28 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    @Thomas Apfel. Ohne Tierhaltung wird es schwierig mit der Humusanreicherung im Boden. Außer man hat Kompost zur Verfügung. In den letzten rd. 15 Jahren haben wir den Humusgehalt im Boden um rd. 0,5% angehoben. Außer der Zwischenfrucht sind in drei Jahren der Fruchtfolge viermal organ. Dünger auf die Flächen mit Hähnchenmist, Gärsubstrat, Hühnertrockenkot oder Schweinegülle gekommen. Macht natürlich Arbeit , aber damit sind die Erträge auch stabiler , weil das Puffervermögen des Bodens einfach besser ist. Das war auch in diesem Dürrejahr zu merken , daß wo andere Rübenfelder platt waren , bei uns noch Wachstum und Blattmasse war. Entsprechend gut waren auch die Erträge. Vergessen sollte auch nicht , daß die organ. Düngung sich sehr positiv auf die Klimabilanz auswirkt und diese in konv. Betrieben sowieso besser als in Biobetrieben ist.
    Jeder Betrieb sollte mit den Bodenproben auch mal seinen Humusgehalt ermittlen lassen , um überhaupt mal einen Überblick zu bekommen und mal Argumente in der Diskussion zu haben. Eine Untersuchung bei unserer LUFA kostet 13 Euro.

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  2. Thomas Apfel sagt

    Da es ja um die behauptete Zerstörung des Humus im Boden geht, habe ich in Langzeitversuchen recherchiert. Für den Öko Bereich gibt es die bekannte Studie zur Corg Entwicklung im über 25 Jahre simuliertem Öko-Mischbetrieb mit Mistzukauf und Feldfrucht und Futterabfuhr und typischer Öko-Fruchtfolge mit einem Drittel Kleegras (Dr.Harriet Gruber am Standort Gülzow in MecPomm ). Hier konnten durch regelmäßige Stalldunggaben die Gehalte an Humus (Corg X 1,72) um jährlich 330 kg erhöht werden, und zwar von 1,25 auf 1,75 % nach 25 Jahren. Diese Werte von max. 300 kg Zunahme pro Jahr wurden auch von Dr. Norman Gentsch (Uni Hannover) für Niedersachsen und Bayern festgestellt (Humustage 2018 Premnitz). In Brandenburger Langzeitversuchen z.T. mit Laufzeiten von über 80 Jahren kam man zu folgenden Ergebnissen: man kann auf Sandböden über jährlich 10 t/ha Stallmist den Kohlenstoffgehalt um 8 t/ha steigern. Auf einem Löß-Standort (Bad Lauchstädt) konnte man im Laufe von über 70 Jahren mit 10 t Stallmistgabe pro Jahr auch nur 13 t/ha Zunahme erreichen. Das sind Zunahmen um 0,12 % gegenüber der Variante ohne Stallmist bei Sand und 0,2 % auf Lößboden.
    Nach 25 Jahren ist bei Sand (3 Standorte) bei fortgesetzter Gabe von 10 t/ha Stallmist kein weiterer Anstieg von organischem Kohlenstoff im Boden zu verzeichnen, es stellt sich ein Gleichgewicht von Zufuhr und Abbau ein.
    Ein N-Eintrag aus organischer Masse von über 150 kg/ha z.B. aus zusätzlicher Gründüngung führt in einigen Versuchen tendenziell sogar zum Abbau des Gehalts an organischem Kohlenstoff (Grund= höhere Abbauraten durch mehr biologische Aktivität).
    Für mich, der ich mich als praktischer Landwirt nicht gerade in aller Tiefe in Bodenkundlichen Fragen auskenne, ergeben sich folgende Fragen:
    Ist die gepriesene Kohlenstoffspeicherung im Boden im Interesse von Klimaschutz tatsächlich (im Ackerbau) überhaupt möglich ?
    Ist Öko-Anbau vor allem in Anbetracht der niedrigen Erträge auch bei Verzicht auf mineralischen Stickstoff tatsächlich signifikanter Anstieg von Kohlenstoffspeicherung möglich?
    Mein Eindruck ist eher, dass wenig Kenntnis über die tatsächlichen Zusammenhänge auch hier zu falschen Leitsätzen, Dogmen und Maximen führt.
    Das könnte man doch im Rahmen der Behauptungen aus 1984, unabhängig von der Fragestellung ob ÖKO der Ausweg ist oder eben nicht, diskutieren.?

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    • Mir gehts nicht darum, den Bioanbau schlecht zu reden. Mir gehts eher darum, einer vorbehaltlosen Glorifizierung der Biolandwirtschaft Einhalt zu gebieten. Kohlenstoffspeicherung/Humusaufbau wird im Rahmen der neuen Düngeverordnung (Stoffstrombilanz etc.) völlig unmöglich sein. Im Gegenteil, die irrige Annahme (Prof.Taube treibt dies auf die Spitze), dass jedes kg N/P, welches nicht von Pflanzen aufgenommen wird, sofort ins Grundwasser durchrauscht, wird im Zeitablauf zu einem flächendeckenden Humusabbau und zur Nährstoffverarmung der Böden führen, egal ob Öko oder Konvi.

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      • Thomas Apfel sagt

        Einen interessanten Hinweis gibt es aus einem voll randomisierten Langzeitversuch zu verschiedenen Düngeintensitäten in Müncheberg (ZALF 1963 bis 1998)) : Erst bei einem N-Saldenüberschuss von 40 kg/ha p.a. gibt es überhaupt eine Zunahme von Corg (Humus). Dies gilt natürlich erst einmal nur für den untersuchten Sandboden (44 Bodenpunkte). Ich zweifle die Aussagefähigkeit der derzeit angewendeten Bilanzierungsmethoden für Stickstoff allerdings sowieso an. Hinweise hierfür gibt es aus den Langzeit- Bodenbeobachtungen z.B. in Sachsen Anhalt (129. VDLUFA Kongress 2017).

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    • Stadtmensch sagt

      Vielen Dank für die Recherche. Es ist schon mal gut zu wissen, dass sich unter Bedingungen moderner Intensivlandwirtschaft der Dauerhumusgehalt stabilisieren und sogar aufbauen lässt. Das predigt Bauer Willi zwar schon eine Weile, aber nachvollziehen kann ich Bildungsraten von mineralisch gebundenem Kohlenstoff von 0,1% pro Dekade erst jetzt: https://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/20315.htm
      Ansonsten befürchte ich auch, dass gerade das Nährhumusmanagement mit den vielen positiven Auswirkungen auf Bodenstruktur, Bodenleben, Wasserhaushalt nicht immer optimal praktiziert wird. Ich habe immer noch solche ulkigen Vorstellungen vom Boden als einem lebenden Organismus, der krank werden und aus dem Gleichgewicht geraten kann.
      Für Biokohle (aktivierter bzw. „aufgeladener“ Kohlenstoff), die aus welchen Gründen auch immer in der hiesigen Landwirtschaft kein großes Thema ist, gäbe es jedenfalls noch viel Experimentierbedarf. „The Biochar Revolution: Transforming Agriculture & Environment „

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  3. Bergbäuerin sagt

    Man muss aber fairer Weise schon sagen, dass seit 1984 viel gegen den sauren Regen gemacht wurde, und dass man heute weniger Gift spritzt als damals. Die Prognose auf Basis der damaligen Situation mag maßlos übertrieben gewesen sein, aber sie hat auch eine Wende zum Guten bewirkt!

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  4. Liste der in der Landwirtschaft genutzten Produkte (auch wenn diese chemischer Natur sind) Herstellungsmethoden, Arbeitsmethoden, Erntemethoden aufzeigen und erklären könnte der Schlüssel gegen Panikmache sein. Wir haben ein kleines Museum welches die Berbbauernlandwirtschaft des 19. und 20. Jahrhundert dokumentiert und wir möchten nun einen Zubau errichten in welchem die moderne Landwirtschaft dargestellt wird. Allerdings benötigen wir für dieses Vorhaben Experten welche frank und frei die modernen Landwirtschaftsmethoden darstellen können und WOLLEN !

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  5. Berthold Lauer sagt

    Wer kann sich noch an BSE erinnern und an all das, was damals als Folge davon prophezeit wurde? Ok, wenn man sieht, was die Briten momentan veranstalten, dann könnte das ja auch noch eine Spätfolge sein. Da wurden ja die meisten Fälle entdeckt.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Ein alter Metzger hat mir damals gesagt, dass es immer mal ALTE Kühe gab, die dieselben Symptome hatten.

            Hirndippel sagte man damals dazu, die Kühe wurden geschlachtet und auch verzehrt. Über Spätfolgen wurde nichts berichtet, wenn ich mir die Folgen mancher Silvesterknallerei ansehe, sind Spätfolgen nicht auszuschließen. 😉

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  6. Friedrich sagt

    Angst bringt Fördergelder , Umsatz, Spenden usw.. Unsere NGOs sind heute ein „Staat im Staate“. Auch die Medien kommen ihrer Aufgabe die „vierte Instanz“ zu sein nicht mehr nach. Recherschieren ist zu zeitaufwendig und kostet. Da ist eben Abschreiben angesagt. So schieben die Medien und NGOs sich gegenseitig die Themen zu. Einer lebt vom anderen. So wird die Politik an der Stange durch die Manege geführt. So sind heute unsere Politiker austauschbar. Ob links oder rechts, egal , hauptsache die Kohle kommt und man bleibt dabei.
    Vertreter die für etwas stehen , werden heute niedergemacht . Leute mit einem Wasserschlach im Rücken und immer dem Mainstream folgend überleben in diesem System. Dieses Verhalten vernichtet nachhaltig unser demokratisches Staatswesen. Auch unsere Rechtssicherheit ist schon sehr in Frage zu stellen. Der Verfall hat schon mit den Mainstreamurteilen des Bundesverfassungsgerichts begonnen. Recht wird so gebogen , daß es passt.

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  7. bauerhans sagt

    im STERN nr.1/2019 steht,dass die sozialen medien (facebook,twitter,google) zu unserem untergang führen werden,weil durch fakenews erst die leute „heiss“ gemacht werden und das ganze dann im bürgerkrieg enden könnte.

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  8. Altbauer Jochen sagt

    Sind unsere Nachrichten in Funk und Fernsehen
    nicht auch überfrachtet mit Schwarzmalerei und
    Horrormeldungen? Klar,-wenn mich ein Steinchen im Schuh drückt
    muss man es rausschmeißen.
    Die gute Meldung wäre doch, Problem gelöst, es geht weiter.
    Aber das ist wohl zu unspektakulär um Einschaltquoten zu
    erreichen ?

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    • Obstbäuerin sagt

      Ganz aktuell sterben heute auf tageschau24 die Bienen, Schmetterlinge und alle anderen Insekten in Beiträgen aus 2014 und 2016. Ob das Interview mit dem Häuptling des BUND frisch ist, konnte ich nicht recherchieren.

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  9. Prognosen sind schwierig, besonders dann, wenn sie in die Zukunft gerichtet sind.
    „Man sollte öfter nachrecherchieren, was aus mancher Weltuntergangsprognose so wurde.“ Mit dieser Erkenntnis hat Christian zweifellos recht. Aus den Erkenntnissen solcher Recherchen bin ich (und nicht nur ich) mittlerweile gegenüber Weltuntergangspropheten äusserst skeptisch.

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    • Obstbäuerin sagt

      Sobald sie nicht mehr in die Zukunft gerichtet sind heißen sie Geschichte (die Prognosen) oder war das ironisch gemeint, Mark?
      Wenn die Katastrophenmeldung zur Hauptsendezeit über den Sender geht und dann noch ein sogenannter Experte seinen unwissenschaftlichen Senf dazu gibt, erfüllt die Methode bei vielen Zuschauern stets aufs Neue ihr Ziel. Leider.

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