Bauer Willi
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Wir haben uns auseinandergelebt…

Es klingt wie der Trennungsgrund für eine gescheiterte Ehe, und in gewisser Hinsicht ist es das auch: Wir haben uns auseinandergelebt. Noch nie in der Geschichte der Menschheit waren die Lebensmittelkonsumenten weiter von den -produzenten entfernt als heute. Der Verbraucher weiß schon lange nicht mehr, wie das Essen entsteht, das täglich auf seinem Teller landet, wie es angebaut, gepflegt, gezüchtet, geerntet, geschlachtet, verarbeitet, oder kurz: hergestellt wird – ganz egal, ob er in der Kantine isst, im Edelrestaurant, an der Imbissbude, oder ob er im Supermarkt vor langen Regalen voller bunter Plastikverpackungen mit kleingedruckten Inhaltsangaben steht. Und wir Bauern, die wir ganz am Anfang dieser Produktionskette stehen, wissen im Grunde auch nicht mehr, was die Verbraucher eigentlich wollen. Es klafft eine riesige Lücke zwischen Ihnen, liebe Verbraucherin und lieber Verbraucher, und mir, dem Bauern. Und auf beiden Seiten mehren sich Unmut und Unzufriedenheit, Ärger und Schuldzuweisungen.

Jede Woche gibt es einen neuen Skandal, der mit der Landwirtschaft zu tun hat beziehungsweise uns Bauern angekreidet wird: krebserregende Düngemittelrückstände, geschredderte Küken, sterbende Bienen, verschmutztes Grundwasser. Und überhaupt: geschundene Tiere, ausgelaugte Böden, verheizte Erntehelfer zu Dumpinglöhnen. Man könnte meinen, wir Bauern hätten bewusst ein perfides System installiert, mit dem wir rücksichtslos jeden Cent aus Mutter Natur quetschen, um uns selbst zu bereichern und den Rest der Bevölkerung die Zeche dafür zahlen zu lassen. Auf der anderen Seite klagen Bauern seit Jahren über brutale Preiskämpfe auf globalen Märkten, Wachstumszwang, Existenzängste und fehlende Nachfolger einerseits, und andererseits über das Schicksal des Buhmanns, dem keiner dafür dankt, dass er die Grundlagen für unser aller täglich Brot schafft. Wer möchte sich heutzutage denn noch die Hände mit Landwirtschaft schmutzig machen und gleichzeitig dafür auch noch angeklagt und beleidigt werden?

Dieses Dilemma ist keine zufällige Entwicklung. Und es ist erst recht kein Pech nach dem Motto „Dumm gelaufen, Bauer, da kann man eben nichts machen“. Die eigentliche Sauerei ist, dass sich einige wenige Akteure die Taschen voll machen, während sich die anderen gegenseitig vorwerfen, an der Misere Schuld zu sein. Die „Mittelsmänner“, wie ich sie nennen möchte, die vor allem von dem Geschäft mit unserem Essen profitieren, werden deshalb neben den Verbrauchern und uns Bauern eine wichtige Rolle in diesem Buch spielen. Gemeint sind der Handel (Discounter, Supermärkte etc.), die großen Lebensmittelkonzerne, aber natürlich auch die Politiker, die den gesetzlichen Rahmen für das Geschäft mit unserem Essen gestalten und verantworten. Auch wenn das erste Glied der Kette (wir Bauern) mit dem letzten Glied ( Ihnen,den Verbrauchern) kaum noch in Kontakt kommt, sind dennoch alle mit allen untrennbar verbunden und deshalb auch verantwortlich für die ganze Sauerei.

Es wird um Verbraucher gehen, die „doch nur kaufen, was angeboten wird“. Es wird um den Handel gehen, der die Verbraucher mit Billigpreisen bei Laune hält, um von der Konkurrenz nicht abgehängt zu werden. Es wird um Lieferanten gehen, die sich gegenseitig ruinieren, vom Handel und den Lebensmittelkonzernen zum Preisdumping gedrängt, weil der Verbraucher „nun mal billige Produkte möchte“. (Sie merken schon: Man kommt bei der Diskussion nicht drum herum, zu verallgemeinern, um das Problem zu erklären. Natürlich gibt es nicht nur „böse“ Produzenten, Händler und Politiker, aber an manchen Stellen lassen sich solche Schwarzweißbilder kaum vermeiden, um die Sauerei im Kern zu verstehen.) Gerne werden wirtschaftliche Zwänge vorgeschoben und die Mechanismen der Marktwirtschaft als Erklärungen angeführt, um die einzelnen Marktteilnehmer aus der Verantwortung zu ziehen. Aber nur weil uns „der Markt“ die aktuelle Situation beschert hat, heißt das noch lange nicht, dass wir nichts daran ändern könnten. Vor allem dann nicht, wenn kaum noch jemand wirklich glücklich damit ist, und diesen Punkt haben wir längst erreicht.

Dies ist eine kleine Leseprobe aus meinem Buch “SAUEREI!” Zum selber lesen oder zum Verschenken. Vielleicht ja jetzt zu Weihnachten, aber ruhig auch später…

Euer Bauer Willi

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47 Kommentare

  1. Andreas Müller sagt

    Welche Rolle spielen eigentlich der Grosshandel, die Agrargenossenschaften und die Grundnahrungsmittelhersteller in diesem “Spiel” und beim Preisdiktat? Haben die keine Margen? Berichtet Bauer Willi, steht über diese auch etwas in Deinem Buch? Dann würde ich es vielleicht kaufen.

    • Bauer Willi sagt

      Ja, das alles steht in dem Buch. Aber du musst es deshalb nicht kaufen. Vielleicht leiht es Dir ja jemand aus…
      Bauer Willi

      • Andreas Müller sagt

        Wenn du das sagst, blättere ich mal in einer Buchhandlung rein. Steht bestimmt auch was zu den Gutmenschen vom Zuckerkartell in Deutschland ; ) Lese jetzt erst mal das Buch Intelligentes Wachstum von Ralf Füchs…

        • Bauer Willi sagt

          Mach das. Wenn Du damit durch bist, kannst Du hier ja mal eine Rezension schreiben. Intelligentes Wachstum interessiert ja sicher viele … 😉

          Meine ich ernsthaft.

          Bauer Willi

          • Andreas Müller sagt

            Mal sehen, Willi, ob ich hier mein Wissen an neoliberale und konservative Bauern weitergebe. Die müssten sich dann doch ändern…

            • Andreas Müller sagt

              …. und wer will von nichts gewußt haben?

              Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: „Die Zuckerhersteller haben ein „Gebietskartell“ gegründet und sich über viele Jahre darüber abgesprochen, sich beim Vertrieb von Zucker in Deutschland im Wesentlichen auf ihr angestammtes Gebiet zu beschränken und den anderen Kartellbeteiligten nicht in die Quere zu kommen. Zuckermengen wurden eher ins Ausland exportiert, als dass sie an Kunden im Gebiet der Wettbewerber abgesetzt wurden. Die Absprachen zwischen Nordzucker, Pfeifer & Langen und Südzucker zielten darauf ab, möglichst hohe Zuckerpreise zu erzielen. Diese Form der Koordinierung war nicht durch die Regulierung der europäischen Zuckermärkte vorgegeben. Trotz des Quotenregimes und Mindestpreisregelungen ist Wettbewerb um Absatzgebiete, Kunden und Kundenpreise im Zuckermarkt möglich und zum Schutz eines funktionsfähigen Restwettbewerbs auch erforderlich, um die Nachfrager vor einer noch stärkeren Verfälschung des Wettbewerbs zu schützen. Die bebußten Unternehmen haben sich das europäische Quotenregime, die Mindestpreisregulierung und die hieraus resultierende hohe Markttransparenz für ihre Abstimmung zunutze gemacht und auch noch den Restwettbewerb beschränkt. Der Fall zeigt damit eindrucksvoll, wie eine umfassende Marktregulierung dazu beitragen kann, dass es zu Wettbewerbsbeschränkungen zu Lasten der Kunden kommt.“

              Die Grundabsprache zur Wahrung des Heimatmarktprinzips machte immer wieder Kontakte auf Geschäftsleitungsebene und auf Ebene des Vertriebs erforderlich. Abgesichert wurde die Gebietsabsprache durch Preis- und Mengensicherungsmaßnahmen im Inland sowie Maßnahmen zur Import- und Exportsteuerung. Wenn das Grundverständnis der Zuckerhersteller über die Respektierung der Kernabsatzgebiete in Gefahr war oder jedenfalls Anpassungsbedarf bestand, kam es zu entsprechenden Einzelkontakten. Entweder – unter eher strategischem Blickwinkel – auf Ebene der Geschäftsleitungen oder – unter eher operativem Blickwinkel – auf Ebene des Vertriebs. Die Einzelkontakte betrafen z. B. Werksschließungen, Expansionsstrategien, Quotenverteilungen und Preisabsprachen bei Verarbeitungs- und Haushaltszucker. Auch Sachverhalte wie z. B. Änderungen der europäischen Zuckermarktordnung, die EU-Osterweiterung oder Veränderungen in den Import-Exportströmen führten zu Abstimmungen im Interesse eines weitgehend einvernehmlichen „Kunden- und Mengenmanagements“

            • Andreas Müller sagt

              Wieso hat Herr Kremer-S. eigentlich so viele Zuckerfabriken dicht gemacht und abgewickelt?

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              @ Andreas Müller

              Haben sie ein persönliches Problem mit Bauer Willi?

              Meines Wissens war Bauer Willi weder Eigentümer einer Zuckerfabrik noch Insolvenzverwalter.

              Wissen sie mehr, dann teilen sie es uns mit.

            • Andreas Müller sagt

              Wer an alle austeilt, Grüne verunglimpft, gentechnikfreundlich agiert, konservative Bauern und auch sich selbst schont, dem wünsche ich gerne etwas mehr Selbstkritik zu früheren Handeln. Aber Schuld sind scheinbar immer die Einzelhändler und Ökofuzzis.

            • Bauer Willi sagt

              @Andreas Müller
              Nicht ich habe drei Zuckerfabriken abgewickelt, sondern dreimal meinen Arbeitsplatz verloren. Übrigens immer im landwirtschaftlichen Bereich. Aber das können Sie ja nicht wissen…Oder doch? Es geht Ihnen ja wohl mehr um die Herabsetzung der Person und weniger um die Sache. Und da sind Sie nicht der Erste, das kenne ich schon.

              Und so wirklich weiß ich auch nicht, was meine frühere Tätigkeit mit diesem Blog zu tun hat.

              Mit den Begriffen “neoliberal” und “konservativ” kann ich leben. Ich bin halt kein Revolutionär und stelle auch nicht den Anspruch, dies zu sein.
              Bauer Willi

            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Ach Herr Müller,

              soll ich jetzt den Heiligenschein über die Grünen halten, oder die Grünen als Mutter Theresa Nr. 2 verehren?

              Kann mich noch gut an unberechtige Beschimpfungen der Grünen gegenüber konv. wirtschafteten Landwirten erinnern, das kam bei einigen gut an, welche die Heile Welt des ÖKO Bauern propagierten und auch ÖKO Lebensmittel kauften, wenn die nicht teurer waren, als die konventionelle Ware.

              Wer zum einen, Bauern vorhält, sie wären konservativ, auf der anderen Seite eine Gentechnikfreundlichkeit vorwirft, ist wenig glaubhaft, beides zusammen passt nicht.

              Der Begriff “konservativ” kommt von dem lateinischen Wort “conservare”, was übersetzt “bewahren” bedeutet. Wenn man jemanden als konservativ bezeichnet, meint man damit, dass der- oder diejenige eher an alten Traditionen, Werten und Überzeugungen festhält und neuen Entwicklungen kritischer gegenüber steht.

              Es wäre manchem anzuraten, etwas konservativer zu denken, bevor er an Illusionen scheitert.

              In meinem, inzwischen kleinem Weinberg, habe ich das bewährte getan, Biobetriebe rufen nachhaltig nach einem bewährten, derzeitig nicht im BIObereich zugelassenem Fungizid.

  2. Andreas sagt

    Es gibt keine Patentlösung und kein Allheilmittel die Situation zu verbessern.

    Sehr dankbar bin ich über den Satz von den “Leuten die sich die Taschen voll machen”. Es gibt viele profitsüchtige Scheidungsanwälte die an der gescheiterten Ehe zwischen Bauern und Verbrauchern verdienen. Topagrar, FAZ, BUND, NABU, P€TA, Bauernverband, Facebook, u.v.m..
    Umso wichtiger sind solche Seiten wie diese, weil hier ehrlich aus Überzeugung diskutiert wird.
    Eine Lösung habe ich nicht. Wir sollten erfolgreich sein und positive Ergebnisse kundtun. Ein Beispiel ist völlig untergegangen: Die Halbierung der Einsatzmenge von Antibiotika in der Tierhaltung. Warum schaffen es Bauern und Tierärzte nicht bis in die großen Medien?

    • bauerhans sagt

      “Warum schaffen es Bauern und Tierärzte nicht bis in die großen Medien?”

      weil das “keine sau” interessiert!!!!
      nur QS oder ngos weil die davon gut leben!!!

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      ” Warum schaffen es Bauern und Tierärzte nicht bis in die großen Medien?”

      Der Deutsche will nicht hören wie Gut es ihm Geht,
      nein, er will hören, dass er in einem Land lebt, wo bittere Armut herrscht und das liefern die Medien.

      Geht es Dir nicht genau so,
      heute habe ich die Prospekte von ALDI, LIDL, REWE und Edeka studiert, was für Leckereien werden da angeboten, doch meine Frau sagt nix da, am 24igsten gibt es Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat und den muss ich noch selbst zubereiten. 🙂

    • Herbert Moritz sagt

      Weil trotzdem noch zuviel der Reserve Antibiotika verbraucht (Anstieg) werden, sehr geehrter Herr ,,Andreas” und das kann bald zu einer Katastrophe führen.

        • Andreas sagt

          Ich bin selbst auf einen ZDF Beitrag zum Thema “Reserveantibiotika” hereingefallen und habe die Verlautbarungen eines AbL Tierarztes geglaubt.
          Es ist tatsächlich so, dass der Verbrauch alle Antibiotika runter gegangen ist.

          Fluorchinolone werden mach meinen Informationen nur intramuskulär beim Schwein eingesetzt. Nicht oral – also keine Bestandsbehandlung möglich.

          Wäre schön wenn Bauer Willi dieses Thema mal hier behandeln könnte. Es wird sich wohl kein Tierarzt trauen 🙁
          Schade

  3. bauerhans sagt

    ganz einfach:
    die bauern produzieren am liebsten und schimpfen auf den handel,dass er ihnen schlechte preise zahlt.
    der verbraucher findet die günstigen preise toll(geizistgeil)und weiss auch,dass er qualitativ auf der sicheren seite ist.
    ein paar ngo lassen ab und zu mal “die sau raus”,politiker springen auf den zug auf und erlassen neue verordnungen und beschränkungen,die speziell bei uns in D die produktion
    der bauern verteuern,diese können die mehrkosten aber nicht auffangen,weil der handel—-> siehe oben………
    die eu zahlt den bauern überlebenshilfe,verlangt aber jede menge produktionsauflagen dafür und hat so beschäftigung für angestellte und beamte.

  4. Christian sagt

    Sozialdumping, Tierquälerei, Wasserverseuchung etc. kann man hierzulande eigentlich den Bauern leicht anhängen, da er ja die Produktionsstätte nicht einfach verlegen kann wie andere Produktionsbetriebe. Wenn etwas irgendwo in Asien erzeugt/produziert wird, kümmert es fast keinen hier bei uns – siehe Bekleidungsindustrie, Agrarproduktion, Elektronikindustrie etc.
    Würden nur ähnliche Soziale, Lohn und Umweltstandards eingehalten werden müssen, dann wäre die Produktion dort weit nicht so lukrativ und bei uns würden mehr Arbeitsplätze auch erhalten bleiben.

    Aber alles was weit weg ist betrifft uns nicht, egal unter welchen Umständen das Hemd etc. produziert wurde….
    frei nach dem Zitat: Aus den Augen aus dem Sinn…..

    Wünsche euch allen noch eine besinnlichen Advent

    • Andreas Müller sagt

      Mich interessiert es schon, wie der Bach hinter dem Haus ausgeräumt wird oder die Flur begradigt wird oder was so alles in den Feldern gespritzt wird und dass mein Apfel und die Paprika so merkwürdig “bitter” an der Schale schmecken. Und auch wie meine Hose hergestellt wird interessiert mich komischerweise auch.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn sie sich so für den Bach hinter dem Haus interessieren, dann wissen sie sicherlich, dass viele Bau- und Gewerbegebiete in ehemaligen Überschwemmungsgebieten geplant und bebaut wurden.

        Bezüglich der Äpfel und Paprika empfehle ich ihnen, das Obst und Gemüse selbst anzubauen, nur so sind sie sicher, dass sie ungespritzt sind.

        Die meisten interessieren sich schon, wo die Hose hergestellt wurde, deswegen werden die auch bei KIK & Co gekauft.

        • Andreas Müller sagt

          Zum Bach: der ist ausreichend entfernt und leider zT in Betonröhren verschwunden.
          zum Gemüse: kaufe ich Bio und baue auch bereits an
          das andere bei KiK kaufen ist nicht meine Entscheidung… ausserdem sieht es auch nach KiK aus.

  5. rebecca sagt

    Das Interesse an der Landwirtschaft, den Produkten und der Arbeit der Landwirte wächst ständig. Immer mehr Verbraucher interessieren sich für die Landwirtschaft und die Arbeit der Bauern. Es werden immer mehr Hofläden, Milchautomaten/Milchtankstellen, Direktvermarkter.

    Auch wenn der Direktverkauf oft nur einen Teil zum wirtschaftlichen Überleben der Betriebe beiträgt, zeigt er doch das zunehmende Interesse und die Bereitschaft für gute Lebensmittel auch mehr auszugeben.

    Aktionen der Landwirte(zumindest die die gut beworben und umgesetzt werden ) sind erfolgreich und stoßen auf großes Interesse. Das kann man in vielen Facebook Chroniken und der Presse immer wieder lesen.

    Von auseinanderleben kann man da nicht reden. Auch wenn es noch viel aufzuholen gibt.

    • Biobauer Andreas Fendt sagt

      So wie Willi (angeblich) den Verbraucher nicht versteht, versteh ich die (mutmaßlich sich modern nennenden) Landwirte nicht. In postfaktischen Zeiten (von AFD / Pedioga u.a.) scheint unflätiges beleidigendes Artikulieren salonfähig zu sein. Worin ist dieser Hass und die Wut begründet?

      Es ist bisweilen schon grotesk. Heute bloggt “Kollege” Barkmann über die Welthungerhilfe und bewirbt den “Wir machen Euch satt” Nachfolger “Dialog statt Protest” und betitelt Bauern, die nicht seiner Meinung sind, sondern sich eher auf der “wir haben es satt” Seite vertreten sehen mit

      Zitat “Auch zur kommenden internationalen Grünen Woche müssen die Landwirte aufstehen und für den Berufstand, für die moderne Landwirtschaft eintreten und nicht pauschal gegen sie schimpfen und diffamieren wie es eine kleine Splittergruppe unter den Landwirten mit einem ganz bunten Strauß an NGOs Jahr für Jahr machen!”

      Wir Andersdenkenden und Andershandelnden schimpfen und diffamieren also alle pauschal und wir sind eine Splittergruppe. Irgendwie denkt man sich das Wort “radikale” oder “Terror” fast im Kopf dazu.

      Damit soll es also im Ernst zu “Dialog” kommen? Ich fürchte, das wird schiefgehen!

      Vor dem Dialog kommt nämlich verbale Abrüstung (und selbskritisch nehme ich mich persönlich davon auch nicht aus, meine aber, daß Willi meinen “Vorwurf” der Persönlichkeitsspaltung durchaus als das gesehen hat, wie es gemeint war: ein kleiner, nicht ganz ernster Wink mit dem (Weidezaun-) Pfahl!

      ich wünsche einen besinnlichen 4. AdFendt

      • Andreas Schmid sagt

        “In postfaktischen Zeiten (von AFD / Pedioga u.a.)” Da fehlen die Grünen mit ihrem Glyphosat in der Muttermilch oder auch Sandra Harms mit ihrem Chlorhuhn. Kretschman hat genau das seinen Parteikollegen vorgeworfen, sie sollen nicht so maßlos übertreiben und bei den Fakten bleiben.

  6. Biobauer Andreas Fendt sagt

    Das ganze Willi Buch wie auch dieser Text basieren auf einer grundlegenden Fehlinterpretation des Phänomens Citizen Consumer Gap.

    Aber anders als in der Ehe gilt: Nicht jeder Verbraucher ist ein Landwirt, aber jeder Landwirt ist ein Verbraucher. Daher sollte es eigentlich nicht so schwer sein als Landwirt die Motive und Argumente der Verbraucher zu verstehen. Ist es aber wohl, anders kann man Willi´s Rumeierei zum Thema nicht erklären.

    Wenn sich Landwirt und Verbraucher auseinandergelebt haben, aber Willi beides ist, sollte man das als Zeichen für eine Persönlichkeitsspaltung, Schizophrenie deuten?

    • Bauer Willi sagt

      Sehr wahrscheinlich. Werde nach Weihnachten wohl mal zum Arzt gehen… Danke für die scharfe medizinische Analyse. 😉
      Bauer Willi

    • rebecca sagt

      Ganz so einfach ist es nicht. Schizophrenie kann man glaub ich ausschließen.

      Das ist eher eine Frage der individuellen Sichtweisen und Werte.

      Ist dasselbe wie wenn der Betreiber einer Bar nicht versteht weil sich Nachbarn über den Lärm seiner Gäste beschweren, sich aber aufregt weil neben seinem Wohnhaus früh ein Hahn kräht.

      Oder einer der auf einer Demo gegen Glyphosat in der Landwirtschaft demonstriert, aber seine private Einfahrt reichlich damit gießt weil das Unkraut da weg soll.

      Ziemlich menschlich alles. Wer diesbezüglich ohne Fehler ist werfe den ersten Stein.

      Kritisieren kann und sollte man die Defizite natürlich. Aber ein Arztbesuch ist sicher nicht erforderlich. Bischen Selbstreflektion reicht. 😉

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      “Wenn sich Landwirt und Verbraucher auseinandergelebt haben, aber Willi beides ist, sollte man das als Zeichen für eine Persönlichkeitsspaltung, Schizophrenie deuten?”

      Der BIObauer Fendt sollte lieber über die Haltung von Ziegen schreiben und seine Ergüsse über Krankheiten unterlassen, von deren er keine Ahnung hat.

      Dumme Gedanken hat jeder,
      der Kluge behält sie für sich.

      • Biobauer Andreas Fendt sagt

        auch wenn das jetzt frustrierend sein mag, nach fast 4 Jahren Tätigkeit als Arbeitstherapeut in einer Psychiatrie habe doch vermutlich etwas mehr Ahnung von psychiatrischen Erkrankungen als der Durchschnitt. Und für jene, die zum lachen in den Weinkeller gehen, das mit Willi´s Schizophrenie war ein Scherz!

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Langjährig in der Psychiatrie tätigen Ärzten wird manchmal nachgesagt, dass es etwas abgefärbt habe.

          Man braucht nicht nur zum Lachen in den Weinkeller gehen, der Hang zum Weingenuss genügt, vorausgesetzt im Keller liegt auch Wein, den man als solchen bezeichnen kann.

          Bier, auch solches wo Bio darauf steht, ist ein Durstlöscher, nur Gourmands haben beim Bier Genussempfinden.

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