Bauer Willi
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Insekten: zu viele ist auch nicht gut

Ich habe ja neulich über die Bekämpfung der Stechmücken am Rhein berichtet. Dabei sind die nur lästig und verursachen keinen wirtschaftlichen Schaden. Anders ist das mit den Heuschrecken, die jetzt in Sardinien auftreten. Das Video im Artikel macht schon Angst.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sardinien-heuschrecken-plage-nach-temperaturanstieg-a-1271880.html

Habt ihr schon mal von der „Marmorierten Blattwanze“ gehört? Die macht jetzt Probleme in Norditalien. Und in Süddeutschland soll sie auch schon gesichtet worden sein. Die Kirschessigfliege ist ja schon da und im letzten Jahr hat es erstmals unseren Walnussbaum erwischt. Die Nüsse waren alle unbrauchbar, weil sich ein für uns neuer Schädling, die Walnussfruchtfliege, in der Schale eingenistet hatte.

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16 Kommentare

  1. Eckehard Niemann sagt

    Hallo, Bauer Willi,
    gibt es für die Schlichtheiten Deiner Insekten-„Argumentationen“ eigentlich keine Untergrenze?

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    • Schmeckt gut sagt

      Hallo EN. Kann es sein, dass sie komplexen Zusammenhängen aus dem Wege gehen und lieber einfach – man könnte auch sagen platt – argumentieren.

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  2. Christian Krumphuber sagt

    Da kommt noch so manches daher. Wir kämpfen in Österreich aktuell mit dem Distelfalter in Sojabohne. https://ooe.lko.at/aktuelle-pflanzenschutzinformationen-20-2019+2500+294606. Der kommt mit den heißen Saharawinden aus Nordafrika; die Raupen sind ganz schön gefräßig. So ein Sojabestand mit Distelfalterbefall schaut aus wie nach einem Hagelschlag – blattlos. Ja und Engerlinge gibts auch jede Menge – bis zu 700 pro m² – das sind umgerechnet 10 GVE am Hektar. https://ooe.lko.at/engerlinge-aktuell+2500+2928965. Höre bei diesen Problemen nie was von den sonst in Landwirtschaftsfragen so diskutierfreudigen NGOs.

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    • Obstbäuerin sagt

      Hallo Christian K., bei uns gibt es in diesem Jahr auch eine große Anzahl an Distelfaltern und sie haben so ausgewaschene Farben. Kommen die wirklich aus der Sahara bis zu uns?

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  3. Obstbäuerin sagt

    Gestern war ich in Potsdam und habe an der Folgeveranstaltung des Insektengipfels teilgenommen. Ich hatte mich für die Arbeitsgruppe Landwirtschaft eingetragen. Etwa 25 Teilnehmer hatte die Arbeitsgruppe und darunter waren 5 die etwas mit Landwirtschaft zu tun hatten: ein Vollerwerbslandwirt (ich), ein Nebenerwerbslandwirt, ein Berufsimker, ein Deichschäfer und ein Vertreter vom Bauernverband. Als ich in der Diskussion genau den oben genannten Standpunkt vertrat: wir brauchen nicht noch mehr Insekten, die Vielfalt, die wir haben reicht, wurde ich gefragt, was ich dann hier zu suchen habe. Das Argument, Nahrungsmittel zu produzieren, spielt gar keine Rolle und in einem Arbeitskreis Landwirtschaft muss nicht zwingend ein Landwirt dabei sein. Ganz im Gegenteil – ich hatte das Gefühl, als Störfaktor wahrgenommen zu werden. Die Forderungen, die auf losen Zetteln formuliert wurden, gingen von Pflanzenschutzmittelverbot, Düngemittelreduzierung, Monokulturabschaffung usw. über Beratung und Bildung der Landwirte bis zu Vorschlägen zu Fruchtfolge und Stilllegungen für Blühwiesen. Die ganze Palette. Neben mir saß der Imker, der mir eine Horrorgeschichte von glyphosatvergifteten Bienen eines Kollegen erzählte, wo die Höchstmenge 140 mal höher war, als der Grenzwert. Auf der anderen Seite saß ein Kollege vom BÖLW, der ganz erstaunt darüber war, dass im Bio-Obstanbau Pyrethrum gespritzt, das in Afrika angebaut wird. Im August folgt die nächste Runde und meine Freude hält sich in Grenzen.

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    • Schmeckt gut sagt

      Danke EL für das Video. Ich habe es schon mehrfach beschrieben. Wenn wir die Möglichkeit des gezielten Pflanzenschutzes mit industriell hergestellten biologischen oder konventionellen Wirkstoffen nicht mehr haben – aus welchen Gründen auch immer – bleibt nur der geschützte Anbau unter Folie und Netz. Selbst dieser gibt keine komplette Risikoabsicherung. In Großbritannien findet ein Großteil des Obst und auch teilweise des Gemüsebaus unter geschlossenen Anbausystemen statt. Es wird in D aber ganz sicher Widerstand gegen diese Art der Agrarwende geben. Dann bleibt für uns nur noch die Frage, ob wir den Anbau ins Ausland verlegen können oder einen Job in der Industrie annehmen.

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  4. Thomas Apfel sagt

    Interessant ist die Aussage, dass eine große Anzahl brachliegender Flächen die Entwicklung ausgelöst, bzw. beschleunigt hat. Das Gleiche war bei uns Anfang der 90-iger Jahre die Ursache für explosionsartige Ausbreitung von Maikäfern und Junikäfern, die ja im Mittelalter treffend als Brachkäfer bezeichnet wurden. Nach der Wende lagen viele gerodete Obstflächen brach (Rodeprämie 1990 und Extensivierungsprämie 1998), Ab 1998
    treten bei uns wieder Maikäfer in Massen auf und haben Neuanpflanzungen und Erdbeerbestände in einigen Jahren so geschädigt, dass gerodet werden musste. Der Ausgangspunkt war eine sehr sandige Stilllegungsfläche von 20 ha.
    Das ist ein Aspekt, der bei den Forderungen nach 10 – 20 % Stilllegung/Extensivierung (NABU zur GAP Reform) überhaupt nicht bedacht ist. Da ist eine „Black Box“ bei der wir nicht wissen, was uns erwartet.
    Interessanter Aspekt bei den „Neuschädlingen“: Die aus Nordamerika eingeschleppte Sanddornfliege hat den Bio Anbau dieser Kultur ad absurdum geführt. Ein Kollege von mir hat daraufhin 30 ha konventionellen Sanddorn gepflanzt und kommt auf Grund der Nachfrage damit gut klar.

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    • Der Brandenburgbauer sagt

      Moin Thomas, Deine Aussage was die Verbreitung der Mai und Junikäfer
      betrifft kann ich nur bestätigen.Besonders waren die Bewohner betroffen die Ihre Garten und kleinen Feldflächen neben den Stilllegungsflächen hatten.
      Die haben uns tagtäglich die Bude eingerannt.

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      • Inga sagt

        Das is tja interessant;

        Maikäfer = Brachkäfer!

        Ob die deswegen in den 50zigern verschwunden sind, als jedes freie Fleckchen Erde um Anbau von Nahrungsmittel genutzt wurde?

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          • Obstbäuerin sagt

            Herr Niemann, bei uns wurden in den 80ger Jahren weder Bäume mit DDT haltigen Holzschutzmitteln behandelt, noch gibt es so große Waldflächen, dass der Borkenkäfer mit DDT vernichtet wurde (1982-1984) und auch große Felder mit Zwiebeln, deren Saatgut mit einer DDT-Mischung gebeizt werden durfte, gab es nicht. Außer der Beize des Zwiebelsaatgutes war DDT in der DDR-Landwirtschaft verboten, ich glaube auch schon seit den 70gern.
            Soviel zu schlichten Ursachen.

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es Gefangenen zwecks Entlausung unters Hemd geblasen.

            In dem Zusammenhang sollte man auch darüber nachdenken, wie vielen Menschen das DDT das Leben gerettet hat.

            Bei der Malariamückenbekämpfung macht DDT weiterhin Sinn, weil die Alternativen nicht vor einem Durchbruch stehen.

            http://www.pan-germany.org/download/ddt/ddt_alternativen.pdf

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        • Thomas Apfel sagt

          Die Ursache für das starke Auftreten der Maikäfer in den fünfziger Jahre war (neben natürlichen Populationsspitzen) das Brachliegen vieler Äcker insbesondere im Osten Deutschlands in Folge des Krieges. Erste Reduzierungen brachte das wieder in Kultur nehmen der Flächen insbesondere in Zusammenhang mit der Düngung mit flüssigem Ammoniak.
          Im späteren Verlauf hat tatsächlich der chemische Pflanzenschutz die Populationen niedrig gehalten. Da waren die Brachkäfer immer. Bei uns besonders beliebt, wenn zur Blüte aus Bienenschutzgründen nachts gespritzt wurde und die Käfer vom Licht angelockt in die Kabine flogen, um einem 10 Minuten später innen in den Hosenbeinen hochzulaufen.
          Ich arbeite seit 40 Jahren mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und in diesem Zusammenhang auch intensiv im Monitoring zu mindestens der „Schadinsekten“ und ihrer Gegenspieler: Die Insekten sind nie weg und immer in der Lage sich bei entsprechendem Nahrungs- und Habitatangebot wieder explosionsartig zu vermehren. Ich habe gewiss schon viele Pflanzenschutzmittel kommen und gehen gesehen. An der totalen Vernichtung irgendeiner Art war keins beteiligt. Auch die „Brachkäfer“ hatten mit den Stilllegungen der Neunziger Jahre optimale Habitate und haben sich entsprechend vermehrt und trotzdem wird bis Heute mit Inbrunst „Es gibt keine Maikäfer mehr !“ gesungen.

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