Bauer Willi
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Soll die (deutsche) Landwirtschaft abgeschafft werden?

In den sogenannten „Sozialen Medien“ wird immer wieder darüber diskutiert, ob bzw. dass die deutsche Landwirtschaft gezielt abgeschafft werden soll. Ich bin nicht dieser Meinung. Allerdings bin ich der Meinung, dass seit vielen Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten seitens der Politik alles getan wird, dass die (bäuerliche) Landwirtschaft nach und nach aus Deutschland und der EU verschwindet.

  • Warum ist das so?

Sowohl die deutsche als auch die EU-Politik wurde immer mehr darauf ausgerichtet, dass die Landwirte ihre Produkte zu Weltmarktpreisen produzieren (sollen). Die gestützten Preise für Agrarrohstoffe, die bis in die 90er Jahre gezahlt wurden, wurden nach und nach durch eine direkte Einkommensstützung – ohne Bezug zu den Produkten-  abgelöst.

Mit der Agrarreform von 2003 begann die Europäische Union, die Direktzahlungen von der Produktion zu entkoppeln. Um die Direktzahlungen in voller Höhe zu erhalten, müssen die Landwirte im Rahmen der so genannten „Cross Compliance“ zahlreiche im Fachrecht vorgesehene Verpflichtungen des Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutzes, bei der Tiergesundheit, beim Boden- und Gewässerschutz sowie bei der Lebensmittelsicherheit erfüllen und die Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand erhalten. Diese Verpflichtungen wurden von Jahr zu Jahr von Beamten immer weiter „verfeinert“. Dies führt inzwischen zu immer absurderen Regelungen. So werden – unter anderem – ackerbauliche Maßnahmen an ein festes Datum gebunden. Diese „Kalender-Landwirtschaft“ entspricht aber in keinem Fall den natürlichen Gegebenheiten. Sie führt nicht nur zu völligem Unverständnis bei den Landwirten, sondern auch zu dem Gefühl, von der Politik ständig gegängelt zu werden.

  • Das Problem mit den „Subventionen“

Jeder, der etwas produziert, möchte für seine Produkte einen Preis erhalten, der nicht nur die Kosten deckt, sondern auch einen Gewinn erzielt. Das ist nicht unanständig, denn nur mit einem Gewinn kann ein Unternehmen wieder re-investieren. Wenn das Unternehmen das nicht kann, wird es über kurz oder lang insolvent und macht das Tor zu.

Wenn ich als Landwirt Weizen produziere, kann ich ihn nur zum Weltmarktpreis verkaufen. Ideen wie „Selbstvermarktung“ oder „tut euch Landwirte doch zusammen“ sind nett gemeint, aber in der Praxis für mich nicht machbar, weil meine Rohstoffe Weizen, Raps und Zuckerrüben Produkte sind, die weiterverarbeitet werden müssen.

  • Wie bildet sich der Weltmarktpreis?

Derjenige Berufskollege auf der Welt, der die Tonne Weizen zum niedrigsten Preis anbieten kann, bestimmt den Preis für alle anderen. Weizen ist ein austauschbares Produkt, eine Produktdifferenzierung ist nicht wirklich möglich. An der Börse finden sich Verkäufer und Käufer. Der Käufer wartet mit dem Kauf so lange, bis ihm der Preis günstig erscheint. Die letzte Tonne entscheidet, ob der Preis fällt oder steigt. Von daher wird das Mercosur-Abkommen von den Landwirten so kritisch gesehen. Es übt nochmals Druck auf die Preise aus.

Damit die Landwirte trotzdem existieren können, werden seitens der EU Ausgleichszahlungen gezahlt, von den Medien auch „Subventionen“ genannt. Es handelt sich um einen direkten Einkommenstransfer, als Ausgleich für die oben genannten Auflagen. Ohne diesen Einkommenstransfer könnten viele Betriebe nicht existieren. Und machen ihre Tore zu.

  • Verlagerung der Produktion ins Ausland

Diese Vorgaben müssen viele unserer Wettbewerber auf dem Weltmarkt nicht einhalten. Zudem sind dort die gesetzlichen Regelungen und Rahmenbedingungen für die Produktion (Löhne, Düngung, Pflanzenschutz, Tierschutz, Stallbau etc.) weitaus lockerer als in der EU und erst recht in Deutschland. Ein Beispiel: viele Schweinehalter haben und werden ihren Betriebszweig in Zukunft aufgeben, weil die äußeren Bedingungen für einen Stallumbau oder Neubau so ungünstig sind, dass sie eine Investition in Millionenhöhe nicht riskieren. Dies macht nur dann Sinn, wenn ein langfristiger Vertrag (Minimum 10 Jahre) mit einem Abnehmer vorliegt. Diese Verträge sind allerdings rar und so wird es wohl dazu führen, dass die Schweinehaltung nach und nach aus Deutschland verschwindet. Sie machen ihre Tore zu.

Bei der Milchviehhaltung werden die Betriebe, die ihre Tiere in Anbindehaltung halten, dies in absehbarer Zeit nicht mehr tun dürfen. Oft handelt es sich um kleinere Betriebe, für die eine Investition in einen Stallneubau finanziell nicht zu stemmen ist. Sie machen ihre Tore zu.

Ein Grund, der nur indirekt politisch zu verantworten ist, ist die Stimmung in der Landwirtschaft. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und von der Gesellschaft als Sündenbock angefeindet. Das wiederum führt dazu, dass die Bereitschaft, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, immer geringer wird. Viele Eltern raten ihren Kindern sogar aktiv davon ab, den Betrieb zu übernehmen. („Tu dir das nicht an“). Sie machen ihre Tore zu.

Die von der SPD ins Spiel gebrachte Erbschaftssteuer wäre in seiner jetzigen Form ein weiterer Sargnagel. Wenn sie tatsächlich auf den Verkehrswert berechnet würde, würde für unseren Betrieb von 40 Hektar bei einem Preis von 15 € (das ist in unserer Region absolut üblich)  ein Wert von etwa 6 Mio. € anfallen. Der deutsche Durchschnittsbetrieb hat 65 Hektar. Wenn das kommt, machen viele ihre Tore zu.

Fazit: Ich sehe in der Entwicklung kein gezieltes System, die deutsche Landwirtschaft abzuschaffen. Es sind die Rahmenbedingungen, die dazu führen, dass Deutschland immer mehr von Importen abhängig wird. Schon heute haben wir bei Lebensmittel nur noch einen Selbstversorgungsgrad von 83%.  Gerade bei Obst (20%) und Gemüse (40%)  ist er noch wesentlich niedriger. Wer also für vegane und vegetarische Ernährung wirbt, sollte wissen, dass dafür wesentliche Importe mit all ihren Folgen notwendig sind.

Meine nüchterne Erkenntnis: Ich kann derzeit nicht erkennen, dass sich an dieser Entwicklung in absehbarer Zeit etwas ändert. Immer mehr machen die Tore zu.

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55 Kommentare

  1. evonik sagt

    Ich würde gerne alle Leute in Europa ganz gesund ernähren, damit sie so „marschieren“ können wie die Schwarzhaarige im Vordergrund. Mir gefällt sowas :

    https://www.youtube.com/watch?v=jHDpeK53NAk

    Jetzt kriege ich plötzlich lauter Videos aus Holland angeboten und diagnostiziere nach meiner Gesichtserkennungs-NI dass die Holländer schlechtes Essen haben. Ich habe mal in einer holländischen Wirtschaft im Harz gegessen und war von deren Angebot schockiert:

    Lauter degenerierter Frass.

  2. Soeben hat der Komplexitätsforscher Peter Klimek darauf hingewiesen, dass es strategisch unabdingbar ist, bei Rohstoffen v. a. seltenen Erden unabhängig zu werden. Zwar kostet ihre Förderung in Europa mehr Geld, aber man muss das als eine Art Versicherung sehen, die uns vor großen Krisen schützt.
    Für die Landwirtscjaft gilt das offenbar nicht: Mercosur muss die Lebensmittel billiger machen.

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  3. Frikadellen piet 47 sagt

    moin ich glaube sie wissen mal wieder nicht was sie tun da, die in Berlin schönen Abend noch

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    • Inga sagt

      Hauptsache,

      Die Industrie kann dann billige Nahrungsmittel kaufen, um die 3. Welt oder Schwellenländer zu bestechen, dass sie da ein Werk hinstellen können, die zukünfigen Mitarbeiter, Ureinwohner sich nicht mehr um die Kuh im eigenen Stall und kleinen Landwirtschaft zu kümmern brauchen, denn es gibt ja billige Nahrungsmittel zu kaufen.

      Und wie leidet die Ökologie darunter?

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  4. Elisabeth Ertl sagt

    Ich empfehle, sich die Rede des kanadischen Ministerpräsidenten Mark Carney in Davos anzuhören:
    “ … Die Macht des Systems kommt nicht von seiner Wahrheit, sondern von der Bereitschaft aller, so zu tun, als wäre es wahr … Wir wussten, dass die Geschichte von der internationalen regelbasierten Ordnung teilweise falsch war, dass die Stärksten sich dann ausnahmen, wenn es ihnen passte, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden, und wir wussten, dass das Völkerrecht mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde, je nachdem, wer der Angeklagte oder das Opfer war … wir vermieden es größtenteils, die Lücken zwischen Rhetorik und Realität offen anzusprechen … Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang. In den vergangenen zwei Jahrzehnten schon haben eine Reihe von Krisen in den Bereichen Finanzen, Gesundheit, Energie und Geopolitik die Risiken extremer globaler Integration offengelegt. Doch in jüngerer Zeit haben Großmächte begonnen, wirtschaftliche Integration als Waffe einzusetzen: Zölle als Druckmittel, Finanzinfrastruktur als Zwang, Lieferketten als Schwachstellen, die ausgenutzt werden können. Die multilateralen Institutionen … sind bedroht.
    Und infolgedessen ziehen viele Länder die gleichen Schlüsse: Sie müssen eine größere strategische Autonomie in den Bereichen Energie, Ernährung, kritische Mineralien, Finanzen und Lieferketten entwickeln … Ein Land, das sich nicht selbst ernähren, mit Energie versorgen oder verteidigen kann, hat nur wenige Optionen … Aber lassen Sie uns realistisch sein, wohin das führt: Eine Welt der Festungen wird ärmer, fragiler und weniger nachhaltig sein …
    Die Kosten strategischer Autonomie können auch geteilt werden … Kanada gehörte zu den Ersten, die den Weckruf gehört haben … (Wir werden) prinzipientreu sein zu den eigenen Werten Souveränität, territoriale Integrität, Verbot des Einsatzes von Gewalt, außer wenn es mit den Vereinten Nationen vereinbar ist, … Achtung der Menschenrechte … und pragmatisch, indem wir anerkennen, … dass nicht jeder Partner all unsere Werte teilt.
    Wir kalibrieren unsere Beziehungen so, dass ihre Tiefe unsere Werte widerspiegelt, und wir setzen auf breit angelegtes Engagement, um unseren Einfluss zu maximieren … unterschiedliche Koalitionen für unterschiedliche Themen, basierend auf gemeinsamen Werten und Interessen … im Bereich der KI kooperieren wir mit gleichgesinnten Demokratien, um sicherzustellen, dass wir letztlich nicht gezwungen sein werden, zwischen Hegemonen und Hyperskalern zu wählen … Meiner Ansicht nach müssen Mittelmächte zusammenstehen. Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte. Wenn wir nur bilateral mit einem Hegemon verhandeln, verhandeln wir aus einer Position der Schwäche … wir konkurrieren miteinander , um die Entgegenkommendsten zu sein … Oder … schließen sich zusammen, um mit einem dritten Weg Wirkung zu schaffen …
    Eine starke Binnenwirtschaft aufzubauen, das sollte die unmittelbare Priorität jeder Regierung sein … Länder verdienen sich das Recht auf prinzientreues Handeln , indem sie ihre Verwundbarkeit gegenüber Vergeltungsmaßnahmen verringern …
    Wir wissen, dass die alte Ordnung nicht zurückkehren wird … wir glauben, dass wir aus dem Bruch etwas Größeres, Stärkeres und Gerechteres ausbauen können …“
    https://www.youtube.com/watch?v=oWTtasHK7FU

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  5. Rolf Sieling sagt

    So pessimistisch würde ich alles nicht sehen wollen. Große Landkäufe finden definitiv dort statt, wo es billig ist bzw. die Gesellschaftsanteile. Kapitalgesellschaften haben bei volatilen Märkten auch als Erste Probleme mit den Quartalszahlen. Leider bin ich zu alt für weitere Kinder, um die ( ungewollte ) Vermehrung der Buchwerte zu splitten. Die nächste Generation junger Landwirte weltweit wird sich hoffentlich nicht mehr in sozialistischen Systemen ausbeuten lassen. Selbst die Entwicklung in den USA kommt uns zugute, die Kosten der Farmer steigen durch Wegfall der günstigen Arbeitskräfte und der Wirtschaftspolitischen Entscheidungen eines Laien. Es wird immer Entwicklungen geben, die wir heute noch nicht sehen.

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    • Christian Bothe sagt

      RS.: “Die nächste Generation junger Landwirte weltweit wird sich hoffentlich nicht mehr in sozialistischen Systemen ausbeuten lassen…”
      Das sollten Sie bitte mal erklären…

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      • Rolf Sieling sagt

        Schauen Sie sich bitte die Arbeitsbedingungen in Russland und China an. Die Arbeitskräfte haben Minimale Löhne, keinerlei Rechte, keine Ausbildung, auf grenzertragsstandorten den vermehrten Einsatz billiger Chemikalien, Bodenrenditen werden an Privat nicht gezahlt. Südamerika könnte ich gleich anfügen. Bei gewissem Klima wachsen 2-3 Ernten, es findet aber auch kein Humusaufbau statt. Bedeutet das ganze Jahr hohen Bedarf an Mineraldünger und Pflanzenschutz ( warm und feucht) , Parasiten Bekämpfung. Die Landflucht erkennt man an den Großstädten. Solche Städte gibt es in Europa nicht.

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        • Rolf Sieling sagt

          In Russland, China, Teilen Afrika würde ich mir auch nicht zu sicher sein, ob überhaupt ein Investment Bestand hat. Im Prinzip war es immer Risikokapital. Womit wir wieder bei unserer eigenen Diskussion sind.

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          • Christian Bothe sagt

            RS: Weiß nun aber immer noch nicht welches System Sie für die LW nun vorziehen? Das so von Ihnen formulierte sozialistische Wirtschaftssystem unterscheidet sich sehr stark( wenn überhaupt sozialistisch) zwischen den Nationen und Kontinenten! Die LW in der DDR war sicher nicht das Schlechteste, ohne Ausbeutung und Vollbeschäftigung,und Basis für die großen Betriebe AG+GmbH, die wir hier im Osten bewirtschaften!

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          • Christian Bothe sagt

            RS: Den St.Duerr in Russland gibt’s immer noch und den S.Hofreiter in Litauen gibt’s auch noch! Beide mit Rieseninvestments!

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            • Rolf Sieling sagt

              Beide haben ihre Gläubiger an diversen Börsen abgespeist bzw. Sind insolvent. In Russland wurde Ekoniva zu einem Wert x von einer russischen Bank übernommen, der Gründer lebt vielleicht sorgenfrei in Reichtum. KTG hatte die Flächen in Litauen schon 2015 zu Geld gemacht. Aktuelle Informationen interessieren mich aber sehr.

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      • Brandenburgbauer sagt

        Mich würde das auch sehr interessieren , als ehemaliger im sozialistischen System ausdebeuteter.

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  6. Polymesos sagt

    Vielleicht wird der Landwirt abgeschafft,
    aber natürlich nicht die Landwirtschaft.
    Sie wechselt nur ins Eigentum der wirklich Mächtigen.

    Und dann ist Ende mit Umweltschutzbedenken,
    denn diese Leute bestimmen die Sichtweise.
    Wenn erst mal überwiegend reiche Leute das ganze Land haben,
    wird man Landwirtschaft plötzlich sehr positiv sehen.

    Und auch das Jammern hat dann ein Ende,
    jedenfalls das der Bauern.
    Anders könnte es beim Verbraucher aussehen,
    denn die Milliardäre werden Lebensmittel
    nicht mehr unter Preis anbieten.

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    • Samara sagt

      es tut mir leid für unsere Bauern, ich persönlich bin mit dieser Politik schon lange nicht mehr einverstanden, viele Leute haben auch die Bauernproteste unterstützt. Ich kaufe auch gerne in einem Hofladen ein. Die Frage ist einfach, was können wir dagegen tun?

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    • Bauer Willi sagt

      @Polymesos
      Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Wenn wir das weiterdenken, dann bauen die Aldi-Brüder und Herr Schwarz (Lidl) demnächst große Schweineställe, daneben die dazu passenden Schlachthöfe und Wurstfabriken. Wenn Laborfleisch gewünscht wird, dann halt große Fermenter. Backfabriken? Kein Problem, dann kauft man eben mal „Harry-Brot“

      Wobei: so weit weg ist das nicht mehr. Auch im Bio-Bereich kauft sich der Bio-Supermarkt in die Produktion ein.
      https://www.dennree-biohandelshaus.de/unternehmen/presse-news/detailseite/artikel/dennree-erwirbt-landwirtschaftlichen-betrieb-im-vogtland

      Doch es geht auch anders: in der Nähe hat ein Unternehmen 26 Frisch-Kräuter im Angebot. Wachsen hier in der Region und werden im eigenen Logistik-Center in 100 g -Schälchen verpackt. Von diesen Unternehmen gibt es in Deutschland nur vier. Die sind so schnell nicht austauschbar, weil es ein Nischenmarkt ist.

      Der Firmeninhaber heißt übrigens Willi…:-) (Ich bin es aber nicht)

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    • evonik sagt

      Genau meine Meinung und gut formuliert.

      Momentan stürzen die Edelmetallpreise ab. Da stecken wahrscheinlich Institutionen mit großem finanziellem Potential dahinter. Da gibt es Leute mit soviel Kapital, dass sie Kurse beeinflussen können.

      Oder der Trump mit seinem Staats-Kapitalismus. Mit seinem rauf unter runter bei den Zöllen will der auch Geld machen.

  7. Christian Bothe sagt

    Ich denke in der Ost-LW gestaltet sich das etwas anders! Hervorgegangen aus LPG und VEG haben die Betriebe etwa 200 ha LN im Durchschnitt! Manche Betriebe vor Ort sogar bis 6000ha LN und Intensivmilchviehhaltung mit 1000MK und mehr! Rentabilität ist auch hier das oberste Gebot mit und ohne Subventionen( welche sie auch benötigen)! Es wurde ja nach der Wende enorm viel in Technik und Ausrüstung investiert, und die Betriebe sind notwendigerweise breit aufgestellt! Ich denke die Groesse der Betriebe ist wichtig, um konkurrenzfähig zu bleiben! Was die Managmentnachfolge betrifft, erfolgt diese über den eigenen Nachwuchs( Familie,, Lehrausbildung) und Fremdgeschaeftsfuehrer. So sieht’s in Thüringen aus, wobei es nach Aussagen des BV wie überall auch Probleme gibt. BW. hat ja einiges im Text erwaehnt, was schädlich für die LW in der BRD ist!

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  8. Smarti sagt

    Schon immer gab es eine gewisse Abneigung gegen Landwirtschaft in Dörfern, z.B. wenn die Kuhfladen nicht innert 10 Minuten von der Strasse gewischt wurden oder der Hahn krähte. Aber man sprach es direkt an oder schimpfte ein wenig am Stammtisch. Heute wird gleich eine Anzeige gemacht und das Bauamt, das Gewerbeaufsichtsamt, die Steuerbehörde und das Veterinäramt eingeschaltet. Weil man kann. Früher kam dann maximal ein Brief von der Gemeinde mit dem Beweisfoto des Kuhfladens. Heute kommen 12 bewaffnete Polizisten (weil beim Landwirt eine Mistgabel gesehen wurde, er also bewaffnet ist) plus ein paar Beamte. Was sie gefunden haben ? Nichts. Was sie zerstört haben ? Unser Empfinden, dass wenn man alles nach bestem Wissen und Gewissen richtig macht, ein Leben lang arbeitet, Angestellte hat und Steuern bezahlt… das man dann vom Staat fair behandelt wird. Dieses Empfinden ist an diesem Tag zerstört worden. Unser Opa hatte einen Tag darauf den ersten Schlaganfall. Was sie getötet haben ? Zu viel.
    Das tönt übertrieben ?
    Ich liebe Pferde, für mich gibt es nichts Schöneres, als grosse Herden mit Fohlen und Rentnern in den Ställen und auf riesigen Weiden. Aber wehe, ein Pensionär fühlt sich nicht genug Wert geschätzt – zack: Anzeige, auch nach 8 Jahren guter Zusammenarbeit. Weil man es kann. Dann wird z.B. bemängelt, dass eine Gabel frisches Heu auf der Wiese liegt, das sei unhygienisch, weil die Pferde drauf machen könnten… und das Gras daneben ? 6 Leute rennen auf dem Paddock der Pferde rum und suchen nach dem einen wackelnden Rasengitterstein weil „Lebensgefährlich, Beinbruchgefahr“ – zwar den Stein nicht gefunden weil längst repariert, aber da wusste ich, wer der anonyme Anzeigenhauptmeister ist 🙂 .
    Vor meinen Augen stritten sich der Bauamtsleiter mit dem Veterinäramt, ob die Bewilligung für diesen Auslauf widerrufen werden muss ( musste nicht ) aber das hat mir die Augen geöffnet. Die Landwirtschaft soll nicht abgeschafft werden, sie „muss“ in den Augen von der Mehrzahl der für uns zuständigen Beamten abgeschafft werden, weil gegen immer mehr Gesetze verstossen wird. Kein Wunder, wenn Gesetze so ausgestaltet werden, dass man sie als Normalsterblicher gar nicht mehr kennen kann.
    Heute kann jeder Besucher, der „nur mal“ den Kuhstall angucken will, ein Aktivist zum Auskundschaften sein. Leute mit gezückten Handys mag ich nicht mehr… zu viele schlechte Erfahrungen von Kollegen gehört. Früher habe ich mich für Anfragen für Praktikas gefreut, heute sind gefühlt zwei von drei irgendwelche Aktivisten die sich einschleusen möchten. Und wir sind ein kleiner Betrieb, immer geöffnet, aber jeder Besucher wird abgefangen und unter die Lupe genommen.

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  9. Ludwig sagt

    In Berlin und Brüssel ist man ideologisch dermaßen verbrettert , daß man in der Dummheit die volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht erkennt. Dabei brauchte man nur die „Östereichische Schule“ , Soziale Marktwirtschaft, oder die Bücher vonvon Mises, Heyeck , Baaader lesen. Auch einmal einen Trip nach Argentinien unternehmen um dort dort die Fortschritte von den Vorgenannten zu studieren. Aber auch Prof. Sinn, Stelter , Krall, Sarrazin ,Donany, Vahrenhold ,P. Hahne , usw. wären geeignet den Laden um 180 Grad zu wenden und in wirtschaftliche Prospirität und Wohlstand zu lenken. Doch diese Erkenntnis kommt unseren Sozialisten nicht. Diese Leute sind auf dem ideologischen Wirtschaftsvernichtungszug mit der Erkenntnis den rd. 14 Mill. Erarbeitern das letzte Hemd auszuziehen. Doch diese können rechnen und stellen fest , daß sich bei der Abgabenbelastung die Arbeit nicht mehr lohnt und es besser ist in den Kreis der Transferempfänger zu wechseln. Ohne Arbeit mehr zu haben ist doch attraktiver als sich für zu viele Faule kaputt zu machen. Auch sind inzwischen jedes Jahr rd. 250.000 dabei dieses Land deshalb zu verlassen und ihr Glück im Ausland zu suchen , wo Arbeit und Innovation anerkannt und entsprechend honoriert wird. Dies konnte ich selbst bei einer Hurtigrutenfahrt in Norwegen erleben , wo überall auf dem Schiff und im Land junge Deutsche arbeiteten und auch nicht mehr zurück wollten. Wir Bauern müßen leider durchhalten und unser Vermögen schützen und warten bis der „Große Knall“ kommt und der kommt zu 100% . Entsprechend gilt es sich darauf einzustellen. Entsprechende Videos und Bücher gibt es genug aus den 1920er Jahren um daraus sein Fazit zur Tat zu ziehen.

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    • Smarti sagt

      Ludwig, da bin ich ganz bei Dir. Aber es ist doch schon vollkommen abartig, dass man insgeheim hofft ( hoffen muss ), dass der grosse Knall schneller kommt als die Aufgabe des eigenen Hofes. Ich als Schweizerin habe ja immer gedacht, dass meine Familie zur Not auch wieder in der Schweiz heimisch werden können. Aber die machen allen Mist nach, was der grosse Nachbar Deutschland macht, zumindest was Knüppelung der Landwirte betrifft.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Die Misere betrifft aber alle Bereiche unserer Gesellschaft. Mein KFZ-Betrieb wird wohl demnächst dicht machen. Die Werkstatt läuft super, der Sohn ist gelernter KFZ-Mechatroniker, will aber nicht enden, wie sein Vater und deshalb auch nicht übernehmen. Ein externer Übernehmer wird gesucht. Der Chef ist 59, Bandscheibenvorfall, zwei Stands, Knochenkrebs…..er würde weitermachen, aber die tägliche Bürokratie lâsst ihn verzweifeln.
        Gestern war ich bei einer Kundin, die in ihrem Wohnhaus ihre Heilpraktiker-Praxis betreibt, seitdem sie ihre angemietete Praxis aufgeben musste. Ein Raum, der bis jetzt Schlafraum war muss gem. Gesundheitsamt eine baurechtliche Genehmigung haben. Ich werde also für 17qm eine Umnutzung beantragen…..

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    • R. MÜLLER sagt

      Genauso ist es
      Und der letzte Satz sagt es genau so, wie auch ich es immer sage:
      Lest die Geschichtsbücher die die Zeit vor rund hundert Jahren beschreiben, und ihr wißt, was hier sehr bald sein wird, und wie es zugehen wird.
      Vermutlich wird es hier sogar noch viel schlimmer werden. Warum ?
      Tja, das hier öffentlich zu publizieren würde sehr wahrscheinlich bedeuten die „Sturmtruppen“ um sechs Uhr morgens in der Wohnung zu haben.

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  10. Smarti sagt

    Starke Kost, aber ein Thema über das noch viel zu wenig geredet wird. Die Gehirnwäsche der NGOś und auch der von uns bezahlten Ämter hat zum Ziel, die Landwirtschaft in den DACH-Ländern bis auf fast Null runter zu knüppeln. Die Gesellschaft muss das Konstrukt aus falschen Studien, falschen Behauptungen der Medien, Übertreibungen und böswilligen Unterstellungen zur Eintreibung von Spendengeldern (und Steuergeldern) erst mal durchschauen. Und das geht nur, wenn man genau so penetrant gegen hält. Nur, wer soll das nach einem 10 Stunden Tag noch machen ? Und warum ? Sollen „Die“ doch gegen die Wand laufen.

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  11. evonik sagt

    Ich war zweimal in Brasilien. Viel Käse habe ich da nicht gesehen….

    Da wird bald Goldgräberstimmung in Europas Milchwirtschaft herrschen.

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    • Bauer Willi sagt

      @Evonik
      Falsch verstanden. Die essen (nach meiner Beobachtung) wenig Käse, dafür viel Fleisch. Warum sollen sie ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen? Nix mit Goldgräberstimmung…

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  12. Stef sagt

    100%ige Zustimmung. Die Rahmenbedingungen werden dazu führen, dass die bäuerliche Landwirschaft verschwindet. Dazu kommt, wie sieht es dann mit den großen Unternehmen aus? Werden die Rahmenbedingungen es erlauben, zu Weltmarktpreisen zu produzieren?

    In weiten – oder besser gesagt in lauten/einflussreichen – Kreisen der Gesellschaft wird die Landwirtschaft als Störfaktor betrachtet. Aus Deutschland ein großes Naturschutzgebiet machen. Der liebe Biobauer darf dann noch mit dem Ochsen seine Scholle bewirtschaften.

    Wenn ich die Tage nach Berlin blicke und die Geschichte mit dem Tausalzverbot sehe, dann sehe ich, wo es in diesem Land hingeht. Ich hätte ja echt gehofft, dass die Lieferengpässe und leeren Regale zu Corona zu einem gewissen Erkenntnisgewinn geführt hätten. Das die Eigenversorgung eines Landes mit Nahrungsmitteln vielleicht schon irgendwie wichtig wäre. Aber diese Erkenntnis hielt nicht lange an.

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  13. Altbauer sagt

    Glückwunsch zu diesem zu 100% zutreffenden Situationsbericht. Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen aber unterstreichen möchte ich das geschriebene mit folgendem Erlebnis.

    Ein Mitarbeiter einer sehr großen Raiffeisenbank erzählte mir von einer internen Lagebesprechung. Es ist so, dass Kreditabteilungen der Banken regelmäßig besprechen, in welcher Branche Probleme auftauchen. Zum ersten Mal wären hier die Bereiche Schweinehaltung und Gemüse – insbesondere Kartoffeln in den Focus genommen worden.

    Die Zeitungsredaktionen die sich ernsthaft interessieren sollten mal Informationen aus der Kreditwirtschaft sammeln. Dies von pensionierten Bankern – nicht von aktiven, die sich nicht gern das eigene Geschäft vermiesen wollen mit schlechter Stimmung. Die Banken wissen genau Bescheid!

    Über Milchpreise und Getreidepreise wird schon Jahre gejammert. Nun kommt Gemüse, Zuckerüben, Schweine hinzu. Ist aus meiner Sicht eine Frage der Zeit, wann es die Bereiche Geflügelmast und Rindermast an den Kragen geht. Mercosur und Ukraine geht ja in diese Richtung.

    Sehr spannend sind die Immobilienanzeigen oder Ebay. Große Schweinebetriebe werden angeboten zum Verkauf oder Pacht. Hat es noch nie so gegeben.
    Diese trifft auf die Agrarpolitik in Holland. Dort kassieren Bauern Millionen pro Hof, wenn die Ställe abgerissen werden und der Landwirt sich verpflichtet nie wieder Agrarprodukte zu erzeugen.
    Nun besteht die Gefahr, dass Holländer mit dem Kapital rüber kommen und in Deutschland das machen was sie in Holland nicht mehr dürfen.
    Das neue Wort für Wettbewerbsverzerrung heißt jetzt Landwirtschaft.

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    • evonik sagt

      Dazu:

      https://www.agrarheute.com/politik/investor-kauft-xxl-agrarholding-politik-schaut-weg-636522

      Ein Absatz daraus.

      n die Zuständigkeit der Länder erinnert das BMLEH auch bei der Frage, ob ein Fall von Spekulation und Preismissbrauch vorliege. Immerhin soll die Zech-Stiftung die Agrarholding für 300 Mio. Euro an die Australier verkauft, die Flächen und Anlagen 2016 aber für nur 5 Mio. Euro aus der Konkursmasse von KTG Agrar übernommen haben. Das eingesetzte Kapital wäre damit innerhalb von sieben Jahren versechzigfacht worden. Eine beachtliche Rendite.

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      • Thomas Bröcker sagt

        Nach Aussagen des DAH Chefs hat die Holding nur 5 % Eigentumsflächen (das wären rund 1.000 ha) und hat sich bewusst für den Tätigkeitsschwerpunkt Energieerzeugung entschieden. Ein wesentlicher Anteil des Anbaus an Energiepflanzen ist mit anderen Landwirtschaftsbetrieben vertraglich vereinbart. Zur DAH gehört auch „Berliner Beerengärten GmbH“, die mit Selbstpflücke-Anlagen Heidelbeeren, Erdbeeren Johannisbeeren um den nördlichen und westlichen Berliner Stadtrand agiert. Für die damaligen erworbenen Anteile von KTG Agrar sind die aufgerufenen 5 mio eher unwahrscheinlich, das würde ja nicht einmal ansatzweise allein den Preis für die Eigentumsflächen abbilden. Bei genauem Hinsehen ging es bei diesem jetzigen Deal des Verkaufs der DAH wohl eher um das Netzwerk an Energieerzeugung und die dazu gehörende Infrastruktur, in die seit 2016 stark investiert wurde. Die Zusammenhänge sind oft nicht so platt und linear wie es gern dargestellt wird. Eine „Zerschlagung“ des Konstruktes hätte schon auf Grund des geringen und verstreuten Flächeneigentums wohl kaum neue Bäuerliche Familienbetriebe ergeben. wenn die Angaben stimmen, haben allein viele der „Neubauern“ aus den alten Bundesländern nach der Wende einzeln und insgesamt in Größenordnungen mehr Eigentum an LN erworben.

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        • Thomas Bröcker sagt

          Das Konzept ist das, was derzeit halt „Einkommen“ verspricht: Energieerzeugung.
          Die haben jährlich 208 mio kwh Stromerzeugung aus Biogas und speisen zusätzlich über 800 mio kwh als Biomethan ins Erdgasnetz. Dazu kommen 14 MW Peak eigene Freiflächenphotovoltaik. Die Wartung der Anlagen und die Logistik für die Biogasanlagen sind ebenfalls in der Hand der DAH.
          Die Rinderhaltung und das Beerenobst, sowie Marktfrüchte in der Fruchtfolge treten da von der wirtschaftlichen Bedeutung fast in den Hintergrund.
          Mit dieser Konstellation lassen sich schon hohe Umsätze und Wertschöpfungen je Hektar und insgesamt erreichen.
          Das ist ja die Entwicklung, in die die Politik die Landwirtschaft seit 20 Jahren drängt.
          Die 2 AK/100 ha sind letztlich von Bäuerlichen Ackerbau- und Mischbetrieben nicht so weit entfernt.
          Der Verkauf dürfte wohl stattgefunden haben, weil sich die wirtschaftliche Situation und Perspektive bei der Struktur des Betriebes gegenwärtig gut darstellen lässt und den aufgerufenen Preis ermöglicht hat. Ob das in Zukunft so bleibt ist möglicherweise ungewiss.
          Solche Konstrukte sind aber dem im Osten schon vor der Wende stattgefundenen Strukturwechsel weg von Bäuerlichen Strukturen geschuldet und in dem Umfang und der Art m.E. im Altbundesgebiet eher schwer hinzukriegen.

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    • Smarti sagt

      Altbauer, hier in Süddeutschland auch die Pferdepension. Sehr viele Landwirtschaftsbetriebe haben die Rinderhaltung aufgegeben und in Pferde umgestellt. So viele, dass das Landwirtschaftsamt ( oder wer anderes, wer auch immer ) entschieden hat, Pferde zu deckeln. Jetzt wird keinem Hofverkauf für Pferdehaltungen mehr zugestimmt, dies bedeutet praktisch eine Enteignung, denn welcher Rinderhalter kauft noch eine Hofstelle ? Kleine Kredite, die uns vor 15 Jahren noch nachgeschmissen wurden, z.B. für Landkauf, kriegen wir nicht mehr – und die Zahlen sind deutlich besser als damals, weil frisch gebaut ! Der neue Bankberater hat mir zum Schluss des Beratungsgespräches richtig leid getan, so dringend wollte er uns zu einer „ganzheitlichen Betriebsberatung“ von wegen alle Pferdehalter in der Region sind dem Untergang geweiht…und Milchkuhhalter ja auch… drängen. Hab ihn dann gefragt, ob er einen Wohnmobileinstellplatz sucht 😉 . Jetzt, ein Jahr später, passt es wieder mit der Beratung, Kredit nehmen wir keinen mehr auf.

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    • Brandenburgbauer sagt

      @Altbauer : Nun besteht die Gefahr das Holländer mit ihrem Kapital rüberkommen
      und in Deutschland das machen …….
      Als nach der Revolution, Bauern aus der BRD mit viel Kapital in der Hand zu uns kamen, um uns “ ZU UNTERSTÜTZEN “ , zog es natürlich auch viele Holländer in die großen landwirtschaftlichen Strukturen. Das Geld , für den Kauf von Grund und Boden , bekamen diese Jungbauern die in Holland keine Hofstelle finden konnten von.ihrem Staat. Das war dann der Beginn : DER HOLLANDISIERUNG der Landwirtschaft der ehemaligen DDR. Diesen Vorgang oder so ähnlich habe ich noch in Erinnerung.

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      • Thomas Bröcker sagt

        In der „Goldgräberzeit“ der Umstrukturierung der „Kollektivlandwirtschaft“ in den Neunziger Jahren gab es verschiedene Kräfte, die dort am Wirken waren.
        Das waren einmal die ehemaligen adligen Grundherren, die unter Anderen im Hintergrund für die verbilligten Verkäufe der Treuhandflächen gesorgt haben.

        „Wir wissen, dass wir unsere ehemaligen Flächen zurückkaufen müssen. Aber Sie können sich darauf verlassen, dass wir günstig kaufen werden.“ (Zitat von einem der ersten Adligen, der bei uns 1990 aufschlug).
        Wer in diese Welle mit aufspringen konnte und genug Kapital hatte konnte relativ günstig größere Einheiten aufbauen. Das waren in großen Teilen „Umsiedler“ aus den alten BL., aber nicht nur. Diese Flächen sind heute meist mindestens das Dreifache wert.

        Momentan läuft hier gerade die nächste Welle der Konzentration und der Betriebsverkäufe. Eine ehemaliger Gemeinschaft holländischer Bauern (ca. 2.500 ha) ist an einen anderen Holländer verkauft worden, dessen Flächen sich dadurch fast verdoppelt haben. Eine andere Bauerngesellschaft, die wirtschaftlich gut aufgestellt ist, hat eine Agrargenossenschaft in der Nähe aufgekauft und dürfte damit schon in die Nähe von 10.000 ha kommen. Ein weiterer Betrieb in der Nähe (ca. 2.400 ha) ist gerade an einen anderen kapitalstarken dt. Betrieb mit ü. 4.000 ha verkauft worden.

        Die Flächen werden in großen Teilen in Bewirtschaftung bleiben, nur die „Bäuerliche Wirtschaftsweise“ wird nicht wiederkehren. Ist halt die Frage wo „bäuerliche Wirtschaftsweise“ in der Definition angesiedelt ist. Ich kenne einige Betriebsleiter mit ü. 1.000 ha, die sich durchaus als Bauern bezeichnen.

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        • Bauer Willi sagt

          @TB
          Wo die Grenzen sind? Wir haben in Brasilien einen Ackerbaubetrieb besichtigt, der drei Brüdern gehört. Anbaufläche 330.000 ha Mais und Soja, auch etwas Baumwolle. Auf die Frage, wie sie die Güter in den Hafen bekommen? „Wir haben 800 eigene LKW“.
          Googeln Sie mal „Prodimex.ru“. Sie können ja sicher russisch. Mein letzter Stand vor ein paar Jahren war 880.000 ha.

          Als ich den Eigentümer vor etwa 20 Jahren in Moskau kennengelernt habe, war es noch die Hälfte. Fun fact am Rande: der Eigentümer ist ein Freund von Putin und war mit ihm als Offizier in St. Petersburg…

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  14. Rößle Rudolf sagt

    Lieber Willi
    In England hatten wir auch das Problem mit der Erbschaftssteuer. Bin gerade nicht im Bilde wie jetzt letztendlich entschieden wurde. Zunehmend ist ja Gunstland Spekulationsware geworden. Somit ist davon auszugehen, das Land wieder in wenige Hände geht. Die ganzen Pachtflächen, wem werden sie in Zukunft gehören. Selbst ausländische Staaten warnen Deutschland davor ihre Agrarfläche an nicht Einheimische und sonstige Spekulanten zu verkaufen. Vielleicht brauchen wir in den nächsten Jahrhundert wieder kleine Flächen für die Bürger zur Selbstbewirtschaftung Die Kosten für jährliche Bodennutzung und die dafür benötigten laufenden Kosten haben ein Maß erreicht, da ist keine nachhaltiger Gewinn mehr zu erwirtschaften. Viel Schuld haben die Landwirte selbst, da sie durch den Glauben wachsen oder weichen sich ökonomisch falsch verhalten. Wer die letzten Einheiten zu teuer produziert, bekommen die Rechnung nach dem Ende eines Vertrages.“Du hast für die letzten Produktionseinheiten so viel bezahlt also zahlst du für alle Produktion in Zukunft die gleichen Kosten“ Nur ein Funken Überangebot und die Achterbahnfahrt geht los.
    Trotz alledem müssen wir den alten persischen Gedanken des Jägers behalten. Nachhaltig für die nächsten Generationen wirtschaften

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  15. Eckart Grünhagen sagt

    Einige weitere Punkte halte ich noch für bedenkenswert:

    Angenommen, die Politik folgt den Vorschlägen sogenannter gemeinnütziger „Thinktanks“ wie AgoraAgrar, die öffentliches Geld der GAP nur noch für gemeinwohlorientierte Leistungen (CO2-Effizienz, Tierwohl, Moorwiedervernässung, Renaturierung, …) ausgeben wollen, dann frage ich mich, ob es nicht sinnvoller sei, bei vielen solcher NGOs den Status der Gemeinnützigkeit zu überprüfen. Dann gehen bei denen die Tore zu.

    Niemand nimmt noch die Politik der SPD ernst, die trotz extrem hoher Sondervermögen aka Schulden nicht in der Lage ist, den Reformwillen des Koalitionspartners auf Bundesebene zu unterstützen. Wenn diese Partei ihre „raffgierigen“ Vorstellungen nicht nur im Agrarbereich, sondern auch im Hause Bärbel Bas‘ vorbringen würde, würde man in Zukunft die freiwerdenden Mittel gemeinwohlorientierter anlegen können.

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  16. Matthias Zahn sagt

    Am Ende geht es immer darum, die Stückkosten zu senken. Zumindest ist das das Ziel der Politik. Die Nebenwirkung dabei ist, dass kleine, meist bäuerliche Betriebe, aus dem Markt gedrängt werden. Erstaunlicherweise haben die verbleibenden Betriebe in der Vergangenheit ihre Produktion stets ausgeweitet und den Wegfall kleinerer Betriebe kompensiert. Solange also die Regale voll sind, ist es der Politik ziemlich egal, wie das mit der bäuerlichen Landwirtschaft läuft.

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    • Reinhard Seevers sagt

      „Solange also die Regale voll sind, ist es der Politik ziemlich egal, wie das mit der bäuerlichen Landwirtschaft läuft.“

      Ich glaube, dass DER Politik die Zusammenhänge zwischen nationaler Versorgungssicherheit, heimischer Landwirtschaft, Gesamtgesellschaftlichen Frieden und ökonomischer Sicherheit gar nicht bewusst ist. Für die meisten Menschen inkl. Politiker gibt es nur das Portemonnaie und den Supermarkt…..sie interessiert weder wo das Geld herkommt, noch die Lebensmittel.
      Ist wie beim Strom….erst wenn er weg bleibt, fängt das Nachdenken an.

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      • Bauer Willi sagt

        @RS
        So sehe ich das auch. Ich habe in der vergangenen Woche im Bundestag die Befragung von Alois Rainer gesehen. Da ist kein Konzept, man versucht, sich irgendwie durchzuwurschteln und möglichst nirgends anzuecken. Und da wir Bauern (zumindest in Deutschland) ruhig sind. klappt das auch ganz gut.

        Der Bundeskanzler hat sich auf der Grünen Woche beim DBV bedankt, dass er „zwar mit ein paar kritischen Bemerkungen doch bei der Entscheidung zu Mercosur positiv mitgewirkt hat“.

        Und Alois Rainer erklärt sogar, dass Mercosur gut für die deutsche Agrarbranche ist. Zumindest bei Käse und Wein. Ich war zweimal in Brasilien. Viel Käse habe ich da nicht gesehen….

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        • Brandenburgbauer sagt

          Moin @BW . Ich werde den Eindruck nicht los ,
          das die Dieselrückerstattung , durch die Zustimmung des “ Bürokratiemonsters DBV und
          seiner untergeordneten Verzweigungen erkauft wurde.

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