Bauer Willi
Kommentare 125

Erträge Öko-Weizen

In der LZ Rheinland 37/2020 vom 10. September wurden die Erträge aus den Landessortenversuchen für Öko-Winterweizen veröffentlicht. Im Bild oben die Ergebnisse in dt/ha.

Die Proteingehalte für die Sorten lagen nur für 2018 und 2019 vor. Sie liegen je nach Sorte zwischen 7,6 und 11,1%, die meisten Sorten zwischen 9,5 und 10,5%.

Die Ergebnisse bestätigen, dass die Öko-Weizenerträge in unserer Region um mindestens 50% unter den Erträgen im konventionellen Anbau liegen. Ich habe keine Kenntnis darüber, wie die Bäcker mit den niedrigen Proteinwerten zurecht kommen.

(Aufrufe 3.966 gesamt, 1 heute)

125 Kommentare

  1. Friedrich sagt

    Kleine Ergänzung zu den Erträgen. Neben den niedrigen Erträgen kommt noch , daß der Bioanbau teilweise 25% der Flächen brach liegen läst und dort z.B. Kleegrasgemisch angebaut werden. Diese Fläche fällt beim Ertrag zusätzlich aus , sodaß im Mittel von dem halben Ertrag noch die Brachflächenanteile für die Ernte abgezogen werden müßen und entsprechend die durchschnittliche Ertrag weiter absinkt.

    • Brötchen sagt

      Pflanzengesundheit steht da auch alles bei, was erfasst wurde.

      Denke die Übersicht gibt es für NRW auch.

      • Thomas Apfel sagt

        Das sind ja mal brauchbare Daten mit allen Einflussfaktoren! Man sieht vor allem auch schön, wie die Stickstoffverfügbarkeit als wichtigster Faktor die Ertragshöhe bestimmt.
        Beispiel Karlsruhe 2019: hohe Nmin Werte aus der Vorfrucht Perserklee und schon rücken die Erträge sehr viel näher an die konventionellen heran.
        In Brandenburg ist Kerkow bei Angermünde der einzige wirkliche Weizenstandort (Ackerzahlen zwischen 45 und 75). Dort liegen die Erträge dann auch ähnlich wie in BW.
        Insgesamt liegen die AMI Werte über die insgesamt erzeugten Mengen übrigens auch zwischen 45 und 60 % gegenüber der konventionellen Erzeugung, zeigen also das gleiche relative Ertragspotential wie die Landesversuche.

  2. Ostbauer sagt

    Herr Suhr,
    sie haben doch bestimmt ein gutes Einkommen!?
    Gehen Sie zur Bank, besorgen sich ein paar Mio und kaufen meinen Betrieb und dann können Sie richtig loslegen mit Humus von unten und 100%iger Nachhaltigkeit und weiß der Kuckuck was.
    Anscheinend machen ja die Masse der Bauern alles falsch.
    Ich hab diese Klugscheißerei sowas von satt.
    Wenn der gesunde Menschenverstand gerade in Deutschland mal wieder zu Tage treten würde, hätten wir nicht so viel Probleme!

      • Reinhard Seevers sagt

        Er muss sich ja keine Gedanken diesbezüglich machen, der Herr Suhr hat weder das Wissen, noch den Mut, die eigenen Ideen auf den Boden der Tatsachen sprießen zu lassen. Nur Worte, nichts als leere Worte.

    • bauerhans sagt

      “Ich hab diese Klugscheißerei sowas von satt”

      ist keine klugscheisserei,sondern selbsthass,aber stellvertretend.

      • Obstbäuerin sagt

        Ich habe eher den Eindruck von Missionierung und Wahlkampf. Das nervt – vor allem nehmen seine umfangreichen Textbausteine so viel Platz ein. Außerdem sollte der Kommentar nicht unbedingt länger als der Beitrag sein? 🙄

        • firedragon sagt

          Die Länge stört mich nicht.
          Aber irgendwie sind Suhrtexte inhaltlich sehr ähnlich, als hätte die Platte einen Sprung. Wenn jemand was erwiedert, kommt nicht viel zurück – Dialog sieht für mich etwas anders aus.
          Naja, jeder eben wie er’s mag…

    • Ob das Bauernbashing Spaß macht?
      Wenn ja, wer hat die meiste Freude daran?
      Die, die sich selber nicht gut genug sind?
      Aber guter
      Bioweizen kann die Landwirtschaft herstellen, woraus man schöne Delikatessen herstellen kann.

  3. werner locher sagt

    In der Schweiz steht ja 2021 die Volksabstimmung über ein Totalverbot von synthetischen Pflanzenschutzmitteln an. Bis jetzt hat noch niemand meine Frage beantwortet, wo denn die zusätzlichen Flächen sind, die es braucht, wenn die Erträge kleiner werden……

    • Smarti sagt

      Die Flächen finden sich in Deutschland. Unser deutsche Nachbar hat den ganzen Hof an einen Schweizer verpachtet oder verkauft, obwohl wir seit Jahren deutlich Interesse zeigten. Wir sind gut miteinander ausgekommen, haben uns manchmal auch gegenseitog geholfen. Wahrscheinlich war es schon lange ausgemacht, denn er hat uns vorher nicht einmal gefragt… nun, als Rentner hat er Zeit zum plaudern. Er wundert sich, dass wir irgendwie keine Lust dazu haben. Für einen Schweizer hat Uli einen Riesenhof, über 100 Ha, etwa 80 Milchkühe ( letztes Jahr verkauft ), Kartoffeln. Jetzt hat er noch etwa 20 -30 Mutterkühe und dafür mindestens 50 ha Weideland in unserer Umgebung gepachtet oder gekauft. Weil er es kann; seine Worte: in der Natur gewinnt immer der Stärkere. Wir deutschen Bauern gingen doch auch nach Rumänien.
      Wenn wir Land kaufen möchten, müssen wir auf den Richtpreis sicher verdoppeln, bei gutem Ackerland eher verdreifachen. Da ist Bestand runterfahren deutlich rentabler und macht weniger Arbeit.

    • Bauer Willi sagt

      Werner
      wir zwei fahren mal zusammen nach Russland. Ich habe da vor etwa 10 Jahren auf einer Fläche gestanden, die war bis zum Erdmittelpunkt Schwarzerde. Die wurde nicht bewirtschaftet, erste kleine Birken sprossen hervor. Die Parzelle war etwa 1.000 ha groß. Die Parzelle, nicht der Betrieb!
      Daneben war eine Rübenparzelle, die ich Mitte September auf 600 t geschätzt habe. Roggen hat eine Herbizidspritzung bekommen und je nach finanziellem Vermögen zwischen 40 und 80 kg N mineralisch. Geerntet wurden zwischen 40 und 50 dt/ha.
      In Russland schlummert auch heute noch ein gewaltiges Potential.
      Bringst Du ein paar Schweizer Franken mit? Die werden sicherlich gerne genommen…

      • werner locher sagt

        Also, das löst das Problem noch nicht. Die Schweizer Agrarpolitik geht ja in vielem der EU voran: Auflagen und Schreibkram bis zum Gehtnichtmehr. Die Erträge sind klar rückläufig. In der AP22+ sind Verschärfungen bezgl. Tierbestand, Nährstoffbilanz usw in der Pipeline. Wenn das dann später auch die EU durchzieht, werden auch dort die Erträge rückläufig. Wenn das dann sogar Weltweit kommt, wird eine riesige Menge an Landwirtschaftsprodukten wegfallen. Was ist dann? Die einzige Antwort die ich bis jetzt bekommen habe ist: Dann müssen wir Menschen halt den Fleischkonsum drastisch reduzieren und uns dann vor allem Pflanzlich ernähren. Ist das die Lösung?

        • Reinhard Seevers sagt

          Zitat:”Dann müssen wir Menschen halt den Fleischkonsum drastisch reduzieren und uns dann vor allem Pflanzlich ernähren. Ist das die Lösung?’

          Tja welch Pflanzen wachsen denn im Winter bei uns?

          • Hast du noch nie etwas von Lagerung gehört?

            In Silos oder so kann man Eiweißreiche Samen wie Erbsen, Bohnen, Lupinen usw. lagern,
            einmal im Jahr wie Getreide geerntet und gelagert.

            Wenn du auf dem Bauernhof groß geworden bist, hast du deine Mutter oder Oma nie gesagen gehört,
            wir abreiten nur fürs Essen,

            im Winter schlachten wir ein (fürs Jahr haltbar machen)
            und im Sommer die Früchte aus dem Garten kochen oder frieren wie ein (fürs Jahr haltbar machen).

            Das haltbar machen kannten die Menschen bestimmt schon in der Steinzeit.
            Die Inuit kannten sehr früh schon das Einfrieren,
            wir eher das dörren oder trocknen gehört die Salami dazu, Obst und Kräuter u.a. auch
            später seit Lui Pasteur das Einkochen
            und noch später eben das Einfrieren durch elektrisch betriebene Gefrieranlagen oder Truhen.
            Das Knowhow lernten die Landfrauen im Dorf auch schnell, denn dabei gibt es vieles zu berücksichtigen.

            Jeden Tag frisch einkaufen und zubereiten ist einfacher.

        • Bauer Willi sagt

          @Werner
          In dem Moment, wo eine Versorgungslücke entsteht, werden all die, die heute mit der Öko-Schiene unterwegs sind, verschwunden sein. Als 2007 oder 2008 die Weizenpreise über 20 € /Franken gingen und in Mexiko der Tortilla-Aufstand der armen Bevölkerung war, wurde schlagartig ganz anders diskutiert. Da war wieder die Rede von Erzeugungsschlachten.

          Die Platte “wir müssen den Fleischkonsum halbieren und nichts mehr wegwerfen” kann doch keiner mehr hören. Obwohl sie inhaltlich ja durchaus zu diskutieren ist. Aber wer fährt denn von den europäischen Grünen nach Indien, China und Indonesien und sagt denen, dass sie weniger Fleisch essen sollen? Ich sag es Dir: keiner.

          • Reinhard Seevers sagt

            Willi, man muss doch lediglich mathematisch diskutieren…..wenn 80Millionen ihren Fleischkonsum halbieren und 1,2 Milliarden Chinesen ihn um 10% erhöhen, dann ist rechnerisch erheblich mehr verbraucht. Der Unterschied liegt allein in der moralischen Selbstüberhöhung der deutschen Seele.

  4. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Mittels modernster Ertragskartierungen dank dem leistungsstarken Hightech-John-Deere-Mähdrescher auf Hunderten Hektaren im Ernteverlauf 2020 erprobt, konnte man unter widrigsten Voraussetzungen im gesamten Vegetationsverlauf dennoch im Mittel 9,4 t/ha Körnerertrag Weizen bei der Gutsverwaltung in Groß Walmstorf einholen. _ Nachzulesen in der Printausgabe der PROFI 10-2020, „John Deere Druschprojekt 2020„. – Mecklenburg Vorpommern on top! Anhaltende Trockenheit beherrscht allerdings über einen langen zeitlichen Verlauf auch dort das Agrarumfeld, zumindest gestatten solche Rückschlüsse ein interessierter Blick auf die deutschlandweite Bodenfeuchtekarte.

    Boah! – Das ist aber noch gar nichts, der BIO-Landbau toppt das Ganze: In den Landessortenversuchen Öko-Weizen überzeugt in der GLANZLEISTUNG schlechthin auf ganzer Linie in Bayern die Sorte „KWS Talent“ am besten Standort mit einer Sortenleistung von ungeheuren 10 t/ha, publiziert im Bayer. Landwirtschaftlichen Wochenblatt, Heft 37, Ausgabe 11.09.2020. _ BIO kann also weitaus mehr, ist heute um Längen voraus!!! Ohne Dünger und PSM, jeder Trockenheit trotzend, zielstrebig den Weizen-Olymp besteigen – das kann nur Bayern, das beherrscht nur ÖKO! – Ich ziehe meinen nie getragenen Hut!

    Werte Kolleginnen und Kollegen, vollkommen neidbefreit, ich habe solche Erträge nicht einfahren können, bin also ein sehr viel schlechterer Bauer.

    Die Gretchenfrage stellt sich mir allerdings, wo ist nun diese Superware, wer bunkert selbige Mengen!?

    Als Fazit müssen wir alle uns wohl schlussendlich eingestehen müssen, dass, wer zu solchen herausragenden Ergebnissprüngen selbst unter widrigsten Umständen in der Gesamtheit befähigt ist, auf den alljährlichen Prämienanspruch gut und gerne verzichten kann, schließlich schädigt man bei einem solchen wiederkehrenden Griff in die Staatskasse auch jeden Hartz-IV-Empfänger mit dessen leeren Hosentaschen; …und damit habe ich so meine Gewissenskonflikte. – Ihr nicht auch!?

  5. Ludwig Wreesmann sagt

    Nach Rotklee musst du den Ertrag dann aber auf 2 Jahre aufteilen, denn wer soll eigentlich den ganzen Klee fressen?

  6. Danke für die Richtigstellung,

    Dann hat mich eine Verkaufshilfe falsch aufgeklärt

    Und Gerstenmischbrot gibt es auch nicht?

    Dann braucht man die Eiweißprozentzahlen von Wintergerste nur zur Futteranalyse?

    • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

      Es gibt mehr als 500 Backhilfsmittel – damit kann heute jeder Bäcker aus allem Brot und Brötchen backen – und den Verbrauchern schmeckt’s vorzüglich.

        • Paulus sagt

          Es duftet gefühlt bis nach Delhoven. 🙂 Köstlich!
          Ich bin mir auch sicher das es keine Backmischung von Feinkost Aldi ist.

          • Im Teig, oder Ferkelhebamme?
            Ich finde wenn dunkles Brot dunkel ist, dann wegen Sirup,
            sondern bewegen Vollkorn wie Pumpernickel!
            Als die Rheinländer das dem Biskuitverwöhnten Napoleon damals angeboten haben, erschrak er und dachte es wäre für sein Pferd, den Nickel und sprach: pain pour le nickel

            Das hörte sich an wie Pumpernickel,
            schon hatte das Brot seinen Namen!

            Ich habe aus dem Brötchenregal mal eine
            Dunkle Bauernknolle
            genommen.
            Weil ich zu Hause mal sehen wollte was da für Körner alle drin waren
            es war keines drin, gefärbt bestimmt nur mit Sirup, Rübenkraut.
            Ob der Geschmack
            gut, erinnerte: wie frisch aus dem Ofen gekommen
            auch künstlich war?

          • Paulus sagt

            Ferkelhebamme, Rübenkraut ist ein Lebensmittel und eine Kochzutat für Kenner. Dazu zähle ich die rheinischen Zu-rübenanbauer nicht. Für die ist es ein Proletenfraß. Habe es selbst schon mal auf einem Hof erlebt. Da gab es zum Frühstück tatsächlich Marmelade von Zentis, also so ziemlich das Übelste was die LM-Industrie zu bieten hat und Aufschnitt; das Zeug ist mindestens genau so übel und für mich ungenießbar. Auf meine vorsichtige Frage nach Rübenkraut bekam ich von der Dame des Hauses zur Antwort: Näh, sowat git et bei us nit! Das war verächtlich gemeint.

        • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

          Der Protein-Qualitätsparameter dient ausschließlich dazu, bei ohnedies schon niedrigen Margen nochmals zusätzlich den Rotstift ansetzen zu können.

          Gute Ware wird als Aufmischweizen genutzt.

          Die filigran bis ins letzte Detail perfektionierten Einheitsbedingungen des Deutschen Getreidehandels zeigen jedenfalls uns Bauern auch forthin, wo der Hammer hängt; selbst die DüV-Novelle u. eine gravierende Reduzierung der PSM werden diese jedenfalls nicht revolutionieren – jeder Bauer ist und bleibt der Dumme…

  7. Moin!

    Die Frage ist doch: Wer bekommt einen besseren Preis für sein Produkt?

    Jede zweite Tonne Getreide landet im Futtertrog, nicht meine Worte:
    https://www.topagrar.com/markt/news/jede-zweite-tonne-getreide-wird-zu-tierfutter-10151205.html

    Also wenn wir wieder etwas mehr zu Maß und Mitte zurückfänden statt im Schnitt 60 kg Fleisch pro Jahr zu verzehren (88 kg zu verbrauchen) plus all die Milchprodukte, dann hätten wir viele freie Flächen für Bio-Getreide. Naja, für viel billiges Fleisch braucht es viel billiges Futter … nennt sich Veredelung … oder so … vom Preis her würde ich das zwar nicht sagen, aber der freie Markt wird’s ja schon wissen 🙁
    https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2020-06/fleischpreise-landwirtschaft-tierwohl-fleischkonsum-deutschland-julia-kloeckner

    Dann kommen noch weitere Faktoren hinzu. Auch Bio ist nicht gleich Bio und Böden varrieren ebenso wie Wetter. Dieses Jahr gab’s – glaube ich – späten Frost und die dritte Dürre in Folge. Wer da teilweise nicht künstlich bewässert hat oder keinen kohlenstoffhaltigen Grund hatte, wurde weder mit Bio noch konventionell was.

    Anders gesagt: Ich kenne genügend konventionelle Landwirte hier in Niedersachsen, deren Erzeugnisse nur als Silo reichten, Rapserträge massiv eingebrochen, sogar Mais fehlte hie und da Wasser, um die Früchte auszubilden.

    Noch ein Aspekt: Bei Leguminosen ist der Unterschied zwischen Bio und konventionell nahezu 0.

    Oder wie wär’s damit: Wieviel schmeißen wir weg? Ist da nicht Puffer drin?
    https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462

    Oder wie wäre dieser Gedanke: Welche Anbaumethode hinterläßt einen guten Boden und welche hat eher Probleme mit Bodendegradation, ist also nicht zukunftsfähig? Wer (un)bewußt Humus zerstört durch seine Produktionsweise, wird in dem Jahr gute Erträge haben, denn bei der Zerstörung von Humus wird der darin enthaltene Stickstoff freigesetzt. Das kann man ein paar Jahre so treiben, aber irgendwann ist der Boden im Mors.
    https://www.bmz.de/de/themen/boden/index.html

    Bio ist kein Allheilmittel (die dort eingesetzten Mittelchen auch nicht), aber vom Gedanken her dort richtig, wo es wieder um eine Rückkehr zu Stoffkreisläufen geht, um Bodenerhaltung und Humusaufbau und das Bestreben, mit möglichst wenig PSM faire Erträge zu erzielen. Anders gesagt: Wer weiß, ob Bio vielleicht 100% Ertrag darstellt und unsere „moderne“ Landwirtschaft ganze Zeit auf „Anabolika“ und Verschleiß fährt?! Ich mag das Konzept der hybriden Landwirtschaft, der regenerativen Landwirtschaft.

    Salopp gesagt mein Eindruck: So genannte moderne Landwirtschaft versucht, die Pflanzen von oben zu ernähren, immer druff. Und weil es ab 4% Humusgehalt 20kg/ha Abstrich Nitrat gäbe, lieber unter 4% bleiben als Tierhalter, wohin sollte man sonst mit der Schiete, weil man nur noch mit Masse im Unterbietungswettkampf am Weltmarkt bestehen kann und weniger Tiere zu halten finanziell nicht interessant ist (doof, wenn man dann noch vom Export abhängig ist, siehe China jetzt)? Bio und ähnliche verfolgen ein Konzept, wieder von unten die Böden zu stärken, beispielsweise setzt 1% Humus übers Jahr 25kg/ha Stickstoff frei, denn es wird Stickstoff nicht nur gespeichert, sondern auch wieder freigegeben (deswegen muß man ab 4% Humusgehalt auch weniger Nitrat oben drauf werfen).

    Ich finde es schade, daß man immer die Klassiker und das weiter so bedient. Nochmal: Wer nur über Produktionsweisen philosophiert, vergißt schnell mal, daß auch der dickste Ertrag finanziell kaum gewürdigt wird. Das kann man alles gern weitermachen, wenn man perspektivisch eh nicht Landwirt bleiben möchte oder vielleicht als Mandatsträger bei CDU und FDP eine Perspektive sieht (jüngst der eine von der LsV; das waren übrigens diejenigen mit Mercosur und gegen EU-Bodenrahmenrichtlinie als zwei Beispiele), aber unsere Landwirtschaft wird es nicht retten. Bio allerdings auch nicht, es bräuchte eine 100% nachhaltige Landwirtschaft, ein nachhaltiges Konventionell, wenn man so will, ohne Aufpreis für Steiner-Geschwurbel und Blödsinn wie Plocher-Gülle-Sand, wo’s der Sand allein auch täte, aber dafür mit dem Ziel der stabilen Stoffkreisläufe und Böden.

    Mit dem Strukturwandel einhergehendes Höfesterben, Bodenspekulation, Dumpingpreise … das sind die wesentlichen Themen, die Ursachen. Wenn das im Griff ist, dann kann auch so produziert werden, daß es wieder zur Wertschätzung kommt. Gefühlt muß ich jedoch sagen, viele Landwirte scheinen keine Hofnachfolge mehr zu haben und wollen nur noch durchs Loch kommen, was ich schade finde; viel Solidarität ist da auch nicht untereinander, wenn man sich beim Preis gegenseitig unterbietet und der eine wachsen will, darauf hoffend, daß der andere weicht.

    • Der freie Markt bekommt unserem Globus überhaupt nicht.
      Was bildet sich der Mensch nur ein, oder nur die Marketingexperten, die wissen wie sie umweltschädliche Produkte, wie auch Billigfleisch an den Mann bringen

    • Reinhard Seevers sagt

      Na Herr Suhr, wieder die alte Klamottenkiste ausgemistet und alles zusammengesucht, was im Ökosprech so angesagt ist?
      Sie vergessen immer, dass sich die Erzeugung nicht im Luftleeren Raum selbst erzeugt. Je kleiner die Flächenanteile zur Produktion, je stärker die Veränderung im Verbraucherverhalten, je drastischer die Auflagen und Beschränkungen, je unwirtlicher die Vegetationsphasen, je größer der Flächenbedarf der Gesellschaft, je stärker der Güterexport, je geringer der Nachwuchs, je größer der Kapitalbedarf der Betriebe, je unwissender die Bevölkerung, je dominanter unwissende Spendensammelorganisationen……umso weniger Nahrung für die eigene Bevölkerung.

    • Smarti sagt

      Guten Tag Herr Suhr

      Stellen Sie sich bitte einmal vor, sie hätten ein Malergeschäft. Ihnen wird vorgeschrieben, was sie für Farben und Lacke ( die sehr teuren aber umweltfreundlicheren ) nehmen müssen und wie hoch der Lohn der Arbeiter ist. Da auch Strom und Miete hoch sind, brauchen Sie einen bestimmten Quadratmeterpreis um zu überleben. Weil jetzt aber freier Handel angesagt ist, darf der französische Nachbar mit den viel billigeren Farben und den niedrigeren Löhnen mit Ihnen Konkurrieren denn um kostendeckend zu arbeiten braucht er nur den halben Preis. Es ist nicht nur einer, ihre EU- Malerkollegen stehen quasi um Ihr Geschäft. Weil das unfair ist, kriegen Sie ein Trostpflaster, das heisst Subventionen. Ein Teil der Nachbarn beneidet Sie um das leicht verdiente Geld. Und viele Ihrer Nachbarn merken, dass Ihnen bald die Puste ausgeht und geben Ihnen gute Ratschläge: noch teurere, weil Biofarben, weniger Quadratmeter arbeiten, weniger Farbe wegschmeissen… Nur ihre Wände werden Sie nicht streichen, das machen die Kollegen.

        • Doch gerade Aussenfarben, die werden gegen das vermosen eingesetzt,
          dachte man
          Aber dann regnet es in den ersten Jahren raus und schädigt das Grundwasser emenz aber das grüne Moos hat weiterhin die Gelegenheit da zu wachsen. Das ist sinnlose Umweltverschmutzung.

  8. moin, in der uni hab ich gelernt, dass schwangere nicht zum biobäcker gehen sollten, dass kann sehr unangehm werden.
    lebenslang grün-weiss

      • Thomas Apfel sagt

        Mutterkorn, löst Wehen aus, wurde im Mittelalter sogar von Hebammen zur Verstärkung der Wehen genutzt. Die andere gemeinere Wirkung ist das Antonius-, oder St. Antonsfieber, dabei sterben bei Dauereinwirkung die Finger und Zehen ab.
        In Vilnius in Litauen gibt es eine Torkapelle, da ist eine ganze Wand mit kleinen goldenen Füßen und Händen zu sehen. Die wurden über Bußgelder der Gläubigen finanziert, da man das für eine Strafe Gottes hielt. Da oben wird viel Roggen gegessen, der im Mittelalter wahrscheinlich oft mit dem Pilz verseucht war.

        • und da wußte man von der Gefährlichkeit noch nichts?

          Vor Jahren habe ich einen neu eingerichteten Biobetrieb besichtigt, die Getreidesilos alle aus Stahlwänden.

          Ich fragte, warum das?

          Für einen Biobetrieb gehört es sich doch, dass nur Naturstoffe, in diesem Fall eben Holz verwendet, wird warum keine Silos aus Holz?

          Der Agraringenieur erklärte mir, dass sich im Holz die Pilzsporen leichter festsetzen und das kann man sich bei Biogetreide nicht erlauben!

          Nun weiß ich genauer warm!

  9. fingerphilosoph sagt

    Morgens essen wir künftig einfach Getreidebrei, weil man da das Futtergetreide verwenden kann, das keine Backqualität hat. Dazu gibt es einen wurmstichigen oder pilzbefallenen Apfel, den wir ins Müsli wahlweise reinreiben oder dazu essen können. Einmal in der Woche eine Birne, aber bloß zur Birnenzeit. Oder eine Handvoll wurmstichiger Zwetschgen. Orangen und Pfirsiche gibt es keine mehr, weil nicht regional.
    Ach ja, Kaffee gibt’s natürlich auch nicht mehr, bloß noch Malzkaffee. Oder Kräutertee.

    Zum Mittagessen gibt es Kartoffeln. Um 1900 hat der Durchschnittsdeutsche 270 kg Kartoffeln verdrückt: da müssen wir wieder hin. Heute sind es nur noch 60 kg. Ach so, der Unterschied zwischen konventionellem und Bio-Kartoffel-Anbau ist noch größer als beim Getreide, nach meinen Unterlagen minus 63%, das macht aber nichts, wir sind sowieso alle viel zu dick. Dazu gibt es abwechslungsweise Kohl oder Rote Beete. Es wird Zeit, dass alle Hausflure wieder gleich schön nach Kohl riechen. Am Sonntag gibt es ein Stück Hammelfleisch von glücklichen Hammeln auf ungedüngten Streuobstwiesen. Oder von einer glücklichen Almkuh. Schweinefleisch und Geflügel gibt es nicht mehr, weil weder Schweine noch Geflügel wirklich artgerecht gehalten werden können. Zu Weihnachten gibt es Wildschweinbraten mit Klößen und Blaukraut, und darauf freuen wir uns schon das ganze Jahr.

    Das Abendessen lassen wir künftig ganz ausfallen, denn weil wir alle ja nur noch vorm Computer hocken, brauchen wir viel weniger Kalorien wie einst der schwer schuftende Ackerbauer, der dem Unkraut mit seiner Hacke zu Leibe gerückt ist. Es ist ja auch nicht gesund, mit vollem Bauch schlafen zu gehen.

    Was wollt ihr denn ständig alle mit eurem Meckern? BIO ist doch überhaupt kein Problem. BIO ist die Zukunft. BIO macht glücklich, vor allem die Tiere. Und nichts macht den Menschen glücklicher, als wenn die Tiere glücklich sind. Glücklich wird man nur, wenn man Andere glücklich macht. Kapiert es endlich!!!

          • Obstbäuerin sagt

            Dann könnte er rein theoretisch zur Verbreitung der Seuche beitragen. Die Pufferzone geht schon dicht bis an eine unserer Apfelanlagen und dort ist der Wolf aktiv als auch die Wildschweine. Das ist nicht mehr lustig. 🥺

            • firedragon sagt

              Ich sehe, Du machst Dir die richtigen Gedanken.
              Es gibt verschiedene Meinungen dazu, ob eine Übertragung durch den Wolf als Möglichkeit der ASP Ausweitung besteht.

              • Brötchen sagt

                ach das sind eher Krähen und Ratten.

                gestern haben sie zwei halbtote frischlinge gefunden mit bildbericht.
                ein totes wildschwein auf einer Terasse und zwei andere daneben. bisher 13 ASP positive Tiere.

                • firedragon sagt

                  Brötchen, an diese possierlichen Tierchen hab’ ich auch schon gedacht…

                • Ferkelhebamme sagt

                  Rumänien ist das gelobte Land! Habe ich in einem Beitrag über Insektenforschung gelernt. Eine Professorin war mit ihren Studenten zu Studienzwecken dort, und kam aus dem Schwärmen garnicht mehr heraus. Und warum gibt es da so viele Insekten? Weil die Landwirtschaft dort noch in Ordnung ist! (Im Hintergrund rumpelt ein Pferdewagen vorbei)
                  Soll sie doch mit dem Pinguinbeobachter dorthin auswandern, der wäre auch glücklich, denn da gibt’s noch keine industrielle Massentierhaltung.

                • sonnenblume sagt

                  Hast Du das mit der industriellen Massentierhaltung ernst gemeint? Hab da andere Informationen.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Die Rückständigkeit in Verbindung mit der geringen Bildung und dem orthodoxen Glauben stehen im krassen Widerspruch mit den KI-Ansprüchen der urbanen, jungen westlich geprägten Gesellschaft. 4Millionen rumänische Arbeitsmigranten verteilt über ganz Europa…..und Papi und Mami schicken Frischfleisch, Wurst und Geflügel per Express durch die Lande, weil es so gute Produkte in den Ländern, in denen ihre Familienmitglieder arbeiten gar nicht gibt…..und nun treffen Insektenforscher auf den Urtyp des Rustikus und verkünden hernach, dass nur so nachhaltige und schmackhafte Produkte entstehen. Der Kreis ist geschlossen.

                • Stadtmensch sagt

                  “und nun trifft Insektenforscher auf den Urtyp des Rustikus”

                  Ich fand das schon beeindruckend: So locker aus der Hüfte erstmal zwei riesen Sauen zerlegen und gleich an der Schwarte rumnagen. Alles voller Schlamm und Blut…
                  Dazu warmer Pflaumenschnaps. Da kann man schon ins Schwärmen kommen, wenn man Tag für Tag in einer sterilen Büroatmosphäre verbringt.
                  Natürlich kann man das als Rückständigkeit definieren, aber was wir hier machen, mit unseren Kaffee-Pads und Lenkradheizungen und unserem 180kWh Energiebedarf pro Person und Tag kanns ja auch nicht sein. Wird sich zeigen, wer zuletzt lacht.

                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  Also,
                  bei uns war bei der Hausschlachtung kein Schlamm zu sehen, ja etwas Blut gab es zu sehen und an der Scharte hat niemand rumgenagt.
                  Es wäre zu wünschen, das die zarten städtischen Gemüter auch mal sehen, wie das Stück in Plastik einschweißte Fleisch mal ausgesehen hat.

                • Brötchen sagt

                  Ehemalige ich hab Mal eine Schlachtung in Ungarn mitgemacht.
                  Da wird das ganze Schwein abgeflammt ohne zu brühen und dann mit der Schaufel abgeschabt. Ohne viel Wasser eine gute Methode. Ist da etwas rustikaler das wurde dann gleich gekocht.
                  War aber geschmacklich nichts besonderes, eher was schlechteres. War versalzen und kaum gewürzt, war übrigens ne durockreuzung.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Stadtmensch, wenn es grundsätzlich um die Art und Weise des Daseins, der Sinnhaftigkeit, des Ursprungs geht, dann ist die Rückbesinnung immer ein Zeichen der Überforderung. Jahrtausende hat der Mensch vorwärts geblickt, um seine Zukunft zu verbessern, heute blickt man, wie übrigens bereits mehrmals in der Geschichte (siehe Plumpe!!) geschehen aus Angst vor der Zukunft zurück und verklärt das “Alte” als das “Bessere”.
                  Daraus entstanden u.a. die Romantiker, die Heimatbewegungen, die Grünen, die AFD….usw.
                  Es ist eine Angst vor dem Ungewissen.

                • Stadtmensch sagt

                  “Jahrtausende hat der Mensch vorwärts geblickt, um seine Zukunft zu verbessern”

                  Jaja, Reinhard. Ich glaube nicht, dass die Rumänen freiwillig ihr Leben “verbessern” wollen. Also ihre Gärtchen aufräumen, den Müll aus den Straßengräben holen und eine Genossenschaft gründen wollen, wo sie dann ihre Schweine nach modernen Methoden halten wollen.

                  Lies mal hier wie jung die Vorstellung von Entwicklung und einer rosigen Zukunft ist:

                  “Belegen lässt sich diese Zukunftslosigkeit mit Hilfe klassischer Kosmologien und auch damit, dass die meisten Grammatiken früher gar keine Zeitform „Futur“ vorsahen; die heutige Form des Futurs ist eine späte Hilfskonstruktion des ausgehenden Mittelalters.[2] Mit anderen Worten: Die Vorstellung einer zukünftigen Extension oder Expansion irgendeines Aspektes des Lebens ist historisch recht jung. Dasselbe gilt für ihr subjektives Korrelat, nämlich die auf einen individuellen Lebenslauf bezogene Zukunft, die Autobiographie. Biographie und Lebenslauf im heutigen Sinn sind selbst ein Produkt der Moderne.”
                  Aus: https://www.blaetter.de/ausgabe/2011/dezember/aus-fremdzwang-wird-selbstzwang

                • Reinhard Seevers sagt

                  Stadtmensch, ich hatte eher auf deine Weltsicht Bezug genommen, nicht auf die der Rumänen. Die Rumänen lassen ihre Bürger komischerweise in ganz Europa ihre Zukunft suchen, und eben nicht in der Klitsche mit Saustall…..insofern.

    • Aber
      “Dazu gibt es einen wurmstichigen oder pilzbefallenen Apfel, den wir ins Müsli wahlweise reinreiben oder dazu essen können”

      Du weißt doch genau,
      dass der wurmstichige Äpfel eventuell gesundheitsschädlich ist, eben unhygienisch (außer man kann noch das Wurmgestichelte großzügig Rausschneiden.! Wer weiß, was der Wurm alles an sich hatte, der in dem Apfel war oder noch ist!?!
      Mir Zwetschen geht das aber schwierig.

      Pilzbefall = schimmelgefall = hochgiftig

  10. firedragon sagt

    Zum letzten Satz.
    Meines Wissens, erhalten die Bäcker ihr Mehl immer noch von den Mühlen.
    Die Mühlen setzten ihre Mehle so zusammen, dass eine möglichst gleichmäßige Backeigenschaft gegeben ist.

    • Die erhalten das Mehl auch von Großhändlern,

      Der Handel mischt sich doch überall zwischen und vertreibt die Handwerkskunst.
      Große formierte Backstrassen müssen es sein die das Gebäck billig herstellen und vom Mehlgrosshändler dann die Verschiedenen Backzutaten erhält,
      Nicht nur Weizenmehl in verschiedenen Ausmahlstufen, mit Zahlen gekennzeichnet, sondern alle Zutaten, die man in der Backstube braucht, wie Backpulver usw.

      Ich habe mal gehört, dass es in Sundern/Sauerland so einen Großhandel geben sollte.

        • Die Ausmahlstufen (die gröbste ist wohl Schrot) haben auch nichts mit Backqualität zu tun.

          Ich denke es wird nur Getreide mit Backqualtität in Ausmahlstufen gemahlen, damit die Backstuben das so für verschiedene Gebäcke einsetzen können.

          Futtergetreide braucht nur die gröbste Ausmahlstufe, denke ich.

        • Ach mit Handel?

          Doch, je besser die Backeigenschaft, je teurer der Weizen, oder nicht, deswegen doch die Einteilung in Klassen,
          Futterweizen mit wenig oder gar keiner Backeignung ist billiger!

          Warum hat man denn Backweizen selektiert und gezüchtet?

          Sind oben bei den Landessortenversuche mit Bioweizen nicht auch Sorten mit guter Backeigenschaft dabei?
          Bei Bioweizensorten vielleicht mehr als bei KonviWeizenSorten?

          Eine Backstube kauft eben nur Weizenmehl mit Backeigenschaften!
          Da wird es kein teueres und billigeres geben.

          • firedragon sagt

            Inga, sich bezog mich ausschließlich auf “Bauer Willi’s” Frage.
            Auf dem Acker wird Weizen mit unterschiedlichen Werten (Protein, Feuchte usw) geerntet.
            Bevor das daraus gemahlene Mehl, beim Bäcker oder sonstwo landet. Stellen die Mühlen ihre Mehle aus allen (Weizen)anlieferungen so zusammen, dass das jeweilige Mehl, welcher Güte auch immer, über die Jahre hinweg, eine möglichst gleichbleibende Backeigenschaft aufweist.
            Es bringt nichts, wenn nur Topware für einen Zeitraum angeboten wird und dann weniger gute Ware. Der Bäcker braucht eine möglichst durchgehend gleiche Qualität pro Mehlsorte, sonst müsste er ja bei jeder Lieferung ewig rumprobieren, wie sich das jeweilige Mehl backt.
            So wurde und wird uns das von den Mühlenbetreibern erklärt.

            • Die Backqualität bei Weizen ist doch sortenbedingt.
              Die unterschiedlichen Qualitäten machen eventuell Bodenqualität und Witterung des Jahres aus.

              Und da kann der Handel auch nichts gegen tun.

              Die Mühlen können höchstens zumischen!

        • stimmt!

          mich hatte nur geärgert, dass diese Leute eventuell mehr am Mehl verdienen, wie der Bauer, der das als Rohstoff mit Mühe und Kosten herstellt.

  11. Ökoprodukte werden häufig auch mit dem Argument beworben, sie wären weniger “belastet” mit Rückständen (PSM). Wie sieht es eigentlich mit Rückständen natürlichen Ursprungs aus, sprich Pilze, Mycotoxine etc.? Nach meinen Informationen nehmen Rückstände vorallem aus Weizensteinbrand befallenen Beständen derzeit massiv zu (etliche Partieen wurden komplett verworfen). Dies ist auf mangelnde Beizung zurückzuführen. Mit steigenden Anteilen an Ökoflächen nimmt der Druck zu, da Steinbrandporen auch auf Nachbarflächen gelangen können und eben auch bodenbürtig zu Infektionen führen können. Den am meisten mit Spelzenbräune und Fusarien befallenen Weizenbestand, den ich je im meinem Leben gesehen habe, war übrigens ein “Bioweizen”.

    • Bauer Willi sagt

      Es ist logisch, dass Bio-Weizen einen höheren Befall mit Pilzen aufweisen. Es werden ja keine wirksamen Fungizide eingesetzt.
      Bei Rückruf-Aktionen des Handels fallen deshalb auch häufig Müsli-Produkte auf.

      • Dieter sagt

        Über Jahrtausende haben Pflanzen individuelle Verteidigungsmechanismen gegen Schädlinge und Krankheitserreger entwickelt, die den Feinden den Appetit verderben und sie in die Flucht schlagen. Bio-Bauern wissen um diesen natürlichen Pflanzenschutz und stärken ihre Nutzpflanzen in ihrer Kraft und Immunabwehr: Braucht es da überhaupt noch Chemie? Ist Bio da nicht der beste Weg?

        • Bauer Willi sagt

          Die Antwort sehen Sie in der Tabelle oben. Ja, kann man machen, bringt aber weniger Ertrag und muss vom Konsumenten mit höheren Preisen bezahlt werden. Sie wünschen sich das vielleicht, weil Sie gut betucht sind. Fragen Sie aber die Rentnerin, den Studenten oder den Niedriglohnempfänger, sieht die Sache schon anders aus.

          Ich mache jetzt erst seit 45 Jahren Ackerbau, habe aber immer noch keine Pflanze gefunden, die die Schnecken in die Flucht schlägt. 🙂
          Im Ernst: auch ich stärke meine Pflanzen in ihrer Kraft und “Immunabwehr”. Und wähle Sorten mit natürlicher Resistenz aus.

          Warum glauben Sie eigentlich, dass Biobauer klüger oder besser sind? Ich empfinde das diskrimierend…

        • Ludwig sagt

          Diese Pflanzen produzierten allerdings Bitterstoffe bis zu Giften, die in Jahrhundert ausgezüchtet wurden. Wenn sie diese Wieder haben wollen, können wir auch auf Pflschutz verzichten.
          Züchten sie mal eine Zucchini zurück zu ihrer Basis. das werden sie nicht überleben. Braucht übrigens nur max 7 mal eine Selbstbefruchtung.

        • Ehemaliger Landwirt sagt

          @ Dieter

          Genau genommen kann ich nur über 55 Jahre Praxis mitreden, aber ihre Verteidigungsmechanismen kann ich nicht bestätigen.

          Im Internet kann man von einer Bordeauxbrühe lesen, (Kupferkalkbrühe, Spritzmittel aus gebranntem Kalk und Kupfersulfatlösung), die erstmals 1885 von Millardet in den Weinbaugebieten um Bordeaux zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus (Peronospara)) eingesetzt wurde.
          1844 bis 1849 gab es durch die Kartoffelfäule in Europa eine große Hungersnot, allein in Irland verhungerte die Hälfte der Einwohner, ca.1 Million Menschen.
          Im Verkündigungsblatt meiner Heimatgemeinde, Ausgabe vom 14. Mai 1932 stand ein Spritzaufruf, man solle die fressenden Schädlinge mit Bleiarsenat oder einer 2 prozentigen Nikotinseife behandeln. Kein Obsterzeuger sollte diese Behandlung unterlassen.

          Trotzdem einige Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer. Kartoffelkäfer und die Kirschessigfliege dazugekommen sind, sind Teile der Bevölkerung der Meinung, man kann Landwirtschaft betreiben wie unvordenklichen Zeiten.

          • Ja,
            weil die Bevölkerung nicht weiß, dass es eine Weiterentwicklung in der Landwirtschaft gegeben hat!

            Und weil sie unwissend ist, hat sie Angst
            aber bevor sie anständig nachfragt, denn dann müßte sie ja die nicht weiterentwickelten altmodischen Bauern Ernst nehmen und respektieren, lieber macht sie denen lieber Vorwürfe.

            Aber wenn für manche Menschen ein paar Gehirnwindungen zu bemühen sehr anstrengend ist und dieses lieber spart,
            der kommt mit Erniedrigungen besser durchs Leben.

            Über das Phänomen habe ich vorhin gerad ein Vortrag von Prof. Martin Korte Uni Heidelberg gehört.

    • Thomas Apfel sagt

      Der Öko-Prinz zu Löwenherz hat in einer Diskussionsrunde mal so gekontert. “Fusarien sind ein Problem des konventionellen Anbaus, wegen der dichten Bestände. Öko Weizen hat weitere Reihenabstände und gut durchlüftete Bestände, Fusarien sind da gar kein Problem.”
      Hat Jemand Daten zu Unterschieden in der Belastung ?

  12. Thomas Apfel sagt

    Eine Frage noch: Sind die Fruchtfolgen in den obigen Landessortenversuchen reine Bio-Ackerbau-Fruchtfolgen (ohne Vieh) oder simulierte Mischbetriebs-Fruchtfolgen mit Vieh ?
    Hinsichtlich Humusaufbau im Öko-Landbau haben nämlich in den Versuchen von Harriett Gruber (Gülzow MVP) nur bei simulierter Mischbetriebs- Fruchtfolgen Nachhaltigkeit, also leicht steigende Corg Gehalte über 20 Jahre gezeigt (Kleegras und Luzerne an Bio Rinderhalter und Stallmist dafür zurück in die Versuche).

    • Bauer Willi sagt

      Steht nicht im Versuchsbericht, wie die Vorbewirtschaft war. Tut es ja bei anderen Sortenversuchen auch nicht.

      • Thomas Apfel sagt

        Schon klar, ich hab nur halt keine Ahnung, wie solche Sortenversuche bei Öko wie standardisiert und womit gedüngt werden. Könnte ja eine Rolle spielen, schließlich kommen die Nährstoffe bei Öko ja i.d.R. aus der Vorfrucht, oder organischer Düngung.

        • Brötchen sagt

          Thomas in der BZ Nr. 29 ist ein Artikel zu den Landessortenversuchen Öko drin. Werden auf einem Betrieb durchgeführt.
          Ist in der Fruchtfolge des Betriebes drin und wird randomisiert.

          Denke da kann jeder hingehen, war eine öffentliche Zwischenbegehung.

          • Thomas Apfel sagt

            Die Landessortenversuche konvi sind ja quasi vor meiner Haustür. Da wird wegen der Vergleichbarkeit bei Ernährung und Pflanzenschutz alles standardisiert. Das dürfte im Öko-Bereich sehr viel schwieriger sein, mit der Standardisierung, Randomisierung hilft da auch nicht wirklich weiter. Die Frage ist doch immer, wieviel Stickstoff ist wann verfügbar. Werden die niedrigen Öko-Erträge durch zu wenig Nährstoffe, oder durch zeitlich nicht passende Umsetzung/Freisetzung bestimmt ? Schließlich kann ich mit org. Dünger oder aus der Vorfrucht gleiche oder höhere Nährstoffmengen geben wie Konvi.

            • Brötchen sagt

              Sicher Thomas, der andere Vorwurf wäre, nicht praxisvergleichbar.
              Lies dir den Artikel durch.
              Weizen wird wohl dieses Jahr nicht auswertbar sein.

              Was die Ergebnisse betrifft, stehen die ausführlich jedes Jahr in der BZ…gemeinsam von mehreren Bundesländern. Von ganz vielen Getreidearten. Kommentiert auch bezüglich der Umstände.

              So verkürzt, wie das hier steht, ist da auch schwierig was drüber zu sagen.

              Verstehe auch nicht, warum Bauer Willi da nicht hinfährst und fragt.

              Der erwähnte Bericht ist von Schmerwitz, die anderen finden in Jahnsfelde und kerkow statt. Kann man sicher auch vorbeifahren. Ist sicher schon etwas zu spät.

              • Thomas Apfel sagt

                Danke Brötchen,
                die Betriebe kenne ich alle drei, ich dachte nur, dass Landessortenversuche halt in landwirtschaftlichen Versuchsbetrieben unter definierten Bedingungen stattfinden.
                Ansonsten kann ich ja auch AMI verwenden die weisen für Bio-Weizen etwa die gleichen Ertragsunterschiede in der Gesamterzeugung aus, wie die von Willi eingestellten Ergebnisse: 45 – 55 % ggü. Moderner Landwirtschaft.

                • Brötchen sagt

                  falls es dich wirklich interessiert im Amt nachfragen und dann kann man sich das jederzeit ansehen. die freuen sich, wenn das jemand interessiert.
                  ich bin auch schon öfter mal drübergelaufen.

                  der Teufel steckt schon im Detail.

                  so pauschal kann man da nicht drüber gehen.

                  ami die Zahlen kannst du vergessen! das ist nur für den ganz groben Überblick.

              • Bauer Willi sagt

                “Verstehe auch nicht, warum Bauer Willi da nicht hinfährst und fragt.”
                Aber sonst geht es Dir noch gut, oder 😉

                Wie wäre es denn, wenn Du….

  13. Oberländer sagt

    Als vor Jahren keine Braugerste verfügbar war taugte
    überraschenderweise auch gewöhnliche Futtergerste.

    • Ob die dann in Braugerste gemischt, bzw. gestreckt wurde, damit der Eiweißgehalt niedriger war wie bei reiner Futtergerste?

  14. sonnenblume sagt

    Mir ist ein Bericht im TV in Erinnerung, in dem der Bäcker 11% als Backfähig genannt hat. Aber mit altem handwerklichem Backverfahren. 14%, wie heute allgemein gefordert, müssten nicht sein.

    • Elisabeth Ertl sagt

      Ich hab selber schon mehrmals Brot aus Futterweizen gebacken. Funkioniert auch – kommt eben auf die Ansprüche als Konsument an. Ich wollte damit aber nicht die Problematik der Erträge ignoriert haben.

        • MONDAMIN ist nicht Kartoffelstärke, wie ich dachte, sondern

          Maisstärke

          Und wird von Konditoren in Gebäcke mit einem gewissen Anteil je nach Gebäck verbacken.

          Ob

          Gustin

          Mais-, Reiß-, Weizen- oder Kartoffelstärke ist, weiß ich nicht.
          Extra Weizenstärke gibt es in einer Backstube auch.
          Aber Spitzenköche und -bäcker müssen das wissen.

        • Elisabeth Ertl sagt

          Na, dieser Verglich hinkt aber schon! Bei mir ist ganz normales Brot heraus gekommen, halt nicht ganz so fluffig. Unsere Großeltern hatten auch nichts anderes.

          • Unsere Großeltern hatten doch gar keinen Mais,
            der kam wohl erst später aus Amerika hierher, oder?
            die haben das Brot mit Roggenmehl gebacken,
            deswegen auch “Sauerteig” als Triebmittel Triebmittel ,#

            anstatt Hefe oder Backpulver!

  15. Thomas Apfel sagt

    Fast alle Sortenversuche im ÖKO-Bereich in Deutschland zeigen ähnliche Ergebnisse. In der Praxis sind die Ergebnisse oft noch niedriger. Ich habe allerdings in der Bekanntschaft BIO Betriebe, die in einzelnen Jahren mehr erreichen, je nach Vorfrucht, Düngung, Bearbeitungszeitpunkt und Methode. Im Durchschnitt scheinen 50 – 55 % möglich zu sein.
    Mir fallen da immer wieder die Versuche von Taube Anfang der 2000 – der ein: Vorfrucht Rotklee: Erträge im Folgejahr gleich hoch wie konvi. Nur war der diffuse Stickstoffeintrag in den Untergrund dann auch gleich hoch wie konvi. Der “positive Effekt” von Öko auf Umweltfaktoren ist unmittelbar an den niedrigeren Ertrag gekoppelt, mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert