Bauer Willi
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Schafe können nicht zaubern

Ich habe wieder Post von meiner Öko-Schäferin bekommen. Mit einem Appell, den ich nur unterstreichen kann.

Moin Willi,

besonders nach diesem Dürresommer wurden die Forderungen nach ökologischer Landwirtschaft immer lauter von Seiten der Umweltverbände und Naturschutzinteressenten. Sinnvoll wäre es natürlich, wenn wir unsere Nahrungsgrundlage nicht zerstören und nachhaltig mit den Ressourcen Boden, Wasser und Luft umgehen. Von der Wichtigkeit von Bienen & Co brauche ich Dir als Bauer ja nichts zu erzählen. Aber wie erreichen wir diese sinnvolle Bewirtschaftung? Allein ein „Öko-Zertifikat“ scheint es nicht zu sein. Labels und Zertifikate sagen ja nichts darüber aus, in welcher Form der Betrieb geführt wird.

Mein Lieblingsbeispiel sind ja die Hühnerställe mit 3000 Legehennen. Da kommen Bio-Eier raus. Und beim Kauf dieser Eier freut sich der Verbraucher, dass er „den Tieren etwas Gutes tut“, gesunde Nahrungsmittel zu sich nimmt und eine ökologische Landwirtschaft unterstützt. Aber wie sieht es konkret aus in einem 3000er Stall? Woher kommt diese Zahl? Ist eine Hühnerschar von 3000 Hennen ökologisch irgendwie sinnvoll? Man weiß es nicht. Irgendwer hat diese Grenze festgelegt, ab wann es keine „Öko-Hühner“ mehr sind und damit steht die Zahl im Raum. Auf der anderen Seite gibt es Schäfereien, die in Naturschutzgebieten hüten. Da haben die Schafe jeden Tag die Möglichkeit ihr Schafleben auszuleben: wandern, fressen, blöken, in Wind und Wetter unterwegs mit dem Schäfer und zwischendurch wird an den diversesten Pflänzchen und Kräutlein geknabbert. Das ist ja, was Naturschutzflächen ausmacht und auch den Schafen Spaß macht. Diversität und Vielfalt, Lebensraum für seltene Arten auch in der Pflanzenwelt. Zum einen ist es sinnvoll und schön, eine solche Wirtschaftsweise zu betreiben, denn dieser Lebensraum wird durch Beweidung mit Schafen erhalten. Keine Heidschnucken mehr, keine Heide mehr, so einfach und klar muss man es sagen. Zum anderen wird uns hier bewusst, wie hart verdient unser Brot manchmal buchstäblich ist, denn Heide und Moor – Heimat der Schnucken – sind Standorte mit weniger optimal verteilten Nährstoffen und somit geringeren Möglichkeiten zum Ertrag. Düngen wollen, können und sollen wir die Heide nicht, denn dann ist sie keine Heide mehr. Soweit, so gut.

Für mich als Öko-Schäferin ist das nun ein ganz schwieriger Posten. Ja, ich möchte gerne „öko“ wirtschaften und tue es auch. Ich lasse mich zertifizieren und kontrollieren, sammle Belege und Zertifikate von meinen im Ökolandbau zugelassenen Produkten, die ich in der Schafhaltung verwende. Zertifiziertes Lammfleisch und gesunde Schafe kommen dabei heraus. Soweit, so gut. Aber ich muss auch für die Tiergesundheit sorgen und wenn der Boden nicht genug hergibt, um die Tiere gesund zu erhalten, muss ich in meinem Rahmen etwas tun. Würde ich das nicht tun, würde ich tierschutzrelevant handeln. Und so hangele ich mich zwischen extensiver Wirtschaft und Erzeugung hin und her und das hat auch ganz gut geklappt bis jetzt, aber in diesem Jahr wurde es abstrus.

Um den „Kasus Knacktus“ darstellen zu können, muss ich ein paar Worte über Schafe verlieren. Schafe sind empfindliche Wesen. Sie sind viel kleiner als Rinder und haben folglich kleinere Pansen. Der Stoffwechsel der Schafe ist schneller und ihr Pansengleichgewicht schneller gestört. Die Parasiten, die mit auf der Schafweide leben, wie Magen-Darm-Würmer, Leberegel, Bandwürmer und Co interessiert das aber nicht. Die vermehren sich genauso wie bei den Rindern und bevölkern den Verdauungstrakt der Schafe. Also muss ich öfter als bei den Rindern den Parasitenstatus per Kotproben kontrollieren und Schafgruppen nach Befall behandeln. Das Ganze ist ziemlich komplex, weswegen ich hier abkürze. Auch hier gibt es öko-zulässige Vorgehensweisen, die mir gleichzeitig gesunde, moppelige und fröhliche Schafe garantieren, wenn ich meine Schäferarbeit gut mache.

Was bei uns Schäfern meist genauso wichtig wie die Parasiten ist, sind die Spurenelemente. Das sind chemische Bausteinchen wie zum Beispiel Kupfer, Kobalt, Selen, Magnesium, Calcium, usw. Schafe haben einen natürlichen Bedarf an Spurenelementen und Vitaminen. Wir Menschen ja auch, nur, dass wir unser Futter von überall auf der Welt importieren. Das heißt, unser Futter ist auf den unterschiedlichsten Böden unterschiedlicher Qualität und Gehalt an Spurenelementen gewachsen und wir können Spurenelemente und Vitamine in jeglicher Form erhalten. Die meisten von uns kennen das ja, dass in der Weihnachtszeit importierte, da nicht heimisch wachsende Orangen und Mandarinen gegessen werden, weil wir unseren Vitamin C – Haushalt sonst nicht im Griff haben.

Meine Schafe können sowas nicht. Die stehen hier auf dem Land, wo sie leben und müssen aus dem Grundfutter – oder für berufsfremde Mitleser: aus den Graspflanzen und Kräutern, die auf der Weide wachsen – alles mittels eines höchst komplizierten Verdauungsprozesses heraussynthetisieren, was diese Pflanzen hergeben. Schafe haben dazu vier Mägen und lösen noch das letzte bisschen Nährstoff in Form von Eiweiß, Energie, Spurenelement und Vitamin durch ein beständiges, mehrmaliges Kauen und dadurch mechanisches und enzymatisches Aufschließen der Pflanzenfaser. Wiederkäuen nennen wir Bauern und Schäfer das. Nun können die Schafe aber nur das herauslösen, was in den Futterpflanzen drin ist. Was die Futterpflanzen nicht enthalten, können die Schafe auch nicht herzaubern. Als engagierte Öko-Schäferin habe ich Bodenproben ziehen lassen, viele Kollegen arbeiten mit Proben, denn man will ja wissen, wo man so steht, auf was für einem Land. Wir wissen nun, dass unser Boden „kaum was“ enthält. Arme Böden, ertragsschwächere Böden, niedrige Bodenpunktezahl – man kann es verschiedentlich ausdrücken. Um zu wissen, was die Schafe mit dem, was hier wächst, anfangen können, habe ich Blutproben bei den Schafen machen lassen und feststellen müssen, dass sie in einem hochgradigen Spurenelementemangel leben, wenn ich sie nur über das Grundfutter ernähre. Dann werden die Schafe dünn, krank und sterben irgendwann. Weil sie buchstäblich wegen der fehlenden Nährstoffen, bzw. Spurenelementen verhungern. Denn ohne Spurenelemente können auch die vorhandenen Nährstoffe (Eiweiß und Energie) weniger effizient aufgeschlüsselt werden. Ja, Schafe sind wie ein kleines Chemie-Labor, in den vier Mägen gehen – ich sagte es bereits – höchst komplizierte Stoffwechselvorgänge ab. Wie schaffe ich es nun, dennoch gesunde, glückliche und runde Schafe zu haben? Recht einfach. Neben der erwähnten achtsamen Parasitenkontrolle und -eindämmung gebe ich meinen Schafen regelmäßig Spurenelemente in unterschiedlicher Form. Wir machen jährlich weiterhin Blutproben, um zu kontrollieren, ob mein Herdenmanagement immernoch angepasst ist und es den Schafen laut Blutwerten gut geht. Dabei gilt immer die Maxime: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber so, dass dicke, gesunde und fröhlich hüpfende Schafe dabei herauskommen.

Was die meisten Menschen nun auch nicht wissen, ist, dass nicht alles immer überall vorhanden ist und wir durch unsere Umweltverschmutzung wesentlich dazu beitragen, dass Spurenelemente zusätzlich auch noch ausgewaschen werden und folglich noch weniger davon in den Futterpflanzen vorhanden ist. Ja, die Naturschutzverbände haben ja recht – wir müssen ökologischer wirtschaften. Aber was in der Praxis dabei manchmal herauskommt, ist haarsträubend! Wie ich beschrieben habe, wirtschafte ich schon sehr vorsichtig, achtsam und „ertragsarm“. „Öko halt.“ – wird mancher Kollege, der nicht öko-zertifiziert ist, es belächeln. Ich arbeite mit einer alten, vom Aussterben bedrohten Land-Schafrasse, betreibe Weidewirtschaft, die arbeitswirtschaftlich gesehen den „Intensivtierhaltungen“ in Effizienz nicht nachkommt, begnüge mich mit weniger Ertrag aus meiner Tierherde und mache das Ganze noch in Öko. Mit den erwähnten Zertifizierungen, den biologisch zugelassenen und FIBL-gelisteten Mitteln (eine zentrale Datenbank mit allen im Ökolandbau zugelassenen Mitteln), usw. Zum Beispiel bekommen meine Schafe unter anderem seit Jahren ein Mineralfutter, für das die Bio-Zertifizierung schon immer vorlag. Dieses Mineralfutter haben die Tiere ständig zugänglich und sie könne sich nach Bedarf, den die Tiere sehr wohl instinktiv spüren, mit den nötigen Mineralstoffen und Vitaminen versorgen, indem sie dieses pulvrige Zeug aufnehmen.

Dieses Jahr in der Ökokontrolle wurde es nun satirisch. Mein Mineralfutter enthält die Vitamine A, D und E zugesetzt. Da diese Vitamine nur sehr verhalten im Grundfutter vorhanden sind, teilweise gar nicht. Also wie oben beschrieben – Zugabe über das Mineralfutter, welches ja eine Bio-Zertifizierung besitzt. Vitamin A könnte ich noch anders in die Schafe reinbekommen, viel „ökologischer“, wenn ich jeden Tag ein paar Schubkarren Möhren auf die Weide fahren würde. Aber woher sollen die denn kommen? Ich kenne derzeit keinen Möhren-Anbau-Betrieb für Öko-Schafe…. Das wären schon ein paar Tonnen Möhren, die ich jährlich verfüttern müsste. Und selbst die Möhren müssten ja wieder von einem zertifizierten Bio-Betrieb stammen, denn sonst dürfte ich die als Öko-Schäferin ja nicht verfüttern. Ich darf ja keine konventionell angebauten Futtermittel verfüttern. Was kosten ein paar Tonnen Öko-Möhren für meine Öko-Schafe? Also, lassen wir den Quatsch.

In der Kontrolle wurde also mein Mineralfutter unter die Lupe genommen und auf die zugesetzten Vitamine aufmerksam gemacht. Ich war baff. Ich verstand erst nicht, was das Ganze soll, denn schließlich hatte ich doch ein zertifiziertes Produkt verwendet, dann kann ich doch davon ausgehen, dass die Zertifizierung des Produktes auch für alle einzelnen Bestandteile des Produktes gilt, oder etwa nicht? Höchstgradig verwirrt war ich. Was soll denn das jetzt? Soll ich fortan nun etwa die Vitamin-Bauteilchen chemisch aus dem Mineralfutterpulver lösen, bevor ich es den Schafen gebe? Dann bräuchte ich ja fortan ein Labor….. Bald klärte sich auf, worum es ging: in der EU-Ökoverordnung steht, dass Wiederkäuer die nötigen Vitamine aus dem Grundfutter selbst synthetisieren sollen und in der Lage seien, diese selbst quasi „herzustellen“. Nein! Können sie nicht!!! Das ist fachlich einfach falsch! Wer hat denn diese EU – Bio- Verordnung erlassen? Sicherlich niemand, der weiß, wie die Verdauung von Wiederkäuern funktioniert. Vitamine und Spurenelemente haben noch untereinander komplexe Wechselwirkungen, weswegen zum Beispiel in Lösungen, die den Schafen bei akutem Selen-Mangel gegeben werden müssen, zugleich noch Vitamin E enthalten ist. Die sogenannte Weißmuskelkrankheit kommt vom Selen und Vitamin E – Mangel und zeigt sich in lebensschwachen Tieren, deren quergestreifte Muskulatur – also unter anderem auch die Herzmuskulatur – nicht gesund entwickelt ist. Deswegen sterben die Tiere an diesem Mangel! Sie nicht mit diesen Vitaminen zu versorgen ist tierschutzrelevant. Das muss ich an dieser Stelle auch als Öko-Schäferin mal ganz ausdrücklich sagen.

Zudem hatte ich bereits beschrieben, dass die betreffenden Vitamine im Grundfutter überhaupt gar nicht vorhanden sind. Schafe sind doch keine Zauberkünstler, auch keine Öko-Schafe. Wie sollen sie denn etwas aus etwas herauslösen, was in diesem Etwas gar nicht vorhanden ist? Mir wurde schummerig vor lauter fachlicher Inkompetenz.

Ich las noch etwas weiter in dieser EU-Ökoverordnung und es wurde immer interessanter. Bei Medikamentengabe zum Beispiel müssen wir Ökos immer doppelte Wartezeiten einhalten, bevor Tiere geschlachtet werden. Wenn ich also in der oben beschriebenen Weise meine Schafe entwurme oder gegen Leberegel behandle, muss ich immer im Blick behalten, wann ich schlachten will und die doppelte Zeit als auf der Verpackung angegeben einhalten, bevor das Fleisch der Tiere dem menschlichen Verzehr zugeführt wird. Manchmal ist das ein bisschen nervig, weil gerade im Herbst, wen Schlachtzeit ansteht, die Parasiten aufgrund des feuchten Wetters nochmal Party machen und die Schafe sichtbar abbauen. Ich versuche, mein Management immer ausgefeilter zu betreiben, mit diversen Mitteln zu arbeiten, kurzzeitwirksam, langzeitwirksam, andere Wirkstoffgruppen, usw. Es ist halt eine Wissenschaft für sich. Denn wie erwähnt, sind Schafe recht empfindlich und wenn man falsch kalkuliert hat oder das Wetter nicht mitspielt und es Regengüsse gibt, dann kann es den Tieren aufgrund der Parasiten-Party schonmal echt mies gehen. Was habe ich stundenlang mit meiner Tierärztin darüber debattiert, was haben wir schon überlegt und ausprobiert, nochmal neu gedacht und neu gemanaged. Und dabei immer überlegt: welche Nano-Partikel vom Wirkstoff könnten denn im Fleisch gefunden werden, dass dann kein Öko-Fleisch mehr sein könnte? Wir wussten uns keinen Rat, denn streng wissenschaftlich heißt abgebaut auch abgebaut. Wenn die Wirkstoffkomponenten nicht mehr gefunden werden können in wissenschaftlichen Labors, dann können sich doch auf dem Bio-Teller auch nicht mehr gefunden werden. Das mit der doppelten Wartezeit blieb uns einfach schleierhaft. Und wenn es um Nano-Partikel geht, wie ist das dann mit der Luft, die die Schafe atmen? Wenn Sahara-Staub in der Lage ist, bis in den Norden der Erdkugel zu wehen, warum sollten die Schafe in ihrer Lunge dann auch nicht Nano-Partikel der Hamburger Luftverschmutzung hier in der Heide haben? Nun gut, genug des Wartezeiten-Krimis, der Blick in die Verordnung brachte es ans Tageslicht: doppelte Wartezeiten sollen eingehalten werden zur Beruhigung der Verbraucher. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, es dient lediglich der Verbraucherberuhigung. Hallelujah! Der Friede der EU-Verordnung sei mit euch und mit eurem Geiste. Amen. Und meine Schafe? Wer beruhigt die, wenn im Herbst, kurz vor der Schlachtzeit die Parasiten Party machen?

Es gibt Mittel, die man öko-verträglich anwenden kann, es gibt Schäfer und Bauern, die sich sehr wohl sehr viele Gedanken machen um das, was sie tun und die versuchen, immer umsichtiger zu wirtschaften. Und die gibt es auf beiden Seiten: bei den „Ökos“ und den „Konvis“.

Das Ende der Geschichte ist nun: ich musste für mein öko-zertifiziertes Mineralfutter eine Ausnahmegenehmigung beantragen und eine Stellungnahme der Tierärztin beilegen, die bestätigte, dass ohne dieses Mineralfutter keine Schafhaltung möglich ist, die nicht das Tierwohl und die Tiergesundheit gefährdet. Aber eine Schäferkollegin von mir, der gleiches widerfahren ist und die sich nicht so intensiv in solche Sachen hereindenkt und verbissen dranbleibt, wie ich, hat sich einfach nur furchtbar aufgeregt und sich geweigert, diese Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Richtig eigentlich. Aber leider bringt es uns nicht weiter. Was aus ihr geworden ist, weiß ich nicht, vielleicht ist sie nun keine Öko-Schäferin mehr. Jetzt macht sie „konvi“. Verstehen kann ich sie. Aber ich will mich damit nicht zufriedengeben.

Und deswegen schreibe ich Dir, Willi. Weil Du viele kennst, weil einige bei dir lesen, weil du ein netter „Konvi-Kollege“ einer verrückten „Öko-Schäferin“ bist. Lass uns zusammen einen Appell an alle Kollegen herausgeben. Mein Wunsch und meine Bitte an uns Landwirte und Schäfer ist: lasst uns zusammenarbeiten und gemeinsam genauer auf das schauen, was gerade geschieht. Denn letztlich tun wir das dann für uns alle gemeinsam. Alle, die hier mitlesen und einen alten, gewachsenen Familienbetrieb führen, die kleinbäuerlich arbeiten, die sich um Auswirkungen ihrer Arbeit auf Natur und Umwelt sorgen: es hilft uns nur, wenn wir an einem Strang ziehen, denn Unwissenheit, Halbwahrheiten, fachlich falsche Vorgaben und wildromantische Naturschutzideen werden unsere Situation nicht verbessern. Wir müssen da schon selbst ran und aufklären, gute Arbeit machen und vor allem: kompetent arbeiten, um das eingangs erwähnte sinnvolle Bewirtschaften von Land gemeinsam zu entwickeln.

Und an alle Verbraucher, die hier mitlesen: Lasst euch um Himmel willen nicht beruhigen! Ihr seht, dass es nicht auf den Bio-Aufkleber auf dem Produkt ankommt, vor allem nicht, wenn es „günstig“ ist. Ihr müsst die Tierhaltung dahinter sehen können und wie der Tierhalter sie betreibt. Vorschriften in EU-Verordnungen bilden keinesfalls ab, was wirklich gute Tierhaltung ist, egal in welchem Bereich. Glaubt keinen Discount-Biomarken, lasst euch zeigen, woher das Zeug kommt, was ihr einkauft, fordert den Kontakt zum Erzeuger, geht an der Milchtankstelle um die Ecke die Milch in eure Glasflaschen füllen, fragt, falls ihr auf dem Land wohnt, ob der Milchviehbetrieb Euch Milch verkauft, nebenbei bekommt ihr vielleicht einen Blick in den Stall und könnt sehen, dass es auch Milchkühe auf konventionell geführten Betrieben sehr gut haben können. Bei meinem Nachbar ist das jedenfalls so und ich liebe seine „Konvi-Milch“, die ich seit Jahren kaufe. Und beim Milch kaufen noch kurz Kühe streicheln…. Geht zum nächsten Schäfer in erreichbarer Nähe und fragt, ob er Euch Lamm verkauft – es ist sehr lecker und gesund, fast wie Fleisch von wilden Huftieren, fragt, ob ihr beim Gemüsebaubetrieb was kaufen könnt. Ja es ist aufwändiger, alles überall zu besorgen und für die Leute in großen Städten habe ich auch noch keine Lösung.

Man kann dazu noch viel mehr sagen, aber es ist eh schon so viel geworden. Ich kann nur wiederholen: liebe Verbraucher, lasst Euch nicht durch Labels und Zertifikate beruhigen, sucht den wirklichen Austausch mit den Produzenten und lasst uns gemeinsam eine Landwirtschaft und deren Überlebensfähigkeit entwickeln, die wir alle wollen!

 

 

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112 Kommentare

  1. Obstbäuerin sagt

    Hallo Bergbäuerin, vor allem sind die …Innen ja hier zahlenmäßig absolut in der Minderheit und einige Herren der Schöpfung diskutieren auch lieber unter ihresgleichen.

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    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Hallo Obstbäuerin
      es kann auch daran liegen, dass der Apfelanbau für die Diskutanten ein völlig fremdes Metier ist. Bei Fachfragen bei der Tierhaltung und Ackerbau halte ich mich auch zurück, das ist besser als was falsches zu sagen. Dass man die Damenwelt außen vor lässt, kann ich nicht erkennen, deshalb wünsche ich der Damenwelt hier im Forum ein herzliches Willkommen im Jahre 2019. 🙂

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      • Mark sagt

        “ dass der Apfelanbau für die Diskutanten ein völlig fremdes Metier ist “ Für manche vielleicht, allgemein dient es auch der Erweiterung des Horizontes, sich mit fremden Metiers zu befassen.. Jedenfalls waren die Beiträge der Obstbäuerin zu z.B. Themen wie Bienen- und Insektensterben besonders interessant.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Und warum ist das so?

        Meiner Meinung nach sind viele verblendet von den negativen Meinungen in den Medien und wollen viele den Bauern mal zeigen wie man Landwirtschaft macht. Die pflanzen etwas Gemüse in Reihenkultur in ihren Garten und Googeln nach Permakultur und schon sehen die sich genötigt, den Bauern sagen zu müssen, dass sie alles falsch machen.
        Doch du Schreck, bei Bauer Willi schreiben Frauen und Männer die Landwirtschaft können, das müssen die Kritiker erst mal verkraften.

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        • Stadtmensch sagt

          In Wirklichkeit ist es natürlich wieder ganz anders 😉
          Zitat:
          „Die vorhandenen ökologischen Fortschritte aus der Vergangenheit sind auf max. 15-20% der Bevölkerung zurückzuführen, dem Rest der Bevölkerung war immer alles scheißegal, der lebt geistig in einer anderen Realität. Das ist auch heute noch so, deshalb geht nichts vorwärts.“
          Quelle:
          https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Unser-taeglich-Bio-Massaker/Zu-den-Ursachen-des-Nichthandelns-in-der-ersten-Welt/posting-33680893/show/

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Und von den 15-20% sind wiederum 90 % der Meinung, für die Ökologie sind nur die Bauern zuständig. 🙁

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            • Inga sagt

              Wer weiß wie
              viel Neid, der aus Ohnmacht entsteht dahinter steckt?

              Die Landwirte, die mit den Forstwirten unsere natürliche Umwelt bewirtschaften, haben eben größere Verantwortung dafür, oder?

              Und sie nicht,
              den eignen Anteil den sie haben, können sie viellicht nicht mal begreifen, …

              sonst könnten sie den anderen gegenüber auch mit mehr Verständnis gegenüberstehen…
              So etwas muß in der Schule gelehrt werden, finde ich.

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            • Inga sagt

              Natürlich betrachte ich Schäfer auch als Landwirte, denn sie beeinflussen ja auch die Landbewirtschaftung und haben dadurch die gleichen Sorgen!

              Die Vit. A -gehalt für Schafe braucht nicht unbedingt aus Möhren zu stammen, er kommt auch in Klee oder anderen farbenfreudigen Pflanzen, wie Heidelbeeren oder Spinnat u.ä. vor, nur, – es muß in der HEIDE wachsen.
              Wenn die Ökoverbraucher auch nur gerade und große Möhren wollen, dann muß0 der ökologische Ökoanbauer ja uch viel Wegschmeißen und dieses könnte er doch verbilligt als Tierfutter für Ökobetriebe abgeben, oder?

              Müssen wir uns nun der Verbraucherberuhigung anpassen?
              „es dient lediglich der Verbraucherberuhigung. Hallelujah!“
              (es geht um doppelte Karenzzeit eines Bioschafes nach Einnahme eines Medikamentes)

              Nur weil die nicht lernen wollen?
              Ich dachte die sind schlauer als der „dumme Bauer“?

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        • bauerhans sagt

          heute war in der NW ein bericht über eine agraringenieurin,die den 3,5ha Demeterbetrieb ihres vaters nebenberuflich mit direktvermarktung weiter führt und eine schwarze null anstrebt,um nicht von ihrem gehalt zuzuschiessen.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Warum will die nicht ihren Betrieb subventionieren?
            Jedes Hobby kostet Geld. 😉

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            • Inga sagt

              Die will versuchen kostenneutral zu wirtschaften.

              Und wenn sie darüber Buch führt, dann kann sie dem Verbraucher beweisen, wie teuer der Ökoanbau ist?
              Dann kann der Verbraucher entscheiden, ob ihm diese Ökowaren das Geld wert sind.
              Wenn nicht, braucht er sich über konventionell nicht mehr zu beschweren!
              Dann ist er zu faul, wie ihm das sein Oma bestimmt des öfteren gesagt hat!

              Dann gibt er an der Ladenkasse die Verantwortung für die zu sich nehmenden Nahrungsmittel ab!

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Klärt diese Frau den Verbraucher über ihre finanziellen Ergebnisse auf?

              Ich sehe im Fernsehen immer ein gewissen Herrn Schweißfurth, der erklärt, dass man Schweine auch im Freien halten kann. Dass dieser Mann mit seiner Firma „Herta“ Millionen verdient hat und sich diese Bio Hof auch leisten kann, wird nicht erwähnt.

              Auch das von mir öfters erwähnte Hofgut Sylvia, wurde durch ein Millionenerbe erworben.

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            • Inga sagt

              Ja, ehemaliger Landwirt,
              tut sie,
              denn wenn sie die Zahlen offen legt, was so ein in „bio“ erzeugtes Schwein und seine Produkte kosten, dann ja?
              Und dann gibt es so und so viele Menschen, die der Preis für ein Stück gesundes Lebensmittel in Qualität erzeugt egal ist, er bezahlt das gerne, was es mehr kostet.

              Ich denke der Herr Schweißfurt klärt auch auf, er sagt ja oft,dass er sich mit der Massentierhaltung und der Billigwurst nicht mehr Identifizieren will, er hat umgedacht und er weiß auch dass, die in Freiland gehaltenen und gemästeten Schweine teuer und gesünder sind!

              Auch das muß man sich finanziell leisten können.

              Aber das müsste heutzutage in diesem Land eigentlich jeder können, denn wenn der Staat für den Untnerhalt sorgt, dann kann man auch alternativ leben und von den Vorzügen berichten.

              Man braucht nur etwas Mut und viel Idealismus!!!

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  2. Friedrich sagt

    Ja , wenn die Politik nichts mehr weis , kommt Papier. Konnte man nun gut bei unserer Schäferin erleben. Auch bei Bio geht´ s nicht ohne Hilfsmittel. Ohne Kupfer , Schwefel, Medikamente usw. läufts halt nicht. Auch ist Bio nicht gegen Nitrat gefeit, wie ich von meinem Biohofnachbarn erfahren habe. Er hatte Probleme mit Nitrat in seinen Biomöhren
    und das , obwohl er außer Ölrettich als Zwischfrucht nichts gedüngt hat. Auch hat er seine Möhren zwei bis dreimal beregnet.

    3+
    • Inga sagt

      Weißt du überhupt was
      Nitrat ist, Friedrich und wo es herkommt, und dass auch Biomöhren so etwas brauchen?

      Und die Hühner sind auch nicht drin rumgelaufen?

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  3. Sabine Norbisrath sagt

    Bei Huhns gibt es grob drei Möglichkeiten fürs Sternegucken: NCD, wo alle Behandlung endet und ein Seuchenausbruch gemeldet werden muss, Vitamin B oder Vitamin E Mangel. Da NCD geimpft werden muss, ist erste Möglichkeit recht unwahrscheinlich. Die letzten beiden werden mit Lösungen übers Trinkwasser behandelt, man kann mit dem richtigen Lösungsmittel so ziemlich alles mehr oder weniger gut in Wasser lösen. Für Vitamin Mangel hat man meist zwei Hauptquellen. Häufigste ist, dass das Tier Parasiten hat, anderer Grund kann schlechtes oder falsch gelagertes Futter sein.

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    • ah – ok, bei „schafs“ ist das anders. sternegucken ist immer ccn und nur durch gabe von vitamin b-komplex zu heilen. entweder längerer zeitraum subcutan oder in schlimmen fällen auch intravenös. aber übers trinkwasser würde das nichts bringen. subcutan ist mindestens nötig. orale gaben von vit-b komplex zusätzlich kann man gerne machen, aber dann unverdünnt und das hilft in erster linie dem pansen. wenn das schaf schon aufgrund fortschreitender erkrankung aufgehört hat zu fressen, wird auch das wiederkäuen eingestellt, was den vit- b und thiamin stoffwechsel ja auch negativ beeinflusst. dauert alles zu lange, bis es im hirn ankommt.

      was lernen wir wiedermal? immer die fachleute fragen…. auch schafe und hühner sind nochmal sehr unterschiedliche wesen 😉

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  4. Thomas Apfel sagt

    Solange die Logik des Wachsens und Weichens das ökonomische Grundprinzip bleibt, ist es schwierig gemeinsame Wege zu finden. Dies insbesondere, da das Wachsen der einen Seite (Betrieb im allgemeinen, oder Branche Konvi versus ÖKO) immer nur auf Kosten der anderen Seite möglich ist. Dieses Grundprinzip zu durchbrechen indem man durch Nischen und Kleinbäuerliche Strukturen „Verbesserung“ schafft, gelingt immer nur für überschaubare Größenordnung und Zeiträume. In den letzten 20 Jahren hat die durchschnittliche Betriebsgröße um 28 ha zugenommen. Folgt man dieser Entwicklung, so liegt die durchschnittliche Betriebsgröße in 20 Jahren bei linearem Trend bei rund
    90 ha. In diesem Zeitraum gehen dann wiederum 70.000 Betriebe verloren (und zwar von der Seite der kleinen („ökologisch Guten“) Betriebe aus). Das heißt Jeder kann sich Mühe geben und nach Möglichkeiten suchen der Wachstumslogik zu entkommen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: das geht maximal über 15 bis 20 Jahre, dann holt der Zwang zum Wachstum dich ein (entweder in Richtung Intensivierung oder in Richtung Flächenerweiterung). Der großstrukturierte LEH hat inzwischen Marktanteile von 85 %.
    Er setzt auch die gute Hälfte der erzeugten ÖKO Ware um. An diesen Strukturen führt kein Weg vorbei. Die restliche 15 % des Marktes sind zur Zeit noch Spielwiese für kleinere Betriebe und Direktvermarkter mit guten Ideen. Die Hoffnung, das dieses Segment wächst habe ich (auf Grund der Faktenlage) beerdigt: die landwirtschaftliche Direktvermarktung ist seit 20 Jahren auf dem Rückmarsch (jährlich um 1,2 %). Auch diese Nische wird sehr schnell von Großstrukturen besetzt (Gute Beispiele sind die Entwicklungen im Spargelanbau und beim Beerenobst in der Nähe von Berlin und speziell Karls´s Erdbeerhof).
    Ist jetzt ein bisschen lang geworden aber das Thema lässt auch keine einfachen Antworten zu.

    Trotzdem abschließend noch ein hübsches Zitat: „Erfolg heißt (in Zeiten der Globalisierung) … nicht ein Stoppen oder nur Abbremsen der Zerstörung der humanen Überlebensmöglichkeiten, sondern mehr Exzellenz (in der beschreibenden Forschung)…
    also mehr Forschungsgelder, Auszeichnungen und Mitarbeiterinnen, die sich irgendetwas Katastrophalem widmen dürfen und damit das symbolische und materielle Kapital ihres Ladens heben. … Anstatt, wie für jede und jeden einsichtig, den materiellen Stoffwechsel unserer Kultur anders zu organisieren, behält man den offenkundig falschen lieber bei, und investiert viel Geld und Energie, um ihn zu beschreiben“(Harald Welzer in „Futurzwei“ 05/2018)

    4+
    • fingerphilosoph sagt

      Wenn das Zeitalter der fossilen Brennstoffe zu Ende geht, ändern sich die ökonomischen Grundprinzipien. Großstrukturen sind abhängig von einem zentralisierten Energiesystem, das Energie billig zur Verfügung stellt. Die derzeitige Billigpreisphase verdankt sich amerikanischem Fracking und dem damit verbundenen Preiskrieg zwischen Amerika, OPEC und Russland. Das Erdöl-Zeitalter geht in den nächsten 30 bis 50 Jahren zu Ende und Atomkraft ist in Europa offenbar nicht mehr erwünscht. Die Vorstellung, mit volatilen Energieträgern wie Wind und Sonne nach denselben ökonomischen Prinzipien wie bisher verfahren zu können, dürfte sich als katastrophaler Irrtum herausstellen. Dann schlägt die Stunde der energetisch gut aufgestellten Höfe, und das dürften nicht die Agrarfabriken sein.

      Für die Landwirte geht es also zunächst darum, ihre Höfe über die nächsten 30 Jahre zu retten. Und da müssen sie sich heute was einfallen lassen und nicht erst morgen. Wenn die Substanz erstmal futsch ist, ist sie futsch, d.h., wenn bis dahin zu viele Höfe aufgegeben haben, ist nichts mehr da, worauf sich nach dem Erdölzeitalter aufbauen lässt.

      Für die Zeit nach dem Erdöl sind 300.000 Höfe bedenklich wenig, und de facto waren es 2016 sogar nur noch 276.000. In vier Jahren (2012-2016) haben 45.600 Höfe aufgegeben. In 10 Jahren (2006-2016) sind dem gegenüber nur 9.300 Bio-Bauernhöfe neu entstanden bzw. von konventionell in bio umgewandelt worden. Durch die politischen Weichenstellungen dürften künftig noch mehr Höfe in existenzielle Krisen geraten.

      Grabenkämpfe zwischen Bio und Konvi sind in dieser Situation kontraproduktiv. Es geht drum, das Wachsen und Weichen für die nächsten 30 Jahre aufzuschieben. Das Problem mit den Großstrukturen wird durch das Zuneigegehen der Erdölreserven gelöst.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        “ Für die Landwirte geht es also zunächst darum, ihre Höfe über die nächsten 30 Jahre zu retten.“

        Für die potenziellen Hofnachfolger wird die Begeisterung sich in Grenzen halten, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft 5.000 Euro im Monat als Facharbeiter zu verdienen ist.

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      • Thomas Apfel sagt

        Wasserstoff und Gas sind zur Zeit die effizientesten Energiespeicher. Es wäre vielleicht auch sinnvoller die überschüssige Energie aus Wind und Wasser relativ dezentral in Wasserstoff zu verwandeln. Pilotprojekte dazu gibt es. Es ist nur nicht im Interesse der Energie-Großkonzerne die Versorgung zu dezentralisieren. Ansonsten könnte auch das Gas- Fern- und Versorgungsnetz Wasserstoff speichern.
        Soweit ich weiß war früher im Gegensatz zu heute der Wasserstoffanteil bei Stadtgas recht hoch. Ist natürlich auch nur eine angelesene Idee. Trotzdem denke ich, das auch eventuelle Kleintechnik aufs ganze gesehen pro Flächeneinheit nicht preiswerter und energiesparender zu betreiben ist als das derzeitige Zugmaschinensystem, eher kommt die Brennzelle als Energieumwandler mehr in den Focus. Die Betriebe werden weiter wachsen, es sei denn eine Planwirtschaft kommt über uns.

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  5. Kirsten Wosnitza sagt

    Recht hat sie. Stellt sich die Frage was die Bio Verbände tun. Was sagt ihr Verband?

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    • nüscht sagt mein verband. das ist ja noch son dilemma….. stellen sich taub und wissen von nix und können sich das auch nicht erklären….. zudem haben die meisten von schafen nicht ganz so viel ahnung. bei demeter gehts zum beispiel immer um die „heilige kuh“. bei bioland sieht das schon etwas anders aus, da gibt es zumindest zuständige, die ein wenig ahnung von schafen haben. die stehen zwar „auf meiner seite“, sind aber zu weit weg von den schreibern von verordnungen, als dass sie etwas ändern könnten.
      es gibt aber gaaanz langsam bestrebungen, zum beispiel von professoren aus der öko-agrarwissenschaft, die den „zustand“ von bio-tieren und konvi-tieren untersuchen und festellen, dass es weder diesen noch jenen tieren zwangsläufig besser oder schlechter geht. deren ergebnis ist, dass es darauf ankommt, wie kompetent der tierhalter seine tiere pflegt. ich hoffe auf solche „wissenschaftliche studien“ und wünsche mir, dass diese ergebnisse in den verordnungen irgenwann sich niederschlagen werden. aber das kann ja bekanntlich jahre dauern…..

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  6. Arnold Krämer sagt

    Der heutige Beitrag und die folgende Diskussion wird dem Anspruch … Horizonte öffnen… in idealer Weise gerecht. Kompliment an die Ökoschäferin und die Diskutanten sowie ein herzliches Dankeschön an Bauer Willi und seine Mitstreiter! Alles Gute zum Neuen Jahr!

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  7. Christian Bothe sagt

    Eine tolle Beschreibung des Lebens einer Ökoschäferei und den entsprechenden sinnigen und unsinnigen VO der EU und des Landes.Ich sage das als Verfechter einer intensiven konventionellen LW und Hut ab vor dieser Schäferin!! Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeiten in den letzten 40 Jahren kann ich sehr gut das schwierige Wirtschaften der Schafhalter konventionell und ökohaltend einschätzen,denke ich.

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  8. Hallo
    Ich bin auch ein kleiner Bio Mutterkuh Betrieb der Naturschutzorientierte grünlandpflege betreibt und muss jedes Jahr feststellen das es immer schwieriger wird und die Gesetze einfach nicht alle passen
    Ich würde mich freuen wenn man sich zusammen tun könnte um Erfahrungen und Gedanken und Ideen auszutauschen

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  9. Obstbäuerin sagt

    Liebe Schäferin, schön mal einen Einblick in die Welt der Schafhaltung zu bekommen, das ist wirklich interessant. Auch wenn die Schafhaltung, so wie die Apfelproduktion, nur ein kleiner Sektor der Landwirtschaft ist, gehören wir doch alle dazu. Für mich stellt sich aber die Frage: Wie soll ich mich gemeinsam mit meinen Bio-Obstbaukollegen für eine bessere Landwirtschaft einsetzen, wenn von dieser Seite Forderungen (https://www.bioland.de/presse/presse-detail/article/antwort-auf-glyphosat-zulassung-bioland-delegierte-fuer-mehr-artenvielfalt-in-der-agrarlandschaft.html) aufgestellt werden, die meiner Produktionsweise (die auf keinen Fall schlechter ist) nicht nur schadet, sondern meinen Betrieb in existentielle Nöte bringt? Uns trifft die Neuausrichtung der GAP und die damit verbundenen angestrebten Veränderungen auf den letzten 100 m unseres Bauerndaseins und unser Handelsspielraum ist mehr als begrenzt. Wenn wir plötzlich unsere Kirschen nicht mehr vermarkten können, weil durch das Verbot der letzten Neonicotinoide keine Kirsche mehr ohne Made produziert werden kann, ist das für uns verheerend und es ist nicht so, dass die Bio-Seite das nicht wüsste. Geht in diesem Fall ein gemeinsamer Weg und wenn ja, wie?

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    • Liebe Obstbäuerin,
      gerade solche Menschen wie Dich würde ich am liebsten ganz dringlich in eine gemeinsame Diskussion holen! Natürlich geht das nicht hier in der Kommentarfunktion, dafür ist das Thema viel zu komplex.
      Nur soviel schonmal: ich glaube, ich kann in etwa nachvollziehen, wie es Dir damit geht. Alle wollen artgerechte Tierhaltung, Weidewirtschaft und keine Mähweiden, etc, aber wir Weidetierhalter müssen uns nun mit dem Wolf auseinandersetzen und uns sind die Hände gebunden. Noch vor ein paar Jahren hatten alte Schäfer Gewehre in ihrem Schäferkarren. Hauptsächlich wegen der Hunde. Heute undenkbar.
      Was ist denn mit Bioproduktion? Da gehen doch auch Kirschen ohne und mit Maden???? Ich hab leider keine Ahnung von Obstproduktion 🙁 Das ist der Punkt, an dem man fachlich ganz genau hinschauen muss und gleichzeitig den Betriebsleitern wirklich gangbare Wege anbieten. Genauso wie ich in den Arzei- und Parasitenmitteln wühle, um sinnvolles herauszufinden, müsste es doch möglich sein, sinnvolles für die Kirschen zu finden, oder wie ist das bei den Kirschen? Bei den Schafparasiten geht es zum Beispiel um sinnvolle Wirkstoffwechsel, damit Parasitenstämme nicht resistent werden, Kotproben (werden durch die Landwirtschaftskammer finanziert), um den Parasitenstatus festzustellen und gezielt Wirkstoffe in Schafgruppen einzusetzen. Es hört sich alles erstmal kompliziert an, aber wenn man einmal eine Art Alltagsrhythmus gefunden hat, wird es recht einfach. Und natürlich muss jeder seine fachliche Praxis beherrschen. Wenn ich Parasitenmittel unterdosiere, gibt es wieder Resistenzen.
      Ich würde Dir so gerne was zu den Kirschen (dem Obst) sagen, aber ich hab keine Ahnung von Kirschen und das tut mir grad echt leid.
      Von den Schafen gibt es ein Beispiel: Früher hat man prophylaktisch (oder metaphylaktisch) die ganze Herde gebadet, gegen Räude. Schafe hassen das. Und die Lösung war teilweise so scharf, dass ein Schäfer, den ich kenne, davon ganz gebleichte Hände hat. Er hat die Tiere immer getunkt, weil das Mittel nur wirksam ist, wenn das Schaf einmal ganz untergetaucht wird. Heute braucht man das in guter Schafhaltung nicht mehr. Wir wissen über die Wichtigkeit von einem hellen, luftigen Stall, da gibt es auch preisgünstige Lösungen von Folientunnel-ähnlichen Gestellen. Die Tiere brauchen genug Auslauf, Bewegung und Hygiene. Nach der Schur einmal ein Ektoparasitenmittel als pour-on und fertig. Meine Schafe sind damit frei von Räude, Milben, Haarlingen etc. Und sollten im Winter dennoch Haarlinge auftreten, gibt es das Pour-on nochmal. Wenn die Tiere ausreichend mit Spurenelementen versorgt sind, hält ihr Immunsystem alles in Schach. Die Devise ist immer: so wenig wie möglich, aber soviel wie nötig.
      So etwas muss doch auch im Obstbereich zu finden sein. Gerade, da Insekten und Obst ja schon miteinander zu tun haben. Wer bestäubt denn?
      Die Abl hat interessante Ideen entwickelt. Ein Subventionssytem, das nicht flächengebudnen ist, sondern nach einem Punktesystem die Umweltmaßnahmen mit integriert. Da wärt Ihr mit dem Obst doch ziemlich weit vorne, oder? Landschaftselemente, Blühstreifen am Rande, Schafweide unter den Obstbäumen ….. ich philosophiere nur mal….
      Und letztlich sind wir alle in den Fängen der Industrie. Es gibt Kokzidienmittel, die ich bei den Lämmern dringend brauche, sonst gehen die mir ein oder bleiben klein und dünn (ergo wirtschaftlicher Verlust) Diese mIttel sind aber die einzigen, bei denen ich immer selbst Bauchweh bekomme, weil sie in unsachgemäßer Anwendung (zuviel) auch Gewässerschäden hervorrufen können. etc,… egal, jedenfalls sind die umweltmäßig auch nicht ohne. Aber es hat einfach niemand ein Interesse daran, neue Mittel zu entwickeln, die gleichzeitig wirksam sind und umweltschonend. Die Fördergelder dafür gibts nicht. Wir müssten uns gemeinsam dafür einsetzen, dass solches ermöglicht wird. In Frankreich treiben die Schäfer aus Protest ihre Schafe durch die Städte, die dann mit Tausenden von Schafen vollgestopft sind. Derlei Aktionen finde ich ja immer sehr nett 😉
      das schonmal als ideen-sammlung …
      liebe grüße

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      • Obstbäuerin sagt

        Das ist das Problem, Schäferin, Kirsche geht mit Bio nicht. Es sei denn, sie werden mit Folie und Netzen von der natürlichen Umwelt so abgeschnitten, dass keine Kirschfruchtfliege mehr durchdringen kann. Es gibt wohl eine Handvoll Biobetriebe, die so produzieren, dass ist aber sehr sehr aufwendig und teuer. Da müsste man auch mal ausrechnen, wieviel Umweltverschmutzung durch die Herstellung und Entsorgung der Folien entsteht.
        Die Haustierbiene brauchen wir kaum noch, weil wir genügend Wildbienen und andere Insekten in unseren Anlagen haben. Bei uns ist die Biodiversität insgesamt sehr hoch.

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          • liebe obstbäuerin,
            ja mit der folie – da hast du recht. siehste, daran hätte ich gar nicht gedacht. plastikmüll ist ja ebenso eine große herausforderung unserer tage. ja, leider – wie gesagt – kenne ich obstbau nicht so detailreich wie schäferei…. gangbar wäre für mich dann, um erstmal einen schritt zu machen, die leistungen für biodiversität ins subventionssystem einzubeziehen, wie ich das mit der AbL schon beschrieben hatte. wenn kleinere betriebe dadurch besser überleben können, hätten wir ja schonmal schritt eins. und von da aus könnten wir weiter sehen.
            wie ist denn das mit den bestäubenden insekten und den parasitären insekten bei den schutzmitteln für obst? bei meinen wurmmitteln gibt es auch bestimmte „zielgruppen“, wenngleich die kleinstlebewesen, die sich an den kötteln laben natürlich auch etwas davon aufnehmen, kurz nach behandlung z.b. dennoch habe ich noch nie beobachtet, dass es weniger käfer auf den kötteln gäbe…. hm? aber dafür habe ich natürlich leider keine wissenschaftliche diskussionsgrundlage…

            du hattest nach den möglichkeiten eines gemeinsamen weges gefragt angesichts der tatsache, dass die „ökos“ keine „konvi-methoden“ wollen. mir fällt in deinem fall immernoch nichts besseres ein, als einsatz für ein anderes subventionssystem. hab beim entwurmen und spurenelemente geben vorhin drüber nachdenken müssen… aber da braucht es echt fachwissen zum obstanbau…. mit meinem konvi-milchviehbetrieb ist es so, dass die auch sehr kleinteilig wirtschaften, alte weißdornhecken stehen haben usw. kitze werden vor der frühen mahd teilweise per drohne rausgesucht, gülle mit schleppschläuchen machen die auch schon länger, usw…. auch die sollten von solchen subventionen für umweltmaßnahmen profitieren können. und ich werbe fleißig dafür, dort milch zu kaufen. ich weiß, das bringt kaum was, aber wenn ich meine 50 cent pro liter milch dort lasse, weiß ich, dass dr gesamte betrag in die kasse fließt. das macht mich froh. wenn die ihre gesamte milch zu solchen konditionen loswerden würden, was wäre das schön….. ich weiß, dass meine paar liter in der woche den betrieb nicht finanzieren, aber es ist für mich ein schritt in die gemeinsame richtung. ich hab schonmal angeboten, auch gern nen euro zu geben, aber das ging gar nicht. obwohl ich im laden ja dasselbe zahle (oder mehr) – da gebe ich dasselbe geld lieber meiner milchbäuerin. aber die ist eine alte heitjerin, immer gearbeitet, grundehrlich, genügsam und korrekt. nein, ein euro geht nicht. alle nachbarn zahlen 50 cent, das war und bleibt so. basta. da hab ich mich zu fügen. mann, ich liebe diese dame…..
            für mich wäre es ein mix aus einsatz für andere subventinonen ( was die abl ja gerne anlässlich GAP 2020 durchbringen will) und fachkräftetreffen udn ausarbeitung gemeinsamer ziele aufgrund von fachkompetenten entscheidungen. die aber eben von den kleinen wie von dir und mir und meiner milchbäuerin getragen werden, wo die „großen“ und die händler bitteschön mal draußen bleiben…

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            • liebe obstbäuerin – das alles lässt mich gerade nicht los. nicht dass ich noch zur hobby-obstbäuerin werde, um herauszufinden, was man tun kann…. ohjeh….. manchmal hasse ich meinen aktionismus… ;-D
              liebe grüße

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            • Obstbäuerin sagt

              Hallo Schäferin, es wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn uns wichtige Produktionsmittel (Glyphosat, PSM) nicht durch unsinnige Forderungen entzogen werden, bevor sie durch bessere Methoden ersetzt werden können. Offensichtlich wird die Priorität der Fachkompetenz gerade den Wunschvorstellungen landwirtschaftsferner Gruppen geopfert. Meine Hoffnung auf eine positive Wendung schwindet dahin.
              In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sehe ich allerdings aus verschiedenen Gründen nicht die Zukunft.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Gerade beim Glyphosat sehen wir, das nicht mehr die Wissenschaft die Oberhand behält, sondern die NGOs, deren Forderungen die Medienwelt ungeprüft übernimmt. Als Folge sieht man, dass der Verbraucher verunsichert ist und Bauern als Tierquäler und Umweltverschmutzer beschimpft.
              Wenn das in der Intensität weitergeht, wird man die bäuerlichen Familienbetriebe zukünftig mit der Lupe suchen müssen.

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  10. Brötchen sagt

    Rein fachlich , es gibt Mineralfuttermittel ohne Vitaminzusatz. Z.b. von Rekasan oder vilomix. Ich habe selber mal Angebote eingeholt.
    Wozu Schafe vitaminzusätze brauchen ist mir auch nicht klar, könnte man auch über Silage decken, da ist genug Vitamin A drin….man könnte auch Getreide ankeimen. Ist meines wissens Usus bei Ziegenhaltern in Frankreich.

    Was die unleidliche Grössendiskussion betrifft, ich habe 5schafe und finde deshalb 500 schrecklich ;).

    Den Hinweis sich die Haltung auch vor Ort anzusehen kann ich nur dick unterstreichen!
    Und sich die Richtlinien ansehen und erklären lassen.
    Bio kann schon wesentlich besser von der Haltung her sein als konvi.
    bei Schafen und Mutterkühen ist der unterschied nur sehr gering zumal die Preise für das Produkt schon immer recht stabil und hoch sind. Der Teufel liegt dann immer im Detail…..z.b. schon bewusst das die Rückwände von den Bienenwaben hergestellt werden indem der Wachs von vielen Imkern gemischt wird. Wenn einer Schadstoffe enthält, hat man die überall drin. Kann man auch selber machen oder nur aus seinem eigenen Wachs..

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    • Brötchen sagt

      Wieso das jetzige Gras kein Vitamin a enthalten soll, kann ich mir nicht erklären. Zur Zeit wächst sogar noch was nach. Ist zwar sehr gering aber zur Vitamin a Abdeckung dürfte das reichen.

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        • hallo brötchen,
          ja, eben. weil es nicht immer nur ausreichend ist, enthalten auch viele bio-mineralfuttermischungen vitamine. es kommt eben drauf an, wo man ist. hier bei uns im moor ist nüscht im boden, aber sowas von gar nüscht. bei den mineralfuttermitteln habe ich zuerst nach dem selengehalt geschaut und dann das ausgewählt, wo am meisten drin ist. weil wir hier auf dem boden ohne zusätzliche gaben im hochgradigen mangel leben. bzw. meine schafe. das ist nicht nur ein bisschen mangel, sondern lebensbedrohlich.
          und was die silage und den aktuellen aufwuchs betrifft, muss ich leider widersprechen. draußen ist fertig, da ist nichts mehr, wovon ich meine tiere ernähren geschweige denn mit den nötigen mineralien und vitaminen versorgen könnte. in der silage gehen 60 % des vorhandenen vitamin a verloren. zudem ist silagefütterung nur in der hochträchtigkeit sinnvoll, wenn die größeren föten so viel platz wegnehmen, dass den schafen die aufschlüsselung der inhaltsstoffe durch vor-verdauung erleichtert wird. ansonsten achte ich immer sehr darauaf, ausreichend rohfaser zu haben, damit die intensität des wiederkauens (häufgkeit und dauer) schön erhalten bleibt. je intensiver wiedergekäut wird, desto besser wird alles aus dem futter geholt, was drin ist.
          dann ist wieder die frage, welche antagonisten haben wir im land? wenn phosphor da ist, wird nicht ausrichend vit.a aufgenommen. das ist so ähnlich wie mit dem kupfer. alle glauben immer, schafe dürften kein kupfer haben, was aber icht stimmt. auch schafe brauchen kupfer. nur in geringeren dosen. wir heir haben aber viel eisen im boden – kupferantagonist. und daher hatten wir schon kupfermangelzustände…. jetzt ist es so, dass ich in der hochträchtigkeit den schafen rindermineralleksteine reinstelle – früher undenkbar sowas – seitdem sind die lämmer fit und moppelig… kupferproben im lebergewebe ergeben werte zwischen 100 – 200 mg/kg TS – immernoch mangel laut referenzwert, allerings ausreichend für die moorschnucken hier, mehr geht nicht. ein moorschnucken kollege mit 600 mutterschafen macht das so ähnlich. rindermineral in der trächtigkeit. allerdings muss man diese steine auch weider rausnehmen, wenn die anspruchsvolle phase vobei ist, da muss man sehr aufmerksam sein, sonst geht das nach hinten los….
          und zum gras: im gras ist betakarotin, ja aber selbst das muss erst noch umgewandelt werden in vitamin a – und wenn es an allen ecken und enden mangelt – woher soll das tier denn die kraft für diese ganzen synthetisierungen nehmen? thiamin und vitamin b ist auch so ein hübsches thema. haben wir auch wenig von und ich öfter mal „sternengucker“, bzw. reagiere ich in der vorstufe schon. bevor das teir festliegt, fällt einem die orientierungslosigkeit auf und die seltsamen augen…. wenn es dann noch entlang des zaunes von der herde wegläuft, ist alles klar. vitamin b-komplex, subcutan, 5 tage lang 5 ml und die schucke ist völlständig wieder hergestellt. seitdem ich das weiß, hab ich nie wieder ein tier an hirnrindennekrose verloren…..
          und ja 500 schafe hört sich schrecklich an. von der arbeit her 😉 ;-D schafe leben in familien- und freundschaftsverbänden von 20 bis 30 tieren, wenn man sie frei wählen lassen würde. in einer größen herde sortieren sie sich in untergruppen oder bezugsgruppen. wenn die herde draußen gehütet wird, dann laufen diese grüppchen zusammen. 500 schafe ist dann für die schafe okay, denn sie laufen ja frei rum mit ihrem schäfer, der weiß, wo senf und ölrettich wächst, wo heide steht, wo aufgelaufene felder abgehütet werden dürfen, wo büsche abgeknabbert werden dürfen… 😉 ich bin mit einem kollegen mit 650 mutterschafen unterwegs gewesen. da fühlt sich jedes schaf wohl. (kannst gerne auf meinem blog den bericht lesen, da gibts „beweisfotos“ ) aber in der koppelhaltung ist das etwas anderes. da würde ich die gruppen auch nicht so groß machen, sofern das geht. ich hab den luxus mit meinen 40 muttertieren hier vom hof quersubventioniert zu werden, solange ich für den kuschlfaktor (kinder und schafe) und ein paar ordentliche lammkeulen sorge. 100 schafe im sommer fühlt sich dann aber trotzdem nicht zuviel an, denn die schnucke liebt gesellschaft. und für die nette quersubventionierung versuche ich natürlich beste arbeit zu machen und ordentlich „abzuliefern“. denn sonst gehen alle rechnungen am ende nicht auf, wenn nicht wenigstens ein bisschen ertrag runterkommt. das ist bei uns allen gleich.
          ja und in dem kontext ist es tatsächlich ein bisschen egal, ob schafe bio sind oder nicht, es kommt auf den hof-individuellen kontext an – genau wie du sagst. allerdings fnde ich es auch schöner für die tiere, wenn sie mehr platz etc. haben. nur, dass „mehr“ bio-platz von 0,7 qm natürlich genauso witzlos ist, wenn der stall stickig ist…
          yo, ich muss noch eben schafe entwurmen – ich schau später nochmal rein. bis denne
          liebe grüße

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          • Brötchen sagt

            Schäferin, meines Erachtens sind die Vitamine drin, weil sie recht günstig sind und weil der Hersteller kein Risiko eingehen will. Wenn der Kunde dann noch sagt, kann rein, dann machen die das so. Ich war mal in einer Mineralfutterfabrik drin, ist schon faszinierend. Das bei Schafen Vit A Mangel auftritt, halte ich für herbeigeredet. Ich hatte mal für den Menschen kalkuliert im Zusammenhang mit dem Golden Rice ( enthält mehr Vit A durch Gentechnik), eine kleine Handvoll Grünzeug reicht zur Bedarfsdeckung voll aus. Bei den bedarfswerten sind überall Sicherheitszuschläge im bedarf drin, da es nichts kostet, ist es eben drin und die werden einen Teufel tun, dagegen zu reden.
            Ihr müsst Euch bei Bio entscheiden, Pülverchen da und dort, oder konsequenter Verzicht.

            ich wundere mich etwas, da ich schon Fütterungen mache, die wieder etwas zurück gehen, also viel einfacher und ohnen Pülverchen hier, Pülverchen da.
            Ich habe das gleiche Problem mit meinen Perhühnern, die können wohl angeblich auch kein Kupfer abbauen und es ist überall beim geflügel ordentlich Kupfer drin. Ich mache da eigene Körnermischung und dann gibt es noch Kalk und die wachsen bisher auch gut. Ein Küken lief/läuft bei den Hühnern mit(hat sich so ergeben, war nur eins), mal sehen, ob das irgendwann stirbt, weil es Kupfer mit aufnimmt, bis jetzt toi toi geht es ihm gut.

            Das mit den beständen war ein Spass! der mit den 3000 Legehennen muss auch seine Eiersortierung usw. finanzieren, kostet alles Geld, muss ich Dir nicht erzählen! Brauchst Dich dafür nicht verteidigen. meines Erachtens kann man erst so ab 500-700 Muttern von leben, braucht aber auch landschaftspflegeprämien usw…

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            • Sabine sagt

              Naja, wieviel Getreide muss man wohl für die Versorgung einer Schafherde ankeimen? Einer unserer Brahmazüchter hatte mal Probleme mit Sterneguckern, den hat der TA empfohlen 200mg Vitamin E auf den Liter Trinkwasser zu mischen, Wenn man von ca, 0,3 Liter pro Tier ausgeht und einem VitE – Gehalt von 25mg pro 100g gekeimtem Weizen, müsste man bei akutem Mangel also 240g in so ein Tier reinstopfen. Brahmas sind zwar recht groß, aber 240g auf ca. 4 Kilo Lebendgewicht? Das musst Du erstmal in ein schwächelndes Tier reinkriegen. Was wiegt ne Schnucke? Das Zehnfache? … und das mal 500?
              Entweder mach ich hier einen gewaltigen Rechenfehler oder das mit dem angekeimten Weizen ist eher was für Leute, die kein anderes Hobby haben.

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            • hallo brötchen.
              oha – das geschriebene wort ist oft schnell mißinterpretiert…. ja, als ich hier auf den hof gekommen bin vor 7 jahren, da waren es noch 500 muttern, die wirtschaftlich erfolgreich laufen – heute ist man bei ca. 800 – je nach schäferei und wie du sagst – landschaftspflegevertragsmöglichkeiten. ich bin da glaube ich etwas empfindlich udn verteidige mich schnell, weil ich riesige herden oft selbst zu groß finde. so ca. 600 muttern, die gehütet werden geht. aber nur beim hüten, koppeln finde ich dann blöd für die schafe. viele müssen aber mehr haben und sind teiweise mit 1000 tieren unterwegs. da frage ich mich dann immer, wie es geht, dass man wirklich alle gesundheitlich im blick behält, denn 1000 sind ja immerhin nochmal 400 (!) mehr als 600….

              mit den pülverchen, da muss ich dir aber aus erfahrung leider widersprechen, bzw. bedingt widersprechen. auch hier kommt es extrem darauf an, welche schafe, wo und was der hintergrund ist. wenn ich auf fettem land eine alte landschafrasse halte, weil ich schafe gerne habe und viel fläche zur verfügung habe, mag das durchaus gehen. weidewechsel, zwischendurch blätter, ein bisschen gemüsereste und gut. aber sobald ich produktionsdruck habe, den tieren leistung abverlange und dann noch auf „bodenpunkte 20 bis 30“ stehe, dann geht es definitiv nicht.
              ein problem daran ist, dass auch die alten rassen etwas größer gezüchtet wurden. früher hat man bei moorschnucken auf einlammigkeit gezüchtet, weil die tiere im moor gehütet wurden und da nicht genug milch für zwei lämmer rauszuholen war. heute wollen selbst moorschnuckenschäfereien oft zwei lämmer, weil sonst nicht genug lammfleisch rauskommt zum überleben. und auch sie machen gebrauchskreuzungen mit fleischrassen, gerne charmoise oder berrichon. selbst ausprobiert. ist halt ein unetrschied, ob da 17 kg oder 29 kg am haken hängen…. 29 kg verlangen mutter und lamm aber einiges ab und das kommt nicht mehr aus dem moor. jetzt könnte man sagen, gut wir lassen das eben wieder sein (abgesehen davon dass es dann wirtschaftlich nicht läuft) aber die muttertiere sind ja ihrerseits schon größer und haben einen anderen bedarf. geht also nicht. und dazu kommt, dass wir oft nicht genug fläche haben, über die wir mangelsituationen ausgleichen können. die allmende, in der der schäfer früher gehütet hat, gibts nicht mehr und die bauern lassen einen kaum noch auf abgeerntete felder. weil sie es nicht mehr kennen. (schafdung durch nachtpferche) ist auch nicht mehr nötig. zudem fressen schafe nichts, wo gülle draufkam, also fallen auch solche flächen für uns weg, usw… dahinter steckt ein riesen-spektakel, was einem beim anblick des schäfers mit seiner herde nicht bewusst ist. wenn ich jetzt aber die größeren schafe mit den den zwei lämmern auf weniger fläche dick und rund kriegen will???? da müssen dann eben blutproben, leberproben usw. her und ich muss an mineralstoffschräubchen drehen.

              die alten kleinen schnucken hatten 12 kg schlachtkörpergewichte oder weniger. weiß nicht….. ich muss für 130 leute fleisch produzieren. wieviel schafe brauche ich bei 12 kg? und im gegensatz bei 17 bzw. 29 kg? wieviel fläche habe ich? wieviel schafe pro fläche gehen auf dem land…. es ist viel zu bedenken.

              eine andere geschichte ist die einer hobbyschafhalterin, die ihre rauwolligen pommernschafe zur schur vorbeigebracht hat, um ihre drei damen und zwei lämmer zum frisörtermin unterzumogeln. ja, ok, mach mal, dachte ich, wird doch witzig. besuchsschafe. aber nach der schur (ich hatte mich wohlweislich beim anblick der schafe zurückgehalten) fiel sie aus allen wolken, weil die tiere nur aus knochen bestanden. die tiere waren halbtot. die mutter hatte keine milch, das lamm verhungerte am winzigen euter. zum glück war das andere schon ein flaschenlamm. die dame brach in tränen aus, nachdem ich ihr auf ihr bitten hin geschildert habe, was ich an den tieren wahrnehme (extrem blasse schleimhäute aufgrund von parasitenbefall, brillen durch kupfermangel, tränenspuren und glanzlose gesichter aufgrund selenmangel.) sie hat sich tausendmal bei mir entschuldigt, weil sie das ihren tieren niemals hatte antun wollen. entschuldige dich nicht bei mir – entschuldige dich bei deinen schafen, dachte ich und bot ihr an, sie ein wenig zu begleiten und in den kommenden wochen ein neues schafmanagement herauszuarbeiten, was sie dankend annahm. ich sollte doch bitte gleich beginnen. also habe ich meine spritzen gezückt und erstmal selen und vit.b subcutan gegeben, die lämmer auf kokzidien, bandwürmer und magen-darmwürmer behandelt und die mütter auf magendarm und leberegel. um es abzukürzen: wir haben in folge noch öfter behandelt, aber imemr spezifischer, haben kotproben genommen, haben nach ablauf von mindestwartezeiten die spurenelemente nochmal substituiert. heute ist sie in einem „ganz normalen“ behandlungsplan für gesunde schafe. das eine lamm, was bei der mutter geblieben war, hatte es leider nicht geschafft, aber das flaschenlamm ist heute ein schlachtschiff. die mutter hatte ordentlich einen auf den deckel bekommen durch die gesundheitliche situation udn sich nur langsam erholt, aber heute hat sie zumindest beim lendengriff etwas vorzuweisen. und eine der damen von damals ist ebenso schlachtschiff wie das lamm. bei den halbtoten schafen ein ziemlich gutes ergebnis. die lösung war: parasitenmangement und spurenlemente – auch inkluisive vitamine im mineralfutter.

              aber ich habe auch eine andere geschichte zum besten zu geben. die vom neuen zuhause meines alten bocks. da er so nett war, fand ich ihn zu schade für die wurst. alsbald meldete sich jemand, der 7 oder 8 schnucken als hobby hat. da sollte er mitlaufen, ganzjährig, die lämmer sind für die truhe. ich hab natürlich erstmal die schafhaltungskonditionen abgeklopft. entwurmen? noooja, sacht er. so einmal im jahr? oha – dachte ich. spurenelemente? ja, mineralfutter da. ok – na gut. fläche? und da kams: er hatte soviel fläche, dass er auf allen weiden nur einmal im jahr weidet, er wusste gar nicht, wie er das alles mit den schafen platt kriegen soll. dann zeigte er mir bilder von seinen geschorenen damen und die warn dick und rund. also war klar, wo mein alter bock seinen lebensabend verbringen würde…. mann hat der sich gefreut. 7 oder 8 damen in ständiger erreichbarkeit – nie wieder aus der herde raus. juppieh.

              also lange rede kurzer sinn: schafhaltung ist superindividuell zu beurteilen und dass vitamine nur weil sie günstig sind reingemischt werden stimmt nicht ganz so. was in den fabriken los ist, will ich wahrscheinlich gar nicht wissen – da hast du recht…. physiologischen bedarf gibt es bei den tieren aber schon. du kannst das nicht mit uns menschen vergleichen. wir kriegen unser „grundfutter“ von überall aus der welt, da ist ein komplexer vitamin und spurenelemente-cocktail drin. und die vit./spur. haben ncohmal komplexe wechselwirkungen. vit. a mangel ist nicht so vordergründig bei schafen, das ist richtig, allerdings braucht es sich bei leistungsdruck sehr auf und dann können in kombi mit dem restlichen mangel schon erhabliche schäden entstehen…

              und deswegen wiill ich mich als ökoschäferin auch nicht entscheiden ob „mit oder ohne“, sondern ich will das wesen „schaf“ ganz genau kennen und absolut fachkompetent arbeiten. manche ökos, die ihre tiere nicht bedarfsgerecht versorgen / entwurmen regen mich fürchterlich auf – weil sie eben das bild malen: öko braucht das alles nicht. das ist quatsch. auch ökotiere brauchen spurenelemente und vitamine. und wenn die ökotiere dann scheiße aussehen, dann trifft uns die kritik von den „ach so bösen konvis, die ihre tiere vollstopfen“ zurecht!!! nur kann man es anders lösen, man nimmt eben nur bestimmte wirkstoffgruppen, die auch auf dem land gut abbaubar sind, man nimmt nur die vitamine und mineralien, die die tiere ihren aktuellen rassestandarts entsprechend zu leistung bringen, man arbeitet vorzugsweise mit alten/genügsamen schafrassen, die regional angepasst sind, um eben nicht so viel zusatzkrams zu benötigen usw… da gäbe es möglichkeiten. und dennoch stehen am ende 17 kg „schnucke am haken“ davon musste erstmal einige verkaufen…
              und wie soll ich meinen „ach so bösen schweinehalter-kollegen“ zeigen, dass öko besser ist, wenn ich mit 17 kg am haken ankomme? ich weiß schon, dass bei den zahlen einige hier beim lesen schon kichern müssen…. und dazu gibt es – wie meine liebe milchbäuerin – konvikollegen, die mir im laufe der jahre sehr lieb und teuer geworden sind und deren nöte ich nun „von intern“ besser kennenlernen durfte. wer zum beispiel ferkelhebamme hier gut zugehört hat, der weiß, wie schwer es ist einen besseren stall zu bauen, weil die mit denselben behördlichen wahnideen zu kämpfen hatten.

              und das sind die punkte, liebe kollegen, streiter und mitstreiter, wo ich finde: an denen müssten wir uns zusammentun und einen bauernaufstand proben. äh – pardon: einen bauern- und schäferaufstand natürlich.

              2+
            • Brötchen sagt

              Sabine Vit E ist fettlöslich denke, das müsste im reinen Hafer genügend drin sein. ich sprach von Vit A. Hafer ist sehr fetthaltig.

              meine Schafe bekommen jetzt Mohrrüben und Quetschhafer.

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            • liebe leute, sternengucker – hirnrindennekrose kommt aber vom vitamin b mangel, der wiederum u.a. mit dem vorhandensein von cobalt korreliert. ….
              https://de.wikipedia.org/wiki/Zerebrokortikalnekrose
              vit e ist für quergestreifte muskulatur, fruchtbarkeit und (föten-) wachstum „zuständig“.

              @brötchen: siehste, die möhren sind supergut für die schafe, wenn ich das könnte, könnte ich vitamine weglassen, aber ich habe keine möhren in ausreichender menge! hafer kriegen meine auch, sogar aus eigenanbau. aber der ist hauptsächlcih für energie und kohlenhydrate, fötenwachstum, miclhleistung etc. ab dem letzetn trächtigkeitsdrittel gehts los. allerdings bis mx. 200 gr hafer pro schnucke/tag und bei größeren schafen max. 300 gr je tag, sonst kommt der pansen empfindlich durcheinenader… azidose sag ich nur…. diese mengen reichen aber nicht zur ausreichenden versorgung mit vit/spurenelemente. wir haben – mit haferfütterung in der beschrieben weise und ohne spurenelementesubstitution blutproben gemacht. unterirdisch niedrig. meine tierärztin ist aus allen wolken gefallen. seitdem nie mehr ohne.

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  11. bauerhans sagt

    bio wird besonders staatlich gefördert,weil es deutlich besser sein soll als konventionell,was wohl laut verschiedener untersuchungen so nicht zutrifft.
    die hohen finanziellen züschüsse sind an bedingungen geknüpft,die besonders in D strikt kontrolliert und sanktioniert werden.
    wer also einen antrag stellt,muss die bedingungen einhalten.

    hier prüft gerade das vetamt,ob die menge der verordneten medikamente auch mit der anzahl der gehaltenen tiere übereinstimmt.
    da hilft nur,genau den anweisungen des tierarztes zu folgen.

    1+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Bio-Landwirtschaft wird vor allem deshalb gefördert, weil diese Art Landwirtschaft unsere natürlichen Ressourcen tangiert. Ohne PSM gibt es keine PSM- Rückstände in Boden, Grundwasser und Lebensmittel. Ohne Handelsdünger keine Nitratprobleme usw.

      1+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Alois,
        ich muss das jetzt Dir sagen, du hat keine Ahnung was an äußere Qualität bei Obst verlangt wird. Da wird eine äußere Qualität verlangt, welche die Natur nicht von alleine liefert. Das ist auch bei BIO Betrieben so. Wenn ein BIO Apfelerzeuger 40 mal mit Schwefel behandelt, dann hat das auch mit PSM zu tun. Auch der Ruf nach Phosphonate ist im BIO Weinbau nicht zu überhören, das letzte Jahr brachte die erhoffte Entspannung, nasse Jahre mit viel Peronospara kommen wieder, dafür war der Mehltau in diesem Jahr ein Problem.
        Was mich stört ist, dass ständig gepredigt wird, dass im BIO-Bereich keine Pestizide verwendet würden, das ist schlicht und einfach eine Lüge, bio Betriebe verwenden nur keine synthetischen Pestizide

        3+
        • Brötchen sagt

          Alois bei uns war gerade Kontrolle wegen dunglagerung! Das was die wollen, ist quasi Stickstoff Freiheit. Das ist fast unbezahlbar!

          0
            • Sabine sagt

              Also, wenn ich die Pferdeleute hier richtig verstanden habe, möchte man von amtlicher Seite Tierhaltung ohne Stickstoff-Ausstoß. Was ziemlicher Unsinn ist, wenn man mich fragt. Es darf nichts abfließen, nichts darf stinken…alles soll rundum dicht sein. Der klassische Misthaufen unter freiem Himmel inkl. der natürlichen „Müllwerker“ von der gemeinen Mistfliege bis zum Vogel haben so keine Chance. Und dann wird der Nashornkäfer auf die Rote Liste gesetzt. Dass die dicken Käfer besonders gerne im warmen Gemisch von Stroh, Holzmehl und Pferdeäpfel rumturnt, interessiert da nicht. Aber die Landwirtschaft ist ja böse und reduzieren mutwillig die Lebensräume seltener Tiere.
              Ja, ja, so ist das.

              2+
            • Inga sagt

              Was von amtlicher Seite, Sabine?
              Sind wir schon so weit?

              Na ja, das Amt wird von allen Steuerzahlern bezahlt, oder?

              Aber deswegen muß es trotzdem in der Realität bleiben und nach den Naturgesetzen und seinem Fachwissen handeln, was seine Aufgabe ist.
              Sonst leidet unsere Ökologie!
              Und damit wir Steuerzahler selber!

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            • Sabine sagt

              Wir grenzen an ein sehr wasserreiches Landschaftsschutzgebiet und es gibt einen entsprechenden Verband, der versucht alle Belange von Verbrauchern, Naturschutz etc. unter einen Hut zu bringen. Aus der Ecke kommen immer wieder Gerüchte, dass man im Landwirtschaftsministerium gar keine unkontrollierten Einträge aus der Tierhaltung haben möchte, also auch keine qualmenden Misten mehr. Im Norden gab es ja schon den Vorstoß Festmistlager zu überdachen, aber selbst die rotten ja noch und was verrottet setzt halt auch mal Gase frei.

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        • Obstbäuerin sagt

          Ja, ehemaliger Landwirt, so ist es. Du weißt es, ich weiß es und man kann es auch nachlesen, was an PSM (einschließlich Kupfer) im Bio-Obstanbau verwendet wird. Im Januar findet unser nächster Obstbautag statt und dort wird die Bienenexpertin Frau von Orlow die ersten Ergebnisse des Wildbienenmonitorings in und um unsere Anlagen auswerten. Ich wollte ja schon im Frühjahr dazu was schreiben aber da hatte ich noch zu wenig Fakten.
          Fest steht aber schon jetzt, dass unsere Biodiversität sehr hoch ist und wir uns NULL von den Bio-Anlagen unterscheiden.

          1+
          • oha, da wäre ich ja sehr interessiert. kannst du nach der tagung auch mal eine artikel dazu machen? vielleicht hier?
            zum glyphosat kann ich aus erfahrung nichts sagen. kann euch aber durchaus verstehen. für mich soll es ja „igitt – böse“ sein, aber ich hatte schon interessante diskussionen mit meinem milchbauer-nachbarn, der mir auch von intern erklärte, dass er allein schon der kosten wegen das zeuch nicht „literweise“ irgendwo hinkippt und die ganzen verteufelungen – wie im tierhalterbereich – unberechtigt sind. er überlegt genau, was wo und wann.
            mit den wurmmitteln ist es genauso. plötzlich wird eins vom markt genommen, was aber besonders umweltverträglich ist. warum? keine ahnung. nicht genug daran verdient? günstig, umweltverträglich und wriksam? also wech damit. schon komisch mit der futtermittel- udn pharmaindustrie….
            von daher wäre ich voll bei euch, wenn ihr sagt, lasst uns doch glyphosat verwenden, bis es etwas besseres auf dem markt gibt.
            haben wir gemeinsam da die möglichkieten, nach so etwas zu fordern?

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            • Obstbäuerin sagt

              Schäferin, Du bist wohl eine große angenehme Ausnahme, dass muss ich hier mal loswerden. Dein Angebot nehme ich gerne an und bin tief beeindruckt. So, wie ich dafür bin, dass Du die Mittel einsetzen darfst, die Deinen Schafen nützen, gibst Du mir das Recht, meine Mittel einzusetzen, um Äpfel zu produzieren. Das nenne ich eine win-win-Situation. Da wir beide daran interessiert sind, der Umwelt so wenig, wie möglich zu schaden, ist da auch keine Katastrophe zu befürchten.
              Von Frau von Orlow habe ich schon die Genehmigung, dazu einen Beitrag zu veröffentlichen.

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            • danke, obstbäuerin. da bleibt mein auge nicht trocken….
              ich bin echt gespannt – (willi kannst du mich benachrichtigen, wenn ihr artikel kommt, bitte?) ähnliche erfahrungen machen wir ja oft. wenn man genau hinschaut, ist alles viel komplexer und sehr standortabhängigg, betriebsindividuell, etc. da freue ich mich auf einen überblick über biodiverse insektenwelt auf einem konventionellen obstbaubetrieb. was ist der grund für das vorhandensein von den vielen insekten? (ich tippe ja in richtung wie schonmal gesagt – es müsste doch einen eklatanten unterscheid machen, ob maisfelder stehen oder eine obstplantage…. aber gemach, mal sehen)

              ich hab halt von meiner milchbäuerin sehr viel gelernt. erst war es das typische: „näää, die kühe stehn im stall, näää, die kühe kriegen gvo-soja aus übersee“, bla bla, das übliche halt. aber man will sich ja nichts verscherzen und tastet sich langsam ran. und über die jahre merke ich hoppala – das ist ja genauso gedankenvolle und kompetente arbeit. und indem man sich derart mal nicht um sein „bio-ego“ dreht, sondern dem anderen zuhört, tun sich interessante welten auf. abgesehen von den individuellen nöten eines kleinen familienbetriebes. dass die kühe mit dem melkroboter sogar eine bessere eutergesundheit haben, als vorher ohne, dass die kühe zwar drinnen sind und sojaschrot kriegen, aber daür keine wurmmittel und leberegelmittel. meine schafe sind draußen udn kriegen kein soja, dafür brauchen sie aber wurmmittel und co. so what? irgendetwas als „besser“ hinzustellen hat sich im laufe der zeit als absolute sackgasse erwiesen. es ist einfach anders. und eine neue wichtigkeit kam hinzu: egal wie man´s macht, die tiere dürfen nicht die sein, die unter ideologischer verbohrtheit leiden. in dem sinne gehts meinen schafen genauso gut wie ihren kühen und umgekehrt.

              wieso siehst du die zukunft eigentlich nicht in der kleinbäuerlichen lw? weiter oben hattest du sowas gesagt. meinst du dass es einfach keine chance mehr haben wird? ähnlich haben es andere hier ja auch schon ausgedrückt. kleinbäuerlich (und demzufolge kleinstrukturiert) ist gerade mein letztes refugium, was ich „empfehlen“ kann. wenn ich gefragt werde, versuche cih so schonend wie möglich zu sagen, dass „bio“ nicht gelich „bio“ ist und es oft mehr darauf ankommt unsere kleinstrukturierte landwirtschaft erhalten zu können, denn diese bildet auch lebensraum für wildtierarten usw. in diesem sinne ist die leistung kleiner konventioneller betriebe nicht zu unterschätzen, was aber zu oft geschieht.

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            • Obstbäuerin sagt

              Zum einen denke ich, dass die Erlöse hinter den steigenden Kosten zurückbleiben und es den kleinen Betrieben immer schwerer fallen wird mitzuhalten. Zum anderen ist gerade in kleineren Betrieben die Selbstausbeutung am größten und da werden zukünftige Generationen keinen Gefallen mehr dran finden. Wir sind hier noch 12 Obstbaubetriebe (von ehemals 18) und gerade diesen Monat ist einer von den vier Hofnachfolgern abgesprungen. Wenn ich mich so umhöre ist das keine Ausnahme.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Ich habe mit beginn meiner Altersrente, meinen Flächenrückbehalt zum Teil mit der Apfelsorte Rewena angebaut. Der Sorte hat man unter anderem auch eine Mehltauresistenz nachgesagt.
            Dieses Jahr wurde die Resistenz eindeutig unterbrochen, womit ich genötigt war, einmal ein Synthetisches Mittel und weitere Spritzungen mit Schwefel durchzuführen.
            Durch den Schwefeleinsatz gehöre ich auch zu den Guten, zumindest ein bissel. 😉
            Die Äpfel waren für Brennzwecke vorgesehen.

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            • Obstbäuerin sagt

              Die Schorfresistenz der Re-Sorten wurde ja schon vor ein paar Jahren durchbrochen. Damit hatte ja keiner gerechnet, dass nach so vielen Jahren Schorf in den Re-Sorten wieder bekämpft werden muss. Wenn man das nicht hinbekommt, sehen die Äpfel ziemlich gruselig aus.

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        • Inga sagt

          Na,
          wenn man auf Menschen hört, die in einer Märchdenwelt, also nicht Realität leben und diese dann auch im Handel „König Kunde“ sind, dann kommt so etwas unnatürlichges bei raus, Ehemaliger Landwirt,
          nämich:

          „eine märchenweltqualität bei Obst mit äußerem wie im Bilderbuch, weil da
          „Da wird eine äußere Qualität verlangt, welche die Natur nicht von alleine liefert.“

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      • Thomas Apfel sagt

        Nitratprobleme gibt es durchaus ohne Handelsdünger, mit organischer Düngung kann ich das genauso auslösen. Alles eine Frage der Menge und des Ertrages !
        Waldböden in sandigen Gegenden sind schon mit dem Stickstoff aus Regenwasser überfordert.

        3+
        • Brötchen sagt

          Thomas Apfel der Clou bei Bio ist ja eigentlich die natürliche anpassungsfähigkeit der Systeme zu nutzen. wenn ich aber alles haarklein vorgebe,hat sich das schon erledigt. Das haben die ganzen unbedarften Rufer nach Bio nicht auf dem Schirm.

          1+
        • jahhha… selbst das kenne ich juhu! ich als öko kann mitreden. seit der neuen düngeverordnung steht alles kopf. unsere gärtnerei wird intensiver gedüngt (wollpellets, mist, handelsdünger) – logisch, das ist wie beim obst – auch das gemüse braucht input für output (60 verschiedene kulturen) normalerweise wurde alles auf die komplette hoffläche umgelegt, dieses jahr hatten wir kurz sorge, dass die gärtnerei due erlaubten grenzen sprengt aufgrund neuer berechnungen. was für ein unsinn wiedermal. die gärtnerei macht mit 4 ha nur einen winzigen teil der hoffläche! dagegen stehen 24 ha arrondiertes, natürlich gewachsenes weideland und naturschutzflächen umzu.
          die verlieren immer den blick auf den gesamtbetrieb……

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      • bauerhans sagt

        „Bio-Landwirtschaft wird vor allem deshalb gefördert,…“

        weils politisch gewollt ist!
        psm setzen die auch ein(z.b. kupfer,schwefel,insektizide aus pflanzlicher herkunft)
        nitrat und erosion gibts durch häufiges grubbern vor der aussaat und striegeln / hacken als unkrautbekämpfung.

        1+
        • Arnold Krämer sagt

          Biolandwirtschaft vor 10, 20 oder 30 Jahren war in Westdeutschland eine „Gesinnungslandwirtschaft“. Das hat sich aber mit dem Bioboom und der massiven staatlichen Förderung klar geändert. Wenn ich sehe, wer alles und mit welchen Betriebszweigen umstellt, bleibt nur der Schluss, dass es darum geht, nach dem letzten Strohhalm zu greifen oder einfach nur Geld oder noch mehr Geld zu verdienen.
          Der Staat muss massiv fördern, weil 1. in Westdeutschland die meisten Biolandwirte auf dem Pachtmarkt kaum oder nicht wettbewerbsfähig sind, weil 2. ohne massive finanzielle Anreize nur aufgrund der „richtigen“ Gesinnung der Zuwachs im Biolandbau statistisch kaum messbar wäre und 3. die Fördergelder dazu beitragen, den Agrarrohstoff Bio relativ günstig zu halten. Für ausschließliche Bio-Rohstofferzeugung wäre das Markteinkommen viel zu gering (denn soviel Geld will der geneigte Verbraucher nun auch nicht ausgeben). Eine Ausnahme stellt hier die Bio-Eierproduktion dar, auf die sich viele „ z. B. im Emsland mit Erfolg „stürzen“. Ökonomisch läuft das aber auch nur dann wirklich gut, wenn in Größenordnungen gebaut wird, die eine sinnvolle Arbeitsproduktivität und entsprechende Arbeitseinkommen ermöglichen. Bei „versteckter Arbeitslosigkeit“ kann niemand wirtschaftlich überleben. Deshalb sind manche Vorstellungen der Bio-Aktivisten zu Bestandsgrössen in der Tierhaltung, egal ob bio oder konvi, auch ökonomisch kurzsichtig (moderat ausgedrückt) oder dumm.

          2+
          • Dem Bioanbau wird unterstellt, er sei Nachhaltig und fördere die Bodenfruchtbarkeit. Gibt es dafür wissenschaftliche Belege? Gibt es z.B Untersuchungen über die Entwicklung der Nährstoff- und Humusgehalte in biologisch bewitschafteten Flächen über 10, 20 und 30 Jahre? Ich habe im Netz nichts derartiges über den Bioanbau gefunden, auch nicht im UBA. Warum mich das interessiert? Weil ich mehrere Betriebe kenne, die nach 15 – 25 Jahren völlig entnervt wieder zum konventionellen Anbau zurückkehren, weil die Böden nährstoffmäßig ausgelaugt sind und der Humus weitgehend abgebaut ist.

            2+
            • Arnold Krämer sagt

              Die aufgebenden Landwirte hatten vermutlich keine eigene Viehhaltung und damals noch nicht den Bio-Mist aus dem Emsland, denn der kann dort ja auch nicht verbleiben.

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            • Brötchen sagt

              Mark ich denke Demeter schafft das, weil die wirklich aufwändige Kompostwirtschaft machen. guck dir mal Bad saarow marienhöhe an. ab Frühjahr machen die Samstag Führungen.

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            • Dr. Neuhaus (Uni Bonn) stellt ein stagnieren, teilweise sogar signifikante Rückgänge der Erträge im Bioanbau fest. „Auch negative Humus- und Nährstoffbilanzen können mittel- bis langfristig zu signifikanten Ertragsminderungen führen“. That´s it. Ein geschlossenes „Nährstoffkreislaufsystem“, so wie es die Biolandwirtschaft so gerne suggeriert, kann nicht funktionieren. Es gibt eben kein Nährstoffperpetummobile mit Output ohne Input. Bei objektiver ( ideolgiefreier) Betrachtung ist in Bezug auf Nachhaltigkeit bei Biobetrieben (Ausnahme Bioschäferei) ein ganz großes Fragezeichen zu machen.

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            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Der Teil der Mineralien, der in unseren Kläranlagen verschwindet ist unwiederbringlich verloren.
              Deshalb darf auch Phosphat, Kali und Magnesiumdünger zugekauft werden.

              1+
  12. fingerphilosoph sagt

    Tja, wir alle, Produzenten wie Verbraucher, stecken in einem Dilemma, und dieser ebenso kluge wie ausgewogene Beitrag trifft ziemlich ins Schwarze.

    Eines der großen Probleme ist, dass das menschliche Hirn sich in seinen eigenen Begriffssystemen verirrt. In Wirklichkeit gibt es die Gegensätze nicht, die unser Hirn pausenlos konstruiert. Mit 3.000 Hühnern pro Stall ist Bio ebenso industriell wie Konvi, und diese Schäferkollegin, die die Ausnahmegenehmigung für Mineralfutter nicht beantragt hat, behandelt in der Realität die Schafe ja keinen Deut anders als vorher. Diese Verwechslung von Begrifflichkeiten und Realität ist mit ein Grund, warum ich von Labels und Marken nichts halte. In Wirklichkeit gibt man sein Geld bei Labels und Marken bloß für schöne Wörter aus, die gar nichts bedeuten (müssen). Je mehr wir versuchen, die Realität durch Wörter zu ersetzen, desto mehr Bürokratie entsteht und desto mehr verwirrt sich alles. Big Data ist für dieses Problem eben gerade nicht die Lösung, wenn auch, wie hier in diesem Blog die meisten das glauben und wieder mal fleißig die Fortschrittströte blasen.

    Wenn hier aber zur Abwechslung mal Tacheles geredet wird: die vorgeschlagene Lösung vom Austausch zwischen Produzent und Verbraucher kann nicht funktionieren, wenn 75% der Bevölkerung in Städten lebt, wie das in Deutschland der Fall ist. Hallo, die Leute leben in Städten, weil ihnen andere Dinge wichtiger sind als das Land und Landwirtschaft.

    Der Austausch zwischen Verbraucher und Produzenten von Ernährungsgütern ist bei dieser städtischen Lebensweise zeitintensiv und aufwändig, schon allein, was die Fahrten zu den verschiedenen Produzenten wie Schäfer, Imker, Gemüsebauer, Metzger etc. angeht. Die Mehrheit der Bevölkerung wird das freiwillig weder leisten wollen noch können. Wenn es einen breiten, billigen und bequemen Weg gibt, kann man von den Leuten nicht verlangen, dass sie freiwillig den steilen, teuren und anstrengenden Weg nehmen. Das heißt, man kann es verlangen, aber sie tun es halt nicht, zumindest nicht in nennenswertem Ausmaß. Von den Leuten pausenlos Idealismus zu verlangen, endet früher oder später in Gehirnwäsche und Diktatur.

    Das Problem könnten nur die Produzenten selber lösen, und zwar, indem sie sich geschlossen weigern, den Begriff „Bio“ weiter zu benutzen und offenlegen, dass sich Bio und Konvi nur minimal graduell, aber nicht grundsätzlich unterscheiden. Tatsächlich ist es doch so, dass der Verbraucher, wenn man mal alle Verpackungen weglässt, Bio in der Regel nicht von Konventionell unterscheiden kann, weil häufig die konventionelle Ware, vom Aussehen und auch geschmacklich, die bessere ist. Andere Kriterien als Geschmack und Aussehen hat der Verbraucher ja nicht. Er hat ja kein Labor zu Hause, um seine Nahrung auf Spurenelemente oder Vitamine hin zu untersuchen. Und warum soll er für Verpackung, auf der „Bio“ oder „Tierwohl“ steht, viel Geld ausgeben?

    11+
    • Bio bedient in erster Linie die Sehnsucht der Menschen nach der „heilen“ Welt. Um die Erfüllung dieser Sehnsüchte nicht zu gefährden, kommt es zu solch abstrusen Vorkommnissen wie von der Schäferin beschrieben. Es ist richtig, dass ein großer Teil der Bevölkerung keinen Bezug mehr zur Nahrungmittelproduktion mehr hat und eigentlich auch nicht haben will, er will einfach nur konsumieren. Dieser große, per se an Interesselosigkeit behaftete Anteil der Bevölkerung lässt sich jedoch sehr leicht manipulieren. Daraus haben diverse Kreise ein lukratives Geschäftsmodell gemacht, dieses Geschäftmodell zieht nun immer weitere Kreise und wird immer abstruser. Bio ist ein solches Geschäftsmodell, die NGO´s betreiben solche Geschäftsmodelle, die wissenschaftliche Zulieferindustrie ist ein Koppelprodukt des NGO-Geschäftsmodells und – ja, auch Philosophen betreiben solche Geschäftsmodelle:
      https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/fleischkonsum-umweltschutz-klimawandel-tierhaltung?sort=desc&page=2#comments

      8+
      • fingerphilosoph sagt

        Bio bedient eine unerfüllbare Sehnsucht, denn die „heile“ Welt existiert bloß in Träumen und Utopien. Die „heile“ Welt als Realität wäre unerträglich, weil sie als statisches Modell jeden lebendig-dynamischen Wandel negiert. Die Natur ist keine „heile“ Welt, sondern ständiger Wandel, deshalb sind ja auch die meisten Arten überhaupt nicht perfekt an ihre Umwelt angepasst. Bis eine Art angepasst wäre, dauert das Millionen Jahre und bis dahin hat sich die Umwelt schon längst wieder geändert.

        Weil Bio eine unerfüllbare Sehnsucht bedient und nicht einlösbare Versprechen gibt, passieren solche abstrusen Geschichten, das liegt in der Dynamik unerfüllbarer Sehnsüchte und nicht an den Geschäftstüchtigen, die Profit daraus ziehen. Diese geschäftstüchtigen NGOs, die die unerfüllbaren Sehnsüchte auf die Spitze treiben, muss es notwendigerweise geben, damit die Träumer irgendwann aufwachen. Wer Öko so ernst nimmt wie diese Schäferin, wird natürlich als Erster von der Wirklichkeit eingeholt.

        4+
        • Obstbäuerin sagt

          Öko wird vor allem von der Politik sehr viel ernster genommen, seit die letzten Wahlen gezeigt haben, wohin die Wählerstimmen abwandern. Da spielt die Wirklichkeit keine Rolle mehr und wenn die Träumer aufwachen, sind die Verbote und die Neuausrichtung da und die Nachteile treffen zuerst die kleinen Betriebe.

          5+
        • fingerphilosoph, ich glaube ich verstehe deine motivation nicht. es gibt teile in deiner argumentation, die kann ich sofort unterschreiben. ich habe zum beispiel leider auch noch keine lösung für die städter, woher die ihre lebensmittel beziehen sollen. und von geschäftstüchtigen NGOs und unerfüllten sehnsüchten kann ich auch ein klagelied singen. da hast du an vielen punkten sejhr den nagel auf den kopf getroffen, finde ich.
          aber warum sollten wir öko-produktion nicht ernst nehmen wollen? ist das verwerflich? ist es nicht einen versuch wert, das, was NGOs fordern, umzusetzen, um dann aus der praxis heraus etwas dazu sagen und beitragen können? denn nur indem ich öko-schafhaltung MACHE, kann ich dem NABU und co ZEIGEN, was die realität dahinter ist. das hat für mich nicht damit zu tun, von der wirklichkeit eingeholt zu werden. wirklichkeit ist mir bekannt, zumindest in meinem subjektiven beurteilungsrahmen…;-) aber ich habe lust, persönlich, konkret und aktiv beteiligt zu sein an der gestaltung derselben wirklichkeit. zumindest in meinem möglichkeits-rahmen…
          so, jetzt muss ich aber los, bis später

          1+
          • fingerphilosoph sagt

            Schäferin vom Hof, die Bio-Welle (seit 1980 kontinuierlich ansteigend) und der Schafbestand in Deutschland (seit 1960 kontinuierlich abnehmend auf zuletzt 1,58 Mio im Jahr 2017) verhalten sich umgekehrt reziprok zueinander und nicht, wie anzunehmen wäre, parallel.

            Würde die Bio-Welle ihren Zweck erfüllen, müsste der Schafbestand in Deutschland deutlich zunehmen, denn es steht doch wohl außer Zweifel, dass die Schafzucht – ob Bio oder nicht – die Tierhaltungsform par excellence ist, die von der Ökologie und auch vom Tierwohl her am meisten Sinn macht. Stattdessen nimmt der Schafbestand in Deutschland aber kontinuierlich ab, und das liegt nicht an der Motivation der Schäfer und Schäferinnen.

            Sondern es liegt daran, dass diejenigen, die auf der Bio-Welle reiten, mit Vorliebe Forderungen stellen, die sich gegenseitig ausschließen wie bspw. Wolf und Weidehaltung oder eben Bio-Kirschen, wie die Obstbäuerin hier schon mehrfach aufgezeigt hat.

            Du kannst Dich natürlich auf den Versuch einlassen, sich gegenseitig ausschließende Forderungen umzusetzen, dann kommst Du aber in solche abstrusen Situationen, wie Du sie in Deinem Artikel beschrieben hast. Theoretisch hast Du Recht damit, die Forderungen der NGOs umzusetzen, um herauszufinden, was machbar ist und was nicht, praktisch macht das aber nur Sinn, wenn die NGOs lernfähig wären, und daran habe mittlerweile ernsthafte Zweifel. Meinem Eindruck nach eskalieren die Forderungen, weil ihnen ein falsches Naturverständnis zugrundeliegt, und sie sind deshalb auch nicht zielführend, wie gerade die Entwicklung des Schafbestands zeigt.

            5+
            • Brötchen sagt

              Das sich die schafbestände nicht erhöht haben, liegt auch daran, dass der typische Biokäufer jung und weiblich ist und so gut, wie kein Fleisch isst. Zudem durchschauen die eine Kreislaufwirtschaft nicht und so nimmt das eben seinen Lauf.
              Schafhaltung ist traditionell nur lohnend, wenn man den Aufwand gering halten kann! Und zusätzlich noch gute Einnahmen mit dem Wollverkauf hat. bei der gans ist es ähnlich!
              Wolle ist zur Zeit nur Kostenfaktor.
              das Schaf eignet sich für die Fleischerzeugung nur bedingt, da die Auschlachtung sehr gering ist (teure schlachtung usw.).
              Unter jetzigen Bedingungen ist das nur wirtschaftlich, wenn man eine gute fruchtbarkeit hat, also fast zwei Lämmer pro Mutterschaf und Landschaftspflegeprämien.

              NGOs können nicht lernfähig sein, weil diese keine „wirtschaftliche“ Rückkopplung zur Urproduktion haben. Ähnlich ist es mit NABu u.ä. wenn ich von meinen Forderungen nicht wirtschaftlich leben muss, lässt es sich vortrefflich fordern.

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            • fingerphilosoph sagt

              Da das leistungsfähige Gehirn des Homo sapiens die direkte Folge einer Ernährungsumstellung von Blatt/Frucht auf Fleisch ist, muss man sich nicht wundern, wenn der typische Bio-Käufer, der kein Fleisch mehr isst, die Kreislaufwirtschaft nicht mehr durchschaut. 🙂

              5+
            • ah. danke. ja, jetzt verstehe ich.
              ja so kann mans auch sagen.

              in dem sinne hast du natürlich recht, da begebe ich mich wissentlich und willentlich in ein hamsterrad ohne notbremse. dazu fallen mir aber noch tausend andere sachen ein, über die wir uns amüsieren könnten…. zum beispiel der anspruch, der tierhalter soll seine tiere lieb haben. viel platz im stall, lecker futter, spielzeug, schonende behandlung, natürliche aufzucht und was weiß ich. und knuddeln natürlich. und ganz wichtig: alle müssen namen haben. mach ich alles. logisch. und zeige es den kunden. aber wenn gerlinde dann in meiner kühltruhe landet oder ich lieschens fell verkaufen will – alles um diese tierhaltung und mich zu finanzieren – dann gibts wieder den aufschrei der veganer und tierschützer: „dieses fell gehört den schafen und sonst niemand!“ im ernst jetzt, hatte ich schon. erst waren wir soooooo toll, weil wir ach so lieb mit den tieren sind und dann waren wir die übelsten tierausbeuter, weil wir von den tieren leben. als ob das nicht schon vorher klar war???? „jessesmariaundjosef“… pflegte meine oma bei solchen leuten immer zu sagen und packte sich an die stirn.

              aber ich hab diese wirklichkeit schon „geschluckt“ und verstanden. es ist, wie es ist. im obigen fall habe ich nur geantwortet: “ das schaf braucht das fell aber nicht mehr, denn das betreffende schaf ist schon aufgegessen….“ und freu mich über schnappatmung beim gegenüber…..

              was mich aber madig macht, sind eu-vorschriften. da müsste man doch meinen, da sitzen fachleute, die sowas entwickeln, oder? aber alles ein haufen dilettanten, die von ehemaligen präsidenten gewisser naturschutzbünde gelenkt werden/worden… und deswegen – siehe oben – bin ich immernoch für den bauern- ud schäferaufstand. dein vorschlag, „bio-labels“ zu verweigern wäre natürlich interessant. aber dann freuen sich wieder solche, wie mein nicht so beliebter konvikollege-nachbar, der immernoch mit teller und gülle rumfährt, den es nicht interessiert, ob da vorher grünland war, wo jetzt der mais steht, der alte weißdornhecken absäbelt, etc… siehste, höre ich solche sagen: bio geht doch nicht. und schadenfreude macht sich breit. nein, so würde ich es auch nicht wollen.
              momentan denke ich, die ökos und konvis, die lust auf gute arbeit haben, sollten sich zusammentun. und dann fleißig öffentlichkeitsarbeit machen. (ich weiß, die zeit…) und die leute rausholen aus den supermärkten. so wie in meinem obigen apell gesagt. das ist das einzige, was mir gerade sinnvoller weise einfällt. leider. ich hätte gern mehr im angebot.

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            • @ brötchen: hier muss ich dir recht geben! ja, leider ist das so. zudem wird lammfleisch importiert. aus kostengünstigen produktionsstandorten (neuseeland & co) und deutsches lammfleisch wird lebendig exportiert, um im ausland geschlachtet zu werden und dort als heimisches lammfleisch vermarktet zu werden. und die restaurants in der heide hier bieten heidschucke an- aber nicht nur von der schäferei aus der heide, da ist auch oft importware dabei. plaudereien aus dem nähkästchen…..

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            • fingerphilosoph sagt

              Schäferin vom Hof
              das Bio-Label ist das Mittel der Wahl, um euren Bauern- und Schäferaufstand schon im Keim zu zertreten, denn das Bio-Label bringt die einen Bauern gegen die anderen in Stellung. Dass Bio und Konvi eben gerade nicht zwei unterschiedliche Wirtschaftsweisen sind, die gleichberechtigt nebeneinander stehen, um zur Vielfalt in den Produktionsweisen beizutragen, sieht sogar ein Philosoph wie ich. Die Rollen in diesem Spiel sind klar verteilt: die Bios und Ökis sind die „Guten“ und die Konvis sind die „Bösen“, so wird das in den Medien kolportiert und tausendfach wiedergekäut.

              Dieses Muster hat sich mit dem Label „Bio“ als Mem viral in den Köpfen der Leute verbreitet und festgesetzt. Begriffe wie „Bio“ oder „Öko“ lösen automatisch die immer selben Vorstellungen vom kleinbäuerlich im Einklang mit der Natur wirtschaftenden Bauern und glücklichen Tieren aus, und als Reflex auf dieses Bio-Knöpfchen spulen wie Schallplatten die immer selben Reden ab. Das Mem verhindert zielsicher den unvoreingenommenen Blick auf die Realität.

              Wie Du aber weiter oben in der Diskussion selber sagst, es kommt nicht auf das Label an, sondern wie der einzelne Bauer oder Schäfer konkret mit seinen Tieren bzw. mit seinem Land umgeht. Solange das Bio-Label besteht, kannst Du den Graben, den es zwischen den Bauern aufgerissen hat, nicht überbrücken. Da bleibt es bei netten, pseudo-versöhnlichen Diskussionen wie hier auf dem Blog.

              Das Bio-Label dient einerseits dazu, zu verhindern, dass Bauern oder Schäfer sich verbünden, denn als Nahrungsproduzenten hätten sie dann wohl tatsächlich Macht. Es dient andererseits dazu, den Zusammenhalt der Stadtbewohner zu fördern, denen eingeredet wird, sie hätten dank ihrer Konsumgewohnheiten die wahre Macht, was schlichtweg gelogen ist. Nicht der Verbraucher bestimmt, was produziert wird, sondern der Produzent.
              So kann man wunderbar alle gegen alle in Stellung bringen, die Bio-Bauern gegen die Konvis, die Verbraucher gegen die Produzenten, die Gesunden gegen die Kranken, denn krank wird man schließlich ja nur, weil die bösen Konvis einen vergiften usw usw.

              Es ist das altbewährte Muster vom Teilen und Herrschen, und das funktioniert seit 6000 Jahren, seit Beginn der Agrarisierung. Schon die Bauern der Bronzezeit wurden geteilt, in solche, die das Recht hatten, Waffen zu tragen, und solche, die es nicht hatten, um dann mit Vorschriften der damaligen Tempelbürokratie beliebig drangsaliert und unterjocht zu werden. Vorschriften, die den damaligen Leuten genauso unsinnig erschienen sind wie die heutigen EU-Vorschriften Dir und mir. Da wurden bspw. Kilopreise für Fleisch und Getreide eingeführt. Das war auf heutige Verhältnisse übertragen in etwa so, als würde einer keinen Daimler, Opel oder Porsche kaufen, sondern 980 oder 1340 kg Auto.

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              • Alois Wohlfahrt sagt

                @Marian
                Deine Betrachtungen zur Bio-Landwirtschaft sind etwas „ideologisch“ einseitig. Du übersiehst die vielen echten Bio-Bauern, die nach Wegen suchen Landwirtschaft zu betreiben ohne in „Mittelabhängigkeiten“ der Industrie zu geraten. Die vor allem auch Wege suchen um die Natur und die natürlichen Ressourcen zu schonen. Und letztlich entsteht dort eine höhere Wertschätzung und auch Wertschöpfung für die Lebensmittel. Während die konventionelle Schiene vor allem auf Produktivität und Masse setzt.

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            • Was wäre denn die Alternative zu Kilopreisen bei Fleisch und Getreide?? Und warum werden Autos nicht nach kg verkauft? Genau darin liegt das Dilemma der Landirtschaft.

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            • Obstbäuerin sagt

              Das wäre wohl das vernünftigste Ziel, fingerphilosoph, wenn das starre Kastensystem aufgehoben wird und ein Bewertungsmaßstab der Produktion nach wissenschaftlichen Kriterien erfolgt. Dann könnten auch sinnlose Vorschriften besser bekämpft werden. Allerdings würden sich die Einnahmequellen vieler NGOs in Luft auflösen und das wird schwerlich durchzusetzen sein.

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            • fingerphilosoph sagt

              Alois, willst Du ernsthaft behaupten, dass Landwirtschaft heute noch möglich ist, ohne in „Mittelabhängigkeiten“ der Industrie zu geraten? Der Bio-Bauer ist von der Industrie genauso mittelabhängig wie der Konvi, und darüber hinaus noch weitaus abhängiger von staatlichen Subventionen. Der Bio-Bauer zieht sein Saatgut auch nicht mehr selber und das Sperma für seine Kühe bestellt er geradeso aus dem Katalog wie der Konvi. Einen Melkroboter hat er auch. Der Bio-Bauer versucht geradeso, seine Produkte im LEH unterzubringen, am besten über ein leicht identifizierbares Etikett, das den Verbraucher mehr auf sein Produkt hin konditioniert, als es dem Produkt selbst je gelingen würde. Mich konsterniert das inzwischen, wie diese angeblich supertollen „Bio-Marken“ reihenweise aus dem Boden schießen und mir Unterschiede suggerieren, wo keine sind, denn im Blindtest kann ich die Milch, den Käse oder die Marmelade der verschiedenen Marken nicht voneinander unterscheiden.

              Das „Bio“-Label hängt bloß an ein paar gesetzlich festgelegten Parametern, wie 1/4 m² mehr Platz pro 80-kg-Schwein und die Begrenzung auf 3.000 Hühner pro Stall, wobei aber beliebig viele Ställe nebeneinander gebaut werden können, keine genetisch veränderten Futtermittel und keine synthetisch erzeugten Pestizide, wobei nicht mal Konsens drüber besteht, ob die nicht-synthetischen Pestizide tatsächlich weniger Schaden anrichten als die synthetischen. Sorgen diese Parameter denn tatsächlich für glücklichere Tiere, gesündere Lebensmittel oder weniger Mittelabhängigkeit?

              Alois, auch der Bio-Bauer sucht vor allem nach Wegen, um seinen Hof und seinen Besitz über die Runden zu bringen. Das ist legitim. Aber ich glaube den Bio-Bauern nicht mehr, dass es um Natur- oder um Ressourcenschonung geht. Wir machen uns als Gesellschaft im Hinblick auf unsere Naturverbundenheit selber was vor, und die Bio-Bauern versuchen, die Illusion zu vermarkten. Das ist alles. Wenn die Energiewende wie geplant umgesetzt wird, ist ganz Deutschland eine mit Windrädern zugepflasterte Industrielandschaft und keine Natur mehr, da gibt es überhaupt nichts zu schonen, und diese Zerstörung geht ja von den Grünen selbst aus. Um die Ressourcen geht es offenbar auch nicht, wenn wir Kryptowährungen wie Bitcoin aufbauen, die mehr Energie verbrauchen als ein Land wie die Schweiz oder Österreich, und das völlig sinnentleert. Wo ist denn Wertschätzung und -schöpfung? Im Bitcoin? Oder in dem Etikett der Bio-Marke, das mir die Illusion verkauft, die Natur wäre noch zu retten?

              Alois, die Bio-Bewegung ist nichts anderes als der Abgesang auf eine sterbende Natur. Wir werden demnächst in einer Welt leben, in der nichts mehr der Evolution oder sonst einem natürlichen, das heißt nicht von Menschen oder Technik gemachten Rhythmus überlassen ist, sondern alles, vom ersten bis zum letzten Atemzug über Nullen und Einsen digital geregelt wird. Noch ein paar Generationen weiter, und angehende Eltern werden das Genmaterial für ihren Sprössling per Katalog bestellen. Das lässt sich nicht mehr aufhalten.

              2+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                Hallo Marian, wenn ich Deinen Kommentar studiere, bekomme ich den Eindruck, dass Du Dich bereits mit dem Pessimismus abgefunden hast. Dass Du den Bio-Bauern und den Bio-Verbänden nicht mehr traust. Trotzdem widerspreche ich Dir. Denn es gibt es sehr viele Bio-Bauern, die diesen Weg aus Überzeugung gehen. Auch aus der Überzeugung heraus, dass sie damit für die kommenden Generationen die natürlichen Ressourcen schonen. Es ist nicht alles nur eine Show, wie Du vermutest. Bio-Landwirtschaft ist zuerst einmal eine freiwillige Beschränkung eben nicht alles technisch Machbare zu tun. Das kann sehr anstrengend sein, zwingt aber auch zum nachdenken und forschen nach eigenen Wegen und Möglichkeiten. Darum tust Du den vielen engagierten Biobauern unrecht, über die Du hier pauschal urteilst.

                2+
            • jau – ich fühle mich da ziemlich hin und hergerissen. wie ich im artikel gesagt hab. der schwierige posten der öko-schäferin. da isser. auf der einen seite bin ich ganz bei alois. unabhängigkeit von der industrie und wirtschaftskreisläufe, versuchen, clever mit den natürlichen ressourcen umzugehen, um „der natur etwas zurückzugeben“ – was auch immer…. verstandesmäßig bin ich aber ziemlich beim fingerphilosophen. saatgut, labels und verbraucherillusionen, mit denen bewusst gearbeitet wird. und selber merke ich, wie es bei unserer zielgruppe zieht, wenn das demeter-label drauf ist. find ich eigentlich blöd, denn ich will, dass die leute meine produkte gerne kaufen, weil sie mir und meiner produktion vertrauen und nicht, weil da ein label drauf ist.

              und ja ich finde es furchtbar, dass „ökos“ und „konvis“ in diese zweiklassen-bauerngesellschaft gedrängt werden. und ich finde wir selbst müssen als erste damit aufhören, uns so zu sehen.

              fingerphilosoph – wir haben ernsthaft schon drüber anchgedacht, das label aufzugeben. da wir solidarische landwirtschaft machen und eine stabile abnehmergesellschaft haben, können wir uns das „leisten“ (werbefaktor!) für uns weniger kosten (kontrollkosten, labelnutzungsgebühren, etc…) und weniger ärger – siehe artikel. wir produzieren einfach weiter wie gehabt und setzen auf vertrauen und persönlichen kontakt. mir ist klar, dass das nur unsere kleine nische ist und nicht für die allgemeinheit einfach so umgesetzt werden kann. und ich merke, wie krass wir alle in diesen bildern gefangen sind, denn warum haben wir bis jetzt nicht mutig das label aufgegeben? eigentlich ist es klar – dennoch wissen wir um die macht des labels und fragen uns, wie es dann in zukunft sein wird, wenn neue kunden aquiriert werden müssen????

              dennoch muss ich mal eine lanze brechen für unsere diskussion hier. so ganz pseudo-versöhnlich finde ich sie nicht. es geht halt nur in kleinen schritten und die müssen wir schon selbst machen. natpürlich stehe ich immer hinter der „bio-idee“, aber worum es geht, ist meienes erachtens, dass wir uns in der fähigkeit trainieren, dass wir den menschen als gegenüber und person erleben. die obstbäuerin hat mich ja echt „gecatcht“ glyphosat geht für mich natürich eigentlich nicht, aber durch den persönlichen kontakt (also virtuell persönlich, aber immerhin….) – zumindest einer konkreten person, die sagt – und? wie soll ich sonst überleben? verändert sich wa sin uns – sofern wir es zulassen. das wäre, grob gesagt, eine meiner motivationen für solchen austausch hier.

              1+
            • Brötchen sagt

              Bezogen auf den Platz ist es beim Schwein das doppelte beim 80kg Mastschweine und das dreifache beim Ferkel.
              Ferkel Konv. hat 0.35. Das bio hat 0.6 im Stall und 0.4 im Auslauf. Mastschweine bis 80kg hat 1.1m2 im Stall und 0.8 Auslauf.
              0.8 grob konvi.
              der Mastplatz Konv. Kostet ca. 500 bis 600 Euro und der Bio 1200Euro.

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            • fingerphilosoph sagt

              @Schäferin vom Hof
              Wir müssen uns fragen, was mit uns und der Gesellschaft passiert ist, wenn wir nun tatsächlich die Fähigkeit trainieren müssen, die anderen Menschen als Gegenüber und Person zu erleben. Wie es zu dem Verlust einer Fähigkeit gekommen ist, die ja eigentlich das Normalste der Welt sein sollte. Ja, wir verlieren offenbar die Fähigkeit, unsere Mitmenschen in ihrer jeweiligen Individualität wahrzunehmen und entsprechend anzuerkennen. Wir denken nur noch in Lösungsansätzen, die für Alle gleichermaßen gelten sollen. Ein Problem der Massengesellschaft, des Massenmenschen, der Vermassung. Ein Problem, das der Nutzung unserer Technologien immanent ist, die den Menschen ebenso verändern, wie der Mensch mit seinen Technologien die Welt verändert. Wir gewinnen Wohlstand, ein bequemes und längeres Leben, aber wir zahlen auch einen hohen Preis, was vielen bis heute nicht bewusst ist.

              @Brötchen
              Die qm²-Zahlen für Schweine sind, wie Du wahrscheinlich schon gemerkt hast, nun halt mal ein rotes Tuch für mich. 🙂

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            • fingerphilosoph sagt

              Hallo Alois, den Bio-Bauern, denen ich traue, sind die, die schon immer Bio-Bauern waren, bevor es die grüne Welle gab. Ich traue denjenigen, die nicht einem Hype folgen und auf Bio machen, bloß weil in den Medien die Gehirne derzeit nur noch grün gewaschen werden. Du hast Recht, Bio ist eine Überzeugung, sogar eine Lebenseinstellung. Aber Lebenseinstellungen und Überzeugungen kann man nicht vermarkten. Wird aus einer Lebenseinstellung ein zu vermarktendes Produkt gemacht, korrumpiert das in der Folge zwangsläufig die Lebenseinstellung. Seine Überzeugungen kann man nur schützen, indem man sie nicht vermarktet.

              Ich traue den Bio-Bauern, die Bio-Bauer sind und bleiben, auch wenn ihnen klar ist, dass sie weder die Menschheit noch die Welt retten. Einem Bio-Bauer, der bloß Bio-Bauer wird, weil er glaubt, damit die Natur oder die Welt zu retten, begegne ich mit Vorbehalten, denn ein solcher Glaube ist in meinen Augen ideologische Verblendung. Verbände und Organisationen sind Fiktionen, trauen kann man nur realen Menschen.

              Ich bin dafür, nicht alles technisch Machbare zu tun, aber nicht, weil ich die Welt oder die Natur retten will, sondern weil ich bewahren will, was mir in meinem persönlichen Leben wichtig ist, durch die Vertechnisierung aber irreversibel zerstört wird. Was mir in meinem persönlichen Leben wichtig ist – Ruhe, saubere Luft, stabile Beziehungen, vielfältige Natur – will ich mir aber nicht als Produkte in einem Hofladen kaufen müssen. Wenn sogar diese Werte zu Produkten oder Labels verkommen, ist die Welt nicht mehr lebenswert.

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            • Paulus sagt

              Hallo Alois,
              wenn ich mich hier als bekennender Antibio-Aktivist mal einschalten darf?
              Ich bin selbstverständlich kein Aktivist, das ist jetzt Quatsch; aber ich habe hier schon mal das Beispiel von den exorbitant teuren Lauchzwiebeln in Demeter-Qualität genannt.
              Der Gemüseanbau erfolgt dort im Schatten einer Raffinerie und daran angeschlossener Chemieanlagen sowie neben einer vielbefahrenen Autobahn. Ich habe die und eine Referenzprobe aus unserem Hofladen mit Konvi-Anbau aus Jux mal unter ein ganz normales elektronisches Auflichtmikroskop gelegt, nachdem ich beide nur kurz unter dem Wasserkran abgespült hatte, sowie es im Haushalt halt üblich ist. Die verbliebenen Anhaftungen auf der Premiumbioware sahen ziemlich unappetitlich aus; die Referenzprobe erschien mir eher als sauber.
              Ich habe die Aufnahmen leider nicht gespeichert, werde das aber wiederholen sobald ich Gelegenheit habe dort wieder einzukaufen. Da es mich nichts kostet werde ich die Anhaftungen analysieren lassen und stelle die Ergebnisse dann gerne zur Verfügung.
              Vielleicht hilft mir der AdT in der Frage, inwieweit dies juristisch überhaupt zulässig ist.
              Wundert euch aber bitte nicht wenn dort z.B. PAK und ähnlich schreckliche Substanzen auftauchen.
              Gewisse Anbaumethoden und irgendwelche Labels sind meines Erachtens eher Schall und Rauch, allein die Produktqualität ist entscheidend und da spielen eben auch andere Faktoren eine Rolle. Alles andere halte ich weitgehend für Augenwischerei.
              Vereinfacht gefragt: Was nützt mir ein Apfel in vermeintlicher Premiumqualität mit allem esoterischen Tingeltangel wenn ich den besser erst mal schälen sollte statt einfach reinzubeißen?
              Bei tierischen Produkten sind selbstverständlich die Aspekte der Haltung bzw. des Tierwohls, soweit wir dies überhaupt definieren können zu berücksichtigen.

              2+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                Hallo Paulus, in Deiner ehrlichen Meinungsäußerung erkennt man sehr schön, auf was es bei der Vermarktung ankommt: Auf das Grundvertrauen. Dieses herzustellen ist nicht einfach und braucht auch Zeit und Durchhaltevermögen. Gilt übrigens für jede Branche und hat nicht speziell etwas mit Biolandwirtschaft zu tun. Auch hochtechnisierte Industrieprodukte werden mit Esoterik-Werten aufgeladen, damit hochpreisig verkauft werden kann. Biolandwirtschaft jedoch generell mit Esoterik gleichzusetzen halte ich doch für sehr gewagt.

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            • Paulus sagt

              Hallo Alois,
              wenn Du es so verstanden hast habe ich mich missverständlich ausgedrückt.
              Ich meinte damit die Demeterjünger, dass bei denen ein deutlicher Hang zur Esoterik besteht ist ja wohl offensichtlich.
              Dir und anderen ökologisch wirtschaftenden unterstelle ich diese Neigung ausdrücklich nicht. Gleichwohl gibt es, zumindest für mich, Gründe die bei sogen. Bioprodukten zur Skepsis berechtigen.
              Ich wünsche dir und allen anderen hier alles Gute für 2019 – Gesundheit vorne weg!

              1+
            • Inga sagt

              „Der Bio-Bauer ist von der Industrie genauso mittelabhängig wie der Konvi, und darüber hinaus noch weitaus abhängiger von staatlichen Subventionen.“
              Die staatlichen Subventionen dienen ja nur dazu, dass der Biobauer es günstig herstellen kann und der arme Städter es für einen angemessenen Preis kaufen kann. Denn der Staat sorgt für seine Bürger.
              Denn sonst hätte ja der Stadtbürger gar keine Zeit mehr seiner Arbeit bei der Industrie nachzugehen.
              Weil der Bioanbau im Garten viel zu aufwendig ist, deswegen war das früher auch Frauenarbeit, das hatte schon so seine Ordnung.
              Wenn wir uns aber den Luxus leisten und die Frauen auch in der Industrie arbeiten zu lassen, dann müssen wir den Bioanbau aus dem Garten holen und ins Feld oder dem Acker machen. Wer will sich auf dem Acker so lange bücken wie beim Spargelanbau? Wer will die Sachen anschließend einkochen und haltbar machen?
              Die Bauern?
              Dafür ist keine Zeit da, dann kann man das doch auch industriell machen.
              Und das kostet!
              Aber wenn man das schon im großen Stil auf dem Acker macht, dann müssen auch große industriell hergestellt Maschinen und andere Techniken eingesetzt werden.
              Das haben wir der Faulheit aller Menschen zu verdanken, nicht nur der der Bauern!

              „ Der Bio-Bauer zieht sein Saatgut auch nicht mehr selber und das Sperma für seine Kühe bestellt er geradeso aus dem Katalog wie der Konvi. Einen Melkroboter hat er auch. Der Bio-Bauer versucht geradeso,“
              Eben Agrartechnik, wenn jeder das in seinem Garten machen würde, bräuchten wir die nicht.
              Die Leute legne sich ja lieber halbnackt an den Stand anstatt Obst und Gemüse zu ernten und gleich haltbar zu machen!
              Das muß ja heutzutage die Industrie machen.

              „Milch und Milchprodukte haben alle etwas biologisches, sonst könnten sie nicht entstehen.“
              Die Gärung zur Sauermilch und dann zu Quark und anschließend zu Käse, ist eine spezielle natürliche Technik, Biotec.
              Das kann Konvimilch und auch Biomilch!

              „Alois, auch der Bio-Bauer sucht vor allem nach Wegen, um seinen Hof und seinen Besitz über die Runden zu bringen. Das ist legitim.“
              Er könnte es ja so machen wie der Ehemalige Bauer!
              Dann wäre er fein raus! Anstatt Rente noch an eine Beschäftigung in der Industrie nachgehen.
              Macht er aber nicht,
              er muß wohl einen Idealismus haben, er will nicht nur seinen Hof aus- und weiterbauen, er will auch den Idealismus, der der Ökologie dient, durchsetzen.
              Und er gewinnt, wenn viele da mitmachen, auch seine Kunden!

              „Wir machen uns als Gesellschaft im Hinblick auf unsere Naturverbundenheit selber was vor, und die Bio-Bauern versuchen, die Illusion zu vermarkten.“
              Wenn es eine ist,
              Das wäre auch legitim,oder fingerphilosoph ???
              Was für Sch…zeug, oft umweltschädlich vermarkten uns denn andere Marktschreier?

              Und wer glaubt, dass der Boden durch die moderne Technik erschöpft ist und wir nun zu alten Techniken wieder zurückgreifen müssen, deswegen die Lebensmittel knapper und teurer werden! Der ist dann froh, wenn er Opas Apfelbaum noch nicht weggemacht hat und Oma Gemüsegarten wieder zu kultivieren ist.
              Muß der Zierrasen eben weg!

              Oder wollen wir lieber industriell verfremde Nahrungsmittel?
              Müssen ja nicht gesundheitsschädlich sein!

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    • Bergbäuerin sagt

      Ich hab das zwar schon zweimal gepostet, aber es tut sich schon etwas, um Städtern den Weg zu den einzelnen Produzenten zu ersparen: In Wien haben wirtschaftskritische Wirtschaftsstudenten eine Homepage mit virtuellen Marktstandln begonnen. Da haben Bauern die Möglichkeit, sich, die eigene Landwirtschaftsphilosophie, die Produktionsweise (ob jetzt bio oder nicht) und die eigenen Produkte vorzustellen und anzubieten. Es gibt verschiedene Zustellungswege, für die man sich entscheiden kann. Und wo es zentrale Sammelstellen gibt, kann man dort Sammelbestellungen aufgeben. Ist auch alles nicht ohne Aufwand, aber geht zu Hause vom PC aus. Da muss es halt immer irgendjamnd geben, der die Initiative ergreift, von selber entsteht so etwas nicht. Aber meine Hoffnung ist, dass so etwas Nachahmer findet: http://www.markta.at

      2+
  13. Ich wünsche, daß der Text von den Journalisten gelesen und verstanden wird, die über „Bio“ und Landwirtschaft schrieben.

    4+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Texte werden von einer Person geschrieben und alle Medien übernehmen sie mit dem genauen Wortlaut. Dazu braucht der Journalist nur eines verstehen, ist so ein Artikel interessant für die Werbeindustrie?

      Man muss nur all die Online Medien durchlesen, dort bekommt man die Bestätigung.

      2+

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