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Bio-Weizen

Im Nachbar-Dorf wirtschaftet ein Bio-Bauer nach Bioland-Richtlinie. Seine Felder sehe ich mir von Zeit zu Zeit immer mal an, weil es mich interessiert.

Das Bild zeigt seinen Winter-Weizen Ende Mai, kurz vor dem Ährenschieben. Der Weizen wurde gegen Unkraut gestriegelt. Das hat sehr gut geklappt. Im gesamten Bestand ist kein Unkraut zu sehen.

Warum ich das Bild bringe? Aus zwei Gründen:

  1. Dieses Jahr hat der Bauer das Unkraut sehr gut ohne Herbizide bekämpfen können
  2. Die Artenvielfalt im Bio-Weizen ist nicht höher als in traditionellem Weizen

Es ist das Ziel jedes Bauern, von einem Feld nur eine Frucht zu ernten. In diesem Falle nur Weizen. Unkraut würde stören.

Euer Bauer Willi

(Aufrufe 2.461 gesamt, 1 heute)

17 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Als meine zwei Biobauern damit anfingen war mulchen , striegeln usw. angesagt. Mit der Zeit wurde das Unkraut immer schlimmer und kontaminierte die Nachbarschläge der konv. Betriebe. Vor allen Dingen die Disteln. Danach wurde gepflügt , geschält , gegrubbert wie die Weltmeister und das Unkraut wurde immer weniger . Man brauchte auch beim Vorbeifahren nicht mehr nachdenken , was für eine Frucht dort stand. Inzwischen ist alles sauber . Auf dem einen Schlag sollen in diesem Jahr Möhren angebaut werden . Neben Pflügen, viermal Kreiseln, einmal grubbern und dann mit der Fräse häufeln ist noch nichts passiert. Die Saat erfolgt erst nach dem Regen. Es sind also sieben Arbeitsgänge mechanisch durchgeführt worden , immer mit einigen Tagen abstand , damit das Unkraut immer wieder zum Keimen angeregt wurde. Inzwischen müßen da schon 150 – 200 ltr. Diesel je Hektar verbraucht worden sein. Das ist schon mehr als das drei bis vierfache eines konv. Betriebes im ganzen Jahr. Entsprechend schlecht ist dann die CO2-Bilanz, weil ja auch nur die Hälfte geerntet wird. Nach der Saat werden die Möhrendämme je nach Unkrautbesatz noch 1 – 3 x mit Propangas abgeflammt. Pflanzenschutzmittel spielen bei der CO2 – Berechnung keine Rolle , weil hoch Wirtschaftlich. Geringster Energieeinsatz und Hocheffizient. Diesel und Mineraldünger (Stickstoffdünger) sind die Haupt-CO2-Verursacher. Dazu kommt im Bioanbau der halbe Ertrag. Die CO2 -Bilanz bezieht sich immer auf die Tonne Rüben-Getreide-Möhrenertrag. Deshalb fällt der Bioanbau i.S. Klimabilanz (CO2-Bilanz)hinten runter. Das will aber keiner „Glauben, oder Wahrhaben“. Dazu kommt noch das unglaublich hohe Risiko mit Schädlingen und Krankheiten , was oft zum Totalverlust führt.

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  2. Inga sagt

    „Es ist das Ziel jedes Bauern, von einem Feld nur eine Frucht zu ernten. In diesem Falle nur Weizen. Unkraut würde stören.“

    Tja,
    deswegen heißt es ja

    „Un-Kraut“
    Es nimmt dem willkommenen Kraut (Kulturpflanze) Platz, Licht, Luft und Nahrung weg.

    Und wieviel Industrie bietet die Kulturpflanze Aufträge zum Verarbeiten und damit Arbeitsplätze und dann noch mal die im Handel?

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  3. Hans-Günter Felser sagt

    Guten Tag, Bauer Willi, ich fahre gleich nach Düsseldorf, aus Interesse , was sich so tut, fahre ich einen Teil „über Land“. Ich werde mal mitzählen, wieviele Blüten Klatschmohn ich auf der 65 Kilometer langen Fahrt sehe. Da Sie die Gegend ja auch kennen, werden Sie die Antwort wissen. Ich brauche nicht viel zu zählen, Fehlanzeige. Wegwarte, Kornblume, Kamille? – Was war das nochmal? Kurzum: Wo sollen die „Angriffe“ denn herkommen? Im Jülicher und Neusser Land wurde das „Unkraut“ erfolgreich dezimiert, nahezu ausgerottet. Ist das jetzt ein Erfolg? Anderer Ansatz: Wie könnten denn für die Arterhaltung die Lebensinseln inmitten der großen (Acker-)Flächen etwas größer und näher beieinander gestaltet werden? Wäre das vorstellbar, wieder mehr Flächen für „das Unkraut“ als Rückzugsgebiet bereit zu halten? Oder ist die Vernichtung dieser Arten eher gewünscht? Bitte nicht falsch auffassen: Ich frage dies konstruktiv, nicht als Angriff. Ich würde es gerne verstehen, warum es so ist, wie es ist. Viele Grüße. P.S.: Übrigens wird es sehr wahrscheinlich heute für Sie den erwünschten Regen geben, auch Gewitter gut denkbar.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Wenn ich mal über Land fahre, dann konzentriere ich mich auf die Straße und den entgegenkommenden Verkehr. Als ehemaliger (schon wieder Ehemaliger) Feuerwehrmann weiß ich, dass ein Frontalzusammenprall nicht besonders gesund ist.

      2+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Herr Felser,
      das trifft sich gut. Hier wurde gerade ein Lärmschutzwall begrünt. Es wurde Gras eingesät. Das ist aber nicht gekommen, statt dessen steht dort in Massen Kornblume, Kamille, Melde, Kohl-Gänsedistel, Acker-Kratzdistel, Hederich und anders mehr. Auf bestimmt 1000 qm.

      Zu den Lebensinseln: Warum wird im Jülicher und Neusser Land auch der letzte Quadratmeter Ackerland bewirtschaftet? Weil wir hier sehr fruchtbares Land haben und weil auch Bauern wie viele andere Menschen auf Gewinn aus sind. Das kann man jetzt kritisieren, aber so ist es.
      Wie könnte man die Landschaft besser vernetzen und Rückzugsgebiete schaffen. Ganz einfach: den Landwirten für solche zusätzlichen Umweltleistungen entlohnen. Das wird auch heute schon praktiziert, zum Beispiel über die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft. Meist ist es aber nur eine Entschädigung für den entgangenen Ertrag und die zusätzliche Arbeit wird nicht bezahlt. Deshalb wird es auch nicht besonders gut angenommen.

      Ich finde die Idee von Ludger Weß den richtigen Ansatz: Schaffung und Erhaltung von Ruderalstellen, Lehmkuhlen, Nassstellen, Rörichte, Magerwiesen, Totholzhaufen etc. Allerdings wissen wir Landwirte tatsächlich wenig über die Ansprüche der seltenen Arten. Da könnten wir gut mit NABU und BUND kooperieren, wenn die nicht so oft so „unfreundlich“ über die konventionelle Landwirtschaft schimpfen würden. Auf der anderen Seite aber Hochertrags-Landwirtschaft, denn je mehr ich vom Hektar Acker erwirtschafte, um so mehr kann ich auch für die Natur bereitstellen. Überall ein wenig Bio? Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, lasse mich da aber gerne belehren.

      Hoffentlich kommt heute Regen, gerne auch ohne Gewitter 🙂
      Bauer Willi

      7+
      • Inga sagt

        „Da könnten wir gut mit NABU und BUND kooperieren, wenn die nicht so oft so „unfreundlich“ über die konventionelle Landwirtschaft schimpfen würden“

        Dann müssen die Landwirte eben an die Wissenschaftler in der Uni gehen.
        Punkt!

        Wenn die uns nicht brauchen, brauchen wir die auch nicht!
        Und ehrliche Wissenschaftler können auch publizieren!
        Denen wird auch mehr geglaubt und seriöse Massenmedien helfen dabei!

        1+
        • Bauer Willi sagt

          Stimmt nur bedingt. Die Wissenschaft hat auch mit der abnehmenden Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Die Umweltorganisationen haben eine größere Lobby und einen besseren Zugang zu den Medien.
          Bauer Willi

          5+
  4. Lieschen Müller sagt

    Was ist denn den Unterschied für die Biozertifizierung bei Getreide? Bei Obst und Gemüse ist das irgendwie klarer, auch dann noch mal der Unterschied zu Demeter.
    Vielleicht, weil doch viele Menschen einen Gemüsegarten haben, aber keiner Weizen oder Dinkel anbaut.

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  5. bauerhans sagt

    ich hab eine fläche weizen nach erdbeeren,die ich pfluglos bestellt hatte,ohne glyphosat einzusetzen.
    durch die nässe im letzten herbst hatte der zierrasen auf dem parkplatz und den wegen überlebt,den ich nur mit chemie (400g Atlantis WG) in den griff kriegen konnte,wie ich an der nullparzelle sehen kann.

    1+
  6. Mark sagt

    Hallo Willi, bist Du sicher, dass Du das Feld nicht verwechselt hast. So sauber nur mit striegeln, das ist ungewöhnlich.

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    • Bauer willi sagt

      Nein, ich habe sogar ein kleines Video von genau diesem Feld gemacht. Wollte ich bringen, ist aber auf dem Weg zur Dropbox spurlos verschwunden. Dummerweise habe ich nicht noch ein Foto gemacht.
      Am Vorgewendet, wo er ganz dünn steht, kommt jetzt Melde hoch. Aber das sind nur ein paar Quadratmeter
      Stört keinen großen Geist.
      Bauer Willi

      1+
  7. Nauert Hans-Albert sagt

    Lieber Willi, meine Erfahrung mit Bio Getreide sah nicht so gut aus. Bei uns im Kraichgau gibt es die Erzeugergemeinschaft Kraichgaukorn bei der ich Mitglied bin. Bei dieser Gemeinschaft zwischen Bauern Müller und Bäcker die schon viele Jahre besteht darf das Getreide nicht gespritzt werden, nur striegeln ist erlaubt. Einige Jahre habe ich mitgemacht. Aber weil ich in der Spargelzeit keine Zeit zum striegeln hatte, habe ich den Weizen und Roggen mit Kalkstickstoff gedüngt. Mein Getreide war ziemlich frei von Unkraut. Als ich nach der Ernte, mit meinem Getreide an der Mühle angekommen war, konnte ich die Unterschiede des Getreide der Anderen mit dem gestriegelten Getreide einsehen. Während mein Getreide frei von Unkrautsamen war, war das der Anderen versetzt mit Unkrautsame und vor allem mit Mutterkorn. Eine logische Erklärung: Durch das striegeln werden die Getreidehalme verletzt und das öffnet die Eingangspforten für den Mutterkornpilz. Bei einer Mühlenbesichtigung konnte ich sehen wie das Mutterkorn mit Fotozellen aussortiert wurde. Als dann nach einigen Jahren das düngen mit Kalkstickstoff untersagt wurde ,bin lch ausgstiegen. Von Grünen und NGO,s werden ja immer die Rückstände von Pflanzenschutzmittel beklagt, aber die Belastungen der Bio Erzeugnisse mi Toxinen (Pilzgiften) wird von Allen verschwiegen.

    16+
    • Brötchen sagt

      mit Bio hat man nicht weniger Probleme, aber eben andere. gilt für die gesamte Kette.

      3+
      • bauerhans sagt

        bei bio muss man die unkrautproblematik vorher lösen,striegeln hilft eigentlich nicht:
        wenns nass ist,wächst das kraut weiter,wenns trocken ist,schädigt man die nutzpflanze zu sehr.
        darum wird jetzt vermehrt auf dammkultur und hacken gesetzt.
        im konvi-bereich gibts immer noch irgend ein mittelchen,was man einsetzen kann,es sei denn,man hat die fuchsschwanzproblematik einfach ignoriert.

        3+

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