Bauer Willi
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Jedes Jahr…

Johannes hat mir den folgenden Text als E-Mail geschrieben. Mich berührt das. Ich hoffe, euch auch…

Lieber Bauer Willi,
Deinen Artikel, zornig, frustriert, ängstlich habe ich gelesen und mir geht es ebenso.
Ich bin 35 Jahre alt, Wirtschaftsingenieur, Landwirt und mittlerweile Vater von zwei Jungen.
Wir haben nur einen kleinen Betrieb, aber viele Standbeine die wir in erster Linie durch Eigenleistung aufgebaut haben. Bereits 2001 investierten wir in die Photovoltaik ( 20kw) die wir selbst aufs Dach gebaut haben. Zu einer Zeit als der Schweinefleischpreis am Boden war ( 0,95 € je kg bei der Euroumstellung) haben wir begonnen eine Scheune umzubauen und in Wohnungen um zu nutzen, in 95% Eigenleistung.

Ich bin frustriert, weil das, was von Seiten der Regierung, der Öffentlichkeit den NGO´s, den Weltverbesserern gefordert wird, von uns schon immer gemacht wird.
Wir arbeiten konventionell, aber mit reduziertem Dünge- und Pflanzenschutzmittelaufwand, dafür mit einer vielgliedrigen Fruchtfolge.
Wir bauen Humus auf und zwar von ca. 1,5 % um die 2000er Jahre auf jetzt 3,5%.
Wir halten die Schweine auf Stroh im selbst gebauten Maststall.
Wir machen seit 2 Jahren mit der LFL ein Schwanzbeißen-Monitoring um uns und anderen Betrieben hier Hilfestellung zu erarbeiten.
Wir brauchen nahezu keine Antibiotika im Betrieb.
Wir pflanzen Mischwälder.
Wir bauen Nistkästen für Hornissen, Hummeln, Singvögel, Schleiereulen.
Wir mulchen keine Ackerränder.
Wir binden CO² im Boden.
Wir sind von Beginn an Mitglied der Initiative Tierwohl bei den Sauen und Mastschweinen.
Wenn ich jetzt meine „Lang-Schwanz-Schweine“ einem Metzger anbiete und sage das Schwein muss 20 € mehr kosten als der Marktpreis, lehnt jeder gerne ab. Und jetzt? Oft kommt die Antwort: der Markt regelt das schon. Aber haben wir noch einen Markt? Wir haben Interessen von wenigen finanzstarken Unternehmen und Personen die die Gesellschaft vor sich hertreiben.

Zornig bin ich weil die Gesellschaft sich in eine Richtung hat entwickeln lassen, die keine guten Aussichten bietet. Ich wünsche mir Fakten statt Populismus. Die Gesellschaft muss sich eingestehen, dass, nachdem wir in den letzten 4 Jahren 3 Dürresommer hatten, es so nicht weitergehen kann. Im Radio wird tagtäglich das super Sommerwetter gepriesen, und bei mir vor der Haustüre stirbt der Wald großflächig. Die Kiefernbestände sterben an Pilzen welche von der Hitze begünstigt werden. Die Eichen werden vom Prozessionsspinner aufgefressen. Fichten und Buchen verdursten, selbst die Akazien schaffen das nicht mehr.

Die Landwirtschaft ist jeden Tag, jedes Jahr der Böse. Dabei speichert die Landwirtschaft mehr als doppelt so viel CO² als sie verursacht, was aber medial nicht erwähnt wird. Die Gesellschaft kauft, immer mehr immer billiger und wundert sich wenn der Planet Fieber hat. Aber trotzdem geht es weiter wie immer, kaufen, konsumieren, in den Urlaub fliegen, über andere reden und schimpfen. In meiner Schulzeit gab es ab 30°C Hitzefrei, an maximal einem Tag im Schuljahr wenn überhaupt und heute? Kein Hitzefrei an den 90 Tagen über 30°C, immer weiter immer mehr. Alles stöhnt, die Menschen die Natur, die Maschinen, selbst die Autobahnen streiken, aber weiter geht’s.

Zornig bin ich weil die Menschen nicht mehr fragen, nicht mehr analysieren, sich nicht mehr informieren. Informationen werden nicht mehr verarbeitet sondern nur noch „weitergebabbelt“ wie man in Franken sagen würde, ins Gegenteil verkehrt oder gar aggressiv abgewehrt.
Warum kann unser Verband in solch einer Situation nicht sagen: Lieber Verbraucher, die Umwelt und die damit wirtschaftende Klientel befindet sich in einer Notsituation. Wir wissen nicht wie es weitergehen soll, wir brauchen eure Hilfe. Einfach eine Forderung in den Raum zu stellen, einem Bürger dem ohnehin immer eingeredet worden ist, dass alles was die Landwirtschaft bekommt eine „Subvention“ ist, ist so hilfreich wie bei 38°C im Schatten den Grill anzuschüren.

Ängstlich bin ich weil ich mich frage, wie es weitergehen soll mit den Menschen.
Wenn ich den Wald bei uns ansehe, bin ich der Meinung, dass wir uns am Beginn eines Waldsterbens befinden wegen der Temperaturen. Registriert wird das kaum bis überhaupt nicht. Wir spüren dort bereits die Folgen der Jahre 2015 und 2016. 2018 wird richtig schlimm.
Weiterer Humusaufbau? Kaum möglich, da die Umsetzung seit Monaten in den Böden beendet ist.

Jedes Jahr die Angst, ob wir etwas ernten, und wie viel. Jeden Tag zum Himmel hoch sehen, die Wolken suchen und hoffen dass es regnet? Weiter dem Bürger vermitteln dass die Landwirtschaft dran arbeitet sich zu verbessern und trotzdem ständig eins in die Fresse bekommen?

Es ist schwierig, ich weiß. Zum Glück sind wir nicht allein.

Johannes S

(Aufrufe 901 gesamt, 1 heute)

13 Kommentare

  1. Lotti Karotti sagt

    … „unser Verband“?…. Sollte ich richtig gehen in der Annahme, dass es sich hierbei um den einen großen handelt, der eine Verband, der doch tatsächlich seine Mitglieder stets dazu aufzufordert aufzugeben anstatt sich für deren Interessen einzusetzen und mitwirkt an einer Subventionspolitik, die mal vorsichtig gesagt „überdacht werden könnte“?.
    Hm, da hab ich so meine Probleme mit.

    Auch ich bin der Meinung, das Subventionsthema ist komplex, auch das Image der Landwirte. Was mir aber in der Tat auch wenig begegnet ist der Hang zur Selbstkritik. Von beiden Seiten. Zu einfach ist mir dieses „Der Verbraucher“.. „Der Landwirt“.. „Und ich selbst mach alles richtig und muss mich nicht kritisieren lassen“. ..

    Wann hört denn das mal auf, und wir beginnen die Dinge voneinander anzunehmen, aber auch, uns zu erklären und „machen zu lassen“. Immer nur Zorn und Gezeter..
    Viele Fragezeichen im Gesicht und irgendwie gar keine Lust mehr, sich beruflich dieser Branche zu widmen. .. 🙁

    1+
    • Sehe ich auch so. Ich verstehe die mediale Kritik an der Landwirtschaft auch nicht als Kritik an Landwirten, sondern als Kritik an der Politik, dem Staatsbürger und Konsumenten.

      Vom einzelnen Landwirt kann sicherlich nicht verlangt werden, die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern, weniger Tiere zu halten und höhere Preise durchzusetzen, auf diese Weise den Konsumenten mindestens zum Flexitarier zu erziehen und wegen reduziertem Futterbau auf seinen Feldern Trittsteinbiotope anzulegen und dem Rebhuhn und Spaziergänger regelmäßig Brachzeiten zu gönnen.

      Nein, das weiß doch jeder. Die meisten Menschen wissen, was Konkurrenzdruck und Markt ist – als Arbeitnehmer, Selbständige und leitende Angestellte oder in mittlerer Führungsverantwortung und als Geknechtete.

      Ja, das kommt hier auch oft zum Ausdruck: als furze die Mehrheit der Konsumenten den ganzen Tag in ihre Bürostühle hinein, während sie nur stumpf Blätter tackert, locht und nicht die unternehmerische Sicht ihres Arbeitgebers einnehmen müsste.

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  2. Friedrich sagt

    Ja, Johannes so geht es fast allen Bauern. Wir wissen , daß wir alles richtig machen , jedenfalls
    die meistens von uns. Schwarze Schafe gibts ja überall. Wenn nach der letzten Information rd. 12.000 Höfe im Jahr in Deutschland von den jetzt noch 275.000 aufgeben, stimmt etwas im Lande nicht. Die Probaganda gegen uns ist menschenverachtend und falsch , daß wissen wir alle. Inzwischen hat das eine Dimension erreicht , die nicht mehr hinnehmbar ist. Gestern erzählte mir mein Freund aus der Nähe von Hamburg , daß ein Berufskollege beim Pflanzenschutzeinsatz von Mitbürgern mit Stöcken bedroht wurde , weil die meinten er würde alles vergiften. Diese Leute waren aus Hamburg in ihr neues Haus aufs Land gezogen.Daran kann man sehen , wie die Falschinformationen von Politik, Medien und NGOs im Lande ankommen. Es wird Angst und Mißgunst verbreitet und dann beschwert man sich über die Spaltung der Gesellschaft. Wenn z.B. der Klimawandel wirklich so schlimm ist , warum fliegen denn noch soviel Leute frag ich mich immer oder fahren zum Kaffeetrinken mal 400 km in der Gegend herum. Auf die Bauern einschlagen ist da schon besser , als vor der eigenen Haustür zu kehren. Mit unter , wenn man mal richtig fertig mit der Welt ist , erwischt man sich dabei, diesen Leuten mal eine Hungernot zu wünschen, aber es würde schon reichen mal für drei Tage einen Stromausfall zu haben . Der Hunger würde schon einsetzen weil die Vorräte im Kühlschrank nicht solange halten.

    10+
    • Obstbäuerin sagt

      Was die Negativpropaganda betrifft habe ich heute Unterirdisches erlebt. Auf einer Veranstaltung in Berlin durfte ich den Ergüssen von Frau Künast lauschen und habe fast einen Herzinfarkt bekommen.

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        • Obstbäuerin sagt

          Nichts Gutes. Ich denke, wir dürfen die Sachlage nicht unterschätzen. Das Hauptziel ist nach wie vor, neben den Verboten von PSM, die Umverteilung der Gelder aus der 1. in die 2. Säule. Daran wird mit allen Mitteln gearbeitet und die Netzwerke sind aktiv.

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  3. Altbauer Jochen sagt

    Ja Johannes, du wist sicher von vielen Bürgern Zustimmung bekommen
    für dein Engagement, das aus deiner E-Mail zu erkennen ist.
    Aber wenn du wirtschaftlich zu kämpfen hast,
    werden diese Bürger ihre Produkte/Dienstleistungen
    dir günstiger anbieten, bzw. deine Leistung vergüten?
    Die Erfahrung mit deinen Schweinen zeigt ja
    wie der Hase läuft.
    Und komm mir keiner mit Subventionen,
    subventioniert wird der Endpreis an der Ladentheke.

    9+
      • Altbauer Jochen sagt

        Weil ohne die Zahlungen aus Brüssel
        kaum einer noch produzieren kann.
        Ohne die ZA kann der Bauer z.B. den Ltr. Milch wohl kaum für 30 Cent
        (oder noch darunter) abgeben und trotzdem überleben. Bei vielen liegen die Produktionskosten darüber.
        Wenn der LEH deutlich mehr an den Erzeuger zahlen müsste
        würden sie sich das eben an der Ladentheke vom Kunden
        wiederholen.
        Deshalb sind die ZA die der Bauer erhält, eine -zwar indirekte aber doch eine Subventionierung des Verkaufspreises im Laden.
        Andere mögen das anders sehen ,ich empfinde es so.

        10+
        • Der steuerzahlende Verbraucher kann das aber genau andersherum sehen: mit den Subventionen aus (seinen) Steuermitteln hat er bereits einen Vorschuss auf den Kauf landwirtschaftl. Produkte geleistet. Mit seinem tatsächlichen Kauf summiert sich das dann auf einen angemessenen Preis. Auf diesen angemessenen Preis wird dann noch Umsatzsteuer aufgeschlagen. (Dabei muss man beachten, dass das Kapital welches eingesetzt wird, schon einmal durch Lohn-/Einkommenssteuer gemindert wurde.)
          Subventioniert man den Ladenpreis, könnte man im Laden kaufen und dann bei der Stelle des Aufkaufes wieder verkaufen…gab`s schon mal (;-))
          Ach so, Bauer Willi will immer Vorschläge: Umsatzsteuerbefreiung auf den Kauf nicht weiterverabeiteter landwirtschaftlicher Produkte.

          3+
          • Altbauer Jochen sagt

            Sicher kann man das so auch sehen Peter,
            irgendwie kreisen meine Gedanken dabei um die Frage
            -was war zuerst da ,das Huhn oder das Ei.
            -Ist jetzt nicht ernst gemeint, jeder fühlt halt seine
            eigene Betroffenheit.
            Und wofür,wieviel Steuermittel eingesetzt werden sollen
            werden sich ja nicht mal die Parteien im Bundestag einig,
            geschweige denn ein ganzes Volk oder gar 28 Länder der EU.
            Das Leben ist und bleibt ein zähes Ringen !

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  4. Ja, dann werden die Spielregeln vom Markt diktiert, und für landwirtschaftliche Belange gibt es keinen Markt. Denn die Landwirtschaft steht ja mit ihren Produkten am Anfang der Produktionsketten der
    Nahrunsmittel, ERST DIE WEITERVERARBEITUNG und Konsum bestimmen den Markt.

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  5. bauerhans sagt

    der gemeine verbraucher in D kauft gern gut und günstig!!
    die sich daraus ergebenden probleme werden von der politik aufgenommen und der LANDWIRTSCHAFT als auflagen aufgedrückt,teilweise mit finanziellem ausgleich.
    das sind die spielregeln und doch wird seitens der landwirtschaft zuviel für pachten und maschinen ausgegeben.

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