Bauer Willi
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Die Verschwendung der „Dunklen Materie“

Neulich brachte mich ein Kommentar auf die Idee, mal nachzurechnen, wie viel „dunkle Materie“  und „gelbes Gold“ (beides verlässt den Menschen auf unterschiedlichen Wegen) ein durchschnittlicher Mensch in Deutschland so produziert. Schließlich ist beides ja ein wertvoller Rohstoff und in Zeiten der Nachhaltigkeit lohnt es sich darüber nachzudenken, ob wir nicht alle wertvollen Nährstoffe wiederverwerten sollten.

Weil wir Landwirte ja auch eine Nährstoffbilanz machen, eine sogenannte Hoftorbilanz, in der alles, was den Hof verlässt oder an Nährstoffen hineingebracht wird, aufgeschrieben wird, habe ich jetzt mal ein Stadttor-Bilanz gemacht.

Hier die Zahlen, die ich gefunden habe: Ein Durchschnittsmensch produziert am Tag rund 200 g Kot und 1,5 Liter Urin. Wenn das Jahr 365 Tage hat, sind das 73 kg Kot plus 548 l Urin. Rechnet man das auf 80 Mio. Einwohner hoch, ergibt sich eine Summe von 5,84 Mio. t Kot und 43,8 Mio. t Urin. Verteilt man dies auf 11 Mio. Hektar Ackerland (Grünland wird ja schon vom Vieh versorgt) ergibt dies immerhin 4,5 t Fäkalien pro Hektar. Das Problem ist eigentlich nur das Einsammeln, denn diese Menge entsteht ohne Spülwasser.

Für das Herunterspülen von „dunkler Materie“ (meist einmal am Tag) und „gelben Gold“ (4 bis 5 mal am Tag) gibt die Statistik rund 30 l pro Tag an (es gibt auch andere Angaben). Das sind 876.000.000 Kubikmeter, was dann pro Hektar 79.600 Liter, oder 79,6 Kubikmeter entspricht. Spülwasser plus Fäkalien ergibt zusammen 84,1 cbm/to pro Hektar. Eine ganze Menge!

Die neue Düngeverordnung sieht eine Lagerfrist von 9 Monaten vor. Wir brauchen also für diesen organischen Dünger in Deutschland nur Lagerbehälter für 694.230.000 Kubikmeter zu bauen, und schon könnten wir die wertvollen Rohstoffe aus dem menschlichen Körper landwirtschaftlich verwerten. Ohne das Spülwasser (ich sage nur: Plumpsklo) wären es deutlich weniger, aber wie schon oben gesagt, ist da das Problem des Einsammelns. Und wenn die Mitbürger unseres Dorfes auf mein Feld „machen“ ist das nicht nur ein logistisches Problem…(sondern auch ein optisches… 🙂 )

Eklig, diese Rechnung, werdet ihr sagen. Finde ich nicht. Wir hatten in unserer Kindheit für unser „Geschäft“ ein Dreikammer-System, das wir zweimal im Jahr mit dem Gülle-Fass leergefahren und auf unseren eigenen Äcker ausgebracht haben. Heute sind wir am Kanalsystem angeschlossen (zwangsweise!) und die Nährstoffe sind für uns verloren. Denn mit der Verwendung von Klärschlamm habe ich ein Problem, weil dies eine „bunte“ Mischung von menschlichen und industriellen „Ausscheidungen“ ist. Das ist mir persönlich zu heikel, denn ich weiß nicht, was ich mit den Nährstoffen sonst noch alles angeliefert bekomme.

Wollte ich euch nur mal weitergeben, weil ich so Spaß an der „Scheiß-Statistik“ gefunden habe 🙂 Und weil wir ja auch viel über Nachhaltigkeit reden.

Euer Bauer Willi

P.S.: Die Rechnung für Hunde ergibt übrigens 231.000 t. Davon landet allerdings einiges auf dem Rasen vor unserem Hof. Lecker, besonders beim Rasenmähen…

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84 Kommentare

  1. Eva-Maria sagt

    Vor 50 Jahren, als man noch kleinbürgerlich dachte und die Menschen relativ ungebildet waren, haben die Haus- und Gartenbesitzer ihren eigenen Dung im Herbst auf die Gartenbeete ausgebracht, man konnte die Familie fast gratis mit frischem Obst und Gemüse versorgen.
    Heute entsorgt der gebildete, global und gesamtheitlich denkende Mensch seinen Dung teuer über die Kanalgebühr, der Dung wird dann in der Kläranlage gefiltert, aus dem Klärschlamm und dem teuer entsorgten Grün- und Strauchschnitt der Gartenbesitzer wird gute, teure Pflanzerde erzeugt, die der moderne Hochbeetbesitzer jährlich auf sein Hochbeet aufbringt, um es wieder aufzufüllen. Die Versorgung mit eigenem Gemüse ist mäßig und teuer, aber so schließt sich der Kreislauf und alle haben damit verdient.

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    • Paulus sagt

      Hallo Eva-Maria,
      also, ich bin schon sehr froh darüber, dass eine Kanalanschlusspflicht besteht. Die Brühe die in unserem Haushalt so anfällt würden wir uns jedenfalls nicht auf die Gemüsebeete kippen. Abgesehen davon, dass zumindest Rückstände von Kosmetika, Haushaltsreinigern, Waschmitteln, Medikamenten, etc. ja auch irgendwann im Grundwasser landen. Nein danke!
      Mit einer kleinbürgerlichen Denkart, wie Du es so charmant bezeichnest, kommen wir was die Abfallwirtschaft betrifft, garantiert nicht weiter. Das ist eine durchaus ernst zu nehmende Ingenieurdisziplin die sich aus unterschiedlichen Wissenschaften zusammensetzt. Aus dem Klärschlamm wird zunächst mal nur Wärme erzeugt aber eher keine Pflanzenerde. Geh mal in einen Gartenmarkt und schau was auf der Rückseite der Plastiksäcke steht. Wenn Du das verstehst reden wir gerne weiter 🙂

      Interessant sind auch die Beiträge der eher philosophisch angehauchten Fraktion.
      Leute, es geht doch zentral um die Aussage von Willi, dass ihm die Nährstoffe aus den menschlichen Ausscheidungen seines Haushalts, im Gegensatz zu früher nicht mehr zur Verfügung stehen und um eine sogen. Stadttorbilanz. Die von ihm aufgezeigte Statistik ist nur bedingt relevant und soll nach meiner Auffassung allein zum Nachdenken anregen. Oder habe ich das falsch verstanden?
      Das hat mit Gülle aus der Viehhaltung, der Art der Ernährung und was da sonst noch so alles aufgezeigt wird nichts zu tun.
      Kommunale Abwässer (Schmutzwasser) werden zu unser aller Glück nun mal in Kläranlagen geleitet und dort aufbereitet. Beim Durchlaufen der Reinigungsstufen gewinnt man (vereinfacht) Methangas, Sediment und Wasser. Das Methangas wird in Wärmeenergie umgewandelt, das Wasser wird in Gewässer eingeleitet. Was bleibt ist ein Sediment und das wird als Klärschlamm (in welcher Konsistenz auch immer) bezeichnet. Um dieses Produkt und dessen Verwendung geht es und um nichts anderes.
      So, jetzt könnt ihr mich mit euren geistigen Ergüssen, denen ich als einfach gestrickter Naturwissenschaftler wahrscheinlich eh nicht folgen kann gerne niedermachen. Halte mich aber für durchaus lernfähig und entziehe mich auch nicht eines groben Keils. Ich habe es ja schließlich provoziert.

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      • AdT sagt

        „…sollen zum Nachdenken“ anregen. Hat doch geklappt, auch wenn sich die thematischen Schwerpunkte nach dem Geschmack der Foristen entwickeln. Der Bezug zur Gülle aus der Viehhaltung und damit auch zur Art der Ernährung ist aber durchaus vorhanden und bezweckt, wenn Willi schreibt: „Schließlich ist beides [Gelbgold und dunkle Materie] ja ein wertvoller Rohstoff und in Zeiten der Nachhaltigkeit lohnt es sich darüber nachzudenken, ob wir nicht alle wertvollen Nährstoffe wiederverwerten sollten.“ Der eine hat es eben mehr mit der Ernährung, der andere mit dem Feuer und den Cyborgs, wieder andere mit Empörung: Kanalanschlusspflicht, Freiheitsberaubung, Frevel! Willi weiß bestimmt ganz genau, welche Knöpfe (Reizwörter, Assoziationen) er drücken muss, um bestimmte Reaktionen zu erzeugen. 🙂

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  2. Paulus sagt

    Hallo Willi, da hast Du mal wieder ein dankbares Thema aufgegriffen über das man schön kontrovers diskutieren kann. Zunächst einmal: Relevant ist nach meiner Auffassung nicht die absolute Masse an Ausscheidungen in Lösung, sondern „annähernd“ eher die Trockenmasse, zumindest was die Nährstoffe betrifft. Von der Tonnage an Urin bleibt da schon nicht mehr viel übrig. Insofern ist die Statistik zwar gut und schön aber gleichzeitig völlig Lala.
    Und jetzt mal ehrlich, hättest Du heute noch eine Dreikammergrube, würdest Du deren Inhalt garantiert nicht mehr auf deinem Acker verklappen. Es sei denn, Du leitest alle Abwässer aus z.B. Wasch- und Spülmaschine in den örtlichen Bach. Die Zeiten mit dem Jaucheschöpper wirst Du dir ganz bestimmt nicht ernsthaft zurückwünschen.

    Nach meinem Kenntnisstand wird Klärschlamm, je nach Betrachtungsweise, mal als wertvolle Ressource und mal als Sonderabfall angesehen. Ohne thermische Vorbehandlung, sprich Verbrennung, darf dieser jedoch noch nicht einmal auf Deponien verbracht werden. Wer das Zeug auf seinem Acker entsorgt, dürfte sich selbst bei Einhaltung der Klärschlammverordnung, bei deren Studium mir als Ingenieur leicht schwindelig wird, zumindest leichtsinnig verhalten. Bleibt also die thermische Verwertung zwecks Energieumwandlung und die Rückgewinnung von Phosphat, weil die natürlichen Lagerstätten nun mal begrenzt sind.
    „Nach heutigem Kenntnisstand zeichnet sich ab, dass ein effizientes Recycling von Phosphor in großtechnischen Anlagen möglich sein wird.“ So lautet es in einem Positionspapier der DWA* aus 2015. Bis heute existieren diese Anlagen im Laborformat.
    Wie das mit der thermischen Verwertung der nicht zu unterschätzenden Mengen nach Abschaltung der Kohlekraftwerke vonstattengehen soll, darüber machen sich z.Zt. fachkompetente grüne Spitzenpolitiker Gedanken. Dieser Satz darf als Ironie verstanden werden.

    *DWA = Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

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    • Bauer Willi sagt

      Genau genommen müsste man sogar den Nährstoffgehalt in der Trockensubstanz heranziehen. Dazu habe ich aber keine Zahlen gefunden.
      Zu der Zeit, als wir das Dreikammersystem hatten, hatten wir noch keine Spülmaschine. Aber alle Häuser, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind, verrieseln ja auch heute noch ihre Abwässer. (heißen die nicht Rigolen)
      Bauer Willi

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      • Paulus sagt

        Hallo Willi,
        zumindest in NRW ist die Versickerung über Rigolen nur für Niederschlagswasser zulässig. Und das auch nur bei bestimmten Voraussetzungen, wie z.B. ausreichende Bodendurchlässigkeit etc. Es gibt da ein informatives Merkblatt vom Rhein-Kreis Neuss.

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  3. Fred sagt

    Eigentlich wäre das der richtige Ansatz zu einem geschlossenen Nährstoffkreislauf. Man sollte sich schon mal Gedanken machen woher Phosphor und Kalium kommen und wir lange die Reserven noch reichen… Mit dem
    heutigen System gehen solche Nährstoffe dem Kreislauf verlohren.
    Frage: wie siehts es in Europa aus so wegen Schlachtnebenprodukte / Schlachtabfällen? Da sollte man so wegen Resoursenschutz, Eiweissversorgung und Sojaanbau in Auf gerodetem Urwaldboden in Brasilien auch mal über die Bücher.

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  4. AdT sagt

    Durch die Tierhaltung gehen vor allem Nährstoffe verloren bzw. stehen der Rückführung auf die Äcker nicht mehr zur Verfügung.

    Ein Teil wird in Form von Ausscheidungen aufgefangen, ein anderer Teil wird veratmet, ein großer Teil wird wie beschrieben als Fleisch und Milch sowie als Knochen und Leder der Rückführung auf die Äcker entzogen. Vor allem aber gehen durch den Grundumsatz des Tieres zu einem ganz erheblichen Teil pflanzliche Kalorien verloren, die direkt der menschlichen Ernährung zugeführt werden können (wir wissen ja, dass neben Leguminosen auch gerade Getreide ein sehr gutes Nährstoffprofil auch für Menschen aufweist, d.h. ein günstiges Verhältnis von Proteinen und Kohlenhydraten).

    Der Nährstoffanteil aus den Pflanzen, der über Gülle auf die Äcker zurückgeführt wird, kann auch direkt aus Pflanzen(abfällen) zurückgeführt werden. Der Organismus des Tiers wandelt die pflanzliche Substanz ja nur um, so dass in den Exkrementen Nährstoffe aus Cellulose und Lignin gelöst vorliegen und in dieser Form von Pflanzen gut verwertet werden können. Diese (verlustreiche) Aufbereitung müsste ohne Tierhaltung also außerhalb des Tieres erfolgen (z.B. durch Kompostierung, bei der es auch Möglichkeiten gibt, eine Verkrautung der Äcker zu verhindern). Solange Gülle (mehr als) ausreichend anfällt, kann man sich diesen Aufwand sparen. Dieser Aufwand ist in der Gesamtbilanz im Vergleich zur Tierhaltung aber deutlich geringer, zumal weniger Nährstoffe verloren gehen.

    Nun gehört es zur individuellen Freiheit der Menschen, so viel Fleisch und Milch nachzufragen, wie sie möchten. Eine andere Frage ist, ob die staatliche Förderung der Tierhaltung sinnvoll ist. Zur Wahrheit gehört es auch, die Menschen redlich über Alternativen aufzuklären. Das sollen nicht die Tierhalter tun, denn man kann von niemandem verlangen, gegen seine Interessen zu sprechen. Aber man sollte die Aufklärung über vegane Ernährung und veganen Pflanzenbau nicht behindern durch Fehlinformation und Täuschung. Häufig werden alternative Fakten gegen eine echte alternative Ernährung gesetzt. Das ist nicht schön – selbstverständlich sollten auch Veganer keine Unwahrheiten verbreiten.

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    • Pflanzenernährer sagt

      Sehr geehrte/r AdT,
      durch die Tierhaltung gehen Nährstoffe nicht verloren, da sie zu einem großen Teil direkt als Wirtschaftsdünger zurückgeführt werden! Nährstoffe aus tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln steht die Option zur Verwertung durch Pflanzen gleichermaßen offen. Also sind hier tierische Lebensmittel nicht schlechter als pflanzliche. Sind deshalb pflanzliche Lebensmittel zu verdammen?
      Cellulose und Lignin sind keine Nährstoffe für Pflanzen. Die Pflanzen können beide nicht aufnehmen. Außerdem brauchen sie solche Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor. Kohlenstoff nehmen die Pflanzen bekanntlich als CO2 aus der Luft auf. Bitte erläutern Sie die Zusammenhänge, auch dass Gülle (mehr als ausreichend) anfällt. Letzteres betrifft nur die Tierhaltungshochburgen und nicht die gesamte Bundesrepublik.

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      • AdT sagt

        Guten Abend, Herr Pflanzenernährer,

        „Nährstoffe aus Cellulose und Lignin herauslösen“ meinte: die Nährstoffe aus den pflanzlichen Zellwänden, bestehend aus Cellulose, Lignin etc., und aus dem Zellinneren herauslösen.

        Alle Nährstoffe für Pflanzen – Stickstoff, Phosphor, Kalium – sind ja in Pflanzen enthalten. Pflanzen sind ja autotrophe Lebewesen. Sie stimmen mir sicherlich zu, dass es unsinnig wäre, Fleisch zu erzeugen, nur damit Gülle zur Pflanzenernährung anfällt. Sie behaupten ja auch nicht, sich an Ihren eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen zu können.

        Für Tierhaltung, insbesondere von Monogastriern, werden zur Futtererzeugung weitere Anbauflächen benötigt. Denn nur ein kleinerer Teil der Pflanzenkalorien wird in tierliche Körpersubstanz umgewandelt, von der auch nicht alles essbares oder zu Leder verarbeitbares Fleisch ist. Diese Futterbauflächen müssen eigens gedüngt werden.

        Problematisch dabei ist Phosphor, das derzeit vor allem bergmännisch gewonnen wird und so nur noch für gut 100 Jahre reichen soll, jedenfalls begrenzt verfügbar ist. Phosphor aber wird nicht über Gülle zurückgeführt, da es in Knochen der Tiere gebunden wird. Düngte man z.B. mit kompostierten Pflanzenabfällen, würde mehr Phosphor in den Acker zurückgeführt.

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        • Pflanzenernährer sagt

          Sehr geehrte/r AdT,
          ich denke es ist unstrittig, dass Cellulose und Lignin praktisch keine Pflanzennährstoffe enthalten.
          Ich stimme Ihnen absolut zu, dass es unsinnig wäre, Fleisch zu erzeugen, nur damit Gülle zur Pflanzenernährung anfällt. Leider ist es so, dass die Natur es so eingerichtet hat, dass der Mensch „Allesfresser“ einschließlich Fleischverzehr ist. Ich verstehe die Zielrichtung der Diskussion nicht: Fleischverzehr im angemessenem Rahmen ist doch nichts verdammenswertes, insbesondere wenn es sich um hervorragend zubereitete Lebensmittel handelt. Bei Bedarf kann ich Beispiele nennen.
          Zum Thema Phosphor: Die theoretische Reichweite der Rohphosphate berägt weit über 100 Jahre und ist der Quotient aus den bekannten Vorräten und dem Jahresverbrauch. Also handelt es sich um variable Größen. Ein erhöhter P-Düngebedarf entsteht, wenn ausschließlich Marktfrüchte angebaut werden und Nährstoffrückflüsse z. B. der Tierhaltung oder Siedlungsabfällen fehlen. Übrigens ist die Rückführung des Phosphors der Knochen unter Beachtung des Tierkörperbeseitigungsrechts möglich. Die Aktivitäten der P-Rückgewinnung aus Abfällen sind sicher allgemein bekannt und brauchen hier nicht erläutert zu werden.

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          • AdT sagt

            „Fleischverzehr im angemessenem Rahmen ist doch nichts verdammenswertes.“

            Was ist angemessen? Was die DGE, WHO, USDA etc. zur Gesunderhaltung als Maximum empfehlen? Dann müsste sich die Fleischnachfrage in Deutschland halbieren. Nicht im Interesse von Tierhaltern.

            Jedenfalls schadet Massentierhaltung auch unbeteiligten Menschen. Siehe FAZ von gestern (bislang nur Papierausgabe), „Mehr tödliche Keime aus dem Hähnchenstall. Wissenschaftler schlagen Alarm“ zu Warnungen des BfR aufgrund am Mittwoch vorgestellter Forschungsergebnisse.

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    • Die Tiere aus unserem Leben abzuschaffen und stattdessen die Felder mit menschlichen Ausscheidungen zu düngen, bedeutet eine ungeheure Verengung des Naturkreislaufs, der sich dann nur noch auf zwei Komponenten beschränkt: auf der einen Seite der Acker, der Getreide, Gemüse, Obst hervorbringt, auf der anderen Seite der Mensch, der Fäkalien und Urin hervorbringt.

      Ein funktionierendes Ökosystem hat wesentlich mehr Komponenten mit wesentlich mehr Verflechtungen, und nur dadurch ist es stabil. In einem komplexen System katalysieren oder blockieren sich die einzelnen Elemente untereinander, es kommt zu Wechselwirkungen und Rückkopplungseffekten, und erst durch die Fülle der Reaktionen stabilisiert sich das Netzwerk selbst. Dasselbe gilt auch für unsere Nahrungssituation. Je mehr wir unseren Nährstoffkreislauf einschränken, desto weniger Ausweichmöglichkeiten, desto fragiler die Versorgung. In der Natur funktioniert nichts bloß bipolar, deshalb gibt es ja Artenvielfalt und Biodiversität.

      Die Tierwelt hat sich in Symbiose mit der Pflanzenwelt gleichzeitig entwickelt. Die Landwirtschaft spiegelt diese Symbiose. Wenn Pflanzen dauerhaft nur mit Pflanzenabfällen gedüngt werden könnten, wäre die Tierwelt überflüssig.

      Der Prozess der Agrarisierung hat nur deshalb geklappt, weil dem Getreideanbau das nomadische Hirtentum vorausging. Wäre das nicht in dieser Reihenfolge geschehen, wäre die Agrarisierung zum Stillstand gekommen, nachdem die einmalige Aschedüngung durch die Brandrodung aufgebraucht war.

      Ausgerechnet bei der wichtigen Frage der Ernährung will man es besser als die Natur wissen und bloß einen bipolaren Kreislauf fahren? Das ist schon ziemlich riskant. Um nicht zu sagen selbstmörderisch.

      Der nächste folgerichtige Schritt in dieser Denkweise wäre dann wohl die Eigenurintherapie als Ernährungsform.

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      • AdT sagt

        Tiere abschaffen, Nährstoffkreislauf einschränken, von tripolar auf bipolar?
        What?

        Stoffwechsel von Eukaryoten, Pflanzen und Tieren – taxonomisch ist auch der Mensch ein Tier und kein Cyborg, um auf Ihren Beitrag unten abzustellen – kennen keine Pole, sondern nur Nährstoffe – chemische Elemente und Moleküle – egal, wo sie herkommen.

        Häufig werden Veganer als ideologisch und dogmatisch hingestellt. Ich frage ich mich, wer hier ideologisch und dogmatisch verblendet ist. Guten Abend!

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        • Guten Morgen!

          Die Position der Veganer ist die, dass es keine Nutztiere mehr geben soll. Also werden die Nutztiere von der Welt verschwinden, sollte die Welt vegan werden. Es wird keine Kühe, Schafe, Rinder und Ziegen mehr geben. Auch Hunde und Katzen werden verschwinden. Diese Tiere sind Kulturfolger und keine Wildtiere. Wenn der Mensch sie nicht ernährt, verschwinden sie. Das ist eine logische Folge aus dem, was Sie hier erzählen.

          Der natürliche Stoffwechselkreislauf führt zu Vielfalt. Das vegane Modell nicht. Ich bin gerne bereit, hierüber mit Ihnen zu diskutieren.

          Es gibt in der Mongolei und im asiatischen Teil von Russland heute noch Volksstämme, die sich als Nomaden so gut wie ausschließlich von ihren Tierherden ernähren. Es gibt keinen einzigen Volksstamm in der Geschichte der Menschheit, der sich nachweislich ausschließlich vegan ernährt hat.
          Den größten Anteil an Vegetariern gibt es unter den Indern, aber bei den Indern ist das Ghee (Butterschmalz) heilig. Und das aus gutem Grund.

          Wenn es Ihnen egal ist, woher die Nährstoffe kommen und Sie wirklich nur die chemischen Elemente statt Äpfel, Birnen und Wurst sehen, können Sie auch Soylent zu sich nehmen. Oder im Labor hergestellte künstliche Moleküle. Damit würden Sie noch mehr von dem verhindern, was Sie LEID nennen.

          Die Reduktion der konkreten Erscheinungsformen (wie Äpfel, Birnen, Wurst) auf Allgemeineres (wie chemische Elemente) ist einer der wesentlichen Mechanismen, welcher der Vercyborgisierung des Menschen und der Vertechnisierung der Welt Vorschub leistet. Genau durch diese Verallgemeinerung werden natürliche Abläufe auf technische Funktionen reduziert.

          Nicht, dass die Bauern oder irgendjemand sonst von dieser Denkweise frei wäre. Deshalb ist ein Krankenhaus ja auch eine Reparaturwerkstatt, wo der Mensch als Maschine behandelt wird.

          Bitte sagen Sie mir, was an meinen Argumenten ideologisch und dogmatisch ist und warum. Dann können wir darüber diskutieren.

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          • Stadtmensch sagt

            Ich hänge mich mal in die Diskussion rein wie ein Tauchsieder, weil sie so interessant ist 😉
            Was haben denn die Philosophen gegen ein „Vercyborgisierung“?
            Ist doch laut ihrer Argumentation auch nur die logische Folge der Feuernutzung (also evolutionäre Selbsorganisation).
            Außerdem bin ich mir sicher, dass die Entwicklung brauchbarer Modelle zur Beschreibung von Zusammenhängen auf Teilchenebene immer weiter gehen wird auch wenn wir die „Weltformel“ nicht finden werden.
            Ich gebe ihnen recht, dass die Trennung pflanzlicher und tierischer Stoffkreisläufe wieder viel Potential für unbeabsichtigte Folgewirkungen bietet und außerhalb des Labors bis auf weiteres möglichst vermieden werden sollte. Wir haben schon genügend Probleme, den vielfach gestörten Stickstoffkreislauf wieder herzustellen (nicht nur in der Landwirtschaft)

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            • Meiner Ansicht nach ist der Mensch tatsächlich von allem Anfang an durch die Feuernutzung ein Cyborg. Mit meinen Artikeln versuche ich erstmal, mir selber klarzumachen, was das für unser Bild vom Menschen bedeutet und was das für Konsequenzen hat.
              Ich finde, dass sich viel von dem, was wir als Menschen treiben, unter dem Aspekt der Vercyborgisierung erklären lässt.

              Die meisten Menschen lieben Technik mehr als die Natur, selbst wenn sie ständig das Gegenteil behaupten. Auto, Radio, Fernsehen, Internet haben sich in Windeseile um die ganze Welt verbreitet, ohne einen langwierigen Bewusstseinswandel. Und ohne dass man den Menschen einreden musste, dass sie das brauchen.

              Was Ernährung oder mehr Nähe zur Natur angeht, erziehen wir jedoch ständig aneinander herum, ohne dass sich wirklich grundlegend was ändert. Wir reden vom achtsamen Umgang mit der Natur, während wir neue Straßen bauen. Ich habe eine Zahl von 45.000 Hektar im Hinterkopf, die jährlich in Deutschland versiegelt werden.

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            • Stadtmensch sagt

              Den ganzen Hype um die Technik haben doch schon immer die „Intellektuellen“ gemacht. Der Ingenieur „arbeitet“ doch nur mit den Formeln wie der Gärtner mit Samen und Gieskanne:

              https://de.wikipedia.org/wiki/Futurismus
              „Wir werden die großen Menschenmengen besingen, welche die Arbeit, das Vergnügen oder der Aufruhr erregt; besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige Flut der Revolution in den modernen Hauptstädten; besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden; die gefräßigen Bahnhöfe, die rauchende Schlangen verzehren; die Fabriken, die mit ihren sich hochwindenden Rauchfäden…“

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            • bauerhans sagt

              „dass die massenhafte Intensivtierhaltung und Großfischerei ökologisch schädlich sind.“

              die massenhafte ausdehnung des menschen,der emotional,egoistisch und aggressiv handelt!!

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          • AdT sagt

            Ich würde gern mit Ihnen darüber diskutieren. Zunächst nur so viel:

            Ihre „logische Folge“ erscheint mir nicht eine solche zu sein. Unter Veganern mag es Träumer geben, Träume sind, was sie sind. Schon mal die Konsequenzen einer weiteren globalen Zunahme des Fleischkonsums überlegt, die ja aufgrund der großen Wachstumsmärkte im globalen Osten da ist?

            Die Zunahme beruht ja auch darauf, dass viele Menschen den westlichen Lebens- und Ernährungsstil als Vorbild nehmen (jetzt kann man mir etwas zwischen nationaler Überheblichkeit und Eurozentrismus vorwerfen – damit kann ich aber leben). Daher brauchen wir zunächst in Deutschland, Europa, USA viel mehr Veganer und Vegetarier. Wenn auf einmal alle Menschen, Hunde und Katzen Veganer zu werden drohen und sich hierdurch Probleme abzeichnen sollten, können wir immer noch diskutieren. Mein Veganertum jedenfalls ist keine feststehende Ideologie, sondern folgt aus einer Werthaltung, aus der ich auch zu anderen Schlussfolgerungen kommen kann, wenn sich die Umstände ändern.

            Gegen functional food habe ich grundsätzlich nichts. Viele nehmen jetzt schon eine Art Soylent zu sich: Proteinshakes nach dem Krafttraining. Ist lecker und kann seine Berechtigung haben, aber wer wollte daneben auf eine richtige Mahlzeit verzichten? Das Auge isst mit.

            Übrigens, die vermeintlich so unnatürliche pflanzliche Ernährungsweise kann so manche Stoffwechselstörung wie morbide Fettleibigkeit und Diabetes lindern oder heilen helfen. Ich bin gesund, aber ich habe meine Form erheblich verbessert. Ob die vegane Ernährung kausal dafür ist, weiß ich nicht, sie fällt aber mit der Formverbesserung zusammen.

            Mit „ideologisch“ meine ich, dass viele Personen (gesundheitliche) Vorteile einer pflanzlichen Kost direkt abstreiten, weil sie glauben (!), dass „vegan“ – nur weil synthetisiertes Vitamin B 12 eingenommen werden muss – nicht gesund sein könne, weil „gesund“ mit „natürlich“ gleichgesetzt wird. Es gibt aber auch keine „natürliche“ Fleischmenge. Frühmenschen haben im Norden viel Fleisch gegessen, im Süden viel Beeren. Sei’s drum, Menschen müssen schauen, was für sie jetzt und in Zukunft gut ist und offen für Neues sein.

            Zu der Nährstoffrückführung s. meine Beiträge oben. So, jetzt habe ich doch wieder mehr geschrieben als ich wollte 🙂

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            • Wenn sich einige Nomadenstämme in Eurasien fast ausschließlich von Fleisch ernähren, ist das eine hochspezialisierte Ernährungsweise, die für diese Stämme passt.

              Wenn sich einige Menschen in Stadtlandschaften vegan ernähren, ist das eine neue Ernährungsweise, die durchaus eine Nische abdecken kann. Ich bestreite gar nicht, dass für einige Menschen in einem hochindustrialisierten Umfeld wie einer Stadt eine vegane Ernährung die passende Form ist.

              Veganismus ist eine hochspezialisierte Ernährungsweise, die nicht regional funktioniert, sondern auf eine globale Infrastruktur angewiesen ist, denn mit dem, was regional in Deutschland wächst, können Sie sich nicht ausschließlich vegan ernähren. Zumindest im Winter müssen Sie auf Importware zurückgreifen. Es ist aber die globale Infrastruktur, die fürs Artensterben wesentlich mitverantwortlich ist, denn ein Großteil der Wildtiere verschwindet überall dort, wo Menschen ihre Infrastruktur ausbauen.

              Was nun aber gar nicht geht, ist: eine hochspezialisierte Ernährungsweise, wie sie für manchen Stadtbewohner durchaus passen mag, zur bestmöglichen Ernährungsweise für alle oder doch zumindest für einen Großteil der Menschen auszurufen und als Heilsbringer die Menschen zu einer veganen Ernährung bekehren zu wollen. Eine Nischen-Ernährung kann keine Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen.

              Mit demselben Anspruch könnten die mongolischen Nomaden die Weltbevölkerung zu ihrer fleischlastigen Lebensweise bekehren wollen.

              Denken Sie, dass der Fleischkonsum in den Entwicklungsländern nur deshalb steigt, weil sich die Leute den westlichen Lebensstil zum Vorbild nehmen? Ich denke, die Leute in den Entwicklungsländern essen hauptsächlich deshalb mehr Fleisch, weil sie es sich endlich leisten können und weil es ihnen schmeckt.

              Von meinen Reisen nach Asien weiß ich, dass sehr viele Asiaten Europa für eine müde, alte Dame halten, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Mit der westlichen Vorbildfunktion ist es nicht mehr so weit her. Da muss ich Sie leider enttäuschen.

              Was auch nicht geht, ist die Reduzierung der Nahrungskreisläufe auf simple chemische Prozesse. Denn überall, wo die Natur auf chemische Prozesse reduziert wird, verschwindet daraus etwas Wesentliches: Das Leben. Die Lebendigkeit. Die Vitalität. Ich weiß nicht, welches Wort am besten passt.

              Und wir essen eben nicht Moleküle, sondern Äpfel, Kartoffeln und Schnitzel. Ich zumindest 🙂

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            • Stadtmensch sagt

              @Marian,
              Das was sie „Leben“ oder „Lebendigkeit“ nennen, ist nichts als organisierte Materie, die irgendwann mal im Wasserstoff ihren Urspung hatte. Und der Boskop-Apfel erscheint nur deshalb lecker, weil diverse Neuronenzellen durch Reizeinwirkung bistimmte Verknüpfungen haben entstehen lassen, die bei erneuter Reizeinwirkung (Lichtbrechung an der Apfeloberfläche, Ausgasung durch Stoffumsetzung beim Zellabbau im Apfel) das „Schaltergebnis“ liefern: lecker.

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            • AdT sagt

              Auch ich muss Sie enttäuschen. Die Veganer, die ich kenne, einschließlich meiner, ernähren sich, abgesehen vom synthetisierten Vitamin B 12, „natürlicher“ als die meisten Fleischesser, da sie – so war es jedenfalls bis vor ein, zwei Jahren, nicht bei den Fertiggerichten fündig wurden.

              Entgegen Ihrem Vorurteil, so nenne ich es mal klar, kann man sich sehr wohl regional und saisonal vegan ernähren, was ich auch tue, wenn auch nicht zwanghaft, aber durchaus bewusst bevorzugt. Die Grundlage sind für den Protein- und Kohlenhydratebedarf Getreideprodukte und Hülsenfrüchte, nicht einmal Soja, daneben das, was auch Fleischesser essen (Gemüse, Obst). Herzhaft und bunt, keine Moleküle.

              Im Zusammenhang mit Veganismus wird immer von „Bekehren“ und „Missionieren“ gesprochen. Diskutieren und Informieren darf man aber schon? Und wie ist denn eigentlich die omnipräsente Fleischwerbung von der Wirkung her einzuordnen?

              Fleisch wird in aufstrebenden Ländern mit Wohlstand assoziiert, ich denke schon, dass bei vielen Asiaten immer noch Bilder vom Westen mitschwingen, wenn auch viele nationales Selbstbewusstsein hegen. Westliche Autos, Schauspieler und Fußballclubs haben dort auch ihre Fans.

              Die Intensivtierhaltung kann man wohl kaum als natürlich bezeichnen. Die globalen Nährstoffströme verlaufen von Südamerka gen Nordamerika, Europa, China, wegen der Tiermast. Das Stichwort ist „Eiweißlücke“, die es in Europa gibt. So beruht die Regenwaldabholzung und der Sojaanbau wesentlich auf der Tierhaltung in USA, Europa, China. Fleischerzeugung ist sehr ressourcenintensiv. Hierdurch verschwindet Leben: viele Pflanzen- und Tierarten und natürliche Tierbestände. Masttiere, oder sagen wir: die Fleisch- und Lebensmittelkonzerne sind Nahrungskonkurrenten für ärmere Menschen in ärmeren Ländern. Die Fleischberge verdrückenden Fleischberge hierzulande sind doch am wenigstens vital.

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            • bauerhans sagt

              „Übrigens, die vermeintlich so unnatürliche pflanzliche Ernährungsweise kann so manche Stoffwechselstörung wie morbide Fettleibigkeit und Diabetes lindern oder heilen helfen.“

              das kann der betroffene nur selbst,wie beim alkoholiker,sich diszipliniert ernähren und bewegen,unabhängig von der ernährungsweise.

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            • @ Stadtmensch

              Zwischen einem lebenden und einem toten Frosch gibt es meiner Ansicht nach durchaus einen Unterschied. Worin besteht der? Erklären Sie das mit Ihrem Modell der organisierten Materie.

              Okay, Sie können Selbstorganisation ins Spiel bringen. Wenn ein Stoffgemisch genügend komplex ist, strebt es danach, seine Struktur zu bewahren. Aber warum tut es das? Was ist es, das die Materie zusammenhält? Und warum fällt die Materie ab einem bestimmten Zeitpunkt, den wir Tod nennen, auseinander? Warum halten wir einen komplexen Roboter oder ein komplexes Wirtschaftssystem nicht für lebendig?

              Wie beschreiben Sie Subjektivität in ihrem Modell der organisierten Materie?

              Ein rot flammender Himmel beim Sonnenuntergang ist auch bloß Staub in der Atmosphäre. Und trotzdem trifft die Beschreibung nicht zu, denn wenn es bloß Staub wäre, würden sich die Menschen nicht dran erfreuen.

              Die wissenschaftliche Beschreibung basiert auf Verallgemeinerung und Abstraktion. Dabei gehen so Nebensächlichkeiten wie Lebendigkeit und Subjektivität verloren.

              Mir sind diese Nebensächlichkeiten aber beinahe noch wichtiger als die wissenschaftliche Beschreibung. Deshalb bin ich ja Philosoph und kein Wissenschaftler.

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            • Ich bin in einem 10jährigen Selbstversuch zum Ergebnis gekommen, dass vegetarische Ernährung nicht nur Vitamin-B-Mangel, sondern auch Eisenmangel und brüchige Fingernägel als Folge hat. Dieser Selbstversuch hat mir außerdem gezeigt, dass es schon mit vegetarischer Ernährung schwierig ist, sich regional zu ernähren. Regionale Ernährung sieht nicht so aus, dass man sich im Bio-Laden außer Vitamin B auch andere Nahrungsergänzungsmittel kauft, was ich getan habe und trotzdem hat es auf Dauer nicht funktioniert.
              Es ist eine Wissenschaft für sich, vegetarische Lebensmittel so zu kombinieren, dass man alle Aminosäuren abdeckt. Mit vegetarischer Ernährung kriegt man es mit viel Mühe hin, bei veganer Ernährung habe ich meine Zweifel.

              Nicht jeder Organismus funktioniert gleich, deshalb bin ich durchaus bereit, dem Veganismus einen Nischenplatz einzuräumen. Es gibt sicher Menschen, denen vegane Ernährung gut tut. Mir hat jedoch schon eine vegetarische Ernährung langfristig nicht gut getan.

              Meiner Erfahrung nach sind fleischlose und regionale Ernährung zwei unterschiedliche Konzepte, die nicht miteinander vereinbar sind, zumindest nicht in Breitengraden, in denen es im Winter kalt ist. Dass bei den Indern vegetarische Ernährung funktioniert, liegt auch daran, dass Indien in weiten Teilen ein wärmeres Klima hat.

              Das Problem ist, dass eine Millionenstadt gar nicht regional ernährt werden kann, es sei denn, man fasst den Begriff „regional“ sehr weit.

              Millionenstädte kann man ebensowenig als natürlich bezeichnen wie Intensivtierhaltung.

              Es ist eine unzulässige Verkürzung, für die Regenwaldabholzung und den Sojaanbau ausschließlich den Fleischverzehr verantwortlich zu machen, und solche Nebensächlichkeiten wie die Bevölkerungsexplosion mit keinem Wort zu erwähnen.

              Meiner Information nach werden weltweit rund 80% der Nutztiere mit Gras ernährt oder mit Abfällen vom Acker, die der Mensch ernährungstechnisch selber nicht verwerten kann. Meines Wissens ist Grasland ein Land, das sich meist gar nicht in Ackerfläche umwandeln lässt.

              Ich stimme zu, dass es sinnvoll wäre, Nutztiere über Grasland und die Abfälle vom Acker zu ernähren und die Zahl der Tiere dementsprechend zu reduzieren. Ich habe dieser Tage einen kleinen Film gesehen, dass der Käse, der von mit Gras ernährten Kühen stammt, besser schmeckt. Aber das ist ja wohl ein ganz anderer Ansatz als Veganismus.

              Dass Nutztiere mit Kraftfutter ernährt werden, ist deshalb bloß ein Schein-Argument für eine vegane Lebensweise, aber keine wirkliche Begründung.

              Als Veganer müssen Sie sich der Tatsache stellen, dass alle Nahrungsmittel, die durch Grasland erzeugt werden, wegfallen. Ebenso die gesamte Ernährung aus dem Meer, und das ist nicht gerade wenig.

              Außerdem empfehle ich das Buch „Die Weizenwampe“ von William Davis 🙂

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            • Stadtmensch sagt

              Hallo Marian,
              danke für ihre interessanten Denkanstöße. In Sachen Philosophie bin ich leider nur Dilettant. Zu den Unterschieden zwischen „belebter“ und „unbelebter“ Materie wurde schon viel geforscht:
              Siehe das Werk von Ilya Prigogine, Werner Ebeling, uva. zu Selbstorganisation. Ich denke, die zeitgenössischen Philosophen kommen nicht umhin, die Fortschritte in den Naturwissenschaften mindestens in dem Maße zu verstehen, dass sie mit ihrer Arbeit an Begriffen und Denkmustern nicht völlig abdriften. Die Einzelwissenschaften vereinfachen nur da, wo es zulässig und nötig ist. Deshalb gibt es zwangsläufig mit zunehmendem Erkenntnisfortschritt eine immer weitere Spezialisierung der Fachgebiete und niemanden mehr, der den Überblick hat. Das ist eigentlich die Aufgabe der Philosophie – oder?

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            • Stadtmensch sagt

              Ja, leider. Genau so..

              „Scientists are deriving hypotheses from a smaller and smaller fraction of our collective knowledge and consequently, more and more, asking the wrong questions, or asking ones that have already been answered.“

              Automatisierung des Denkens (bzw. KI) könnte uns wieder bissel Luft für zielführende Kreativität verschaffen und „Denkleistungsverluste“ minimieren. Das vernetzte Denken, an dem der Mensch selbst beteiligt ist (mühsam filtern), ist auch nur eine Krücke zur Kapazitätserweiterung. Sehr schön dazu: der Film „ex machina“…

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            • AdT sagt

              @ Marian E. Finger:

              – Ihr Selbstversuch 10 Jahre vegetarisch: Bei mir ist es anders, ich ernähre mich seit fast 4 Jahren ganz überwiegend vegan. Vielleicht liegen Ihre damaligen brüchigen Fingernägel daran, dass Milch die Aufnahme von Kalzium, obwohl diese viel davon enthält, hemmen soll. So sagen es einige Veganer. Darauf gebe ich aber nicht viel, da es – soweit ich weiß – nicht empirisch belegt ist, jedenfalls nicht auf breiter Datengrundlage. Übrigens nehmen Sie über Fleisch- und Hähnchenfleisch auch „nur“ synthetisiertes Vitamin B 12 auf, da Schweine, Hähnchen etc. „vegan“ gemästet werden und insoweit supplementiert werden müssen. Der Landwirt Andreas Schmid hier sagte daher mal, er sei Secondhand-Veganer.

              – Mit „regional“ meine ich Produkte, die in Deutschland angebaut werden. Überwiegend kommen sie dann auch aus Deutschland oder Nachbarländern. Zu kleinteilige Warenströme sind ineffizient. Längere Transportwege erlauben eine bessere Verteilung der Güter und damit bessere Absatzmöglichkeiten für Bauern. Wenn Sie meinen, dass Millionenstädte nicht regional ernährt werden können, wäre das ohnehin kein spezifisches Problem veganer Ernährung, sondern gälte auch für Mischkost.

              – Grünlandargument: Nochmal: Veganismus ist weder ein Verein mit Satzung noch eine Ideologie, die vorschreibt, ihn als Blaupause für jedermann, selbst für Steppenbewohner, anzusehen. In den Industrieländern werden Wiederkäuer bis zu 2/3 auf Ackerbasis ernährt, und wenn das möglich sowie für den einzelnen Unternehmer (Bauern) wirtschaftlich ist, dann ist damit der Standard gesetzt, an dem sich der Wettbewerb ausrichtet.

              – „Meeresfrüchte“: Ich möchte Fischer in den Küstenregionen nicht zum Veganismus bekehren, aus dem bereits genannten Grund. Feststeht: Die Fischerei mit den Riesentrawlern führt zu Überfischung und macht mit Schleppnetzen den Meeresgrund kaputt. Fischessen hierzulande ist kein Beitrag für Ernährungsgerechtigkeit und Ressourcenschonung.

              – Das Buch „Weizenwampe“ habe ich als Brotliebhaber (danke für das Brot, liebe Bauern) beim Wichteln geschenkt bekommen. Ich habe es nicht gelesen, weil es auf selektiv ausgewählte Studien gestützt wird und keine hinreichende empirische Basis hat. Vielleicht steckt dahinter die Fleischindustrie, ich weiß es nicht. Ich lese auch keine proveganen Bücher wie „China Study“, weil auch dieses auf selektiver „Basis“ beruhen soll. Übrigens habe ich keine Wampe.

              Meine eher unphilosophische Meinung zum Veganismus: Es ist im Grunde common sense, dass die massenhafte Intensivtierhaltung und Großfischerei ökologisch schädlich sind. Der hiesige durchschnittliche Fleischgenuss ist zudem für die Gesundheit des Einzelnen schädlich (seine Sache – oder vielleicht doch nicht so ganz?), verursacht jedenfalls vermeidbare Krankheitskosten. Daher ist eine Reduzierung geboten. Eine vegane Ernährung ist ein Werkzeug dafür, aber auch eine im Vergleich zu jetzt fleischreduzierte Kost, da ja sowieso nicht jeder Veganer wird, aber je mehr, desto besser auf absehbare Zeit.

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            • AdT sagt

              Noch ein Letztes hierzu @ Marian E. Finger (Replik auf eine Erwiderung hierauf jedoch nicht ausgeschlossen).

              Ich halte die Handlungsethik der Gesinnungsethik für überlegen. Vielleicht ist es sogar handlungsethisch vorzugswürdig, für einen „Halbzeit-Veganismus“ einzutreten als für (dogmatischen) Veganismus. Einfach weil so mehr Menschen zum Mitmachen angeregt werden können. Das „Strenge“ schreckt ja eher ab.

              Aber gar nichts zu tun, weil auch ein Inuit sich schwerlich vegan ernähren kann, find ich etwas schwach und wenig philosophisch. Vielleicht sind wir im Grunde aber doch näher beinander als es scheint (?).

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  5. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin Willi,das ist ja nun einmal eine Tatsache die jeden Menschen betrifft.Guter Einfall.Eventuell denken jetzt auch mal ,die Menschen über Ihr eigenes Produkt nach, die ansonsten immer die Nase rümpfen wenn wir mit Gülle, Stalldung oder Jauche unsere Flächen mit organischem Dünger versorgen. Wir haben aber da nur sehr wenig Spielraum bei den Ausbringe Terminen,unsere Tiere müssen aber auch jeden Tag.

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  6. bauerhans sagt

    erinnert mich an den nachbarn,der damals klärschlamm aufbringen liess und dann hafer anbaute.
    das dreschen des platt liegenden hafers ging irgendwie,aber die vielen tomaten aufem acker waren ziemlich nervig.

    2+
  7. Bisher war ein schlagendes Argument gegen die Veggies, dass ohne Düngung auf den Feldern nix wächst und der Bauer deshalb den tierischen Dünger braucht, wenn er nicht ganz auf Chemieprodukte setzen will. Mit diesem Beitrag zeigst Du, dass tierischer durch menschlichen Dünger ersetzt werden kann.
    Wenn die Veggies schlau sind, klauen sie Dir diesen Artikel, um eine Kampagne draus zu machen 🙂

    Ich habe keine Ahnung, wieviel Liter Gülle pro Hektar ausgebracht wird. Kannst Du da mal eine Vergleichszahl liefern?

    Die interessante Frage ist, ob man menschliche und industrielle „Ausscheidungen“ wieder voneinander trennen kann.

    Die Sache mit dem Klärschlamm ist übrigens ein tolles Argument für meine Hypothese, dass der Mensch durch die Symbiose, die er mit dem Feuer eingegangen ist, und die darauffolgende Verschmelzung mit seiner durch „Feuerenergie“ entwickelten Technik eine grundsätzlich neue Lebensform ist und nicht nur ein intelligenter Affe. Tatsächlich hat der Mensch mehr Ähnlichkeit mit einem Cyborg, wenn man den Begriff Cyborg etwas
    erweitert und darunter nicht nur technische Implantate, sondern den gesamten Komplex aus Mensch und Technik versteht. Das werde ich irgendwo verwenden!

    1+
    • Heinrich Steggemann sagt

      Würde nur der Urin unverdünnt aufgefangen, hätte man schon ca. Zwei Drittel der Nährstoffe gerettet. Deutschlandweit könnte man damit ca. 17 bis 25% des jetzigen Mineraldünger Verbrauchs ersetzen, je nach Einzelnährstoff.

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  8. AdT sagt

    Medikamentenrückstände dürften ja weniger drin sein als im Tierkot, oder?

    Ausscheidungen, die in Krankenhäusern anfallen, könnte man ja weglassen.

    Aber warum die Überlegung, gibt es etwa zu wenig Gülle? Ich gehe davon aus, dass Bauer Willi schon an das vegane Zeitalter denkt. Sehr vorbildlich!

    2+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      > Medikamentenrückstände dürften ja weniger drin sein als im Tierkot, oder?
      Da wäre ich mir mal nicht so sicher. Denn welche „Mittelchen“ und in welcher Menge die ziviliserte Menschheit so konsumiert, das ist auch eine Art „dunkle Materie“.
      Als Beispiel mal diesen Artikel: http://www.taz.de/!5242782/

      5+
    • Bauer Willi sagt

      Blutdrucksenker, Cholesterin-Senker, Beta-Blocker, Anti-Baby-Pille, Haushaltsreiniger… Wüsste nicht, wo die in der Tierhaltung angewendet werden…
      Bauer Willi

      5+
      • bauerhans sagt

        „Anti-Baby-Pille“

        in der schweinehaltung,um den „schweinezyklus“ zu „glätten“!

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      • AdT sagt

        Ja, stimmt, beschränken wir uns auf das Reizwort Antibiotika. 😉
        Deine Aufzählung durchkreuzt aber etwas Deinen Denkansatz.

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      • AdT sagt

        Man könnte sich darauf beschränken, was in Kitas, Kindergärten und Grundschulen hinten rauskommt. Zwar sind dort Erkältungskrankheiten prävalent. Schwer erkältete Kinder (grippaler Infekt, Grippe) bleiben aber zu Hause, leicht erkältete Kinder bekommen doch eher nicht apotheken- oder verschreibungspflichtige Medikamente von ihren Eltern, nicht wenige auch Placebos (homöopathie Mittel). Aber ich ging in der Schule für groß nie auf die Toilette.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Schmerzmittel wie Diclofenac haste vergessen, das wird sicherlich den Tieren verabreicht, damit die gequälten Geschöpfe keine Schmerzen erleiden. 😉 😉

        Bevor jemand diesen Beitrag ernst nimmt, es ist eine Satire. 🙂

        1+
    • Heinrich Steggemann sagt

      Die meisten legen den Fokus auf Gebiete mit hohem Anfall an Wirtschaftdünger. Dabei werden die Regionen mit geringer oder keiner Viehhaltung etc. vergessen. Dort sinken die Bodenvorräte an Phosphor und Kali. Ebenso sollte man die Stickstoffverbindungen nicht erst in der Kläranlage in seine Grundbestandteile zerlegen um sie dann wieder energieaufwending aus der Luft zu holen und im Haberboschverfahren zu Stickstoffdünger zu machen.

      2+
    • Sabine sagt

      Öh, also… ich erinnere mich da an einen Präp-Kurs, der Fische aus nem Teich bekam,der sein Wasser auch von ner Kläranlage bekam… die Geschlechtsfeststellung war da mehr als schwierig. Das war aber Mitte der 90iger, inzwischen haben viele Kläranlagen wohl aufgerüstet… obwohl EE2 ist wohl immer noch ein echtes Problem, gerade unsere Amphibien reagieren teilweise heftigst auf das synthetische Östrogen. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Was das mit den anderen Bewohnern von Feuchtbiotopen macht?…. Irgendwie hängt da vllt. doch das Vorkommen von Störchen mit der Anzahl der Geburten zusammen, nur halt in umgekehrter Richtung wie man es uns als Kindern erzählt hat. Wie andere Medis sich auf unsere Umwelt auswirken untersucht man vorsichtshalber lieber nicht, so mein Eindruck.
      Ich würde den anwesenden Veganern gerne die Hoffnung lassen, dass unser Scheiß das Tierhaltungs-Problem lösen würde, nur wir sind hier immer noch an einem Standort, der eine recht lange Vegitationspause hat und es sind immer noch nicht alle Flächen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln geeignet. Für beides ist die sinnvollste Lösung die Tierhaltung. In manchen Lagen ist ne Kuh wirklich besser als ein Treibhaus und das gilt nicht nur für Almen.

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      • AdT sagt

        Liebe Sabine, das war nicht ganz ernst gemeint. Sollten die Tierbestände mal so zusammengeschrumpft sein, dass nicht mehr ausreichend Gülle für die Düngung zur Verfügung steht, wäre es deutlich einfacher, die Nährstoffe aus Pflanzenabfällen als aus menschlichen Hinterlassenschaften zurückzuführen. Um Wiederholungen zu vermeiden, möchte ich auf meinen Beitrag oben aufmerksam machen.

        Über Wiederkäuer kann für Menschen nicht verwertbares „Raufutter“ in Fleisch und Milch umgewandelt werden. In der sog. modernen Tierhaltung werden Rinder jedoch zu einem erheblichen Teil auf Ackerbasis (Kraftfutter) ernährt (Andreas Fendt zufolge zu 2/3 und nur im Übrigen auf Grünlandbasis). Wenn Sie also sagen, „es sind immer noch nicht alle Flächen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln geeignet“, und meinen, man müsse die dafür geeigneten Flächen effektiv nutzen, dann müsste man also gerade auf diese Art der Wiederkäuerernährung verzichten und die entsprechenden Erzeugnisse meiden; denn so werden Rinder ja erst zum Nahrungskonkurrenten des Menschen gemacht.

        Veganer zu sein, heißt daher noch lange nicht, sich eine „vegane Welt“ zu wünschen, sondern wenigstens einen eigenen individuellen Beitrag für einen besseren Ressourceneinsatz zu leisten. Nicht weil man sich sonst mit Schuldgefühlen plagen oder sich um das Karma sorgen müsste, wie Du mal sagtest, nein, sondern weil ich eine weitestmögliche vegane Lebensweise einfach schön und schlüssig finde, so wie Du vielleicht die Vielfalt alter Nutztierrassen gegenüber „normierten“ Hochleistungszüchtungen vorziehst.

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        • fred huber sagt

          hallo Anwalt!

          „In der sog. modernen Tierhaltung werden Rinder jedoch zu einem erheblichen Teil auf Ackerbasis (Kraftfutter) ernährt (Andreas Fendt zufolge zu 2/3 und nur im Übrigen auf Grünlandbasis).“

          bitte nochmals lesen. er behauptet (zu recht im Extrem) das 2/3 der Erzeugnisse aus dem acker kommen. das ist ein kleiner, aber feiner unterschied.

          bei mir bestehen 85% der futterration aus gras, der rest kommt vom acker, also Futtergetreide, Abfälle (kleie), Stroh, sprich, das meiste für was sich der moderne mensch zu schade ist.

          die Rechnung vom Fendt geht anders:
          man bekommt aus (intensiven) Grünland 4000 Liter pro kuh heraus. alles was drüber geht ist vom acker…

          meine kühe geben 9000 Liter im jahr. wieviel kommt denn jetzt vom acker?

          1+
          • AdT sagt

            Hallo Fred!

            Fendt sagte in einem Kommentar, dass 2/3 der Ration nicht von Dauergrünland, also vom Acker, stammen (können).

            Und Sie meinen, bei Ihren Kühen speist sich über 50 % (5.000/9.000) der Milch aus 15 % der Futterration (Ackerfrüchte)? Dann wären Ackerfrüchte ja ein regelrechter Booster.

            Wo ist Ihr Hof, in Ostfriesland?

            1+
          • Stadtmensch sagt

            @Fred
            bei dir kommen also knapp 1000l aus Nicht-Raufutter. Das würde auch zu dieser „volkstümlichen“ Rechnung passen:
            (20-25l pro Tag)
            http://www.kuh-projekt.de/Kuehe/futtermittel.html
            Wird Zeit, dass der Herr Fendt sich eine neue Sockenpuppe zulegt und hier wieder den Finger in die „Kuh-Müllschlucker-Wunde“ legt.
            Industrieabfälle lassen sich sicher auch anders nutzen (oder eben vermeiden), als über die „Veredelung“ im Kuhmagen.

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            • fred huber sagt

              hallo ihr zwei!
              in meinen futtermischwagen kommen momentan 4oo Kilo Kraftfutter und 2300 Kilo grassilage, ein bisschen mineralfutter und Stroh. heraus kommen 1500 Liter milch. alles andere ist schnöde Theorie. 🙂

              wenn ich kartoffelpülpe, oder biertreber füttern würde, würde sich das verhältniss acker-Grünland ins negative verschieben. ob das gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen.

              ps.: Stadtmensch, ich hatte schon befürchtet dich hat man rausgeekelt… 🙂

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  9. Sophus sagt

    Das muss viel plakativer aufgemacht werden, das muss an die Öffentlichkeit! Klasse!

    2+
      • Heinrich Steggemann sagt

        Bevor wir es in die breite Öffentlichkeit tragen, sollte die Landwirtschaft ein praktikables und durchdachtes Nährstoffverwertungskonzept entwickeln und erst dann der allgemeinen Bevölkerung den Spiegel vorhalten.

        1+
        • AdT sagt

          Spiegel vorhalten? Schuldig durch Scheißen? Oder schuldig, weil ich mit unserem Abwasser- und Aufbereitungssystem recht glücklich bin, es immer für einen zivilsatorischen Fortschritt einschl. Anschlusszwangs gehalten habe und ich mich nicht politisch für dessen Änderung eingesetzt habe, z.B. durch eine Parteigründung (AfD – Ausscheidungen für Deutschland)?

          1+

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