Bauer Willi
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Schosser ziehen statt Mucki-Bude

Gestern war ich in den Zuckerrüben, Schosser ziehen. Schosser? Was ist das denn, werdet ihr euch fragen.

Schosser und Wildrüben

Zuckerrüben sind zweijährige Pflanzen, die wir aber im ersten Jahr ernten. Würden wir sie stehen lassen, würden sie im zweiten Jahr Samen bilden. Dazu bilden sie sogenannte Samenstangen aus, die den Rübenbestand deutlich überragen. Sie sehen dann ein wenig wie Tannenbäume aus. Es gibt in jedem Jahr einzelne Rüben, die die Samenstangen schon im ersten Jahr bilden. Soll nicht sein, kommt aber vor. Diese Samenstangen oder „Schosser“ müssen entfernt werden. Würden die Samen reif, würden sie ausfallen. Sie sind bis zu 20 Jahre keimfähig, was bedeutet, dass in der nächsten Rotation in der Fruchtfolge (bei uns etwa jedes 4. Jahr) an dieser Stelle hunderte von Wildrüben stehen würden. Die sind aber meist viel kleiner und zierlicher, bilden aber im ersten Jahr wieder Samen. Den Rest könnt ihr euch vorstellen: Wenn man beide nicht konsequent entfernt, stehen auf dem Feld dann irgendwann nur noch Wildrüben.

Was tun?

Es gibt kein vernünftiges technisches Gerät, um Schosser und Wildrüben so zu entfernen, dass nicht doch noch an irgendeinem Pflanzenteil Samen gebildet werden. Daher muss ich das von Hand machen. Morgens sind die Blätter noch feucht, daher ziehe ich mir eine Gummihose an. Weil aber die Sonne schon scheint, schwitzt man unter der Gummihose. Und nicht nur da, auch weiter oben 🙂 . Deshalb eine Kappe auf, damit einem der Schweiß nicht in die Augen läuft. Nachmittags geht es auch ohne Gummihose, aber es ist noch wärmer und die Rübenblätter welken ein wenig, was das Laufen durch das kniehohe Blattwerk sehr mühsam macht und ich ständig aufpassen muss, dass ich nicht aufs Maul falle. Das gute am Schosserziehen: sowohl die Arm- und Beinmuskulatur als auch der Rücken wird gestärkt 🙂 . Und das erspart mir den Gang zur Mucki-Bude (umgangssprachlich für „Fitnesscenter“).  Wenn ihr Spaß an der Arbeit habt, lasse ich euch gerne noch ein paar Hektar stehen zum Schosserziehen. Geld gibt’s aber keines!

Euer Bauer Willi

 

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15 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    So ist das , wenn man Land übernimmt. Wir hatten vor 25 Jahren auch eine Pachtfläche übernommen , da mußten wir mit der Hackmaschine erst gleich nach der Rübeneinsaat durch, um die Rübenreihen überhaupt erkennen zu können. Danach sin d wir im ersten Rübenjahr 4 x auf Schosserjagd gegangen. Erst nach 15 Jahren war das Land wieder sauber.
    Ebenso war es mit dem Bingelkraut. Einmal alles schleifen lassen und das Land ist verseucht.
    Unser stetes Arbeiten und das Abwägen der Entscheidungen auf dem Land führt zum Erfolg und kann als nachhaltiges Wirtschaften angesehen werden. Solche Dinge wird ein städtisch denkender Mitmensch selten verstehen. Auch ,daß erst viele Vorleistungen erbracht werden müßen , wird für viele kaum nachvollziehbar sein, aber dafür schreiben wir ja alle unsere Sicht der Dinge, um ein gegenseitiges Verständnis zu erlangen, oder ?

    1+

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