Bauer Willi
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Eco Schemes: wer hat da nur gerechnet?

Ich habe mal grob kalkuliert, was die neuen Regelungen für meinen Betrieb finanziell bedeuten würden, wenn sie so wie geplant durchgesetzt werden.

https://www.agrarheute.com/politik/oeko-regelungen-so-viel-geld-gibt-pro-hektar-586034

Als Basisprämie werden 150 € pro Hektar gezahlt. Macht bei 40 ha 6.000 €. Dafür muss ich 4% Flächenstillegung machen, dass sind dann bei mir 1,6 ha. Wenn ich statt 4% freiwillig 5% Stillegung mache, sind es 0,4 ha mehr. Da es für den ersten zusätzlichen Prozentpunkt 1.300 € pro Hektar gibt, kommen (0,4 *1.300 €) = 520 € hinzu. Macht 6.520 €

Eine vielfältige Fruchtfolge mit mindestens 10% Leguminosen mache ich derzeit nicht. Dafür gäbe es 30 €/ha. Ackerbohnen habe ich schon mal gemacht und wieder sein lassen, Sojabohnen sind hier im Rheinland mit wenig Erfolg probiert worden, Erbsen wäre denkbar, aber bei den derzeitigen Erlösen müsste ich Geld mitbringen. Der Deckungsbeitrag läge um 300 bis 500 € unter vergleichbaren Kulturen.  Es bleibt also bei 6.520 €.

150 € gibt es für einen Hektar Blühstreifen. Dafür muss ich Saatgut kaufen, die Einsaat erledigen und eventuell die Kultur abmulchen. Wenn ich eine Blühpatenschaft anbiete, bekomme ich 50 Cent pro Quadratmeter. Theoretisch, denn bisher konnte ich nur 500 qm so “verwerten”. Es bleibt also bei 6.520 €.

Für den Verzicht auf chem.-synth. Pflanzenschutzmittel in meinem Betrieb sieht der Gesetzgeber 100 €/ha vor. Das wären in meinem Betrieb 4.000 €. Der Mindererlös durch den Verzicht würde aber ein Mehrfaches dieser Summe ausmachen. Es bleibt also bei 6.520 €.

Alle Regelungen für Dauergrünland oder bestehende Agroforstsysteme kommen in meinem Betrieb mangels Vorhandensein nicht zum Tragen. Die Junglandwirteprämie auch nicht, dazu bin ich zu alt…

Derzeit erhalte ich rund 315 € pro Hektar. Macht bisher 12.600 €. Neu wären es 6.520 €. Das ist die Hälfte.

Für die Umwelt und das Klima wird so nichts erreicht. In meinem Betrieb würde sich ausser 2 ha Stillegung nichts ändern. Das hatten wir schon mal.  Damals – bis 2008 – waren es sogar 10% Stilllegung, es wurde vernünftig entgolten und es hat für die Natur und das Klima sicherlich mehr gebracht.

Die obige Kalkulation kann natürlich jeder kleine Ministerialbeamte oder auch Beamtin in gleicher Weise machen. Eine Halbierung der Zahlungen, wie in meinem kleinen Ackerbaubetrieb, ist nicht ohne weiteres verkraftbar. Die neue GAP wird also dazu führen, dass die Zahl der Betriebe weiter drastisch zurückgehen wird. Damit schaden die Eco Schemes mehr als sie nützen. Das Gegenteil dessen, was angeblich gesellschaftlich gefordert wird, wird damit erreicht.

Und wie wird die Gesellschaft, der Staat reagieren, wenn ich die angebotenen Regelungen nicht annehme? Ihr könnt ja mal ein paar Kommentare dazu abgeben.

 

 

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55 Kommentare

  1. Arnold Krämer sagt

    Die Verlierer dieser Agrarreform sind vor allem die westdeutschen Haupterwerbsbetriebe mit hohen Pachtanteilen, die zudem relativ wenig Fläche bewirtschaften und rund die Hälfte der jetzigen EU-Prämien verlieren, ohne dass die Aussicht besteht, eine Entlastung bei den Pachtkosten zu erfahren.
    Nur bei einer Schocktherapie (alle Prämien ohne Übergangszeiten gestrichen) wäre es möglich, die Pachtpreisniveau einheitlich um den Betrag X nach unten zu drücken. So jedoch wird der eine oder andere Betrieb weiterhin in der Lage sein, mit seiner Betriebsstruktur und Flächenausstattung die Zusatzgelder der Eco-Schemes zu bekommen und sich subventionsmäßig etwa auf dem alten Niveau zu bewegen. Die Signale für den Pachtmarkt werden also uneinheitlich sein und die Verpächter in Gänze nicht zu Zugeständnissen bewegen.

    Ende mit Schrecken wäre besser als Schrecken ohne Ende, würde aber viele im mittlerweile großen Kontroll- und Überwachungssystem quasi arbeitslos machen. Selbst auf so etwas muss die Politik bei ihren Entscheidungen heute achten und sie strengt sich sogar an. Die neuen Spielregeln werden ab 2023 dazu führen, dass für noch weniger praktizierende Landwirte noch mehr Verwaltungs- und Kontrollkräfte benötigt werden. Wo soll das eigentlich hinführen?

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    • Smarti sagt

      Herr Krämer, mal weiter gesponnen, wie könnte so ein Ende mit Schrecken herbeigeführt werden ?
      Georg sucht Mitstreiter, er möchte auf den gemeinsamen Antrag verzichten – wäre das ein Weg ? Oder fliegt dann das Land für immer aus der Förderung – das wäre echt teuer….
      Was wäre wenn: so viele wie möglich so schnell wie möglich auf Bio umstellen ? Die Transformation unbezahlbar machen…

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      • Arnold Krämer sagt

        …..nur mit politischem Beschluss, also von oben angeordnet. Das wiederspricht aber dem Selbstverständnis des gemeinen Politikers, der “Gutes” tun will, insbesondere denen, die ihn wählen. Der Antragsverzicht wird 2023 durch eine Vielzahl von Landwirten erfolgen, aber nur dazu führen, dass man das nicht abgerufene Geld an die anderen verteilen kann.
        Die massenhafte Umstellung auf Bio, um damit das “System” in “Verruf” zu bringen, muss man sich betrieblich und persönlich auch leisten können. Bei flächenstarken Betrieben vor allem in Ostdeutschland ist da einiges möglich, wenn man die schwachen Flächen durch eine Betriebsteilung separat in den “Biostatus” überführt.

    • “Nur bei einer Schocktherapie (alle Prämien ohne Übergangszeiten gestrichen) wäre es möglich, die Pachtpreisniveau einheitlich um den Betrag X nach unten zu drücken.”

      Herr Krämer, Sie kennen doch ganz sicher die Bandbreite bei den Pachtpreisen. Da wäre aus meiner Sicht eine einheitliche Absenkung unrealistisch. Zumal es dann auch eine entsprechende Anpassung der Bodenpreise geben müsste.
      Oder soll die Rentabilität des Faktor Boden sinken? Macht das Sinn?
      Das wäre ein Art Crash . Ich weiß nicht so recht, wer diese Schocktherapie überleben würde. Die Bauern wohl eher nicht.

      • Arnold Krämer sagt

        Die Bandbreite der Pachtpreise im Nordwesten ist nicht sehr hoch. Die Pachtdauern liegen fast alle nur noch bei 3-5 Jahren u.a. wegen der Unkalkulierbarkeit der Agrarpolitik. Wenn die Kapitalverzinsung für neu erworbenen Boden dann weiterhin bei 1 bis max. 2% liegen soll, müssen mit dem Absinken der Pachtpreise auch die Kaufpreise sinken. Das würde die Banken nervös machen und den einen oder anderen Landwirt früher als sonst ohnehin eintretend in die Zahlungsunfähigkeit treiben. So what? Der Crash wird aber kommen, ich weiß nur nicht wann.
        Speziell am Bodenmarkt kann man auch erkennen, dass es in D bei den extrem unterschiedlichen Größen- und Betriebsstrukturen keine allseits zufriedenstellende Entwicklung geben kann.

        • Reinhard Seevers sagt

          Bei Tierhaltenden Betrieben muß die Pachtdauer bei baulichen Maßnahmen mind. 12Jahre betragen, sonst wird die Privilegierung nicht mehr attestiert.

          • Arnold Krämer sagt

            Das ist mir bekannt. Welcher Landkreis kontrolliert aber, ob diese speziell für einen Bauantrag abgeschlossenen Pachtverträge nach Abschluss der Baumaßnahmen auch in dieser Form noch Bestand haben. Entscheidend ist letztlich ja nur, ob die “Scheiße” hinterher vernünftig verwertet wird. Da schaut man seit der Verschärfung der Dünge-VO 2017 mittlerweile in Niedersachsen genau hin, was man früher eben nicht getan hat. Deshalb ja auch die strukturellen Fehlentwicklungen in der Vergangenheit.

            • Reinhard Seevers sagt

              Der Bauherr wird mit der Genehmigung verpflichtet jede Änderung der Flächenverfügbarkeit zu melden….bei Strafandrohung. Das ist dann keine Kleinigkeit mehr, zumal Verbandsklagen vor dem OVG Lüneburg bereits einen Vorgeschmack über die Kontrolle von Außenstehenden belegt haben.
              Da haben viele Externe ein Auge drauf. Außerdem ist mit der DÜV auch fast kein heimlicher Wechsel mehr möglich.

        • “Speziell am Bodenmarkt kann man auch erkennen, dass es in D bei den extrem unterschiedlichen Größen- und Betriebsstrukturen keine allseits zufriedenstellende Entwicklung geben kann.”
          Danke für die Erläuterungen. Ich war gedanklich wegen der tatsächlich einheitlichen Agrarzahlungen eher bundesweit unterwegs. Und konnte mir da einheitliche Lösung schlecht vorstellen.
          Grundsätzlich können wir natürlich den Boden nicht vollkommen losgelöst von anderen assets betrachten. Das war vielleicht früher ein wenig anders, Das stand durchaus die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund. Der Produktionsfaktor. Das ist nach meinem Eindruck heute etwas anders. Es geht tatsächlich mehr um den Vermögensgegenstand, um die Ergänzung des Portfolios. Daher ist es auch sehr schwer eine Prognose über die zukünftige Wertentwicklung zu machen. Sie kann durchaus auch regional ganz unterschiedlich laufen.

          Im engeren Sinn jetzt OT, im weiteren nicht:
          https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/Aus-fuer-Duengemittelverordnung-Bauernverband-MV-fordert-neue-Regelung-und-zwar-schnell-id34274167.html

          Leider weiß ich nicht, ob der Artikel für alle sichtbar ist. Es ging in der Klage um die Düngemittel-Verordnung, insbesondere um die willkürliche Auswahl der Grundwasser-Messstellen bzw. die ermittelten Werte. Und die Klage war erfolgreich! Das ist zumindest ein Anfang…

  2. Ludwig sagt

    Ich denke , daß die EU-Leute schon wissen , was sie da tun, nämlich nichts , außer Geld sparen und die “Grünen Träumer” beruhigen. In dieser Zeit , der mangelnden Betriebsmittel und der zu erwartenden niedrigen Ernten uns auch noch die Stillegung aufzudrücken läst einen natürlich nur den Kopf schütteln und an deren Kompetenz zweifeln. Fest steht , daß durch die Einahmeneinbrüche der EU-Staaten überhaupt kein Geld mehr übrig bleibt für die Bauern und jetzt in der Krise jeder nur an sich denkt und “Rette sich wer kann ” gehandhabt wird. Auch die EZB kann einfach nicht noch mehr Geld drucken als sie es jetzt schon tut. Mit rd. 300 Mrd. Euro/Monat und einer Gesamtgeldmenge von jetzt geschätzten neun Billionen Euro und weiteren 1,85 Billionen bis Ende Februar wird die Gefahr zur immer höheren Inflation immer stärker. Wenn dann auf einmal das Vertrauen in die Währung einbricht und immer noch mehr Leute in die Sachwerte flüchten , ist das Ende des Euro eingeleutet. Wenn die Gelddruckerei so weiter geht , dann können wir ab dem nächsten Sommer von höchster Währungsgefahr ausgehen , doch bis dahin wird man sich noch manch eine neue Aktion ausdenken und die Politik wird bis zu letzt alles “Gut” reden.

    • Mark Rössler sagt

      Das Geld wird nicht eingespart,
      es wird weiter auf die Kommunen umverteilt, die können aus der 2. Säule abgreifen.
      Das war der Plan und fand dadurch natürlich breite Unterstützung aus der Politik.

      Die EU-GAP (Gemeinsame Agrar Politik) -Förderungen werden zur Kommunal Förderung.

      Den Abbau der EU-Gelder hätte man vor Jahren beginnen sollen, dann hätte man nicht eine weitere Generation von Angestellten und Beamten für die Kontrolle und Bearbeitung benötigt. Diese werden nun für Jahrzehnte bezahlt werden müssen.

  3. Elisabeth Ertl sagt

    Nur dass sie Bauern keineswegs die einzigen Deppen sind. Im österreichischen Budget 2022 kommen in Corona-Zeiten die Pflegekräfte in den Spitälern gar nicht vor. Fazit: Sie verlassen jetzt schon scharenweise die Krankenhäuser – mitten in der 4. Welle. Schon allein deshalb droht der nächste Lockdown.
    Also, warum soll es den Bauern besser gehen. Ich bin seit 12 Jahren Selbstausbeutung gewohnt. Das Blöde ist halt: wenn wir aufhören, haben wir selber nichts zu essen. Dershalb machen wir weiter, und die Politik weiß das. Sie wusste es schon im Zeitalter der Leibeigenschaft.

  4. Karl Timme sagt

    Willi dir ist ein Zahlendrehe untergekommen (beim Pflanzenschutzabsatz), den du dann weiter durchgezogen hast (6.520 €- 6.250 €).
    Nichts für ungut.

  5. Thomas Apfel sagt

    Für mich ist das eh uninteressant. Ich habe das mal für einen meiner Nachbarbetriebe fiktiv überschlagen. Der kann bei 1.600 ha und 30 % Grünland alle Maßnahmekarten ziehen und geht dann hinsichtlich der Fördersumme plus minus Null aus. Die dann entgangenen Einnahmen/Deckungsbeiträge aus verminderter Produktion senken das Ganze dann allerdings auf rund 75 % des jetzigen Niveau´s. Das ist im Grund genommen eine allgemeine Absenkung der Fördergelder auf 70 – 75 %. Die großen Betriebe im Osten werden diese Möglichkeiten trotzdem nutzen.
    Die durch Nichtinanspruchnahme und Absenkung frei werdenden Mittel aus der Gesamtsumme liegen dann bei rund 1,5 Mrd. €. Das ist ziemlich genau das, was die Öko-Schiene für den Ausbau auf 20 -25 % der Gesellschaft “in Rechnung stellt”. Und genau das ist, denke ich, der Plan. Das Geschrei um die angebliche Benachteiligung der Öko-Schiene ist geplanter Teil dieser Schmierenkomödie. Die Umlenkung ist längst eingeplant. Es geht nur noch darum sie medial störungsfrei zu verkaufen.

    • sonnenblume sagt

      Alles wohl überlegt, incl. Zeitpunkt der Präsentation. Obwohl es jetzt für die alte Manschaft keine Rolle mehr spielt, hat man sich vor der Wahl sicherlich Gedanken gemacht. Heut nimmt man den Kollegen einen Teil der Arbeit ab und die können so noch einiges drauf satteln.

    • Bauer Willi sagt

      Da sollten jetzt die großen Ackerbaubetriebe antworten. Wenn ich 2.000 ha in MV hätte, ist ja alleine schon die Basisprämie kein schlechter Wert. Alles andere lohnt sich auch da wohl eher nicht, vielleicht auf ganz schlechten Böden die vielfältige Fruchtfolge.

      Ist aber alles Spekulation, gerechnet hab ich es nicht.

      • Ostbauer sagt

        Ich hab zwar keine 2000 ha in MV, kann`s aber mal aus meiner Situation darstellen, allerdings sind wir kein reiner Marktfruchtbetrieb; haben aber genug von der ungefähren Größe in der Nachbarschaft. Ich hab´s mal für unseren Betrieb durchgerechnet und ohne Zahlen zu nennen, gehen ca 25-30% der Ausgleichszahlungen über die Wupper.
        Halbweg`s umsetzen lassen sich bei mir eine optimierte Stilllegung und die Fruchtfolgenvielfalt mit dem Knackpunkt 10% Leguminosenanteil; aber auch nur weil wir als Milchviehbetrieb jetzt schon 8% davon in der Fruchtfolge haben.
        Ein reiner Marktfruchtbetrieb mit 2000 ha müßte 200 ha mit Eiweißpflanzen bestellen. Wenn der keinen gesicherten Absatz in die Veredelung hat, ist” Ende Gerlände”. Vom DB ganz zu schweigen.
        Viele Marktfruchtbetriebe bei uns haben einen gewissen Grünlandanteil ja zwangsweise mitpachten müssen und der wird schon jetzt äußerst extensiv bewirtschaftet. Förderoptimierte Betriebsteilungen sind die logische Schlussfolge.
        Den Rest der ECO Schemes kann ich für mich in die Tonne kloppen, da kann ich dann auch gleich “Bio” machen; was ja wahrscheinlich auch so angedacht ist von Seiten unser hochherrschaftlichen und “weitsichtigen” Führer.
        Also, wie von allen schon vermutet, es läuft auf eine radikale Reduzierung der ersten Säule hinaus mit dem Tenor: Die Landwirte wollen ja nicht!

        • firedragon sagt

          “… Halbweg`s umsetzen lassen sich bei mir eine optimierte Stilllegung und die Fruchtfolgenvielfalt mit dem Knackpunkt 10% Leguminosenanteil; aber auch nur weil wir als Milchviehbetrieb jetzt schon 8% davon in der Fruchtfolge haben.
          Ein reiner Marktfruchtbetrieb mit 2000 ha müßte 200 ha mit Eiweißpflanzen bestellen. Wenn der keinen gesicherten Absatz in die Veredelung hat, ist” Ende Gerlände”. …”

          Stimme Dir zu Ostbauer, gerade in diesem Punkt.
          Das betrifft alle Betriebe, nicht nur die Großen.
          Die “eco schemes” setzen Tierhaltung voraus. Bin mir nicht sicher ob das den “Denker” bewusst ist, wenn die gleichen “Denker” weniger Tiere wünschen.

          • Thomas Apfel sagt

            Gestern Abend beim SWR mal ein Beitrag über “Selbstversorger – Aussteiger” der wirklich sehenswert war. Die haben die Familie über 8 Jahre begleitet. Vor allem die Frage nach der Tierhaltung wurde ganz ruhig und sachlich behandelt. Die hatten aber von vorn herein die Ansicht, dass Tiere dazu gehören und haben das auch recht vernünftig durchgezogen. Fazit nach 8 Jahren (die beiden Kinder aus dem Haus und der mitarbeitende “Mitbewohner ” weg) war.): ..”sie wissen nicht ob sie das noch weiter machen wollen, weil es einfach zu viel Arbeit und zu wenig Geld ist”. Ein erfrischend sachlicher und trotzdem auch persönlich emotional nachvollziehbarer Film über die Grundzusammenhänge der Landwirtschaft – und letztlich auch das Höfesterben.

            • Brötchen sagt

              Auf Arte gibt es einen Bericht über einen Versuch eines Franzosen 3 Monate autark auf einem Bambusfloss im Meer vor Thailand zu überleben.
              Grünalgen, Süsskartoffeln, Blattgemüse, zwei Hühner und eine Ente.

              Glaube in der heisst “Als Selbstversorger auf dem Bambusfloss”

              Die ganzen Probleme, die wir hier besprechen durchlebt er da.
              Kann man sich durchaus auch ansehen.

            • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

              Aussteiger auf Zeit hatte ich hier vor Ort 15 bis 20 Jahre live erlebt.
              Eine Familie aus der Grosstadt und eine WG,deren Mitglieder sehr oft wechselten.
              Viele Unterstützer mit freiwilligen finanziellen Zuwendungen gabs auch,teilweise mit hohen Beträgen.
              Es mangelte letzlich an Toleranz und am Egoismus,weil Arbeit sich leider nicht verbal erledigen lässt.
              Interessant auch das Sendungsbewusstsein: mir wurde ungefragt erklärt,was ich alles anders machen könnte!

          • Smarti sagt

            Firedragon, oder möchte man mit den 10 % Eiweisspflanzen Stickstoff binden und diese Pflanzen dann als Ersatz für Kunstdünger etablieren ? Also eine Erhöhung der Prozentzahlen Jahr für Jahr… ?
            Herr Apfel kennt sicher auch genug solche Leute, die denken, dass Leguminosen problemlos tierischen und künstlichen Dünger ersetzen können. Mit Tierhaltung haben diese Veganer wenig am Hut.

            • Brötchen sagt

              ” Mit Tierhaltung haben diese Veganer wenig am Hut.”

              Auch nicht mit Pflanzenbau!

              Die sehen nur ihre kleine Nische, das das aber gewaltige Auswirkungen hat, sehen die nicht!
              Den ganzen Rattenschwanz….hat ja Willi gut dargestellt….

              kann man alles machen, bringt bloss keine Effekte, die man in Geld sieht…

              Im Osten haben z.b. die Betriebe recht gut gelebt, die nur noch Ackerbau gemacht haben…alle anderen haben das aus anderen Gründen gemacht, aber nicht wegen der Wirtschaftlichkeit!

            • firedragon sagt

              Smarti,
              Stickstoffbindung über Leguminosen in einer Höhe x ist boden- und wetterabhängig.
              Dann kommt es auf die Folgekultur an, was die braucht.
              Ausserdem braucht auch die Pflanze erstmal Input für sich, dann erst für einen Ertrag.
              Ist wie beim Tier, erst der Erhalt, dann Leistung.

          • Andrea Rahn-Farr sagt

            Die Tierhalter – und hier besonders die professionellen Milchbauern – sind ganz besonders gekniffen! Denn für das gesamte Grünland kommt eigentlich keine Maßnahme in Frage. Extensivierung geht nicht – da geht mir ja das ganze Eiweiß im Gras flöten, und das müsste ich dann teuer durch Soja- oder Rapsschrot ersetzen. Bleiben nur die “Altgrasstreifen”. mal sehen, wie viele man davon dann bräuchte…

  6. Reinhard Seevers sagt

    Sind die ECO- Schemes ausschließlich für den Bewirtschafter gedacht, oder kann auch der Eigentümer diese beantragen, sprich ist der Verpächter in der Lage, dem Pächter eine Extensivierung aufzudrücken und die Gelder einzustreichen? ….

    • Ferkelhebamme sagt

      Nur der Bewirtschafter. Aber das hat derVerpächter auch garnicht nötig, warum sollte der sich mit hochkomplizierten Anträgen befassen. Im Pachtvertrag kann er den Pächter zu allem verpflichten: keine Biogasgülle, bestimmte Fruchtfolgen, Bestimmter Anteil Extensivierung, katholisch zu sein etc… Dazu nur fünf Jahre Laufzeit und Pachtpreis gg Höchstgebot, ein Dummer findet sich immer.
      Und dann rumheulen, dass der Pächter rausholt, was rauszuholen ist und die Böden tot sind

  7. Georg sagt

    Hoffentlich gibt es Betriebe, die finanziell nicht auf die Almosen angewiesen sind, und dann keinen Mehrfachantrag mehr stellen.
    Ich weiß, es gibt jetzt schon genügend Gesetze, die wir trotzdem einhalten müssen.
    Ich suche Mitstreiter!!
    Wie können wir uns zusammen schließen?

  8. Wenn man sieht, mit was sich unsere intelektuelle Elite beschäftigt https://www.youtube.com/watch?v=ghTdEtTvZmw
    dann wird vieles plötzlich klar. Es geht um die Abschaffung der lästigen Landwirtschaft, die Diskussion um GAP, farm to fork und Eco Schemes enttarnt sich dadurch als das, was es wirklich ist, nämlich sinnbefreite Beschäftigungstherepie für Agrarökonomen.

    • Smarti sagt

      Vorsicht, dieses Video ist gefährlich für Menschen mit hohem Blutdruck. Ein Argument, warum Lebensmittel zukünftig im Reaktor ( mit genmanipulierten Hefen – das ist aber dann nicht genmanipuliert, weil…) hergestellt werden ist: Bauern werden aus ökonimischen Gründen in Zukunft immr unzuverlässiger in der Bereitstellung von Lebensmitteln, der sagt tätsächlich: “global gesehen schaffen es Landwirte nicht mehr, die wachsende Bevölkerung zu ernähren” – also die Konsequenz daraus: erstmal Förderungen umschichten in eine Lebensmittelproduktion ohne schädliche Umwelteinflüsse – das heisst in seinen Augen klipp und klar ohne Landwirte.
      Die benötigten Gebäude und Geräte seien zwar erstmal teuer im Bau – aber je mehr davon gebaut würden, desto rentabler würden sie. Aha – so wie bei Mietwohnungen in der Stadt ?

      Der Redner kennt und schätzt Permakultur ( viele verschiedene Pflanzen auf einem Acker -bedeutet mittleren Ertrag gegen unglaublich viel Handarbeit – er hat selber bemerkt, dass dies für ein Grossteil der Bevölkerung nicht geht ).

      Weil also Natur nicht klappt: den Landwirten die Förderungen zusammenstreichen, Politik und Verbraucher mitnehmen und je länger je mehr alles unter Glas. Angeblich sollen sogar Kartoffeln schon beinahe rentieren.

      Was würde man machen, wenn unsere Freunde so mit uns umgehen würden ?
      Auf Förderungen verzichten ? Dann kriegen die nur umso schneller umso mehr.

      • Karl Timme sagt

        Prof. Dr. Oliver Stengel hat die von Ihm geschilderte Vision in zwei Stufen eingeteilt:
        1. Landlose konventionelle Produktion (vertikale); Kartoffelbeisspiel

        2. “Zelluläre Landwirtschaft” wobei der Begriff irreführend ist, weil in geschlossenen Fermentern Ribosomen einzelne Komponenten unserer Nahrung produzieren sollen, die dann, je nach zu erzeugendes Produkt zusammengesetzt werden. Das hat mit Landwirtschaft absolut nichts zu tun.

        Wie hier schon vermutet geht es darum die Gelder aus der Landwirtschaft umzuleiten für dieses Projekt!!

      • Stadtmensch sagt

        Tja Smarti, wir waren alle mal Bauern. Bis man uns erst in die Manufaktur, dann in die Fabrikhöllen, dann ans Band, dann in die Bullshitjobs und in die Bespaßungsindustrie der Dienstleistungsgesellschaft gestopft hat.
        Der Prozess ist einfach noch nicht abgeschlossen und wenn die Ökonomen Marx gelesen hätten, wüsste sie auch wo die Reise hingeht.

        Genau – ins Matrix Szenario mit Soilent Green!
        Sind ja auch private Denkpanzer, die hier am Start sind “Schweisfurth Stiftung” usw.

        Permakultur mit Handarbeit und Nutztiere, denen man beim schönen Leben zuschaut…tss… das ist nix für Leute mit Todestrieb. Die alles was lebt, quantifizieren, digitalisieren, generalisieren und über einen Kamm ziehen müssen…

    • Stadtmensch sagt

      Sind in dem Fall keine Ökonomen:

      Prof. Dr. Oliver Stengel studierte Soziologie, Psychologie und Politik.
      Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald studierte Katholische Theologie und Philosophie

      Ich finde es wichtig, dass es noch anderer Sichtweisen gibt, als die von Praktikern und Ökonomen. Ist doch gut, wenn wir in dieser komplexen Welt, wo jeder als Fachidiot vor sich hin werkelt, mal ein Feedback bekommen, was wir überhaupt treiben.

      Muss ja nicht immer eine Rückbesinnung (Religion) sein. Man kann doch auch mal nach vorne schauen?

      Und wenn der Blick nach vorn so deprimierend ausfällt, dann iteriert man eben um neue Ideen herum und probiert sie aus. Also du hast ein komplexes Gebilde mit zigtausend Abhängigkeiten und drückst mal hier und schnippelst mal da, um zu sehen wie es funktioniert. Ok, ich merke gerade das ist kein guter Weg. Ein Modell muss her und dann kannn man auch wieder nachvollziehbar eingreifen.

      • Reinhard Seevers sagt

        “Ich finde es wichtig, dass es noch anderer Sichtweisen gibt, als die von Praktikern und Ökonomen.”

        Wenn man diese steile These auf die Corona-Lage überträgt, dann kann man gar nicht verstehen, dass sich der Hausarzt gestern im Fernsehen so aufregt, weil seine Mitarbeiterinnen derart überlastet seien, dass sie täglich in Tränen ausbrechen, weil sie es einfach nicht mehr schaffen den “anderen Sichtweisen” von Verschwörungstheoretikern und Impfgegnern verständnisvoll und informierend entgegen treten zu können….komisch, sollen sie doch froh sein, dass andere mal eine andere Sichtweise haben.😕

    • Bauer Willi sagt

      Ganz ehrlich? Die hab ich nirgendwo gefunden…
      Damit sieht die Welt ja gleich ganz anders aus.
      Ich werde reich!!!
      Das war jetzt Ironie. Wen wird denn dieser Betrag retten?

      Ich finde die mittlerweile die Grundausrichtung dieser neuen GAP als einen Hohn gegenüber den Landwirten. Und dann ist da ja noch Farm to Fork, die mit Regelungen aufwarten, die jeden Praktiker nur noch mehr frustieren.

  9. Bauer Leo sagt

    Dadurch dass viele aufhören gehen auch vor und nachgelagerte Bereiche dicht. Agrarhandel, lohnunternehmen, Werkstatt. Das macht es für mich als Nebenerwerb noch schwerer obwohl ich finanziell nicht so drauf angewiesen bin. Aber Zeit wird noch knapper!

  10. Jürgen Donhauser sagt

    Reaktion der Gesellschaft und Medien darauf, wenn wir Landwirte nicht davon begeistert sind und sie nicht annehmen? „Die dummen Bauern haben die Zeichen der Zeit nicht verstanden und sind nicht veränderungsbereit!“ oder „Die werden wir mittels Ordnungsrecht schon dazu zwingen.“
    Reaktion der Bauern wiederum darauf: „Sucht euch doch andere Deppen, die das dann tun – wir gehen!“

    • Smarti sagt

      Herr Donhauser, ich empfinde es gerade so, dass es egal ist was man (Bauer) macht. Auf Gelder verzichten – dann freut sich jemand anders über das Geld ( und das ist kein Landwirt ) und nächstes Jahr steht der Betrag nicht mehr der Landwirtschaft zur Verfügung.
      Langfristig könnte ein Teil der Lebensmittel tatsächlich aus dem Bioreaktor kommen, der Rest wächst unter Plastik. Auf dem nun frei gewordenen bösen Ackerland ( nicht meine Meinung ) laufen wieder Urrinder, Wölfe und Hirsche frei.
      Jetzt können sich Landwirte schon mal ein bisschen damit anfreunden, wie es ist, Schritt für Schritt enteignet zu werden. Die Direktzahlungen sind zuviel um darauf zu verzichten, aber zuwenig um davon zu leben… also wie immer.
      Ich bin sehr froh, dass es nicht in meiner Macht steht… aber ganz zynisch könnte man schon sagen: Gott sei Dank wird der Dünger weltweit sehr knapp – ein Jahr weniger Ernte wird die Welt mehr oder weniger gut überstehen… das könnte das Ende mit Schrecken dieser Landwirtschaftsvernichter einläuten.
      Und ist der Schrecken über die schlechten Ernten nur gross genug, wird man sich hoffentlich auch wieder mit Kunstdünger und Pflanzenschutz anfreunden…

      • Paul Großhans sagt

        Hallo Willi,
        bei deiner Berechnung würde noch die Umverteilungsprämie dazu kommen.
        Ab 2023 gibt es für die ersten 40 Hektare ca. 62 €/ha.
        Macht bei dir mit 40 ha 2480€ aus.

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