Bauer Willi
Kommentare 64

Heute noch Bauer werden?

Diese Frage stellen sich viele Landwirts-Eltern. So auch Susanne Günther, die so ähnlich „tickt“ wie ich. Lest, wie sie die Frage für sich und ihre Familie beantwortet.

Heute noch Bauer werden?

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64 Kommentare

  1. Lady sagt

    Christian, ist Ihnen mal der Gedanke gekommen, dass Bauern Unternehmer sind?
    Und dass sie daher bestimmt nicht für irgendwelche willkürlich und moralisch unterfütterte „fairen“ Mieten oder Löhne“kämpfen“ ?
    Die dann am Ende völlig „unfair“ sind, weil es zum Beispiel keine neuen Wohnungen mehr gibt. Weil niemand mehr bereit ist, sich unternehmerisch zu engagieren.
    Nach meinem Eindruck ist Ihnen diese Seite völlig fremd.
    Da kommt ein bescheuerter- sorry- Antrag der Linkspartei zur Aushebelung der Marktwirtschaft nach dem nächsten. Wer soll „gerettet“ werden? Irgendwelche neosozialistischen Ideen? Ich halte die für verzichtbar. Wie oft soll das noch floppen?
    Die Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeit – auch außerhalb der Landwirtschaft- müssen verbessert werden. Sonst sagt die nächste Generation nein Danke.
    Nicht zurück auf die Bäume/zu den Wurzeln, wer das möchte, soll es gerne machen. Die meisten wollen das nicht . Also die meisten Unternehmer nicht. Dummerweise sind die meisten Menschen /Wähler eben genau das nicht. Und als Landwirt kann ich leider nicht meinen Boden mal schnell in die Tasche packen. Und wer der Landwirtschaft etwas Gutes tun möchte, muss sich für Verbesserung auf der Angebotsseite – also die Seite des Unternehmers-einsetzen. So wirklich sehe ich das bei Linkspartei nicht…

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  2. Elisabeth Ertl sagt

    Ja, dass ihr brüsseliger seid als Brüssel, das fällt schon ein wenig auf. Unser oberster Wolfsschützer Kurt Kotrschal stellt euch deshalb auch immer als Vorbild hin. Bei uns sind nämlich von den ersten drei Rudeln mysteriöser Weise zwei schon wieder verschwunden, und so wirklich ernsthaft regt sich niemand drüber auf. Das sei die rückständige katholische Mentalität, meint Kotrschal.

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  3. firedragon sagt

    Heute noch Bauer werden…
    das beantworte ich für uns ganz klar mit „Ja“ – aber nicht hier und keinem EU – Land.

    Da wir aber hier sind und die „Rente“ in weiter Ferne, wirtschaften wir so erfolgreich, wie es uns möglich ist, um den Betrieb ohne Investitionsstau übergeben zu können, sofern jemand da ist, der genügend Biss, Rückrad und Zukunftsorientierung hat.
    Die Entscheidung, ob nachfolgende Generationen einen Betrieb weiter führen wollen und können oder nicht, sollte weder in die eine, noch in die andere Richtung versagt werden.

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  4. Friedrich sagt

    Ich würde heute immer noch Bauer werden wollen, obwohl ich schon die Altersgrenze überschritten habe. Wir haben unseren Kindern immer gesagt , daß sie uns auf Knien bitten müßen , um Bauern werden zu dürfen. So geht es jetzt auch weiter. Die Fähigsten und stärksten Kämpfer müßen ran. Das kann man gut sehen an den Leuten von“ Land schafft Verbindung“. Leute mit Ideen , die niemals aufgeben. Mit den ständigen Treckerdemos machen die doch die Politik so nach und nach mürbe. Selbst die uns ständig geärgerten NGOs sind sehr still geworden. Die Rahmenbedingungen müßen aber auch geändert werden. Die Flächenprämien waren mal als Ausgleich gegenüber dem Weltmarkt für die Umwelt- und Sozialstandards gedacht . Das ist vorbei. Über das Ordnungsrecht hat man uns das Geld wieder abgenommen. Die Erhöhung der Energie-Greening-Stallumbau- und andere Kosten haben die Flächenprämien verschlungen, sodaß
    wir unter Weltmarktpreisniveau produzieren müßen. Dazu sind jetzt noch die zwei Trockenjahre gekommen , was das Faß zum Überlaufen gebracht hat. Obwohl die Politik und der DBV genügend Bilanzdaten der Betriebe haben , gab es darauf keine Reaktion. Im Gegenteil will man das Mersocurabkommen für zusätzliche Importe abschließen. Das setzt dann unsere Verkaufspreise zusätzlich unter Druck. An hand dieser Lage , läßt sich erkennen , daß unsere Politik in Brüssel und Berlin der reinste Kaosladen ist. Nur ein kräftiger Rums kann uns diese Leute hinwegfegen. Weder bekommen die einen unter gleichen Bedingungen funktionierenden EU-Markt hin , noch sind sie in der Lage die Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern darauf anzupassen. Die Engländer wußten schon , warum sie die Freiheit und den Austritt gewählt haben, bloß das hat unsere
    Politik noch nicht erkannt und deshalb wird sich mit unseren EU-Leuten auch erst einmal nichts ändern, es sei denn, es würden noch mehr Unzufriedene auf die Straße gehen.

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  5. Andreas sagt

    Ich verstehe das derzeitige Gejammere überhaupt nicht.
    1980 gab es noch ca. 800.000 Bauernhöfe in Deutschland
    2000 waren es noch 500.000 Bauernhöfe
    2020 sind es noch ca. 250.000 Bauernhöfe
    2030 sind es vielleicht noch 125.000 Bauernhöfe.
    Deshalb wurde und wird kein Kilogramm Milch- Fleisch oder Getreide weniger erzeugt.
    Dieser Strukturwandel war doch von Politik und Bauernverbänden immer gewollt,
    nach dem Motto „Je weniger Bauern, umso besser geht es dem Rest“
    (Wachsen und Weichen )
    Dieses Auflehnen dagegen hat es auch schon immer gegeben,
    2 jahre danach war jeder froh, dass er den Schritt geschafft hat.
    Die Flächenzahlungen der EU kommen sowieso beim Verpächter an
    und versüssen die Aufgabe des Betriebes.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Du verwechselst einzelbetriebliche Interessen mit politischen Vorgaben und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit. Auch Bäcker und Fleischer kennen dieses Problem. Niemand gibt gerne auf und der Kunde heult nachher rum, dass es vor Ort keinen regionalen Anbieter mehr gibt. Evtl. ist ja die Forderung nach Zusammenbringen der Ansprüche ein Wunsch und eine Lösung? Ich empfinde deinen Beitrag als etwas zynisch, kann das sein? Oder hast du den Kapitalismus in seiner jetzigen Form so verinnerlicht, dass er für dich „alternativlos“ ist?

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    • Bauer Willi sagt

      @Andreas
      Irgendwie hast Du recht. Das Verlogene ist aber, dass Politik und Gesellschaft uns Landwirten vorgaukeln, sie wollten den bäuerlichen Familienbetrieb erhalten. Und wir Deppen glauben das. Nicht alle, aber doch viele, weil es ihre Hoffnung ist. Die Bauernverbände treten für die ein, die übrig bleiben. Irgendwie logisch. Die Beiträge werden nach Hektar bezahlt und da ist es egal, wieviel Mitglieder es sind.
      Ob der Strukturwandel gewollt war? Das glaube ich nicht. Es wurde nur billigend in Kauf genommen.

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      • Brötchen sagt

        Willi man sollte aber immer genau das Gegenteil machen, was die Allgemeinheit so will. So im groben.

        Ich finde auch das Andreas recht hat.
        Aber es geht hier um Einzelschicksale und persönliche Entscheidungen. Das ist immer noch etwas anders gelagert.

        Ich hatte mir mal so eine Metapher ausgedacht…..wir sind wie Blätter im Wind, es ist aber nicht schlecht zu wissen aus welcher Richtung und wie stark der Wind werden könnte. Aber die große Richtung können wir nicht beeinflussen (Weltmarkt).

        Bezogen auf so Übersichtsvorträge……Marktanalyse Ackerfrüchte der nächsten 5 Jahre.
        Ist ja schön zu wissen, nur viel machen kann man nicht mit dem Wissen.

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      • Elisabeth Ertl sagt

        Wenn ein Bauer in eine Situation gebracht wird, wo er trotz Tag und Nacht Arbeit nicht mehr über die Runden kommt, dann will er irgendwann aufhören und an den Größeren verkaufen. Aber in diese Situation gebracht werden will er nicht.

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      • Andreas sagt

        Bauer Willi,
        ich war ja selbst einmal Ortsobmann vom BBV in Bayern, schon damals war es so, dass alle Betriebe die aufgehört und verpachtet haben, mit einem Grundbeitrag von 60 DM weiter Mitglied im Verband geblieben sind. Nur so ist zu erklären, das der BBV weiter 150.000 Mitglieder hat, obwohl es nur noch 90.000 aktive Bauerhöfe gibt.
        VG Andreas

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Nur dass z.B. die österreichische Landwirtschaft mit durchschnittlich 18 ha; 32 Rinder oder 32 Kleinwiederkäuer etc. auch noch immer existiert und jedenfalls eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung genießt als in Deutschland.

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      • Brötchen sagt

        Elisabeth sowas existiert bei uns auch noch, läuft unter Hobby und Geldvernichtung.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Aber das ist doch eine Frage des Weltbildes, ob man das als Geldvernichtung sehen will oder nicht. Bei uns arbeiten eben noch 3,5 % in der Landwirtschaft. Ist das schlecht? Und vor 50 Jahren waren die Höfe noch kleiner, und es hat auch längst niemand mehr gehungert. Subjektiv ging es den Leuten damals sogar besser. Ich weiß schon, dass dieser Druck zur Effizienz existiert, aber darf man den nicht in Frage stellen?

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          • Reinhard Seevers sagt

            So lange Verbraucher und Steuerzahler das Spielchen mitspielen, so lange kann man sich ein solches Weltbild aufrechterhalten und schönreden. In dem Moment, wo die bis zu 90% Schmiergeld wegfallen, ist es aus mit schöne neue Welt.

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              • Reinhard Seevers sagt

                Das Weltbild der österreichischen kleinbäuerlichen heilen Welt, das nur mit Hilfe enormer externer Gelder möglich ist und nur so lange möglich bleibt, wie ich oben beschrieben habe. Ohne Wald und Ferien auf dem Bauernhof und ohne Subventionen und Ausgleichszahlungen wirds ganz eng.
                Die 60% Nebenerwerbler wird es auch nicht dauerhaft geben….

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                • Elisabeth Ertl sagt

                  Im Ernst: Klar hat der Unterschied mit Voraussetzungen zu tun und nicht mit einer besonderen Leistung. Die Tendenz ist natürlich bei uns die gleiche wie bei euch. Und die „externen Gelder“, die bei uns z.B. vom Tourismus kommen, die kommen halt bei euch z.B. aus dem Autoverkauf. Direkt profitieren vom Tourismus tun ja nur wenige Bauern hier, die meisten leiden eher unter ihm – siehe Kuhurteil.
                  Mir fällt in diesem Forum nur auf, dass einmal über den Druck gejammert wird, und dann wird er im Namen eines „artigen“ Realismus fast wieder verteidigt – oft von denselben Leuten. Und da kenn ich mich dann nicht aus.
                  Tatsache ist: Wenn die noch so „gönnerhaft gesponserte“ extensive, also nach heutiger Sichtweise sozusagen „lächerliche“ Almbewirtschaftung Österreichs aufhören würde, dann hätten gleich wieder 200.000 Menschen weniger Platz auf diesem Planeten, würden rein rechnerisch verhungern. Also wer lässt da wen leben? Man muss für ein anderes Weltbild kämpfen.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Elisabeth, es geht doch nicht im Neid……es geht immer und ausschließlich um Geld. Und wenn man immer hört, dass eben klein und Bio sich über alles andere, zu erheben scheint, dann darf man daraufhinweisen, dass es eben auch seinen Grund hat, wie eben die monetäre Unterstützung von außerhalb der Landwirtschaft. Ich stehe auch dazu, dass wir meinetwegen komplett auf Bio umstellen können, wenn es die Gesellschaft finanziert.

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                • Elisabeth Ertl sagt

                  Das mit dem Neid war natürlich ein Scherz.
                  In unseren Intensivgebieten gibt es ja auch nicht mehr Biobauern als bei euch. Auf 2000 Metern kannst halt mit Glyphosat und Co. sowieso nicht viel Sinnvolles anfangen.
                  Aber wären bei euch nicht auch viele Bauern gerne klein geblieben, wenn sie ein Auskommen behalten hätten? Soll man wirklich immer vom Geld aus denken? Darf man Menschen auch gönnen, das tun zu dürfen, wozu sie eine Hand und einen Geist haben? In den 70ern waren die Höfe noch deutlich kleiner, und es ist auch niemand verhungert. Aber damals hatte man Angst ums Geschäft, weil die Leute schon alles hatten, was sie wirklich brauchten. Da meinte man nur weiter zu kommen, indem man anfing, künstliche Bedürfnisse zu schaffen. Und daran kranken wir noch heute. Überall. Und deshalb muss man sich als Bauer wie ein Luxusgeschöpf mit Mäzenen fühlen. Konvis werden ja auch subventioniert.

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                • firedragon sagt

                  Guten Abend Frau Ertl,
                  ich habe keine Ahnung, wie andere Landwirte das sehen. Ich kann nur von uns sprechen – wenn wir derzeit nicht von diesen unsäglichen Ausgleichszahlungen abhängig wären, die quasi unseren Verdienst darstellen, würden wir lieber gestern als morgen auf diese Zahlung verzichten.
                  Ausgleichszahlungen sind in meinen Augen nichts anderes, als ein Kontrollwerkzeug des Staates und da es dem Rest der Bevölkerung gestattet ist, uns den Erhalt dieser vorzuwerfen, macht die Situation der gesamten Landwirtschaft nicht besser.
                  Wissen Sie, wir wollen von unserer Arbeit leben und wirtschaften und nicht, wie es derzeit der Fall ist, in Habachtstellung „verharren“ und Auflagen, Verbote, Ausnahmeregelungen und Reglementierungen, die sich gegenseitig ausschließen, von einer wankelmütigen Regierung um die Ohren gehauen zu bekommen. Und als wenn das noch nicht genug ist, wird uns von staatlicher Seite her auch noch gedroht. Und wir dürfen uns, ebenfalls von staatlicher Seite – von Mitmenschen kennen wir es ja schon, auch noch beschimpfen lassen.
                  Ich überlege gerade, welcher Menschenschlag sich das ebenfalls, in dieser Form, bieten lassen würde.

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                • Elisabeth Ertl sagt

                  100% Zustimmung, firedragon. Ich fühle mich als Hobbylandwirtin privilegiert, weil ich auf Zahlungen verzichten kann und hier das machen, was ich selber für richtig halte.
                  Wahrscheinlich hat man mich auch nicht richtig verstanden. Ich bin keine militante Biotante, auch wenn ich hier auf meine artenreiche Streuobstwiese ohne Gift stolz bin. In Andreas` Posting, auf welches ich mich ursprünglich bezog, ging es auch gar nicht um bio, sondern um das Wachsen oder Weichen. Ich wollte nur den „Deppen“ (Bauer Willi), welche glauben, dass der bäuerliche Familienbetrieb gewünscht ist, den Rücken stärken.

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          • Stadtmensch sagt

            Ach Elisabeth, ihr in Ö habts doch gut mit dem Ansatz den du beschrieben hast.
            Hier bei uns steckt der Sozialdarwinismus quasi in der Bauvorschrift. Merkst du schon an den Kommentaren: „Nur die Stärksten“ oder
            „ich arbeite bis ich tot umfalle für lau und bin auch noch stolz drauf“. Den Kapitalismus werden die nicht mehr begreifen.
            Viel zu beschäftigt diese emsigen Arbeitsbienchen…

            Kürzlich musste ich in einer Zeitung lesen, dass schon 60% der lw. Betriebe außerlandwirtschaftlichen Eigentümern gehören. Die können ihre Standorte in Ruhe entwickeln und abwarten, bis den überschuldeten Mitbewerbern die Puste ausgeht. Das sind sozusagen institutionelle Nebenerwerbler. Spätestens für die jetzigen Hofnachfolger in spe heißt das Marsch marsch in die Lohnabhängigkeit.
            Herrlich – geregelte Arbeitszeiten, Urlaub, Arbeitsrecht…

            Der Verbraucher hat auch was davon. Noch billigere Nahrungsmittel durch „Synergieeffekte“. Dass er zunehmend mit FettSalzZucker abgespeist und verarscht wird merkt er nicht.. Musst mal auf dem ZDF „Die Lebensmitteltester“ schauen. Wenn er dann an Fehlernährung leidet ist er jedenfalls selbst schuld und Opfer seines Geizes geworden.
            Geiz oder Dummheit. Ist auch egal. Jedenfalls kann man schon sagen, dass generell Klasse durch Masse ersetzt wird und das Verhältnis
            Nährstoff zu Preis für den Verbraucher immer ungünstiger wird. Die Gewinne der Lebensmittelverramscher sind übrigens auch sehr „intransparent“. In der Autobranche protzt man immer mit den Gewinnen und bei den Krämern? Was is da los? Schämt man sich?

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            • Brötchen sagt

              Stadtmensch ich kann nicht bis zum Umfallen arbeiten,weil dann niemand meine Tiere versorgt. Ich habe nur eine Aushilfe die mal ab und an mir hilft, für meine Hobbyranch in etwa vergleichbar mit Elisabeths Tiroler Bergdoktor Alm.
              Fazit: man muss als Turbo Kapitalist schon klug mit seinen Kräften haushalten. Ich versuche es und hoffe es klappt.
              Wir Bauern haben eben unseren Stolz, das versteht ein Städter nicht!

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                • Brötchen sagt

                  Freitag bin ich immer da!
                  Ob ich diese Jahr gehe ist noch fraglich, da ich noch anderweitig unterwegs bin.
                  Ich schreibe Willi mal an.

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            • Elisabeth Ertl sagt

              Stadtmensch, wenn du meinst, dass mein Ansatz von der österreichischen Gemütlichkeit kommt, muss ich dich enttäuschen. Gemütlich sind bei uns nur die Wiener, aber die verkaufen sich gern als Österreich, obwohl sie dort eh keiner mag 🙂
              Wenn du als alter Bauer in einem Tiroler Alpental überleben wolltest, musstest du härter und disziplinierter sein als jeder Preuße. Und es war der Tiroler Franz Fischler, der schon bei der ersten Idee der EU beizutreten alarmiert war, weil er wusste, dass die österreichische Landwirtschaft dort keine Chance hat, wenn man sich nicht gleich was einfallen lässt. Und dann haben sie genau das gemacht, was jetzt die NGOs tun. Sie haben viel Geld in die Hand genommen und den Leuten jahrelang medial eingehämmert, dass wir der Feinkostladen Europas sind. Das war eine ganz darwinistische Notwehr. Und drum ist jetzt unsere Landwirtschaft stolz darauf, dass es sie noch immer gibt.
              Damals in den 90ern wart ihr noch ganz mit der Industrialisierung der Landwirtschaft beschäftigt und stolz drauf, und das sei euch ja auch gegönnt. Ihr hattet halt im Unterschied zu uns die Möglichkeit dazu. Aber jetzt ist eine andere Situation eingetreten, eine alarmierende Situation. Nur leider scheint jetzt Bauer Willi ziemlich der einzige zu sein, der kapiert hat, was zu tun ist: in die Öffentlichkeit gehen und den Leuten, Politikern wie Volk, die richtigen Dinge einhämmern. Blöd, dass er nicht Landwirtschaftsminister ist und später EU-Kommissar werden kann wie Franz Fischler.

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              • Stadtmensch sagt

                Schon klar. Friede Freude Eierkuchen macht auch keinen glücklich. Aber wenn es so offensichtlich destruktiv bei diesen ganzen Spielen und Wettkämpfen zugeht kann man doch mal Bedenken anmelden?
                Was die Bergbauern angeht, weiß ich ungefähr was du sagen willst. Von John Berger hab ich mal „Sauerde – Geschichten vom Lande“ gelesen. Hartes Leben aber sehr schön und intensiv. Habs leider verborgt und nu isses weg. Sollte man nie machen sowas…

                Bauer Willi als Landwirtschaftsminister? Wer soll dann den Blog betreiben – nee unmöglich.

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                • Elisabeth Ertl sagt

                  Spotte mir nur ja nicht über meinen Bauer Willi!! 🙁

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                • bauerhans sagt

                  ja,das hätte was,weil ich ja Willi`s nummer hab!

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          • Ostbauer sagt

            Hallo Elisabeth,
            Östereich ist schon immer seinen eigenen Weg gegangen. Und der war und ist nicht der schlechteste. Wahrscheinlich seid ihr noch nicht so eurokratisiert wie wir.Der deutsche Michel muss auf alles was aus Brüssel kommt noch einen drauflegen. Ich wünsche euch wirklich,dass ihr auch gerade in Sachen Landwirtschaft größtmögliche Eigenständigkeit bewahrt.
            Wie gesagt;der Weg scheint nicht der schlechteste zu sein! Und wenn die Gesellschaft das mitträgt,ist doch alles ok.

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            • Elisabeth Ertl sagt

              Ja, dass ihr brüsseliger seid als Brüssel, das fällt schon ein wenig auf. Unser oberster Wolfsschützer Kurt Kotrschal stellt euch deshalb auch immer als Vorbild hin. Bei uns sind nämlich von den ersten drei Rudeln mysteriöser Weise zwei schon wieder verschwunden, und so wirklich ernsthaft regt sich niemand drüber auf. Das sei die rückständige katholische Mentalität, meint Kotrschal.

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  6. Obstbäuerin sagt

    Von den allseits bekannten NGO´s ist man ja schon allerhand gewöhnt und ich weiß auch nicht zu welcher Gruppierung der Herr im Gremium gehört aber was da über konventionelle Bauern im RBB unkommentiert über den Sender geht, toppt das bisher geäußerte. Die Frage zum Verbot von Pestiziden (Pflanzenschutzmitteln) in Naturschutzgebieten lautete in etwa:
    Glauben sie, dass die »herkömmlichen« Bauern das so einfach hinnehmen werden?
    Nein natürlich nicht, das ist wie bei Drogensüchtigen, denen man die Drogen wegnehmen oder jemanden, dem man das Lieblingsspielzeug wegnehmen will.
    siehe: https://www.ardmediathek.de/rbb/player/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvYnJhbmRlbmJ1cmdha3R1ZWxsLzIwMjAtMDEtMTNUMTk6MzA6MDBfNTU5Y2IzNTItNTZhNi00MDdiLTk5NGItMmRhMjNiOWQ2NDBlL2xhb
    Die Auswirkungen solcher medialen Entgleisungen sind verheerend, wenn das Klima eh schon aufgeheizt ist. Einem Drogensüchtigen muss geholfen werden und wenn er nicht freiwillig mitmacht – dann eben durch Zwangsentzug.

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  7. Elisabeth Ertl sagt

    Unser neues Regierungsprogramm liest sich gar nicht so schlecht, auch wenn sich jeder mit Recht fragt, wie das alles bezahlt werden soll. Ob der staatliche Ersatz wegfallender EU-Förderungen und gewisse steuerliche und SV-Erleichterungen reichen werden?
    Aber da scheinen sich Grüne und Schwarze gegenseitig sehr vernünftig abgeschliffen zu haben. Glyphosat kommt nicht mehr vor, stattdessen heißt es: Zulassungen und Wiedergenehmigungen von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen auf EU-Ebene sollen weiterhin auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Studien stattfinden.
    Auch der Wolf kommt nicht vor, stattdessen: Einrichtung einer EU-weiten wildökologischen Raumplanung und Ausarbeitung von Wildtiermanagementlösungen im Einklang mit EU-Recht.
    Zur Ökologie: Ausbau umweltgerechter Bewirtschaftungsmethoden UND des biologischen Landbaus
    Entwicklung und Forschung für alternative Pflanzenschutz- und Bodenschutzhilfsstoffe für agrarökologische Anwendungen; Risikoforschung über negative Auswirkungen von Pestiziden und deren Metaboliten sowie Auswirkung auf Biodiversität
    Einsatz für auf Wissenschaft basierenden Tierschutz-Mindeststandards für die Putenmast auf EU-Ebene
    Strategie gegen Antibiotika-resistente Keime
    Offenbar mit Blick auf Deutschland: Rechtzeitige Überarbeitung des Nitrataktionsprogramms und Erlassung geeigneter Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte für Nitrat
    Weiters:
    Stärkung der bäuerlichen Vermarktung; Angepasste Hygieneauflagen und Kontrollvorschriften (Untersuchungsgebühren) für Kleinbetriebe (Schlachtung, Lagerung, Weiterverarbeitung)
    Außerdem: Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung über die gesamte Wertschöpfungskette in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den österreichischen Handelsunternehmen, mit Produzenten und karitativen Organisationen. Verbot des Entsorgens von genusstauglichen Lebensmitteln aus dem Lebensmitteleinzelhandel (Kaskadenmodell nach Vorbild Frankreich)
    Bessere Verankerung von Lebensmittelkompetenz und Verbraucherbildung in der Lehrerausbildung
    Rasche Umsetzung der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken; Etablierung einer Mediations- und Schlichtungsstelle zur Absicherung des fairen Wettbewerbs
    Nein zu Mercosur; strengere EU-Kontrollen bei Importen aus Drittstaaten
    Dazu kommen grüne Herzensanliegen:
    Neue Formen der Landwirtschaft unterstützen (Food-Coops, Community Supported Agriculture
    Möglichkeit von Kinder- bzw. Nachmittagsbetreuung von Schulkindern auf dem Bauernhof, Altenpflege, Nachhilfe
    Einsatz von heimischen und europäischen Eiweißfuttermitteln in der österreichischen Futtermittelwirtschaft
    Förderung des Lebensraumverbundes und der Strukturvielfalt in der Landschaft; Entwicklung von Biotop-Verbundsystemen, die Artenvielfalt ermöglichen; Maßnahmen zur Wiederherstellung von degradierten Ökosystemen; ökologische Gartenbewirtschaftung privater Gärten und öffentlicher Grünflächen (z.B. Schulen, Kindergärten); Erhalt nicht produktiver Landschaftselemente oder Landschaftsbereiche zur Verbesserung der Biodiversität
    regionale und mobile Schlachthöfe und Weideschlachtung fördern und ermöglichen, um die Anzahl von Tiertransporten zu reduzieren
    Und so manch Diskussionswürdiges:
    Verbot der Patentierung von Leben; Zugang zum Saatgut sowie die Sortenvielfalt müssen erhalten bleiben; Förderung der Züchtung von samenfestem Bio-Saatgut
    Regionale Züchtung und Saatgutproduktion zur Reduktion des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes und zur Stärkung der Wertschöpfung der Betriebe vorantreiben

    Langfristig flächendeckende Einführung besonders tierfreundlicher Haltungsformen; Umstellung auf moderne und besonders artgerechte Tierhaltungssysteme mit beispielsweise geringerer Besatzdichte; Forschung und Entwicklung von Alternativen zum bisherigen Standard der Ferkelkastration mit dem Ziel, die derzeitige Praxis in Zukunft abzulösen; Forcierung der Haltung von Zweinutzungsrassen bei Geflügel und Rind; Verbot des Schredderns von lebendigen Küken

    Die Opposition versteht das offenbar auch als bauernfreundlich. Die SPÖ hat sich schon darüber beschwert. Hoffen wir, dass das jetzt einmal 5 Jahre hält.

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  8. Christian Bothe sagt

    Warum nicht?Es gibt keinen schöneren Beruf wie einige Kommentatoren schon sagten.Allerdings würde ich mich nur in einem Großbetrieb im Osten einbringen und finanziell engagieren.Ob ich dann nur auf industriellen Pflanzenbau oder industrielle Tierproduktion setze, muss man dann vor Ort entscheiden(hat sicher mit meiner Ausbildung und Vergangenheit in eigenen Unternehmen der LW+NGW zu tun).Was die Familienbetriebe und deren Nachfolge in Westdeutschland betrifft, wird auch hier die wirtschaftliche Situation vor Ort entscheidend sein.Auf jeden Fall sollte man versuchen auch den Familienbetrieb weiter zu führen.Unsere LW ist einfach zu wichtig und das schon immer, irgendwelche Gesetzlichkeiten(BRD,EU)ob richtig oder falsch, sollten keinen davor abschrecken dem schönen Beruf eines Landwirtes in Gottes freier Natur zu betreiben.Am Ende ist die Ökonomie der entscheidende Faktor für jedes einzelne Unternehmen(ob groß, klein,Bio etc.)und das Durchhaltevermögen gegenüber und in der Gesellschaft auch wenn es im Moment schwierig scheint!

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  9. Moin!

    Ich bin lediglich ein Verbraucher und sehe als Außenseiter die Situation mit Besorgnis. Egal, wie sehr ich meinen eigenen Konsum weg von viel und billig (so genanntes „bewußt einkaufen“) bringe, gesellschaftlich ändert es nichts, wenn man allein auf weiter Flur steht.

    Doch wenn das Höfesterben bedeutet, daß immer weniger Landwirte ihre Stimme erheben können, appelliere ich an jeden, der die Chance hat, Landwirt zu werden. Zumal viele Höfe keine Nachfolge haben und dann vom Meistbietenden – meist ALDI, Rethmann, Fielmann, Bonduelle, Dr. Oetker und Co. – geschluckt werden.

    Ich möchte auf den Ursprungstext eingehen und noch ein bißchen Futter dazu liefern:

    „Im Gegenteil: Ich glaube, die niedrigen Preise sind politisch gewollt („Brot und Spiele“).“

    Ja, siehe die GAP zu Anfangszeiten, als es hieß, die (billigen) Arbeiter sollten sich auch Essen leisten können. Auch nach den Protesten gegen den Mansholt-Plan später stand der so genannte Strukturwandel immer noch auf der Agenda (von vielen Kleinen zu wenigen Großen, die vermeintlich günstigere Produktionskosten hätten durch Mengenrabatte, größere Maschinen auf größeren Feldern usw.). Siehe römische Verträge etc.

    Hier die Aussage, daß nicht mal 14% Wertschöpfung bei den Erzeugern landen, aber das BMEL selbst sieht da keinen Handlungsdruck, war ja immer so. Maßnahmen wie Frankreich sie gegen das Unterbieten des Einstandspreises etc. ergriffen hätte, lehnt man ab von wegen freier Markt (Stichwort auch Mercosur, um Autos zollfrei noch günstiger verkaufen zu können, weil überall die Kaufkraft verlorengeht, bei Löhnen gespart wird):
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/153/1915354.pdf

    Hier die Aussage von Herrn Rukwied, daß er bei 5.000 aufgegebenen Höfen jährlich nicht vom Höfesterben sprechen möchte, sondern vom „natürlichen Strukturwandel“:
    https://www.topagrar.com/panorama/news/rukwied-teil-der-bauernkinder-sieht-keine-zukunft-in-landwirtschaft-11532209.html

    ……….

    „Denn Politikerinnen und Politiker orientieren sich weniger an wissenschaftlicher Evidenz als an dem, was man bei Koalitionsverhandlungen ausgehandelt hat oder was gerade im medial transportierten Diskurs en vogue ist. Glyphosat ist zum Beispiel derzeit nicht in Mode …“

    Dazu ein paar Anmerkungen:
    1. Nur der Wirkstoff wurde getestet, doch zusammen mit dem Netzmittel Tallowamin (immerhin rund vierzig Jahre) muß man unterstellen, daß es schon erbgutschädigend war. Unsachlich war die Diskussion, weil immer nur vom Wirkstoff gesprochen wurde. Von der Wirkweise über den Shikimatweg, der sich anpassenden Umwelt (siehe v.a. USA, wo es auf roundup-ready Feldern ganzjährig ausgebracht wird) ganz zu schweigen. Aber mit Themen wie Krebs und Co. – wenn’s den Verbraucher potentiell wehtut – erzwingen eher politischen Druck, so scheint es, da wird gern mit Populismus geglänzt 🙁

    2. Im Kern steckt dahinter die Diskussion zwischen konservierender pflugloser Bodenbearbeitung sowie stärker humusaufbauender mechanischer Bodenbearbeitung mit dem Pflug (Kohlenstoff tiefer in die Böden, salopp gesagt; SOC und TOC etc.). Und diese Diskussion wird bisher sehr populistisch geführt bis hin zum Regenwürmerzählen als alleiniger Indikator.

    3. Die Erfahrungen mit Chemie sind nicht die Besten, das muß man verstehen nach PCBs und ähnlichem (Diurion, Lindan, DDT usw.). Spannend dabei: Wie soll die Bahn ohne Glyphosat arbeiten, warum darf an Hausfassaden ein Biozid wie Diuron noch eingesetzt werden usw.

    4. Handlungsdruck entsteht nur, wenn die öffentliche Meinung Druck macht (Stichwort Fukushima und Atomkraft). Insofern sehe ich hier die Chance, stärker in Kooperation mit Verbrauchern bzw. interessierten Verbrauchern in ihren Verbänden (NGOs) zu suchen. Transparenz hilft der Landwirtschaft womöglich eher als aus den Augen, aus dem Sinn. Und dann ist man halt auch gegen Gentechnik, weil man damit quasi die weltweite Konkurrenz draußenhalten kann als nur ein Beispiel.

    5. Populistische Dinge gibt es viele. Siehe auch den Begriff der Massentierhaltung: Ein Vater kann sich gut um fünf Kinder kümmern, der andere mag schon bei einem überfordert sein, die Masse oder Betriebsgröße per se ist kein Kriterium. Aber es fehlt oft an guter Rhetorik und meist endet es in „Du bist doof!“ – „Selber doof!“ (am Ende sind also beide doof, und niemand schlauer).

    6. Grundsätzlich die Frage: Wessen wissenschaftliche Erkenntnisse sind die richtigen?

    ……….

    „Wir haben das hier selbst erlebt: In 2005 wurde unsere neue Biogasanlage groß als Leuchtturmprojekt u. a. mit dem damaligen hessischen Umweltminister vor Ort gefeiert, keine zehn Jahre später bist Du in der Debatte der Bösewicht, der die Landschaft vermaist … “

    Daß die Bürger selbst oft gegen ihre Interessen wählen und dann unsägliche Gesetze und Erlasse dabei rumkommen wie das mit dem Nawaro-Bonus, Befreiung von der EEG-Umlage für energieintensive Betriebe und Co., ist traurig genug. Stichwort auch Not in my Backyard Mentalität (egal, ob Schulen, Windkraft, Biohöfe oder Sozialwohnungsbau). Bedenke ich jedoch die Streitpunkte, als es um Ausgleichsflächen und Co. ging im Vergleich zu Biogasanlagen, hätte ich mir nur gewünscht, daß auch Landwirte selbst von vornherein kritischer gewesen wären.

    Bei Biogas kann ich hier in Niedersachsen sagen, daß wir immer schon viel Mais hatten. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Mais ein starker Bodenzehrer, so konnte man auch immer mehr Fäkalien auf Maisfeldern loswerden. Und wenn dann dieser Mais auch noch verheizt werden kann, hat man das gern mitgenommen. Wirtschaftlich verständlich, doch im Kern hat man sich mit dem System arrangiert, das von vornherein nicht die Landwirtschaft mit Humusaufbau, Höfeerhalt und mehr im Auge hatte. Es wurden falsche Anreize geschaffen.

    Siehe auch Düngemittelverordnung: Tierhalter empfehlen, unter 4% Humusanteil zu bleiben, sonst müßte man pauschal 20kg Nitrat/ha weniger in Kauf nehmen, das entspricht ca. 4 m³ Schweinegülle nach meiner Info (1 m³ = 5 kg Nitrat). Das entspricht 8 Mastschweinen?!

    Wenn dann auch noch ein Landwirt im Nebenerwerb Mais-Saatgut (AgroMais/KWS Saat SE usw.) verkauft und parallel eine Biogasanlage bewirbt, hat es schon ein Geschmäckle.

    Hinzu kommt, daß Menschen nichts von Fruchtfolgen wissen, sie bewerten Monokultur nach einheitlichen gefühlt großen Flächen, wenn sie viel Mais sehen in einer Saison, ist das automatisch Monokultur. Wobei die Frage ist, ob – wenn ich richtig informiert bin – eine 3er Fruchtfolge bei Mais ausreichend ist oder eine 5er das Minimum sein sollte, wie gesagt starker Bodenzehrer. Aber es zeigt, daß Verbraucher und Erzeuger sich zu weit voneinander entfernt haben bzw. entfernen lassen haben.

    ……….

    „Man stelle sich einmal vor: Ungeachtet aller Zielkonflikte, würde die Landwirtschaft alle Anforderungen der NGOs erfüllen. – Würden die Aktivisten dann ihre Büros abschließen und nach Hause gehen? Das wird doch nie passieren! Entweder die NGOs suchen sich ein neues Themengebiet oder sie steigern die Anforderungen und hängen das Stöckchen ein bisschen höher, von dem sie der Politik erzählen, dass sie drüber hüpfen soll. Und auf die Politik kann man sich zur Zeit nicht verlassen.“

    Finde ich gefährlich als Aussage. Das Höfesterben ist ein altes Phänomen, die NGOs ein Phänomen der Neuzeit, weil die ewige Produktivitätssteigerung einfach negativ auffällt, von Turbokühen mit Supereutern über Kükenschreddern bis hin zu Bodendegradation und Lebensmittelskandalen bis hin zu ausgebeuteten Rumänen und Bulgaren in Schlachtbetrieben.

    Ich sehe in dieser Aussage den Wunsch, daß die Politik am Verbraucher und deren NGOs vorbei es schon richten soll, aber nicht im Sinne der Landwirtschaft richtet. Wieso denkt man am Verbraucher vorbei? Zusammen hätte man viel mehr Wumms!

    Sind Menschen, selbst wenn sie Kritik üben, nicht besser als diejenigen, denen es schnurzegal ist, Hauptsache billiges Essen auf ihren Tellern? Man lästert lieber über Veganer und Tierschützer, wenn ohne Beweis ein Stall abbrennt, aber über diejenigen, die dann respektlos kommentieren, es rieche bestimmt lecker nach Grill, nimmt man dann nicht wahr …

    Wenn die Landwirtschaft jetzt auch noch für faire Löhne und Mieten kämpfen würde, damit Menschen sich was Faires und Gutes zu essen leisten könnten, dann würde vielleicht ein Schuh draus werden.

    NGOs kämpfen genauso um Anerkennung wie Landwirte, doch den Dialog muß man suchen, nicht torpedieren. Und auch nicht in dem Sinne, daß nur der eine labern darf, bis der andere zustimmt.

    ……….

    Meine Meinung: Landwirtschaft ist die Säule unserer Gesamtwirtschaft, der soziale Kitt vor allem auf dem Land, der naturverbundenste Job, den es gibt, denn Nachhaltigkeit ist auch wirtschaftlich für die Höfe existentiell. Und ich sehe eher die Chance, dort wieder Jobs zu schaffen, wo VW gerade 7.000 Menschen auf die Straße gesetzt hat, Audi bis zu 9.500. Ob es um Köhlereien in der Forstwirtschaft ginge, die zu Holzkohlekompostierung beitragen und damit aus der Landwirtschaft eine massive CO2-Senke machen würden, oder Direktvermarkter mit eigener Wertschöpfung (Bäckerei, Fleischerei, Molkerei) und Versand von Hofkiste etc., Crowdfarming oder konventionelle Landwirte, die kreativ werden und bei Raps mit drei Untersaaten Pflanzenschutzmittel nahezu gänzlich überflüssig machen, weil sie den Mut hatten, es mal auszuprobieren. Meinetwegen sogar in Zukunft Urban Farmer mit Aquaponik und vertical Farming direkt in Städten.

    Nicht Digitalisierung, Agrarchemie, Freihandel, Gentechnik und Co. werden die Landwirtschaft retten. Das sind alles Instrumente der Produktivitäts- und Absatzsteigerung, die dann eh eingepreist werden. Sondern back to the Roots, Transparenz und Miteinander werden es sein. Aber dann muß man den wirtschaftlichen Kampf austragen, und das geht nicht allein, zumal Landwirte nicht am Ast sägen können, auf dem sie selbst sitzen, wenn sie Kritik am LEH üben oder ähnliches.

    Ich will nicht, daß ALDI und Co. entscheiden, was Essen ist!

    5+
    • Ostbauer sagt

      Kann ich so unterschreiben.
      Nur ;bis sich die Erkenntnis durchsetzt, wird es wohl noch eine Weile dauern.

      0
    • Obstbäuerin sagt

      NGO´s kämpfen nicht um Anerkennung sondern um mediale Präsenz, die ihnen wiederum den Zugang zu den Geldtöpfen erleichtert. Ansonsten siehe oben: RBB

      0
    • “ back to the Roots“

      Lieber Herr Suhr,

      niemand hält Sie auf, irgendwo einen Resthof zu erwerben und dort Landwirtschaft zu betreiben. Dann können Sie frei darüber entscheiden, welche Form der Landwirtschaft Ihnen am liebsten ist. Leerstehende Höfe mit ein bisschen Land dabei wird es in Zukunft viele geben. Weitere Flächen können Sie ja sicher dazupachten, ist oft nur eine Frage des Geldes. Für etwaigen Finanzierungsbedarf gibt es Banken. Quereinsteiger bringen neue Ideen und frischen Wind in die Branche. Das ist toll! Viel Glück dabei!

      Zu Ihren Ausführungen oben will ich nur eines anmerken: Sie schreiben: „Wessen wissenschaftliche Erkenntnisse sind die richtigen?“ Das erinnert an Claudia Roth kürzlich in der heute-show: „Es gibt solche Wissenschaft und solche Wissenschaft.“ Wissen Sie, wenn sogar zur Disposition steht, was gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis ist und was nicht, kann ich aufhören zu diskutieren. Meine im Blogbeitrag skizzierten Überlegungen münden in einer rein ökonomischen Bewertung eines unternehmerischen Risikos. Kein Unternehmer würde bei mangelnder Rechtssicherheit und vielen Unwägbarkeiten Geld in die Hand nehmen und investieren. Ein Familienbetrieb kann nicht mal eben ein Werk schließen oder ein Tochterunternehmen verkaufen, wenn es nicht läuft. Wenn die Rentabilität nicht stimmt, ist alles weg. Sicher: Wenn Landwirtschaft eine Herzensangelegenheit ist, dann soll man das trotzdem machen. Wir werden unseren Betrieb voraussichtlich bis zu unserer Rente auch nicht aufgeben. Nur für die nächste Generation müssen bald die Weichen gestellt werden und für meine Kinder wünsche ich mir eine bessere Zukunft.
      Bestens
      Susanne Günther

      4+
      • Obstbäuerin sagt

        Leider kann ich immer noch keine Punkte verteilen, deshalb gebe ich Ihnen jetzt mal drei Äpfel. 🍏🍏🍏

        1+
  10. Ehemaliger Landwirt sagt

    Diese Frage stellte sich mir nicht.
    Unsere Söhne haben sich gegen die Landwirtschaft entschieden und ich muss ihnen Recht geben.
    Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass von der Größe her, der Obst und Weinbau Betrieb nur im Nebenerwerb zu führen gewesen wäre.

    0
  11. Brötchen sagt

    @Ehemaliger unter 100 ha ist Oma und Opa unschlagbar…Preis/Leistung….
    brauchen sowieso Bewegung 😉 Ich zähl auf Dich ! 😉

    0
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Derzeit kann ich Dir nicht weiterhelfen, den Opa und die Oma gibt es nicht, aber ich versichere Dir, an mir liegt es nicht.;)

      Außerdem habe ich als Rentner noch einen eigenen Betrieb und beim Betrieb meiner Frau bin ich Geschäftsführer und Lohnsklave in Personalunion. Und das schlimmste daran ist, ich bekomme nicht einmal den Mindestlohn. 🙁

      Käme meine Rente von der deutschen Rentenversicherung, wäre mir das Mitleid der Bevölkerung sicher, dass so ein „alter“ Mann noch im Rentenalter arbeiten muss.

      0
      • Brötchen sagt

        @Ehemaliger
        Weiß ich doch, wollte nur Spässchen machen 😉
        Hängt ja auch davon ab, ob man noch krauchen kann.

        Ich kenne einige, die noch tätig sind, obwohl es immer schwerer wird.
        Gibt eben solche und solche und die Motivation ist sehr unterschiedlich.

        Bus reisen oder Kreutzfahrten wären für mich nichts, da mache ich liebe Heu.

        1+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          @Brötchen
          „Weiß ich doch, wollte nur Spässchen machen 😉
          Hängt ja auch davon ab, ob man noch krauchen kann.“

          Hab das auch so verstanden.

          Mit dem Rest wollte ich den außerlandwirtschaftlichen Lesern nur mal sagen,
          dass der landwirtschaftliche Rentner so lange arbeitet, bis er auf dem Acker tot umfällt.

          1+
          • Brötchen sagt

            Ja ein würdiger Tod! Und wichtig ein richtiger Bauer nimmt seinen Mist mit nach Hause!😜

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  12. bauerhans sagt

    diese frage stellt sich nicht!
    ich traf vor 4 jahren einen abgänger der FHS OS,der seine masterarbeit über pferdefutter geschrieben hatte und mir berichtete,dass er den 50ha betrieb mit 500 mastplätzen von opa übernehmen will und eine nische bz. pferdeversorgung aufbauen möchte.
    kurze zeit später erfahre ich,dass der junge mann als verwalter auf dem gutsbetrieb hier angefangen hat,seinen eigenen betrieb von dort mitbewirtschaftet und auch schweine mästet,die sache mit den pferden hatte er nicht weiter verfolgt.
    als ich von der FHS kam,hatte ich plötzlich ein angebot vom mähdrescherhersteller aufem tisch und wurde bedrängt,zumindest ein erstgespräch zu führen.
    ich aber wollte den hof wieder in angriff nehmen,was ich nie bereut habe.

    0
  13. Brötchen sagt

    „Hier wird schon der Grundstein gelegt für eine Menschenarme, technisierte Landwirtschaft, die sogar ohne Bauern auskommt, wenn der Robbie nämlich aus einer technischen Zentrale“

    Reinhard ich sehe da keinen Widerspruch.
    Wir suchen auch händeringend Leute. Ist natürlich nicht bombastisch bezahlt, wir können das nicht erwirtschaften.
    Ich denke die Situation wird sich noch verschärfen.
    Es wird immer jemand gebraucht der vor Ort gucken geht und mit allen Sinnen eine Situa tion einschätzt. Eine Drohne kann einen sicher unterstützen, trotzdem muss man Fachwissen und ein „Näschen“ haben.

    Wenn ich so runhöre, das betrifft bei uns alle Branchen, Gastronomie, Elektriker, Installateure usw.
    Und Tesla tut gut daran sich jetzt schon für ihren Standort um Leute zu kümmern.
    Polen ist nämlich auch schon „leergefegt“.
    Die werden auch gut bezahlen müssen, sonst wird es schwierig mit Fachkräften.

    0
  14. Reinhard Seevers sagt

    Es gibt mehrere Sphären, die auf den Menschen einwirken und sein Handeln bestimmen. Die wirklich beeinflussbaren und unmittelbar sich auswirkenden sind die, die man für sich, seine Familie und seinen Betrieb entscheiden kann. Man kann sich über alles aufregen, aber man sollte lediglich das nähere Umfeld als Entscheidungskriterium nutzen.
    Nüchtern und ehrlich analysieren und nicht aus der Emotion heraus an etwas festhalten, was faktisch nicht zu halten ist. Politik wird sich nie um die Lage des Einzelbetriebes kümmern. Denen ist auch egal, wer die Nahrung billig erzeugt, Hauptsache es wird getan. Wenn der Familienbetrieb weg ist, bewirtschaftet eben eine andere Betriebsform die Flächen. Wenn der Verbraucher/Kunde/Bürger ehrlich oder in der Lage wäre, würde er endlich erkennen, dass nur er, der Einzelne das Problem lösen kann und dafür nicht nach der Politik rufen muss, die ihm Auflagen auferlegt.
    Ist es nicht widersprüchlich, dass der Kreuzfahrtkunde sich beschwert, wenn er für die Stadtbesichtigung von Venedig demnächst Eintritt zahlen muss…..wenn er sich beschwert, dass die Tageszeitungen eingestampft werden, er aber gleichzeitig dauernd im www surft, wenn er sich beschwert, dass Arbeitsplätze verloren gehen durch Digitalisierung, er aber gleichzeitig fordert, dass es kein Bahnpersonal mehr gibt, das ihm Auskunft gibt…usw, usw,
    Die Berichte in etlichen Medien, so auch in Infobroschüren des Wirtschaftsministeriums über die Digitalisierung und ihren Chancen beinhalten immer auch einen landwirtschaftlichen Part. Darin wird wiederholt die Technisierung und die hohe Affinität der Landwirte gelobt und auf kleine Roboter u.ä, verwiesen, die das Unkraut PSM-frei jäten.
    Hier wird schon der Grundstein gelegt für eine Menschenarme, technisierte Landwirtschaft, die sogar ohne Bauern auskommt, wenn der Robbie nämlich aus einer technischen Zentrale irgendeiner Einrichtung, eines Betriebes programmiert und gesteuert werden kann. Es ist dann völlig egal, wer der Eigentümer ist oder ob der im Dorf wohnt. Die Technisierung und der Kapitalismus in der heutigen Form fordern ihr Bauernopfer. Aber auch die meisten einfachen Arbeiter, Ungelernten, Minderbemittelten etc. werden in Zukunft schlicht nicht gebraucht. Es ist ein Paradoxon unserer Zeit.

    2+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Dieser „Robbie“ muss eine Mindestfläche zur Verfügung haben, dass er auch wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Habe mal gelesen, dass ein Roboter für das Hacken 100 Hektar braucht, da ist kein Platz mehr für den schnuckeligen kleinen Familienbetrieb, der derzeit gefordert ist.

      0
      • Reinhard Seevers sagt

        Das ist genauso, wie bei den Mähdreschern, die wenigsten arbeiten wirtschaftlich. Oder bei den Melkrobotern. Es ist doch kein Problem einen Robbie für 10 Teilstücke zu nutzen. Muss nur einer das Gerät umsetzen und ein anderer vom Bildschirm aus steuern. Ich sehe keinen Grund, dass es nicht kommen wird.
        Ich sehe im Moment eher eine Situation zwischen nicht erkennbarer Perspektive, zu hohen Investitionskosten pro produzierter Einheit und hohen gesetzlichen Auflagen. Alles zusammen führt bei einigen zum Abwarten, bei anderen zur Aufgabe. Die ganz Harten investieren dennoch und vertrauen auf Gott oder ertragen das hohe Risikopotential. Abwarten ist im Moment genauso gefährlich, wie investieren, beides kann schwerwiegende Folgen haben…..das verunsichert eben.

        1+
        • Obstbäuerin sagt

          Ich bin auch überzeugt davon, dass wir uns irgendwann irgendwohin »beamen« können. Und trotzdem wird keiner verlangen, dass heute schon Straßen und Gleise vernichtet werden.

          0

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