land und lebten als Jäger und Sammler von dem, was die Natur so hergab. Gab die Natur mal nichts her, verhungerten sie. Das hat die Natur so geregelt: kein Fressen, kein Leben. Die Population regelt sich ganz von alleine. Und noch ein Gesetz kennt die Natur: „survival of the fittest“. Der am besten Angepasste überlebt. Das hat Charles Darwin damals auf seinen Reisen herausgefunden und dem  ist bis heute wissenschaftlich nicht widersprochen worden.

Ein paar findige Vorfahren fanden dann heraus, dass man die besten Körner auch gezielt aussäen konnte und so einfacher zu Nahrung kam. Und sie stellten fest, dass bestimmte Elterntieren robustere Nachkommen hervorbrachten, die mehr Fleisch und Milch gaben. Wenn man sie auch noch fütterte, wurde es noch mehr.

Mein Ururururururururur-Großvater (ich hoffe, ich habe genügend „ur“ eingetippt) hat sich das abgeguckt und wurde so zum Ackerbauer und Viehzüchter im fruchtbaren Halbmond. Irgendwann produzierte er mehr als er selber verzehren konnte. Überproduktion sozusagen. Das sah sein Nachbar und meinte, dass er keine Lust auf Bauer hätte und sich viel lieber mit Mathematik, Astronomie oder so „sinnlosen“ Dingen wie Kunst beschäftigen wollte. Das klang logisch und weil noch andere Nachbarn den gleichen Wunsch hatten, hat mein Vorfahre überlegt, wie er Ackerbau und Viehzucht noch effizienter machen könnte. Diese Produkte hat er dann gegen die seiner Nachbarn getauscht.  Er fing an, Pflanzen und Tiere miteinander zu kreuzen und stellte fest, dass das erfolgreich war. Heute würde man sagen, er hat gezüchtet. Das wusste er aber nicht und auch nicht warum das funktionierte. Versuch und Irrtum.  Er erntete mehr.

Da, wo das Vieh hingeschissen hatte, wuchs es besser. Also hat er Weide und Ackerbau miteinander kombiniert. Und da wo Erbsen, Linsen und Bohnen (Leguminosen) gewachsen waren, wuchs es auch besser. Er hatte die Fruchtfolge erfunden. Warum das alles funktionierte wusste er nicht, er hat es einfach gemacht. Versuch und Irrtum. Er erntete mehr.

Einige Jahrhunderte gingen ins Land, die Weltbevölkerung wuchs langsam aber stetig, aber Krankheiten und Schädlinge waren so einfach nicht zu kontrollieren. Etwa um das Jahr 1800 waren es dann doch knapp 1 Milliarde Menschen. Irgendwann in dieser Zeit fanden dann pfiffige Menschen heraus, dass es möglich ist, mit bestimmten chemischen Elementen die Krankheiten und Schädlinge zu kontrollieren. Mit giftigem Kupfer, der giftigen Bordeauxbrühe oder auch mit giftigen Pflanzenextrakten, zum Beispiel aus Chrysanthemen.  Quasi chemischer Pflanzenschutz. Mit der Düngung lief es ähnlich. Warum das funktionierte, wussten die Menschen nicht so genau, sie haben einfach probiert. Versuch und Irrtum. Und ernteten mehr.

Gregor Mendel fand heraus, warum und wie das mit der Züchtung klappt, Justus Liebig mit der Düngung und so erweiterte sich das Wissen. Jetzt wusste man, warum das funktioniert. Und die Bauern haben all dieses Wissen über Pflanzenschutz, Düngung und Züchtung gierig aufgesogen und in immer höhere Erträge umgesetzt. Quasi als Vasallen der Agro-Industrie und nur zu ihrem eigenen Profit.

Immer mehr Überproduktion war in der Lage immer mehr Menschen zu ernähren. Hungersnöte gab es immer seltener und meistens nur dann, wenn sich die Menschen die Köpfe eingeschlagen haben.  Die Bevölkerungsexplosion ging trotzdem weiter, weil das Essen für alle reichte.  Und die Medizin tat ihres, dass die mehr Menschen auch noch immer älter werden!

Und diese vielen Menschen rodeten Wälder, konstruierten Autos und Flugzeuge, bauten Häuser, Straßen, Brücken, Eisenbahnen, regulierten Flüsse, bauten Staudämme und Deiche und machten sich im wahrsten Sinne des Wortes „die Erde untertan.“ Heute sind wir 7,5 Mrd. Menschen und es werden immer noch  mehr, weil alle ernährt werden können. Sogar die Unterernährung nimmt ab!

Heute bohren wir nach Öl, holen Kohle und Gas aus der Erde an und verbrennen all diese Vorräte, die vor Millionen von Jahren entstanden sind, in kurzer Zeit in unseren Öfen, Autos, Flugzeugen, Strom- und sonstigen Fabriken.  Das hat Auswirkungen auf das Klima, auf die Artenvielfalt und überhaupt auf unseren gesamten Planeten. Weil wir so viele sind.

Und wer ist an all dem schuld? Natürlich die blöden Bauern. Wenn mein Vorfahre, also mein Ururururururururur-Großvater, damals im fruchtbaren Halbmond, bloß nicht Ackerbau und Viehzucht erfunden hätte und Jäger und Sammler geblieben wäre…

Jetzt haben wir den Salat…

Euer Bauer Willi

 

 

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85 Kommentare

    • Stadtmensch sagt

      Aus dem Text:
      unser Leben war „scheußlich, viehisch und kurz“

      Yuval Noah Harari hat es in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ etwas anders dargestellt: Mit der Landwirtschaft kamen Infektionskrankheiten, einseitige Ernährung, Arbeit für die menschliche Knochen und Gelenke nicht geeignet sind, viel Arbeit sowieso,
      Risiko des Verhungerns (gab es bei den Wildbeutern quasi nicht), Schutzmaßnahmen für die angehäuften Vorräte, Zwang zur Populationssteigerung (Spirale aus Arbeitkräfte- und Nahrungsbedarf).
      Wildbeuter konnten locker älter als 70 werden. Dafür gibts Belege. Es gibt auch Belege für ein soziales Verhalten (verletzte Gruppenmitglieder wurden nicht einfach ihrem Schicksal überlassen).

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      • Stadtmensch sagt

        Achso, „scheußlich viehisch und kurz“ ist auch das Leben unserer Nutztiere und unserer Sklaven in der „Dritten Welt“.

        Wir Kulturmenschen leben dafür lang und im Allgemeinen unglücklich mit unserer repressiven und destruktiven Produktivität, in der immer unmenschlicher alles zur Ware degradiert wird und deren Kauf und Verkauf unseren Lebensunterhalt und Lebensinhalt ausmacht. (s. Markuse)

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        • Schmeckt gut sagt

          Lieber Stadtmensch, sie drehen sich ihre Aussagen auch oft so hin, dass sie zu ihrer Lebensphilosophie passen. Bekannt ist, dass „Ötzi“ etwa 65 bis 70 Jahre alt war. Soweit okay. Das die sesshafte Landbewirtschaftung Leute stärker gesundheitlich belastet, als das Nomadenleben (als Jäger) ist mir neu. Wissenschaftlich wurde immer wieder herausgearbeitet, dass nur die Landwirtschaft Kunst, Medizin und geistige Tätigkeiten (Überschrift „Zivilisation“) überhaupt ermöglicht hat. Das sie zurück zur Natur wollen, ist lobenswert, aber können sie damit überhaupt umgehen? Diese Lebensweise ist extrem gefährlich 😉

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          • Stadtmensch sagt

            „Das die sesshafte Landbewirtschaftung Leute stärker gesundheitlich belastet, als das Nomadenleben (als Jäger) ist mir neu.“

            Ist ein alter Hut und galt zumindest bis zur Verbreitung der Nutzung fossiler Energieträger.

            Ich will nicht zurück zur Natur. Aber die Lebensphilosophie der meisten meiner Mitmenschen scheint mir zu sehr in festen Bahnen. Vieles ist irgendwie nicht vorstellbar. Dabei zeigt die Entwicklung menschlicher Ideologien in den letzten 10000 Jahren so viele Turbulenzen, dass man hier auf jeden Fall auch langsam mal „Optimierung“ betreiben kann (Glücksforschung), um endlich vom aktuellen Akkumulierungswahn wegzukommen. Das hat o.g. Autor gut rübergebracht, wie ich finde.

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              • fingerphilosoph sagt

                Haha! Ein herrliches Verwirrspiel, das die angeblich traditionell nackt in Baumhäusern lebenden Jäger und Sammler mit dem naiven Filmemacher William veranstalten. Und am Schluss des ersten Teils hat er also endlich die echt originale letzte Korowai-Familie in ganz West Papua gefunden, die letzten echten Jäger und Sammler, von denen einer – wer hätte es gedacht – „August“ heißt. Ein voll echter Korowai-Name! Haha! Schade, dass die anderen beiden Teile nicht auf Youtube zu finden sind. Selten so gelacht.

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                • Brötchen sagt

                  War in der Arte Mediathek, ich habe alle drei Teile gesehen. Mich interessieren vor allem die Haustiere. Die Frauen säugen dort die Ferkel, weil die sehr wertvoll, für die dort sind. Der Urwald ist nicht so schön, wie das manche sich vorstellen. Der Artikel von Willi interessiert mich dabei nicht. Ich habe andere „Probleme“. Ratten im Hühnerstall holen mir die Küken weg. Heute ist eine vergiftete auch verschwunden, haben die anderen weggeschleppt. extrem schlaue Tiere! Wie die die Küken unter den glucken wegholen ist mir noch ein Rätsel.
                  Die essen da übrigens Ratten, wird auch im Film gezeigt, schön gegrillt.

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                • fingerphilosoph sagt

                  Es geht in der Diskussion ja weder um ein schönes Leben noch um Moral, sondern um Nachhaltigkeit.
                  Im Durchschnitt existiert eine Spezies um die 10 Mio. Jahre, bevor sie wieder abtritt bzw. sich so verwandelt hat, dass sie mit den Vorfahren keinen Nachwuchs mehr zeugen kann. Als Jäger und Sammler haben die Vorfahren der Menschen immerhin 2,5 Mio. Jahre überlebt. Der Homo erectus hat es auf 1 Mio. Jahre gebracht. Wie lange es den Homo sapiens sapiens gibt, darüber streiten sich die Geister. Auf jeden Fall nicht länger als 300.000 Jahre, und 290.000 davon war auch er Jäger und Sammler. 10.000 Jahre sind Peanuts, wenn’s um Nachhaltigkeit geht. Wie es aktuell auf dem Planeten aussieht, kann ich mir nicht vorstellen, dass das agrarische Modell auch nur nochmal weitere 10.000 Jahre besteht.

                  Was ein „schönes“ Leben ist: darüber gehen die Meinungen wohl ziemlich auseinander. Hier im Blog scheinen die meisten ein möglichst bequemes, gefahrloses, staatlich gepamptertes Dasein ohne große Herausforderungen für ein „schönes“ bzw. erstrebenswertes Leben zu halten. Das bietet der Urwald natürlich nicht. Dafür aber eine Menge Parasiten, Stechmücken, Schlangen und dgl.

                  Wenn bei Säugetieren inzwischen 99% der Biomasse Nutztiere und Menschen ausmachen und nur noch 1% Wildtiere, dann ist ein Leben als Jäger und Sammler schlicht nicht mehr möglich. Und das ist ja auch die Aussage des verlinkten Films. Die angeblich ursprünglich lebenden Korowai sind doch zu Geldjägern und Geldsammlern mutiert.

                  Der Prozess der Agrarisierung ist nicht reversibel, auch nicht durch eine Menschheitskatastrophe. Wer glaubt, dass der Mensch irgendwann wieder in Baumhäusern lebt, macht sich was vor.
                  Genauso wie derjenige, der glaubt, die agrarische Lebensweise sei nachhaltig. Die 10.000 Jahre ihrer Existenz haben das Gegenteil bewiesen.

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                • Brötchen sagt

                  Naja Fingerphilosoph ich bezweifle dass denen das früher besser ging!
                  Aber gut, besser ist relativ, gebe ich dir Recht.
                  Ich bin davon überzeugt, das ein armer Bauer in Afrika glücklicher ist, als mancher hier in Europa!
                  Ich war vielleicht zu ostzeiten auch in gewisser Hinsicht glücklicher, war alles ruhiger usw. Heute bin ich insofern glücklicher , weil ich mir selber was aufbauen kann und die Resultat sehe. Man sitzt aber schon im Hamsterrad um die Kosten zu decken, aber unsere Weltretter ziehen die eher noch höher.

                  Deine Misanthropie usw. bringt mir nichts, das Leben ist heute so, was ich beeinflussen kann, beeinflusse ich. So lange habe ich auch nicht mehr!

                  Und glaube mir ich habe die Umweltverschmutzung im Osten selbst erlebt und die Verschwendung von Ressourcen. Wenn die Bevölkerungsexplosion in Afrika nicht wäre, sind hier bald nur noch 60 Mio und da wäre hier in BB extrem viel Platz.

                  Schönen tach!

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                • fingerphilosoph sagt

                  Offenbar ist es so, dass sich Menschen umso mehr nach einem Leben in natürlicher Umgebung sehnen, je mehr sie sich freiwillig in immer größer werdenden Megastädten zusammenballen. Schon allein dieser Umstand zeigt, dass der Mensch ein Meister in Sachen Fehleinschätzung ist. Das Phänomen, dass sich ländliche Gegenden, mögen sie auch noch so idyllisch sein, zunehmend entvölkern, lässt sich auch hier in F beobachten.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Als sich Harari nach diesen, den Leser ermüdenden Seiten, der Gegenwart zuwendet, kommt er zu dem durchaus korrekten Schluss, dass sich die Menschheit, zumindest die der wohlhabenden Nationen, vor einer dramatischen Veränderung befindet. So weit, so richtig. Doch dann zieht der Autor leider die angebliche Trumpfkarte derjenigen innerhalb der Wissenschaftscommunity aus der Tasche, die anscheinend mit der Komplexität menschlicher Handlungs- und Entscheidungsmuster überfordert sind.

        Diese propagieren unentwegt das Ende vom Glauben an die Willensfreiheit. Bewiesen werden soll diese abstruse Theorie mit der Reduzierung des Biologischen auf einen reinen Algorithmus. Das mag wissenschaftlich daherkommen, doch halt, es gab doch vor noch nicht allzu langer Zeit die Diskussion darüber, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz fänden oder die angebliche Gewissheit darüber, die Erde wäre der Mittelpunkt des Universums. Spätestens seit Alexander Unzicker wissen wir jedoch, dass Wissenschaft stets auch unter soziologischem und finanziellem Kontext stattfindet und die „Community“ Fortschritt gern als einstimmigen Chor definiert.

        Quelle:
        http://www.mk-buchkritik.de/homo_deus.html

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      • fingerphilosoph sagt

        @ Stadtmensch
        Meine eigenen Forschungen zur Frühgeschichte bestätigen Hararis Aussagen. Mit der Agrarisierung hat sich die individuelle Lebenserwartung erst mal halbiert. Im mehr furchtbaren als fruchtbaren Halbmond haben Archäologen Gräber ausgehoben, die Untersuchung der Skelette ergab, dass die Frauen meist schon in ihren Zwanzigerjahren gestorben sind, während die Männer etwa Vierzig wurden, also ungefähr doppelt so alt.

        Es war allerdings von Anfang an so, dass die agrarische Lebensweise zu deutlich mehr Nachwuchs führte. Gegenüber den Jägern und Sammlern hatten die frühen Agrarier trotz hoher Frauensterblichkeit mindestens doppelt so viel Nachwuchs, der mit Getreidebrei und Milch durchgebracht werden konnte, was in der Folge wiederum zur weiteren Ausbreitung des Ackerbaus beitrug. Die neuen Ackerflächen wurden durch Brandrodung gewonnen

        Die Population musste nicht zwangsweise gesteigert werden, das geschah durch die Sesshaftigkeit und das frühe Abstillen der Säuglinge ganz von selbst. Sicher gibt es zwischen hoher Frauensterblichkeit und dem Anwachsen der Bevölkerung einen Zusammenhang.

        Zeitgleich mit der Agarisierung entstanden auch die sozialen Schichtungen mit einem enormen Machtgefälle zwischen den höchsten (Priester) und den niedrigen, ausgebeuteten Kasten (wozu auch die Bauern gehörten, sofern sie nicht Großgrundbesitzer waren). In diesem Zeitraum entstanden durch Spezialisierung auch die Berufe. Das kapitalistische System ist eine Folge dieser Entwicklung, nicht die Ursache.

        Insofern kann ich Bauer Willi dieses Mal nicht widersprechen, wenn ich auch davon ausgehe, dass er nicht wirklich glaubt, was er uns in diesem Artikel berichtet. 🙂

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  1. Arnold Krämer sagt

    Die fachlich besten Kommentare hier zu diesem Thema kommen überwiegend von Teilnehmern, die offensichtlich die Leistungsfähigkeiten zweier unterschiedlicher Wirtschaftssysteme hautnah erlebt und erfahren haben. Deren Kommentare, Anmerkungen, Erwiderungen sind überzeugender als die von Weltverbesserern, die meinen, einseitig aus Mängeln und Problemen, die es unzweifelhaft in der konventionellen (kapitalistischen) Landwirtschaft gibt, ableiten zu müssen, das ganze System in Frage und auf den Kopf zu stellen.
    Dabei wird auch eine Bio-Landwirtschaft, wenn sie halbwegs effizient betrieben werden soll und nicht nur von „Staatsgeldern“ leben will, nur kapitalistisch betrieben werden können.
    Und wer sich anschaut, welche Landwirte umstellen und aus welchen Motiven sie umstellen, dann ist es heute weniger die „richtige“ Gesinnung, als vielmehr das Abwägen von Chancen und Risiken (ein urkapitalistisches Prinzip) für den Fortbestand des eigenen auf Privateigentum basierenden Unternehmens mit derselben Gefahr des Scheiterns wie im konventionellen Bereich. Deshalb werden aus größeren bisher konventionell betriebenen Unternehmen oft auch nur Teilbereiche abgespalten und entsprechend umgestellt, weil nur so die Risiken überschaubar bleiben.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Einspruch: Kommunismus nein, Privatwirtschaft ja, Kapitalismus nein.
      Der von mir oft zitierte Heini Staudinger hat Geld von Freunden und Kunden geborgt, weil er von den Banken die Nase voll hatte. Man hatte ihm Kredite verweigert mit der Begründung, seine Firmenimmobilien seien keine Sicherstellung, weil sie in einer strukturschwachen Region stünden. Außerdem sei es ganz normal, dass Bilanzen gefälscht würden. Letzteres hat Staudinger als aufrichtigen Menschen besonders empört. Die private Finanzierung war seine einzige Chance, in einem Abwanderungsgebiet eine Schuhfabrik erfolgreich am Leben zu halten, welche haltbare Schuhe und Möbel aus ökologisch unbedenklichen fair gehandelten Materialien zu hohen aber erschwinglichen Preisen herstellt und mittlerweile mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigt. Die Rückzahlung an die Geldgeber erfolgte mit Warengutscheinen mit etwas höherem Wert, verzinst sozusagen. Seine Löhne sind sehr niedrig, dafür bietet er seinen Kunden biologische Jause aus der Region, bei Bedarf gratis Massage und Psychotherapie, ein interessantes kostenloses Kulturprogramm und Wettkämpfe für deren Kinder mit Preisgeld an. Letzteres sind eben Absetzposten, und so kommt er steuertechnisch durch. Selber lebt er ebenso bescheiden wie seine Mitarbeiter. Sein Credo: Es geht nicht ums Geld, es geht darum, dass wir haben, was wir zum Leben wirklich brauchen.
      Berühmt wurde Staudinger mit einem Prozess, den er gegen die Finanzmarktaufsicht zu führen hatte. Man warf ihm illegale Bankgeschäfte vor. Staudinger erklärte, lieber ins Gefängnis zu gehen, als sich sein Projekt kaputt machen zu lassen. Er kam schließlich mit einer niedrigen Geldstrafe davon, die ihm der Staat aber in einem unbemerkten Augenblick aus der Handkassa „stehlen“ musste, weil er anders an das Geld nicht herangekommen wäre 🙂 (!) Staudinger führt ja keine Bankkonten. Dieser Prozess stellte die ganze Absurdität des kapitalistischen Systems ins grelle Rampenlicht und zeigte auf, wo die wirklichen Frontlinien verlaufen: zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft. Das Wirtschaftsministerium stellte sich schließlich auf seine Seite, das Gesetz wurde zu Gunsten von Crowd Funding geändert.

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      • Arnold Krämer sagt

        Dass es den Menschen weltweit noch nie so gut ging wie heute, ist der ungeheuren Dynamik des kapitalistischen Systems zu verdanken. Auf der Grundlage von Privateigentum, Marktselektion (Möglichkeit des Scheiterns, Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen und ständige Verdrängung alter Produkte durch neue) sowie notwendiger, staatlicher Garantien wurden in den letzten rund 350 Jahren teilweise ungeahnte Produkt- und Prozessinnovationen (auch in der Landwirtschaft) möglich. Diese haben zur Versorgung der vielen Milliarden Menschen (incl. dem Bevölkerungsanstieg) nicht nur mit Nahrungsmitteln sondern auch mit vielen anderen, durchaus auch überflüssigen Dingen beigetragen, und sollen es nach dem Willen vieler Länder dieser Erde auch zukünftig noch tun. Einzelne vermeintliche Gegen-Beispiele oder auch der nach wie vor vorhandene Hunger in der Welt ändern nichts an dieser Gesamtfeststellung.
        Wielange das System Erde das Ganze aushält, ist nicht vorher zu sehen. Vielleicht/wahrscheinlich bricht auch die menschliche Population eines guten? schlechten? Tages zusammen.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Lieber Herr Krämer, dann einigen wir uns eben darauf, dass wir uns in dieser Sache nicht einig werden! 🙂

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          • Arnold Krämer sagt

            Wir sind vermutlich garnicht soweit voneinander entfernt, weil ich ja ohnehin eine Affinität zu (südtiroler) Bergbauern habe. Es ist nur eine Frage der Begrifflichkeiten und der Bilder, die man davon hat. Ich weiß aus Ihren früheren Einlassungen, dass sie mit dem Kapitalismus vor allem das Bild des Finanzkapiatlismus im Auge haben, der auch nach meiner Ansicht an Perversität kaum zu überbieten ist. Den brauchen wir in der Tat nicht.

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          • Arnold Krämer sagt

            Liebe Frau Ertl!
            Ich empfehle Ihnen zur Lektüre ein spannendes, aktuelles Buch mit vielen interessanten Erklärungen und Einsichten von Prof. Werner Plumpe:
            „Das kalte Herz-Kapitalismus: die Geschichte einer andauernden Revolution“

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  2. Sybille Förtsch sagt

    An alle Kommentarschreiber, überall habe ich Aussagen gefunden, die sich beißen!!!
    Der Stadtmensch, der sich auf dem Land ein Haus baut und sich dann über den Bauern beschwert, dem Stadtmensch hat man dieses Grundstück sicherlich nicht in die Wiege gelegt. Es wurde ihm vom Landwirt verkauft. Dann fahren die auch noch früh mit ihrem SUV in die Arbeit und beschweren sich über den Bauern der die ganze Nacht Siloballen fährt, weil sie um ihren Schlaf gebracht werden. Sauerei! Das ist vielleicht der Mitarbeiter der die Maschinenteile des neuen Traktors fertigt. Oder die Gummistiefel für den Kuhstall, etc. Oder der, der eure Steuererklärung oder besser Subventionen bearbeitet.
    Das Problem an sich ist doch, dass jeder Kuh die Subventionen in den Allerwertesten geschoben werden und was dann da raus kommt, wissen wir alle, nämlich Gülle. Glaubt ja nicht wir sind keine Landwirte. Wir sind Obst- und Ackerbauern im Nebenerwerb. Z.Zt, stehen wir auf der Leiter und ernten Kirschen (reine Handarbeit) da geht der Jahresurlaub drauf und das von früh 6 bis 20 Uhr.
    Unser Nachbar als Vollerwerbslandwirt fährt schon mit dem Güllefass Patrouille wenn wir denn endlich an dem Kirschgärten mit der Ernte beginnen, der neben seiner Wiese liegt um uns dann mit Güllegestank die Ernte zu verhindern. Rechtlich gesehen darf er das wohl tun, auch wenn das Gras schon 10cm und höher ist. Und es ist jedem egal, ob wir dann abends mit Kopfschmerzen und Übelkeit ins Bett gehen (Meiner Ansicht wird Gülle hier als Waffe eingesetzt). Er ist uns nicht wohlgesonnen. Schwarze Schafe gibt es überall.
    Habt ihr schon mal einen Obstbauern Jammern hören? Doch es hat 17 l in 20 min. geregnet. 50% der Kirschen sind kaputt und die Ernte ist mühselig. Doch entschädigt werden wir nicht. Auch nicht wenn es nicht regnet und wir gesammeltes Regenwasser fahren, sonst wird das Obst auch nichts. Danach kommen die Zwetschgen, die Äpfel und die Birnen. Na egal, dann gehen wir halt arbeiten und erhalten damit unsere ererbte Landwirtschaft (reiner Familienbetrieb). Macht nämlich auch Spaß!
    Übrigens: Anmerkung über die bösen Diesel-Autofahrer. Was ist denn mit den Traktorfahrern. Je älter der Traktor um so toller stinkt er.
    Schafft die Subventionen ab, der Markt reguliert sich dann sicherlich von selber und so manch einer muss halt dann früh mit dem Auto in die Arbeit fahren um sich einen neuen Traktor anzuschaffen.
    Unser WALD hat letzte Woche geglüht. Es waren so viele Glühwürmchen da, Gänsehaut pur. Rettet die Glühwürmchen!!! Freut euch doch darüber und lasst das ewige Jammern. Vererbt euren Kinder lieber ein paar Baugrundstücke und gebt ihnen die Chance auf Bildung. Sie sind die Zukunft.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Jeder Städter würde diesen Beitrag als „Jammern“ bezeichnen.

      Jetzt kommen wir mal zum Verkauf von Grundstücke zur Bebauung. Nicht jedes Land gehört einem Bauern, alle anderen sind darauf bedacht, dass ihr Feld baldmöglichst erschlossen wird, ist man dagegen wird sofort mit der enteignung gedroht.

      https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landwirte-fuerchten-enteignung-existenzbedrohend-1.3579889

      Überall in ganz Deutschland sind solche Fälle bekannt. Lässt der Bauer es auf eine Enteignung letztendlich ankommen, läuft er in die Gefahr, dass er das Gelände zum Buchpreis vergütet bekommt.

      Ich war Obstbauer, kenne die Probleme mit dem Aufplatzen von Kirschen, entweder deckt man die ab, oder man lässt das mit den Kirschen sein. Wenn sie eine Leiter brauchen, können sie es sein lassen, oder neue Pflanzen, die höchstens ein Pflückschlitten brauchen.

      Mit dem Gülle Nachbarn sollten sie mal ein Gespräch führen, falls die überhaupt noch möglich ist bei den nachbarschaftlichen Problemen.

      Das mit den bösen Diesel-Autofahrern sollten sie noch mal nachlesen, hier ist kein Landwirt der Dieselfahrer beschimpft, vermutlich jeder macht das selbst.

      Meine Frau muss auch um 5 Uhr 30 zur Arbeit fahren, einige andere auch, weil der Betrieb nicht mehr das nötige Einkommen bringt.

      Das mit dem neuen Traktor wäre besser gewesen, sie hätten geschwiegen.

      Ob in meinem Wald Glühwürmchen sind kann ich nicht sagen, aber unsere Kinder hatten die Chance auf Bildung und diese Chance haben die auch genutzt, ganz ohne Baugrundstücke.

      Finanzieren sie ihren Kindern auch eine akademischen Abschluss, bis dahin sollten sie sich aus der schulischen Zukunft anderer Menschen heraushalten.

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    • TImo sagt

      DA ist aber mal jemand verbittert
      Wenn KIrschenenrtezeit ist und sie da romantisch mit der Leiter am Pflücken sind..ist in der Regel auch Zeit die Äcker neu zu bestellen und Grunddüngung zu machen….und nicht vergessen..Gülle ist Bio…stinkt aber oftmals….Frage am Rande: Bei Ihnen aufm Klo riechts immer nach Rosen???….dann doch lieber Chemisch hergestellte Dünger in Form von kleinen Kügelchen(KAS, Blaukorn usw) aufs Land werfen?

      Und die Subventionen die uns Kuhbauern ja so in den Allerwertesten geblasen werden…..machen IHNEN doch erst möglich billig einzukaufen. ICH würde sofort auf die Zahlungen verzichten, wenn ich dauerhaft über 45 Cent für nen Liter Milch bekommen würde.

      4+
      • Leander sagt

        Es wird aber viel zu viel Gülle aufs Land ausgebracht, was an der Belastung des Grundwassers (ein hohes Gut!) klar erkennbar ist. Mir scheint, die Gülle aus der Massentierhaltung hat ein Entsorgungsproblem – und deshalb kommt davon viel zu viel aufs Feld.

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  3. BerndK sagt

    @Inga , es ging um die Wertigkeit der Opfergaben. Aber das ist bestimmt auch nur eine biblische Metapher um den Umbruch in der Menschheitsgeschichte zu beschreiben.

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    • Inga sagt

      „Jedenfalls hat der moderne Ackerbauer den Nomade verdrängt?
      Weil er Überfluss hergestellt hat?“

      Ja, nur wer Überfluss hat kann hochwertige Opfergaben bringen,
      materiell gesehen.
      Oder meinst du ideologisch hochwertigere Opfergaben, Bernd?

      Auch das könnte Neid auslösen, oder?

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Ackerbauer Kain ist der Erstgeborene, Viehzüchter Abel sein jüngerer Bruder. Gott steht auf der Seite Abels. Nach dem Mord verflucht Gott den Acker Kains, er soll ihm keinen Ertrag mehr geben.
        Es geht eher um das gegenseitige Angewiesensein von Ackerbauer und Viehzüchter, welches der Ackerbauer nicht sehen will. Die Veganer heute sehen das ja auch nicht, man sieht nur, dass Viehzucht mehr Ressourcen verbraucht.
        Die folgende Rede von Allan Savory über die ökologische Funktion von Vieh erinnert mich an die Geschichte von Kain und Abel: https://www.youtube.com/watch?v=vpTHi7O66pI

        4+
        • BerndK sagt

          Ich weiss nicht, ob das zu weit geht. Aber ein gegenseitges angewiesen sein von Ackerbau und Viehzucht gab es in biblischen Zeiten definitiv nicht. Regelmässige Überschwemmungen der Flüsse an denen die ersten Hochkulturen lagen, sorgten für eine Düngung. Der Dung der Tiere wurde und wird auch immer noch von Nomadenvölkern verbrannt. Das ineinandergreifen von Ackerbau und Viehzucht im Sinne von Bodenfruchtbarkeit ist…soweit ich mich erinnere…eine Erfindung des Mittelalters.

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  4. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin im Blog,Willi ich suche Dich nicht umsonst aus ,mit Deiner Einschätzung.
    Alle schimpfen, keiner trit taus. Ich auch( noch) nicht, obwohl unser Betrieb über kurz odere lang“auf der Strecke“ bleiben. Und wen interessiert es????. Willi, mich zum Beispiel, als in den Augen vieler Westlandwirte verschmähter sogenanter „Großagrarier“
    Das idyllische Bild, aus vielen Werbesendungen, der auch den Osten, mit seinen Verbrauchern überschüttet, was den viel geliebten Familienbetrieb betrifft,ist Geschichte.
    Sollte die Politik es aber wollen ,den Menschen weiter ein falsches Landwirtschaftbild, vorzugaugel ,muss Sie auch bereit sein die vielen Milliarden von Euro zur Verfügung zu stellen,dass diese Fatamogana weiter im Leitbild der Verbraucher erhalten bleibt.

    2+
  5. BerndK sagt

    Tja Willi! Du musst nicht bei Deinen UR>30 Großeltern nachforschen. Da war doch Kain und Abel. Abel war Nomade und Kain war der viel modernere Ackerbauer und der hat den Abel erschlagen (die Bibel hat so tolle Bilder: also er bzw seine Fähigkeiten haben Abel verdrängt). Und weil Gott nicht eingegriffen hat 🙂 sind es jetzt ein paar Milliarden Menschen mehr auf dem Planeten.

    1+
    • Inga sagt

      Der Ackerbauer Kain hat den Nomade Abel erschlagen?
      Ich dachte es ging um Grundstücksstreitereien, oder?

      Du meinst es ding um anderen Neid?
      Jedenfalls hat der moderne Ackerbauer den Nomade verdrängt?
      Weil er Überfluss hergestellt hat?
      Die Menschen leben im Überfluss besser, als wenn sie nur das Nötigste vorfinden, entspricht das ihrer genetische Anlage?
      Deswegen sind sie angeborene Sünder und Umwelt- bzw. Ökoschädlinge??

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      • Sabine sagt

        Mal kurz klug geschissen. Es ging bei Kain und Abel um die Opfergaben. Abel brachte seine ersten (erstgeboren, kann man aber auch als die besten Tiere übersetzten) Tiere dar, Kain brachte „nur“ Früchte des Bodens. Was so gedeutet werden kann, dass er nur von seinem Überfluss opferte. Dieses Opfer wird nicht angenommen und Kain schämt sich erst und wird dann wütend, weil Gott ihm sagt, dass so ein verhalten zur Sünde führt. Was Abel zu Kain anschließend auf dem Feld sagt, wird nicht berichtet, aber wie es endet ist bekannt.
        Bei Romulus und Remus ging es um Land und Macht. Romulus und Remus – das ist nicht unwichtig – sind Söhne eines unerhörten Rechtsbruchs. Mars, der Schutzgott der Felder, verführt/vergewaltigte eine Vestalin, eine Priesterin der Göttin des Herdfeuers und des Heims. Diese Priesterinnen mussten Jungfrauen sein und bleiben. Die Vestalin wird nach der Geburt der Kinder getötet und die Kinder werden ausgesetzt und damit wird den Göttern die Entscheidung überlassen, ob sie leben sollen. Dann kommt eine Wölfin und der Specht ins Spiel, die die Kinder versorgen bis ein Schweinehirte sie entdeckt und rettet. Beide Tiere sind in den Mythen Gefährten des Mars. Wobei die Wölfin – Lupa- eine eigene Unter-Gottheit ist. Sie verkörpert die Lust und sexuelle Energie. Von einer Mama-Lupa zu reden, war also schon ein böser Seitenhieb auf die Vesta. Also wieder einmal ein Streit zwischen Göttern, der das Schicksal von Menschen bestimmt, die nur eins tun können: Haltung im Chaos des Lebens behalten. Erst als die Zwillinge in Streit mit den Hirten ihres Großvaters um Weideland geraten, erfahren sie wer sie sind. Das ganze ist ziemlich verwickelt, wie immer in antiken Mythen. Durch ein Adler-Orakel schon über die Gründung und Namen der Stadt entzweit, die sie gründen wollen, springt Remus über die wohl recht mickrigen Wehranlagen, die sein Bruder hat errichten lassen. Da erschlägt Romulus seinen Bruder und lässt verkünden, dass jeder, der über die Mauern Roms springt, das gleiche Schicksal ereilen wird.
        In der Bibel geht es also darum, wie man Gott gefällt und in den römischen Mythen darum, dass das Schicksal vorherbestimmt ist und man nicht viel machen kann, außer eine gute Figur. Für die antiken Menschen war das Schicksal unausweichlich. Wenn Menschen versuchten das eigene Schicksal oder das anderer zu manipulieren, waren Dramen vorprogrammiert.

        0
  6. Friedrich sagt

    Ja Willi , jetzt haben wir den Salat. Medien , Politik und NGOs kloppen auf uns Bauern und anderen Minderheiten rum , um von den wirklichen Problemen abzulenken. Unsere Regierenden haben die größte Hedgefondwette der Welt laufen und diese Wette werden sie verlieren. Nämlich 4,8 Billionen Euro oder 59.000 Euro je Einwohner. Diese Dummheit muß man mal fertigkriegen. Dafür wird dann unsere politische Klasse , wenn die Summe eingefordert wird , wie die damaligen Machhaber in der DDR , hinweggefegt. — Dazu gehört auch unsere Energiewende. Kann überhaupt nicht verstehen , daß die Wasserstofftechnik oder die Kernfusionskraftwerke nicht näher betrachtet werden. Auch die ökologisierung der Landwirtschaft ist ein Weg in die Sackgasse , denn damit wird das weltweite Hungerproblem nur verschärft. Bei jetzt rd. 45 Mill. Tonnen Getreideernte in Deutschland wird bei Bio nur rd. 20 Mill.Tonnen Getreide überbleiben. Wir müßten dann rd. 20 Mill. Tonnen Getreide heute oder mit Biotierhaltung entspr. weniger Getreide einführen. Diese fehlenden 20 Mill. Tonnen würden den Weltmarkt durchwirbeln, weil die Menge fehlen würde, die Preise steigen lassen und in Brasilien den Regenwald verkleinern . Damit würde sich das Hungerproblem erheblich verschärfen. Unsere grüne Ideologie trägt dann damit zum Hunger in der Welt bei . Da ist dann das jetzt beklagte Ertrinken der Flüchtlinge im Mittelmeer aber eine kleine Nummer gegenüber den mehrere Hundert Millionen mehr Hungertoten. Die Menschheit hat sich doch immer für das kleinere Übel entschieden . Warum jetzt dieser Unsinn ? oder ist es Dummheit ? oder geht es nur um Spenden und Wählerstimmen ? Leider regt man sich über soviel Dummheit nur auf , denn wenn die Wette in den nächsten Jahren einglöst wird , sind diese Leute sowieso weg und es kommen notgedrungen sachorientierte Leute an die Macht , die das schrottreife Gemeinwesen wieder aufbauen müßen. Schade nur , daß unsere Kinder und Großkinder die Zeche zahlen müßen.

    15+
    • Elisabeth Ertl sagt

      Die nackte Wahrheit ist: der gegenwärtige historische Wohlstand ist nicht zu halten, mit keiner Technologie. Johannes Voggenhuber hat es bei der EU – Wahl mit dieser Wahrheit probiert und ist durchgefallen. Wer an der Macht bleiben will, muss lügen.

      10+
      • Inga sagt

        Weil die Probleme demokratisch gelöst werden sollen?
        Weil alle mitreden wollen, auch wenn sie keine Ahnung und Durchblick haben?

        Nu weil sich der Mensch mit Gott vergleichen will?

        0
  7. Elisabeth Ertl sagt

    Kritischer Leser, wie genau sieht eine fortschrittliche Landwirtschaft aus? Und zwar eine, die demnächst 10 Milliarden mensche ernähren muss.
    Und wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus ohne Atom, ohne Kohle, ohne Verheizen von Mais, mit einer Umstellung auf Elektroautos?

    4+
  8. Mark sagt

    “ Er ist aber nicht prinzipiell zu verurteilen, sondern brachte und bringt Fach- und Sachverstand in die politischen Debatten.“ Leider nicht den Fach- und Sachverstand, der heutzutage dringend erforderlich wäre. Mit seinem altbackenen jährlichen Situationsbericht präsentiert der BV irgendwelche Buchführungsergebnisse auf 3 Stellen hinterm Komma genau gerechnet, was wirklich keine Sau interessiert. Wenn diie Medien Experten für Agrarfragen suchen, greifen sie auf die Agrarexperten von Greenpaece u. CO zurück. Das müsste zu denken geben!

    4+
    • Thomas Apfel sagt

      Hallo Mark.
      was wäre denn die Alternative als „Stimme der Landwirtschaft“. Bei aller Kritik am Bauernverband, dass die Medien in erster Linie Greenpeace oder Prinz Löwenherz fragen, ist doch eher ein Problem der selektiven Wahrnehmung der Medienleute selbst.
      Die Alternative wäre nämlich: KEINE Stimme der Nicht-Öko-Bauern – und genau das ist beabsichtigt. Auch ich bin, wie auch Willi unten geschrieben hat, ein Betrieb der verschwinden wird. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein Berufsständischer Verband nach wie vor wichtig ist. Die Außenwirkung ist die eine Seite, die Arbeit an Sachthemen im Hintergrund die Andere. Ich habe in den letzten Jahren viel Kraft und Engagement in die Arbeit für den Obstbau im Landesverband gesteckt. Wenn ich die „Erfolge“ sehe, sehe ich Folgendes: Wir stehen einer Verwaltung gegenüber, die sich zunehmend mit sich selbst beschäftigt. Förderprogramme, die wir durchgesetzt haben, scheitern an der Abarbeitung durch die Behörden und die ILB. Mit der Bearbeitung sind -zig gut bezahlte Institutionen und Mitarbeiter befasst, wenn da mal ein Mitarbeiter krank wird, werden die Anträge einfach mal ein halbes Jahr nicht bearbeitet. Da kommen dann schon zunehmend Betriebe, die sagen, was soll das Ganze noch, die Verbände haben uns nicht vor dem Mindestlohn schützen können (sicher ein Sonderproblem der Handarbeitsintensiven Sonderkulturen)haben uns nicht vor einer Vervierfachung der Beiträge zur Berufsgenossenschaft in nur 4 Jahren bewahrt und die Förderprogramme scheitern an der Bürokratie, was soll ich da an solch einen Verband noch Beitrag zahlen ? Trotzdem ist der Umstand, dass wir von Verwaltung und Politik überhaupt noch wahrgenommen werden nur den Verbänden zu verdanken. Sag mir eine Alternative, ich erkenne keine (außer vielleicht eine „Bauernpartei ??).

      8+
  9. Brötchen sagt

    „Sonst verschwinden sie halt vom Markt.“
    Ganz so ist es nicht!

    Sterbehilfe gibt es genug, kurzes Gespräch mit Berater LWK wäre sehr hilfreich.
    Die bäuerliche LW ist sehr leidensfähig und sehr robust.

    1+
  10. Piet van Veghel sagt

    In der Tat hat ALL DAS „Auswirkungen auf das Klima“ aber nur im Spurenbereich ! Wann befreien wir uns vom „Klimawahn“, vom „CO2=schlecht Abstrusität“, wann schicken wir unsere Kinder Freitags wieder zur Schule und kündigen Agitprop-Lehrer(innen) ?

    7+
      • Elisabeth Ertl sagt

        Die Welt ist schon öfter mehr oder weniger „untergegangen“: Am Ende des Römischen Reiches, zur Völkerwanderungszeit nahm die Bevölkerung deutlich ab. Für die Indianer ging dann um 1500 die Welt unter, in Deutschland wieder im Dreißigjährigen Krieg. Warum sollte es nicht wieder so kommen? Es wird so kommen, beginnend mit dem Krieg USA – Iran, der unmittelbar bevorsteht. Die Menschheit wird schon überleben, aber auf niedrigerem Niveau.
        Die Weisen der Geschichte standen dem Konsum immer kritisch gegenüber: Die Rishis lebten in Höhlen, Diogenes in einem Fass, Jesus predigte Armut, die Klöster versuchten sie zu verwirklichen, bis sie wieder vom eigenen Schweinehund daran gehindert wurden, dann kam ein neuer Orden, z.B. der vom Franz von Assisi.

        3+
    • Und noch ein Buchtipp diesbezüglich, der den lächerlichen Irrtum, CO2 sei DER Klimakiller, bloßstellt und die Lächerlichkeit, die seitdem durch die Medien getrieben wird, zur Wurzel zurückverfolgt:

      Christopher Booker – The real global warming disaster

      Das Buch wurde vor 10 Jahren veröffentlicht. Eigentlich hätte das Thema Klima und CO2 damit beendet sein sollen. Dass dem nicht so ist und stattdessen mehr und mehr Menschen in die Irre geführt werden, bezeugt im Grunde umso mehr, wie blind der Mensch inzwischen geworden ist – und wie peinlich diese gesamte Klimahysterie.

      2+
  11. Elisabeth Ertl sagt

    Ich erinnere mich auch noch daran, dass in den Nachkriegsjahren ein Wettkampf unter den Bauern selber stattfand: Wer hat den größten, den neuesten Traktor, wer den größten Stall, die meisten Tiere, die höchsten Erträge. Das war es, was die Bauern damals angetrieben hat, womit sie andere in Zugzwang versetzten. Das kam nicht von außen. Man produzierte wahnwitzige Butterberge und Milchseen, bis man zur Flächenstilllegung gezwungen wurde. Und dagegen sind Ende der 70er die Biobauern aufgestanden – mit Recht! Es gab also welche, die sich dem Zugzwang widersetzten, die Masse tat es nicht oder zu wenig. Ich erinnere mich an einen Bergbauern Anfang der 80er, der ganz beeindruckt von einer Exkursion ins Flachland zurückkam, wo er Erträge sah, von denen er nur träumen konnte. Da streute er erstmals Kunstdünger auf seine Wiese. Als dann das Unkraut schoss und die Buntheit der Blumen zurück ging, kam er zum Schluss, dass das für ihn nicht passte und hörte wieder damit auf. Das war keine Grüner!
    Das war eine andere Zeit, mit heute nicht zu vergleichen. Jetzt sind die Älpler auch gezwungen, zu intensivieren, anders können sie nicht überleben.
    Aber auch Anfang der Nullerjahre habe ich mich gefragt, wie man sich als Bauer allen Ernstes dafür hergeben kann, Kukurruz zu verheizen. Wo da der Berufsethos, der Respekt vor Lebensmitteln bleibt. Mit solchen Entscheidungen hat man wesentlich zum Imageverlust des Berufsstandes beigetragen, und auch zur unpopulären Intensivierung, weil ja die Versorgung mit Lebensmitteln daneben funktionieren muss, und der Selbstversorgungsgrad ist damit empfindlich gesunken. Jetzt ist das schwer rückgängig zu machen. Atomausstieg plus Kohleausstieg plus NaWaRo – Ausstieg plus forcierte Elektromobilität, das wirds nicht spielen. Jetzt sitzt man in der Tinte und büßt für die Sünden vergangener Jahrzehnte. Für das, was man jetzt tut, braucht man nicht zu Kreuze kriechen, für die Sünden der Vergangenheit sollte man das sehr wohl einmal tun, das wäre fair, würde den Dialog sehr fördern.

    3+
      • Brötchen sagt

        Frau Ertl! Meine Empfehlung vielleicht etwas übertrieben dargestellt, aber so läuft das, da können Sie auf ihren Bergen einpacken….https://www.3sat.de/gesellschaft/makro/wirtschaftsdokumentation-rotes-gold-100.html

        Die LW ist ja auch deshalb so unter Druck, weil ein größeres Einkommen für Konsum benötigt wird und die anderen Bereiche werden teurer wie:
        Energie
        Abfall
        Wohnung
        Bildung

        Neuer Konsum:
        Elektronik
        Bekleidung
        Reisen
        Auto mit mehr Komfort

        und und und

        deshalb ist es unrealistisch das die Menschen im Durchschnitt mehr für Lebensmittel ausgeben.

        4+
        • Thomas Apfel sagt

          Hallo Brötchen,
          Da kann ich nur beipflichten.
          Das Ganze lässt sich über die Statistik wunderbar nachvollziehen: auch die Landwirtsfamilien müssen ja für die Dinge des tägliche Bedarfs wenn sie an den technischen Weiterentwicklungen und daraus resultierenden Alltagserleichterungen teilhaben wollen, mehr Geld ausgeben.
          So sind die Einkommen der Landwirte nominell in den letzten 20 Jahren auf rund 160 % angestiegen (das deckt nicht ganz die Inflation ab). Die Vorleistungen, also alles was an Leistung und Material eingekauft werden muss, sind im gleichen Zeitraum auf über 200 % angestiegen. Demgegenüber hat sich die Brutto/Nettowertschöpfung je Flächeneinheit (ha) nicht verändert (von einzelnen Jahresausschlägen mal abgesehen). Die betrieblichen Einkommen konnten nur über eine Verdopplung der Betriebsfläche (im Durchschnitt aller Betriebe in Deutschland) mitgezogen werden. Wenn sich Inflation und Erzeugerpreise nicht ändern, wird das auch munter so weitergehen, da objektive Gesetzmäßigkeiten sich wenig daraus machen ob wir so oder anders darüber denken.

          7+
          • Brötchen sagt

            Thomas Apfel!

            Die Betriebsmittel die man haben muss, um lw. tätig zu sein, sind extrem gestiegen!
            Es gibt im Osten und auch im Westen noch Betriebe, die mit extremer Sparsamkeit noch „da“ sind. Manchmal fragt man sich wie das noch geht.

            Man vergisst das schnell.

            4+
  12. Elisabeth Ertl sagt

    Wenn es zu viele Wölfe gibt, bringen sich die Tiere gegenseitig um, damit es für die verbleibenden wieder genug Nahrung gibt. 60% aller wildlebenden Wölfe sterben im Kampf gegen Artgenossen. Prof. Kotrschal, der gerade wieder eine mediale Kampagne pro Wolf in Österreich fährt, argumentiert gerne so: „Wölfe sind jene Tiere, die uns Menschen wesensmäßig am nächsten sind. Menschen und Wölfe zeichnen sich dadurch aus, dass wir die mit Abstand nettesten und kooperativsten Tiere innerhalb unserer Gruppen sind … Innerhalb unserer Clans kooperieren wir sehr nett … nicht zuletzt bei Grenzkriegen. Wölfe und Menschen haben auch gemeinsam, dass sie eine Kriegergesellschaft sind … Hunde waren unsere ersten Gefährten in den Heeren der Menschheit … “ https://www.youtube.com/watch?v=T-TaCXKira
    Das ist nicht sarkastisch gemeint, Kotrschal identifiziert sich mit Wölfen. Vom Christentum hält er nichts, das bemerkt er nebenher immer wieder.
    Der Wolf, das Tier, welches den Zeitgeist symbolisiert, den Geist der Linken – gegen die Rechten, die den Wolf nicht mögen.
    Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Wird diese Tatsache unsere Probleme lösen?

    2+
  13. Walter Parthon sagt

    Artikel Bauerverband SH
    Zur Diskussion – aus den Netz
    „Ich habe mir mal ein paar gedanken über die Landwirtschaft gemacht. Ich bin kein Landwirt, aber in der Landwirtschaft aufgewachsen. Früher gab es in jedem Ort Landwirte, jeder hatte sein Ein- und Auskommen. Der Misthaufen war mitten im Hof, in den Ställen waren die Schwalben ein gern gesehener Gast. Dann griff aber die Politik mit ihrer Regulierungswut ein und ab da wurden familiäre Kleinbetriebe systematisch kaputt gemacht (auch durch Behörden). Durch teilweise nicht nachvollziehbare Auflagen (zB. Bauantrag für einen mobilen Hühnerstall in Baden-Württemberg) und hohe Kosten, bleibt den Besitzern doch nichts anderes übrig als ihren Betrieb stillzulegen und die Flächen an andere zu verpachten oder zu verkaufen.
    Dann kamen noch neue Bewohner in den Ort, Menschen, die aus der Stadt auf Land gezogen sind und am Ortsrand billig einen Bauplatz kauften. Und einige dieser neuen Bewohner regten sich dann über den Misthaufen auf (es wurden sogar Prozesse deswegen geführt). Im Sommer wird sich darüber aufgeregt und auch schon mal die Polizei geholt, weil um 22:00 Uhr der Mähdrescher noch auf dem Feld unterwegs ist. Das macht der Landwirt ja nur, um die Anwohner zu ärgern.
    Dann wird über die „Großbetriebe“ hergezogen, aber genau diese Betriebe sind auch durch die Verbraucher entstanden. Wenige Verbraucher sind doch bereit, mehr für ihre Lebensmittel zu zahlen, auf dem Grill für 1000,-Euro liegt das Bratwürstchen für 0,69 € aus dem Diskounter. Lieber die billigen Erdbeeren aus Marokko und Spanien kaufen, statt die frischen aus der Region.
    In den Medien (vor allem in den Diskussionsrunden der öffentlich-rechtlichen Sender) ist sehr viel von Monokulturen zu hören, dazu wird dann noch ein selbsternannter Ökofachmann (der hat so viel Ahnung von der Landwirtschaft, wie eine Kuh vom Fliegen) befragt. Die Landwirte die ich kenne bauen nicht jedes Jahr die selbe Frucht/Pflanze auf demselben Feld an.
    Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) setzte angesichts der steigender Ölpreise im Jahre 2004 auf den Ausbau von Bioenergie. „Bauern können die „Ölscheichs von morgen“ werden, wenn das Potenzial nachwachsender Rohstoffe in Deutschland stärker genutzt würde“. Heute will von den Grünen keiner mehr etwas davon wissen.
    Landwirte sollen mehr für Insekten machen, (Blühstreifen, etc.) viele machen es auch schon. Aber wehe der Blühstreifen liegt in der Nähe eine Neubausiedlung am Ortsrand, dann hagelt es gleich Proteste.
    Schaut man sich aber die Gärten in den Neubausiedlungen an, dort ist der Rasen auf 30-50mm gemäht, in den Blumenbeeten werden jedes Jahr dieselben Blumen angepflanzt. Oder aber exotische Pflanzen, sehen schön aus, sind aber zum größten Teil nicht für unsere Insekten (auch Bienen) geeignet. Und gedüngt wird nach dem Motto, viel hilft viel.
    Oder aber, ums sich Arbeit zu ersparen wurden viele Gärten in einen Steingarten verwandelt, Tiere die sich von Steinen ernähren sind bis heute nicht bekannt (außer der Steinlaus von Loriot dem Felsenbeißer aus der „Unendlichen Geschichte“).
    Klar ist, jeder sollte etwas für die Umwelt tun, aber am besten direkt bei sich selber anfangen und nicht mit dem Finger auf andere zeigen.“

    32+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      In einer Kleinstadt in der nähe wurde der Klimanotstand ausgerufen,
      am Freitag gab es die FRIDAYS FOR FUTURE Demo
      und heute ist zu lesen, dass es gelungen ist, das Food Truck Festival in diesem Jahr wieder durch zu führen.

      Ich hoffe doch, dass all die Besucher, zu Fuß, mit der Bahn, oder mit dem Fahrrad kommen.
      Erfahrungsgemäß wird kein Parkplatz mehr frei sein, wenn man nicht eine Stunde vor Beginn vor Ort ist.

      Bei guter Laune und warmem Wetter sitzen wir in unseren Garten und jagen auf dem Grill das CO2 in die Luft.

      1+
    • Arnold Krämer sagt

      Herr Parthon!
      Sie haben hier einen Artikel zur Diskussion gestellt, über dessen Zustimmung nach so kurzer Zeit sie möglicherweise auch ein wenig erstaunt sind. Mir gefällt der Artikel allerdings überhaupt nicht, weil er
      1. vor Selbstmitleid trieft (das muss aufhören im Berufsstand!)
      2. einen wesentlichen Grund für den Strukturwandel und die Betriebsaufgaben völlig ignoriert und deshalb der Politik und den Verbrauchern die alleinige Schuld für diese Entwicklungen zuweist. (auch die Verbraucherbeschimpfung muss aufhören im Berufsstand!)
      Dabei war der autonome technische Fortschritt in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg bis vor etwa 10 bis 15 Jahren fast alleine bestimmend (zumindest deutlich überwiegend) für die strukturellen Entwicklungen. Er ist dafür verantwortlich, dass immer weniger Landwirte immer mehr Lebensmittel bzw. Agrarrohstoffe erzeugen konnten. Das hat für den Preisverfall, (die Politik hat lange mit Marktordnungen dagegen zu halten versucht), für das Betriebsgrößenwachstum und die Betriebsaufgaben gesorgt.
      Erst in den letzten 10 bis 15 Jahren sind Eingriffe und Regelungen der Politik, teilweise veranlasst durch strukturelle Fehlentwicklungen in einzelnen Regionen, teilweise getrieben durch überzogene Verbrauchererwartungen, teilweise veranlasst durch EU- Vorgaben oder nationale Gerichtsentscheidungen wesentlich wirksamer geworden. Die immer größer werdende Wirksamkeit politischer und verwaltungstechnischer Regelungen für strukturelle Entwicklungen im Agrarsektor hängen auch damit zusammen, dass es keinen nennenswerten Arbeit sparenden technischen Fortschritt mehr gibt (Ausnahme Melkroboter).

      10+
      • Walter Parthon sagt

        Und heute -am bisherigen Ende der Entwicklung- wird es dann abstrus:

        Heute fordert der Verbraucher lautstark mit seinen Petitionen und den oft faktenbefreiten, ideologisierten Verbalkämpfen quasi das Ende seiner eigenen Versorgungssicherheit und akzeptiert gleichzeitig, dass seine Lebensmittel weiterhin billigst bleiben, weil sie stattdessen quer über den Globus kommend importiert werden. Während er gleichzeitig denen zujubelt, die Freitags gegen den Klimawandel demonstrieren.

        Das nennt die Psychologie dann wohl klassisch schizophren.

        12+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        Hier muss ich Ihnen einmal voll und ganz zustimmen, Herr Krämer. Mir erschließt sich auch nicht der inhaltliche Bezug des Kommentars von Herrn Parthon zum Beitrag von Willi. Die hohe Zustimmung, die dieser und ähnliche Beiträge in diesem Blog regelmäßig bekommen,finde ich sehr bedenklich, denn sie entsprechen genau der Tendenz vieler Landwirte zum Selbstmitleid, ohne wirklich aktiv etwas an der Situation ändern zu wollen.

        4+
  14. Harald Müller sagt

    So richtig beeindruckend wird das Ganze, wenn man bedenkt das sich dies Entwicklung in nur rund 400 Generationen abgespielt hat.

    Im obigen Text…
    >> Mein Ururururururururur-Großvater (ich hoffe, ich habe
    >> genügend „ur“ eingetippt) hat sich das abgeguckt und wurde
    >> so zum Ackerbauer und Viehzüchter im fruchtbaren
    >> Halbmond.
    … fehlen also nur noch rund 390 „ur“, um die Menschheitsentwicklung vollständig wieder zu geben. 🙂

    0
  15. Walter Parthon sagt

    Ideologisches Sammelbecken
    Die Grünen sind keine normal debattierende Partei. Bei den Grünen regiert nicht die Macht des besseren Arguments oder auch die Anerkennung legitimer unterschiedlicher Sichtweise, sondern die Moralkeule. Abweichende Meinungen sind für die Grünen meistens nicht kurzsichtig, kontraproduktiv oder fehlerhaft, sondern gleich „unerträglich“, „ekelhaft“, oder „menschenverachtend“. Doch mit ihrer moralisch überheblichen Attitüde vergiften in Wahrheit die Grünen den politischen Diskurs und untergraben die Demokratie. Das warf ihnen schon 2012 Forsa-Chef Manfred Güllner in seinem Buch „Die Grünen – Höhenflug oder Absturz?“ vor. Güllner ist übrigens bekennendes SPD-Mitglied.
    Nicht zufällig sind die Grünen das Sammelbecken aller modernen Ideologien, an die man heutzutage als „aufgeklärter Weltbürger“ anscheinend zu glauben hat: Multikulti, offene Grenzen, radikaler Umweltschutz, Gender-Ideologie, mehr Staat und so weiter. Wer sich diesen links-grünen Glaubensgrundsätzen verschließt, positioniert sich – wenn es nach den Grünen und ihren medialen Freunden geht – als „neoliberal“, „rechtsradikal“, „islamophob“ oder als „Hetzer“. Wie heißt es doch in Artikel 5 Grundgesetz? „Jeder Grüne hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Die Anderen nicht.“

    32+
    • eigentlich wollte ich ja schweigen sagt

      Was ich der Diskussion noch nie verstanden habe ist die Tatsache, dass in der Argumentation der Landwirte sehr häufig der Konsens besteht, dass eine. Gewisse Partei, eine gewisse Einrichtung als Gegner der Landwirte zu ächten sind.
      Vor einigen Jahren war es die EWG, jetzt sind es die Grünen! Die deutsche Landwirtschaftspolitik wurde aber mit Ausnahme der Regentschaft von Frau Künast immer von Politiker der FDP, CDU oder CSU verantwortet! Auch in den EU Gremien sehe ich nirgendwo eine absolute Mehrheit der Grünen.
      Darüberhinaus verfügen die deutschen Landwirte über ein durchaus mächtige Standesvertretung, die allerdings m. E. eher die unternehmerische Landwirtschaft als Zielbild hat und nicht die bäuerliche.
      Und noch eine Bemerkung.
      Die Geschichte die Bauer Willi von der Landwirtschaft erzählt, kann ich als hauptberuflicher Autobauer auch erzählen. Carl Benz und Rudolf Diesel haben mit höchsten persönlichen Einsatz dafür gearbeitet, endlich die Pferdekutschen udnOchsengespanne abzulösen. Den Menschen die Möglichkeiten gegeben, aus ihrem engen Umfeld in die Welt hinaus zu kommen usw. usw. Und jetzt ist der Diesel-Motor verdammenswert und an allem Schuld.
      Mit dieser Argumentation kommen wir m. E. Nicht wirklich weiter.

      6+
      • Bauer Willi sagt

        Ein durchaus interessanter Vergleich. Auch die „Auto-Lobby“ ist ja durchaus mächtig. Und was hilft das jetzt? Nichts, der Diesel ist „böse“, obwohl mein 10 Jahre alter Touran mit 140 PS immer noch weniger als 6 l verbraucht und ich die Diskussion wissenschaftlich nicht nachvollziehen kann. Genau das ist das Problem der Landwirtschaft: Fakten sind nichts mehr wert, die Politik aller Couleur (da haben Sie vollkommen recht) richtet sich nur noch nach dem Zeitgeist. Was dem Autobauer der Diesel ist dem Bauern das Glyphosat.
        Was die Grünen angeht: Sie haben es verstanden, gemeinsam mit mächtigen Organisationen den Zeitgeist mit einfachen Überschriften zu lenken. Die Medien, deren Redakteure dieser Denkweise offen gegenüberstehen, befördern es. Andersdenkende haben es da schwer und werden schnell als „Leugner“ abgestempelt. Nach dem Motto: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Ich wünsche Ihnen als Autobauer alles Gute, denn Sie werden es schwer haben. Und vielleicht erkennen Sie jetzt, dass Autobauer und Landwirte viel gemeinsam haben. Mit welcher Argumentation wir weiterkommen? Ich weiß es auch nicht wirklich, aber vielleicht haben Sie ja eine Idee…

        19+
        • Brötchen sagt

          Willi die Autoindustrie hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen, mit unrealistischen und undurchführbaren Zielen!

          Meines Erachtens ist das Dieselproblem dadurch entstanden, die Politik hat undurchführbare Grenzwerte verlangt und das Führungspersonal konnte das gegenüber der Politik nicht durchsetzen bzw. kommunizieren. Dann wurde eben „beschissen“.

          Die LW soll z.b. die NH³ emissionen extrem senken, um ca. 40 %.
          Wenn die Tierhaltung umgebaut werden soll, steigen aber die Emissionen noch.

          Gleiches Dilemma.

          7+
          • sonnenblume sagt

            Hallo Brötchen,
            der jetzt geforderte Umbau der Tierhaltung ist nur eine Vorstufe, bzw. eine schöne Umschreibung für den eigentlich beabsichtigten Abbau der Tierhaltung. Dann schafft man die Reduzierung der Emissionen.

            1+
            • Brötchen sagt

              Sonnenblume, kann sein…..aber „sie wissen nicht, was sie da tun“

              Ich glaube nicht, das die wirklich wissen, was das bedeutet.

              Aber kann man ja hier auch oft lesen, dass die meisten nicht durchsehen.

              2+
        • kritischer Leser sagt

          Lieber Bauer Willi,

          Wie kann man denn, gerade auch als akademisch gebildeter Mensch, so eine Geschichte vom Erfolg der Landwirtschaft durch Erkenntnisgewinn erzählen und gleichzeitig die auf einem langen Weg erlangte Erkenntnis, dass uns ein „weiter so“ (im Bereich Klimagase, Konsum, Pestizide, Flächenverbrauch, Intensivierung, u.v.m) mittelfristig mehr schadet als nützt, so penetrant ignorieren?!? Mir fällt da, gerade auch (ohne es bitte persönlich verstanden zu wissen) in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters (auch anderer Akteure) nur das Stichwort „Bestitzstandswahrende Fortschrittsverweigerung“ ein.
          Dass sich die vorherige Generation nicht vorstellen kann, dass die nächste auch anders überleben kann als sie selber, ist wahrscheinlich so alt wie Ihre Geschichte. Ich bin mir sicher, dass einige Jäger und Sammler sehr empört waren über die „verrückten“ die da Tiere einzäunen und leckere Samen einfach in die Erde steckten. Aus der jüngeren Geschichte sind mir Erzählungen überliefert, dass ein „ordentlicher Bauer“ gefälligst Pferde hat mit denen er ackert und sich nicht so ein lautes, stinkendes Traktormonstrum aufs Feld holt.
          Das im Hinterkopf behaltend geht Ihre Geschichte also eher so: Ja, die (moderne) Landwirtschaft hat ihren guten Teil dazu beigetragen dass viele (lange nicht alle!) Menschen auf unserem Planeten einigermaßen gut leben können. Leider stellen wir jetzt immer deutlicher fest, dass das Pendel umschlägt und die Art und Weise wie wir Ressourcen nutzen (auch landwirtschaftliche) zu einem Absturz, wohin und wodurch auch immer, führen wird. Und ja, da müssen sich auch die Bauern SOFORT einbringen und nicht in den Reigen derer einstimmen, die erstmal mit dem Finger auf andere Zeigen. DA sollte die Landwirtschaftliche Innovationskraft ansetzen.

          0
          • Brötchen sagt

            Kritischer Leser:

            „im Bereich Klimagase, Konsum, Pestizide, Flächenverbrauch, Intensivierung, u.v.m) “

            Lösungen parat? Bauer Willi hat schon Strategien vorgeschlagen, so weit ich mich erinnern kann.

            „DA sollte die Landwirtschaftliche Innovationskraft ansetzen.“

            Innovationskraft scheitert an wirtschaftlichen und marktstrukturellen Gegebenheiten, nicht vollständig, aber es ist schwierig.

            Das ist doch gerade das, worum es sich hier ständig dreht.
            Selbst die Manager in der Autobranche stehen wie kleine Jungs da und die haben richtig Knete.

            Die beschäftigen Heerscharen von Beratern und Projektmangern die sich um Kleinigkeiten kümmern. Der Lw. bastelt nebenbei noch an seiner Biogasanlage rum und verdient einen Bruchteil, von dem aus der Autoindustrie.

            7+
            • kritischer Leser sagt

              Brötchen:
              Diskreditieren Sie ihre Diskursteilnahme bitte nicht mit so einer lächerlichen Frage wie „Lösungen parat?“.
              Wenn ihr Auto kaputt ist und sie damit in die Werkstatt kommen, erwartet der Mechaniker dann auch dass Sie ihm erklären wie er es reparieren soll?
              Sie erwarten aber schon, denke ich, dass er sich mit ihrem Auto auskennt oder Ihnen zumindest Hilfe vermittelt, schließlich ist er ja der Profi und erkennt hoffentlich Ihr Problem.
              Oder würden Sie es akzeptieren wenn er sagt: „So ein Auto habe ich in meiner Lehre nicht gehabt, mit dem modernen Zeug will ich nix zu tun haben. Wieso haben sie keinen Opel Kadett gekauft?“
              Diese Geisteshaltung schimmert bei manchen LW Standesgenossen durchaus durch.

              Und wer hat eigentlich behauptet dass es „leicht“ ist? Natürlich ist so ein Strukturwandel schwierig. Egal ob bei der Stromversorgung, der Autoindustrie oder halt der Landwirtschaft. Schauen Sie sich das Ruhrgebiet an. Oder große Teile Ostdeutschlands. Die können Ihnen ganze Arien vom Strukturwandel singen. Und übrigens schwierig für die gesamte Gesellschaft, nicht nur für die Bauern (die ein Teil der Gesellschaft sind!). Und ja, da werden auch noch weitere Höfe für drauf gehen, das ist so. Aber das hat es schon immer gegeben. Die ganzen Höfe die in meinem Dorf aufgegeben haben, haben schon weit vor der Umweltdebatte aufgegeben.

              Fakt ist: Es wird kein Weg daran vorbei führen. Über kurz oder lang berauben wir uns mit der „klassischen“ LW-Produktion unserer Lebensgrundlagen, weltweit.
              Und ja, zur Zeit produzieren andere Länder furchtbar billig Lebensmittel und Rohstoffe. Dazu wird aber massiv Raubbau an der Umwelt getrieben. Resultat ist dass SCHON JETZT die Produktion immer schwieriger wird (Wasser fehlt, Boden wird unfruchtbar, Versteppung, Bestäuber fehlen, etc.pp.). Und da frage ich jetzt die Landwirte in Deutschland und Europa: Will man kurzfristig konkurrenzfähig bleiben, den Massenmark bedienen und dadurch auch die Ressourcen VOR ORT ruinieren, oder möchte man langfristig eine, wie auch immer geartete, Landwirtschaft weiter betreiben?
              Die Landwirte tragen immer das Ehrenschild vor sich her für Generationen zu arbeiten, mit der Natur, blabla,… Tatsache ist: Sie tun es spätestens seit 80 Jahren nicht mehr! Und dafür gibt es jetzt langsam (aber immer schneller) die Quittung! (Die, obwohl es eigentlich unnötig seien sollte es extra zu erwähnen, natürlich an die GANZE Gesellschaft adressiert ist!)

              0
              • Ehemaliger Landwirt sagt

                Auch wenn ich nicht angesprochen bin,
                ich gehe mit meinem Auto in die Werkstatt, weil es dort Menschen gibt, die das besser können, als ich selbst.

                Was Landwirtschaft betrifft, da verstehe ich und meine Berufskollegen was davon und weit mehr als die Googlebauern, die meinen sie können das alles besser.

                Und wenn den Bauern großspurig von einer anderen Landwirtschaft vorgegaukelt wird, dann sollen die erst mal in der Praxis zeigen wie es geht.

                Mann soll sich gegen Landwirten nicht Erhaben tun,
                man sollte den IQ auch haben.

                4+
              • Obstbäuerin sagt

                Will man kurzfristig konkurrenzfähig bleiben, den Massenmark bedienen und dadurch auch die Ressourcen VOR ORT ruinieren, oder möchte man langfristig eine, wie auch immer geartete, Landwirtschaft weiter betreiben?
                Sehr geehrter kritischer Leser, Sie haben tatsächlich von Betriebswirtschaft im Kapitalismus eine seltsame Vorstellung. Es ist keine Frage was man will oder möchte, sondern tun muss, um überhaupt am Leben zu bleiben. Wenn ich nicht kurzfristig konkurrenzfähig bleibe, bin ich für die Zukunft verloren.

                2+
              • Thomas Apfel sagt

                Prinzipiell arbeiten die Landwirte respektive Bauern immer gegen die Natur. Weil die Natur „von Natur aus“bei uns eigentlich Wald und gegrenzte Artenvielfalt ist und eben nicht Ackerbau und Weideland. Im Mittelalter, auf das immer „im Einklang mit der Natur“ abgehoben wird, gab es die größten Raubbau-Orgien an Wald, Landschaft und Boden. Genau die sind aber die Ursache der Artenvielfalt und eben nicht „das Wirtschaften im Einklang mit der Natur“. Man betrachte hier z.B. die Plaggenwirtschaft des Mittelalters in den jetzigen Heidegebieten. Diese ausgelaugten Böden fingen überhaupt erst mit der Erfindung des Mineraldüngers an nennenswerte Erträge abzuliefern. Genau zu diesem Zeitpunkt bricht die mühsame Plaggenwirtschaft dann auch abrupt ab. Was wir aus dieser Zeit lernen können ist hingegen Folgendes: Die Kehrseite der abgeplaggten Allmendeflächen war der Plaggenesch als einzige nur durch menschliches Zutun entstandene Bodenform an den Stellen wo das anderswo abgeplaggte Material zur Bodenverbesserung zum Einsatz kam. Hier werden bis heute stabile Humusgehalte bis zu 8 % gemessen.
                Der Grund liegt im hohen Ligningehalt der Plaggen und der vorherigen Aufwertung des Materials über Einstreu in die Viehställe (Tiefstallmist). Warum schreibe ich das so ausführlich: Lignin ist der zentrale Stoff im Prozess der Dauerhumusbildung, er wird durch unsere Art der Bodenbewirtschaftung in der Regel aber bevor er zum Zuge kommt durch Pilze abgebaut. Auch ist die Güllewirtschaft in ihrer jetzigen Form (der Kohlenstoff wird über BioGasErzeugung zu wesentlichen Teilen entnommen, die Nährstoffe bleiben im Kreislauf, Lignin ist in den Gärsubstraten kaum enthalten) zwar ein Nährstoffkreislauf, aber kaum in der Lage Dauerhumus aufzubauen. Man muss neue Methoden finden das Lignin im Kreislauf seiner wichtigen Funktion für dauerhafte Bodenfruchtbarkeit effektiv zuzuführen. Da hilft der Blick ins Mittelalter nur sehr bedingt.

                2+
              • brötchen sagt

                Kritischer Leser!

                Wissen Sie, wo ich 1989 war?
                In Leipzig studiert und täglich an der Nikolaikirche vorbeigelaufen.
                Wissen Sie was ich fachlich machen?
                Ich habe auch mit Biolandbau zu tun. Ich kenne die Widersprüche die dort auch fast unlösbar sind, wirtschaftlich.

                Wissen Sie wo wirklich Weltuntergang war?
                Espenhain, Lauchhammer, Plessa und Schwarze Pumpe….

                Heute ist da blühendes Leben und fahren Sie mal zum Leipziger Neuseenland, da war 89 ein tiefes schwarzes Loch.

                Und sie erzählen was von Weltuntergang.

                Das übliche…dafür ist mir meine Zeit zu schade, ich dachte da kommt jetzt was worüber man diskutieren könnte. Und was kommt : nichts!

                1+
              • Elisabeth Ertl sagt

                Wenn Sie selber keine Lösungen haben, dann müssen Sie halt mit jenen zufrieden sein, die wir verwirklichen.

                1+
          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Habe mal gehört,
            dass manche in romantischer Verklärung sich eine Landwirtschaft längst vergangener Zeiten wünschen, und eine äußere Qualität verlangen, welche die Natur von sich selbst nicht bringt.

            Es ist gerade besonders Schick älteren Menschen das Jahrzehnte lange erworbene Wissen abzusprechen, gerade von Menschen die noch nicht einmal einen Salat stock zur Reife brachten.

            12+
          • Obstbäuerin sagt

            “ Mir fällt da, gerade auch (ohne es bitte persönlich verstanden zu wissen) in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters (auch anderer Akteure) nur das Stichwort „Bestitzstandswahrende Fortschrittsverweigerung“ ein. “
            Leider beobachte ich genau das Gegenteil (kann aber daran liegen, dass meine Beobachtungsgabe aufgrund meines fortgeschrittenen Alters schon erheblich eingeschränkt ist). Wie auch immer, jedenfalls sehe ich in unserer angeblich zukunftsfähigen Alternativ-Branche schlecht ausgebildete Nachwuchskräfte, die wenig bis gar keine Praxiserfahrung haben. Junge Leute mit viel Engagement, die eine alternative, natürlich bessere Landwirtschaft ohne „Pestizide“ und Kunstdünger, dafür mit sozialem Tuch (auf keinem Fall Arbeit am Wochenende) und ohne Stress (Arbeitsbeginn schon mal 10 Uhr) vorgelebt aber den Kampf gegen das Unkraut oder Beikraut verloren haben. Insekten vielerlei Arten haben sich prächtig entwickelt und ihren Anteil an der Ernte geholt. Pilzkrankheiten dehnen sich aus und bedrohen die Ernte in den Tomaten und Kartoffeln. Das ist die Praxis und nicht die Theorie.

            10+
      • Brötchen sagt

        Hallo „eigentlich…..“!

        Ein paar Argumente:

        Die Grünen greifen zur Zeit die wirtschaftlichen unmd biologischen Grundlagen der LW an, so ähnlich wie bei der Automobilindustrie.
        Wenn die Ziele umsetzbar wären, dann hätte niemand etwas grundlegendes dagegen. Sind sie aber zu großen Teilen nicht.
        Übrigens ist die SPd eigentlich für einen Landwirt nicht mehr wählbar, auf Bundesebene.
        Die LW ist für die Politik nicht sehr interessant, weil:
        – nur wenig zum BIP beiträgt und dieser Anteil nicht mehr gross steigerungsfähig ist, wegen der Resourcenbegrenztheit
        – nur wenig Menschen in der LW heute noch arbeiten und direkt von der LW abhängen ( wenig Wähler) selbst auf dem Land arbeiten nur noch sehr wenig Menschen in der LW
        – die Themen sind unangenehm und nicht einfach zu lösen, „vermintes Gelände“

        Nicht nur die Bundesregierung beeinflusst die LW Politik auch die Länder und sei es durch Vetos im Bundesrat durch die SPD oder Grüne Regierungen. EU sowieso.

        Politik wird heute zunehmend durch die Medien und NGOs gemacht.
        Trump hat das zum Teil sehr gut begriffen und übergeht die Medien einfach, indem er seine Botschaften twittert. Dadurch „braucht“ er die Medien nicht mehr.

        Was den bäuerlichen Familienbetrieb betrifft, dieser ist im mitteldeutschen Teil nicht mehr existent bzw. wenn es diesen noch gibt, ist kein Unterschied zwischen einem Grossbetrieb und diesem feststellbar.

        9+
      • Thomas Apfel sagt

        Ich denke, das alle, auch Bäuerlichen Betriebe, Unternehmerische Landwirtschaft sind. Sonst verschwinden sie halt vom Markt. Angesichts der Ohnmacht der Bauernverbände gegenüber der medialen Brachialgewalt des derzeit eher Unternehmensfeindlichen Bullerbü-Mainstreams staune ich manchmal wie viele Betriebe noch in den Verbänden sind, vor allem Betriebe mit der Perspektive zur Aufgabe. Der DBV vertritt naturgemäß eher die Interessen der verbleibenden Betriebe, also die der „Wachser“ und nicht die der „Weicher“. Er vertritt immer noch über die Fläche die Mehrzahl der Landwirte, aber immer weniger Betriebe, und die vertretenen Betriebe sind genau die, die wegen ihrer modernen Produktionsweise in der gesellschaftlichen Kritik stehen. Der Lobbyismus in Form der Unternehmensverbände geht gerade überall den Bach runter. Er ist aber nicht prinzipiell zu verurteilen, sondern brachte und bringt Fach- und Sachverstand in die politischen Debatten. Die Zeit der „Hinterzimmerabsprachen“ ist allerdings, glaube ich zu mindestens; vorbei. Was im Moment fehlt ist die gleichberechtigte neutrale Bewertung der Ansichten der Unternehmensverbände allgemein in den Medien. Dazu gehört aber auch, dass unangenehme Themen auf den Tisch kommen und diskutiert werden müssen, und nicht versucht wird die Diskussionen über bestimmte Bereiche „wegzumauscheln“.

        4+
        • Bauer Willi sagt

          Ein großes Wort gelassen ausgesprochen. Ich wundere mich auch, warum so viele Betriebe noch im Verband sind. Alle schimpfen, keiner tritt aus. Ich auch (noch) nicht, obwohl unser Betrieb über kurz oder lang „auf der Strecke“ bleiben wird. Und wen interessiert es? Niemand…
          Übrigens sind AbL, Bauernbund oder ähnliche Gruppierungen keine echte Alternative. Sorry, aber sehe ich so.

          14+

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