Bauer Willi
Kommentare 34

Die Begeisterung der Gesellschaft

Ich schätze die DLG sehr. Auch ihren Präsidenten Herrn Paetow, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Im Februar ist die DLG-Wintertagung. Als Livestream und in Präsenz.

https://www.dlg-wintertagung.de/

Was geboten wird? Hier ein paar Auszüge aus der Einladung:

“Wege in der neuen Realität

Ackerbau. Tierhaltung. Integration.

Eine neue Realität – dieser beunruhigende Gedanke zieht sich seit zwei Jahren durch die Debatten. Gemeint ist die Wirklichkeit nach der Pandemie, in der die Koordinaten des gesellschaftlichen Miteinanders neu vermessen werden.

Die neue Realität ist also die Transformation. Sie läuft bereits und wird zunächst an einigen Symptomen sichtbar: Erzeugerpreise bei pflanzlichen Commodities schießen durch die Decke. Die Hochstimmung bei Ackerbauern wird allerdings gebremst durch Höhenflüge bei Energie und Dünger. Für Tierhalter sind die Konsequenzen dieses Steilflugs erheblich: Höchstpreise bei Futtermitteln, die der größte Kostenposten in der Tierhaltung sind, in Kombination mit Tiefstpreisen bei Produkten, insbesondere bei Schweinefleisch, presst zahlreichen Betrieben den Atem ab. Als wäre der Markt nicht Herausforderung genug, erleben wir gleichzeitig eine anschwellende Grundsatzdebatte die in unterschiedliche Richtungen führt: Öko, regional, artenschützend, klimaneutral, tiergerecht; gelegentlich auch produktiv und effizient. So lauten die schwerlich unter einen Hut zu bringenden Anforderungen aus der Gesellschaft.

Wie entfachen wir die Begeisterung in der Gesellschaft für eine Landwirtschaft, die uns alle wieder mit Stolz erfüllt?

Das werden wir ausloten, und zwar auf der DLG-Wintertagung 2022. Lassen Sie uns die Debatte gemeinsam befeuern!” (Zitatende)

 

Wer die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft nicht kennt, hier ihre Visionen und Werte: https://www.dlg.org/de/ueber-uns/vision-mission-werte

Meine persönliche Bewertung des Programms:

  • etwas viel “Transformation” (bei diesem Mode-Wort reagiere ich allergisch)
  • etwas viel Umbau (Schweinehalter haben keine Luft mehr zum Umbau),
  • etwas viel Öko (ist vermutlich der neuen Regierung geschuldet).

Ansehen werde ich mir den Teil mit dem Konfliktmanagement und das Plenum mit Alfons Balmann (der immer für eine Überraschung gut ist).

Vielleicht schaue ich auch mal in den Öko-Teil. Da interessiert mich vor allen Dingen die Vermarktung. Ich hätte dort gerne ganz ehrlich (!) die Frage beantwortet, ob sich die jetzigen Bio-Bauern über das Ziel der Bundesregierung von 30% Bio eigentlich freuen? Oder ob sie befürchten, dass dann die Preise endgültig im Keller landen und auch Biobauern austauschbar werden? Quasi die ALDIsierung des Biomarktes.

 

 

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34 Kommentare

  1. Bauleiter sagt

    Ich stimme Bauer Willis Bewertung in allen Punkten 100% zu.

    Die DLG war für mich immer die letzte Bastion der guten fachlichen Vernunft- nun ist auch diese gefallen.

    Gegen die ALDIsierung habe ich eine Idee. Es gibt in Deutschland mehr Raiffeisen-Märkte als ALDI – Filialen.

    Mehr möchte ich dazu nicht verraten.

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    • Bauer Willi sagt

      @Bauleiter
      Falls Sie nicht ab sofort eine andere Mail-Adresse verwenden, werde ich Ihre Kommentare löschen.

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  2. Arnold sagt

    Ein selten dummer Satz der DLG: “Die neue Realität ist also die Transformation”. Dumm, weil man wieder im Berufsstand nicht merkt, dass diejenigen, die als (nicht nur) “grüne” Politiker diesen Begriff seit Jahren benutzen, die nachstehende politikwissenschaftliche Definition (Wikipedia) im Auge haben:
    “Transformation (von spätlateinisch transformatio, lateinisch transformare, dt. umformen, verwandeln) ist in der vergleichenden Politikwissenschaft der Vorgang der grundlegenden Veränderung eines politischen Systems und gegebenenfalls auch der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung.”

    Die landw. Organisationen adaptieren den Begriff, denken dabei aber an eine betriebswirtschaftliche Transformation, so wie sie ebenfalls bei Wikipedia beschrieben wird:
    “Unter Transformation versteht man den Prozess der Veränderung, vom aktuellen Zustand (IST) hin zu einem angestrebten Ziel-Zustand in der nahen Zukunft. ………
    Permanente Transformationsprozesse sind im heutigen Zeitalter für Unternehmen aufgrund der revolutionären Entwicklung (durch Digitalisierung, Globalisierung etc.) und dem schnellen Wirtschaftswachstum unumgänglich. Unter anderem soll der Transformationsprozess dazu dienen, den Veränderungen des digitalen Zeitalters gerecht zu werden und sich immer wieder schnell wandelnden Märkten anpassen zu können.”

    Man wird irgendwann in einer Zentralverwaltungswirtschaft aufwachen, in der das bäuerliche Eigentum in Frage gestellt ist und der Mangel organisiert und verteilt wird.

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    • Reinhard Seevers sagt

      “Man wird irgendwann in einer Zentralverwaltungswirtschaft aufwachen, in der das bäuerliche Eigentum in Frage gestellt ist und der Mangel organisiert und verteilt wird.”

      DAS sehe ich genauso!

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      • Ostbauer sagt

        Falls Mangel bei Nahrungsmitteln auftreten sollte, hat die letzte Regierung ja schon vorgesorgt. Mit dem 2017 verabschiedeten ESV-Gesetz hat der Staat vollen Zugriff auf unsere Betriebe.
        Aber das kenne ich noch; kann ja ein Vorteil sein. 🙂

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      • Inga sagt

        Ich dachte dafür wären die Auflagen da.

        Hat man in der Volkwirtschaftslehre nicht mal fesþgestellt, dass die Bauern ihren eigenen Besitz am besten bewirtschaften können?
        Das steht doch irgendwo geschrieben.
        Das können wir uns von einer Neiddebatte nicht kaputtgehen lassen, oder?

      • Smarti sagt

        Ach du Schei… Das kommt von NABU ! Gut, dass “man” da die Richtung mal ehrlich zeigt. Das Problem ist, dass da “mein Haus, mein Auto, mein Acker steht” und nicht: “meine Mietwohnung, mein Internet, mein Urlaub”…
        Demokratie ist, wenn vier Füchse und ein Hase darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt….

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  3. Meyer sagt

    Wer gibt denn die zukünftige Begeisterung vor ? Doch wohl kaum die Verbraucher , denn die wollen billig wie an der Ladenkasse zu erleben. Es sind also die umerziehenden moralideologischen Politiker und Medien. Mit ihrem Tun wird es bald keine Begeisterung i.S. Landwirtschaft geben , da die Höfe reihenweise die Tore schließen. Also eine Politik der Bauernvernichtung betreiben. Die Politik der Moralideologie wird in nicht allzulanger Zeit an der Realität scheitern , denn deren Bilanz wird Wirtschaftsvernichtung , Währungsverfall und Energieknappheit sein. Dazu kommt die ungeklärte Rentenfrage , die Politik ohne Strategie im In-und Ausland . Die Unzufriedenheit der inzwischen immer mehr aufwachenden Bevölkerung mit den tausenden Spaziergängen setzt diese Politik immer mehr unter Druck und läst sie sogar Demos verbieten , während die Gegendemos erlaubt werden. Das zeigt die Falle , in der diese Politik immer mehr gefangen ist. Leider gibt es noch keine Opposition im Bundestag die das zur Diskussion stellt, aber vielleicht mit dem neuen CDU-Vorstand eine Stimme erhebt.

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  4. Obstbäuerin sagt

    Große Freude herrschte auch auf der Wirhabenessatt Demo. In den Medien als Demonstration der Landwirte für einen Umbau der Landwirtschaft dargestellt. Hier mein Kommentar zum Beitrag des RBB24:
    »Von den 90% der konventionellen Landwirte, die etwa 94% der Nahrungsmittel in Deutschland produzieren, waren vielleicht ein paar wenige Weidehalter dabei. Die ABL (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) vertritt etwa 1.000 bis 1.500? Bauern von 230.000), die an dieser Veranstaltung teilnimmt, wird fälschlicherweise als Vertreter aller konventionellen Landwirte dargestellt. Der weitaus größere Anteil der Mitglieder gehört der Öko-Landwirtschaft an. Es ist eine Demonstration der Bio-Branche und deren NGO´s. Sie fordern die Halbierung des Tierbestandes und damit auch die Abschaffung von 30-40% der Höfe, obwohl sie gleichzeitig das Höfesterben stoppen wollen. Sie fordern die Abschaffung des Pflanzenschutzes und damit eine Verringerung der Produktion im Obst- und Gemüseanbau um mehr als 50%, wollen aber, dass mehr Obst und Gemüse gegessen werden soll. Was dieses Obst dann kostet, wird wohl kaum noch ein Normalverdiener bezahlen können. ☹️«

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    • Christian Bothe sagt

      Mein Beitrag in Top Agrar gestern dazu…
      Wie heißt es doch so schön am Jahresende : “Same procedure as every year.” Ich glaube mehr braucht man zu “WHES” und ihren Jüngern(wer immer die sind ) nicht sagen…Vollkommen an den Realitäten vorbei demonstriert und die 6 Forderungskriterien ( mit einer Ausnahme ) zeigen uns das wieder anschaulich.

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    • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

      Ja tatsächlich, werter Herr Meyer, hier sehe ich für Friedrich Merz tatsächlich eine ganz große Chance, sofern er diese nicht verschenkt.

      Wenn ich auch kein Black-Rocker-Freund bin, wünschen würde ich es ihm u. seiner “neuen” Partei der Mitte sogar….!!!

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  5. Marian E. Finger sagt

    “Wie entfachen wir die Begeisterung in der Gesellschaft für eine Landwirtschaft, die uns wieder mit Stolz erfüllt?”

    Das ist eine Frage, die ihrerseits wieder Fragen aufwirft. Bspw.: Wer ist mit “uns” gemeint? Die Landwirte? Wenn die Landwirte derzeit nicht mit Stolz erfüllt sind, mit was sind sie dann erfüllt? Beinhaltet dieser Satzteil nicht von vornherein eine negative Unterstellung? Das Gegenteil von Stolz ist Scham. Die Assoziation liegt nahe, dass die Bauern, wenn derzeit nicht von Stolz, dann vielleicht von Scham erfüllt sein könnten. Das ist der Schuh, den allen voran die Medien den Bauern seit einigen Jahren anziehen wollen. Wollen sich die Landwirte diesen Schuh denn nun wirklich anziehen (lassen)? Oder ist was anderes gemeint? Niedergeschlagenheit? Frust? Langeweile?

    “Begeisterung entfachen”: ein Synonym ist “freudige Erregung”. Eine Erregung ist in der Regel kurzfristig und klingt rasch wieder ab. Hat so was von Spaßgesellschaft, Party und Jahrmarkt. Ist das wirklich das Gefühl, das die Landwirtschaft bei der Gesellschaft entfachen will? Nahrungsmittelerzeugung ist immerhin eine Lebensgrundlage. Lebensgrundlagen zu pflegen und zu erhalten ist eine ernste Sache. Meine Haltung einem Landwirt gegenüber lässt sich eher beschreiben als eine von Ernsthaftigkeit geprägte Achtung für seine Arbeit. Wertschätzung oder Respekt fallen mir da ein.
    Die Frage ist also, was für eine Haltung der Gesellschaft sich der Landwirt wünscht? Was hat er von einer vermutlich bald wieder abklingenden Begeisterung?

    Wenn schon Grundsatzdebatte, dann sollte die DLG wirklich die Grundsatzfragen neu stellen und nicht den von den Medien vorgegebenen Narrativ derart unbedacht übernehmen.

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    • Thomas Bröcker sagt

      Der von Teilen der Gesellschaft erzeugte permanente Rechtfertigungsdruck, aus dem es bislang nicht gelungen ist proaktiv zu entkommen, in Kombination mit dem Beschwören “positiven Denkens”, erzeugt solche Überschriften bei der DLG und anderswo. Wie genau man aber anders sinnvoll herangehen kann, erschließt sich mir momentan auch nicht wirklich. Lösungen sind auch wichtiger als Überschriften.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Das ist ein perpetuum -mobilee der Selbstverzwergung. Parallel laufen dann Veröffentlichungen in Topagrar oder Agrarheute von Leuchtturm-Betrieben oder Besipielbetrieben, die bereits heute die gewünschten Formen landw. Produktion erfolgreich umsetzen. Die Beratungsinstitutionen wollen natürlich auch nicht als ewig Gestrige dastehen und bieten umfangreiche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen an….und so verselbstständigt sich die eigene Schuldzuweisung bei gleichzeitiger Lösung durch Selbsterkenntnis und Bußfertigkeit.
        Kannste machen nix, ist Systemimmanent.

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      • Marian E. Finger sagt

        Aus Überschriften generieren sich die Meme, die sich der Gesellschaft einprägen und den nachfolgenden Diskurs langfristig bestimmen. Richard Dawkins vertritt die These, dass Meme im gesellschaftlichen Diskurs eine ähnliche Rolle spielen wie Gene in der Biologie. Was löst bspw. der Begriff “Massentierhaltung” inzwischen in den Köpfen an negativen Gefühlen, Bildern und Assoziationen aus, und das obwohl die meisten Nutztiere ja Herden-, also “Massentiere” sind?

        Sicherlich geht es im Augenblick im Wesentlichen darum, konkrete Lösungen zu finden, aber wie wollen Sie denn dem Rechtfertigungsdruck je entkommen, wenn Sie im vorgegebenen Narrativ bleiben? Sprache und Denken lassen sich nicht voneinander trennen. Wenn die Landwirtschaft überleben will, braucht sie nicht nur Strategien, um die “Transformation” zu überstehen, sondern dringend auch eine neue Erzählung.

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Wenn die Landwirtschaft überleben will, braucht sie nicht nur Strategien, um die “Transformation” zu überstehen, sondern dringend auch eine neue Erzählung.”

          Das ist mal ein verwirrender Satz, finde ich. Die Landwirtschaft soll überleben? Nicht eher die Menschen dieses Landes? Eigentlich bedarf es auch keiner neuen “Erzählung”, weil die Versorgung der Menschen mit Nahrung gestern, heute und morgen bleibt, was sie ist.
          Wenn die Erzählung aber jetzt erweitert oder umgeformt werden soll/wird, dann kommt ein Bereich hinzu, der zwar betiebsindividuell sinnvoll, gesellschaftlich irgendwann aber Sprengstoff in sich birgt: die Energieerzeugung auf privatem Grund zu persönlihcer Bereicherung unter dem Argument, für alle Menschen die Welt retten zu wollen. 😮

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          • Marian E. Finger sagt

            @ Reinhard
            Was du im letzten Absatz ansprichst, ging mir beim Lesen von Thomas Bröckers Kommentar auch durch den Sinn. Was passiert wohl, wenn die Landwirte aufgrund des nun ausgeübten politischen und gesellschaftlichen Drucks größtenteils alle gemeinsam auf Energieerzeugung umstellen und diesen Schritt mit dem Narrativ der Weltrettung untermauern würden? Das hat nicht nur Sprengstoff, sondern könnte doch vielleicht eine echte Chance für die Landwirte werden, nicht nur die Höfe zu retten, sondern den Spieß sogar umzudrehen. Was passiert wohl, wenn jetzt alle Landwirte erstmal grüne Kanister aufstellen als Zeichen, dass sie sich ab sofort mit frisch entfachter Begeisterung ausschließlich der Energieerzeugung widmen? (Also, wenn ich mir das vorstelle, fällt es mir schon schwer, ein breites Grinsen zu unterdrücken 🙂 )

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            • Reinhard Seevers sagt

              Ich glaube nicht, dass DIE Bevölkerung das auch so honorieren wird. Es wird eine neue Neiddebatte aufploppen, die dann fragen wird, ob es richtig ist, wenn der Bauer finanziell vom Verbraucher unterstützt seine Energie an ihn kostenträchtig zurück verkauft. Er wird eine Beteiligung am Kuchen einfordern. Am Anfang wird der Protest und der Gegenwind gegen Freiflächen-PV und WKAs stehen, am Ende die Forderung teilhaben zu dürfen, und gleichzeitig genügen Nahrung haben zu wollen.
              Außerdem stehen ja noch Biodiversität, Artenschutz, Gewässerschutz, Tierschutz, Regionalität, usw. im Forderungsportfolio, die es zu erfüllen gilt.☝

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            • Bauer Willi sagt

              Diesen Gedanken hatte ich vor etwa zwei Stunden auch. Ich stelle unseren Betrieb vollkommen um: Weg von Lebensmitteln, hin zu Bioenergie, Biodiversität und sonstigen “Späßen”.
              Wenn ich pro Hektar 4.000 € für PV bekommen kann, warum dann noch den Rücken für Lebensmittel krumm machen…? Dazwischen noch ein paar Windräder… Etwas Rapsöl für meinen Diesel…Solarthermie und Brennholz für meine Heizung…eventuell noch bezahlten Naturschutz für die Schmetterlinge…

              Ernährung wird sowieso total überbewertet…

              Das mit der neuen Erzählung hat was…

              Ich arbeite das mal aus…

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            • Thomas Bröcker sagt

              Den Kanister hänge ich an die Grünen Kreuze (fünf stehen noch immer) an den Zaun unserer zukünftigen Agri-PV – aber erst wenn die fertig gebaut ist !

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          • Marian E. Finger sagt

            Mark hat von Spaziergängern erzählt, die seine Blühstreifen lobend bewundern, während sie über goldgelbe Weizenfelder kein Wort verlieren. Ich würde gern die Gesichter solcher Spaziergänger sehen, wenn auf vielen Feldern plötzlich Kanister oder ein paar alte Ölfässer stehen mit einem Schild daneben: “Hier entsteht demnächst ein reiner Energieerzeugungsbetrieb.” Dass Bienen dem Menschen die Nahrung wegnehmen, glaubt ja niemand so wirklich, aber da unser Energiehunger noch viel weniger zu stillen ist als Hunger als solcher, wird dem einen oder anderen Spaziergänger dann doch vielleicht mulmig.

            Ich stelle mir auch die Gesichter von Habeck und Özdemir vor, wenn die Bauern größtenteils zu dem Schluss kommen sollten, dass “Ernährung sowieso total überbewertet wird”, wie Bauer Willi sagt, und lieber auch zuerst mal die Welt retten, indem sie einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten. Das ist doch das, was Özdemir und Habeck von den Bauern erwarten. Die Reduzierung des CO2-Abdrucks hat Priorität vor der Nahrungsmittelerzeugung. Und außerdem wollen die Leute heute sowieso lieber Spiele und kein Brot mehr.

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  6. Thomas Bröcker sagt

    Irgendwie muss man als IP Betrieb damit umgehen lernen, dass es eine Zeit brauchen wird, bis sich ein neues Gleichgewicht zwischen den “Ansprüchen der Gesellschaft” an die LW und den Realitäten eingestellt hat. Für die nächsten 4 bis 8 Jahre ist Konzentration auf den eigenen Betrieb und dessen Entwicklung angesagt. Für viele Betriebe mit älteren Inhabern und keiner Nachfolge ist Rückbau die Option. Man kann als einzelner Betrieb nur hoffen, dass das so gelingt, dass es keine totale Vermögensvernichtung wird.

    Die “Bekämpfung” von Pflanzenschutz und Mineraldüngung durch die öko-affinen Bevölkerungsteile wird definitiv zu einer Absenkung der Erträge und einem Umschwenken auf Energieerzeugung führen. Meine Nachbarn in Polen kalkulieren mit Mindererträgen von 20 % wegen der zu teuren Mineraldünger.

    Der Ausbau von Bio-Dogmatik-Landwirtschaft zu Ungunsten der klassischen Landwirtschaft auf ihrem derzeitigen Entwicklungsstand, wird den Pflanzenbau auf den Stand der Siebziger Jahre zurückwerfen. Pilzkrankheiten und invasive Neophyten werden schwerer bekämpfbar. Das wird letztlich wieder neue Entwicklungen im Pflanzenschutz beschleunigen (ich hab da in letzter Zeit was von mRNA-Techniken auch für diesen Bereich gehört).

    Schwierig wird die “Übergangszeit”. Ich sehe das Im Obstbau. Meine Bio-Kollegen haben zunehmend Probleme mit den eingeschränkten Möglichkeiten des Pflanzenschutzes klarzukommen. Das gilt inzwischen auch für den Apfel, der bislang als gut händelbar bei Bio galt. Meine Nachbarin hatte in den letzten Jahren in 40 – 50 % der Äpfel Maden, einfach weil die verwendeten Virenpräparate Resistenzen erzeugen. Das geht übrigen um so schneller, je mehr Betriebe diese Präparate mangels Alternativen einsetzen. Das gilt auch für die wichtigste Pilzkrankheit, den Schorf, im Apfelanbau. Auch da sind mir
    Bio-Betriebe bekannt, die auf Grund von Schorfbefall kaum vermarktbare Tafeläpfel hatten.

    Wo wir etwas tun können und auch sollten, ist die Verbesserung der Landschaftsstruktur.
    Problematisch ist hier, dass das ja keineswegs für alle Agrarlandschaftstypen erforderlich ist. Hier eine gerechte Förderpolitik hinzubekommen ist nicht leicht.

    Besonders schwierig finde ich den Umstand, dass Weiterentwicklung eigentlich ein Klima des Aufbruchs und der Begeisterung braucht. Das sehe ich im Landwirtschaftsbereich im Moment fast gar nicht. Vielleicht ist aber auch einfach die Überalterung und das ständige “Granteln” der Alten (mit) schuld.

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  7. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Das WICHTIGSTE, das unsere heutige Gesellschaft in großem Stile fast genauso dringend braucht wie das tagtäglich nicht wegzudenkende Essentielle, welches jedes Menschlein unter seiner Nase einschiebt, ist WAS!? – Hat das die DLG einfach elitär ignorant übergangen, gar ängstlich feige wegduckend!? Das eine ist mit dem anderen zwischenzeitlich absolut verwoben. Was kann/darf ich davon also halten!?

    Energie, Energie und noch mehr Energie als unbestreitbar schwieriges „Reizthema“ (sehen wir hier ja auch bei Willi, der dieses „heiße Eisen“ dennoch angefasst hat. Respekt dafür!) in einer solchen „zukunftsweisenden“ DLG-Diskussionsplattform einfach außen vor zu lassen, zeugt unverkennbar davon, dass eine solche Debatte an Scheinheiligkeit kaum mehr zu überbieten ist. Wozu also wertvolle Zeit dafür verschwenden!?

    Die DLG erkennt offenbar immer noch nicht in seiner nachweislich äußerst komplexen Dimension, dass wir dahingehend derzeit weltweit auf einem brandgefährlichen Pulverfass sitzen. Und eben diese Bedrohungen sind nicht weit weit weg von uns, wir sitzen mittendrin. Hoffentlich versagt unsere Diplomatie nicht…!

    In früheren Zeiten hat es erbitterte Kriege um Nahrungsmittel gegeben – welche Szenarien schweben als äußerst bedrohliches Damoklesschwert heute über unser aller Köpfen!?

    Hat man das tatsächlich noch immer nicht auf diesem DLG-Flimmerbildschirm!? Wenn nicht, so machen ich mir ernsthaft Gedanken, diese Mitgliedschaft zu beenden…, die Schar derer, die ähnliche Überlegungen anstellen, wird in Reihen der DLG dato wohl nicht ernst genommen, einfach unterschätzt!?

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    • Reinhard Seevers sagt

      ‘Wenn nicht, so machen ich mir ernsthaft Gedanken, diese Mitgliedschaft zu beenden…,”

      Hab ich auch schon überlegt.🤔

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  8. Reinhard Seevers sagt

    Die Gesellschaft ist beschäftigt…..der Glööckler isst Warzenschweinhoden im Dschungelcamp,
    DSDS fängt wieder an und Bayern ist weiterhin Tabellenführer.👍😎

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  9. Heiko Hildebrandt sagt

    Ich reagiere allergisch, wenn ich “Anforderungen der Gesellschaft” höre. Fachfremde wollen also jetzt einer Berufsgruppe, die aus Meister,Techniketn, Betriebswirten, Ingenieuren u.s.w
    besteht, sagen, wie sie ihre Arbeit machen sollen?.??
    Dann sollen sie es doch selber machen!!

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    • Smarti sagt

      “Dann sollen sie es doch selber machen!!” – ist nur noch eine Frage der Zeit, spätestens in der nächsten Generation gibt es hier in D viel zu wenig Landwirte.- Oder “die Gesellschaft” “übernimmt” die Landwirtschaft von ärmeren Ländern, wie es z.B. China schon lange vormacht. Denn in Entwicklungsländern “gehorchen” die Bauern einfach besser oder gehen leiser unter.

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      • Thomas Bröcker sagt

        So dirigistisch wie früher agiert China schon lange nicht mehr. Ich beschäftige mich gerade mit Handhabung von Allgefahrenversicherungen weltweit.
        Während die Politik in Deutschland ständig von Markt und Eigenverantwortung schwadroniert, werden in fast allen anderen europäischen Staaten die Versicherungsprämien für (Frost, Dürre, Hagel, Überschwemmung) mit 50 – 80 % bezuschusst. Die Summen, die vom Landwirt dafür berappt werden müssen, sind auch mit Förderung nicht ohne und nur bei höchster Produktivität zu stemmen. Genau dieser Umstand (zu geringe Produktivität durch Pflanzenkrankheiten) spricht auch in diesem Zusammenhang gegen einen Ausbau von Bio-Dogmatik-LW.

        China bietet seit über 30 Jahren Versicherungslösungen für die Bauern mit 60 – 80 % Bezuschussung der Versicherungsbeiträge an. Erst mit dem Anwachsen der Produktivität einerseits und den stärkeren Schäden durch Witterungsereignisse andererseits, werden diese Versicherungen in immer größeren Maßstab durch die LW-Betriebe in Anspruch genommen. Man muss sich als Bauer diese Versicherungen auch leisten können !

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        • Smarti sagt

          Das ist ein sehr spannendes Thema, welches ich noch gar nicht so gesehen habe. Danke dafür. Ja, das macht schon Sinn. Je mehr Menschen mit Nahrung versorgt werden müssen, desto wichtiger ist die “einzelne Ernte” und auch dass Landwirte nicht die Gefahren alleine tragen, weil sie sonst irgendwann aufgeben (müssen).

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    • Arnold Krämer sagt

      Ein selten dummer Satz der DLG: “Die neue Realität ist also die Transformation”. Dumm, weil man wieder im Berufsstand nicht merkt, dass diejenigen, die als (nicht nur) “grüne” Politiker diesen Begriff seit Jahren benutzen, die nachstehende politikwissenschaftliche Definition (Wikipedia) im Auge haben:
      “Transformation (von spätlateinisch transformatio, lateinisch transformare, dt. umformen, verwandeln) ist in der vergleichenden Politikwissenschaft der Vorgang der grundlegenden Veränderung eines politischen Systems und gegebenenfalls auch der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung.”

      Die landw. Organisationen adaptieren den Begriff, denken dabei aber an eine betriebswirtschaftliche Transformation, so wie sie ebenfalls bei Wikipedia beschrieben wird:
      “Unter Transformation versteht man den Prozess der Veränderung, vom aktuellen Zustand (IST) hin zu einem angestrebten Ziel-Zustand in der nahen Zukunft. ………
      Permanente Transformationsprozesse sind im heutigen Zeitalter für Unternehmen aufgrund der revolutionären Entwicklung (durch Digitalisierung, Globalisierung etc.) und dem schnellen Wirtschaftswachstum unumgänglich. Unter anderem soll der Transformationsprozess dazu dienen, den Veränderungen des digitalen Zeitalters gerecht zu werden und sich immer wieder schnell wandelnden Märkten anpassen zu können.”

      Man wird irgendwann in einer Zentralverwaltungswirtschaft aufwachen, in der das bäuerliche Eigentum in Frage gestellt ist und der Mangel organisiert und verteilt wird.

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    • Inga sagt

      Die mit Warzenschweinhoden, Fussball und Dschungelcamp beschäftigt sind?
      Denen ihre Lebensqualität besteht auch darin, über einen Berufszweig bestimmen zu dürfen, ohne jegliche gesellschaftliche Sanktionen!

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