Bauer Willi
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Oligopol? Nein, aber man kennt sich…

Kürzlich hat die Monopolkommission ein Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittelkette erstellt.

https://monopolkommission.de/de/gutachten/sondergutachten/sondergutachten-auf-eigene-initiative/484-84-sondergutachten-wettbewerb-in-der-lebensmittellieferkette.html

Wer ist die Monopolkommission? Gehört sie zum Kartellamt? Hier die Beschreibung von der Homepage:

„Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Bundesregierung und die gesetzgebenden Körperschaften auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung berät. Ihre Gutachten werden veröffentlicht.“

Hier das Sondergutachten im Volltext. Es sind zwar 287 Seiten, die aber gut gegliedert sind, so daß man sich über die einzelnen Märkte, wie z.B. Getreide, Milch, Fleisch, Kartoffeln oder Zucker schnell informieren kann. Die grafischen Darstellungen machen das Verständnis einfacher.

https://monopolkommission.de/images/PDF/SG/SG%20LLK%202025/Sondergutachten%20Lebensmittellieferkette_Monopolkommission.pdf

Hier einer der Kernsätze, der sich durch das gesamte Gutachten zieht:

S. 87: „Seit etwa dem Jahr 2013 gehen die Preisentwicklungen der Landwirtschaft und den nachgelagerten Stufen zunehmend auseinander. Die Preise der nachgelagerten Stufen bleiben selbst bei sinkenden Landwirtschaftspreisen oft stabil oder steigen sogar, sodass sich zwischen den Stufen über den Jahren eine Preisdivergenz entwickelt.“

Diese Formulierung bedeutet ja nichts anderes, als dass die Gewinnmarge des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) immer größer wird.

Wie aber kann man diesem Oligopol wirksam begegnen? Dazu sollten Sie nachfolgende Meldung lesen:

https://www.agrarticker.de/nachrichten/detail/landwirtschaft-fehlt-durchsetzungskraft/

Ein paar Ausschnitte daraus:

  • „Daher empfiehlt sie, die voranschreitende Konzentration im Einzelhandel zu stoppen und künftige Zusammenschlüsse verstärkt daraufhin zu prüfen, wie sie sich auf die gesamte Lieferkette auswirken.“
  • „Zudem hält die Monopolkommission eine wirksamere Kontrolle gegen Machtmissbrauch für erforderlich. Zwar gebe es Gesetze gegen unfaire Handelspraktiken, Landwirte schreckten aber oft vor Meldungen und Beschwerden zurück.“
  • „Schließlich fordert die Monopolkommission bessere Rahmenbedingungen für die landwirtschaftlichen Betriebe“
  • „Daneben fordert die Monopolkommission, für alle Betriebe die Bürokratielast zu verringern und die Agrarsubventionen anzupassen.“
  • „Eingriffe in die freie Preisbildung lehnt die Monopolkommission ab. „

Ich finde es gut, dass sich die Monopolkommission mit diesem Thema befasst hat. Die Ansätze zur Lösung des Problems sind allerdings alle nicht neu. Bisher hat es aber noch niemand geschafft, den Druck auf die Erzeuger zu verringern.

Die Analyse allein reicht nicht. Eine wirkliche Entspannung kann es meiner Meinung nach nur geben, wenn die Konzerne zerschlagen werden. Dieses eher sozialistische Maßnahme wird jedoch keine Partei realisieren wollen (und können). Folglich wird alles so bleiben wie es ist. Oder wie seht ihr das?

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83 Kommentare

  1. Polymesos sagt

    Das Kartellamt verbietet das Kartell.
    So war die ursprüngliche Idee,
    weil man das Kartell als böse empfand.

    Vielleicht sollte man das mal grundlegend überdenken.
    Böse ist vielleicht nicht das Kartell, sondern das Monopol,
    und ein Kartell ist kein Monopol.

    Große Konzerne hingegen entwickeln sich offenbar
    unaufhaltsam zum Monopol
    mit Schaden für die ganze Gesellschaft.

    Eventuell wäre das Kartell die logische Gegenkraft.
    Wäre das Kartell nicht verboteten,
    könnten sich die derzeit unterlegenen Marktpartner zusammenschließen,
    und dem monopolartigen Konzern auf Augenhöhe begegnen,
    zum Nutzen der ganzen Gesellschaft.

    Das Kartell ist eben kein Monopol,
    sondern die demokratische Version
    des derzeit eher diktatorischen Konzerns.

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  2. Werner Knödler sagt

    Müssen wir Bauern angesichts der aktuellen Situation , wie vor 2 Jahren wieder aktiv werden ?

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    • Schorsch Summerer sagt

      Die einzige Aufgabe des Kartellamts ist für niedrige Verbraucherpreise zu sorgen. Die Drohung damals beruht auf der Tatsache dass wir Bauern angeblich deshalb „streikten“ um für uns bessere Preise durchsetzen zu können. Dass es um bessere Marktbedingungen bzw genau das Thema hier geht interessierte vor allem niemand in der Politik. Als das Kartellamt wegen der Tengelmannübernahme intervenierte ging es auch nicht um die Bauern sondern weil man Nachteile für die Verbraucher befürchtete. Nur dass dann der Gabriel so blöd war dieses zu ignorieren. Die Monopolkommision wird derzeit auch nur aktiv weil man annimmt dass die Handelsketten den Reibach machen und die Preise zu ihren Gunsten bestimmen. Dass die Bauern hinten runterfallen ist doch nur ein Nebensatz, eine Randnotiz. Allerdings bestätigt sie das erste mal dass die Bauern und das Kartellamt damals recht hatten. Ist nur zu spät und das Rad hat sich schon längst weitergedreht. Doch wie immer in einem Rechtsstaat ist Recht haben und Recht bekommen ein Unterschied. Es dreht sich auch darum ob man irgend etwas beweisen kann. Es ist die falsche Vorstellung dass man sich im Hinterzimmer abspricht. Es ist vielmehr das Signal dass man an bestimmten dingen kein Interesse hat ein Angebot abzugeben was dann auf den Anbieter Druck ausübt dieses Angebot anzunehmen. Hatten wir erst vor kurzem ähnlich hier bei einer komunalen Wasserleitung. Dass die untereinander Kopfgenickt haben kannst du nicht nachweisen.

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  3. Stadtmensch sagt

    OT: Die Schwarz Gruppe „investiert“ in die Digitalisierung der Behörden-IT und treibt auch via Schwarz Stiftung sog. GovTech.Projekte voran.
    Weiß nicht warum der Staat das nicht selber kann. So jedenfalls können wir die (so scheint es) Konvergenz von Staat und Konzernen immer noch Demokratie nennen, aber für mich läuft das auf die total verwaltete Welt raus, die die Frankfurter Schule postuliert hat.
    Ist doch immer wieder schön, wie sich die Hierarchie in Gesellschaften wie in einem Absetzbecken gleichen, wenn mal ne Weile niemand drin rumwühlt. Was wir jetzt brauchen ist ein starkes Narrativ. Irgendwas mit Freiheit. Ironie Ende.

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  4. Schorsch Summerer sagt

    Wenn ich das alles richtig interpretiere ist die Monopolkommision vor allem deshalb aufmerksam geworden weil sich Erzeugerpreise und Endverkaufspreise auseinanderbewegen. Bei den einen real nach unten und bei den Verbrauchern real nach oben. Damit ist erstmals auch das Kartellamt betroffen das sich vorrangig nicht um die Erzeugerpreise kümmern muss sondern um möglichst niedrige Verbraucherpreise durch Wettbewerb. Eine hier bereits angesprochene Lösung könnte sein dass sich die Erzeuger viel stärker bündeln müssen damit wieder bei Verhandlungen mit dem Handel eine Parität herrscht. Mengenempfehlungen inklusive. Das ist bis jetzt eben nicht erlaubt. Sobald sich die Erzeuger derzeit stärker bündeln schreitet das Kartellamt ein, siehe BayernMeg. Das ist mit Sicherheit kein Allheilmittel aber es würde zumindest eine bessere Verhandlungsposition ermöglichen. Wir reden hier über Erzeugnisse die weltweit gehandelt werden aber bei einer vergleichsweise marginalen Abstimmung unter den Erzeugern macht das Kartellamt uns einen Strich durch die Rechnung. So kann das nicht funktionieren.
    Eine Konzernzerschlagung scheint mir im übrigen ausgeschlossen. Das würde die Verbraucherpreise nochmals erhöhen und deshalb wird sich in der Politik niemand finden der das befürwortet.

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    • Arnold Krämer sagt

      Was bringen Zusammenschlüsse von Milcherzeugern, wenn die Molkerei nicht leistungsfähig/leistungsstark ist und ein Gegengewicht zum LEH ausüben kann?
      Der LEH ist nicht der Kunde des Milcherzeugers. Das muss man doch irgendwann einmal kapieren!

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      • Reinhard Seevers sagt

        Da wir ja durch jahrelange Diskussion herausgefunden haben😉 , dass sich auch in der Landwirtschaft eine Konzentration auf große Einheiten hin bewegt, wäre es in meinen Augen auch die Konsequenz hin zu einer vertikalen Integration (Erzeuger-Verarbeiter-LEH)…das setzt natürlich Vertrauen auf allen Seiten voraus und politischen Willen, und Aufgabe des „Bauernbildes“ in vielen Teilen der Gesellschaft und der bubble. ….duck und wech.

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        • Arnold Krämer sagt

          Im Schweinebereich entwicklet sich das gerade. (siehe Artikel Hortmann-Scholten in der Ausgabe DLG- Mitteilungen 12/25). Ist aber schwierig in der Umsetzung, weil…..

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        • Christian Bothe sagt

          RS; Hatte es schon mal erwähnt! Bereits 1994 war ich in einer kleinen Fleischholding für das Marketing zuständig:Die Holding bestand aus Primärproduzenten (17000er Schweinemast GmbH,einer EZG),und einer großen Fleischerinnung mit Filialen auf der einen Gesellschafterseite! Dazu als Schlacht-und Zerlegebetrieb mit Verpackung ein EU zertifizierter SH als GmbH! Als letztes Glied der Holding dann eine Wurstfabrik, deren Produkte wurden im LEH gelistet( gibts heute noch die Fa.). Diese Holding arbeitete auf Basis der Regionalität sehr erfolgreich in allen genannten Stufen! Die unterschiedliche Preisgestaltung in den Fleischerfilialen und dem LEH führte zu solchen Ergebnissen bis hin zum Neubau der Wurstfabrik als eigenständige GmbH bis heute…

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      • Tja, dann muss eben auf den Zusammenschluss der Erzeuger der nächste Schritt folgen. Im YT-link weiter unten sammeln die US-Farmer auch nicht nur Mal für ein Kühllager für das Fleisch, sondern für eigene Verarbeitungsbetriebe.
        Auch das muss man doch irgendwann einmal kapieren, sonst bleibt es eben beim gleichen reden.

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      • Nicolai Asmussen sagt

        Hi @Arnold Krämer
        ‚Was bringen Zusammenschlüsse von Milcherzeugern, wenn die Molkerei nicht leistungsfähig/leistungsstark ist…“
        Sind Sie schonmal auf Meiereiversammlungen gewesen.
        Es läuft so ab das die Leute da alle Grünkohl speisen, manche auch fressen.
        Und dann zur Aussprache steht ein Altenteiler auf und schreit:“Ihr sollt mal bessere Preise machen!“

        20 Jahre später:
        Ein Landwirt sagt zu mir:“Ich fahr am Wochenende nach Zeven um was für den Milchpreis zu tun.“
        Eine Woche später…
        „Na Peter, was habt ihr beschlossen? Für den Milchpreis?“
        „Äähhh…“
        „was gab’s denn zu essen?“
        „Äh…‘

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        • Bauer Willi sagt

          @Nicolai Asmussen
          Wenn bei der Mitgliederversammlung niemand aufsteht und etwas sagt, dann sind die Mitglieder wohl mit der Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat zufrieden. Lässt sich auch festmachen an der Zahl der Mitglieder, die zur Versammlung kommen. Aus eigenem Erleben: 40 Mitglieder zur Versammlung bei 1.000 Mitgliedern der Genossenschaft.
          Wahrscheinlich kommt jetzt von Ihnen: „Das bringt ja doch nichts“. Mich ermüden solche Diskussionen…

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          • Nicolai Asmussen sagt

            Nein @Bauer Willi
            Es ist so daß solche unqualifizierten Wortmeldungen eine konstruktive Debatte unmöglich machen.
            Ähnlich wie der stets wiederkehrende Satz:“Warum wird unser Kapital nicht verzinst?“
            Das war die häufigste Frage bei Genossenschaftsversammlungen.

            Als Beispiel:
            Vor 30 Jahren habe ICH das Homeoffice erfunden.
            Es war im Rahmen der Ländlichen Struktur-und Entwicklungsamalyse.
            Es galten die Regeln des Brainstorming.
            Dennoch wurde ich von einem Steuerberater zusammengeschissen.
            „Du bist ein Idiot, sowas wird es niemals geben!“
            Das war noch freundlich.

            Firma Müller hat es richtig gemacht.
            Genausoviel Zucker in die Buttermilch wie in Coca-Cola.
            Und was hatten wir?
            Die Naturbuttermilch mit den fleischigen Stückchen.
            Der Joghurt mit der Ecke wäre niemals entstanden, wenn ein Altenteiler „ihr sollt mal bessere Preise machen“ gerufen hätte.
            Die Gedanken sind frei, und müssen deshalb sofort im Keim erstickt werden.
            Grillgruß
            Nicolai

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      • Schorsch Summerer sagt

        Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, es findet derzeit eine weitere Konzentration unserer direkten Abnehmer, den Molkereien statt. Wir können ja warten bis es evtl auch nur noch drei oder vier Molkereien sind und daaaan wird ja alles besser. Oder? Weiter zu lamentieren dass alles so schlecht ist bringt uns nichts. Ebensowenig darauf zu warten bis man uns etwas übriglässt. Ich habe nicht behauptet dass dies ein Allheilmittel ist doch uns läuft die Zeit davon und nur darüber zu jammern was nicht geht hilft auch nicht. Vielleicht ist der Weg der vertikalen Integration der richtige. Kann auch sein. Doch vor allem werden jetzt die Seifenblasen von kleinen Betrieben platzen. Ich lebe hier in einem wirklich kleinstrukturierten Gebiet. Aber selbst hier haben wir bereits erste Betriebe mit mehr als 400 Kühen und ein ende ist nicht absehbar. Momentan bewegen sich die Milchpreise trotz weiter hoher Betriebskosten nach unten, da werden wieder viele nach dieser einjährigen Atempause das Handtuch werfen. In zwei drei Jahren werden die ersten die 600er Grenze überschreiten. Die „Zusammenschlüsse“ werden dann möglicherweise so oder so kommen. Aber es wäre wenigsten eine Möglichkeit aktiver im Markt zu agieren als nur immer abzuwarten.

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        • Nicolai Asmussen sagt

          Moin @Schorsch Summerer
          „Falls Sie es noch nicht bemerkt haben, es findet derzeit eine weitere Konzentration unserer direkten Abnehmer, den Molkereien statt.“
          Die Molkereien gehören den Milchlandwirten.
          Bis auf Theo Müller.
          Da bekommt man auch nur den Rohstoffwert bezahlt.
          Die Marke ist fremdes Eigentum.

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          • Schorsch Summerer sagt

            servus Nikolai
            Es spielt keine Rolle wer der Eigentümer ist. Egal ob Müller Oder Genossenschaft. Sie müssen wirtschaftlich sein oder sie gehen unter. Die Genossen werden sich schwer bei der Geschäftsführung bedanken wenn die Genossenschaft pleite geht. So einen Fall haben wir gerade bei uns. Aber anderes Geschäftsfeld.

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  5. Jann Petersen sagt

    eine Zerschlagung der Konzerne würde dazu führen dass wieder marktwirtschaft stattfindet, das hat nun allerdings mit Sozialismus nichts zu tun.
    die sozialistische Lösung wäre diese Konzerne zu verstaatlichen……

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    • „eine Zerschlagung der Konzerne würde dazu führen dass wieder marktwirtschaft stattfindet“

      Also verhindert ein Konzern nach Ihrer Auffassung grundsätzlich Marktwirtschaft?
      Das wäre wohl mal eine Erläuterung wert.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Die Rückabwicklung eines Angebotsoligopols ist wohl kaum möglich, da hat das Kartellamt entweder geschlafen, oder es wurde bewusst politisch gewollt (siehe Gabriel).
        Eine Änderung wird m. Ea. nur durch den Verdrängungswettbewerb unter den Oligopolisten passieren, woraus neue Akteure hervorgehen könnten. Allerdings liegt darin auch die Gefahr der Bildung eines Monopols aufgrund des Überlebens des Stärksten.

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  6. Richard sagt

    Der Marktanteil einzelner Lebensmittelhändler muss auf 5% im landkreismittel beschränkt werden. Dann kommt wettbewerb auf

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  7. Werner Knödler sagt

    Das ist doch alles in Ordnung , das wird doch alles durch das völlig unabhängige Bundeskartellamt beobachtet .
    Wie war denn das vor etwa 20 Jahren bei den Milchstreiks und danach hat da eben dieses Amt nicht massiv gegen Preisabsprachen der Bauern gekämpft ?
    Jetzt haben sie noch 4 Lebensmittelhändler und die sagen natürlich völlig unabhängig von einander was Sache ist
    >>> Satire Ende <<<

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    • evonik sagt

      Vor ca. 25 Jahren habe ich zu unserem Bauernfunktionär und MdB gesagt, dass der BV einen Fond einrichten soll, in dem Bauern Geld anlegen können. Damals las ich von 400 000 Bauern in D . Wenn da im Durchschnitt jeder 1000 Euros einzahlen würde, hätten wir 400 000 000.

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      • Nicht auszudenken, wenn die Landwirte so oder so ähnlich 25 Jahre lang getan hätten und sich eine eigene Absatzstruktur aufgebaut hätten, die anderen Absatzwegen Druck machen könnte…
        Aber vielleicht wäre die auch nur Mitglied des Oligopols geworden, nur der Sonderprofit würde an Andere verteilt.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Hätte, hätte Fahrradkette….nun ist es aber eben anders gekommen. Die Geschichte immer neu zu erzählen, führt irgendwie auch nicht zu einem Ziel oder?

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          • Man kann ja aus dem Nichtstun lernen und mal anfangen zu tun, sonst ist auch nix mit dem großen Systemsprengen.
            Dann steht in 25 Jahren der Nächste da und erzählt das Gleiche. „Die Aufkaeufer, der Handel, die Verbraucher“ aber nie „Die Bauern“, weil die haben die Opferrolle.

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  8. Rolf Sieling sagt

    Wir brauchen uns hier nicht in Systemfragen zu verlieren. Es ist doch schön, das die Wirtschaft überall Defizite hatte, DDR und BRD, was letztlich zur Wiedervereinigung geführt hat. Jetzt versucht auch wieder jede Firma Richtung Osten etwas zu verkaufen. Schlimm bleibt, das Wachstum entweder mit Ausbeutung, CumEx oder neuer Wirecard einhergeht. Natürlich offiziell mit Erhöhung der Geldmenge, massiver Kreditvergaben bis zu Ausfall. Ärgerlich wenn man als ehrlicher Mensch nur die Inflation und mangelnde Renten zu tragen hat. Wir haben noch nicht die Probleme mit physischer Unterdrückung, Drogenabhängigkeit oder 70Std Woche. Also warum orientieren wir uns am Welthandel, geben Marktanteile in Europa auf?

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    • Reinhard Seevers sagt

      Naja, wenn eine derart hohe Zahl von Fehlleistungen systembedingt geschehen, dann sollte man doch die Systemfrage stellen. Oder wer soll einen Kopf kürzer für welchen Fehlleistungsanteil gemacht werden?

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      • Christian Bothe sagt

        RS: Genauso sehe ich es und viele andere schon lange! Leider! Das betrifft nicht nur unsere LW und NGW, sondern allgemeine Dinge systemischer Natur…Moechte mich nicht in Einzelheiten verlieren, da das den Rahmen des Blogs sprengen würde…

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      • Na klar kann man die Systemfragen stellen, das haben Sie unter diesem Beitrag etwas drei oder vier mal getan.
        Was bringt das generell, wenn man nichtmal andeutet, wo man hin will?
        Was bringt es speziell dem Problem, das Thema ist?
        Es ist reichlich wohlfeil, sich so inhaltlich leerlaufend über die Systemfrage zu ergehen.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Es wäre ja intellektuell eine Herausforderung sich grundsâtzliche Gedanken zu machen, ob es außerhalb des jetzigen Brummkreisels auch Lösungen geben kann, oder? Sich innerhalb ständig Lösungen zu überlegen, die nicht zielführend sind ist ja irgendwie gaga, oder. Wer war es noch der sagte, es sei Schwachsinn etwas ändern zu wollen und dennoch immer das Gleiche zu wiederholen. Ulrike Guerot versucht seit Jahren eine neue Idee für ein anderes Europa zu finden. Dafür entwickelt sie in Diskussionsrunden und Vortragsreden Utopien, Vorschläge neuer demokratischen Zusammenlebens etc. Man kann keine Lösung haben, wenn die Mehrheit noch nicht einmal das Problem sieht, geschweige denn, bereit ist über andere Lösungen nachzudenken, als die alten. Ein Multiorganversagen kann nicht mit einer Salbe behandelt werden.

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          • Plakative leere Hülsen ventilieren bringt noch weniger als weiße Salbe.
            Wenn man was ändern willb, ist es sinnlos auf eine Mehrheit zu warten, bevor man anfängt nachzudenken.
            Wenn allerdings die Mehrheit der Bauern das Thema nicht interessiert, dann ist auch ok dass nichts passiert, die gesellschaftliche Mehrheit wird sich für die Absatzbedingungen der Landwirte erst recht nicht interessieren.
            Die Mehrheit kauft dann Mercosur-Rindfleisch.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Max, es ist doch logisch, dass kurzfristig nichts geändert werden kann, deshalb muss man ja nicht das Denken gleich ganz ablehnen. Die Systemfrage bleibt ja erhalten, und sie ist nicht auf die Landwirtschaft beschränkt. Was nützt es sich über Absatzformen zu unterhalten, wenn man am Ende nur noch mit zwei Hanseln am Tisch sitzen? Wenn man nicht parallel das ganze Bild im Blick behält, wird man im Kleinen auch nicht weiterkommen.
              Die Umstrukturierung der Landwirtschaft wird aufgrund der Demographie noch viele andere Probleme aufdecken, fürchte ich.

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  9. Christoph aus der Stadt sagt

    Ich weiß natürlich nicht wieviel das zum Einkommen der Mitglieder beiträgt und ich weiß natürlich auch nicht, ob das anderswo überhaupt funktioniern kann, aber die Hohenloher Bauerngenossenschaft hat sich selbst die Voraussetzungen geschaffen, an den Handelsspannen des LEH mitzuverdienen. Sie existiert schon über 100 Jahre, hat eine eigene mittelgroße Bäckereikette und betreibt eine Reihe von zum Teil großen Edekamärkten.
    https://www.hohenloherbauerngenossenschaft.de/ueber-uns/

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    • Bauer Willi sagt

      Ich war 14 Jahre Vorstandsmitglied einer Genossenschaft, die 1901 gegründet wurde.
      https://buir-bliesheimer.info/ueber-uns/
      Sie ist ständig gewachsen und macht heute rund 250 Mio. Umsatz. Vom Haus- und Gartengeschäft haben wir uns vor Jahren getrennt, weil die Marge zu gering war, das dafür notwendige Fachpersonal zu finanzieren. Wenn im Umkreis von 10 km drei Baumärkte sind, kann man da nicht mithalten. Der Bau einer Tankstelle hingegen war sehr interessant, weil es tatsächlich einen „weißen Fleck“ gab. Edeka-Märkte zu betreiben ist ein Geschäft wie jedes andere und der Anteil der Ware von Mitgliedern der Genossenschaft dürfte im niedrigen einstelligen Bereich liegen.
      Fazit: wenn es sich für die Mitglieder einen Mehrwert bietet, muss man es machen.

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      • Christoph aus der Stadt sagt

        @ bauerwilli Ebenfalls in Hohenlohe gibt es auch die Die „Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall“, die ebenfalls auschließlich den beteiligten Landwirten gehört und die für das Schwäbisch-Hällische Landschwein bekannt ist, wobei auch Rinder und Schafe im Programm sind. Die Erzeugergemeinschaft profitiert an der gesamten Wertschöpfungskette, da sie selbst schlachtet, verarbeitet und vermarktet (bis hin zum Endprodukt). Die Produkte sind alle qualitativ und preislich im gehobenen Bereich angesiedelt. Verkauft wird durch eigene Verkaufsstellen, Handwerksmetzger, Gastrofachmärkte, aber auch Aldi hat hier ein Wurstdosenset von denen (Leberwurst 200 g ca. 3,-) Keine Ahnung, ob die auch außerhalb von Baden-Württemberg bekannt sind, ich kaufe deren Produkte jedenfalls sehr gern. Der Umsatz liegt bei ca. 80 Mio. Aus meiner Sicht des Städters und Konsumenten erscheint mir dies ein erstrebenswertes Modell für Landwirte zu sein, die dadurch mehr Unabhängigkeit vom LEH erlangen können.

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        • Kemetbauer sagt

          @CadS
          Die BESH hat mit dem Schwäbisch Hällischen Landschwein aber auch ein Alleinstellungsmerkmal. Selbst wenn die heute auch Weiderinder und Schafe vermarkten, wirkt nach außen vor allem das SH-Schwein. Die haben die alte „Marke“ wiederbelebt, begrenzt züchterisch verändert und damit den Grundstock für die Erzeugergemeinschaft und die sich daran anschließende Verarbeitung und Vermarktung gelegt. Insgesamt kann man sagen: Gut gemacht!
          btw: In meinem früheren Direktvermarkterleben habe ich auch SH-Schweine gezüchtet und das Fleisch vermarktet. Als ich dann den Ortswechsel vornahm, wollte ich hier neben Rindern auch SH-Schweine im geschlossenen System halten. Ich hatte allerdings keinen Vermarkter gefunden. Die Schweine passten nicht in die Verarbeitungslinien. Selbst im Ökobereich setzt man heute auf perverse 58 bzw. 60% MFA. Wer soll denn diese Magerlappen essen?

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          • Christoph aus der Stadt sagt

            Ich glaube übrigens auch, dass ein solch genossenschaftliches Vermarktungsmodell (vom Erzeuger bis zum Endprodukt), wenn die „Marke“ erst mal aufgebaut ist und auch wenn es keine Bioware ist, beim Verbraucher mehr Vertrauen genießt als bespielsweise Bioware vom Discounter. Letztere bleibt immer Ware ohne Identität, die auch mit aufgeklebten Qualitäts- und Tierhaltungssiegeln immer nur über den Preis verkauft wird.

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          • Limes sagt

            „Die Schweine passten nicht in die Verarbeitungslinien. Selbst im Ökobereich setzt man heute auf perverse 58 bzw. 60% MFA. Wer soll denn diese Magerlappen essen?“
            @K Offensichtlich gehen sie weder Einkaufen noch ins Restaurant oder Kantinen denn dann wüssten sie die überwiegende Mehrzahl der Einkäufer/innen, Besucher/innen entscheidet sich gegen fette Produkte. Regelmässig heisst es dann bitte ohne Fettrand, schneiden sie den weg.
            Daher kein Wunder das die Verarbeiter ihre Ideen nicht in ihre Verarbeitungslinien aufgenommen haben, wer will schon für einen kleinen Wolkenkuckucksheimmarkt, vorbei an der Mehrzahl der Verbraucherwünsche, aufwendig und kostenintensiv arbeiten.

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            • Kemetbauer sagt

              @L
              Sie haben natürlich recht; ich kaufe kein Fleisch im Handel. Es wundert mich allerdings, dass Sie Fettgehalt ausschließlich mit der Fettabdeckung, dem subkutanen Fett, gleichsetzen. Wesentlich wichtiger für den Geschmack sind inter- und intramuskuläres Fett. Nahezu fettfreies Fleisch bekommt seinen „Geschmack“ fast ausschließlich über die verwendeten Würzmittel. Genau das scheint leider der aktuelle Trend zu sein.
              Sie haben auch recht mit der Aussage, dass die Ökos für einen kleinen Markt produzieren. Klein und fein, war mal unser Motto. Leider haben unsere größenwahnsinnigen Sesseletagen diesen Slogan, durch die Zusammenarbeit mit dem konv. LEH, komplett pervertiert. Aber, so langsam regt sich Widerstand.

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              • Christian Bothe sagt

                KB: Direkt mal eine gute Aussage von Ihnen zum Geschmacksträger Fett beim Schweinefleisch! Genau deshalb haben wir mit Leicoma gearbeitet und die Schlachtausbeute( Magerfleischanteil war um die 55% + und -! Mit dem Pietrain Schwein konnten wir unter unseren Haltungsbedingungen nichts anfangen…

  10. Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

    Die Kommission gibt es offenbar ja schon lange. Wenn sie irgendetwas bewirken würde hätten wir doch nicht die heutigen Verhältnisse.

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    • Ja, wenn

      dond die zu faul dazu

      oder

      werden die von jemanden unterdrückt,
      dass es zu ansttengend für die ist?

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  11. Thomas Bröcker sagt

    Es wird sich eher noch mehr konzentrieren, als dass Irgendetwas zerschlagen wird. Das Ende der Entwicklung ist dann beginnende Personalunion in Politik UND Wirtschaft. Da muss man gar nicht Trump und Musk bemühen, unser Black Rock Kanzler ist das beste Bespiel.
    Die Spitze des Zentralismus war die „Diktatur des Proletariats“ im ehemaligen Ostblock. Auch Handel und Warenverteilung waren absolut zentralisiert. Planwirtschaftliche Organisation lähmt aber prinzipiell jede Initiative zur Innovation. Zumal das sozialistische Wirtschaftssystem objektiv ebenso auf Wachstum ausgerichtet und davon abhängig war wie das westliche. Die tatsächliche Inflation wurde optisch einfach weggebügelt.
    Damals hieß es: „Schicke einen sozialistisch geprägten Ökonomen in die Wüste und es passiert 10 Jahre lang gar nichts … danach wird der Sand knapp“.
    In der Landwirtschaft haben die Ökonomen mit der Agrarpreisreform von 1983 versucht die Abläufe in den Betrieben realer abzubilden und die Betriebe zu wirtschaftlichem Denken zu bewegen. Letztlich fällt oder steigt die Motivation der Menschen mit der mehr oder weniger ausgeprägten Möglichkeit persönliche Vorteile aus seinem Engagement zu haben (Lohnniveau, Prämienhöhe, gesellschaftliche Anerkennung und Status usw.).
    Die Endverkaufspreise haben damals den tatsächlichen Aufwand für die Produktion nicht mehr abgebildet … durften aber aus politischen Gründen für den Grundsicherungsbedarf (essen, wohnen, Kultur) nicht steigen.
    Das Wort Inflation durfte nicht verwendet werden, denn der „Arbeiter und Bauern-Staat“ wollte der bessere („vormundschaftliche“) Sozialstaat als der Westen sein. Deshalb wurden die Endverkaufspreise nur unwesentlich verändert und die lw. Produktion eben mit Steuermitteln direkt in den Betrieben über Festpreise subventioniert. Im Grunde unterschied sich diese Vorgehensweise kaum von der heutigen.
    Die Folge war definitiv ein enormer Produktivitätsschub in der LW.

    Die Chinesen haben die entsprechenden Schlussfolgerungen aus dem Niedergang des sozialistischen Systems im Ostblock gezogen … mit Erfolg. Die frage ist nur, ob das im Endeffekt und in der weiteren Entwicklung etwas Anderes wird als der extrem monopolisierte Westen.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Es muss doch die Frage erlaubt sein, ob Wachstum der einzige Weg zum Erhalt von Staat und Gesellschaft sein muss. Es muss auch mal über alternative Ökonomiefragen diskutiert werden dürfen, ohne dass ständig die Erzählung der Alternativlosigkeit folgt. Es gibt Grenzen des Wachstums, wie wir doch gerade erleben, also ist eine andere Denkweise dringend notwendig.
      Wer sich gleich wieder in eine bashing – Position begibt kommt auch nicht weiter

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      • Thomas Bröcker sagt

        Guten morgen Reinhard,
        irgendwie meine ich mich zu erinnern, dass insbesondere Du einen Degrowth- Ansatz in der Wirtschaft (eine Wirtschaft, die innerhalb der planetarischen Grenzen ein gutes Leben für alle ermöglicht – ohne den ständigen Zwang zur wirtschaftlichen Expansion) für falsch hieltest.
        Ich habe immer noch die Hoffnung, dass so etwas möglich ist und wollte nur aufzeigen, dass die Wirtschaft in der ehemaligen DDR auch ein Wachstums-Modell war. Die Chance es weiter zu entwickeln haben die Bürger für „Bunt und Bananen“ vergeben.
        Man muss deswegen ja nicht in Depression verfallen … aber ein wenig von der Einstellung, vor Ort zu tun was man kann und nicht ständig nur auf die Dinge zu schauen, die man (momentan oder überhaupt) nicht ändern kann, macht das (kurze ) Leben auch nicht lustiger. 😎😉

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        • Reinhard Seevers sagt

          Degrothw muss ja nicht die einzige Antwort auf ein alternatives Wachstum sein, oder? Man muss an die Geldpolitik ran, denn das Wachstum ist doch nur aufgrund des Geldes und seiner Verzinsung notwendig. Tauschhandel funktioniert ebenso wenig, weil die meisten nichts zu Tauschen haben….Denkverbote helfen ebensowenig.

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      • Arnold Krämer sagt

        Grenzen des Wachstums gibt es, wenn man die rein materielle Seite und den Globus als Ganzes in den Blick nimmt.
        Es gibt aber keine Wachstumsgrenzen, wenn man Wachstum als Lernen begreift. Es gibt keine Grenzen des Lernens, höchstens individuell.
        In kapitalistischen Systemen ging das Lernen eben breiter und schneller voran als in sozialistischen. T.B. hat es beschrieben. Nur beim Weltraumflug waren die Sozialisten/Kommunisten schneller als die Kapitalisten.

        Die Verlustängste halten die meisten Menschen in den kapitalistischen Ländern davon ab, alternativ zu wählen. Freiheit im breitesten Sinne steht dagegen nicht so hoch im Kurs. Dafür ist das Sicherheitsbedürfnis wiederum viel zu groß.

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        • evonik sagt

          Der Aufstieg der AFD wird wohl mit der Wirtschaftskrise zusammen hängen. Mir jedenfalls empfehlen ein paar Leute, die in kriselnden Industriebetrieben arbeiten, die AfD zu wählen.
          Ich habe dann geantwortet, dass ich der AfD keine gute Sacharbeit zutraue.

          Ich höre auch von Leuten, die Personalentscheidungen treffen können, dass ca. 40 Jahre eine Altersgrenze ist:

          Die Jüngeren können nicht mehr arbeiten!

        • evonik sagt

          Nur beim Weltraumflug waren die Sozialisten/Kommunisten schneller als die Kapitalisten.

          Das waren wohl noch die Nachwirkungen des kapitalistischen Systems

            • evonik sagt

              Hab ich was von der UdSSR geschrieben Hr. Seevers? Da muss man in größeren Zeiträumen und psychologisch denken. Z B. der Dieselskandal bei VW:
              Da habe ich anfangs gedacht, das käme vom dauernden Sozi wählen in Hannover/Niedersachsen. Dann höre ich aus Fachkreisen, dass Niedersachsen ein lasches Abitur hat.
              BMW (Bayern) und Daimler (BaWü) aus Bundesländern mit anspruchsvollerem Abitur hatten die Probleme nicht(weniger).

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    • Christian Bothe sagt

      TB: Sehr gut analysiert auch heute wieder! So war es halt und selbst in meinem VEG konnte ich so jaehrlich einen hohen Gewinn realisieren und diesen an den Staat abführen! Bemerkenswert ist Ihre Feststellung am Ende : “Im Grunde unterschied sich diese Vorgehensweise kaum von der heutigen.”

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        • Christian Bothe sagt

          Peter: Aber es reichte, um gut leben zu können…Außerdem gab‘s Forum Checks…🤭

            • Reinhard Seevers sagt

              Ich glaube, dass eine derartige Diskussion über „Freiheit“ aus westlicher Perspektive etwas spookie daherkommt. Wer nicht in dem System gelebt hat, kann in meinen Augen nur den Blick des „Besserwissers“ haben.
              Gerade der Begriff „Menschlichkeit“ findet sich bei Menschen aus dem Osten aus meiner Perspektive stärker wieder, als im Westen.
              Ich habe die Erfahrung 1990 ff gemacht, dass der Wessie arrogant und überheblich rüberkam. Er war frei, das Kapital sprechen zu lassen, er war oder ist deswegen aber nicht automatisch menschlicher.
              Es ist keine Relativierung der Geschichte, aber eine andere Sicht auf Menschen in unterschiedlichen Systemen, von dem der eine immer meint, die seine sei die Bessere, was ja zur Grundlage für alle hegemonialen Bestrebungen der westlichen Welt mutiert ist.

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              • Arnold Krämer sagt

                Das sehe ich genauso. Aber ich muss Herrn Bothe immer mal wieder etwas zum Nachdenken „mitgeben“, da mir seine LPG-„Herrlichkeit“ auch etwas befremdlich vorkommt.

                Der Satz „Ohne Freiheit stirbt die Menschlichkeit“ stammt vom Buchdeckel des dystopischen Romans „WIR“ von Jevgenij Samjatin (geschrieben 1920)

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                • Christian Bothe sagt

                  AK: LPG Herrlichkeit? War nur in VEG‘s tätig! Und das war von der Organisation nicht der schlechteste Teil der LW..,Aber woher sollen Sie das wissen??

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                • Christian Bothe sagt

                  AK: Ist ja nett, das Sie mir „schulmeisterlich“ etwas zum Nachdenken geben…Würde ich mir als Ossi gegenüber den westdeutschen Bauern und ihrer Historie allerdings nie getrauen…So arrogant bin ich nicht! Zu den LPGen nur mal soviel, diese waren und sind die Basis für erfolgreiche Großbetriebe (AG, GmbH) im Osten, falls Sie mal dahin kommen!
                  Was das „Eingemauertsein“betrifft, haben Sie natürlich recht, aber wenigstens konnte man die Weihnachtsmärkte damals ohne Mauern und Polizei besuchen…

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              • Limes sagt

                Na ja so einfach ist es dann doch nicht mit Schwamm drüber und das waren ja alles „gute und bessere Menschen“
                Finden sie es menschlich und gut wenn Menschen die Freiheiten geniessen wollen und woanders vorbei schauen oder leben wollen an der Grenze erschossen werden. etwas spookie oder

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            • Christian Bothe sagt

              AK: Sie haben nicht hier gelebt wie viele unserer Landsleute? Also sollte man mit solchen Sprüchen vorsichtig sein…

            • Nicolai Asmussen sagt

              Moin @Arnold Krämer
              „Wer seine Freiheit will, kann auch arbeiten!“
              Zitat eines Landwirtes mit 3 Söhnen.
              „Wer Geld will, kann auch arbeiten.“
              Zitat von mir.

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  12. Reinhard Seevers sagt

    Die Ökonomie zwingt alle Beteiligten zu einer mindestens Kostendeckenden Arbeitsweise. Die Verzinsung des Kapitals und die Fluktuation des Wertes führen zu einem Zwang des „mehr“ Verdienens. Am Ende steht dann noch die Befriedigung des Aktionärs oder des persönlichen Egos. So lange dieses System das Handeln bestimmt, wird sich nichts ändern. Ich wäre für einen Zusammenschluss der Bürger, der ihm versorgenden LEHs, der Verarbeiter und der Rohstofferzeuger. Es muss eine institutionelle Einrichtung geben, die einen Ausgleich schafft, ohne, dass von außen eindringende Ware darauf einen Einfluss hat. Die reine Marktwirtschaft ist bei den regional/nationalen Erzeugnissen damit begrenzt. Ausländische Ware wird nicht ausgeschlossen, nationale aber gesetzlich präferiert.

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    • „Tolle Idee“ für Exportweltmeister.
      Aber gut, das ist ja auch bald vorbei und dann regelt sich ganz von selbst auch die Importfähigkeit runter.
      Wird bestimmt schön für uns alle.

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    • Nicolai Asmussen sagt

      Moin
      „Die Ökonomie zwingt alle Beteiligten zu einer mindestens Kostendeckenden Arbeitsweise. “

      Betriebswirtschaftlich oder nach Steuerrecht?
      Grüße
      Nicolai

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  13. Rolf Sieling sagt

    Das Lieferkettengesetz und eine verbindliche Angabe der Herkunft war in der Umsetzung. Völlig verständlich das genau der importabhängige Handel dagegen Sturm läuft. Eine simple Möglichkeit, wenig Arbeit mit dem Gesetz zu haben, ist in der EU einzukaufen. Moral und Ehrlichkeit fehlen ohnehin, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik. Zuletzt betrügt man sich gegenseitig, damit die Quartalszahlen stimmen. Es geht doch nicht mehr darum das beste Produkt zu erzeugen, in einer Kreislauf Wirtschaft und mit Perspektive für Generationen. Solche Firmen wie TEMU oder SHEIN fehlen uns noch bei Kartoffel und Brot.

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  14. Arnold Krämer sagt

    Außer Obst, Gemüse und Eier sind die Erzeugnisse der Landwirte nicht direkt konsumfähig. sondern müssen als Agrarrohstoffe erfasst, verarbeitet und veredelt werden. Und selbst die genannten Produkte müssen wegen der Saisonalitaet teilweise industriell oder handwerklich verarbeitet werden. Die privat oder genossenschaftlich organisierten Firmen, die diese Aufgaben übernehmen, sind die Kunden des Landwirts. Von diesen werden sie bezahlt.
    Und das klappt in Teilbereichen ökonomisch auch sehr gut für den landw. Agrarrohstofferzeuger. Ich nenne hier einmal die Bereiche Industriekartoffeln (Speise) und Masthähnchen.

    Warum ist das so? Weil hier auf der Gegenseite zum Oligopol des LEH auch ein Oligopol aktiv ist, das steuert und kein Interesse an struktureller Überproduktion hat, sondern weiß, dass man leistungsfähige Rohstofflieferanten braucht und entsprechend auch gut bezahlen muss.
    Also bitte immer genau hinschauen über welche Bereiche man spricht und Vorsicht bei den (Vor-)Urteilen.

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    • Rolf Sieling sagt

      Herr Krämer, genau in den direkt konsumfähigen Bereichen Obst und Gemüse haben wir Selbstversorgung 30%. Das funktioniert natürlich im Ausland bei 2€ Stundenlohn auch. Bei Geflügel und Eiern besteht vielleicht noch die Angst vor SARS oder Salmonellen beim Handel. Komischerweise hinterfragt aber Niemand die weltweiten Risiken in den Lieferketten, das senkt die Rendite. Selbst an Energie aus Russland, Lithium aus China oder Palmöl aus dem Regenwald wird bis zuletzt festgehalten. Wahrscheinlich ist Deutschland dort auch investiert.

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    • Bauer Willi sagt

      @A.K. Ich ergänze die Aufzählung um Zucker und Zuckerrüben. Funktioniert seit Jahrzehnten. Für das nächste Jahr wird den Rübenanbauern eine Einschränkung des Anbaus empfohlen. Hoffentlich wird es auch realisiert.

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      • Thomas Bröcker sagt

        Ich denke, dass es für die Preisbildung am Weltmarkt wurscht ist ob der Einzelne den Anbau einschränkt.
        Beim Apfel gab es 2017 wegen der Ausfälle in GANZ Europa erstmals seit Langem wieder auskömmliche Preise. Die Ausfälle im Osten der Republik in anderen Jahren hatten hingegen kaum Einfluss auf die Preise. Ich glaube daher nicht, dass persönliche Einschränkungsentscheidungen im Betrieb und selbst nationale Mindermengen einen großen Einfluss auf die Preise haben.

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        • Arnold Krämer sagt

          Betriebsindividuelle Einschränkungen sind nur dann für den einzelnen Landwirt einkommenswirksam, wenn sie von oligopolistisch wirksamen Integratoren auf der Verarbeitungsseite vollzogen werden. Der Marktzugang vom Weltmarkt und seine Regeln ist dann noch einmal wieder ein anderes Thema.

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      • Vielleicht braucht es eine Stelle, die die Bauern zwingt, die Hoffnung von BW zu erfüllen? Sonst jammern die nächstes Jahr wieder weil die Preise so schlecht sind.

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  15. Adi Bauer sagt

    Wer hätte Interesse an einer Veränderung? Ausser den Landwirten wohl kaum jemand.
    Erzeugergemeinschaften haben meist eine Spanne unabhängig vom Preis. Und der zermürbende Kampf mit einer handvoll Abnehmer lähmt doch jede Bereitschaft, sich jede Woche meist erfolglos mit den Abnehmern zugunsten der Mitglieder auseinanderzusetzen. Zumal diese auch die untetschiedlichsten Ansätze mitbringen. Keine Frage, wir brauchen sie, sie leisten gute Arbeit, aber wir dürfen von EG etc nicht erwarten, dass schier Unmögliches erkämpfen.
    Die Politik? Den Politikern ist eben nur an möglichst günstigen Lebensmitteln gelegen, siehe die jüngsten Ereignisse.
    Eine Kaniber, die öffentlich Werbung für Mercosur macht, ein Rainer, der nur Innovationen duldet, die der Industrie dienen, eine v.d.Leyen, die ihre Macht zugunsten dieser unseligen Ukraine durchsetzt. uvm
    Der aufnehmende Handel???
    Ein nicht zu unteschätzender Anteil von bäuerlichen Vertretern in Vorständen und Aufsichtsräten wurde nicht aufgrund ihrer Kampfbereitschaft und Widerstandkraft in diese Gremien gewählt….
    Alles seit Jahrzehnten bekannt und geduldet.
    Wurde doch allein durch die Konzentration auf unterster Abnehmerseite eine Abliefermentalität gefördert, die jede Verhandlungstätigkeit erstickt.
    Meiner Meinung nach ein nicht zu lösender Knoten.

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  16. Frikadellen piet 47 sagt

    moin ein altes Problem ganz viele Produzenten und weniger Abnehmer die den Preis bestimmen. eine wirklich realistische Lösung kenne ich nicht. ganz radikal wäre wenn alle Bauern keine Lieferungen mehr unternehmen. dann würde vielleicht irgendwann die Ware knapp bei meinem Bild. aber wissen sollte man dass wir in einer Weltwirtschaft leben und daher würde es immer Männer geben die etwas nach Deutschland produziere Handel meine ich. kurz gesagt wir müssen also damit leben schönen Sonntag und schöne Essen Advent

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    • ach, Nestle, Aldi u. Co holen holen dann 8m Ausland.

      Aber die Landschaftspflege, was wird dann aus ihr?

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