Bauer Willi
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“Bauer sucht Frau”

Ich habe diese Überschrift natürlich bewusst gewählt, weil sich dahinter ein Bild versteckt, das durch RTL und die gleichnamige Sendung geprägt wird. Dahinter steckt aber zum Teil auch eine grausame Wahrheit: das Problem, als Landwirt eine Partnerin fürs Leben zu finden.

Nun nimmt hoffentlich kein halbwegs normal denkender Mensch dieses Sendeformat für bare Münze und weiß, dass sich diese Bauern gegen hartes Geld zum Hansel machen lassen und der Sender mit dieser Form der „Unterhaltung“ ein gutes Gespür hat, Quote zu machen, was sich wahrscheinlich förderlich auf die Werbeeinnahmen auswirkt. (Am Ende zahlt also der Verbraucher dafür, dass sich Bauern zum Deppen machen, und den Sender freut‘s.) Wäre auch weiter nicht schlimm, wenn damit nicht ein Bild in der Öffentlichkeit produziert würde, das alle Bauern als plump, dumm und rückständig darstellt. Obwohl ich noch keine Sendung bis zum Ende gesehen habe, stelle ich fest, dass dort noch nie der Leiter eines 200-Hektar-Betriebes mit großen Schleppern, großen Feldern und dem Smartphone am Ohr gezeigt wurde. Dass es immer nur kleine Gemischtbetriebe mit kleinen Schleppern und kleinen Feldern im Mittelgebirge sind und die Wohnungen eher ärmlich und unaufgeräumt, das ist nicht nur peinlich, sondern auch gefährlich. Gefährlich, weil es die immer gleichen Klischees von vorgestern bedient, die ich geraderücken möchte.

Meine Frau stammt übrigens nicht vom Land, nicht vom Bauernhof, sondern ist ein Stadtkind. Sie hat also keine Hektare mit in die Ehe gebracht. Dafür war sie hübsch und hatte ein abgeschlossenes Studium der Betriebswirtschaftslehre. Eine seltene Kombination von Schönheit und Klugheit, also genau passend zu mir (Vorsicht, Satire!). Als sie ihrer ausnahmslos in einer Großstadt wohnenden Verwandtschaft erklärte, dass sie einen Bauern zum Freund hat, gab es entsprechende Reaktionen: „Und, stinkt der nicht? Läuft der immer in Gummistiefeln rum? Was willst du denn auf einem Bauernhof?“ Halt die üblichen Klischees. Hat sich in meinem Fall aber glücklicherweise schnell geändert.

Ehrlich gesagt hat es mich schon verwundert, dass meine jetzige Frau damals Gefallen an mir gefunden hat. Gut, damals arbeitete ich auch noch außerhalb der Landwirtschaft in der Industrie, aber abends und an den Wochenenden war immer Feldarbeit angesagt. Und nicht nur Feldarbeit, sondern auch Bürotätigkeiten. Da bleibt für gemeinsame Unternehmungen nicht so unendlich viel Zeit. Da geht oft der Hof vor, die Partnerin muss mitspielen oder es funktioniert halt nicht.

Andererseits darf der Hof einem auch nicht zu wichtig werden. Eine Episode werde ich nie vergessen: Nach der Rübensaat hatte es einen Gewitterregen gegeben, der Boden war sehr verkrustet und die kleinen Rübenpflänzchen hatten große Mühe, das Licht der Welt zu erblicken. Zweimal täglich bin ich zum Feld gefahren, habe wieder gezählt, wieder gekratzt, um nachzusehen, ob sie jetzt doch endlich durchkommen. Da meinte meine damalige Freundin und jetzige Frau: „Mach dich doch nicht verrückt, du kannst es doch nicht ändern. Lass uns einfach für ein paar Tage wegfahren.“ Wegfahren? Wo doch meine Rüben nicht kommen wollen? Was für ein verrückter Gedanke! Sie hat mich schließlich doch überredet, und wir haben vier wunderschöne Tage in Paris verbracht. Als ich montagmorgens wieder zum Feld kam, standen die Rüben alle schön in der Reihe und haben zum Schluss einen tollen Ertrag gebracht. Gut, dass meine Frau nicht vom Land kommt, keine geborene Bäuerin ist. Sie ist halt normal!

Falls jemand diesen Text wiedererkennt: Es ist eine Leseprobe aus meinem Buch “SAUEREI!”

Euer Bauer Willi

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32 Kommentare

  1. Der Brandenburgbauer sagt

    Hallo Willi, aus meiner Sicht, eine realistische Darstellung.In einem irrst Du meiner Meinung. Ich kenne eine Menge Leute die nichts mit uns Bauern am Hut haben und das tatsächlich ernsthaft glauben.
    Für mich ist diese Sendung obwohl ich wenig davon gesehen habe eine Verarschung , unseres Berufsstandes hoch drei.
    Ich sage nur die doofen Bauerndeppen.

  2. Andreas sagt

    Ich hasse es, wenn private Dinge eines jeden Landwirtes so öffentlich gemacht werden wie bei RTL aber nun auch hier.
    Ob jemand einen Partner findet oder nicht, kann nicht vom Beruf abhängen. Was ist denn das für eine Philosophie????
    Wenn eine Frau einen Bauern nicht heiratet weil er Bauer ist, ist das gut, dass die nicht zusammen kommen.
    Ich sage zum Thema: Arschlöcher müssen Single bleiben, das ist gut so. So wie sich einige in verbalen “Schlägertrupps” zusammentun und über Facebook Schande über uns verbreiten, so sind das oft ewige Junggesellen z.B. aus der Lüneburger Heide. Solche Bauern brauchen wir nicht und es ist gut wenn sie aussterben.

    Das allgemeine Beschimpfen der Landwirtschaft stärkt nicht die Wettbewerbskraft auf dem “Heiratsmarkt”. Ich bin zu lange raus aus dem Geschäft und kann wie Bauer Willi nicht mitreden wie das heute so läuft.
    Ich vermute, es ist wie früher, dass man mit einem guten sozialen Umfeld am weitesten kommt. Heute kommt Facebook und Co. noch dazu wo man eine private Seite von der landwirtschaftlichen Seite getrennt fahren sollte. Es ist eh nicht ratsam so viel über den Job zu reden, egal ob als Arzt oder Landwirt.

  3. bauerhans sagt

    jede/r bekommt die frau bzw.den mann,die/den er “verdient” hat.
    ganz früher hatte ich mal ein inserat im wochenblatt aufgegeben und ein paar sehr nette “hektar- und bauernprinzessinnen” kennen gelernt.
    meine frau kommt aber nicht vom hof.

  4. Hallo Willi,

    interessanter Beitrag. Ich gebe Dir Recht, Bauer Sucht Frau ist ein kleiner Skandal. Da wird hemmungslos auf Quote komm raus ein Berufsstand verarscht und in ein völlig falsches Licht gestellt. Nun, ist ja aber ein freies Land, muss man so hinnehmen denke ich.

    Ich habe mal mit einem Holländer über das Thema gesprochen, da gibt es diese Sendung auch (Ich habe es selber in Holland nicht gesehen): Hier werden anscheinend moderne ordentliche Betriebe gezeigt und der Landwirt wird so dargestellt, wie du es forderst (Smartphone, Mails, eher Business). Das hat wohl dazu geführt, dass das Ansehen der Landwirtschaft erheblich gestiegen ist. Habe leider keine Studien oder ähnliches, die das beweisen, ich gebe hier die persönliche Meinung von meinem Gesprächspartner wieder.

    Ansonsten mache ich mir hier in Deutschland aber keine Sorgen um unsere Landwirte. Wenn ich mir diverse Hektar-Parties und andere landwirtschaftlich-lastige Festivitäten anschaue, dann müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass viel zu viel landwirtschaftlicher Nachwuchs gemacht wird. 😀 😀

    In der Landwirtschaft ist es wie in jeder anderen Branche denke ich. Viele haben Glück mit den Damen, manche finden einfach keine (aus verschiedensten Gründen). Wenn jemand keine Dame hat, dann liegt es aber bestimmt nicht an der Tatsache, dass er Bauer ist.

    Grüße aus Vechta!

  5. Ottmar Ilchmann sagt

    Ich denke, die Schwierigkeit für HofnachfolgerInnen, Partner zu finden, hängt auch mit der wirtschaftlichen Situation der Landwirtschaft zusammen! Das hat sich doch in der Bevölkerung rumgesprochen, dass ein Bauer viel arbeiten muss, wenig Freizeit hat und dann auch noch nichts verdient. In unserer Milchregion kursiert gerade im Bezug auf die gut aufgestellten “Zukunftsbetriebe” mit neuen Ställen und hoher Kapitalbelastung der Spruch: Wer will denn schon ins Arbeitslager einheiraten? Da nützen auch 200 ha, große Schlepper und Smartphones nichts.

    • Dafür war sie hübsch und ist Sie es immer noch, ich hoffe ja! Das Wort “Arbeitslager” ist zwar hart aber leide die Realität, ohne Aussicht auf Veränderung. Ich denke die Situation wird sich mit dem sogenannten Welthandel TiPP und CO noch verschärfen.
      Alle nachgelagerten Berufe die die Landwirtschaft vorhält, und das sind nicht wenige, haben geregelte Arbeitszeiten, sie dürfen sogar krank werden, ohne das die Räder stillstehen. Dieses ist doch mal eine schöne Aufgabe für unsere Berufsvertretung! Wenn das gut geregelt ist, dann können wir auch ganz beruhigt die anfangen die “Welt” zu Ernähren.
      Der Bio-Bauer Reinhard

      • Bauer Willi sagt

        Ich weiß nicht, ob “geregelte Arbeitszeiten” wirklich machbar sind. Es gibt Spitzenzeiten, in denen das Utopie ist. Getreideernte ist so eine. Und wird da unserer Berufsvertretung nicht zu viel abverlangt? Ich wünsche mir nicht, dass irgendjemand meine Arbeitszeiten regelt.
        Bauer Willi (Konvi)

        • rebecca sagt

          Wer geregelte Arbeitszeiten will muss eben irgendwo als Arbeitnehmer anfangen.
          Als Selbstständiger und/oder Unternehmer muss man sich das Leben so gut es geht einrichten, oder die Konsequenz ziehen und die Selbständigkeit aufgeben.
          Es arbeiten bei weitem nicht nur Bauern zu verschiedenen Zeiten und mit wesentlich mehr Wochenstunden als 35 oder 40. Auch in vielen anderen Branchen und Berufen wird viel und hart gearbeitet.

          • fred huber sagt

            nach der geburt unseres 2ten kindes haben wir uns eine melkhilfe auf 450 € basis besorgt. nach und nach haben wir die stunden reduziert, bis wir die hilfe nicht mehr gebraucht haben. dann wurde unser helfer ausgestellt.
            wer weiß, wären die erzeugerpreise besser, vielleicht hätten wir unseren helfer noch…

            und das ist, denke ich auch der punkt, den herr ilchmann gemeint hat. wenn jemand viel arbeitet sollte er auch ordentlich verdienen. dann klappts ja vielleicht auch eher mit “gekaufter freizeit”.

            • rebecca sagt

              Fred Huber, das ist richtig. Aber genau so geht es vielen anderen. Ich könnte sofort eine ganze Menge Menschen aus meinem Bekanntenkreis aufzählen die 60,70,80 und mehr Stunden in der Woche arbeiten.

              Nicht weil sie unbedingt Millionär werden wollen, sondern weil es wirtschaftlich nicht anders geht.

              Sie haben völlig Recht, wer viel arbeitet soll auch ordentlich verdienen. Aber das ist leider in der Realität nicht ganz so einfach.

              Welcher Selbstständige gibt sein Geschäft auf wenn es sich mit einem normalen Einsatz an Zeit nicht trägt? Ich kenne keinen, die versuchen alle mit persönlichem Einsatz alles am Laufen zu halten.

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