Bauer Willi
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Gemüsekrise…

Ich weiß nicht, wem es aufgefallen ist. Bestimmtes Gemüse, wie Tomaten, Paprika, Zucchini, Blumenkohl und Auberginen, aber auch verschiedene Salate sind in den letzten Wochen sehr teuer geworden. Das erkennt man auch daran, dass in den Wurfzetteln der Supermarktketten und Discounter diese Produkte überhaupt nicht zu finden sind. Doch woran liegt das?

Grund für die „Gemüsekrise“ ist eine Kältewelle in Südeuropa, dort, wo die großen Anbaugebiete liegen, die Mittel- und Nordeuropa auch im Winter mit frischem Gemüse und Salaten versorgen. Während wir in Mitteleuropa uns über länger anhaltende Hochdruckgebiete freuen konnten, zogen die Tiefdruckgebiete weiter südlich und brachten neben viel Regen auch ungewöhnlich tiefere Temperaturen nach Spanien, Italien und Griechenland. Stellenweise brachen sogar Folien-Gewächshäuser unter der Last des Schnee zusammen.

Was jetzt in den Wurfzetteln der Supermärkte zu finden ist, sind Sonderangebote für Möhren und Rote Bete aus Deutschland. So besinnen sich die Verbraucher in Mitteleuropa gezwungenermaßen auf regionale und saisonale Angebote. Und so meint dann auch Eckhard George vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau: „Man kann sich schon darüber wundern, wenn Leute, die sich ökologisch sinnvoll ernähren wollen, jetzt im Februar frische Tomaten und Gurken essen wollen. Dabei ist klar, dass diese Gemüsearten im Winter entweder von weit her nach Deutschland transportiert werden müssen oder mit hohem Energieaufwand in künstlichen Umwelten aufgezogen werden müssen.“

Doch noch werden diese Früchte nicht rationiert, wie es in England der Fall sein soll. Dort dürfen pro Einkauf nur noch drei Köpfe Eissalat mitgenommen werden.

http://www.noz.de/deutschland-welt/gut-zu-wissen/artikel/845256/gemuesekrise-maximal-drei-koepfe-eisbergsalat-pro-kunde

Doch hungern muss keiner. Manches ist halt nur teurer. Und wer braucht schon Gurken im Februar? Jedenfalls zeigt uns die Gemüsekrise, wie abhängig wir Bauern vom Wetter sind. Und das nicht nur in Spanien….

Euer Bauer Willi

 

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49 Kommentare

  1. Sabine sagt

    Es wird viele Bauern im Süden hart treffen. Meine Schwester, die ja kurz vor Afrika wohnt, hat sich ihre „deutschen Stiefel“ rausgekramt und macht sich Sorgen um ihre Bäume. Weder Oliven noch Zitrus vertragen lange Frostperioden. Allerdings ist es wohl nicht so schlimm wie im Winter 1985 als in Mittelitalien ganze Olivenhaine einfach „platzten“ und das eine andere Art von Ölkrise auslösten. Damals mussten viele kleine Bauern aufgeben und an die Stelle der traditionellen Olivetti traten vieler Orts moderne Plantagen mit Bäumchen, die man mit der Maschine ernten kann. Mal sehen, was in ein oder zwei Monaten ist. Erst dann wird man wohl sehen, ob und welche Bäume beschädigt sind.

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  2. Andreas Schmid sagt

    Wenn der Supermarkt hinschreibt: nur 3 Köpfe, ist das nicht eine sehr gute werbestrategie?

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  3. Der Brandenburgbauer sagt

    Etwas enttäuscht bin ich über einige Kommentare , so nach dem Motto, was geht mich das Leid der anderen an. Solidarität, auch in Meinungsäußerungen, gehört zum Anstand. Aber was ist das eigentlich?

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  4. Friedrich sagt

    Habe mal in London angerufen und bestätigt bekommen , daß dort viele Sorten von Salaten usw. nicht mehr zu haben sind. Habe mich vor 14 Tagen schon dort im Supermarkt gewundert über die vielen leeren Gemüseregale , aber als wenig Käufer fällt das natürlich einem nicht so auf.

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  5. Schmeckt gut sagt

    Leute, Leute. Solche Kommentare zu lesen gefällt mir garnicht. Wir Bauern sollten mit allen Kollegen weltweit solidarisch umgehen. Und bevor mir einige wieder das Wort im Mund umzudrehen gedenken: Ich meine ausdrücklich auch alle Kleinbauern und nicht die Agrarkonzerne. Die weltweit größte Obst-und Gemüsehandelsmesse „FruitLogistica“ fand letzte Woche wieder in Berlin statt. Gigantomanie ohne Ende. Von erfrorenen Früchten in Spanien nichts zu spüren – es geht aber ja auch um die „Aufstellung für die Zukunft“. Sind allerdings hauptsächlich große Handelsunternehmen, Konzerne und große Anbauunternehmen vertreten. Der Handel wächst besonders außerhalb unserer Saison mit Importfrüchten. Ich gönne unseren Kollegen den Erfolg, wie aber passt diese Tatsache mit den Aussagen „regional first“ 😉 zusammen? In GB heißt dieser Spruch übrigens „buy british“. Und was ist mit unseren Kollegen in Österreich? Sie haben im Frühjahr Schäden von mehr als 200 Mio. Euro erlitten (Schneebruch, zusammengebrochene Hagelnetze, erfrorene Weinstöcke…)? Keiner redet mehr darüber, obwohl einige Betriebe diese Krise nicht überstanden haben, dabei ist Österreich bekannt für einen sehr gut funktionierenden Regionalabsatz.

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  6. rebecca sagt

    Für die betroffenen Bauern ist es natürlich bitter und es ist zu hoffen das sie Unterstützung bekommen um ihre Verluste ein wenig aufzufangen.

    Aber das Gejammer über den Mangel ist nicht zu verstehen.
    Gibt doch so viel regionales Gemüse als Alternative zu den Importen.
    Chicoree, Grünkohl, Lauch, Pastinaken, Wirsing, Rosenkohl, Chinakohl, rettich, Rot und Weiss und Spitzkohl, Möhren , Rote Beete.. ist nur nicht so bekannt wie Eisbergsalat, Gurken und Tomaten.

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    • Also wo bitte kommt jetzt wohl der Wirsing und der Spirzkohl her ?
      Sind Frankreich und Portugal regional ?
      Und auch der Grünkohl ist hier seit Ende Januar abgeerntet.

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  7. Altbauer Jochen sagt

    Nichts gegen Gurken und Tomaten ,leben wir nicht alle mehr oder weniger
    von Im-und Exporten, auch in der Landwirtschaft.
    Heimischer Grünkohl ist natürlich super ! ,die entsprechenden Beilagen dazu
    -lecker !!!
    Zu bedauern sind die Bauern in den Ländern (wenn es Bauern sind) denen
    die Tomaten verfroren sind.
    Sicher muss man nicht ständig Erdbeeren haben (schmecken doch sowieso nicht) aber nur auf „Regionales“ setzen ?
    Heißt das ,das wir In S-H keinen Alpenkäse und die Bayern
    keinen Hering essen sollen ?
    Man muss sicherlich nicht alles um die Welt karren und die Kirche im Dorf
    lassen, aber in welchem Lebens-und Wirtschaftsbereich beschränkt man
    sich nur auf das, was vor der Türe liegt ?

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  8. Friedrich sagt

    Es ist natürlich schlimm für die Gemüsebauern , wenn die Natur alles vernichtet. So etwas kann immer und überall auch mit anderen Früchten passieren. Gemüse kann man auch nur im Gefrierlager frisch halten. Bei Getreide und Zucker sieht das von der Vorratslagerung für längere Zeit besser aus. Diese Produkte sind über Jahre lagerfähig. Die Vorräte für Zucker betragen z. Zt. in Europa nur vier Wochen. Bei Getreide etwas länger. Grundsätzlich ist die Vorratswirtschaft in Europa schlecht. Eine Krise darf es nicht geben. Durch die schlechte Weizenernte in Frankreich ist hier alles knapper , aber trotzdem geht der Weltmarktpreis nicht hoch. Vor einigen Jahren ging ein sehr großer Gemüsebaubetrieb in Spanien pleite, danach ging hier der Preis auch sehr hoch. Es läuft heute alles „Just in Time“. Engpässe werden nicht kalkuliert. Ein Eisbergsalat zuviel und der Preis fällt ins bodenlose. Durch diese System werden teilweise riesige Gemüsefelder vernichtet, weil die Ernte sich nicht für den Preis lohnt. die Gemüsebaubetriebe stehen immer mit einem Bein in der Pleite. Die Verpackung ist teilweise teurer als der Inhalt.

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  9. bauerhans sagt

    ich esse gern radieschen/gurkensalat,endiviensalat oder lollorosso.
    möhren und steckrüben mögen pferde und schafe.
    von krise keine spur.

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  10. Dafür gibt es diese Woche spanische Erdbeeren zum Schnäppchenpreis. 800 g für rund 4 €.
    Ich vermute einmal, der Großteil der Kunden, die sowas kaufen, gibt in Umfragen an, überwiegend „regional“, „saisonal“, „bio“ und „umweltbewusst“ zu kaufen.
    Muss man nicht verstehen.

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  11. Martin Grube sagt

    Um diese Zeit geht nichts über Grünkohl…

    Nicht als Smoothie. Sondern mit Kassler und Kartoffeln!!!

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  12. Christian sagt

    kratzt uns nicht – weil wir regional kaufen.
    saisonale Ernährung = regionale Ernährung.
    Und da beginnt die Nachhaltigkeit an der sich fast niemand hält, weil viele gar nicht mehr wissen wann was eigentlich Erntesaison hat. Meistens ist der Preis für die Produzenten schon im Keller, wenn die Erntesaison bei uns startet.

    Nachhaltig wäre, Kostenwahrheit auf jedes Produkt zu geben (ökologisch, sozial). Wäre für uns in Mitteleuropa sicherlich ein Vorteil, da wir hohe Standards haben…

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    • Dr. Torsten Hentsch sagt

      Nur leider wachsen Bananen, Mandarinen, Litschis, Orangen und Kiwis nicht ind Deutschland.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn der deutsche Verbraucher Zwetschgen und einen Apfel isst und Apfelsaft trinkt, würden sich deutsche Obstbauern freuen, wenn man deutsche Ware kauft, die wachsen in Deutschland.

        Übrigens, Kiwis wachsen in Deutschland, setzen sich nicht durch, weil der Erntehelfer auf den Mindestlohn besteht.

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  13. Rainer sagt

    Wir essen seit jeher saisonal und regional, also betrifft uns diese „Krise“ nicht. Wir brauchen keine Tomaten oder Erdbeeren im Februar und sind immer gut damit gefahren. Das ist das gleiche wie mit einer Vorratshaltung: wegen dem Überangebot in den Supermärkten hat fast niemand mehr größere Vorräte zuhause. Fällt dann die Versorgung mal aus, ist das Gejammere groß.

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  14. Kohl ist lecker! Möhren auch! Steckrüben ebenso! Rote Beete ebenfalls! 🙂
    Dazu noch ’ne Wurst hinein, und wir freuen uns über das leckere lokal produzierte Essen.

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