Bauer Willi
Kommentare 31

Ackern für Österreich

Eine Dreiviertelstunde sehr faire Berichterstattung über Landwirtschaft vom Öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Allerdings in Österreich. Auch die kritischen Themen wie Pflanzenschutz, Massentierhaltung oder Monokulturen werden erläutert. Fast schon ein Lehrfilm! So was wünsche ich mir auch in Deutschland

https://tvthek.orf.at/profile/Ackern-fuer-Oesterreich/13893289/Ackern-fuer-Oesterreich-Was-unsere-Bauern-leisten/14110600

Die Sendung ist nur begrenzte Zeit in der Mediathek verfügbar

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31 Kommentare

    • Was ist das denn für ein, Meister aus dem Mittelstand.
      Ist der nicht selbstständig? Ist der auch angestellt?

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Der Film ist auf hohem fachlichem Niveau, aber man kann unschwer erkennen, dass jetzt die ÖVP im ORF das Sagen hat. Es ist schon alles richtig, was hier gebracht wird. Aber die wirklich kontroversen Themen werden halt ausgespart und verschwiegen: der Film tut so, als gäbe es in Österreich keine Anbindehaltung von Rindern mit Silagefütterung, keine (tierquälerische) Schweinehaltung und keine Geflügelmastbetriebe, kein Kükenschreddern usw.

    Aber es stimmt schon, dass man hierzulande auf eine fundierte landwirtschaftliche Information der Bevölkerung großen Wert legt.

    Die Infos von “Land schafft Leben” sind heute viel verwendetes Unterrichtsmaterial in den Schulen: https://www.landschafftleben.at/?gclid=Cj0KCQjwt-6LBhDlARIsAIPRQcI6zCEYEyjdqPIaR0r7M1TJN_n5m_Y_3Vi5GMvUK3vvBASGK55aScEaAv8aEALw_wcB

    Eine andere Seite geht es aus der Perspektive informationshungriger Nichtlandwirte an:’
    https://www.bauertothepeople.at/

    Dazu kommen etliche beliebte informative Facebook – Accounts.

    Die Mühe macht sich bezahlt. Von den 40.000 Landwirtschaftsbetrieben der Steiermark sind bereits 5000 Direktvermarkter. Und soeben lese ich in der Landwirtschaftszeitung einen Aufruf: Es werden noch dieses Jahr dringend 150 weitere gesucht, um die gestiegene Nachfrage decken zu können. Im nächsten Jahr muss der Sektor um weitere 20%, also um 800 Betriebe wachsen.
    Unabhängig davon gibt es in Österreich mit seinen 25% Biobetrieben einen Mangel an Bioprodukten. Gebraucht werden in der Steiermark ehestmöglich 40 neue Betriebe mit Bioschweinen, 70 mit Biosojaanbau, Biogemüse, Biorindfleisch, Biolegehennen und Bioobst. Bei Biomasthendln gibt es für den Export noch Potential. Bei Biomilch ist ein moderates Wachstum das Ziel.

    • Wer nicht versteht, dass unsere Ernährung mit der Begebenheit der Ökologie und somit dem Boden vor Ort zusammenhängt
      hat einen Bildungsmangel
      und somit

      jegliches Mitspracherecht und Anspruch auf Forderung verloren!

    • Thomas Apfel sagt

      In dem Film kommt (freundlicherweise) der Streit um Bio, Direktvermarktung und indirekter Vermarktung zur LEH Belieferung gar nicht zum tragen. Es ist ein sehr guter Imagefilm für die Landwirtschaft im Allgemeinen. Ich kann da nichts zum meckern dran finden. Die Diskrepanzen zwischen den Ansprüchen mancher lautstarker Gruppen der Gesellschaft und den Realitäten der Landwirtschaft werden in der in Deutschland üblichen Form nicht nach vorn polemisiert und das empfinde ich als sehr angenehm. Ansonsten sind fast alle Größen und Formen die für Österreich typisch und zukunftsfähig sind, gezeigt worden. Weder der Kartoffelbauer noch der Gemüsebauer (mit ü. 200 ha) sind Kleinbetriebe mit vorrangiger Direktvermarktung. Gut finde ich auch, dass die Landwirtschaft im Nebenerwerb sehr positiv und als Teil der landwirtschaftlichen Realität rüberkam.
      Im Übrigen fand ich auch die Musik weder unpassend noch schlecht, sondern recht kreativ, aber das ist sicherlich Geschmackssache und ich bin durch den Beruf meines Vaters “vor-geframe´t.
      Filme in dieser Machart würden dem Bild der Landwirtschaft auch in Deutschland eine objektivere Färbung geben !

      • Elisabeth Ertl sagt

        Ja, es ist ein sehr guter Imagefilm mit hohem Informationswert. Dass man sich als Bauer so etwas wünscht, ist klar. Nur wird vom nicht landwirtschaftlichen Publikum natürlich durchschaut, dass es ein Werbefilm ist. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Mit gefallen die Beiträge auf “Land schafft Leben” besser. Auch Hannes Rojer kommt sehr sympathisch rüber, aber die Beiträge enthalten auch Selbstkritik. https://www.youtube.com/watch?v=jpdV6R6Pzss

  2. Reinhard Seevers sagt

    Ich mal wieder…..🙄

    Schöner Heimatfilm. Könnte genauso in Bayern gedreht worden sein, mit den gleichen Statments und den gleichen schönen Bildern, der schönen Klimpermusik im Hntergrund und, was mir am wichtigsten erscheint, mit der gleichen Triggerung:

    “…Ich bin mit Leidenschaft Bauer, in der Natur, mit den Viechern, das erfüllt mich”….
    Diese Form der Darstellung mag für uns Interne gut rüber kommen, es triggert bei den Außenstehenden in meinen Augen einen Sozialneid, der dann mit Forderungen verbunden ist. Forderungen nach Abschaffung der Massentierhaltung, welche ja im Bild auch nicht auftauchen, und auch nicht im Selbstverständnis der Protagonisten liegt.
    Das ist nur ein Beispiel für gut gemeinte Darstellung und evtl. einer genau entgegengesetzten Wirkung, bzw. einer Konsequenz, die man selbst erzeugt hat.

    Vinzent Börner hat es mal in einem Beitrag der Zeit in 2012 so formuliert:

    Die ewige Sehnsucht nach der Idylle

    Wir verachten die effiziente Agroindustrie und verehren den edlen, einfachen Bauernstand. Warum sind wir so blauäugig? Versuch einer Erklärung.
    Von: Vinzent Börner, 14.6.2012, Zeit-online – Umwelt

    ….”….Ein Mehrertrag an Nahrungsmitteln gehört in einer überversorgten Gesellschaft wie der deutschen nicht mehr zu den erstrebenswerten Zielen. Er wird vielmehr verstärkt infrage gestellt, wodurch sich unmittelbar der Spielraum für die Wahl des “richtigen” Modells zum Verständnis von Landwirtschaft erweitert. Das gewählte Modell muss dann auch nicht primär zu einer verbesserten Ernährungssicherheit führen. Es kann schlicht dazu dienen, sich Landwirtschaft vollständig und umfassend zu erklären- und damit Ohnmacht und Kontrollverlust bezüglich Herkunft der eigenen Nahrung zu vermeiden. Dass dies kein kompliziertes naturwissenschaftliches Modell ist, dem ja Ohnmacht und Kontrollverlust inhärent sind, sondern eher ein stark vereinfachendes, scheint unausweichlich.
    Das Modell muss auch nie seine Potenz bezüglich einer Produktion in ausreichendem Umfang beweisen. Schließlich sind seine Anhänger in der Regel keine Landwirte, noch möchten sie welche werden. Aus dem Zusammenspiel der Eigenschaften von Landwirtschaft als biologisches System und einer überwiegend satten Gesellschaft entsteht also die Möglichkeit, das Verständnis von Landwirtschaft für Zwecke des Kontrollerhalts zu instrumentalisieren.
    In einer Gesellschaft, die in einem Ozean aus Technologie, Risiken, Entmystifizierung und undurchschaubaren globalen Zusammenhängen nach Orientierung sucht, kommt der Landwirtschaft damit die Rolle eines letzten Hafens der Gewissheit zu. Die Vereinfachung landwirtschaftlicher Produktion in der gesellschaftlichen Wahrnehmung durch Anwendung eines entsprechend simplen biologischen Modells erlaubt eine Suggestion des Verständnisses über wenigstens diesen Teil der Gesellschaft und damit den Erhalt eines Restbestandes an Kontrolle.
    Industrialisierung und Verwissenschaftlichung bedrohen genau diesen Restbestand und werden deshalb von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt oder gar bekämpft, sobald sie offensichtlich werden. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung über Gentechnik, Massentierhaltung und Industrialisierung in der deutschen Landwirtschaft ist demnach nur zu einem geringen Teil den zugrunde liegenden – wichtigen und richtigen – Fragen von Sinn und Unsinn endlosen Wachstums, von Effizienzdruck, Naturverbrauch und technologischen Risiken geschuldet. Das belegen allein schon die Konsum- und Lebensgewohnheiten.
    Das führt zu dem Schluss, dass der Konflikt um die industrielle Landwirtschaft weniger rational begründet ist, sondern vielmehr eine Auseinandersetzung ist, die eine von Entfremdung und wachsender sozioökonomischer Ohnmacht geprägte Gesellschaft führt, um sich einen Rest an Kontrolle über ihr eigenes Leben zu bewahren.
    Den “Bauern” ist damit nicht geholfen. Im Gegenteil, ihnen wird gesellschaftlich ein Platz auf der technologischen und materiellen Entwicklungsskala zugedacht, den man nur als “ganz weit unten” bezeichnen kann.

    • Jürgen Donhauser sagt

      Herr Seevers 👏🏻👍🏻. Als Theologe habe ich die Rolle der heutigen LW mit der eines Sündenbockes im alten Israel verglichen. Auch dort wurden die Unzulänglichkeiten des Volkes symbolisch dem Ziegen- oder Schafbock aufgeladen und anschließend in die Wüste gejagt.

      • Reinhard Seevers sagt

        Ist es nicht entlarvend, dass im Selbstverständnis der Landwirtschaft eine Selbstverzwergung eingesetzt hat, die das Geldverdienen auf max. einer Existenzsicherung reduziert hat?
        Wenn erfolgreiche Start-ups oder erfolgreiche Unternehmen und Unternehmer präsentiert werden, dann sind Millionenumsätze und horrende Gewinne, der nun erstandene Luxus die Form der Präsentation.
        Der Bauer ist zufrieden mit Tier und Natur, fühlt sich erfüllt….ok, überleben wäre ganz schön, aber richtig Kohle verdienen und dies auch noch präsentieren, darauf stolz sein dürfen? Fehlanzeige….dieses wird nur den Massentierhaltern und Großkopferten, die man ablehnt, attestiert und negativ konnotiert.
        Was für ein verzerrtes Selbstbildnis und damit auch ein fehlgeleitetes Selbstverständnis. Wie will man am Ende eines solchen Filmes den Menschen noch verdeutlichen, dass man den Beruf auch wegen der Möglichkeit des Geldverdienens ausübt, wenn man schon zufrieden ist, weil man in der Natur arbeiten darf?
        Kein Wunder, wenn so viele in die Berge pilgern, um von nichts leben zu wollen, weil es so erfüllend ist.

        • Subventionen und auch ein Gesellschaftsvertrag werden sich immer an Hartz4 orientieren. Je mehr man davon abhängig ist desto näher kommt man Hartz4. Deshalb sind Subventionen und auch ein Gesllschaftsvertrag abzulehnen. M.E. der erste Schritt um aus der Selbstverzwergung herauszukommen.

        • Günter sagt

          @ Reinhard
          Ich durfte bereits Anfang der 1970 er Jahre einmal wachsen oder weichen miterleben, und weiß deshalb was dies für eine Familie bedeutet. Vor etwa 15 Jahren kauften wir (ich und Familie) im Heitatei Land Südtirol einen Bergbauernhof und ich konnte meinen Kreis wieder schließen.
          Wie ich schon mehrmals geschrieben habe ist es ein Unterschied zwischen den Berglern und den Flachländern.
          Ich glaube aber auch dass der größte Teil der Bauern hier wie dort eine Denkweise haben bei der Profit um jeden Preis nicht an erster Stelle steht.
          Und Reinhard, wir leben von unserer.Hände Arbeit, daher haben wir auch einen anderen Bezug zu allen.
          Ausserdem pilgern Jahr für Jahr Unmengen von Nordlichtern in unser Land, die lassen auch noch genug da.

          • Reinhard Seevers sagt

            Irgendwie ploppen immer sofort Rechtfertigungsversuche individueller Lebensweisen auf. Darum geht es doch gar nicht. Es geht um das Bild DER Landwirtschaft, die medial wie emotional geschaffen wird.
            Es ist doch wirklich hahnebüchen die Bergbauernwelt als Maßstab für DIE Landwirtschaft herzunehmen und dann auch noch daraus Ideale abzuleiten, wie “…nicht Profit um jeden Preis…”
            Warum muss man das extra erwähnen, kannst du für alle Bauern in Deutschland und Österreich sprechen und so vielen ein Einkommen oder gar ein gutes Einkommen absprechen?
            Ich bin auch auf einem Bauernhof groß geworden, den mein Bruder immer noch in der gleichen Flächen- Größenordnung wie vor 40 Jahren betreibt…ohne Wachsen. Der Preis dafür, dass er immer noch erfolgreich läuft ist hoch, aber möglich. Ich würde aber nie hergehen und diesen Betrieb irgendjemanden als Maßstab oder Lösungsweg empfehlen.
            Dass Deutsche gerne in die Berge in Urlaub fahren ist doch schön für euch. Hoffen wir mal, dass der Klimawandel dies nicht reduzieren wird.

            • Brötchen sagt

              Reinhard,

              ich nenne das “kleines Landsyndrom”

              Hatten wir zu Ostzeiten auch mehr oder weniger.

              • Bauer Willi sagt

                Wie nett. Wir haben auch nur 40 ha. Also auch “kleines Land-Syndrom”??
                Bitte beim nächsten Kommentar darüber nachdenken, ob der nicht verletzend sein könnte.

              • Arnold Krämer sagt

                Die Selbstverzwergung im Selbstverständnis war bisher im Nordwesten kein Thema, beginnt jetzt aber mit dem Betteln der meisten berufsständischen Organisationen nach “Staatsknete” für Investitionen und für dauerhafte Alimentierung der Viehhaltung.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            “Ich glaube aber auch dass der größte Teil der Bauern hier wie dort eine Denkweise haben bei der Profit um jeden Preis nicht an erster Stelle steht.”

            Was verstehst Du unter Profit um jeden Preis?

            Wer täglich bis zu 12 Stunden arbeitet, das 6 Tage lang, bei viehhalteten Betreiben auch noch Sonntags, der sollte auch noch so viel verdienen, dass er sich noch 8 Tage Urlaub in Jahr leisten kann.
            Deine Kollegen wissen nicht, wie viel man verdienen kann, wenn man bei Bosch, Schaeffler, oder Daimler verdienen kann.
            Kennen sie den A-Effekt, nein, müssen sie nicht. Als Daimler die A Klasse in Rastatt anfing zu bauen, wurden sofort die Ställe leer.

            • “Deine Kollegen wissen nicht, wie viel man verdienen kann, wenn man bei Bosch, Schaeffler, oder Daimler verdienen kann.”

              Und wieviel Lohnerhöhung haben die seit 1950 bekommen?

              Was hat damals ein Zentner Weizengekostet?
              Was kostet er heutzutage?

          • ja Günter,
            Bauern und Konsumenten dürfen auch etwas fordern, nämlich die Kennzeichnungspflicht verarbeitender Waren ,fordern Herkunft der Rohstoffe, wie Eier, Mehl, Milch usw.

            Die Journalisten dsotne man ihr Wort “Pestizide” in “Pflanzenschutzmittel” umwandeln, damit sie glaubwürdiger werden und wirken.
            und kein Wort mehr von
            “viel hilft viel”
            hiermit in Verbindung bringen, denn der hat nicht richtig recherchiert oder die moderne Technik wird von seinem Verstand nicht erfasst!

            Jemand aus der Großstadt kann ja gar nicht erfassen, von was die Pflanzen alles geschädigt werden können, weil im Supermarkt alles tadellos da liegt!
            Daraus resultiert dann auch, dass gesunde unansehnliche Früchte für den Verkauf aussortiert werden.

          • Arnold Krämer sagt

            @ Günter
            Ich kenne und betreue nach wie vor eine Reihe von Landwirten, die “ordentliche” Gewinne (leider oft stark schwankend) erzielen, investieren und Einkommensteuer zahlen (oft nicht zu knapp). Da geht es nie um “Profit um jeden Preis”, sondern immer um angemessene Entscheidungen im Kleinen wie im Großen, die für die Bodenkulturen, für die Tiere, für die Familie und zuletzt auch für den eigenen Geldbeutel größtmöglichen Nutzen stiften. Alles andere funktioniert langfristig nicht.
            Bei den sogenannten “Vollgasbauern” (die gibt es, liefern oft das Material für schlechte Bilder und Meinungen) fehlt meist die richtige Balance beruflich wie privat. Nicht selten ist dort auch der wirtschaftliche Erfolg nicht gegeben.

              • Reinhard Seevers sagt

                Medien bestimmen das Bild. Der Begriff Vollgasbauer ist ein ähnlicher Kampfbegriff, wie Massentierhalter.
                An Montag kann man sich auf Pro 7 jeden Abend einen “wahren Blick” auf die Landwirtschaft genehmigen….da bekommt Landwirtschaft bestimmt richtig eins in die Eier, schließlich wissen die Medien, was wahr ist:
                https://www.prosieben.de/tv/greenseven

                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  Dieser Mann hat mal tagelang nur Fleisch gegessen, dass danach die Blutwerte nicht mehr stimmten, ist klar. Damit wollte man uns zeigen, dass Fleisch angeblich ungesund sei.
                  So werden Menschen verängstigt und Manipuliert.

                  Man isst auch nicht tagelang nur Kartoffel.

                • ach haben sie wieder ein neues Wort erfunden, diese Rennfahrer!
                  Diese Rennfahrersuppenverspeiser!

          • Elisabeth Ertl sagt

            Ich verstehe den Beitrag nicht so, dass es eine Tugend wäre, jeden Tag ums wirtschaftliche Überleben fürchten zu müssen.
            Ich verstehe zum Beispiel die Arbeit von “Land schafft Leben” so, dass den Menschen bewusst gemacht werden soll, dass wir nicht vom Geld leben, sondern von dem, was man sich dafür kaufen kann. Wir leben von Essen, Heizenergie bzw. Material für Passivhäuser, einer gesunden Umwelt, und nicht vom Geld an sich, wie der Neoliberalismus suggeriert.
            Dieses Denken in Geldkategorien erhält ja gerade einen gewaltigen Dämpfer. Leute mit viel Geld wollen jetzt ihr Geld ausgeben für die Verbesserung ihrer Wohnsituation, aber es gibt zu wenige Handwerker. Und jene Firmen, die genug Personal hätten, kriegen nicht genügend Material. Das liegt durchaus nicht nur an den durch Corona unterbrochenen Lieferketten. Schon vor Corona wurde bei der Güterproduktion zunehmend Material gespart, einfach weil die Rohstoffe weltweit knapp werden.
            Und diese Knappheit wird die ganze Gesellschaft zum Suffizienzdenken zwingen, nicht nur die Landwirte. Das kann auch mit mehr Geld nicht geändert werden. An solchen Fakten ist halt der Landwirt näher dran als der Designer von Computerspielen. Und somit hat er einen diesbezüglichen Bildungsauftrag. Leute sollen lernen, den Bauern mehr zu zahlen, weil man Geld sowieso nicht essen kann, aber das “Geiz ist geil” – Denken unter Umständen dazu führt, dass es nichts mehr zu essen gibt.
            Im übrigen sind ja die Bauern nicht die einzigen, die man versucht immer knapp am Existenzminimum zu halten, dieses Problem teilen sie sich mit allen Systemrelevanten, während die Milliardäre immer weniger wissen, wo sie ihr Geld überhaupt investieren sollen. Diesbezüglich würde ich mir hier auch oft einen etwas umfassenderen Blick wünschen. “Rauszoomen” nennt das Christian Bachler.

            • Reinhard Seevers sagt

              “Diesbezüglich würde ich mir hier auch oft einen etwas umfassenderen Blick wünschen. “Rauszoomen” nennt das Christian Bachler”

              Genau Elisabeth, da stimme ich zu. Leider zoomt jeder so, wie er es möchte.
              Die fünf großen (GAFAM- Google-Amazon-Facebook-Microsoft) haben jeder für sich mehr Kapital als die 20 größten DAX – Konzerne Deutschlands zusammen.
              Das Geld sucht sich nun neue Wege und findet sie u.a. in der industriellen Herstellung von Nahrung, in der Vermehrung der Plattformökonomie in der nichts stoffliches mehr produziert wird, dem aber immer mehr Geld zufließt.
              Wenn ein Sozialhilfeempfänger sein Geld für Lizenzen, Gebühren, Software usw. ausgibt, dann muss das für ihn nutzbare Geld irgendjemand realisiert haben….wer soll das wohl sein, wenn nichts erzeugt wird?

              • Elisabeth Ertl sagt

                Zur industrielle Herstellung braucht es zusätzliche Energie – da sind aber jetzt schon Verteilungskämpfe im Gang, welche diese Produzenten mit Geld nicht verhindern können. Vielleicht kommt dann die kernfusion schneller, aber schnell genug???
                Und auch der Produzent von Nichtstofflichem und all seine Beschäftigten müssen essen, wohnen, sich kleiden. Er hat natürlich die Macht, das weniger Mächtigen wegzunehmen und sie damit letztlich umzubringen. Das sind aber die Kunden, von denen er leben will. Irgendwann funzt das alles nicht mehr.

    • Na kloar, so schauts aus, Reinhard!

      “Den “Bauern” ist damit nicht geholfen. Im Gegenteil, ihnen wird gesellschaftlich ein Platz auf der technologischen und materiellen Entwicklungsskala zugedacht, den man nur als “ganz weit unten” bezeichnen kann.”
      Wer andere Erniedrigt, braucht sich über sein eigenes schlechtes Gewissen (nicht zu wissen wo und wie die Nahrungsmittel her kommen) keine Sorgen mehr zu machen! Mann steht ja darüber!

      Von Bilderbuchbauernhof bekommt man die Supermarktregale nicht voll!
      Das müssen die Naturgenießer auch verstehen, wir leben nicht mehr im Mittelalter!

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