Bauer Willi
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“Das arme Huhn”

von Peter, dem Fuchs aus Österreich. Bloggt für http://www.landschafftleben.at/ wo der hier abgedruckte Artikel im Original erschien.

Meine jüngste Tochter ist seit kurzem fünf Jahre alt. Sie liebt Chicken Nuggets. Vor kurzem waren wir bei einem Biobauern zu Gast. In „Brexit“, wo wir diesen Sommer unseren Urlaub verbrachten. Dort liefen frisch geschlüpfte „chicken“ rum in einem kleinen Käfig. Natürlich wollte mein Töchterlein die kleinen Federknäuel halten. Nachdem ich sie zur Behutsamkeit ermahnt hatte, erlaubte ich es ihr, woraufhin sie sich geschickt eines schnappte und sofort zärtliche Küsse auf den weichen Flaum drückte. Was sie dazu in einer Art liebevollen Singsang vernehmen ließ, nahm mir für einen Moment die Luft: „Chicken Nuggets, Chicken Nuggets…“ tönte es da doch tatsächlich aus dem kleinen Menschlein. Was sagt man dazu, dachte ich mir…

"Chicken Nuggets"?

“Chicken Nuggets”?

Nun halte ich meine Tochter nicht für ein rohes, unempathisches Wesen! Ihre – wie es scheinen musste – spontane Assoziation vom Lebewesen, welches sie streichelnd in Händen hielt, auf das daraus gewonnene, von ihr hoch geschätzte Lebensmittel, entsprach daher zunächst so gar nicht dem, was ich mir als ihr Vater erwartet, ja ehrlich gesagt gewünscht hätte. Gleichzeitig wollte ich ihr meine Überraschung, ja leichte Verstörung nicht spüren lassen. Ich zog es daher vor, sie bei nächster Gelegenheit einmal mit der Frage zu konfrontieren, wo denn das Fleisch für ihre Leibspeise her komme.

Vorher ließ ich mich von meiner Frau über den Stand der bereits geleisteten Aufklärungsarbeit unterrichten. Und da gestand diese mir, dass sie beim Versuch unsere Tochter über die wesentlichen Punkte zu informieren, sich mit einer „kleinen“ Lüge arrangieren musste. Als Maria (so heißt meine Jüngste) nämlich erfahren hatte, dass ihre geliebten Nuggets aus Huhn bestünden – denn das wusste sie natürlich vorher gar nicht – entschied sie selbst die weitere Aufklärung zu unterbinden und sich die Geschichte so zu erzählen, wie es ihrer Meinung nach sein müsse, sprich: Maria entschied, dass das Fleisch für ihre Nuggets von einstmals glücklichen, frei herum laufenden Hühnern, wie sie sie täglich beim Nachbarbauern auf dem Misthaufen sehen konnte, stamme, welche nach diesem glücklichen Leben eines natürlichen Todes gestorben waren und dann erst dem menschlichen Verzehr zugeführt worden waren. Zarte Versuche meiner Frau zu widersprechen und der „brutalen“ Wahrheit das Wort zu reden wurden von Maria kategorisch „überhört“: „Des will i nit hören!“

chicken-nuggets

Das Vorleben – ein Tabu?

Tja, was macht man da als verantwortungsbewusster Vater? Ganz „einfach“: sich unbeliebt und setzt peu a peu in die heile, kindliche Phantasiewelt Stücke aus der hässlichen Realität hinein gegen den Widerstand des eigenen Kindes. Ich wüsste nicht, was ich sonst tun könnte. Und das mache ich denn auch. Erste Erfolge stellen sich ein. Zum Beispiel letzten Sonntag während ich ein ganzes Prachthuhn vom Bauern aus dem Nachbardorf fürs Rohr vorbereite, der Kommentar meiner mich dabei beobachtenden Tochter: „Das arme Huhn…“ – So langsam also dämmert etwas, dachte ich mir.

Freilich noch mit Widerstand behaftet. Denn als ich dann aushole, dass es uns wichtig sei, zu wissen, wo und wie das Huhn aufgewachsen sei und dass man es halt dann notwendigerweise schlachten müsse, der altbekannte Protest, dass sie das nicht hören wolle. Tja, das braucht also seine Zeit. Ich werde es meinem Kind nicht hinein drücken. Bin aber definitiv der Meinung, dass ich dem Tier, das für uns sein Leben lässt, es schuldig bin, meine Tochter über diese Umstände Stück für Stück aufzuklären.

Szenenwechsel:

Vor drei Wochen im Rahmen unserer Dreharbeiten zur Pute in Österreich sind wir bei einer Hofschlachtung mit Kamera und Mikro dabei. Anwesend sind neben dem Bauern, der zur ultimativen Tat schreitet, dessen drei Buben. Wie die Orgelpfeifen stehen sie da. Ich schätze mal so drei, fünf und sieben Jahre alt. Ihr Zugang zur Schlachtung dann vollkommen unproblematisch, wie ich zu sehen meine. Sie helfen beim Reintreiben der Tiere vom Feld in den Stall und sind dann ganz selbstverständlich beim Schlachten, Brühen und Rupfen dabei. Bei Letzterem legen sie ganz eifrig selbst Hand an. Ein vollkommen anderer Zugang zum Ganzen offenbar, denke ich mir.

Und ich erinnere mich zurück, wie das bei mir war. Ganz ähnlich eigentlich. Hühnerschlachtungen gab es immer wieder mal auf dem Bauernhof, der in Kindheitstagen mein zweites Zuhause war. Ich sehe mich wie heute mit einer Mischung aus Faszination und leichtem Schauder, dem blutigen Treiben beiwohnen. Traumatisch war es nicht, so denke ich bis heute. Dramatisch bis zu einem gewissen Grad bestimmt. Vor allem dann, wenn der „Wost“ (Sebastian) das Schlachten übernahm und uns Kinder damit schreckte, dass er die kopflosen und entsprechend blutspritzenden Hühner herumflattern ließ, statt sie  vorher zu betäuben und während dem „Auszucken“ fest zu halten. Das war natürlich nicht in Ordnung, aber es war auch eine Show.

Hofschlachtung: Eine Mischung aus Faszination und leichtem Schauder

Hofschlachtung: Eine Mischung aus Faszination und leichtem Schauder

Szenenwechsel:

Während der Dreharbeiten in einem  modernen Schlachthof, wie im Video zu sehen. Mein Eindruck hier: Alles ist streng reglementiert, alles muss schnell gehen. Effizienz und Hygiene werden groß geschrieben, Lebensmittelsicherheit natürlich. Bin ich jetzt irgendwie besonders „betroffen“ von der Atmosphäre? Ehrlich gesagt, nein. Es ist nicht schön, es riecht nach Blut, es ist entweder ziemlich warm bis heiß, während dem Schlachtvorgang, dem Rupfen und dem Reinigen der Schlachtkörper, oder aber saukalt sobald dieser in die Kühlkette kommt. Es wäre für mich unvorstellbar hier zu arbeiten. Aber ich habe Respekt für jene, die unserer Gesellschaft diesen Dienst tun.

Schlachthof: Alles im Zeichen von Effizienz, Hygiene, Lebensmittelsicherheit

Schlachthof: Alles im Zeichen von Effizienz, Hygiene, Lebensmittelsicherheit

Tun mir die Hühner leid? Wiederum, ehrlich gesagt, nein. Ich finde zwar eine in Würde durchgeführte Hofschlachtung in jeder Hinsicht „besser“, weiß aber auch, dass dies ziemlich sicher ein durch nostalgische Gefühle subjektiv gefärbtes Urteil ist. Ich kann die Vorgänge hier nicht verurteilen. Ich verstehe sie. Ich weiß, wie sie zusammenhängen mit den „Erfordernissen“ und eingefleischten Gewohnheiten unserer arbeitsteiligen High-Tech Gesellschaft. Wie käme ich dazu ausgerechnet hier den Ort erkennen zu wollen, wo „Böses“ geschieht. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage jedem, der heute Fleisch isst, dass er sich mit diesen Bildern konfrontieren sollte: einer Schlachtung im Schlachthof und einer Hofschlachtung.

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35 Kommentare

  1. Janick Diethelm sagt

    ALLSO WIR ESSEN JA ALLE FLEISCH UND SALAT ODER ETWA NICHT????????
    DAS HUHN IST ALSO NICHT DAS EINZIGE AHRME TIER ODER???
    WEN JEHMAND JETZT NICHT SAGT EIGENTLICH HAB ICH JA RECHT DAN HABT IHR KEIN HERZ FÜR TIERE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. rebecca sagt

    Gut geschrieben, aber die fünfjährige Tochter eines Bloggers der über Österreichische Lebensmittel bloggt liebt das Produkt amerikanischer Fast Food Ketten.

    Hier wäre vielleicht etwas Selbstreflektion lohnenswert.

    • chicken Nuggets gibt’s nicht nur bei mc kotz sondern auch im Supermarkt aus österreichischem Huhn- aber ich will gar nicht verhehlen dass meine kleine auch schon mal mc Donald von innen gesehen hat – ab und zu sündigen wir – viel öfter aber gibt’s wie in der Geschichte berichtet Brathuhn im ganzen vom Bauernhof

  3. Baumeister sagt

    Viel Pathos. Töten als unschöne, aber notwendige Pflicht, zu dessen Erfüllung man sich tapfer durchringen muss. Fakt ist aber: Fleischessen ist überhaupt nicht notwendig.

    Es wird gern das Klischee des Veganers bemüht, der bekehren möchte, gar von “Ideologie” gesprochen. In diesem Text nicht. Aber was ist es denn, wenn man als “verantwortungsvoller Vater” bei seiner Tochter falsche Vorstellungen unterstützt, nur damit sie weiter unbekümmert Fleisch isst? Wer unideologisch ist, erklärt die Alternativen. Nur ohne Aufklärungsmangel kann man frei entscheiden.

    • Sabine sagt

      Du kannst gerne auf Fleisch verzichten. Ich futtere weiter meine überzähligen Hähne, da die natürliche Lösung bei zu vielen Hähnen mir einfach zu grausam ist.
      Sehr viel grausamer als das, was an einem Schlachttag passiert übrigens.
      Ich werde mich weiterhin an den vielen bunten, liebenswerten, traumschönen Rassen und Farbschlägen unserer Nutztiere erfreuen und ab und an, wie Peter Fuchs, mich einen ganzen Tag bei den überschüssigen Tieren entschuldigen und sie danach küchenfertig machen.
      Ich empfinde es als Luxus mich mit so viel Schönheit umgeben zu können. Schönheit, die ich nur beschützen kann, wenn ich sie esse, ihre Wolle und Felle trage und möglichst viele andere davon zu überzeugen, das auch zu tun.
      Wer allerdings Angst hat sich irgendwelchen unangenehmen Emotionen zu stellen, dem würde ich davon abraten sich Tiere zuzulegen oder überhaupt irgendeine Beziehung zu irgendwas oder irgendwem einzugehen.
      Wie man Kinder an sowas heranführt, da hab ich echt keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es für mich normal war, dass die Katze die Maus fängt und wir einmal im Jahr schlachten.

      • Baumeister sagt

        Sie haben eine positive Einstellung zum Leben, wie Sie es leben. Sie konzentrieren sich auf Ihr Leben und machen nicht die Einstellung anderer nieder. So soll es sein. Leben und leben lassen, auch wenn wir dies unterschiedlich auslegen. Und Sinn für (äußerliche) Schönheit können auch Veganer haben – mein missionarischer Tipp dieses Abends: Anzugschuhe aus Mikrofaserpolymer – strapazierfähig, atmungsaktiv und elegant. Ökobilanz: 2 kg Erdöl ergeben 1 kg Kunststoff, also 1 Paar Schuhe. Einfach ein paar Kilometer im Ecomodus fahren und 2 Bonuskilometer sammeln, und schon sind die Schuhe raus. Aber jetzt kommen Sie mir nicht damit, dass ich beim Autofahren Fliegen töte. Ich töte schließlich auch Pflanzen.

          • Stefan K sagt

            Alkohol? Vegan? Werden da nicht auf schlimmste Weise Mikroorganismen ausgebeutet, die Zucker solange in Alkohol verwandeln, bis sie selbst dabei umkommen? In ihren eigenen Exkrementen sozusagen? Das prangere ich an 😉

    • Vegane Ernährung von bald 11 Mrd. Menschen? Es gibt selbst in BRD nicht ausreichend Bio-vegane Bauernhöfe, die ohne Raubbau am Boden die vegane Nachfrage bedienen können, oder liege ich damit falsch?

      • Baumeister sagt

        Bio-vegan? Ist man als Veganer auch “Bio”? Wenn sich bald 11 Mrd. Menschen vegan ernähren (ja wenn – möchten “die Veganer” allen ihre Ernährung aufdrängen, auch Menschen außerhalb der Gunstregionen, in Wüsten- und Steppenregionen??), dürften wohl auch weniger Mineraldünger (Stickstoff, Phosphor, Kalium) verbraucht werden. Die sind endlich, jedenfalls in ausbringbarer Form. Je weniger Tiere produziert werden, desto länger halten die Reserven. Je mehr Tiere also doch desto früher Bio 》logisch《 ?

          • Baumeister sagt

            Europa reduziert seinen Fleischkonsum zum Grünlanderhalt. In Afrika wird mehr Weidewirtschaft gemacht – auch zum Grünlanderhalt. Das wäre ein Riesenfortschritt. Hier wird dem Dicken- und Diabetesproblem entgegengetreten, dort dem Hungerproblem.

            Dazu brauchen wir aber noch einige Veganer mehr oder eine ganz erhebliche gleichmäßige Fleischreduktion.

            Es geht nicht um Verbote, die hätten in einer Demokratie ohnehin keinen Bestand, wenn die Einsicht fehlt, daher geht es um die Schaffung von Einsicht, um Willensbildung.

            Der Intensivtierhalter hierzulande ist nicht der große Welternährer, als der er sich oft darstellt. Na und? Er produziert eine Ware, die die Welt nicht braucht, die aber nun mal nachgefragt wird. Das trifft auf die meisten Unternehmer und Angestellten zu, ohne dass sie gehässig einen Heiligenschein für sich einfordern. Dann braucht es eben Aktivisten, die an der Nachfrageseite durch – zumeist ehrenamtliches – Überzeugen arbeiten. Die Auseinandersetzung kann auch sachorientiert, ohne persönlich zu werden, stattfinden.

            • Sabine sagt

              Sicher ist private Nutztierhaltung schwierig, aber grundsätzlich kann man das machen.
              Gibt glaube ich nicht wirklich ein Gesetz, was einem verbietet ein Stück Land zu pachten und darauf Viecher groß zu ziehen.
              Wieso sollte ich als Aktivist gegen Haltungsmethoden ins Feld ziehen, wenn selber ein Feld pachten und es anders machen kann?

            • bauerhans sagt

              übergewicht- und diabetisprobleme haben mit der einstellung des betroffenen zu tun,nicht mit der fleischreduktion.
              auseinandersetzungen sind immer emotional.

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      “Viel Pathos. Töten als unschöne, aber notwendige Pflicht, zu dessen Erfüllung man sich tapfer durchringen muss. Fakt ist aber: Fleischessen ist überhaupt nicht notwendig. ”

      Erklären sie mal das einem jungen, auf dem Bau arbeiteten Handwerker.

      Der Sesselfurzer kommt mit einem Karottensalat aus.

      • Baumeister sagt

        Kraft = Kohlenhydrate, nicht Protein. Der Proteinbedarf steigt UNTERproportional zum Kohlenhydratbedarf. Gerade bei harter körperlicher Arbeit oder bei sportlich flankiertem Sesselfurzen deckt man den Proteinbedarf ohne besonderes Zutun, also ohne Fleisch durch besonders proteinhaltige Pflanzenteile ersetzen zu müssen. Vielleicht werden einige Veganer deshalb als so missionarisch wahrgenommen, weil sie solche impliziten Unterstellungen, sie seien kraft ihrer Ernährung kraftlos oder führten einen blutarmen Lebensstil, einfach nicht auf sich sitzen lassen möchten?? 😉

    • Walter Parthon sagt

      Natürliche Tierquälerei
      Skandale im Schweinestall sind hochaktuell. Es geht um den Vorwurf der Tierquälerei. Ob es Skandale oder teils auch Inszenierungen sind, sei dahin gestellt. Aber was ist eigentlich mit der alltäglichen „natürlichen“ Tierquälerei?
      Denn nichts anderes ist es, wenn eine Kuh gerissen oder ein Vogel erlegt wird. Wir diskutieren ausführlich darüber, ob es der Wolf war oder nicht. Wir rätseln, warum die Katze das tut, wo sie doch satt und zufrieden sein könnte. Doch was ist mit der Kuh, deren Eingeweide auf der Weide bleiben? Was ist mit dem Vogel, der gejagt aber nicht gefressen wird? Keine schönen Bilder. Bilder eines Tierleides, das wir nur schwer aushalten. Verstörende Bilder, die nicht in unser Kopfkino einer Natur als „Heimat“ passen.
      Es ist eine Heimat, die keinen Eingang in unsere bunten Landmagazine findet. Es ist eine Heimat, die man im Stall nicht findet. Denn dort schützen wir unsere Tiere vor vielen Mangelsituationen der Natur: Durst, Hunger, Krankheit.
      Natur hat keine Ethik. Sie ist wunderschön, aber zugleich verstörend brutal. Natur folgt Gesetzen mit einer Nulltoleranz-Politik. Natur ist verschwenderisch und darin äußerst effizient. Natur bedeutet: Des einen Leid ist des anderen Nahrungsgrundlage, teilweise sogar innerhalb der eigenen Art.
      Für den Wolf sind die gerissene Kuh oder das verblutende Schaf wahrscheinlich „wunderschöne“ Bilder, denn sie versprechen einen vollen Magen. Ein Skandal ist es nicht. Aber ist es Tierquälerei? Oder normal? Oder beides? Wie gehen wir damit um, im Vergleich zu „Skandal“-Bildern aus Nutztierställen?
      Man kann es positiv ausdrücken: In der Natur darf ich sein, wie ich bin. Aber jeder andere eben auch. Wer sich durchsetzen kann, der tut es. Wir kennen die goldene Regel: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Das funktioniert in der Natur schon deshalb nicht, weil keine Kuh und kein Wolf diese Regel kennt.
      Aber der Mensch denkt und handelt ethisch. Deshalb geben wir dem Tierleid einen Namen. Deshalb hat der Tierschutz Eingang in das deutsche Grundgesetz gefunden. Deshalb halten und ernähren wir unsere Tiere nach bestem Wissen und Gewissen, auch wenn wir sie am Ende töten. Deshalb erforschen wir ihre Verhaltensweisen, um dem Wesen der Tiere näher zu kommen.
      Kann man gegen die Nutztierhaltung aber für den Wolf sein? Ist es keine Tierquälerei, die satte und gesunde Hauskatze auf Vogeljagd zu schicken? Fragen, deren Antwort ausstehen. Tierquälerei im Stall darf es nicht geben. Recht ist einzuhalten. Doch geht es unseren Schweinen heute besser als jeder Wildsau. Auch das wäre einmal einen Bericht wert.

      • Baumeister sagt

        “Kann man gegen die Nutztierhaltung aber für den Wolf sein?”

        Hier geht es um zwei unterschiedliche Themen, die man vernünftig nur getrennt voneinander beurteilen kann.

        Kann man sich die Natur mit ihrem Recht des Stärkeren uneingeschränkt zum Vorbild nehmen? Die Frage dürfte längst entschieden sein: nein. Sie haben ja schließlich selbst die Kurve vom “Wer sich durchsetzen kann, der tut es” zu Ethik, Recht und Tierschutz vollzogen.

        Einen Berührungspunkt gibt es bei der Haltung von Weidetieren, die durch den Wolf gefährdet werden. Ich glaube, so war die Frage aber nicht gemeint, sondern eher mit Blick auf den bösen Wolf als Tiermörder oder Rotkäppchenfresser.

        Ansonsten würde die Frage wieder auf die wirtschaftlichen Interessen der Tierhalter zielen, die es zu wahren gelte. Dann kann man die Frage auch so stellen: Kann man gegen Nutztierhaltung sein und gegen die AUSROTTUNG des Wolfes?

        Der Tierhalter trägt das unternehmerische Risiko. Er hat seinen Bestand zu schützen, etwa durch Herdenschutzzäune. Reißt der Wolf nicht das Schaf oder das Kalb, reißt er das Reh. Tierhalter müssen dafür Sorge tragen, dass sie Wölfen als Wildtieren kein Nahrungsangebot liefern, damit diese sich nicht übermäßig vermehren, durch Herdenschutzzäune.

        Warum soll immer die Allgemeinheit (Gesetzgeber mit Jagdrecht) für alles aufkommen?

        In der Tat gibt es einen Zielkonflikt, wenn man gegen Intensivtierhaltung ist. Wird nichts gegen die Wiederansiedlung des Wolfs unternommen, wird die Weidetierhaltung wirtschaftlich weiter erschwert. Hier ist vielleicht (auch) Bauer Willi gefragt, das Bewusstsein der Verbraucher zu schärfen.

        Aber wie konkret sind und werden die Gefahren durch Wölfe je nach Tierart (Schafe, Rinder) denn wirklich? Und wie aufwändig sind Herdenschutzmaßnahmen, gemessen am ohnehin höheren Aufwand der Weidetierhaltung; fallen sie überhaupt ins Gewicht als vielleicht nur unterhaltsarme Einmalinvestition, für die eine Förderung sogar schon eingerichtet ist?

        • Walter Parthon sagt

          · Krien, Mecklenburg-Vorpommern ·

          Die Wolfskuschler haben es geschafft, ich habe meine Schafhaltung aufgegeben…. Was zu viel ist ist zuviel… Meine 200 Muttern haben seit 14 Jahren die Landschaftspflege im Naturpark Peenetal im Auftrag der LUNG übernommen. Aber die Schutzmaßnahmen die vorgeschrieben sind um eventuell eine Entschädigung zu bekommen sind bei der Art Weidehaltung völlig unmöglich. Feste Zäune verboten, Herdenschutzhunde durch die Besucher mit ihren Hunden am Tag völlig unmöglich. Und dazu noch unbezahlbar da man bei allem erstmal in Vorkasse gehen muss um eventuell irgendwann mal etwas erstattet zu bekommen. Vor 3 Jahren gab es einen Vorfall auf meiner Koppel, mehrere Schafe tot, einige schwer verletzt eins fast aufgefressen. Damals sagte man das war ein Hund, heute glaub ich das nicht mehr. Zudem wird viel zu viel vertuscht… Dann heisst es das war ein Hund oder ein Wolf konnte nicht zweifelsfrei zugeordnet werden u.s.w. Seit dem häufen sich hier die Risse durch Wölfe. Dieses Zenario von toten und verletzten Tieren wollte ich nie wieder haben. Bilder von Schafen wo die Bauchdecke aufgerissen ist und die Därme raushängen und noch leben kriegt man nur schwer wieder aus dem Kopf. Wir Schäfer leben am Existenzminimum. Kaum Geld für Wolle oder die Lämmer, da können wir so was wie den Wolf gar nicht gebrauchen. Für mich habe ich die Entscheidung getroffen meine Schafe abzugeben. Bitte Wolf- nein Danke macht weiter so vielleicht bewirkt es was. Für meine Schafe zwar leider zu spät aber für all die anderen Tierhalter.

        • Walter Parthon sagt

          Werner Dettmann
          Wie lange werden wir die Kühe noch so in unserer Landschaft finden? Die jüngsten Wolfs- Übergriffe auf Mutterkuhherden stellen die Halter der Tiere vor sehr große Probleme. Die selbsternannten “Wolfsexperten” vom NABU, die haben mittlerweile ganz klammheimlich ihre tolle Facebookseite “Willkommen Wolf” so umgestellt, dass dort keine Gastbeiträge mehr erscheinen können. Es wurden wohl zu viele Negativschlagzeilen für die angeblich so scheuen Wölfe, die sich auf die Spendenfreudigkeit der Kuschelfanatiker auswirkten?! Früher behaupteten diese spendenfinanzierten Schlaumeier noch, dass sich Wölfe nicht an Kühen vergreifen würden. Komisch, denn heute bangt bereits jeder Tierhalter um die nächtliche Sicherheit seiner Herden. Wie man einen wolfssicheren Zaun bauen muss, damit er auch die panisch vor den Wölfen flüchtende Kühe aufhält, konnte mir bis heute keiner dieser ewig klugscheissenden Jubelindianer erklären! Wie unsere Landschaft wohl aussehen wird, wenn wir sie wegen der Wölfe, hektarweise in Hochsicherheitstrakte verwandeln müssen, kann sich wohl jeder vorstellen. Die lobenswerten Ansätze einiger Wolfsfreunde, die durch tatkräftige Unterstützung der Nutztierhalter einen Weiterbetrieb der Beweidung realisieren, scheitert noch viel zu oft an bürokratischen Hürden. Hier wird wertvolle Zeit vertan, denn wenn die Wölfe erst richtig auf den Geschmack kommen, geht es ganz fix bergab. Siehe die letzten Vorfälle in der Prignitz, wo die Wölfe innerhalb kürzester Zeit eine komplette Herde auslöschten! Dass durch eben diese Beweidungsformen wertvolle Lebensräume für viele bedrohte Bodenbrüter, Insekten, Wildtiere und andere Bodenbewohner erhalten werden, haben die naturentfremdeten NABUioten und die Namenstänzer der Grünen doch gar nicht auf dem Schirm! Hofreiter und Co träumen sich ihre vegane Welt zusammen, ohne auch nur ansatzweise einen Hauch von Praxiswissen zu besitzen. So- jetzt bekomm ich wieder Luft.

          • Sabine sagt

            Das Zusammenleben mit großen Raubtieren ist schwierig, nicht nur für Tierzüchter. In den entsprechenden Gegenden in Afrika werden Weidetiere nie alleine gelassen und auch die Ställe werden nachts bewacht. Viel Spaß dabei. Da wo es in USA Kojoten gibt, werden kleinere Hunde z.B. regelmäßig Opfer ihrer wilden Verwandtschaft. Wer schon mal in einem der großen National Parks unterwegs war, kennt die lange Liste mit Verhaltensregeln für den Aufenthalt dort. Wölfe, Bären und Pumas schlagen selten ein Gratis-Essen aus und auch wenn sie selten Menschen direkt angreifen – da sie halt eben oft noch bejagt werden- plündern aber schon sehr gerne Campingplätze. Hübscher neben Effekt, die Besucher bleiben gerne auf den ausgewiesenen Wegen. Youtube-Videos von grenzhysterischen Leuten, die morgens einen leicht gelangweilten Puma auf ihrer Terrasse sichten, gibt es zu Hauf. In Indien machen immer wieder Men-Eater Schlagzeilen, auch wenn man oft feststellt, das diese Tiere krank oder verletzt waren, hilft das den Leuten deren Dörfer von so einer Ausnahme der Regel terrorisiert werden wenig. Die einige Lösung für dieses Problem ist dort immer noch, dass das Problemtier erschossen wird.
            Wölfe und Bären als ungefährlich zu bezeichnen ist, denke ich, fahrlässig und entspricht einfach nicht den Erfahrungen die auch aktuell hier gemacht werden. Wenn man sie hier haben will, muss man sich auf sie einrichten. Viehzüchter die Einrichtungskosten alleine tragen zu lassen, ist Blödsinn. Die die sie unbedingt haben wollen, müssen das bezahlen.

        • Walter Parthon sagt

          Herr Baumeister ich finde es schon sehr dreist wenn Sie schreiben

          “Der Tierhalter trägt das unternehmerische Risiko. Er hat seinen Bestand zu schützen, etwa durch Herdenschutzzäune. Reißt der Wolf nicht das Schaf oder das Kalb, reißt er das Reh. Tierhalter müssen dafür Sorge tragen, dass sie Wölfen als Wildtieren kein Nahrungsangebot liefern, damit diese sich nicht übermäßig vermehren, durch Herdenschutzzäune.”

          Die Leute früher haben sich eben was dabei gedacht und den Wolf nicht aus Spaß bei uns ausgerottet! kann die Leute die sagen “oh wie toll ein wolf ist ein so schönes tier” schon verstehen, dass find ich nämlich auch. Aber wir können nunmal nicht alles brauchen! Der Schutz unserer Haus- und Nutztiere geht hier eindeutig vor!

          • Sabine sagt

            Wenn der erste Yorki Zwischenmahlzeit eines Wolfs wird, wird sich die Willkommenskultur in Sachen Wolf recht schnell erledigen. Ja, Wölfe sind schöne Tiere, nein sie sind nicht die Tapfersten und vermeiden Begegnungen mit dem Menschen, aber sie sind auch clever. Sie werden schnell lernen, dass nicht nur unsere Nutztiere ihnen nicht entgegenzusetzen haben. Sie werden auch, wie viele unserer kleineren Räuber, lernen, dass sie in menschlichen Siedlungen noch einfacher an was fressbares kommen und Menschen nachts keine Gefahr darstellen, weil sie schlafen. Mal schaun wie lange es dauert, bis sie die erste Mülltonne durchwühlen.

            • Baumeister sagt

              Jäger müssen dank des Wolfes nicht mehr als Raubtierersatz zur Tat schreiten. Die fahrlässigen Tötungen nehmen ab. Ich habe beim Laufen im Wald eher Angst vor Jägern als vor Wölfen. Es sind kaum oder keine Angriffe von Wölfen auf Menschen in Zeiten bekannt, als der Wolf hierzulande noch verbreitet war.

              Außerdem steht der Wolf unter internationalem Artenschutz. Erstmal müssen sich die Bestände erholen.

  4. Stefan K sagt

    Danke für den Beitrag. So stelle ich mir einen Bericht ohne Betroffenheitsfloskeln und verzerrtes Weltbild vor: Es ist wie es ist, über Verbesserung kann (und muss) man im offenen und fairen Dialog streiten, falls Bedarf besteht.
    Ich habe auch schon Hühner, Gänse, Tauben, Schweine, Schafe, Ziegen, Puten und Kaninchen (mit)geschlachtet. Die hatten “ein schönes Leben”. Manche sogar einen Namen. Aber der Tag X kommt, egal wie man es dreht und wendet. Ansonsten wären wir in einem Zoo. Kurios für einige: Ich entschuldige mich (innerlich oder mit richtigen Worten) bei dem Tier, bevor ich es schlachte. Wohl wissend, dass das Tier meine Stimmung so nicht erfasst, erfassen kann, und es ihm auch egal sein kann, denn am Ende esse ich den Braten oder die Suppe, das Tier ist tot. Allerdings ist es immer interessant zu sehen, wie der Rest der Dorfbevölkerung auf Schlachtetage reagiert: Da sieht man Entsetzen, Verwunderung, Misstrauen, Verzweiflung, Unverständnis, Erinnerungen in den Augen aufleuchten, manche schütteln den Kopf und unter 1% sprechen uns an. Dann aber nicht auf Veganer-Art, sondern eher, was wir da machen und ob es wehtut. Solang man sich nicht selbst in den Finger hackt/schneidet, kann man das natürlich nicht beurteilen, aber erklären, dass wir das Tier schnell und möglichst stressfrei schlachten (wollen), dass kann man. Und es wird in 100% der Fälle akzeptiert! Und ebenso wichtig aus meiner Sicht: Den Nachwuchs integrieren. Erst wenn der Nachwuchs sieht, dass man vielleicht Dinge tun muss, die einem nicht gefallen, der Braten zum Sonntag schmeckt dann umso besser. Meiner war seit er 3 Jahre alt ist dabei, er hat kein gestörtes Verhältnis zu Tieren oder Menschen entwickelt, er weiß vielmehr, dass Hund und Katze andere Arten von (Nutz)Tieren sind als Hühner und Schweine. Jetzt ist er neun, freut sich auf Januar, denn dann wird ein Schwein geschlachtet, und hat ein sehr gesundes Verhältnis dazu. Da kann sich manch städtischer, militanter Möchtegern-Tierschützer was abschauen!

  5. Andreas Müller sagt

    Gute Idee und danke für den Beitrag, vielleicht sollte sogar jeder selber schlachten und ausnehmen. Es bringt manchem die Ehrfurcht vor der Schöpfung zurück.

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