Alois
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Das System Landwirtschaft

Zum Thema „sind die Bauern systemrelevant“ hier die Version von Alois


Will man ergründen, ob die Bauern systemrelevant sind, müssen wir uns erst einmal klar machen, in welchem System die Bauern mit ihrer Landwirtschaft derzeit stecken. Wir sind ein Teil der Gesamtwirtschaft. Vereinfacht gesagt produziert der Landwirt landwirtschaftliche Produkte, die er an den Landhandel liefert. Diese machen daraus Lebensmittel, welche dann der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) an die Verbraucher verkauft. Der Landwirt wiederum kauft vom Landhandel seinerseits die Produktionsmittel ein. Das ist der wirtschaftliche Kreislauf.

Eigentlich müsste die Landwirtschaft in diesem System der wichtigste Teil sein, denn ohne Rohstoffe kann es doch auch keine Endprodukte geben. Sollte man meinen! Wenn da nicht inzwischen der globale Handel wäre. Denn der Landhandel und die Verarbeiter brauchen die Bauern nicht mehr zwingend. Die Bauern sind also beliebig austauschbar und damit ständig dem Preisdruck der Abnehmer ausgesetzt.

Preisdruck-System

Dieses Preisdruck-System beutet nicht nur die natürlichen Ressourcen aus, sondern auch die Bauern und ihre Familien. Der sogenannte Strukturwandel eleminiert die „bäuerliche Landwirtschaft“ und installiert dafür die industrielle Landwirtschaft, die dem ständigen Kostendruck der Verarbeiter und des LEH noch am ehesten entsprechen kann. Aber die industrielle landwirtschaftliche Produktion benötigt durch ihren enormen Technikeinsatz riesige Kapitaleinsätze, welche den modernen „Agrarmanager“ oft in die Abhängigkeit der Finanzwirtschaft bringen. Der Produzent der Lebensmittelrohstoffe trägt also die volle Kapitallast und das volle Unternehmer-Risiko, wird aber durch börsenähnliche Erzeugerpreis-Systeme den Schwankungen des Weltmarktes ausgesetzt und profitiert somit nicht von den Gewinnmargen der Verarbeiter und des LEH.

Produktion ohne aktive Vermarktung

Möglich geworden ist dieses Preisdruck-System durch die Allianz des bäuerlichen Berufsstandes mit Politik und den Handelspartnern. Der Berufstand schwor seine Mitglieder ein auf „Wachsen oder Weichen“ und auf „Weltmarkt-Export“ ein. Dafür bekamen die Bauern von der Politik die Abfederung durch Subventionen (die Erfolge der Bauernverbände). Das „Jammern der Bauern“ war bisher, von den Förderungen her betrachtet, sogar eine recht erfolgreiche Strategie. Durch die daraus resultierende staatliche Fürsorge kümmerten sich die Bauern aber nicht um ihre Absatzmärkte, sondern überließen diese bereitwillig dem Landhandel. Dabei hätten die Bauern mit ihren eigenen Genossenschaften geschichtlich gewachsene starke Eckpfeiler im Markt. Doch das Genossenschafts-Netzwerk ist längst mit dem Handel verbündet. Die Unternehmensziele der Genossenschaften unterscheiden sich heute nicht mehr von anderen kommerziellen Unternehmen. Waren ursprünglich sicherer und guter Absatz der eigenen Produkte der Genossen das Ziel, so sind es heute die Gewinne, die eben dadurch erhöht werden, wenn Rohstoffe (bäuerliche Produkte) möglichst kostengünstig eingekauft werden und die Produktionsmittel der Landwirte, wie Maschinen, Dünger und Pflanzenschutzmittel usw. möglichst hochpreisig an die Landwirte verkauft werden.

Bildung nur für die Produktion

Und eine letzte und sehr wichtige Rolle im System spielt auch die staatliche Bildung und Beratung. Sie unterstützt und fördert seit Jahrzehnten die Modernisierung und Effizienzsteigerungen der landwirtschaftlichen Produktion. Leider ohne marktwirtschaftliches Know-How. Denn die Vermarktung der landwirtschaftlichen Rohstoffe wird traditionell auch von diesen Institutionen an Landhandel und Genossenschaften delegiert.

Der Kreis schließt sich

Alle Akteure in diesem System gestehen dem Landwirt nur die Rolle des Rohstoffproduzenten zu. Die Marktzugänge werden von den „Partnern“ in den nachgelagerten Bereichen kontrolliert. Der Bauer aber trägt die volle Kapital- und das Unternehmer-Risiko. Für ein solches System, da halte ich die Bauern tatsächlich für systemrelevant. Dazu eignen sie die Bauern auch noch wunderbar als Sündenböcke für Fehlentwicklungen in der Ökologie und bei Tier- und Klimaschutz. Und nicht zuletzt sind die Bauern essentiell systemrelevant für die staatliche Förderbranche.

Bauern werden gebraucht

Wir sehen also, die Bauern werden in diesem Land noch gebraucht. Dieses „System Landwirtschaft“ ist nämlich auch ein Garant für billige Lebensmittel und den Wohlstand in unserem Land. Was von der Politik von alle Parteien ausdrücklich gewünscht ist. Abschließend stelle ich jedoch die Frage, wem dieses System langfristig nützt?

Mir ist durchaus bewusst, dass meine Meinung zu dem Thema „Systemrelevanz der Landwirte“ für manche keine angenehme Lektüre ist. Und natürlich ist meine Analyse allgemeiner Natur und passt längst nicht auf jeden Landwirt. Wir sollten jedoch den Mut haben, auch selbstkritisch die Dinge, oder das „System Landwirtschaft“, zu hinterfragen.

Euer Alois

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40 Kommentare

  1. Berthold Lauer sagt

    Muss ich denn systemrelevant sein? Will ich systemrelevant sein? Wenn das nur bedeutet, dass der Staat mir hilft, wenn ich den Karren an die Wand gefahren habe (to big to fail, siehe Willi’s Definition),so mag das zwar sehr beruhigend sein, aber nicht mein Ding.
    Der einzelne Landwirt ist ganz bestimmt nicht systemrelevant (vielleicht einige für ihre Bank). Das waren der Dorfladen, der Metzger, der Schreiner, der Schmied oder der Dorfgastwirt auch nicht. Sang und klanglos verschwunden.
    Ich glaube auch nicht, dass die Landwirtschaft als Rohstofflieferant in einem reichen Land wie Deutschland systemrelevant ist. Muss sie auch nicht: Wer sich vergallopiert, sollte dazu stehen und nicht nur die Schuld auf Politik und Verbände etc schieben. Viele haben sich mit den Bedingungen arrangiert und kommen auch gut zurecht. Andere haben für sich eigene Wege gefunden. Und ja, ein großer Teil ist freiwillig oder auch unfreiwillig ausgestiegen. Das ist in anderen Branchen (siehe oben) auch so. Nur wir Bauern glauben immer noch, wir wären eine besonders schützenswerte Spezies.
    Alois hat kürzlich einen Beitrag über eine Viehscheid hier eingestellt. Das ist doch ein Punkt, wo Landwirtschaft ganz sicher systemrelevant ist. Glaubt jemand, Tourismus würde florieren, wenn Landschaft nicht von Bauern gestaltet, gepflegt und offen gehalten würde??

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  2. Christian Bothe sagt

    Eine interessante fast schon philosophische Diskussion. Ich denke, das die Landwirtschaft für jede Gesellschaftsordnung auf der Welt systemrelevant ist. Letztlich ist diese für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zuständig und das in jedem System mehr oder weniger(trotz Importe). Das war auch in der sozialistischen DDR so, wo in Größenordnungen Lebensmittel subventioniert wurden und sich die Landwirtschaft zum Vorzeigeobjekt in der Volkswirtschaft entwickelt hat. In der kapitalistischen BRD ist eine Landwirtschaft ohne Subventionen aus der EU kaum wirtschaftlich ob konventionell oder ökologisch produziert wird. Getreu dem Motto“ Ein voller Bauch rebelliert nicht gern oder so ähnlich“ kann der LEH die Preisgestaltung im Foodbereich kalkulieren.Dort wo dies nicht der Fall ist, gibt es dann Hungersnöte wie wir wissen, abgesehen vom Know how vor Ort in diesen Ländern.

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  3. Bauer Fritz sagt

    Ist der Bauer relevant ?
    Im Spiel, in der Realität ?
    Der Bauer ist ein Spielstein. Acht Bauern bilden einen Wall vor den übrigen Figuren. Wegen seiner begrenzten Zug- und Schlagmöglichkeiten gilt der Bauer als schwächster Stein. Allerdings wird die Bedeutung des Bauern im Verlauf immer höher, und zwar aufgrund der Möglichkeit, sich bei Erreichen der gegnerischen Grundreihe in eine stärkere Figur umzuwandeln.

    Im Unterschied zu den übrigen Figuren kann der Bauer sich nicht rück- und seitwärts bewegen, sondern nur nach vorne; außerdem schlägt er anders (schräg nach vorne), als er zieht. Ein Bauer hat den Wert einer Bauerneinheit.

    Die absichtliche Preisgabe eines Bauern, um Kompensation durch Stellungsvorteile zu erhalten, wird als Bauernopfer bezeichnet.

    Ist das in der Realität so oder nur beim Schachspiel ?
    Bei letzterem spricht man etwa auch von
    *) Bauernkette: Mehrere Bauern in einer Schräge nennt man Bauernkette, wobei der hintere jeweils den Vordermann deckt. Der hinterste Bauer dieser Kette ist somit eher verwundbar. Bauernketten kann man deshalb leichter an der Basis (hinterster Bauer) angreifen, unter Umständen ist es auch zweckmäßig, die Spitze (vorderer Bauer) durch einen Hebel anzugreifen. Ineinander verschachtelte Bauernketten sind charakteristisch für geschlossene Stellungen.

    *) Freibauer: Als Freibauer bezeichnet man einen Bauern, der weder auf seiner noch auf den beiden angrenzenden Nachbarlinien gegnerische Bauern vor sich hat, von Bauern also nicht mehr auf seinem Weg zur Umwandlung aufgehalten werden kann. Freibauern sind im Normalfalle vorteilhaft, da sie nur noch von Figuren aufzuhalten sind, und diese Figuren durch diese Aufgabe gebunden werden. Besonders stark sind verbundene Freibauern, also zwei oder mehrere Freibauern nebeneinander, weil sie sich auf ihrem Weg nach vorn gegenseitig unterstützen können.

    *) Rückständiger Bauer: Ein Bauer ist rückständig, wenn ein gegnerischer Bauer auf der benachbarten Linie ihn am Vorrücken hindert und seine eigenen Bauern auf den benachbarten Linien das Feld, auf das er vorrücken soll, nicht decken können, weil sie fehlen oder bereits zu weit vorgezogen worden sind. Ein rückständiger Bauer ist schwach.

    Und da gibt’s dann noch: Hängende Bauern; Randbauern; Zentrumsbauern; Vergiftete Bauern

    Fast wie im täglichen Leben ….
    Aber immer gilt: Kein Spiel ist zu gewinnen ohne Bauern.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Sehr gut Fritz, jeder Schachspieler weiß es: Ein Bauer der im Zentrum steht und von den Mächtigen beschützt (gedeckt) wird – kann das Spiel entscheiden!!!

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  4. Bauer S sagt

    Das System ist schon perfide. Aber wer anders leben möchte kann dies.
    Ein anderes System hat sich auch nicht durchgesetzt. Der Mensch möchte gerne selbst über sein Schicksal bestimmen. Also Ideen sind gefragt und keine Subventionen.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Nein, das System ist nicht perfide. Es ist so entstanden, weil es sich durchgesetzt hat. Mein Ansinnen, dieses System hier so zu beschreiben ist, zum Nachdenken anzuregen. Wer das System verstanden hat, der findet Ansatzpunkte es für sich zu ändern. Vorausgesetzt er möchte es überhaupt ändern. Es gibt sicher viele Bauern, die sind damit zufrieden. Dann ist es auch gut.

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  5. Altbauer Jochen sagt

    Hallo Obstbäuerin,
    Ich sehe das Einkommensniveau seit 50 Jahren auf gleichem,
    bzw. pro Verkaufsprodukt relativ zur Kaufkraft, auf gesunkenem Stand.
    Nur die Ertragssteigerungen und Betriebsvergrößerungen
    haben uns bis heute geholfen die auseinandergehende Schere zwischen
    Einnahmen und Kosten auszuhalten.
    Als Beispiel:Ich hab in den 1970er Jahren Landpacht zwischen
    400 u. 600 DM / ha bezahlt. Heut liegen die Pachten bei uns
    zwischen 650 u 800 Euro ! /ha. (Ich weiß, jeder entscheidet selbst)
    Wer dann 50 ha zu verpachten hat und dazu eine andere Verdienstmöglichkeit findet, der entscheidet sich dann eben für diesen Weg.
    Trotzdem freue ich mich, das Sohn u. Enkel in der Landwirtschaft
    bleiben wollen.
    System hin ,System her , -den eigenen Weg finden .

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  6. Friedrich sagt

    Mit den Subventionen wurden wir abhängig gemacht , wie mit einer Droge. Das heutige System zu verändern ist wieder sehr schwierig und wird wieder viele Höfe sterben lassen.
    Die Politik , Medien, NGOs werden es auch garnicht wollen , denn jetzt haben sie immer einen „Schuldigen“ auf dem man rumhacken kann und der so blöd ist sich diesem System unter zu ordnen. Das werden aber immer weniger, denn in den Familien werden die Entscheidungen schon früh gefällt mit den nachrückenden Kindern. Jedes Kind will stolz auf den ausgewählten Beruf sein , aber nicht der Prügelknabe der Nation sein und dann noch soviel arbeiten für so wenig Einkommen , denn vom Gewinn der Betriebe muß auch die ganze soziale Sicherung und die Altenteilergeneration bezahlt werden . Da bleibt dann für die junge Generation nicht mehr viel über. Mit der heutigen Politik haben nur noch durchrationalisierte Betriebe eine Chance. — Unsere Genossenschaften sind oft in AGs umfirmiert und zocken so die Bauern ab. Die AGRAVIS ist so ein Abzocker. Da ist nichts mehr mit RAIFFEISEN“
    . — Ich habe in unserem Betrieb versucht möglichst viel Wertschöpfung im Betrieb zu erwirtschaften. Alle Ferkel werden selbst zu 100%gemästet. Gefüttert wird mit eigenen Getreide, die Gülle düngt die Felder, das Getreide wird alles selbst gereinigt und getrocknet und die überschüssigen Mengen bei besseren Preisen nach der Ernte verkauft. Wichtig ist auch alles zu Wiegen , denn dort kann es auch zu größeren Differenzen kommen. Über das Thema Gewichte kann ich ein Buch schreiben. — Ohne die rohstoffliefernden Bauern geht in Deutschland nicht mehr viel im Rohstoffbereich , denn alles muß zertifiziert sein . Das können nur wir liefern. Bei mir kontrollieren sechs Organisationen und habe in den letzten 13 Jahren 57 Kontrollen hinter mir. Unser Produktionsniveau ist so hochwertig und transparent , daß „Andere“ das kaum erfüllen können. Das zeigen ja auch die Analysen der Behörden. Probleme gibt’s meistens mit den Importwaren. — Wir sind Systemrelevant , weil die Industrie sonst nicht liefern könnte mit der Transparents und Nachhaltigkeit.

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  7. Borchert Alexander sagt

    Wir Bauern sind alle selbstständige und vollkommen freie Unternehmer .
    Jeder von uns kann zu jedem Punkt aus dem System aussteigen, wenn er den Mut hat. Kein Gockel wird nach ihm krähen, denn es gibt andere, die mit diesem System besser umgehen können.
    Die letzten Jahrzehnte hat immer der Betrieb überlebt, der sich den Zwängen des Systems angepasst hat. Der hellste Kopf findet immer einen Weg. Dabei ist für viele die Betriebsaufagbe der Königsweg. Hinterher weint meist keiner mehr der Landwirtschaft hinterher, wenn die Pachtzahlungen auf dem Konto sind.
    Das weltweite System Landwirtschaft wird nie untergehen.

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  8. Arnold Krämer sagt

    Ich mache auf 2 weitere Grundprobleme aufmerksam:

    1. Der Berufsstand hat immer wieder behauptet: Wir produzieren Lebensmittel. Damit hat er dann auch auch alle Kritik für die Lebensmittelskandale der Vergangenheit, die fast ausschließlich dem vor- und nachgelagerten Sektor zuzuordnen waren, auf sich gezogen. Die Verantwortung für alles was „schiefläuft“ wird mittlerweile pauschal den Landwirten angekreidet, weil die sich am wenigsten wehren können.

    2. Der Berufsstand hat viel zulange nach dem Staat gerufen. Der kümmmert sich dann eben auch:
    – er regelt Dinge, die nicht geregelt werden müssten. (Bsp. Teile der neuen Düngeverordnung)
    – er sorgt für Wettbewerbsverzerrungen (z. B. alte Biogasförderung)
    – er setzt falsche Prioritäten (Bsp. wiederum Düngeverordnung)
    – er fordert Dokumentationen, die nur Scheinsicherheiten (Papier ist geduldig) darstellen.

    Der immer noch vernehmbare Ruf nach dem Staat mit dem Ziel finanzieller Unterstützung (siehe auch Thema Dürrehilfen) wird aber von immer weniger Landwirten gutgeheißen und erweist sich m. E. mehr unbd mehr als Bumerang.

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  9. bauerhans sagt

    früher hatten wir einen verkäufermarkt,weil immer zu wenig angeboten wurde,weshalb preise stiegen,heute haben wir einen käufermarkt,weil das angebot immer grösser als die nachfrage ist.

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  10. fingerphilosoph sagt

    Anders ausgedrückt: der Landhandel ist das Einfallstor für die technische Aufrüstung, was wiederum gleichbedeutend ist mit der Industrialisierung der Landwirtschaft. Denn die Produktionsmittel, die der Landwirt einkauft, sind – von Saatgut und Ferkeln mal abgesehen – doch vor allem technische Innovationen. Und was der Landwirt abliefert, wird im Landhandel bzw. über die großen Nahrungsmittelkonzerne industriell zu Nahrungsmitteln für den Verbraucher verarbeitet.

    Durch die technischen Innovationen wird das, was der Bauer produziert, zur Massenproduktion. Das Kennzeichen von Massenware ist, dass sie billig, billiger, am billigsten ist. Massenware hat es auch an sich, dass der Produzent austauschbar wird. Mit fortschreitender Entwicklung kann der Landhandel dank eigener technischer Aufrüstung seine Vertriebswege ausbauen und zum globalen Trader werden.

    Rohstofflieferanten werden übrigens in keiner Branche geschätzt. Primärer Rohstofflieferant ist die Natur, und der Mensch hat noch nie was anderes gemacht, als dieselbe auszubeuten. Arbeiter in Bergwerken und Mienen sind die ärmsten der armen Hunde mit deutlich verkürzter Lebenserwartung. Dichter und Denker, die originelle Ideen und Texte produzieren, werden von den Verlagen und vom Buchhandel genauso über den Tisch gezogen wie der Bauer vom Landhandel.

    Ja, man denkt nun: das Problem ist zu lösen, wenn der Bauer oder der Schriftsteller neben der Produktion selbst die Vermarktung seiner Produkte übernimmt. Das funktioniert aber nur in Einzelfällen, weil die Qualitäten und Talente, die man zur Produktion braucht, denen, die man zur Vermarktung braucht, diametral entgegengesetzt sind. Nur wenige Menschen bringen es fertig, auf zwei verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

    Wo einer tatsächlich Produktion und Vermarktung in einer Person übernimmt, läuft es meistens darauf hinaus, dass er seine eigenen Ressourcen ausbeutet und seine Selbstdarstellung (oft in Form einer „Marke“ oder eines „Markenzeichens“) vermarktet und eben nichts mehr von einigem Wert produziert.

    Das System spiegelt nur zurück, was den Menschen in summa wirklich wichtig ist. In nur 20 Jahren hat sich das Smartphone über die ganze Welt verbreitet und wird zweijährlich vom Verbraucher freiwillig durch die neueste Version ersetzt. Und das ganz ohne staatliche Subventionen und ohne ausgefeilte Marketingstrategien.

    Alois, die Energie der Menschen fließt zum überwältigenden Teil in die Industrialisierung und Vertechnisierung immer weiterer Bereiche des Lebens. Die meisten Menschen wollen das so, sonst wäre es anders.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Zur Problemlösung habe ich bewusst gar nichts geschrieben. Denn jeder muss für sich erkennen, wo er ansetzen kann. Dafür muss ich aber erst einmal erkennen, wie das System funktioniert. Jeder möge seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.

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    • Der Kandidat hat 1.000 Punkte

      Klasse Fingerphilosoph!!!

      Nun philosophiere noch die Lösung dazu!

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      • “Nun philosophiere noch die Lösung dazu! “

        Genau DAS ist Teil des Problems und Merkmal von Systemen. In einem System kann umso eher ein Problem gefunden werden, je mehr das System vom Systemischen isoliert wird. Dumm nur, wenn das System selbst zum Problem wird. Dann ist weit mehr Aufwand/Energie/Zeit vonnöten, um IM System Probleme zu lösen bzw. jene Lösungen beizubehalten, die zuvor noch funktionierten – bevor das System selbst zum Problem wurde. Die Lösung für das problematische System indes, die findet sich im Verhältnis von System zum Systemischen. Was aber IM System funktionierte, kann nicht mit selbigen Lösungsstrategien auf das Systemische übertragen werden, um das Problem des Systems zu lösen.

        Probleme gibt es im Systemischen im Grunde nicht, weil, solange keine Systeme ausgebildet werden, deren Folge IMMER Energieverwerfungen bzw. Energieräubereien sind, solange bleibt das Systemische selbst die EINZIG brauchbare und gangbare Lösung, weil im Systemischen alles miteinander verbunden ist. In Systemen auch, sonst könnte ja keine Apparatur funktionieren, aber Systeme trennen Verbindungen im Systemischen, weshalb es auch bei immer mehr Systemen im Laufe der Zeit zu Problemen kommt, die immer weitere Probleme IN den Systemen zur Folge haben.

        Wenn Probleme erst einmal Auswirkungen auf das Systemische haben, können diese, egal, ob IM System oder auf das System selbst bezogen, nicht auf systematische Weise gelöst werden, denn die Lösung setzt sich aus ALLEN Reaktionen des Systemischen zusammen, selbst wenn diese nicht direkt mit den Systemen bzw. Problemen in Verbindung stehen.

        In Systemen kann es immer jemanden geben, dem auf die Schulter geklopft wird, weil er ein Problem lösen könnte. Das Systemische aber ist IMMER ein einziger Lösungsprozess von ALLEM und kann niemals auf einen Punkt zurückgeführt werden, d. h. niemand kann dafür Lob/Anerkennung/Belohnung/Ruhm/Bekanntheit einheimsen.
        Das Problem 😉 ist, dass das Systemische alle Zeit der Welt hat, aber immer lösungsorientiert bleibt, mit einer Energieeffizienz, die ihresgleichen nicht zu suchen braucht, weil sie keine finden wird. Wir Systemergebenen aber, uns kann es mit Lösungen nicht schnell genug gehen, wofür wir obendrein immer mehr Energie benötigen. Daher der Rattenschwanz. Um Probleme zu lösen, muss der Mensch endlich lernen mit Energie ANDERS umzugehen.

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        • Man könnte auch ganz einfach sagen: Je mehr wir meinen, eine Lösung für ein Problem gefunden zu haben und diese Lösung Teil unseres Alltags werden lassen, desto mehr Probleme sammeln sich im Systemischen an und schaffen so immer mehr Probleme, die immer mehr Systeme betreffen. Ergo, unsere Form des Fortschritts ist das eigentliche Problem. Was nicht bedeutet, dass es EINE ANDERE Form von Fortschritt geben kann …

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    • Paulus sagt

      @Fingerphilosoph
      In deinem zweitletzten Absatz irrst Du dich. Wenn sich z.B. die Apple-Company in Irland niederlässt geschieht dies ausschließlich aus steuerlichen Gründen, was nach meiner Auffassung indirekt einer Subvention gleichkommt. Abgesehen von der Entwicklung innovativer und wirklich genialer Produkte betreiben die entgegen deiner Auffassung einen gewaltigen Marketingaufwand, immer mit der Zielvorstellung einen Kultstatus zu erzeugen. Das ist nicht einfach, aber dieser Steve Jobs hat das von Anfang an wirklich gut hinbekommen.
      Und ja, es gibt auch Philosophen die sich aufgrund geschickten Marketings einen gewissen Kultstatus zugelegt haben. Einen davon hast Du erst kürzlich erwähnt.

      Wirtschaftszweige die sich fortschrittlicher Technologien verschließen und stattdessen auf rückwärtsgewandte Methoden setzen, werden auf Dauer keinen Erfolg haben. Es sei denn, man hält sie aus welchen Gründen auch immer, künstlich am Leben.
      Eine Gesellschaft, die nur z.B. Kernforschung und Gentechnologie zugunsten von Genderstudies, Sozialwissenschaften, dümmlicher bildungspolitischer- und höchst fragwürdiger gesellschaftlicher Experimente ablehnt, halte ich nicht zukunftsfähig.
      Ich denke, das in der Technik bekannte Motto „innovate or die“ dürfte ebenso für die Landwirtschaft gelten. Gewisse Exoten die sich in begrenzten Nischen bewegen nehme ich jetzt mal aus, dazu zählen wir uns auch und die gibt es auch in anderen Sparten. Nur – mit ein paar Exoten, Esoterikern der Demeter-Fraktion, Geigenbauern und Archivaren, so wichtig diese auch sein mögen, hält man unser System nicht am Laufen.

      Innovationen die LW betreffend kamen nach meinem Kenntnisstand immer von Externen, angefangen bei Haber Bosch über PSM bis hin zu den Getrieben die in einem Fendt verbaut werden. Innovationen, die allein von der LW initiiert wurden kenne ich nicht. Selbst bei dem wichtigen Thema Tierwohl kommt da nur mal so ganz vereinzelt was.

      Es scheint mir ein nahezu unlösbares Problem zu sein. Einerseits kann ich die sogen. bäuerliche LW nicht mit Vorschriften und gesellschaftlichen Wünschen überfrachten und gleichzeitig bis zum geht nicht mehr finanziell auslutschen. Anderseits plädiere ich dafür, dass nicht zuletzt aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung die Lebensmittelpreise nicht durch die Decke gehen dürfen. Mit schlichten Sprüchen von der bäuerlichen Seite ist es auf jeden Fall nicht getan, die kennen wir schon zur Genüge.
      Ich denke, der Trend zu größeren Einheiten und noch mehr Effizienz wird nicht aufzuhalten sein. Das Tierwohl darf dabei nicht auf der Strecke bleiben und damit meine ich nicht nur, dass männliche Ferkel auf welche Art auch immer kastriert werden. Hätte ich als Säugling wohl auch als scheiße empfunden, aber das Leben danach ist entscheidend.

      Um zum Ende zu kommen: Ich halte die (europäische) LW in all ihren Facetten und trotz manch zurückhaltender Bedenken für systemrelevant!
      Jetzt weiß ich schon gar nicht mehr ob ich mich damit mehr dem Vortrag von Alois oder dem von Willi zugewendet habe. 🙂

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      • Arnold Krämer sagt

        @Paulus: … Innovationen, die allein von der LW initiiert wurden kenne ich nicht. Selbst bei dem wichtigen Thema Tierwohl kommt da nur mal so ganz vereinzelt was.

        Sie können als „Externer“ die Entwicklungen der letzten 50- 60 Jahre in der Landwirtschaft nicht kennen. Die Ideen für die Laufstalltechnik, die strohlosen Haltungsverfahren, reduzierte Bodenbearbeitung, usw., usw. kamen aus der Landwirtschaft und ihrem nahen Umfeld, nicht von der Großindustrie. Die vielen Landtechnikfirmen, die Stallanlagen und Maschinen der Außenwirtschaft konstruieren waren oder sind immer noch Mittelständler, die in engen Kontakt mit der praktischen Landwirtschaft die Systeme weiter entwickeln. Der einzelne Landwirt kann das aus finanziellen Gründen nicht leisten.
        Dass die konventionell wirtschaftenden Landwirte beim Thema Tierwohl „so zurückhaltend“ sind, hängt u.a. mit den vielen Zielkonflikten in der Tierhaltung zusammen. Nur ein Beispiel: Die Hühner sind aus den Käfigen befreit, die tierischen Exkremente werden in der Freilandhaltung jetzt aber konzentriert im stallnahen Bereich abgesetzt und führen zu einer Nährstoffbelastung der Auslaufflächen, die es in der Stallhaltung früher überhaupt nicht gab.

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      • Arnold Krämer sagt

        @Paulus: Chemisch-synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel sind PRODUKT-Innovationen des vorgelagerten Sektors, die die Landwirtschaft nutzt, ihre HerstellungsPROZESSE zu verbessern. Und in der Übernahme des technischen Fortschritts (mechanisch-technisch, biologisch-technisch und organisatorisch technisch) müssen sich die Landwirte nichts vorwerfen lassen. PRODUKT-Innovationen in der Landwirtschaft selbst gibt es eigentlich nicht. Milch ist Milch, Fleisch ist Fleisch, Getreide ist Getreide so wie auch schon vor 100 Jahren.

        Die Computertechnologie ist auch nicht von VW oder Daimler erfunden worden, wird aber von diesen und allen anderen Wirtschaftssektoren genutzt, auch um die jeweils eigenen Prozesse schneller, besser und wirtschaftlicher zu gestalten

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      • fingerphilosoph sagt

        @Paulus
        Die Erde ist für den Menschen und die Art Technik, die er entwickelt, zu klein. Es besteht nicht die geringste Aussicht darauf, weitere Planeten zu besiedeln.

        Beispiel Deutschland: Täglich werden immer noch ca. 60 ha Fläche verbaut, was offenbar notwendig ist, um die in Deinen Augen „zukunftsfähige“ Wirtschaft am Laufen zu halten. Wenn wir wie gehabt auf Technik und Wirtschaft setzen, ist in 500 Jahren die Fläche weg, die Deutschlands Wälder im Jahr 2018 belegen. In nur 1700 Jahren ist Deutschland eine einzige Großstadt. Weder für Wald noch für Landwirtschaft ist dann noch Platz in Big German City.

        Da stellt sich schon die Frage, wer hier rückwärtsgewandt denkt, oder?

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  11. Bauer Klaus sagt

    Preisdruck-System beutet bäuerliche Familien aus, stellt Alois fest. Bauern in der Opferrolle und abhängig von der Finanzwirtschaft. Eine Allianz der Bauern mit Politik und Handel habe das ermöglicht. Auch die Genossenschaften seien mit dem Handel verbündet, also unter einer Decke. Bildung und Beratung fehle es an marktwirtschaftlichem Know-How. Mag schon sein, dass da und dort marktwirtschaftliches Know-How nicht auf offene Ohren trifft. Das könnte evtl. bei Alois gelegentlich der Fall sein. Zu hinterfragen ist für mich, wem solche Darstellungen und Bemitleidungen nützen sollen. Jetzt ist mir klar, warum Willi und Alois sich bei dem Thema nicht einigen konnten.
    Lieber Willi, das ist gut so!

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  12. Lieschen Müller sagt

    Es gibt drei Grundlagen unserer Gesellschaft: Bergbau, Landwirtschaft, Jagd- und Fischerei. Alles andere baut darauf auf. Also ja, die Landwirtschaft (müssen aber keine Bauern sein, das System läuft auch mit Angestellten), ist meiner Meinung nach systemrelevant.

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    • Mausschubser sagt

      Staatlich betriebene Landwirtschaft mit Angestellten hatten wir doch in Teilen Deutschlands schon mal. Die Erfahrungen in Bezug auf die Schonung der Umwelt waren, soweit ich mich erinnere, nur grenzwertig positiv.
      Kleines Beispiel, wenn sich der Staat selbst kontrolliert. Vor kurzem haben Angehörige der Strassenbauverwaltung eine Biotopfläche abgeräumt. Von der Stadt kam der Kommentar: Das kann schon mal passieren. Die haben das ja nicht böse gemeint. Hätte ich das gemacht, wäre der Kommentar ganz anders gewesen und ein saftiges Bußgeld verhängt worden.

      6+
    • Früher, bis ca. 1950 lief unser Betrieb auch nur mit Angestellten, doch die Familie hat auch mitgeholfen.
      Danach kamen nach und nach die oben erwähnten Technologien, die diese überflüssig machten und die Familie eines Familienbetriebes teilten sich die Arbeit.

      Die moderne Saattechnik für Rüben kam erst in den 60igern.

      Das brauchte man 2 Techniken, 1. genetische und 2. maschenbauliche.

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  13. Arnold Krämer sagt

    Die Landwirte sind „Opfer“ der enormen Produktivitätssteigerungen seit dem 2. Weltkrieg in Ihrem Sektor. Gewaltige Prozessinnovationen (nicht Produktinnovationen, das andere „Erfolgsgeheimnis“ des Kapitalismus) wie in keinem anderen wesentlichen Wirtschaftszweig haben dazu geführt, dass mit erheblich weniger Arbeitskraft aber viel, viel mehr Kapital (der Arbeitplatz Landwirtschaft ist mittlerweile einer der teuersten überhaupt) Agrarrohstoffe zur Lebensmittelerzeugung produziert werden können, die den Bedarf in D und der EU weit übersteigen. Folglich wird das, was nicht gegessen werden kann, weggeworfen oder exportiert. Dieses System stößt aber mittlerweile an seine Grenzen, weil die Prozessinnovationen immer geringer ausfallen, der technische Fortschritt in allen seinen Ausprägungen immer kleiner wird oder durch politische Vorgaben sogar „zurückverordnet“ (nur 2 Stichworte: Glyphosat, Schwänze kupieren) wird. Es gibt keine Senkung der Stückkosten mehr, bildlich gesprochen, der „Sack staubt nicht mehr“. Die Systemumstellung, entweder Rohstoffe aus dem noch billiger produzierenden Ausland oder Überwälzung auch steigender Kosten der Agrarrohstoffproduktion auf den Endverbraucherpreis steht ins Haus. Die deutsche Landwirtschaft wird dabei aber nicht untergehen. Die größte Gefahr droht ihr durch die von den Medien und den NGO’s getriebene Politik.

    11+
    • Mausschubser sagt

      Solange wir Bananen importieren, müssen wir auch etwas exportieren. Ich sehe weder im einen noch im anderen etwas grundlegend Schlechtes.
      Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir Traumtänzer geworden sind. Wir wollen alles, den günstigsten Preis und den Kuschelfaktor für das Gewissen. Und ganz toll für das Gewissen ist es, wenn ein anderer etwas dafür tun muss, dass ich mich glücklich und zufrieden fühlen kann. Dieses Bild verkaufen uns Medien und NGO zu gerne.
      So wie ein Medikament eine Wirkung und Nebenwirkungen hat, hat alles was wir tun eine direkte und indirekte Wirkungen. Leider ignorieren wir das nur zu gerne.

      16+
      • Alois Wohlfahrt sagt

        Vielleicht fürchten wir Bauern uns ja auch vor dem Falschen. Während wir uns mit Medien und NGO’s streiten, ziehen die anderen ihr Geschäftsmodell durch.

        3+
          • Alois Wohlfahrt sagt

            Das Geschäftsmodell ist, den Bauern dazu zu bringen möglichst viel und möglichst billig Rohstoffe zu erzeugen. Damit das gelingt wird uns teures High-Tech angepriesen und verkauft. Und wenn das Geld nicht reicht, muss der Bauer halt seine Produktion nochmals ausweiten oder nach Subventionen rufen. Dabei macht der Bauer fleissig Umsatz. Und die ganze Branche freut sich darüber.

            2+
            • Obstbäuerin sagt

              Da ist was Wahres dran. Und so kommt es, das der Bauer sich dreht und dreht aber sein Einkommen seit 30 Jahren im Durchschnitt auf gleichem Niveau ausharrt.

              2+
            • Alois Wohlfahrt sagt

              Die Kapital- und Arbeitsrendite der Landwirte hat sich mit Sicherheit in den letzten Jahrzehnten massiv verschlechtert. Dazu ein Beispiel aus meinem Dorf:
              Um 1980 gab es hier noch eine Sennereigenossenschaft. Wir waren Mitglied und die Genossenschaft verarbeitete und vermarktete ziemlich genau 1 Mio Liter Milch. Damals waren 12 Bauernhöfe die Lieferanten. Der überwiegende Teil waren damals noch Haupterwerbslandwirte. Die Sennerei wurde 1981 in die große Allgäulandsennerei integriert, die im Massenmarkt ihr Heil suchte und 2012 mit 75 Mio € Schulden Pleite ging.
              Heute sind von diesen 12 noch 3 aktive Milcherzeuger da. Jeder von den dreien hat gewaltige Investitionssummen in neue Technik und Ställe investiert. Natürlich haben diese drei „Zukunftsbetriebe“ die Milchleistungen und die Anlieferungsmenge der Milch sogar noch erheblich gesteigert. Doch alledem betreiben diese Betriebe, trotz Expansion, heute noch „Urlaub auf dem Bauernhof“ und andere Nebenerwerbsquellen um zu überleben. Was brachte also dieser Fortschritt? Auf jedenfalls viel Umsatz….
              Dieser Wahrheit gilt es ins Auge zu sehen.

              3+
            • Ja Danke,

              also das ist ja dann ein bewusst gewolltes System!?!

              Und welche Branche freut sich, da?

              0
            • Ja,
              Obstbäuerin so ist das System!

              Nur damit der Rest der Bevölkerung zufrieden und satt ist, mit Motivation ihrer beruflichen Pflichten nachkommen kann und recht viel konsumieren kann, ist ja auch sehr wichtig für die Volkswirtschaft!

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      • „Wir wollen alles, den günstigsten Preis und den Kuschelfaktor für das Gewissen. Und ganz toll für das Gewissen ist es, wenn ein anderer etwas dafür tun muss, dass ich mich glücklich und zufrieden fühlen kann“

        Ja,
        so sind wir, und glauben auch noch, das wäre sehr schlau,
        wenn wir unsere Aufgaben auf dümmere delirieren können!

        Ist das wirklich ganz schlau?

        Oder nur zu kurz gedacht?
        Belastet das wieder unseres Gewissen?

        0
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Nein, die deutsche Landwirtschaft wird nicht untergehen. Da gebe ich Dir Recht. Aber jeder möge selbst die Entscheidungen für seinen Hof treffen.
      Ich war vor 30 Jahren mal Bildungsbeauftragter des Bauernverbandes. Es gehörte zu meinen Aufgaben „Bildungsveranstaltungen“ zu machen. Damals kam ich in Kontakt mit Referenten, die um 1990 die Globalisierung, den Weltmarkt und den Strukturwandel so beschrieben hatten, wie er heute ist. Diese Leute wurden teilweise ausgelacht oder oft auch angefeindet. Dabei hatten sie Recht.

      4+
      • Die, die diese Referenten angefeindet haben, gaben ihnen ja auch Recht,
        sie wollten es nur nicht glauben,

        deswegen ihre Reaktion!

        1+

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