Bauer Willi
Kommentare 16

Massentierhaltung – und warum?

Peter bloggt für die österreichische Seite www.landschafftleben.at

Auch in unserem Nachbarland wird die Diskussion um „Massentierhaltung“ geführt. Er macht sich ein paar grundsätzliche Gedanken, warum dies so ist und Woche Konsequenzen daraus gezogen werden müssten. Und wie der Konsument Einfluss nehmen könnte…

Sehr lesenswert und sicher gut für einige, möglicherweise auch kontroverse Kommentare

http://www.landschafftleben.at/blog/%22massentierhaltung%22+ein+paar+grunds%c3%a4tzliche+gedanken+_b533

Euer Bauer Willi

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16 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Ich versuche als konv. Betrieb immer Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bekommen. Auch die Kreislaufwirtschaft und die Nachhaltigkeit wird praktiziert. Denn für uns Landwirte schließt sich das nicht aus. Wenn ich mit meinen 1000 Schweinen angeblich
    Massentierhaltung betreibe , dann betreibe ich mit meinen fünf Schafen und 15 Hähnchen halt eine Kleintierhaltung. Schmecken tut mir das Fleisch von allen Tieren. Verkaufe sogar
    Schweine an Kleintierhalter zur weiteren Mast und Hausschlachtung. Das wird wohl seinen Grund haben . Die Nachfrage steigt jedenfalls.

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    • Sabine sagt

      Ich hoffe auch, dass dieser Trend hier langsam mal ankommt und wieder mehr Leute sich mit ihren Lebensmitteln mehr auseinandersetzen, nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch in dem sie Nutzgärten und Nutztiere wieder für sich entdecken.
      Hobby-Nutztiere mögen einen größeren „Fußabdruck“ haben, aber was man selber großgezogen hat, lässt man im Kühlschrank nicht verrotten und schmeißt es nicht einfach so in die Tonne.

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  2. Ehrlicher sagt

    Landwirte sind keine ökonomischen und gesellschaftlichen Authisten, will sagen sie schauen schon genau was verkauft werden kann. Wenn man nun Geld verdienen möchte in einem Land wie Deutschland mit den höchsten Lohnkosten in ganz Europa, dann muss man entweder sehr effinzient arbeiten oder aber einen sehr hohen Produktpreis bekommen. Der hohe Produktpreis ist am Markt nicht umsetzbar, was ja einer der Gründe ist, warum Biolandwirtschaft um ein vielfaches höher subventioniert werden muss als die normalen Landwirte. Ferner ist belegt, dass diese Bioprodukte im Schnitt von Verbrauchern mit deutlich überdurchschnittlichen ‚einkommen gekauft werden. Hier wird das Essen der Reichen höher subventioniert als das vom Hartz 4 Empfänger und nicht weil es nachweisbar besser schmeckt oder gesünder wäre, nein nur weil sich die Schönen und Reichen beim Essen ein wenig besser fühlen wollen als der Rest der Gesellschaft!

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  3. Sabine sagt

    Hm, es kommt immer drauf an, was der Fokus ist.
    Wenn ich 100% meines Einkommens über Geflügelfleisch oder Eier erzielen will, bleibt einem wohl nur wenig Auswahl und die wirtschaftlichste Form wird wohl das sein, was Leute unter Massentierhaltung verstehen.
    Wenn ich aber z.B. eigentlich mein Einkommen als Ackerbauer verdiene, kann es Sinn machen z.B. Hühnertraktoren mit einer etwas robusteren Fleischhuhnrasse ( da gibt es sog. CornishX, die Privathaltung angepasst wurden oder eben „ältere“ Rassen bzw. Mixe) neben ein paar Schafen auf die Flächen mit Zwischenfrüchten zu stellen. Da zieht man dann vielleicht nur 100 oder 200 Tiere groß, aber die Kosten für Stall und Futter halten sich in Grenzen und man hat wenigstens die Chance sie im Premiumbereich selber zu vermarkten. Das ist dann zwar nicht mehr als ein Taschengeld, aber mehr als die Fläche „ungenutzt“ abwerfen würde. Selbst wenn man die Hälfte davon selber essen muss, weil’s hat nicht klappt mit der Vermarktung, hat man kein Geld verloren.
    Ein Ei-Mobil auf einem Betrieb, der eigentlich auf Rinder- bzw. Milchviehhaltung spezialisiert ist, kann auch recht unkompliziert eingepflegt werden. Es gibt ja Legehybriden, für diese Systeme gezüchtet werden, aber da machen sich meist auch Rassen wie Rocks oder vllt. sogar Italiener ganz gut. Die erkennen noch etwas eher Raubfeinde und sind nicht unabgeneigt sich ihr Futter zum Teil selber zu suchen. Wenn man seinen zukünftigen Kunden noch was besonders bieten will, kann man auch Grünleger-Mixe. Legbars oder Marans mit laufen lassen. Zwar sind die nicht so legestark, aber die sind noch anständige Suppenhühner am Ende ihrer Legeperiode.
    Neben der Milchtankstelle noch einen Ei-Automaten kann für den ein oder anderen Betrieb vllt. interesant sein. Die legen einem zwar auch kein Monatseinkommen zusammen, aber wenn man den Aufwand gegenrechnet vllt nicht uninteressant.
    Ja, das füllt kein Supermarktregal, noch nicht mal für einen Tag, aber vllt. den Kühlschrank der Leute in der Nachbarsiedlung, die sich sonst immer nur über die Gülle oder den Traktorlärm aufregen. Vllt. kann man so die Kosten für die Tiere ja auch als Werbekosten absetzten, wer weiß?

    Äh.. und der Vergleich mit dem Hominiden hinkt. Selbst die pummeligsten Fleisch- und produktivsten Legehühner sind Bankiva nicht weit entfernt. Verwilderte Populationen z.B. auf Kauai ganz gut erkennen. Nach einem verheerenden Tropensturm vermischten sich entlaufene Wirtschafts-Hybriden und Kampfhähne und innerhalb weniger Jahre entstand eine große freilebende Population, die bis auf die Färbung kaum noch von Bankiva zu unterscheiden ist. Wenn man uns auf eine Südseeinsel ohne Feinde und ausreichend Futter aussetzt, benehmen wir uns vielleicht wie der letzte Mensch, aber wir werden wohl kaum zum Neandertaler oder Java-Mensch.

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    • bauerhans sagt

      „Selbst wenn man die Hälfte davon selber essen muss, weil’s hat nicht klappt mit der Vermarktung, hat man kein Geld verloren.“

      mein alter,der jäger vor dem herrn,hatte sich zeitlebens mehr mit jagd als mit erfolgreicher erwerbstätigkeit auseinander gesetzt und die truhe war voll von überfahrenen rehen——die hängen mir sowas von aus dem hals raus……
      der eine betrieb hier hatte das mit dem selber essen auch immer beherzigt——80 mietwohnungen haben die!
      achso,mein alter hatte nen ganzen 50ha betrieb verbraucht,übrigens ganz in der nähe von dir,sabine.

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      • Sabine sagt

        Ich werd dieses Jahr auch wieder recht viel Hühner in allen Variationen essen müssen, so wie es ausschaut waren im ersten Schlupf nur 3 Hennis, aber 12 Hähne. Wenn das auch bei den anderen Glucken ähnlich ist, bin ich recht froh, dass die Hähne selten mehr als 600g wiegen. 🙂

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  4. Der Verbraucher stimmt jeden Tag an der Ladentheke darüber ab, welche Produktion er bevorzugt. Wir können uns hier jegliche moralische Betrachtung sparen, lieber Stadtmensch.

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    • Sabine sagt

      Es kommt nicht nur darauf an, was ich als Kunde will, sondern auch was ihr als Produzenten wollt.
      Wie sieht eigentlich für Euch das perfekte Produkt aus, wie schmeckt es, richt es..?
      Wie sieht der idealer Absatz für euch aus?
      Wer soll mein Kunde sein?….
      …. alles Fragen, die sich Produzenten normalerweise stellen müsse, bevor sie ein Produkt auf den Markt bringen.
      Denn der Kunde weiß, das sieht man ganz deutlich an der Form unserer Fleischhühner, nicht wirklich wie etwas aussehen, schmecken oder sich anfühlen muss.
      Das bekommt er von Werbern und Vertrieblern erzählt.
      Das sieht man auch an Produkten wie Red Bull, immerhin auch was mit nem Rind auf der Verpackung.

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      • bauerhans sagt

        „sondern auch was ihr als Produzenten wollt.“

        ich will und muss meine arbeit schaffen,aber nicht von 6 bis 6,sondern auch zeit haben und meine rechnungen bezahlen.

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        • Sabine sagt

          Das mein ich ja auch. Die Arbeitsbelastung ist im landwirtschaftlichen Bereich definitiv zu hoch. Die Frage ist – wie bei jedem anderen Produkt – wie bekomme ich vom Kunden mein Produkt so bezahlt, dass ich davon Leben kann.
          Wie steigert man z.B. die Wertschätzung für ein Produkt?
          Das ist echt schwierig, aber ich will einfach daran glauben, dass es da Wege gibt.
          Mir fällt da im Moment kein Patent ein, sonst hätte ich das schon längst angemeldet, aber da muss es einfach was geben.
          Es kann doch nicht sein, dass Leute, die ein Getränk verkaufen, dass m.M. nach wie die Tränen gefolterter Gummibärchen schmeckt und zu 100% künstlich ist, mehr Geld verdienen, wie die Leute, die Milch, Eier und Fleisch produzieren. Selbst im Discounter kostet Red Bull noch 4,40/l. Wenn man den Preis für Milch erzielen könnte, könnte man ein Hilton für die Kühe bauen, oder?

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  5. Stadtmensch sagt

    Ja, der Philosoph Peter steigt in eisige Höhen und schaut sich das bewusstlose Gewusel der Amöben in den Tälern an 😉
    Sicher kann man „Massentierhaltung“ damit rechtfertigen, dass sich das Nutztier mental letztendlich genau so gut an seine Haltungsbedingungen anpassen kann wie der Mensch. Denn der gemeine Nutzmensch wird ja auch nur „gehalten“, wenn wir ehrlich sind. Kaum jemand empfindet die Zumutungen der „Verwertungsmaschine“ in der wir „Besserleber“ ein Gefühl von Wohlstand empfinden sollen, als bedrückend. Wohl dem, der sich den Bezug zu seiner Nahrung bewahren kann und wohl dem, der in der guten alten Handwerkskunst mehr sieht, als musealen Kitsch. Wie hieß es kürzlich in einem lesenswerten Buch:
    „Während die wirklichen guten Dinge verschwinden, wird der Zugang zum Ersatz perfektioniert – was haben wir davon?“

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