Bauer Willi
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Erlaubt?

Wer oft im Netz unterwegs ist, wird an vielen Stellen aufgefordert, seinen Protest dadurch zu äußern, dass er an die Politiker schreibt. Oft ist auch schon ein vorbereitetes Schreiben dabei, dass man nur kopieren muss und in eine Mail einfügt.

Landwirte haben vor einigen Tagen eine Mail bekommen, in dem sie aufgefordert werden, dies ebenfalls zu tun. Ein vorbereiteter Text ist auch hier beigefügt. Dieses Schreiben stammte aber nicht von Greenpeace oder Campact, sondern von Bayer Agrar Deutschland. Diese Mail sollte bis zum 12. Dezember an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin und an die Europäische Kommission nach Brüssel geschickt werden.

In diesem Schreiben geht es um weitere Beschränkungen für Neonicotinoide, einer Wirkstoffgruppe, die als Insektizide wirken. Als Raps-Beize sind diese Wirkstoffe bereits verboten, am 12 .12. (gestern) sollte über weitere Verbote auch in anderen Kulturen entschieden werden. Bayer hält diese für nicht gerechtfertigt.

Doch es soll hier nicht um Wirkstoffe gehen, sondern um die grundsätzliche Frage, wie eure persönliche Meinung zum Vorgehen von Bayer ist. Kann, darf, soll Bayer (oder auch ein anderes Unternehmen) die gleiche Vorgehensweise wie eine Nicht-Regierungs-Organisation wählen? Das fragt euch

Euer Bauer Willi

 

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42 Kommentare

  1. Aufklärer sagt

    Ich finds gut. Vor allem wenn eine Firma es selbst organisiert unter dem eigenen Namen macht und nicht PR Agent(h)uren gründet / beauftragt diese Kommunikationsaufgabe durchzusetzen.
    Gerade das ist ein wichtiges Zeichen für ein seriöses Anliegen.

    Ansonsten ist es halt ok wenn Lobbyismus stattfindet. Solange halt nicht Bestechung fließt durch Sonderverträge mit Landwirten, die unterzeichnen oder sowas und jeder einzelne seine eigene Meinung in den Prozess einbringt, kein Problem.

    An den staatlichen oder überstaatlichen Prüfungen kommt auch Bayer nicht vorbei. Wenn diese genug Gründe für Verbote finden, kann Bayer da nichts machen, ausser den Diskurs anstoßen, ob der Nutzen das Risiko übersteigt.

    Legitim.

    Es darf sogar für Tabak geworben werden. Öffentlich. Da ist sogar Nikotin drin, das rauchen die Leute. Das ist verboten als Insektizid, zu hart.

    Aber solange die Leute das Zeug inhalieren, sich vergiften damit, kein Thema. Raucherlobby ist eine der widerlichsten und stärksten. Was dieses legalisierte Drogenkartell mit Tabak darf, das darf ein Unternehmen mit seriösen Anliegen zur Bevölkerungsernährung erst Recht, auch wenn die Produkte nicht ganz ohne Risiko für Mensch und Umwelt sein mögen.

    Interessant auch die Aussagen eines Bienenexperten, Dr. Gerhard Liebig.:

    “ Frage: Experimente zeigen, dass sogenannte Neonicotinoide Bienen orientierungslos machen. Wenn es solche Indizien gibt, dass diese Insektizide den Bienen schaden, wäre es dann nicht besser, die Anwendung dieser Substanzen sofort zu verbieten?

    Antwort: Diese Ergebnisse wurden im Freiland mit präparierten Einzelbienen erzielt, spiegeln aber nicht die Verhältnisse im Freiland wider. Die Versuche beeindrucken durch den Einsatz von „Hightech“, liefern aber nur „hot air“. Wenn man einer Biene einen Chip oder einen Transponder auf den Rücken klebt, um ihren Flug verfolgen zu können, dann verändert bereits das ihr Verhalten. Wenn man die so präparierten Tiere zusätzlich mit einer Zuckerlösung füttert und dieser den Wirkstoff eines Pestizids beimischt, ist diese Verhaltensänderung noch stärker ausgeprägt, wobei es dabei auch auf die Dosis ankommt. Häufig wurde zum Nachweis einer Giftwirkung überdosiert.
    Mit einem Neonicotinoid gebeizte Raps- oder Maisfelder werden von Bienen während der Blüte beflogen. Die Bienen sammeln dort Pollen und Nektar. Pollen und Nektar sind in subletalen Dosen mit dem bienengiftigen Wirkstoff kontaminiert. Doch wirkt sich der Eintrag von kontaminierten Pollen und Nektar weder auf das Sammelverhalten noch auf die Volksentwicklung aus. …“

    https://schillipaeppa.net/2017/12/11/der-fehler-steht-hinter-dem-kasten/
    [Auch der Rest erhellend und lesenswert]

    Der Mensch hinterläßt immer einen Fußabdruck, wenn er unberührtes Land betritt, ein Haus errichtet und Nahrung anbaut. Ohne Einfluss geht es nicht, niemals. Wilde Natur wird vom Menschen kultiviert und gezähmt. Wildtier > Haustier genauso: wilde Graswüste > Ackerland.

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  2. Berthold Lauer sagt

    Grundsätzlich darf Bayer, oder wer auch immer, das natürlich. Was aber nicht heißt, dass wir uns vor jeden Karren spannen müssen, der da so am Wege seht. Jeder dieser Konzerne kämpft für seine eigenen Wirtschaftsinteressen, nicht für uns Landwirte, auch wenn sie es gerne so verkaufen!! Da sollen doch mal die Arbeitnehmer und vor allem die Aktionäre protestieren und Petitionen abgeben. In der Pflanzenschutzdebatte standen und stehen wir im Feuer, und zwar ziemlich allein!

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  3. Friedrich sagt

    Normalerweise lehne ich solche Petitionen ab, aber da unsere NGOs auch Wirtschaftsunternehmen i. S. Spenden und Polemik sind , bleibt einer Chemiefirma nichts anderes über , als mit den selben Waffen sich zu wehren. Die NGOs gehen mit den zig Tausend Unterstützern ihrer Petitionen zur Regierung, Abgeordneten, EU usw. und setzen diese unter Druck. Da dort Sachlichkeit nicht mehr zählt , sondern jeder Politiker wieder gewählt werden will , also Wählerstimmen braucht , unterstützt er das als Gutmensch natürlich. So werden Existenzen vernichtet. Leider sind unsere Politiker wirtschaftlich auf ihr Abgeordnetengehalt angewiesen , weil Berufspolitiker, deshalb wären zwei Wahlperioden
    auch genug . — Ich würde die Petition von Bayer sofort unterschreiben, weil die Neos unter dem Strich günstiger für die Tiere und Umwelt sind , als das was nach einem Verbot kommt. Das haben wir ja beim Raps gesehen , aber abwägen gibt es bei den NGOs nicht , sondern nur Stimmung gegen was machen und Spenden sammeln , sowie Aufmerksamkeit erlangen. Glyphosat läßt grüßen .

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  4. Lieschen Müller sagt

    Vielleicht muss man das Anschreiben eher als „unerwünschte Werbung“ auffassen, und dann wäre es verboten. Ein Verein, bzw. neudeutsch NGO hat andere Rechte (und Pflichten) als eine GmbH oder AG.

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  5. Astrid sagt

    Im Prinzip ja, aber die Politiker sind im allgemeinen ohnehin schon die Handlangerinnen der Großunternehmer. Von daher haben die es normalerweise gar nicht nötig.

    Hier wird deutlich, dass Bauern als Unternehmerinnen die Handlanger der Großindustrie sind.

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    • Die Großindustrie möchte das nur!

      Ein Bauer lässt sich nicht ausnutzen, in diesem Fall jedenfalls nicht, anderes sieht es bei den Molkereien aus.
      Wie der Film von der ARTE Mediathek von Lieschen Müller vorgeschlagen zeigt.

      Ich kann es auch aus meiner Lebenserfahrung bestätigen!

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