Bauer Willi
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18.12: Demo der europäischen Landwirte in Brüssel

Den 18.12. schon mal freihalten. Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft.

Die Demonstration wurde angemeldet und soll vom späten Vormittag bis frühen Nachmittag stattfinden. Details später

So kündigen es die verschiedenen Länder an:

  • Deutschland:

https://www.agrarheute.com/politik/protest-gegen-mercosur-10000-landwirte-bruessel-erwartet-637786

  • Belgien:

https://www.vrt.be/vrtnws/de/2025/11/25/tausende-bauern-demonstrieren-am-18-dezember-in-bruessel-gegen/

  • Schweiz:

https://www.schweizerbauer.ch/artikel/bruessel-10000-landwirte-wollen-gegen-eu-politik-protestieren

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30 Kommentare

  1. Thomas Bröcker sagt

    Es lohnt sich bei diesem Thema mal ziemlich genau 100 Jahre in die Vergangenheit zu blicken.

    1919 – 1923 verloren fast alle Bauern ihre finanziellen Reserven durch die wahnsinnige Inflationspolitik.

    1924 – 1928 wechselten 800.000 ha Bauernland über Zwangsversteigerungen den Besitzer.
    Hauptursache war das Kreditverbot im Zuge der Einführung der Rentenmark (auch Roggenmark genannt). Vorfinanzierungen von Betriebsmitteln u.Ä. konnten weitgehend nur über Wechsel finanziert werden.

    Im Februar 1926 warnte auf der 6. Tagung des „Reichslandbundes“ deren Vorsitzender Graf Kalckreuth eindringlich vor den Gefahren der üblichen Wechselfinanzierung.

    Die Weinbauern wurden durch Import- und Steuerpolitik in den Ruin getrieben.
    Am 25.02.1926 stürmen tausende Weinbauern an der Mosel das Finanzamt und das Zollamt in Bernkastel und vernichten die Akten. Die Aktion wird durch Polizeieinsatz und Verhaftungen beendet.

    Im März 1926 initiieren KPD, SPD und letztlich auch die Zentrumspartei ein Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der ehemaligen Landesfürsten. Das notwendige Quorum wird erreicht und somit erfolgte im Juni 1926 die Volksabstimmung.
    15.000.000. Wahlberechtigte stimmten dafür. Damit wurde die notwendige Mehrheit nicht erreicht. DAS war die Blaupause der späteren Bodenreform in der SBZ 1946.

    Das erklärt vielleicht auch, warum gerade die Bauern mit der „demokratischen“ Republike nix am Hut hatten, von der ja auch linke Intellektuelle enttäuscht waren:
    (“ wir wollten immer eine Republike,
    und nun ist´s Die,
    man möchte immer ein Große Schlanke,
    und dann bekommt man eine Kleine Dicke
    Zäh la Wie.“ Tucholsky)
    Die spätere Siedlungspolitik der NSDAP (vor dem Krieg auf damals deutschem Territorium !!!) war eine starke Triebfeder für die Zustimmung der Landbevölkerung zu deren Politik.

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    • Nicolai Asmussen sagt

      Moin
      Und was ist aus den letzten 100 Jahren für die nächsten 100 zu schließen?
      Es ist nur Geschichte.

      Der 100 jährige Kalender ist ja auch eine Utopie.

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      • Thomas Bröcker sagt

        Ähnlich ist nur der zyklisch wiederkehrend Grundcharakter der Krisen … deren Folge in der Zuspitzung zwei mal Krieg war. Auch ohne Faschisten und NSDAP sind wir wieder verdammt dicht dran.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Naja, der heutige „Russenhass“ erinnert schon krass an den Hass der Nazis gegenüber den ‚jüdischen Bolschewiki“. Und mit dabei waren damals die Angelsachsen, genau wie in der heutigen Zeit. Ich finde Thomas hat da einen Punkt.

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  2. Sonja Dengler sagt

    Merz hat jedes, aber auch jedes seiner Wahlversprechen gebrochen – und solange eine veritable Mehrheit die CDU-CSU immer und immer wieder wählt, die sich dann wieder mit der bisherigen Zerstörer-Partei SPD nicht nur zusammentut, sondern an deren Gängelband gezogen wird, können wir hier und anderswo über Bauern und ihre herbe Situation diskutieren soviel wir nur wollen. Es hat keinerlei Einfluss auf diese Wahnsinnigen, die sich für die Allergrößten halten und dabei doch nur den allergrößten Schaden anrichten.
    Ich gehe jedenfalls am 18.12 hin

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  3. Eifelbauer sagt

    Gar keine schlechte Idee ! Das wäre ein gutes Beispiel für arbeitsteilige Landwirtschaft 😉

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  4. Josef Scheuerer sagt

    War letztes Jahr in Brüssel dabei, leider sieht man immer nur die selben Gesichter Berufskollegen, die es eigentlich gar nicht so nötig hätten, weil sie breit aufgestellt sind.
    Wenn man sich die Weizen Erzeugerpreise so ansieht, vergeht es jeden diese Frucht überhaupt noch auszusäen. Hab selbst die Aussaat von Weizen um 40% reduziert.
    Bin für Demos gerne bereit, jedoch nur noch Regional.
    Drei Forderungen an die Politik müssen gestellt werden, auf die Erfüllung müssen mir bestehen, wenn weiter verhandelt werden so.

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  5. Polymesos sagt

    Es muss ja nicht generell so sein, dass die
    Lebensmittel Rohstoffe nichts kosten.
    Billig sind die Produkte nur,
    solange es noch nennenswert Bauern gibt,
    solange da noch eine unabhängige Struktur besteht,
    die man noch eine Weile ausnutzen kann.

    Wenn das Land erst dem Lebensmittel Handel gehört,
    wird er die Produkte auch ins Regal räumen
    und sich selbst gut bezahlen.
    Der Kunde hat ja keine Wahl.

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    • Stadtmensch sagt

      Wie soll ich als Kunde den Prozess der Monopolbildung aufhalten? Und warum? Große Strukturen mit vertikaler Integration der Urproduktion, des primären Sektors, sind doch viel eher in der Lage, den abhängig Beschäftigten ein Mindestmaß erträglicher Produktionsbedingungen zu gewährleisten und Transparenz gegenüber dem politischen Willensbildungsprozess herzustellen. Solange die sich aber auf Einzelkämpfer und Selbstausbeutung abstützen können, haben wir nervige Debatten über Mindestlöhne und Lieferkettensorgfalt.

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    • Nicolai Asmussen sagt

      Moin
      Doch der Kunde hat eine Wahl.
      Er (sie es) kann jederzeit mit dem E-Tesla zum Bio Gemüsemarkt fahren, danach zum Bio Metzger und dann zur Bio Maniküre.
      Der Preis ist egal.
      Kann er/sie/es doch machen.

      Somit ist doch der Kunde daran schuld.
      Oder zwingt es jemanden, zu ALDI zu gehen?
      Es gibt auch Hofläden.
      Dieser Beitrag kann Spuren von Sarkasmus enthalten.
      Grüße
      Nicolai

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  6. Stadtmensch sagt

    „Man muss irgendwann die Systemfrage stellen“

    Die Antwort kenne ich schon: Kapitalismus! Nur besser! (frei nach Sibylle Berg)

    Gesten kam ein guter Artikel dazu in den Verschwörungsmedien: „Musk, Morlocks und die magischen Müller“. Aber die hat die kleingeistige Cancel- culture dieses Landes ja verbannt

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    • Reinhard Seevers sagt

      Stadtmensch, ernsthaft jetzt…..es wird schon schwierig überhaupt erstmal die Geschichte, die uns über unsere westliches „Besser sein“ aufgrund unserer so wunderbaren Menschenrechtsgeleiteten Lebensweise erzählt wird, auf gerade Füße zu stellen. Das ist schon eine fast unmögliche gesellschaftliche Aufgabe. Die Änderung oder Anpassung der ökonomischen Systems kommt erst danach….

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      • Stadtmensch sagt

        Diese Arbeit wurde bereits getan. Dazu fällt mir ein Machwerk von Norbert Trenkle ein: „Wie die „Westlichen Werte“ zu einer aggressiven Stammesreligion mutieren.“
        Mutierten, muss man ja mittlerweile feststellen. Der Prozess ist im Liberalextremismus stecken geblieben und beantwortet die kapitalistische Krisendynamik mit Kulturkampf und Abschottung. Ich falle immer in tiefe Depressionen, wenn unsere politischen Funktionsmöbel irgendwelche Sätze sagen, die mit „Wir müssen“ beginnen.

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  7. es hat dich mehr mit dem Aussenhandel zu tun, dass landw. Produkte eingeführt werden müssen, das war schon früher in der EWG so.

    Also ist die Landwirtschaft das Schwarze Schaf in unserer Volkswirtschaft, oder?

    Nebenher pflegen wir noch die Landschaft.

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  8. Thomas Bröcker sagt

    Die Brasilien-Reportagen auf diesem Blog einerseits und die bekannten Daten aus Osteuropa legen nahe, dass die uns mitversorgen könnten. Nach der Logik des Handels und der VWL ist das nur folgerichtig, dass langfristig der liefert, der die geringsten Produktionskosten/ Stückosten hat.
    Lustig wird es nur, wenn politische Spannungen auf einmal die Lieferketten unterbrechen.
    Deshalb denke/sehe ich auch nicht den beschworenen „Totaluntergang der westeuropäischen Landwirtschaft“. Das Ganze beschleunigt halt nur den Untergang zu teurer Strukturen und setzt auch der Selbstausbeutung zum Betriebserhalt Grenzen.
    Diese Entwicklung wird zudem beschleunigt durch den Druck der Öko- und Umwelterzählungen, die mit den Angriffen auf Mineraldüngung und Tierhaltung die möglich gewordenen Wertschöpfung auf ärmeren Standorten torpedieren. Die Antworten auf diese Entwicklungen sind bei uns hier schon unübersehbar: Windrad-Verspargelung der Landschaft, Freiflächenphotovoltaik, Flächenstilllegungen, voll durchrationalisierter Ackerbau mit ganz wenig Arbeitskräften, Verschwinden der Tierhaltung (zZt. unter 0,3 VBE/ha). Die Zahl der aktiven Bauern im Vollerwerb ist in Bezug auf die Gesamtbevölkerung marginal. Dementsprechend gering ist auch die Bereitschaft der gewählten Volksvertreter sich, bei der geringen Wählerzahl, an landwirtschaftlichen Themen die Finger zu verbrennen.
    Daher wird ein Abschmelzen der EU-Agrarförderung den Osten mit seiner deutlich geringeren Wertschöpfung je Hektar viel stärker treffen als die bäuerliche LW des Westens.
    Nach Abzug aller Kosten bleibt im sandigen Osten, mit seinen wechselnden Bodenqualitäten aus der eiszeitlichen Entstehung, oft die Erkenntnis hängen, dass eigentlich das Einkommen der Betriebsinhaber weitgehend von den Flächenzahlungen abhängig ist.

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    • Bauer Willi sagt

      @Stadtmensch
      Vor genau 10 Jahren habe ich ein Interview mit Prof. Roeb bei uns im Wohnzimmer geführt. Sinngemäß sagte er damals: „wir brauchen die deutsche Landwirtschaft nicht. Warum also sollen wir die finanzieren“.
      Und nun nennen Sie bitte Gründe dafür.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Super Interview….das hätte man vor zehn Jahren ernsthaft diskutieren sollen. Wir alle haben uns während der gesamten Ära Merkel in der trügerischen Sicherheit befunden, die auf den Füßen der günstigen Energie und der machtvollen Position der Wirtschaft basierten. Niemand hat wirklich daran geglaubt, dass sich das globale Finanzkapital mal gegen uns wenden würde. Wenn alles dem Kapital geopfert wird, dann ist wirklich Ende Gelände. Wohin wollen wir?

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        • Stadtmensch sagt

          Der Herr Professor Roeb konnte klar eingeordnet werden: https://www.bauerwilli.com/streitgespraech-schizophrene-bauern/#comment-5575

          Wertschöpfung mit dem Produktionsmittel Acker, Forst und Grünland verbleibt im Lande. Wenn natürlich irgendwelche anonyme Groups und Holdings darauf nur noch Freizeitressorts, Solar- und Windparks, oder Privatstädte betreiben, fließt Kapital ab und uns wird es dann bald so gehen, wie einem normalen Entwicklungsland ohne Aussicht auf Entwicklung. Man darf ja nicht die Vermögensverteilung hierzulande vergessen. Da ist für. die untere Hälfte der Bevölkerung ohne einen Anteil an der regionalen Wertschöpfung, der zum Überleben ohne aufzumucken reicht, ganz schnell der Ofen aus.

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    • Christian Bothe sagt

      TB: Eine realistische Darstellung und der worst case… Glaube und hoffe es aber nicht,das es so werden wird, da wir in der LW und NGW im Osten wie im Westen schon einiges erlebt haben!

    • Limes sagt

      „Daher wird ein Abschmelzen der EU-Agrarförderung den Osten mit seiner deutlich geringeren Wertschöpfung je Hektar viel stärker treffen als die bäuerliche LW des Westens. Nach Abzug aller Kosten bleibt im sandigen Osten,…“
      Warum dieser Nachteil für Ost? Gibt es denn wirklich einen Unterschied Ost – West – Süd – Nord oder gibt es gar Vorteile für Ost. Sand-, steinige Böden, Höhenlagen mit ungünstigen Bedingungen gibt es in allen Regionen. Allerdings ist es auffällig die Pachtpreise und Bodenpreise im Osten sind signifikant geringer als im Westen und dies seit Jahrzehnten das sollte doch ein grosser Buffer und Vorteil sein. Hinzu kommen noch die enormen Vorteile bezüglich der Betriebsgössen im Osten.
      https://www.situationsbericht.de/3/32-boden-und-pachtmarkt

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      • Thomas Bröcker sagt

        Das Problem im Osten ist der Rückgang der „Veredlung“ über Tierhaltung. Gerade auf den leichteren Böden mit viel Futterqualitäten bei Getreide fehlt die nach der Wende verlorengegangene/abgewanderte Wertschöpfung aus der Tierhaltung in weiten Teilen.
        die Entwicklung geht nur in eine Richtung: Große werden durch noch größere aufgekauft, nur so lässt sich mit den geringen Margen aus Getreideerträgen von immerhin 70 – 80 dt/ha von 30-iger Böden (Das war noch vor 20 Jahren ein Traumziel) bei den heutigen Kosten-Erlös-Relationen für eine immer geringere Anzahl von Betriebsinhabern Gewinn erzielen. Die Möglichkeiten durch neue Photovoltaik im Freiland und Windräder quer zu subventionieren dürften auch am Ende der Fahnenstange angekommen sein. In meinem Umfeld sind in den letzten 2 Betriebe mit über 2.500 ha durch andere Betriebe aufgekauft worden. Diese sind dadurch bei Größen von 6.000 – 8.000 ha angekommen.
        ABL und Freie Bauern haben immer noch die Illusion den Bauernstand hier im Osten neu aufleben lassen zu können. Auch die Succow Stiftung hatte ja die Idee bei Greifswald und Anklam große Flächen u.A. von der BVVG aufzukaufen und dann günstig an Neugründer zur Verfügung zu stellen. Nur die Neugründer sind einfach nicht da … weil der Weg in eine neue kleinteilige Landwirtschaft ohne nationale Alleingänge (die der Wirtschaft insgesamt schaden) ein Irrweg ist.

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        • Arnold Krämer sagt

          Wieder alles richtig beschrieben.
          Nicht nur die landw. Neugründer fehlen, sondern auch die mutigen Unternehmer, die landw. Agrarrohstoffe verarbeiten.
          Das Geld in bäuerlichen Familienbetrieb wird – wenn vorhanden und effizient betrieben- in der Veredelungswirtschaft verdient. Der normale Ackerbau und die EU-Subventionen sind „Beiwerk“
          .

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  9. Reinhard Seevers sagt

    So lange der globalisierte Handel darauf beruht, dass Industriegesellschaften ohne Ressourcen darauf angewiesen sind, Rohstoffe einzukaufen, und hochwertige Erzeugnisse zu verkaufen, so lange wird der Partner darauf bestehen seine Produkte bei Ersteren abzusetzen. Die Agrar Rohstofferzeugung in Hochlohnländern wird immer der Verlierer sein. Man muss irgendwann die Systemfrage stellen und den Kapitalismus und dessen Verknüpfung mit der Politik thematisieren. Tut weh, ist aber notwendig, wenn unsere Gesellschaft überhaupt überleben will.

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  10. Rolf Sieling sagt

    Die deutschen Bauern sind für so eine Demo nicht zu gebrauchen. Besser den Französischen Kollegen den Diesel bezahlen.

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