Bauer Willi
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Lieber Karl-Heinz

Am Sonntag habe ich eine Mail von Karl-Heinz (den ich nicht persönlich kenne) bekommen, wo er mir die Frage stellt: “Für wen arbeitest du eigentlich? Für die Nahrungsmittelindustrie, den Weltmarkt oder für deine Nachbarn.” Und er geht auch noch auf ein paar andere Dinge ein. Hier meine Antwort, die wieder neue Fragen stellt.

Fragen, die wir Bauern auch an Politik und Gesellschaft stellen müssen. In einem Dialog: klar in der Sprache, durchaus strittig in der Sache, aber fair im Umgang miteinander.

Lieber Karl-Heinz

vielen Dank für Deinen Brief. Deine Frage ist nicht leicht zu beantworten. Als mein Vater mir den Betrieb vor 35 Jahren übergeben hat, war unser Betrieb eigentlich ein Bio-Betrieb. Gut, mein Vater hat damals noch mit Quecksilber gebeizt (ist aber trotzdem sehr Jahre alt geworden) aber ansonsten wurde überwiegend mit Mist gedüngt, Vieh hatten wir genug und zwar alles, was man sich heute unter einem bäuerlichen Familienbetrieb vorstellt, Kühe, Schweine, Hühner, Enten und Gänse. Heute sind wir ein reiner Ackerbaubetrieb und arbeiten in Kooperation mit unserem Nachbarn. Um Kosten zu sparen und die Maschinen rentabel einsetzen zu können.  

Für wen arbeite ich? Primär für meine Familie, damit es der gut geht und sich unsere Kinder frei entfalten können. Meine Produkte liefere ich an die Genossenschaft, an die Zuckerfabrik. Ob die daraus Nahrungsmittel, Futtermittel oder Bioenergie macht, weiß ich nicht und es unterliegt auch nicht meinem Einfluss. Auch ob es exportiert wird oder im Lande bleibt, weiß ich nicht und kann ich nicht beeinflussen. Müsste ich das? Ich meine nein, denn wir leben nun mal in einem freien Markt, in dem unsere Berufskollegen sich genau so bewegen wie wir. Unser Getreide geht nach Nordafrika, wo es dringend benötigt wird, wir holen Futtermittel fürs Vieh aus dem Ausland. Bis auf wenige Ausnahmen haben wir in Deutschland keine Selbstversorgung. Bei Gemüse und Obst liegt der Selbstversorgungsgrad unter 50%.

Unser Sohn steht in den Startlöchern und hat gerade sein Agrarstudium beendet. Er überlegt, auf Bio umzustellen und hat sehr detailliert gerechnet. Die ökonomische Auswertung ergab, dass bei einer normalen Fruchtfolge mit Kleegras, Getreide und Kartoffeln (die wir bisher nicht haben) unser relativ kleiner Betrieb einen Gewinn von 18.000 € abwirft. Und das bei sehr viel mehr Arbeit. Nahezu 80% des Gewinns stammt aus staatlichen Prämien. Soll ich ihm dazu raten? Er will den Betrieb ja auch wieder in die nächste Generation führen.

Hier sehe ich den Konflikt: unsere Mitbürger und auch Frau Hendricks mögen einen ehrenwerten Ansatz haben, wie Umwelt und Natur geschützt werden. Das will ich niemanden absprechen. Aber mit der Realität, zu der neben der Ökologie auch die Ökonomie gehört, hat das wenig zu tun. Nein, Abbügeln darf man Frau Hendricks nicht, aber mit ihr in den Dialog treten, dass mehr Platz für Tiere, weniger Dünger und ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln so ohne weiteres nicht machbar ist, darf und muss man ihr schon erklären.

Und dann gibt es da noch ein paar Zielkonflikte: Was sagen Sie einem Landwirt in Mecklenburg, der seine Tiere auf die Weide schicken soll (und will), gleichzeitig aber Angst haben muss, dass der Wolf die Kälber reißt? Was sagen Sie einem Landwirt, der den Tieren mehr Platz bieten will, gleichzeitig aber daran gehindert wird, einen neuen Stall zu bauen? Ist es sinnvoll, auf einem Hochertragsstandort wie bei uns im Rheinland den Ertrag dadurch zu beschränken, dass ich die Pflanzen nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgen darf?  Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von Fragen, die ich an Frau Hendricks und die Gesellschaft habe, die Liste ist noch viel länger. (siehe oben) Und es ist besser, dass wir die Fragen stellen, bevor wir Antworten in Form von neuen Gesetzen und Verordnungen bekommen, mit denen wir nur schwer leben können.

Wir stehen heute im Wettbewerb mit dem Weltmarkt, ob wir das wollen oder nicht. Wenn die Gesellschaft (wer ist das eigentlich konkret?) das nicht mehr will, ist die logische Konsequenz, dass wir uns vor den Einflüssen des Weltmarktes abschotten. Geht das? Nur für Deutschland? Können wir dann unsere Mitbürger auch ernähren? Und wie sieht es aus, wenn alle Bauern in Deutschland auf Bio umstellen? Wird dann alles besser?

 So, die Antwort ist sehr lang geworden. Und ein Stück Sonntag ist auch wieder weg. Aber es hat sich gelohnt, weil Deine Frage mich sehr bewegt hat und ich so auch zum Nachdenken gekommen bin. Und ich Dir auch viele Fragen gestellt habe…

 Es grüßt Dich herzlich

 Bauer Willi

P.S.: Wenn euch noch weitere Zielkonflikte einfallen, schreibt sie einfach in die Kommentare.

 

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52 Kommentare

  1. Karl Heinz sagt

    Lieber Bauer Willi,
    ich sehe Unterschiede zwischen uns, aber keinen Widerspruch. Unterschiede sind Ausdruck und Merkmal von Individualität in der sich Persönlichkeit definiert. Unterschiede empfinde ich daher als sehr wichtig.

    Ja, die Scannerkasse, – der ‘Point-Of-Sale’, der ‘Altar’ der Marktwirtschaft, der ultimative Schicksalspunkt für jedes Produkt. Wie gestern schon gesagt wird es hier Kompliziert und komplex. Denn erhebliche Kostenanteile werden an der Scannerkasse nämlich nicht erfasst. Zum Vergleich nenne ich mal die Stromrechnung. Da heißt es Atomstrom sei billig. Die Technologie wurde von Hochschulen entwickelt, also vom Steuerzahler finanziert, Haftpflichtversicherungen gibt es nicht und auf der Entsorgung bleibt auch wieder der Steuerzahler sitzen. Wesentliche Teile der Kosten sind also am Point-Of-Sale nicht erfasst und außerdem hatte die frühere Generation keinen Einfluss darauf, wo der benötigte Strom tatsächlich produziert wurde.

    Beim Thema Ernährung ist es komplizierter. Bekanntermaßen wird ein erheblicher Anteil der von Krankenkassen getragenen Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten aufgewendet. Der volkswirtschaftliche Schaden geht über die reinen Krankheitskosten noch weit hinaus. Aber da wird eben auch Geld „verdient“. Der Anteil Medikamenten-Werbung am Medienmarkt ist erheblich, weil es sich offenbar lohnt. Auch mit Blick auf die Krankenkassen macht Versichern nur Sinn, wenn tatsächlich Schäden passieren. Da ist auch ein Point-of-sale. Also mit fehlerhafter Ernährung wird Geld verdient!

    Um das gleich nochmal klar zu stellen; auch mit Bio-Produkten kann man sich einseitig und falsch ernähren. Aber wer absichtlich die teureren Produkte kauft, ernährt sich meist auch bewusster.

    Bei den gesellschaftlichen ‘Umweltkosten’ wird es noch weit komplizierter. Prof. Dr. Hans Joosten (den ich persönlich kenne) arbeitet an der Uni Greifswald am Thema Moor-Ökologie. Nach seinen Ermittlungen wird durch den Humus-Abbau beim Ackerbau auf Moorböden sehr viel CO2 freigesetzt. Wenn Mais für Biogasanlagen auf Moorböden in der Norddeutschen Tiefeben angebaut wird, ist die CO2 Freisetzung durch Humus-Abbau je produziertem KW Strom ähnlich hoch wie bei der Braunkohle Verstromung. Auf das Thema Agrarchemie–Grundwasser–Trinkwasser will ich mich eigentlich hier nicht einlassen. Aber eben auch hier entstehen wieder erhebliche Kosten weit weg von der Scannerkasse.

    Beim Milchmarkt waren „Leitplanken“ für den Markt vor dem Quotenende in die Diskussion eingebracht worden. Aber Christian Schmidt wollte nicht und will auch heute nicht. Damit werden Wertschöpfungspotenziale in Grünland Gebieten zerstört und die Urbanisierung der Gesellschaft wird weiter verschärft. Es gibt Unternehmen und damit auch Menschen die genau daran verdienen, aber auch das verursacht Kosten weit abseits vom Point-Of-Sale.

    Für die Perspektiven Deines Sohnes wäre es sicher angenehm, wenn diese Kosten außerhalb des Point-of-Sale bei den wirtschaftlichen „Rahmenbedingungen“ etwas ehrlicher erfasst würden. Da sehe ich den Grund für die Spannungen zwischen den Ministern Schmidt und Hendricks, aber keine Einflussmöglichkeit für uns Beide. Dann frage ich mich noch, was in die ökonomische Auswertung für die Bioumstellung auf Eurem Hof eingeflossen ist. Eine Öko-Fruchtfolge braucht nach meiner Erfahrung mehr als drei Glieder. Was passiert mit dem Kleegras wenn ihr Viehlos arbeitet? Ist Gemüse für Tiefkühlkost als Option erwogen worden? Mit kreativen Ideen sollte die genannte Zahl deutlich relativiert werden können. Also mehr als nur einmal ‘hinsehen’.

    Es grüßt herzlich
    Bauer Karl-Heinz

    • Brötchen sagt

      Karl heinz, das beste an bio ist ja, das meist eine Veredlung Pflicht ist! So wird das wieder “richtige” Landwirtschaft! Deswegen finde ich demeter abseits des voodos vom Ansatz her sehr gut. Und bio wird nur dann halbwegs rentabel, wenn alles ineinander greift! Fruchtfolge und Verwertung. ! Und im Kreislauf auch regional abgestimmt. Das ist anspruchsvoller als jede highend lw. Ich beschäftige mich damit, daß ist nicht mal im Ansatz ausgeschöpft!

      • Brötchen sagt

        Was Bauer Willi betrifft, kann ich ihn schon verstehen, dass er seine Existenz nicht auf wagen Zukunftsaussichten aufbauen kann. Und er kann auch nicht, nur einen Teil seiner Flächen umstellen, so könnte man sich ja schrittweise rantasten und ausprobieren.

        • Brötchen sagt

          Vielleicht mit der agrarfabrik browdowin verwechselt? Das ist noch nicht ganz Polen. Aber sie haben schon recht, alles was über 14 Kühe hat, ist eine Fabrik.

    • bauerhans sagt

      “Denn erhebliche Kostenanteile werden an der Scannerkasse nämlich nicht erfasst.
      Aber wer absichtlich die teureren (bio)Produkte kauft, ernährt sich meist auch bewusster. ”

      den schuh zieh ich mir als bauer nicht an!
      ich wirtschafte nach “der guten fachlichen praxis”,die von der gesellschaft gewünscht ist (gut und billig) und deshalb ist die gesellschaft auch für nicht erfasste kosten verantwortlich!
      wer sich bewusst ernähren will,muss nicht bio kaufen.

  2. Karl Heinz Tholen sagt

    Ok lieber Bauer Willi, dann schreib ich hier eine Antwort hinein.
    Nach meiner Wahrnehmung hat flächendeckende Agrar-Chemie im Rheinland um 1970 angefangen. Davor waren Quecksilber Beizmittel im Getreide üblich und ein paar Wuchsstoffe gegen ‘Kraut’, dazu Atrazin bei Kartoffeln, – Pyramin und Betanal in den Zuckerrüben, – aber ohne Hacke klappte das nicht. Die Rüben mussten auch noch ‘vereinzelt’ werden. Also da waren Menschen bei der Arbeit, – fast ganzjährig. Mais kam im Rheinland praktisch noch nicht vor.

    Aber dann kam monogermes Saatgut und Goltix bei den Rüben, „wirksame“ Präparate gegen Mehltau und Blattrost im Getreide und CCC, – mit dem Mais kam Atrazin, – als Katastrophe für das Grundwasser. Zunächst im Münsterland aber dann auch bei uns. Alles in den 70gern, danach war nur noch ‘Feinschliff’. Auch wenn wir beide die frühen 60er noch gut erinnern, – das liegt inzwischen mehr als eine Generation zurück und von den damals über sechzig Bauern hier im Dorf sind noch neun übrig. Schweine hat keiner mehr, einer betreibt einen Reitstall und fünf melken noch Kühe, davon einer als Biobauer.

    Für wen arbeite ich? Primär für meine Familie, … aber was mit den Produkten von Deinem Hof geschieht bleibt schon mit Dir verbunden. Mit dem Abkippen bei der RWZ ist die Sache nicht getan. Wenn mit Milchpulver und Hühnerhälsen Fluchtursachen in Afrika verstärkt oder gar geschaffen werden bleibt da auch was an uns hängen. Hier wird es eben sehr komplex. Protektionismus klappt auf Dauer nicht und führt (wie die Geschichte zeigt) langfristig zu schwereren Konflikten. Aber ‘das täglich Brot’ ist als ‘globalisierungs Gut’ ungeeignet. Das ist keine klassische Handelsware. Hier geht es um ERNÄHRUNGS-SOUVERÄNITÄT. Die zählt anders als Auto und Computer. Dazu kommt, dass wir in der dichtest besiedelten Region der Welt leben. In 200km um das Rheinland lebt die höchst Kaufkraftsumme der Welt. In dieser Distanz fährt man vom Geschäftstermin abends Nachhause und die zieht eine Wolke in ein paar Stunden. Auch eine Schadgas Wolke. Sonst nirgendwo auf der Welt sind die Interessen von Menschen mit so dichter Potenz angehäuft, wie hier im Herzen Europas, im Vorgarten der Menschheit, in dem Gebiet das wir rheinischen Bauern ‘beackern’. Da spielen Kostenvorteile sicher eine Rolle, – aber vieles Andere auch.

    Das Landwirtschaft ohne Chemie funktioniert wird tagtäglich von vielen Biobauern bewiesen. Ob alles besser wird, wenn alle auf Bio umstellen? – weiß ich nicht! Möglicherweise sollten wir es hier „im Herzen Europas“ versuchen, – oder zumindest mal ehrlich darüber nachdenken.

    Es grüßt herzlich
    Biobauer Karl-Heinz

    • Bauer Willi sagt

      Lieber Karl-Heinz,
      ich sehe keinen Widerspruch zwischen Dir und mir. Und wie schon im ersten Brief geschrieben, macht sich unser Sohn nicht nur Gedanken, sondern er hat auch gerechnet. Das Ergebnis ist aus meiner Sicht ja nicht so toll. Wenn er aber den Idealismus hat, werde ich ihn nicht daran hindern.
      Den Schuh mit den Exporten nach Afrika ziehe ich mir nicht an. Im Übrigen “kippe ich nicht meine Produkte bei der RWZ ab, sondern bei einer ganz tollen Genossenschaft (BB) bei der ich Vorkontrakte mache. 🙂
      Du stellst die Frage, ob alles besser wird, wenn alle auf Bio umstellen. Eine durchaus berechtigte Frage, denn bei all Deinen Überlegungen vergisst Du leider einen: den Konsumenten. Der trifft jeden Tag seine Wahl an der Scannerkasse. Und da ist der Anteil von Bio-Produkten doch eher gering. Wir Bauern können grundsätzlich alles, auch Bio. Aber Lebensmitteleinzelhandel und Verbraucher haben da auch ihre Aufgabe.
      Bauer Willi

    • bauerhans sagt

      “Das Landwirtschaft ohne Chemie funktioniert wird tagtäglich von vielen Biobauern bewiesen.”

      klar funktioniert das,ist aber teurer,weshalb es nur wenig dauerkäufer gibt und mit handarbeit verbunden,wofür ausländische arbeitskräfte unabdingbar sind.

  3. Johann Meyer sagt

    Da stellt ein Jemand eine Frage und statt einer Antwort folgt eine Abhandlung über das, was der Antwortende selber immer schon mal fragen und selbst beantworten wollte …
    Die erste Frage: ,arbeitest Du für die Nahrungsmittelindustrie? Antwort, Ja
    Die zweite Frage,arbeitest Du für den Weltmarkt? Antwort, Ja
    Die dritte Frage, arbeitest Du für Deine Nachbarn? Das Wort Nachbarn wird nicht einmal erwähnt, stattdessen ein Geeiere um den eigenen “BioBetrieb”.
    Nahrungmittelindustrie,Weltmarkt und die eigene kleine Welt ohne Nachbarn.
    Das ist der Prototyp des deutschen egozentrischen Verdrängungslandwirtes.

  4. Friedrich sagt

    Über was reden wir hier eigentlich. Habe gerade eine Mail bekommen , wonach im letzten Jahr über 1000 Betriebe in Frankreich Pleite gegangen sind. Dasselbe in anderen Ländern auch. Auch hier in Deutschland haben wir eine hohe Aufgabequote von 3 – 10 %/Jahr. Daran kann man sehen , daß mit den niedrigen Preisen klare Strukturpolitik betrieben wird. Die Farmer in UK haben alle für den Brexit gestimmt , um wieder ihre Freiheit zu haben. Ich kann nur vor jedem Junglandwirt den Hut ziehen , daß er sich diesen inzwischen immer größeren Unsinn noch antut. In der Diskussion hier geht es immer nur um Deutschland . Wir sollten aber nicht vergessen , daß wir einen gemeinsamen EU-Markt haben. Alles was hier vorgestellt wird , muß dann auch für ganz Europa gelten. Das machen aber die anderen Länder nicht mit. Mit jedem Gesetz/Vorschrift hier in Deutschland wird unsere Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der EU immer schlechter. Das sollte nicht vergessen werden. Wir wirtschaften hier wie in der ehemaligen DDR. Die Schweinepreise sind bei gleichen EU-weiten Angebotsmengen doch nicht angestiegen weil der Markt so gut ist , sondern weil man Angst hat , daß zuviele Betriebe aufhören. Unser polit. System läuft nicht mehr . Es kann nicht sein , daß alles in die Banken und Börsen läuft und die Realproduktion hinten runter fällt. Aus Klimaschutzgründen kann auch nicht alles in den Umweltunverträglichkeitskonsum laufen , sondern muß sich mehr an der Klimabilanz orientieren. Gerade in diesem Punkt sind wir Bauern als einzige sehr gut aufgestellt. Während sich bei uns die Klimabilanz erheblich verbessert hat , ist sie in allen anderen Bereichen unseres täglichen Lebens und Wirtschaftens erheblich schlechter geworden. Das sollte bei der Diskussion nicht vergessen werden.

    • Brötchen sagt

      Friedrich, die EU ist schon fast Geschichte, selbst führende eu Politiker schließen, das nicht aus. Die ddr Preise waren FantasiePreise, für ein Schwein hat man privat ca. Einen Monatsgehalt bekommen. Also wir haben Preise, die die wirtschaftlichen Realitäten abbilden. Und NL und dk sind rein gesetzlich in manchem voraus. Ob die das immer so auch 1:1 umsetzen ok. Kann man diskutieren. Was die Betriebsaufgaben betrifft, das trau ich mir hier nicht zu schreiben, einfach mal nach Osten gucken oder nach den USA, das ist die Zukunft. Bloss da gibt es hinter den großen Strukturen Nischen und Vielfalt!

  5. Ich seh das so sagt

    einerseits; andererseits
    einerseits höchste Qualitätsansprüche; andererseits niedrigste Preise
    einerseits Produktionsvorschriften für Inlandsware; andererseits niedrigere oder keine Vorschriften für Importware
    einerseits keine Sojaimporte; andererseits Aufbau von Eigenversorgung wird untergraben
    einerseits Biowirtschaft = mehr Viehhaltung; andererseits weniger Fleisch = weniger Viehhaltung
    einerseits mehr Bio-Invasoren (Insekten, Pflanzen …); andererseits weniger Pflanzenschutz

  6. Klaus-Peter Weinand sagt

    Eine Frage würde ich gerne denjenigen stellen, die in letzter Zeit so sehr die Landwirtschaft kritisieren, die Leistungen dieser so herabsetzen und als billige Stimmungsmache missbrauchen.
    Allen voran die Politiker und die selbsternannten Umweltverbesserer.
    Haben wir das Recht, uns bei einer steigenden Weltbevölkerung, bei Bürgerkriegen und damit verbundenen Flüchtlingsströmen, Hungerkrisen, Dürren-und Naturkatastrophen weltweit, ja haben wir da das Recht mögliche Ertragspotentiale in einem von der Natur aus begünstigtem Gebiet durch weiter steigende Begrenzungen die in Teilbereichen der Landwirtschaft ins Absurdum ausufern zu droht, zu verschenken?
    Haben wir das Recht? Und woher leiten wir das ab?
    Nur aus dem Grund weil es für uns reicht. Weil wir satt sind?
    Reicht es in Zukunft aus den Blick dafür nur auf dem eigenen, nationalen Teller belassen?
    An etwas herum zu mäckeln ist einfach wenn es einem gut geht.
    Denn der hungernde hat nur ein Problem, nämlich satt zu werden.
    Der satte hat hundert andere Probleme.

    Deshalb nochmal die Frage.
    Haben wir das Recht?

    • Brötchen sagt

      Das ist ja richtig! Bloss sie kommen in eine Situation, wo sich niemand verantwortlich fühlt, oder die Verantwortung übernimmt. Wir lw haben unseren Boden, unser regionales Klima usw. Wir sollten unser Umfeld in Ordnung halten, wir können nicht die ganze Welt retten. Wir tragen dazu bei, Verantwortung übernehmen wir für unseren Lebensbereich, wenn das alle so tun, geht es allen gut.

    • rebecca sagt

      Ich frage mich jedesmal wenn die “Argumentation” von den Hungernden im Ausland kommt, wann es endlich der letzte merkt hat wie lächerlich das anhand der Tatsachen ist.

      Kommt man sich nicht bischen böd vor anhand der aktuellen Lebensmittelverschwendung vor so zu argumentieren?

      Abgesehen davon, wie soll es funktionieren? In der Vergangenheit haben die besorgten Bauern lieber Produkte vernichtet als sie den Hungernden zu überlassen.

      Soll der Steuerzahler dafür zahlen das einige den Hals nicht voll bekommen und zusehen wie durch deren ungebremste Gier die Umwelt zerstört wird, Tiere leiden und unterm Strich auch die Hungernden weiter hungern?

      Haben ein paar wenige das Recht ihre Gier auf Kosten der Gemeinschaft zu befriedigen?

      • Bauer Willi sagt

        Vor ein paar Jahren hatten wir ein Zwiebelfeld. Wir sollten für 100 kg Zwiebeln 3 Euro bekommen. Die Kosten für die Ernte wären höher gewesen. Und dann wäre immer noch die Frage zu beantworten, wie 200 to Zwiebeln zu den Hungernden kommen. Klingt vielleicht zynisch, ist es aber nicht.
        Soviel zur Gier von wenigen…
        Bauer Willi

    • Stadtmensch sagt

      Bitte nicht moralisch argumentieren! Das passt nicht zu: “wir leben schließlich in einem freien Weltmarkt”. Hier findet nur das statt, was Profit abwirft und wenn indische, afrikanische oder südamerikanische Kleinbauern mit ihrer popeligen Subsistenzlandwirtschaft mit der hochsubventionierten, kapitalintensiven LW der “Exportweltmeister” nicht mithalten können, dann ist ihr Schicksal eben der Slum irgendeiner “Metropole”. Haben wir das Recht dazu, daran mitzuwirken bzw. nichts dagegen zu tun, nach dem Motto: was gehts mich an? Ihr solltet euch schämen, den “selbsternannten Umweltschützern” einen Mangel an Moral vorzuwerfen. Prangert doch lieber den tumben Verbraucher an, der lieber Apfelsaftkonzentrat aus China oder Volleipulver aus Käfighaltung frisst, oder zur Grillsaison gerne dies und das hätte:
      https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-schlachtplan
      Lest doch mal die Bücher die ihr empfehlt: Der Kampf um das tägliche Brot
      Nahrungsmangel, Versorgungspolitik und Protest 1770–1990.
      Niemand macht euch zum Vorwurf, dass ihr nach der “Marktlogik” handelt bzw. handeln müsst, aber dieses ständige unreflektierte Gemotze gegen “Systemkritik” aus der “postamterialistisch linken Ecke” ist dermaßen niveaulos…

  7. Wenn Ihr laden als bio 18.000 € abwirft dann wäre es ökonomisch besser zuverpachten oder können Sie sich “Bauer spielen” leisten?

    • Nëckel sagt

      “Bauer spielen”kann sich kein Landwirt leisten, denn Landwirtschaft wird NICHT GESPIELT. Gauben sie im Ernst, dass der Pächter in diesem Fall mit Bio mehr Ertrag erzielen würde, oder soll er konventionell wirtschaften? Das macht Willi ja jetzt schon.

  8. bauerhans sagt

    nur bedingt!
    ich hab nicht ausreichend qualitätsferkel bekommen,weshalb mein stall nur zu 50% belegt ist,ob jetzt der preis steigt………

    • Brötchen sagt

      Ferkel sind zur Zeit recht teuer. Italien zahlt 80 Euro. Ich würde jetzt alles vollknallen. Durch die geflügel Grippe fehlt etwas Fleisch. Ist aber pokern. Du kommst dann gerade wieder in die flaute/Urlaubszeit mit dem schlachten.

      • Hartmut Keller sagt

        Was würdest Du vollknallen? Ich stelle mir das gerade bildlich vor.
        Manchmal kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

  9. Martin Grube sagt

    Moin. Vielleicht heisst Karl Heinz auch Willi und hat den Brief an sich selbst geschrieben….

    Was die spannenden Fragen nicht schmälert.

    Ich persönlich stelle mir des öfteren die Frage ob es richtig war was ich bis jetzt geleistet habe. Oder ob ich nicht auch vor 20Jahren den Betrieb hätte auslaufen lassen sollen.

    Das liegt nicht an der Arbeit. Sondern die Bürokratie, der Gegenwind aus so manchen Gesellschaftsschichten und natürlich die Preismisere….

    • Bauer Willi sagt

      Nein, dieser Brief ist echt. Und der Mann heißt Karl-Heinz, wobei ich den Nachnamen aus datenrechtlichen Gründen nicht genannt habe.
      Bauer Willi

      • Bauer Willi sagt

        Ich frag mal Alois, ob es technische Probleme gab. Sollte nicht vorkommen. Einfach den Kommentar noch mal hier hin schreiben.
        Bauer Willi

      • Alois Wohlfahrt sagt

        Dieser Kommentar?

        Da stellt ein Jemand eine Frage und statt einer Antwort folgt eine Abhandlung über das, was der Antwortende selber immer schon mal fragen und selbst beantworten wollte …
        Die erste Frage: ,arbeitest Du für die Nahrungsmittelindustrie? Antwort, Ja
        Die zweite Frage,arbeitest Du für den Weltmarkt? Antwort, Ja
        Die dritte Frage, arbeitest Du für Deine Nachbarn? Das Wort Nachbarn wird nicht einmal erwähnt, stattdessen ein Geeiere um den eigenen “BioBetrieb”.
        Nahrungmittelindustrie,Weltmarkt und die eigene kleine Welt ohne Nachbarn.
        Das ist der Prototyp des deutschen egozentrischen Verdrängungslandwirtes.

  10. Brötchen sagt

    Guter Beitrag! Die lw sollte dem Kunden ein Angebot machen! Gut durchdacht und bezogen darauf, wie die lw sich eine gute lw aus Sicht der lw vorstellt! Dabei müssten eventuell heilige Kühe geschlachtet werden.

      • Brötchen sagt

        Das würde ich nicht vordergründig mit betrachten. Rein logisch betrachtet können die Lm nicht viel teurer werden, dann ist für anderen Konsum weniger Geld. Es ist ja das andere teurer geworden, wohnen, Urlaub und Energie….

        • rebecca sagt

          Es müsste ein komplettes umdenken stattfinden. Durch das immer billig findet kaum noch eine Wertschätzung statt. Würde das geändert könnten die LM teuerer werden ohne das die Kosten wesentlich steigen.

          Weniger wegwerfen, auch das was nicht Topqualität ist verwerten. Da wäre einiges Potential.

          • Brötchen sagt

            Mir ist nicht bekannt, dass ein lw ein verwertbaren Produkt wegwirft, das wird immer wieder kolportiert! Aber das ist schon richtig die Preise sind zu niedrig. Sie können aber rein logisch nicht viel höher werden, da sonst das GeschäftsModell ad absurdum geführt wird… Was heisst konsum von Konsumgütern, mit möglichst hohem Umschlag . Sie können sowas nur durchsetzen, wo der Kunde gezwungen ist, wie Strom und die Benzin und Auto. Oder es muss Umverteilt werden, das ist schwierig gerecht zu machen und erfordert ausufernde Bürokratie und Korruption und hemmt die Wirtschaft und Wirtschaftlichkeit. Die andere Methode wäre Markt abschotten/teilweise. Wie Schweiz. Hat die erwähnten Nachteile.

  11. bauerhans sagt

    interessant ist,dass der deutsche immer irgendeiner verschwörungstheorie anhängt.
    wahrscheinlich hat das mit seinem speziellen sicherheitsbedürfnis zu tun,er legt ja auch sein geld aufs sparbuch und hat mindestens eine lebensversicherung.

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